Indiana Tribüne, Volume 30, Number 78, Indianapolis, Marion County, 22 November 1906 — Page 6
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Seit vttltn, Jahren, in Dusenden von Familien war und Ist Dr. August Kön!g'z Xfi alte ,uverlZgigeur gegen Sals und cCungen JEeiden. ?r arme, beruhigt, crqulcff. tutixt. Hva In. Original P&ckiten, Prela 25c S. . Spmsel ...Bäckerei... Zortsche- nd Apfel - Kuchen. 1030 Süd East Str. Butter Ring lüc chter Pumpernickel ?ewste Roggenbrod Maltbrsd arttftand . . . v :;;i;Vr "" & ' r ' ' -r " - v i ' y .'wV 4 r., V .r . itJ i V -v . -v " - .' , f ? ' i , -$- ,? . -.3, ' ,"! nd Eolumbia Sroury ff. Neuer Telephon 31. - . 1 5 Karstadt Bros. Wampf- Färberei und Reinigungsanstalt. öpt.Ofsie'.: 1435 . Illinois Str. ranche : 49 Virginia Lve. 205 Jndiaua Ave. 218 VL JllinoiS. 8cc Vlzones LAKE ERIE & WESTERN R. R. Etdt'ric?et.Osfie : l Oft Washington Ctt. Vhones 271. ....Fahrzeit der Züge.. Abfahrt Ankunst m. Toledo, ilcago und VZtchigan ivreZf 7.15 fl0.ll Nm. Nm. koledo, Detroit und ?huago 2ta H2.30 i 3 tt Nm. 51m. Vtchtsaity.uncien.Lafav'tte erls 6.60 19.4 Täglich, anlgenommen Sonntag?. mm Dr. Paul F. Martin, praktischer Vrztj und Chirurg. Eprech stufen: 11.oa-u.tt tM 4.00 taill Sonntag: Uns Veravreduna. Willsughöy Gebäude, 99t ord eridi trI Tel., Main 44144 ,hMg: UOft Skrv ReJersn, St. lelephon: Mais' 1; r kUT.
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Napoleon in Berlin. Zum 27. O k t o b e r. Von Dr. Theodor feiler. Am 27. Oktober i: Jahres 1806 war es. Gegen 4 Uhr Nachmittags begannen die Glocken zu läuten; der Donner der Kanonen mischte sich in ihren metallenen Klang Napoleon hielt seinen Einzug von Charlottenbürg her in Preußens Hauptstadt. In langen Reihen ordneten sich die Regimenter der franzosischen Besatzung in den Straßen; hin und her wogte die ganze Bevölkerung der Stadt, welche innerlich und äußerlich in Bewegung war um des Einen willen. Alle, auch die ihn haßten, gestanden sich, daß sie einen Anblick wie den bevorslelnden kaum wieder genießen würden, und es war so. Er kam von Charlo.ienburg. Verkauf durch das Brandenburger Thor, dessen Siegesgöttin heute in ganz anderer Bezikhung gedacht werden mußte, als in der damaligen Zeit, zog eine Schaar Mamelucken, von ägyptischer Sonne gebräunt. Söhne der Wüste, mit bunten Turbanen geschmückt, in türkischer Kleidung, auf prächtig gezäumten, arabischen Rossen. Ihnen folgte eine Kompagnie Sappeurs, bärtige Gesichter mit Beilen und Schurzfell, dann die Grenadiere der Garde zu Pferde und zu Fuß. die Jäger in ihren grünen Uniformen, von einigen unwissenden Weißbier-Philistern als die ersten russisä'en Hilfstruppen begrüßt. Die Musikbande, geführt von einem Tambourmajor, der zur Belustigung der Straßenjugend den Rohrstock mit dem zroßen. silbernen Knopf haushoch in oi Höhe warf und wieder geschickt auffing, spielte auf Befehl des Kaisers als Einzugsmarsch die Marseillaise, so gutes Zutrauen hatte Napoleon zu der revolutionsfreudigen Gesinnung der Berliner. Endlich ertönte der Ruf: Vive l'Empereur!" Die Berliner Polizeisergeanten waren dienstbeflissen bemüht, durch Püffe und Stöße die gafsende Menge anzuregen, in das Lebehoch mit einzustimmen, wobei die Straßenjugend mit bestem Beispiele voranging. Eine Schaar von Marschöllen und Generälen in reichgestickten Uniformen, mit Ordensbändern und Sternen geschmückt, bildete das glänzende Gefolge des Kaisers, der sich durch Einfachheit .des Anzuges, Nachlässigkeit der Haltung und gleichgültigen Ausdruck des Gesichts vor den andern Generalen unterschied, aber ganz Berlin zur Bewunderung hinriß. Er ritt einen' andalusischen SchimmelHengst, der sich mit stolzem Kopfnicken,
mehr als der Kaiser, den Jubelgruß der Menge anzueignen schien. Auf dem hellbraunen Gesicht des Kaisers lag tiefer Ernst; seine dunkelblauen, großen Augen schössen mit Zedem Blick einen Blitz unter den schön gebogenen dunklen Augenbrauen hervor; es schien dieser Mann von Bronze keiner mmschlichen Regung zugänglich, durch keine menschliche Schwache gefährdet, und doch schwebten, wenn er sprach, die Grazien auf seinen Lippen und eine außerordentliche Anmuth zeigten seine Mundwinkel, wenn er lächelte. Diese ausführliche Schilderung des Einzuges Napoleons gaben Streckfuß und Forster, zum größten Theil noch auf Grund mündlicher Ucberlioferungen, ebenso wie ihre ausführlichen Berichte über den weiteren Aufenthalt des franzosischen Kaisers in Berlin, der einen Monat währte. Wie einige Tage vorher in Potsdam. so nahm Napoleon auch in Berlin im königlichen Schlosse Wohnung. Bon seinem Aufenthalt in Potsdam mag hier nur eine bezeichnende Episode vermerkt werden. Während er in seinen Siegesbulletins den König von Preußen mit Verachtung und Hohn überschüttete, zollte er Friedrich dem Großen seine gün,e, tiefe Verehrung. Mit seinem gesam:nt Stäbe besuchte er die Gruft des großen Königs in der Garnisonkirche; in langem Schweigen stand er vor dem Sarkophag und sagte dann langem zu seinem Gefolge, auf den Sarg deutend : Wenn du noch lebtest, stünde ich nicht hier!" Einen eigenthümlichen, befremdenden Ausfluß fand diese Verehrung, die scheinbar frei von jeder Pose war, darin, daß Napoleon den Degen, die Generattschärpe, ' die Dekoration des Schwarzen Adlerordens und d Fahnen, die die preußische Garde im siebenjährigen Kriege geführt hatten, in das JnvalidenhauS zu Paris überführen ließ mit der allerdings sehr schmeichelnden Inschrift: Die Veteranen werden alles das mit heiliger Ehrfurcht empfangen, waS dem ersten Feldherrn, den die Geschichte kennt, gehört hat." Diese RuhmeSzeichen befinden sich selbstverständlich längst wieder in Berlin. Schon in Potsdam wurden dem Kaiser von einer Deputation, die er ziemlich ungnädig empfing, die Schlüssei der Stadt Berlin überreicht mit der Bitte um Schonung für die Residenz. Im allgemeinen war denn auch die Besetzung Berlins durch die franz'ösischen Truppen nicht so drückend, als man vielleicht gefürchtet hatte. Napoleon tmponirte den Berlinern ungemein, besonders weil er im ganzen milde genug war, so daß er die tiefe Devotion, mit der ihm die städtischen Behörden entgegenkamen, die verächt lich Kriecherei, welche ihm von den Bürgern gezeigt wurde, lange nicht vollständig ausnutzte.---
ES ist beschämend und betrübend,
wie die Berliner, der Magistrat an dr Spitze, wetteiferten, den Franzosen zu dienen und sich ihnen gefällig zu erweisen. Sie überboten sich geradezu in Denunziationen und Angebereien, und die Erbärmlichkeit fand ihren Höhepunkt, als der Berliner Magistrat j einen Befehl erließ, daß jeder Bürger . etwa in seinem Besitz befindliche Wasfen abliefern müsse, bei Aermeidung sofortiger Todesstrafe. Das war selbst den Franzosen zu viel und es mag ei- , nen seltsamen Eindruck gemacht haben, ! als am nächsten Tag der Kommandant ; von Berlin, der General Hullin, diesen i Eriaß widerrief. ' Überhaupt äußerten die Franzosen ihren Abscheu und Ekel über den edlen Wettstreit der Berliner im Dcnunzieren und Spionieren. In allen Krcisen der Bevölkerung befanden sich Elemente, die sich gern zu Subjekten der Franzosen machten, und in solcher Menge fanden sich derartige Geister, daß denen, die sie riefen, selbst angst und bange wurde. Man erzählt sich, daß töeneral Hullin eien Bürger, der ihm .'nzeigte, daß in der Havel große Holzvorräthe des Königs versenkt seien, unwirsch erwidert habe, er wisse das längst, habe sie aber bisher noch nicht angerührt, damit Se. Majestät der König von Preußen Holz genug behalte, um für solche Hallunken, wie die ? Denunzianten. Galgen zu errichten. Ncpolerni selbst äußerte sich über diese schmachvolle Servilität, über diese ernii drigende Gesinnung, er wisse nicht, ob er sich über daS, was er in Berlin sehe und höre, freuen oder schämen solle. Jedenfalls empfand er , es, daß er si h vor einer solchen Bevölkerung nicht zu fürchten brauche; er ließ ihr denn auch sogar eine Art Sclbstvern:al'ung und schuf eine Bllrgerwehr, zu d'.r sich, der schmucken Uniform wegen. mehr Freiwillige drängten, als unterzubringen waren. In jeder Beziehi ng wurde dem Rufe des Kaisers gefo'gt und ihm oft genug noch mehr gcgel'en als er forderte. Es ist unerklärlich, wie sich die Berlin:r erniedrigten in jenen doppelt traurigen Tagen, es liegt eine unendlich 5 iefe sittliche Entwürdigung in ihr:m Benehmen; erst diel später fanden pch tit Bürger wieder zurecht und nur lang'.am'kam es ihnen zum Bewußtsein, daß sie Preußen waren, auch ge blieben waren, trotz Napoleons Ver kreilcn in Berlin. Vielleicht war es auch nur der erste Rückschlag nach der Niederlage von Jcna, vielleicht hielten sie es für kluA und zweckmäßig, den Sieger nicht zu reize.i, sondern ihn durch Zuvorkommenbeit und Diensteifer die Berechiigung zum scharfen Vorgehen zu nehmen. Oder sie gehorchten in blinder Königstreue dem Befehl ihres Herrschers, der ihnen nach dem Tage von Jena zuging: Der König hat eine Bataille verleren jetzt ist Ruhe die erste Bürger- , pslicht." Ruhig sind die Berliner in jenen Tagen wirklich gewesen . . . m Dichtende Politiker in Frankreich. Bon Karl Eugen Schmidt. (Paris.) Jedermann weiß, daß in jedem parlamentarischcn Lande die Advokater. das große Wort führen und die meisten Politiker stellen. Das ist ganz natürlich, denn von Berufs wegcn müssen sie mehr oder weniger gute Redner sein, und das Reden ist ja die Hauptsache im Parlament. Mit ihnen streiten um die Vorherrschaft die Gutsbesitze?, und danach kommen sclbstverständlich die Journalisten, die cigentlich an der Spitze stehen; denn ein guter Theil der Leute, die ihren Beruf als Advokaten angeben, sind mehr Journalisten als Advokaten. Im französischen Parlament stehen an der vierten Stelle die Aerzte, deren berühmtest Herr Clemenceau ist. Ein Beruf aber, der in keinem parlamentarischen Handbuch verzeichnet steht und der trotzdem im französischen Parlament zahlreiche Vertreter hat, ist der Dichter. Der bekannteste parlamentarische Dichter ist allerdings seit dem letzten Frühjahr nicht mehr Deputirter. Clovis Hugues. sozialistischer Vertreter des Pariser ArbeiterViertels Belleville, obschon er der sonnigen Provence entstammt und Verfasser des Heldengedichtes La Chanson de Jeanne d'Arc" ist. hat sich im Frühjahr von der Politik zurückgezogen, um hinfort nur noch der Dichtkunsi zu leben. Er war auch so ziemlich der einzige französische Volksvertrcter, den man einen zur Politik verirrten Dichter nennen konnte. Alle anderen Dieter, die in der Kammer oder im Senat sitzen, sind Dicbter nur so nebenbei, also Gtlegenheitsdichter. ', Aber nein, da ist noch ein Deputirter, der mindestens ebensoviel Dichter Wie Politiker ist, ja, der als Dichter weit bekannter und populärer ist denn als Staatsmann. Mindestens ein Jahr lang sang und psisf m'änniglich in Frankreich uno cavarra vie sögenannten Stances h Mcmon": Ma non, sieh die Sonne! Das ist der Frühling, Das ist das Erwachen der Liebe, Der Herrin aller Dinge." Dieses Lied und viele andere, die allen Besuchern der Künstlerkneipen bekannt ' und geläufig sind, hat Maurice Boukay gedichtet, der unter seinem wahren Namen Maurice Couyba der Kammer angehört und mit den sozialistischen ,' Radikalen stimmt. . . Boukay ist ein
wrrmazer Mcyter unv yar ennge ganz
vorzügliche Lieder geschaffen, die an Reiz und Einfachheit sich neben den köstlichsten Schöpfungen der Volkspoesie behaupten können. Noch ein anderes Lied, das in den letzten Jahren auf allen Straßen und Plätzen Frankreichs gesungen und gcspielt wurde, hat einen Parlamentrier zum Urheber. Der radikale Abgeordnete Henri David ist der Dichte? deS Gassenhauers, der dem Freiersmann empfiehlt, den Hof nicht der Angcbeteten, sondern ihrer Mutter zu machen, nach der Hochzeit aber der Schwiegermutter den rechten Weg zu weisen: Willst du daö Töchterchen habcn, das junge und reizende, dann mache der Mama Komplimente." Hoffentlich behandelt der Abgeordnete David seine Wähler nicht so schwiegermütterlich, indem er ihnen vor der Wahl goldene Berge verspricht, um ihnen nachher eine Nase zu drehen. Zu Boukay und David gehört Lucien Hubert, der wie sein Kollege Ge-rault-Richard seine DebütS im Chat noir" auf dem Montmartre gemacht hat, dieser Künstlerkneipe, aus der Zeichner wie Steinlen, Willette, Tou-louse-Lautrec, Schriftsteller wie Allais, Courteline, Donnay und daneben auch einige Politiker hervorgegangen sind. Ein Gedicht, das Hubert im Schwarzen Kater" vortrug, schildert das Zusammentreffen Cambronnes nd Wellingtons im Himmel. Camöronne ist der französische General, der J6ei Waterloo den zur Uebergabe auff?rdcrnden Engländern ungefähr das geantwortet baben soll, was Götz von Berlichingen dem Hauptmann zurief. Als daher Wellington seinem al. ten Gegner im bessern Jenseits begegncte, lief er alsbald zum Herrn des Himmels und beschwerte sich, was für einen Rüv?l man da eingelassen habe. Der Herr aber läßt sich die Geschichte erzählen und meint lachend: O, mein Lieber, wenn er weiter nichts gesagr hat!" Aber nicht nur Politiker zweiten Ranges haben gedichtet, sondern wir können mit drei oder vier ehemaligen, gegenwärtigen oder zukünftigen Ministern aufwarten, die bei den Musen zu Gast gewesen sind. An erster Stelle und als größte Merkwürdigkeit muß Henri Brisson genannt werden. Dieser strenge Puritaner, den man ob seines traurigen Ernstes und seiner niemals durch ein Lächeln aufgehellten Leichenbittermiene das Begräbniß erster Klasse" benamst hat, ist insgeheim ein wollüstiger Sybarit. Anders läßt sich sein Gedicht nicht erklären, das die Pracht eines Badezimmers schildert, und zwar in einer Weise, daß man an die üppig ausschweifenden Schilderungen Flauberts inSalammb6" und an die nicht minder üppig ausgestatteten Palasträume des Malers Gustav Moreau erinnert wird. Von Elfenbein, Porvr. Onyx und Lapislazuli ist da die Rede und von der Königin der Vergangenheit. Geenwart und Zukunft", die ihre Reize in dem Spiegel beschaut. Herr Brisson scheint sich in seiner Jugend in den intimen Gemächern der vornebmsten Pariser Demimondainen herumgetrieb en zu haben, denn wo sollte er sonst diese Kenntnisse hergenommen haben? Und darüber wundert man sich ein wenig. Wenn sein Fraktionsgenosse Hcrr Georges Clemenceau dieses Gedicht verfaßt hätte, wäre die Verwunderung weniger groß, denn von ihm weiß man, und er denkt nicht daran, es zu leugnen, daß er zehn oder zwanZig Jahre lang zu den Habitu6s der Opernkulissen gehört und mit allen oder doch mit vielen Ballettänzerinnen äußerst leutselig verkehrt hat. Auch Herr Lockroy. mehrere Male Marineministcr, grimmiger Gegner seines einstigen Busenfreundes Camille Pelletan und jetzt Marinespezia list, hat in seiner Jugend qedichtet, und zwar nicht nur so nebenbei und zu seinem Vergnügen, sondern im Hauptamte und zum Geldvcrdienen. Ehe er Politiker, Minister und Marinesachverständiger wurde, hat Lockroy überHaupt allerlei durchgemacht. Er trug z. B. das rothe Hemd und war einer voy den Tausend Garibaldis. Wenn Sie jemals in Italien gewesen sind, wissen Sie, waS das zu bedeuten hat. Da begegnet einem alle Naselang ein stolzer Greis, der einem sagt: Ich bin einer von den Tausend." Es gibt ihrcr in Italien mindestens hunderttausend, die zu den Tausend gehört habcn, die einst mit Garibaldi nach Sizilien zogen. Wenn man die todten Garibaldiancr mitrechnet, so kommt gewiß eine Million heraus. Jeder einzelne der Tausend hat tausendfältige Frucht getragen, ein so glückliches und fruchtbares Land ist Italien. Lockroy aber war wirklich einer von den Tausend, und das ist nicht alles. Vorher war er Maler und Illustrator, danach wurde er Archäolog und ging als Sekretär Renans mit diesem nach Palästina. Nach Paris zurückgekehrt, verfaßte er mehrere Schwänke .und Operntexte, die ihm heute noch Tantiemen einbringen, und erst nach allen diesen Thaten entpuppte er sich als Staatsmann. Ob er ein besserer Staatsmann als Dichter und Maler ist, wage ich nicht zu bestimmen, jedenfalls haben Malerei u. die Poesie nichts verloren, als er sich der Politik zuwandte, und ich neige der Ansicht zu. daß er von all seinen Rollen die des GaribaldianerZ am besten gespielt hat. Herr Trouillot, Minister unter CombeS und gewaltiger Feind der katbolilcben kircb. bat in seiner uaend
religiöse Gedkcyke voll Änvacy: uno
Frömmigkeit geschrieben, und Herr Leygues, der noch unter Sarricn Minister war und es über kurz oder lang wieder sein wird, hat einst grausame Revanchelieder gesungen, mit blutiger Hand die Harfe geschlagen, die Fahne hochgehalten, daS Schwert gefuhrt und in die Trompete gestoßen.. In einem feine? Gedichte konfiszirt Herr Lcygues ga? den ollen eh?lichen Odin, den ich bisher zu Recht oder zu Unrecht für einen deutschen Landsmann gehalten habe und den man uns hätte lassen können, nachdem - man uns schon lange Karl den Großen als Franzosen weggeschnappt hat. Herr LeygueS läßt seine Rächerschaar von keinem andern als dem Gotte Odm anführen, als sie den germanischem Barbaren zu Leibe aebt und der. Fremdling auS dem Wasgenwalde vertreibt. Ich finde das nicht schön von Herrn Leygues. Die Kelten hatten doch Herrgötter und Helden genug, in der Bretagne wimmelt es von ihren Sagen und Geschichten, warum also uns armen Deutschen unseren Odin nehmen? Ein bretonischer Gott hätte doch genügt, meme ich. Religiöse, ja sogar royalistischcVcrse hat der radikale Senator Maxime Lecomte verfaßt, und das wäre ihm bei den letzten Wahlen fast übel bekom'men, denn da gruben die Gegner diese 'Jugendsünden aus und bekämpften den ,Aermsten mit den eigenen Waffen. 'Jules Guesde, mit Jaurös der Führe? der französischenSozialdcmokratie. hat ein Gedicht geschrieben, dessen Abfassung man eher Herrn Brisson zutrauen sollte, denn es betitelt sich An den Tod" und preist Freund Hein als Tröster und Erlöser. He?r Z6va6s, ebenfalls Sozialdemok?at. hat das Elend de? a?beitenden Klassen besungen und dabei gezeigt, daß e? ein besse?cr Mensch als Musikant ist, und zwei ander? Sozialdemokraten, Carnaud und Boyer, haben in der Sprache der F6libres ihre Weisen gesungen. Diese zwei sind nicht die einzigen provenealischen Dichter im französischen Parlamcnt. Außer dem schon genannten Claris Hugues, der nicht nur französisch, sondern auch provenalisch gedichtet hat, haben die Deputirten Leydet und Maurice Faure in der Sprache Mistrals gereimt. Maurice Faure ist sogar einer der bedeutendsten proven?alischen Dichter der Gegenwart, war eine Zeitlang Präsiden! der Fölibres und hat wirklich sehr hübsche Sachen geschrieben. Au diesen probengalischen Sängern sei der Bretonc Jacob gesellt, der in seiner weniger melodischen Sprache dichtet und ein starker Satiriker sein soll. I Endlich nenne ich noch zwei Leute, die jetzt nicht mehr dem Parlament angehören, früher aber in der Kammer gesessen haben und heute noch von sich reden machen: den Patriotenhäuptling Döroulöde und den Pamphletisten Rochefort. Dieser hat nur in der Jugend gedichtet, und da ist ihm das nämliche passirt wie den jetzigen Antiklerikalen Lecomte und Trouillot: er hat nämlich die Leier für religiöse Hymnen gestimmt. Aus diesen drei Beispielen mag man lernen, daß die jugendliche , Dichteritis doch auch von Uebel sein und in späteren Jahren unangenehme Folgen haben kann. Diejenigen meiner' Leser, die noch nicht sechzehn Jahre alt sind und später berühmte Männer zu werden hoffen, mögen sich also vorsehen, ehe sie den Pegasus besteigen! i D6roulödc ist als Dichter mindestcns ebenso tüchtig wie als Politiker. Seine Reime sind lauter Trompetenstöße und Trommelwirbel, genau wie seine Reden. Die Rosse wiehern, die Säbel blitzen, die Flinten knallen, die Kanonen krachen, die Fahnen flattcrr, schnettercngteng , schnetterengteng ! Blechmusik ersten Ranges. Leygues mit seinem Odin ist ein armer Waisenknabe gegen den Dichter Paul Döroulede. Bill gegen Einhaltsbefehle. Die Maßregel, welche in der vorjährigen Konareßscssion unter dem Namen Pearre Anti-Jnjunction-Bill eingebracht worden ist, bildete den Berathungsgegenstand einer Konferenz zwischen dem Präsidenten Rooscvelt, Samuel Gompers und verschiedenen andern Vertretern der American Federation of Labor, welche dringend wünscht, daß der Präsident in seiner Jahrcsbotschaft an den Kongreß Vorschläge in dieser Richtung macht. Herrn GomperS begleiteten der Sekretär der Föderation. Frank Morrison, und James O'Connell vom internationalen Verbände der Maschinenbauer. Suff bei den Tempe r e n z l e r n. Nicht weniger als achtundfünfzig Verhaftungen wegen Trunkenheit in einer Woche in einem kleinen Nest des Prohibitionsstaates Maine; die Apfelernte sei Heuer so gut ausgefallen, führt das Blatt, das dies Vorkommniß meldet, ls Entschuld!, gung an. Ein tüchtiger DeutschAmerikaner in den Kong r e ß. Im neunten Kongreßbezirk von Wisconsin, der sechs Counties umfaßt, ist der in Deutschland geborene, sehr fähige Republikaner Gustav Küstermann mit einer Mehrheit von beinahe fünftausend gewählt worden, wie Richard Bartholdt im zehnten, aus Theilen der Stadt St. Louis und des St. Louis County bestehenden Kon qrcßbezirk von Missouri zum achte.". Mal gewählt wurde.
Maßregeln gegen Schlangendik Vergiftung.
In den Tropen spielen pflanzliche und thierische ist eine weit größere Rolle als bei uns. Diese Thatsache wird am besten durch den Umstand illustrirt, daß in Indien jetzt noch jährlich nicht weniger als 20,000 Menschen durch Schlangenbiß zu Grunde gehen. Die englische Regierung hat . deshalb in Bombay ein besonderes Laboratorium errichtet, in dem man sich außer mit einer Anzahl anderer für die gesundheitliche Förderung des Landes wichtiger Fragen auch damit beschäftigt, Mittel und Wege zu finden, um diesen durch Schlangenbisse bewirkten Verhceruitgen entgegenzutreten. Es hat sich nun gezeigt, daß gegen den Biß der Brillenschlange eine Serumbehandlung sehr angebracht ist. Allerdings muß das Serum, da der Biß der Brillenschlange innerhalb drei Stunden tödtet, sofort zur Hand sein. Man gewinnt es, indem man Pferden Schlangengift einspritzt und ihnen dann nach einiger Zeit das Blut abzapft. Das Blut trennt sich bekanntlich beim Stehen in zwei Theile: in den festen Blutkuchen, der die Blutkörperchen enthält, und in das Blutwasser oder Serum, das die Grundlage aller Serumbehandlungsarten bildet. Um nun das zur Serumbereitung nöthige Schlangengift erhalten zu können, werden nach einem Berichte des Marinestabsarztes Dr. Böse in dem genannten. Laboratorium zu Bombay etwa 100 Giftschlangen gehalten. Jede befindet sich in einem kleinen eisernen Käfig. Soll ihr Gift entnommen werden, so wird die Thür des Käsigs geöffnet und ein Eingeborener schlägt mit einem Stecken auf die Käfigwand, worauf die Schlange zornig herausfährt und sich hoch aufrichtet. Der Eingeborene drückt ihr mit dem Stocks sofort den Kopf nieder, packt sie mit seinen Zehen beim Schwanz und ergreift sie mit der Hand im Genick. Durch einen Druck zwingt er sie, die Kiefern zu öffnen, wodurch die im Oberkiefer liegenden Giftzähne sichtbar werden. Bekanntlich befindet sich im Kiefer der Schlange unter den Giftzähnen das Giftreservoir. Sobald die Schlange zubeißt, wird die Wurzel des Zahnes gegen dieses gedrückt, wodurch das Gift in den durch die ganze Zahnlänge hindurchgehenden Giftkanal hineingedrückt wird, so daß es an der Zahnspitze, wo der Kanal mündet, ausfließt. Der Giftapparat der Schlange gleicht also gewissermaßen den bekannten Spritzen mit Gummiballen. Infolge seiner Beschaffenheit genügt es, die Zähne der am Genick festgehaltenen Schlange in ein Wachstuch einzustoßen, das über ein Glas gespannt ist. Es wird dadurch derselbe Druck auf die Giftblase ausge. übt, wie beim Biß und aus der Spitze des Zahnes entleeren sich mehrere Tropfen Gift in das Glas. Dieses wird getrocknet und den Pferden ein geimpft. Wie man sieht, ist die Art und Weise der Gewinnung des Schlangenserums sehr einfach nur etwas gefährlich! Das Gefängniß zu Easton, Md., wurde neulich Abends von I. Raymond Greenwood, einem jungen weißen Manne, der wegen unordentlichen Betragens auf der Straße virhaftet worden war. in Brand gesteckt, und tn der allgemeirn Aufregung gelang es ihm, aus dem Gefängniß zu entkommen. Greenwood hatte sein Bett und Bettzeug in einer Ecke seiner Zelle aufgestapelt und dann entweder absichtlich oder zufällig in Brand gesteckt. Das Feuer wurde erst entdeckt, als dicker Rauch die Gänge füllte. Als Sheriff Caulk die Zelle Greenwoods öffnete, fand er dieselbe leer. Allem Anschein nach hatte sich der Gefangene dicht an den Eingang gestellt und war beim Oeffnen der Thür in den Gang geschlüpft, ohne daß er bei dem Rauch bemerkt wurde. Ganz natürlich. A.: Der Direktor der Versicherungsgesellschaft X. nimmt all' seine Söhne in das Geschäft. Wie finden Sie das? B.: Ganz natürlich! Er als Leiter will doch all' seine Sprossen darin hah"' V.. Die' Nachbarschaft der Victoria-Fälle in RHodcsia ist dcrartig populär als Winter-Resert geworden, daßHotel-Neubauten daselbst nothwendig geworden simfc. Personen, welche mit dem russischen St. Andreas - Orden dekorirt werden, haben die Berechtigung,, den Pardon eines zum Tode rcrurtheilten Menschen zu verlangen. Die Stimmgeber in dem Distrikt, welchen Congreßmitglied Julius Kahn von San Francisco vertritt, sind seit dem jüngsten Erdbeben von 35,226 auf 8000 geschmolzen. Englische Kapitalisten beginnen jetzt wieder die Goldminea in den Alpen zu bearbeiten, in deren Schachten die von den Römern verurtbeilten , Christen beschäftigt wurden. Verdient Geld. Indianapolis omvofite Brkck Co. Rktim jetzt 847 50 per Antheil. Der Vreis steigt am 24 November auf 560. Land gekauft, Fabrik gebaut. Maschi nerien die? dies Ist eine sichere und
prositable Jnveftirung.
