Indiana Tribüne, Volume 29, Number 36, Indianapolis, Marion County, 5 October 1905 — Page 7

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Jnbiana Tribüne, 3. Oktober 1005

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Getilgte Schuld IN o m a n von Johannes Emnz er )0-0-0-0-00-(Fortsetzung.) Seit längerer" Zeit hatte Melame von ihrer theuren" Freundin Elfe Steinberg gesprochen, und zwar in einer Weise, welche die lebhafte Neugierde des Premierleutnants erregen mußte. Nun stand diese Freundin leibhaftig vor ihm und erweckte in der That sein Interesse. Else v. Steinberg war fast in allen Stücken ganz anders, als Melanie, verschieden in Gestalt und Haltung, verschieden im Wesen. Hochgewachsen und schlank, mit einem scharf gezeichneten Antlitz. Dunkelhaarig und mit tiefliegenden, funkelnden Augen, machte Else den Eindruck einer energischen, starknervigen Natur; sie verrieth Selbstbewußtsein. Klugheit und Stolz, vielleicht auch ein wenig Rücksichtslosigkeit und Selbstsucht; während Melanie in jeder Hinsicht zarter organisirt war. Liebensiein begriff, daß Else einen starken Einfluß auf ihre Freundin ausüben konnte. Fräulein v. Steinberg kam ihm in einer Weise entgegen, welche das Besireben verrieth, seine Sympathien zu gewinnen, und er freute sich darüber, da er dies dahin deutete, daß Else seiner Braut zu Liebe mit ihm auf gutem Fuß zu stehen wünsche. Jedenfalls erschien ihm dies besser, als wenn er ihr mißfallen hätte, und er dann einen feindlichen Einfluß hätte bekämpfe müssen. Er ließ es daher auch seinerseits an nichts fehlen, um sich dc Freundin im besten Lichte zu zeigen, war aufmerksam, galant und liebenswürdig, wofür ihm Melanie aufrichtig Dank wußte. Liebenstein war schließlich gar nicht ungehalten darüber, daß Else nicht von Melanie? Seite wich, und die Beiden förmlich unzertrennlich erschienen; er fühlte kein so starkes Bedürfniß mehr, mit Melanie allein zu sein, um zärtliche Zwiesprache zu halten; und wenn seine Braut mit der Dritten im Bunde" einverstanden war. so konnte es ihm auch recht sein. Es fiel ihm . bald auch gar nicht mehr auf. daß in der Unterhaltung eigentlich Else das Wort führte, und Melanie mehr zuhörend sich verhielt. Sie machte ja dabei ein so glückliches Gesicht, lachte sc fröhlich und heiter bei den scherzhaften Wortkämpfen, welche Liebenstein und Else ausfochten, daß er keinen Anlaß hatte, sein Benehmen, zu ändern. Anfanglich hatte der Leutnant eine gewisse Zurückhaltung beobachtet, als kluger Mann gestattete er nicht leicht Jemand Einblick in sein Denken und Fühlen, allmälig aber gewann Else sein volles Vertrauen derart, daß er sorglos wurde, obwohl er ganz richtig den Scharfblick und die Beobachtungsgabe des Fräuleins v. Steinberg erkannt hatte. Einmal Melanie hatte sich auf kurze Zeit entfernt überraschte ihn Else mit der Bemerkung: Es scheint, daß Melanie Sie erobert hat, und nicht umgekehrt, Sie Melanie." Liebenstein lachte. .Es ist selbst für den größten Helden keine Schande, in die Gefangenschaft schöner Frauen zu gerathen." Ich habe also Recht?" fragte Else. Vielleicht. Ich kann es nicht mehr genau sagen. Geliebt werden, ruft Liebe hervor, wie Mißtrauen wieder Mißtrauen erzeugt, oder um ein ganz modernes Bild zu gebrauchen, der . Magnet weckt den elektrischen Strom." Sie mußten also erst elektrisirt werden?" j Beinahe möchte ich es selbst glauben. Sehen Sie, mein gnädiges Fräulein, .das Leben, welches ich führte, war gewiß heiter und vergnüglich, manchmal kam es mir aber doch recht schal vor. Immer nur an sich , denken zu müssen, wird auf die Dauer langweilig. Nun soll es anders werden. Ich werde nicht mehr blos mit meinem eigenen Selbst mich zu beschäftigen haben, es werden mir neue Pflichten erstehen, deren Erfülluno auch neue Befriedigung bietet, und schließlich die Hauptsache: es wird recht behaglich werden." Eine sehr, kühle Auffassung." erwiderte Else in einem Tone, welcher den Leutnant befremdete. Er bereute in diesem Augenblicke, daß er so offen gesprochen habe, und beeilte sich jetz. den Eindruck seiner Worte abzuschwächen. Ich wollte Ihnen nur beweisen, daß auch der Verstand keine Einwendung gegen die Entscheidung des Herzens erheben konnte." sagte er. Melanie erschien wieder und das Gespräch hatte ein Ende. Der Leutnant dachte bald auch nicht mehr daran, und sein Verkehr mit Else blieb unbefangen und vertraulich wie zu ' vor. Einem schien aber dies nicht zu gefallen, und dies war Baron Prettau. ' Der Premierleutnant bemerkte plötzlich. daß der sonst so treue und anhängliche Freund merklich kühler wurde und sich zurückzog, manchmal auch herbe und scharfe, Aeußerungen fallen ließ, welche mit seinem Wesen gar nicht in Einklang standen.

Liebenstein grübelte nicht erst langt darüber nach, was die Ursache dieser Veränderung sein tönne. sondern ging geradeswegs auf das Ziel los. indem er den Baron einfach fragte, weshalb er so verstimmt sei. Auf die offene Frage erfolgte auch eine offene Antwort. Sie sind ver lobt . und tändeln mit Fräulein v. Steinberg in einer Weise, nls ob diese erst Ihre Braut werden sollte." Der Premierleutnant machte zuerst ein verblüfftes Gesicht, dann lachte er hell auf. Sie sind ja ein furchtbarer Tugendbold! Nicht einmal Melanie ist eifersüchtig und Sie " Er stockte und sah den Baron scharf an. Ein überraschender Gedanke war ihm durch den Kopf gegangen, als er das Wort eifersüchtig" ausgesprochen hatte. Baron Prettau vermied es. dem forschenken Blick des Freundes zu begcgnen. Fräulein Melanie ist zu unerfahren " begann er in etwas unsicherem Tone. Doch Liebenstein ließ ihn nicht weiter reden, sondern legte die Hand auf den Arm des Freundes und sagte kurz und bestimmt: Sie sind eifersüchtig! Widersprechen Sie nicht, leugnen Sie nicht! Ich sehe, jetzt ganz deutlich, wie es mit Ihnen steht. Verzeihen Sie. daß ich daran gar nicht gedacht hatte, sonst hätte ich sicher Alles vermieden, was Ihnen unangenehm sein konnte. Von nun an sollen Sie sich nicht über mich zu beklagen haben." Der Baron schien unschlüssig zu sein, was er darauf erwidern solle. Nun denn ja!" sagte er endlich, das Fräulein v. Steinberg interessirt mich ein wenig. Wie aber soll ich ankommen, wenn Sie mir im Wege stehen! Sie mit Ihren gesellschaftlichen Talenten und sonstigen Eigenschaften stellen mich so in den Schatten, daß kein Blick auf mich fällt. Ich würde ja nichts sagen, wenn Sie frei wären, so aber sind Sie versorgt verlobt wollte ich sagen und könnten daher wohl außer Konkurrenz treten." Liebenstein, halb gerührt, halb belustigt, erklärte feierlich, daß er daraus verzichten wolle, unversorgten" Liebebedürftigen Konkurrenz zu machen. Der Baron fand dies auch nur recht fend billig, zumal a Lieoenstem elgemlich schuld sei. daß er. der Baron, sich für Else v. Steinberg interessire. Wie das gekommen sei, fragte der Leutnant neugierig. Fräulein v. Steinberg ließ sich von mir erzählen, was ich von Ihnen wußte. Sie wollte offenbar Gewißheit haben, daß ihre geliebte Freundin einen echten und rechten Mann sich erwählt habe. Nun. ich habe das Meinige gethan. ihr diese Gewißheit zu geben " Ich kann mir denken, wie Sie mein Lob gesungen haben." sagte der Leutnant und drückte dem Freunde warm die Hand. Wir sprachen dann oft von Ihnen, das Fräulein äußerte sich auch sehr sympathisch über Sie, und das that mir wohl. So schwärmten wir Beide von Ihnen und dabei lernte ich Fräulein Else 'genauer kennen " Und so weiter! Ich verstehe Alles, mein lieber Baron, und ich will mit Freude die Gelegenheit ergreifen, mich dankbar zu erweisen. Sie sangen mein Lob. ich will das Ihre dem Fräulein v. Steinberg in die Ohren posaunen. Else soll schwärmen für Sie und Ihr Herz." Lassen Sie die Scherze." bat der Baron. Sie wissen ja, wie wenig mir das Glück hold ist." Wir werden ihm ein wenig nachhelfen. Melanie und ich, vertrauen Sie uns!" Was Liebenstein versprach, das wurde auch gewissenhaft ausgeführt. Mit bewundernswerther Gewandtheit vollzog er den Frontwechsel"; ganz unauffällig für Andere, für Elfe v. Steinberg allerdings nicht.. Er verstand es so einzurichten, daß Melanie sich mehr an der Unterhaltung betheiligen mußte, daß sie Beide mehr als bisher allein sein konnten, und die Dritte im Bunde" nicht mehr die erste Rolle spielte. Bei jeder passenden Gelegenheit sprach er von dem Baron, und wußte Melanie ohne daß sie seine Absicht merkte auf den Gedanken hinzulenken, dieser wäre so recht geeignet für Else. Sein Hauptmanöver aber war, daß er den Baron, so oft es nur schicklicherweise anging, mitbrachte, das Weitere ergab sich dann von selbst. Else v. Steinbcrg war gezwungen, sich mit Prettau zu unterhalten, und Melanie' hatte nicht den Vorwurf zu fürchten, daß sie die Freundin allein lasse. 'Liebenstein hatte vorausgesetzt, daß auch das Fräulein v. Steinberg sich nicht allzuschwer in die veränderten Verhältnisse fügen werde, da ja Alles vermieden worden war. was sie hätte verletzen können. In der That schien sie bald mit der neuen Sachlage sich befreundet zu haben; anfangs freilich hatte sie sich etwas verstimmt gezeigt, und ab und zu war auch eine spitze Bemerkung gefallen. Eines Tages wollte der Premierleutnant fcine Braut zu einem Spaziergang abholen. Er traf sie nicht zu Hause, sie war mit der Mutter zu einer ihrer Schwestern gegangen, erhielt aber den Bescheid, daß er warten möge, die Damen würden bald zurückkehren. Liebenstein betrat den Salon und fand hier Else. Er mochte seine Ueberraschung nicht gut genug verhehlt haben, denn sie bemerkte: Es scheint Ihnen sehr unangenehm zu sein, mit meiner Gesellschaft sich begnügen zu

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müssen. Wenn 'S:e es'wünschen. will ich Sie allein lassen. Natürlich mußte er sich lebhaft gegen eine solche Annahme verwahren und betheuern, daß er sich glücklich schätze, wieder einmal mit der Freunbin seiner Braut plaudern zu dürfen. Auf dieses Glück scheinen Sie .sehr wenig Werth zu legen." bekam er zur Antwort. Sie thun mir unrecht, gnädiges Fräulein! Ich weiß jedoch, daß Jemand dieses Glück so hoch anschlägt, daß derselbe eifersüchtig wird, wenn mir auch etwas davon zu Theil wird." Sie meinen dea Baron Prettau?" Eben diesen. Sie sollten ihn nicht so kühl behandeln " Ich verstehe. Sie verfolgen gewisse Absichten." Liebenstein lachte fröhlich. Haben Sie etwas gemerkt? Und finden Sie diese Absichten so sträflich?" Ja!" erwiderte sie rauh. Es ist es ist kränkend!" Ihre Stimme bebte wie im verhaltenen Zorn. , Um des Himmels willen, mein gnädiges Fräulein; was könnte darin Kränkendes liegen? Der Baron " Sprechen Sie nicht von ihm! Ich lasse mir keinen Ersatzmann aufdrän gen." ' Der Premierleutnant machte zuerst eine, sehr erstaunte Miene, dann wurde er ernst. Ich wüßte nicht, inwiefern Baron Prettau ein Ersatzmann sein sollte." Else preßte die Lippen zusammen und sah weg; Liebenstein sah nach der Uhr und dann nach der Thür; er hegte den innigen Wunsch, Melanie möchie in diesem Augenblicke eintreten. Er hatte das unbehagliche Gefühl, als werde etwas Unangenehmes geschehen, dem er vorbeugen müsse.' Wenigstens wollte er den Versuch machen, das Gespräch auf ein gleichgiltigeres Thema hinzulenken. Nichts aber ist thörichter, als & glauben, man könne denAusbruch eines Gewitters verhüten, indem man einen Blitzableiter aufstellt, oder durch eine gleichgiltigc Zwischenfrage ein Weib zu hindern, das auszusprechen, was es auf dem Herzen Hai. Das sollte Liebenstein sogleich erkennen. Dn Damen waren gestern im Theater?" fragte er ablenkend. Ich war leider dienstlich verhindert, zu escheinen, obwohl es mich sehr interessirt hätte, den belühmten Gast zu sehen. Die Mannstcdt soll sehr gefallen haben." Sie fort die Prinzessin Eboli meisierhaft gespielt. Ich mußte dabei an mich denken." Das war ein Wetterleuchten! Herr v. Liebenstein versuchte eine scherzhafte Wendung. Sie werden doch nicht sich mit einer Eboli vergleichen wollen?" Nicht in allen Stücken, aber in einem Punkte. Die Fürstin Eboli wid verschmäht' und geht an ihrer Liebe zu Grpnde. doch keinen Segen bringt es denen, die daran Schuld tragen." An ihrem Schicksal trägt Niemand Schuld .als nur sie selbst." versetzte Liebcnstein die Stirn runzelnd. ' Nein!" rief Else. Kann man dafür. wenn es wie Feuer vom Himmel uns auf das Herz fällt und es versengt? Warum mußte ich Sie sehen?" Liebenstein erhob sich. Er hatte den Ausbruch des Gewitters nicht verhindern können,' er mußte jetzt trachten, weiteres Unheil zu verhindern. Ich beklage es tief, mein Fräulein, daß unsere Wege sich kreuzten," sagte er. Doch jetzt bitte ich mir zu gestatten. daß ich gehe um Ihrer selbst willen, mein Fräulein!" Sie haben kein anderes Wort für mich?" Else machte ein paar hastige Schritte auf ihn zu. Ich' wünsche, daß Sie die Besinnung und damit den Frieden wieder finden, der Ihnen verloren ging, wenn Sie wollen: durch meine Schuld, doch ohne mein Wissen und Willen." Liebenstein verbeugte sich förmlich und verließ den Salon. Else v. Steinberg grub die Finger beider Hände in das Haar. Ein seltsamer Ausdruck lag in ihren Augen, und der Athem ging stoßweise. Wie kam daö? War ich denn rasend? Jetzt ist Alles vorbei! Alles!" Sie lächelte wie eine Irre, als sie mit langsamen, schleifenden Schritten nach ihrem Zimmer ging. Wie ein verheerender Bergstrom, aus tiefe", verborgenen Schlünden war es losgebrochen und hatte alle Schvtzwehren: Vernunft, Berechnung, weibliche ZurückHaltung niedergerissen, und jetzt lag Alles in Krümmern. Wider Willen war es so gekommen: die unbändig; Leidenschaft hatte die Fesseln gesprengt und ohnmächtig hatte sich die Ueberlegung erwiesen. . Der Pr'mierleutnant nahm seinen Weg durch Seitengassen, in welchen er sicher war. seiner Braut nicht zu begegnen. Er war aufgeregt, verstimmt und erschüttert zugleich.' Es ist zum Tollwerden!" sagte er zu sich. Dieses Weib ist einfach unzurechnungsfähig. Ich gäbe etwas darum, wenn ich dieser verwünschten Anziehungskraft. mit der ich. wie es scheint, gesegnet bin, los und ledig wäre. Der Baron ist zu beneiden, daß ihn die Frauen links liegen lassen. Das bei atttöu&h gefehlt, baß auch biese

Steinberg sich in den Kopf setzt, mich lieben zu wollen. Das kann noch eine nette Geschichte werden. Hoffentlich

hat sie wenigstens so viel Verstand, um schleungst abzureisen!" Es gelang ihm, ohne Jemandem begegnet zu sein, seine Wohnung zu erreichen, und er war froh, daß am nächsten Tage ein Uebungsritt stattfand, und er daher einen Grund hatte, nicht im Hause der Braut erscheinen zu müssen. Er fühlte das Bedürfniß erst zu überlegen, ob er den Vorfall geheim halten oder seiner Braut und dem Baron davon Mittheilung machen solle. Nach langem Schwanken kam er endlich zu dem Entschlüsse, zu schweigen. Melanie sollte nicht betrübt werden durch eine Enthüllung, welche sie schmerzlich berühren mußte, jedenfalls hätte sie deit Glauben an die Freundin verloren, und wer konnte wissen, ob nicht später einmal ein eifersüchtiger Verdacht in ihr rege werde.r würde. Frauen sind unberechenbar. Mißtrauen und Vorsicht daher immer gut. Den Baron in's Vertrauen zu ziehen, däuchte ihm fast wie Grausamkeit, der Gute hatte ja ohnehin so viele Enttäuschungen schon erlebt, daß er ihm nicht noch eine neue bereiten wollte. War es denn nicht auch möglich, daß Else v. Steinbe'g sich am Ende doch noch besänne, und mit dem Ersatzmann" vorlieb nähme? Warum sollte er diese Möglichkeit zerstören? Kurz, das Ergebniß aller Erwägungen war: zu schweigen und zu hoffen, daß Else verschwinden würde. Fräulein v. Steinberg verschwand aber nicht. Als der Leutnant am dritten Tage wieder bei seiner Braut vorsprach, war auch Else zugegen. Sie benahm sich ihm gegenüber ruhig, gemessen, und nichts verrieth, welche Begegnung zwischen den Beiden stattgefunden hatte. Liebenstein fragte heimlich seine Braut, ob Else nicht die sicht geäußert hätte, heimzukehren. Wie kommst Du nur auf diesen Gedanken?" erwiderte erstaunt Melanie. Else freute sich so sehr auf unsere Hochzeit, und ich würde sie unter keinen Umständen ziehen lassen." Es schien mir nur so. als ob ihr diz Luft hier nicht gut bekäme. Sie sieh! manchmal so angegriffen aus." -Im Gegentheil, sie befindet sich bier woyler, als oaheim, wie sie mir sagte. Sie ist allerdings etwas nervös, die Arme." Einige Tage später begegnete Sie benstcin dem Baron, der eine unzcwohnlich frohe Miene zur Schau trug. Welches Glück ist Ihnen widerfahren, lieber Varon? Sie leuchten förmlich," sagte er lachend. Fräulein Else war heute so liebenswürdig, daß ich glaube doch nein! Ich will nicht zu früh glauben, aber ich noff " verlebte der Baron. Der Leutenant brummte etwas vor sich hin. dann schüttelte er dem Baron die Hand. Na, ich hoffe mit Ihnen. und es soll mich freuen, sehr freue:-. wenn Alles gut abläuft." Liebensizin empfand eine gewisse Beruhigung. Sie wird also vernünftig und nimmt den Ersatzmann," dachte er. , Da soll nun Einer klug werden aus den.Frauenzimmern! Sie spielen Komödie, und wir nehmen es ernsthaft. Gottlob.' diesmal bin ich wenigstens nicht 'reingefallen." v Die volle Unbefangenheit und behagliche Stimmung gewann .Liebenstein aber doch nicht mehr zurück. ' Der harmonische Friede des Hauses Lölling. welcher dasselbe für ihn so reizvoll gemacht hatte, erschien ihm gestört. Er vermied es natürlich, mit Else wieder allein zusammenzutreffen, es war ihm aber peinlich genug, daß er überhaupt gezwungen war, mit ihr zu verkehren und zu sprechen. Ab und zu bemerkte er auch Blicke, welche ihn wieder beunruhigten und Zweifel erweckten, ob Baron Prettau nicht zu voreilig in seinem Hoffen sei. Manchmal sah sie ihn an. wie ein um Verzeihung flehendes Kind, so daß ihn fast Mitleid ergriff; ein andermal blitzte es drohend aus den funkelnden Augen, und auch Anspiejungen fielen, welche die Anderen nicht verstanden, deren Sinn er aber, wohl zu deuten wußte. Kein Wunder war es daher, daß er seine Besuche abkürzte und gerne jeden Vorwand ergriff, der ihm ein Fernbleiben gestattete. In dieser unbehaglichen Stimmung empfand er wieder lebhafter das Bedürfniß nach Zerstreuung und Aufheiterung, und suchte diese in den Kreisen seiner lebensfrohen Bekannten. Man sah ihn nun wieder öfter im Klub der Dreizehn. Natürlich hatten auch gewisse Freunde das Besireben, die Festigkeit der Grundsätze des angehenden Ehemannes auf die Probe zu stellen; man bemühte sich, ihn zu fesseln und ihm den GenuH der Freiheit möglichst köstlich und verlockend zu gestalten. (Fortsetzung folgt.) Aon elnem lepyanten qet'ödtet. Der 1883 in London gekaufte, im Jardin des Plantes zu Paris befindliche große Elephant Sahib" hatte von jeher ein störrisches Wesen gezeigt. Sein Wärter Neef war ihm sehr zugethan und verstand es, das Thier, wenn es besonders 'schlecht aufgelegt war. zu behandeln. Jüngsthin wurde Neef, als er dem Dickhäuter den Rücken zudrehte, von dem Elephanten mit dem Rüssel um den Leib gefaßt und dann auf das Steinpflaster in eine Ecke geworfen, wo man Neef als Leiche aufhob. '

Europäische Nachrichten.

Sachsen. Dresden. Der hier Reinhardstraße 2 wohnhafte PrivatmannHeischmann feierte sein LOjähriges Jubiläum als Bürger der Stadt Dresden. Das goldene Ehejubiläum feierte Lehrer emer. E. A. Gey mit Gattin, hier, Schanzenstraße No. 15. Deuben. ..Im Segen GottesSchachte verschüttet ' wurde der 56 Jahre alte Bergmann Eduard Beyer von hier durch Hereinbrechen von Kohlenmassen. Der Unglückliche wurde todt unter den Massen vorgefunden. F a l k e n st e i n. In seiner Wohnung erhängte sich der in den 50erJahren stehende Weber Wilh. Riedel. Der gutsituirte Mann soll sich einen ungünstigen Kaufabschluß dermaßen in den Kopf gesetzt haben, daß er des Lebens überdrüssig geworden ist. Ferner erhängte sich der Schuhmacher Schulze. Gommlitz. Durch Sturz von einem Baume' fand der Gutsbesitzer Menzel den Tod. ' Klingenthal. Das Glaß'sche Material- und Schnittwaarengeschäft und das Günnel'fche Herrenconfektionsgeschäft sind total abgebrannt. Leipzig. August Pries, Jnhader der Firma August Pries, Buchund Kunstdruckerei, feierte sein 50jähriges Berufsjubiläum. Hier ist v?5 frühere Reichsgerichtsrath Gustav Adalbert Calame gestorben. Er war in Königsberg Z. Pr. geboren und kam 1879 an das Reichsgericht, nach Auflösung der Hilfssenate an das Oberlandesgericht Breslau, 1884 wieder zum Reichsgericht und trat am 1. December 1902 in den Ruhestand. M i l d e r a u. Bei einem über das Erzgebirge ziehenden Gewitter wurde hier im Bauerngute Melzers der 24 Jahre alte Sohn des Besitzer? vom. Blitz erschlagen. Außerdem wurden im genannten Gute zwei Ochsen und ein Stier getödtet. Ein anderer Blitzstrahl fuhr in das Bauerngut Mauersbergers und tödtete ebenfalls verschiedenes Vieh. Oberwiesenthal. Die Wittwe Seltmann goß Petroleum ins Feuer. Die Kanne explodirte, und im Augenblick glich die Bedauernswerthe einer Feuersäule. Unter gräßlichen Schmerzen verschied die Frau nach einigen Stunden. Remtengriin. Tödtlich verunglückt ist hier der Gastwirth Friedrich Berndt. Infolge von Insektenstichen war eine zum Heueinfahren benützte Kuh scheu geworden. Berndt versuchte das Thier zu beruhigen, wurde bei dem Bemühen von der Kuh in den Leib gestoßen und so schwer verletzt, daß er ku.rz nach dem Unfälle verschied. W a l d h e Z m. In der Strafanstatt Hierselbst starb dieser Tage der 70jährige Baumeister Friedrich aus Leipzig, dessen Vermögen nach Millionen zahlt. Habgier trieb denMann zu 'Meineiden und Urkundenfälschungen. In den Kreisen der Bauhandwerker insbesondere galt der Bauunternehmer Aug. Carl Friedrich als Abwllrger", bis ihn am 17.Juli 1903 das Schwurgericht Leipzig auf sechs Jahre ins Zuchthaus schickte. DerTod hat seine Strafe abgekürzt. .Zwick au. Der Maurer Max Dietel stürzte von einer Leiter, brach die Halswirbel und war sofort todt. besfen-Aarmstadt. D a r m st a d t. Vor kurzem wurde der 22 Jahre alteKonditorgehilfe Karl Böhm aus Straubing in der Tanne am Exerzierplatz erhängt aufgefunden. Es liegt Selbstmord vor. Oberlandesgerichts - Präsident Conradi wurde unter Verleihung des Komturkreuzes erster Klasse es Philivpsordens pensionirt; Landgerichtspräsident Lippold - Mainz wurde zu seinem Nachfolger ernannt. K o st h e i m. Einen schrecklichen Tod erlitt der Tüncherlehrling Haxel, der 17 Jahre alte Sohn einer Wittwe. Er sprang am Floßhasen beim Baden in das Wasser und blieb im Schlamm stecken. Obwohl sofort Hülfe bei der Hand war, konnte man den Unglücklichen doch nur als Leiche herausziehen. L o r s ch. Hier wurde das 4jährige Töchterchcn des GendarmericWachtmeisters Winter, welches am Bahnhof mit anderen Kindern spielte und sich in die Nähe eines Wagens begab, von dem Holzstämme , abgeladen wurden, von einem Stamm getroffen und sofort getödtet. Mainz. Mit einer Revolverkugel im Leib wurde der siebenjährige Wilhelm Andreas, Sohn eines in Lons enheim wohnenden Eisenbahnbeamten, in das Rochusspital gebracht. N e u st a d t. Vom Herzog erhielt der Schullehrer Martin Pullmann aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen. , Wayern. München. Hier öffnete sich in dem Hausgang des Anwesens No. 22 an der Landwehrstraße der 30 Jahre alte, verheirathete Ausgeher Theodor Pellinger aus unbekannten Gründen mit einem Rasirmesser beide Pulsädern. Noch ehe die rasch herbeigerufene Rettungsgesellschaft ankam, war der Lebensmüde an Verblutung verdbfcdcn. Kürzlich wurde Eckeder

Ampsrna. ein eigene ino

sah der Bahnwärter Bauer verunglücken, ohne ihm helfen zu können. Das Kind, ein dreijähriges Mädchen, spielte in der Nähe des Bahnwärterpostens' bei einem Kartoffelacker. Als der Zug von Mühldorf kam, lief, das Mädchen, um ihn gut zu fehen, ganz nahe an die Schienen, wurde hierbei von der Lokomotive erfaßt und über die Böschung geschleudert. Als der Vater hinzueilte und das Kind aufhob, war es bereits todt; es hatte einen Schädelbruch erlitten. B ü h l h o f. Vier italienische Ziegelarbeiter haben hier die 62 Jahre alte Wittwe Braun ermordet und beraubt. Sie sind geflohen. Rothenkirchen. In der Nähe des hiesigen Bahnhofes ereignete sich ein gräßlicher Unfall. L(Is der Rentamtsinspizient Hermann von hie? die geschlossene Schranke einer Bahnüberfahrt überschreiten wollte, wurde er von einem brausenden Schnellzug erfaßt, es wurden ihm die beiden Beine total abgefahren. Auch innere Verletzungen sollen vorliegen Schwarzenbruck. Die Gutlerstochter Babette Beck von hier wurde auf einem Felde mit durchschnittener Kehle todt aufgefunden. Der muthmaßliche Mörder Dienstknecht Lenz ist flüchtig. Waden. Karlsruhe. Folgende 6 Priester der Erzdiöcese konnten , kürzlich das 50jährige Priesterjubiläum feiern: 1. Joh. Goldschmitt. resig. Pfarrer von Frickingen, 2. Rudolf Groß, Pfarrer von Watterdingen, 3. Blasius Holzmann, Pfarrer von Paffenweiler, 4. Joh. Bapt. Rünzi, Pfarrer in Leutkirch, 5. Leopold Streicher, Pfarrer in Mundelfingen, 6. Joh. Nep. Winter, Pfarrer in Einhart (Sigmaringen). B o d m a n. Letztens starb das 6jährige Töchterchen Johanna des Lindenwirths Kraus, weil es Kirschen sammt den Steinen gegessen und darauf. Wasser getrunken hatte. Es stellten sich alsbald sehr heftige Schmerzen ein, die durch einen Darmbruch erhöht wurden und den Tod des Kindes herbeiführten. G e r n s b a ch. In der Katz'schen Sägemühle entstand Großfeuer, dem binnen kurzer Zeit das ganze FabrikAnwesen nebst zahlreichen Holzvorräthen und den Bureau - Utensilien zum Opfer fiel. Der Schaden wird auf -ca. 100.000 Mark geschätzt. Heidelburg. Kürzlich schüttete die Frau des Postschaffners Unger Petroleum auf das Feuer, die Kanne explodirte und die Frau stand im Nu in . Flammen. Die Unglückliche verschied bald darauf. Kirchdorf. Letztens trank der bei dem Landwirth Xaver Weißhaa: beschäftigte Taglöhner Götz beim 5uwenden angesichts der großen Hitze Wasser, fühlte sich gleich darauf unwohl und war nach kurzer Zeit eine Leiche. Mannheim. Vor den Augen seiner Geliebten erschoß sich aus unbekanntem Grunde der 27 Jahre alte Kellner Karl Beisel. Er rief das Mädchen, fcas zur Zeit im allgemeinen Krankenhaus ist, von der Straße aus ans Fenster, winkte ihm mit der Hand Lebewohl zu und jagte si dann mit einem Revolver drei Schüsse in den Kopf, die in kurzer Zeit seinen Tod herbeiführten. Ueber das Motiv der That ist nichts bekannt. Pfohren. Als die Frau des Landwirths Pius Schöndienst mit ihrem Kleewagen nach Hause fahren wollte, scheuten plötzlich die an den Wagen gespannten Ochsen. Die Frau wollte vom Wagen abspringen, .gerieth jedoch unter die Räder, die ihr über fern Kopf gingen, sodaß sie alsbald verschied. S ch ö n a u. Hier erschoß sich der 40 Jahre alte pens. Briefträger Koch am Grabe seiner Frau. Diese hatte vor einiger Zeit ebenfalls durch Selbstmord geendet. O f f e n b u r g. Das hiesige Schwurgericht verurtheilte den 29 Jahre alten Ziegeleibuchhalter Feßler aus Waltersweier, der seinen Vater erschossen und dessen Geliebte, -das 23 Jahre alte Dienstmädchen Bertha Krapfer aus Kappelrodeck, mit einem Hammer erschlagen hatte, wegen KörPerverletzung mit tödtlichem Ausgang in beiden Fällen zu drei Jahren Gefängniß abzüglich zwei Monate Untersuchungshaft. W i e b l i n g e n. Dem Nachtwächter Georg Benz geriethen beim Auslöschen einer Straßenlaterne die Kleider in Brand. Schwer verletzt wurde der Mann in das akademische. KrankenHaus in Heidelberg überführt, wo er an den erlittenen Verletzungen gestorben ist. W i 1 3 1 o ch. Infolge eigener Unvorsichtigkeit verunglückte der Neffe des Zimmermeisters '5)auerwas, Valentt?. Hauerwas, an einemNeubau so schwer, daß der Tod auf der Stelle eintrat. '7 Humoristisches. Annonce. In einem guten Hause wird ein besseres Mädcken e- - - ii wr w w I W V A w sucht." 0 Unter Lebemännern. War diesen Moraen beim eiratbsvermittln!- So, wieviel ist denn auf Sie geboten worden?" -?fcn hr QHititA8rhfa dition. .Ich will meine Fleisch, ? . r v 1 1 yuuei vcriausen oille eine Annonce einzusetzen aber fctt gedruckt