Indiana Tribüne, Volume 21, Number 125, Indianapolis, Marion County, 23 January 1898 — Page 2
Wintcrnacht. tft-n Rewhsd ffuchZ. Winternacht; auf ties verschneiten Steigen Rings im Forst ein athemlosesSchioei gen. Eingeschlafen selbst der Waffer Stimraßi; Nichts mehr lebt als hoch der Sterne Glimmen. Weltenfern und d?ch so cal) dem Her zen. Leuchten Jx, wie ewige Tempelkerzer. Jedes Jiicf, de's einst du hast derKren, Wird V2n Zhroa'Strchl zurückbeschwoun; Seelrn, läne'st geschden von der bei neu, JuW du Neöend'NLU sich dir vereinen. Zll un'Haß und jeden Erdenkummer Lächelt 'sich da Sternenglanz in Schlummer, Dern als Wand'rer durch die Ewigkn ten Fühlst du dich gleich jenen Soireen schreiten, ?)ieemselbenUrlichtborn entstammen, Wie des - eig'rien Busens GeisteZflammen, Md was unwerth scheint vor ihrem Lichte, Das verfällt dem inneren Gerichte, Winternacht, welch reichen Himnnls segen ??and das Herz auf deinen stillen Wegen!
Die Kunst, schön zu sein. . Wohl kein echt weiblich empfindende? 'Frauenherz wird der Schönheitsfrage gegenüber gleichgiltig bleiben. Und eine Frau soll schön sein schön ebensowohl in ihrem Denken undThun, w ;in ihrer äußeren Erscheinung. Die Frau hat das unbestreitbare Necht, ja ''die Pflicht, so gut auszusehen, wie nur -möglich. Diese und ähnliche Vehauptungen spricht ein englischer Frauenrzt aus, der in einem interessanten Artikel über weibliche Schönheit und ihre Pflege ziemlich freigebig mit .guten Rathschlägen ist, von denen viele wirklich befolgt zu werden verdienten. Die zwei ersten Erfordernisse für dauernde Schönheit sind also in klaren, aber etwas derbe klingenden Worten gesagt: Kein Herz und ein guter Magen. Dies darf nun jedoch nicht so aufgefaßt werden, als müßte sich die Frau, wenn sie ihr schönes Aussehen nicht frühzeitig zerstören will, absolut gleichgiltig und kalt menschlichem Leid gegenüber ver'halten, nein es soll nur heißen, daß sie sich nicht unnöthig Kummer -und Sorgen machen, oder endlos lange der Trauer und dem Gram um etwas nachhängen müsse, das eben geschehen und nicht mehr zu ändern ist. Um einem leidenden Mitmenschen Sympathie zu zeigen, ist es nicht nothwendig, das Geficht in kummervolle Falten zu ziehen ein freundlich liebevolles Lächeln wirkt oft auf ein schwerbeladenes Menschenherz tröstlicher als eine Thräne. Und das Lächeln ist ein Attribut der Jugend, der Freude, des Glückes also stets ein Verschönerungsmittel billigster Art. Was nun die mehr profaischen Kosmetiks" anbetrisst, die der nglische Schönheitskenner empfiehlt, so ist vor Allem auf eine geregelte und ziemlich diäte Nahrungsweise zu achten. Nicht ganz durchgebratenes gutes Rindfleisch ist ein vorzügliches Bluterzeugunqsmittel, kräftigt die Muskeln und erhält den Teint klar. Ueberm'aßiger Genuß von starkem Kaffee, Thee oder Chocolade schadet der Reinheit des Teints sehr, um spröde Haut zart und weich zu machen und zu erhalten, ist die Anwendung frischer süßer Sahne von denkbar bester Wirkung. Ein blutreinigendes und somit verschönerndes Mittel sind gute Aepfel; eine solche Frucht kurz vor dem Schlafengehen und ebenso vor dem ersten Frühstück genossen, macht frisch und rosig. Häufig warme Bäder, viel Schlaf in gut denäilirtem Zimmer, Diät und viel Bewegung in freier Luft, wobei tiefes Athemholen dringend zu empfehlen ist, "das sind die Hauptbedingungen der Schönheitspflege. Ein ganz besonders wirksames Mittel, die Schönheit zu erhalten, ist außerdem der Besitz einer Million Pfund Sterling, was der englische Arzt wahrscheinlich als selbstverständlich voraussetzt. Au ehern Beruf. A.: Was werden Sie denn Ihren Sohn werden lassen, wenn er erst erwachsen ist?" B.: Nun ich weiß nicht recht, ich denke, er würde einen guten Mann für ein reiches Mädchen abgeben." 'Ungleiche Arbeit st heilung. Frau (ihr neuestes Gedicht in der Hand): Da ließ!" Mann: Schon wieder! . . Du warst schlau ! Du willst dichten und Ich soll es imNeresen! Ich dank' W Offenherzig. Sohn: Papa, rnorgm erscheint die zweite Aufläge meiner Gedichte." Vater (Parvenne): Du, Otto, Dein Talent ist . aber sehr kostspielig." Auch eine Drohung. Radler: Wenn wir jetzt nicht auf dem Tandem fäßen, würde ich Sie umarmen und küssen." Radlerin: Wenn Sie das noch einmal fagen, sieige ich ab!" Brautwahl. Vater (zum Freier): Hier meine sechs Töchter suchen Sie sich diejenige 'heraus, die Ihnen am besten zu Ihren Schulden paßt!". ....
Kammerdiener Aritz.
Von Otto Wilhelmy. Die Gräfin war bereits um 6 Uhr nusgefahren. Der Kammerdiener Fritz hatte sie nur bis an das Portal bcgleiten dürfen, dann hatte ihn eine Handbewegung zurückgewiesen. Er blieb auf der obersten Treppenstufe stehen und warf einen fragenden Blick nach dem Kutscher. Der nickte, lcchelte derschwitzt und yab den Pferden mit einem Zungenschnalz?n das Zeichen zum Losfahren. Fritz legte sein glattrasirtes Gesicht in würdevolle Falten und stieg bedächtigen Schritte nach dem Dimeizimmer. Hier traf er Jean, der eben die Abendblätter studirte. Während F?itz ein in Ehren grau gewordener Kömmerdiener war, war Jean noch ein Grünschnabel, unerfahren, von unansehnlicher Statur und schlechter Haltung, mit einem Wort: ein DieuerLehrling. Genau wie ich's vermuthete," meinte Fritz, indem er die Schöße seines Frackes unter die Arme nahm und sich in die Sophaecke gleiten ließ, sie ist zum Papa Minister gefahren. Armer Graf, da kannst Du Dir gratuliren! Das nennt sich nun Ehe! Herrjeh, das ist seit Jahr und Tag zu emander wie 'ne ", er blickte erst -rund um, als Jean wagte, ihm in's Wort zu fallen: .Weiß ich bereits, Herr Fritz, hat mir Mary schon erzählt, 's ist, glaub' ich. weil in dem Club ein herzhaftes Jeuchen auf Ehrenwort das muß dann innerhalb 24 Stunden be,zahlt sein. Mary meinte, die Gräfin sehe ganz schlecht aus, heut' während des 'Ankleidens habe sie wohl ein hal'bes Dutzend mal geseufzt es muß 'doch wohl sehr die Gesundheit angreisen. immer dieser Aerger, immer diese Sorgen Um die Privatverhältmsse Deiner Herrschaft hast Du Dich niemals zu kümmern," unterbrach Fritz seinen gesprächigen Subaltern - Collegen. Für seine Gesundheit aber muß man stets was thun. Ich will deshalb nicht die gewöhnliche Laienmazke trinken. Geh' in's Speisezimmer. Im Büffet rechts oben steht 'ne Flasche Portwein, von dem gieß mir ein Glas ein. Hier ist der Schlüssel." Er zog ein sonderbar geformtes Schlüsselchen aus der Westentasche und gab es Jean, der sehr verwundert dreinschaute. Das is'n Universal -Schlüssel," -erklärte Fritz, so was verstehst Du noch nicht, also mach' kein so dummes Gesicht. Ein zuverlässiger Diener muß immer wissen, was die Herrschaft zu verheimlichen hat, er vermag sie .dann am besten zu controliren." Jean brachte das Glas Portwein. Fritz nahm einen kräftigen Schluck. Sakra," machte er dann, das muß man der Gräfin lassen, 'nen guten Geschmack entwickelt sie h la bon lieur " und er nahm eine Serviette, um sich den Mund zu wischen. Dann wandte er sich wieder Jean zu: Uebrigens, mein Junge, Mary hat bis zu einem gewissen Grade recht: gejeut ist gejeut, Ehrenwort ist Ehrenwort, Schentelmenn ist Schentelmenn. Weißt Du, wenn ich mal so unter Kameraden man hat ja auch seinen Freundeskreis, man ist auch im Club, man macht auch sein Jeuchen, man " Rrrrrr ertönte da die elektrische Glocke. Herrenzimmer," meldete Jean, indem er den Apparat controlirte. Fritz stellte das noch halb volle Glas behutsam in den Schrank, wischte sich den Mund nochmals, warf einen Blick in den Spiegel, zupfte Uch die weiße Cravatte zurecht und wartete auf die Botschaft, die ihm Jean bringen würde. Herr Graf gehen in den Club," meldete der. Fritz besorgte Ueberrock, Hut und Stock und da kam auch der Graf schon. Ein Aristokrat vom Scheitel bis zur Sohle, er sah blaß aus, ein Zug des Mißvergnügens laqerte über seinem Gesicht. Als ihm Fritz den Ueberrock hatte anziehen helfen und er schon zum Weggehen fertig dastand, zögerte er noch. Fritz stand an feiner rechten Seite, Jean verzog sich in eine dunkle Corridorecke. ' Siiie, Fritz," meinte endlich der Graf, Frau Gräfin ausgefahren? Wohin wissen nicht?"' Bedauere außerordentlich. Herr Graf." Eine lange Pause. Fritz stand unbeweglich, er verzog keine Miene; Jean schwitzte in seiner Ecke den Schweiß der Angst. Siiie, Fritz," begann der Graf wieder, die Gräsin ist wohl zum M!nister gefahren?" O nein, gnädigster Herr," meinte Fritz ohne Verzug, da wurde der Kutscher mir das gesagt haben. Das auf keinen Fall. Frau Gräfin werden zur Fürstin Sohengarten gefahren sem. da ist heute Thceabend Anfertigung von Kinderwäsche für die neubekehrten Kameruner." Der Graf blieb stehen, er wollte wohl eine weitere Frage an den Diene.' richten, er verzichtete jedoch schließlich darauf. . Fritz begleitete ihn bis zum Portal, es wurde kein weiteres Wort gewechselt. Inzwischen, war Jean, aus seiner Ecke hervor- und in das Dienerzimmer geschlüpft. Da trat Fritz ein. Er rieb sich vergnügt die Hände. Das habe ich entschieden gut, sehr gut gemacht. Der Graf war ordentlich in guter Stimmung. Was braucht denn der Alles zu wissen? Ich habe ihm die Auskunft ertheilt, die mir am zweckmäßigsten erschien " . Aber Herr Fritz," unterbrach ihn Jean Sie haben ja dem Grafen nicht die Wahrheit gesagt, die Gräfin ist ja doch zum Minister gefahren, das von der Gräfin Hohengarten haben Sie gelogen -.
Klatsch hatte er einen derben Äatzenkopf weg. Merke Dir das, ungcrathener Jüngling," sprach Fritz mit würdevoller Stimme, und sei gewählter in Deinen Ausdrücken. Ein gräflicher Kammerdiener lügt nie. er spricht höchstens die Unwahrheit. Aber auch das geschieht nie, und wenn es geschieht so nur ganz selten!" Jean wischre sich die Thränen aus den Augen. Fritz hatte sich das Glas Portwein wieder hervorgenommen. Hör' auf mit dem Geflenne!" herrschte er Jean an. Hier ist der Schlüssel. Gehst 'rein in's Herrenzim mer. Im Schreibtisch, rechts unten, da steht 'ne Cigarrenkiste, Hpmaim mit Leibbinde davon bringst Du zwei, hast Du verstanden? zwei!" Jean brachte zwei. Fritz steckte sich eine an. Die andere überreichte er Jean. Du Kerlchen sollst auch mal wissen. was gut schmeckt " Jean ging dann an die Arbeit"; er mußte das Herrenzimmer in Ordnung bringen. Fritz dehnte sich behaglich in seiner Sophaecke und blies wohlgeformte Ringe in die Luft. Eine halbe Stunde lang fühlte er sich bei dieser Beschäftigung außerordentlich behaglich, dann überkam ihn der Geist der Langeweile. Wo nur der Jean steckte? Das bischen Aufräumen konnte doch nicht so lange Zeit dauern. Da mußte er doch mal nachsehen. Leise öffnete er die Thür, leise drückte er die Klinke zum Herrenzimmer auf. Jean stand am Diplomatentisch, hatte den Löscher in der Hand und strengte sich an, die Züge der eben abgedrückten Schriftzeichen zu entziffern. Dummer Junge," herrschte ihn Fritz an. was vertrödelst Du denn die Zeit? Kannst Du mir das nicht gleich sagen? Du bist und bleibst ein Esel! Was stierst Du stumpfsinnig auf den Löscher, da kannst Du gar nichts ergründen. Dreh' die Elektrischen vor'm Spiegel auf!" Jeag war Paff", aber er folgte dem Befehle seines Vorgesetzten, und zwei elektrische Birnen" erhellten sofort den Spiegel. So," machte Fritz mit Befriedigung, zog sein Taschenmesser und schnitt mit der Federmesserklinge die Ränder des von der Feder festgehaktenen Stückes Löschpapier durch. Das abgeschnittene Stück brachte er zum Spiegel und hielt es dagegen. Jean, antreten!" commandirte er dann. Lies mal das, was im Spiegel steht!" Jean blinzelte hinein, ungläubig, von Zweifeln erfüllt. Da aber, wirklich, im Spiegel konnte er es sehen die Grundstriche ganz deutlich; Haarstriche brauchte er ja nicht: Verehrtester! Schlecht abgeschnitten gestern. Heute Revanche im Club Frau erklärt, daß wichtige Ausschußsitzung Baron Gundelfingen Landwirthsch Also Wieders Graf W . . . ." Aha machte Fritz, vergnügt lächelnd, so steht die Sache! Du kleiner Dummrian würdest das nie verstanden haben. Weißt Du denn jetzt, was das ist?" Jean schüttelte seinen pomadisirten Kopf. Ach, Du wirst wohl Zeit Deines Lebens ein Esel bleiben,", schalt Fritz. Nun paß aber mal auf: Also, der Graf hat schlecht abgeschnitten, d. h. er hat schweres Geld verloren. Jetzt ist er wieder nach dem Club gegangen, um sich Revanche zu holen, d. h. um sein Geld wieder zu gewinnen oder noch mehr dazu zu verlieren. Der Gräfin hat der Graf erklärt, daß er einer wichtigen Ausschußsitzung beiwohnen müsse,' die unter dem Vorsitze des Barons Gundelfingm stattfindet und die landwirthschaftliche Fragen betrifft. Capirt?" Der kleine Jean pfiff vergnügt durch die Zähne er hatte Alles capirt. Nun wollen wir uns mal bei der Gräfin umschauen," meinte Fritz, die wird schon auch etwas geschrieben haben. Daß sie zum Minister gefahren ist, weiß ich schon, man hat so seine Verständigungsmittel mit dem Kutscher , aber man muß doch auch wissen, aus welchen Gründen sie zu ihrem Vater gefahren ist." Ste gingen nach dem Boudoir. O weh," machte Jean, der
Schreibtisch ist leer. sogar die Schreibmappe ist weggeschlossen." Sela fooh rieng, oder auf deutsch: Das schad't nischt," erklärte Fritz. Ich Habe ja mein Schlößchen öffne Dich" bei mir," und er zog sein Schlüsselchen Hervor, mit dem er sich an dem Schloß zu schaffen machte. Ein leises Knirschen, ein lautes Knack" und er vermochte die Schieblade aufzuziehen. Gleich obenauf lag die Schreibmappe. Auf dem obersten Löschblatt waren noch frische Tintenabdrucke zu sehen. Geschwind griff Jean zu und eilte zum Spiegel: , Lieber Papa! Egon gestern halbe N a ch t im C I u b. Ich komme heute Ab ... zu Dir. So geht es n i ch t wei.... Egon weiß nicht, daß ich Dich be su che. Deine betrüb Valesc . . ." buchstabirte Jean mit Noth und Mühe. Schon, sehr schon, mckte Fritz vol ler Befriedigung, nun ist mir Alles klar." Er legte die Schreibmappe wieder sorgfältig an ihren Platz, sperrte das Schloß zu und ging mit Jean wieder nach dem Dienerzimmer. Hier pflanzte er sich wieder in seine Sophaecke und ließ ' sich emen Krug Pllsener holen. Als er sich gehörig ge stärkt hatte, hielt er Jean folgenden Bortrag:
Die Sache sieht also so: Der Graf ist bis zum frühen Morgen im Club gewesen, er hat gespielt und verloren. Die Gräfin ist erzürnt über sein langcs Ausbleiben, es hat eine Scene gegeben. Der Graf will Revanche haben, deshalb ist er heute wieder in den Club, hat aber der Gräfin gesagt, er müsse zu einer sehr wichtigen landwirthschaftlichen Sitzung, die Baron Gundelfingen leitet. Die Gräsin fuhr zu ihrem Vater, um diesen zu bitten, daß er ihrem Manne 'mal den StandPunkt klar mache. Das darf aber der Graf nicht erfahren, der muß glauben, daß die Aufmunterung" ohne die gütige Anregung der Frau Gemahlin komme. Wenn er wüßte, daß die ihm den Rüffel" eingebracht hat, dann gäb's wieder eine Scene! Oh, wie klug war es von mir. daß ich dem Grafen sagte, die Gnädigste sei zur Fürstin Hohengarten gefahren! Ich bin wirklich der gute Engel dieser Familie," sprach er selbstbewußt und ließ sich von dem staunenden Jean das Glas wieder füllen. Nach einer kurzen Weile schon kam die Gräfin zurück. Fritz eilte ihr dienstbeflissen entgegen. Noch ehe Fritz den Mantel abgenommen hatte, fragte sie: Der Herr Graf im Club?" Nein, gnädigste Frau," verbeugte sich Fritz und registrirte voller Freude das erstaunte Gesicht, in das er blickte. Er hütete sich aber, sofort feine Trümpfe auszuspielen, und schwieg. In seinem Zimmer?" forschte die Gräfin weiter. Nein, gnädigste Frau Gräfin," antwortete Fritz. Dann setzte er mit etwas erhobener Stimme hinzu: Herr Graf sind in der landwirthschaftlichen Sitzung, die unter dem Vorsitz des Barons Gundelfingen tagt" Die Gräfin verzog keine Miene, dann stieg sie langsamen Schrittes die Treppe empor. Sollte sie ihrem Manne Unrecht gethan haben? Fritz hatte einige Stunden den Schlaf des Gerechten geschlummert. Er war aber sofort munter, als der Pförtner ihm das Signal gab, daß der Graf nach Hause komme. Schleunigst ordnete er seine Kleidung, bürstete sich die Haare glatt und erschien, ernst und würdevoll wie immer, auf dem Flur. Er geleitete den Grafen, der recht vergnügt aussah, in den Corridor. Fritz sah auf .den ersten Blick, daß er kräftig Revanche genommen hatte, Glück im Spiel Der Graf redete, wie es seine Gewohnheit war.' kein Wort. Erst als er sich nach der Treppe wendete, hielt er an. Siiie, Fritz," fragte er mit leiser Stimme, hat Gräfin gefragt, wohin ich gegangen?" Sehr wohl, gnädigster Herr Graf," gab Fritz ebenso leise zurück. Sooo?" machte der Graf und zog die Brauen ärgerlich zusammen. Nach einer kurzen Pause inquirirte er: Siiie, Fritz, was geantwortet?" Fritz richtete sich etwas empor, über sein Gesicht zuckte ein Lächeln, dann erzählte er festen Tones: Ich habe der gnädigsten Frau Gräfin geantwortet, daß der Herr Graf heut' Abend einer wichtigen landwirthschaftlichen Sitzung beiwohnten, bei der Baron Gundelfingen den Vorsitz führt." Der Graf blickte ihn mißtrauisch an, als Fritz aber mit keiner Wimper zuckte, pachte er eine Zeit lang nach. Siiie, Fritz," fragte er schließlich zögernd, woher wissen?" Fritz machte eine seiner eleganten Verbeugungen. Die Einladungskarte ist durch meine Hand gegangen, und da ich weiß, daß Sie bei wichtigen Sitzungen nie " Der Graf stieg sehr zufrieden die Treppe empor. Am nächsten Vormittag saß das qräfliche Paar beim Frühstück: er war
bei bester Laune, sie außerordentlich veranuat. Du warst gestern bei der Fürstin Hohengarten? fragte er, mdem er seiner Frau eine frische Tasse Thee eingoß. Ja." nickte sie, oh, entsetzlich langwellig, wer sagte Dlr's denn? Der Fritz. der weiß in Allem vorzuglich Bescheid. Und Du warst bei der landwirthschaftlichen Sitzung? Der Fritz sagte mu's, der weiß wirklich überall Be scheid!" Bnr," gähnte er, entsetzlich langweilig." Dann machte er ine lange Pause. Hör' 'mal," begann er endlich, Du langweilst Dich aus Deinen Missionsaöenden, ich langweile mich bei der Landwuthschast. Da ist's schon besser, wir bleiben hin und wieder Beide zusammen zu Hause " Oder wir gehen zusammen aus," fiel sie ihm ein. Auch gut." nickte er zustimmend. Ich hätte gar nicht gewußt, daß Du Dich so langweilst, wenn nicht der Fritz Daß Du in diesen landwirthschaftlichen Sitzungen . Dich herumödest, wußte ich ja auch nicht, wenn nicht der Fritz " Na, schön, heute Abend sind wir gemüthlich zu Haus!" Morgen Abend sind wir gemüthlich im Theater und so weiter!" Mittags ging der Graf nach dem Auswärtigen Amt. Fritz führte ihn bis zum Portal. Als er die schwere Thür öffnen wollje, blieb der Graf stehen. Siiie, Fritz," sagte er, seiner Gewohnheit gemäß, sehr gut gemacht, sehr aufmerksam tüchtiger Mensch Cztradouceur," und er ließ etwas golden Blinkendes in die Hand des Dieners gleiten. Der machte einen tiefen Bückling bis herunter zum Läufer. Als der Graf hinaus war, steckte er schmunzelnd das Zwanzigmarkstück w die Westentasche. .
Noch war er nicht im Dienerzimmer
angelangt, da kam Mary herbeigelaufen: Herr Fritz, sofort zur Gnadigen!" .ftrife' sprach die ihn an, Sie haben gestern dem Grafen gesagt, ich sei zur Fürstin Hohengarten gefahren, zu emem Abende zum Thee sur Die Mission " Sehr wohl, gnädigste Frau Grasin," und Fritz machte die Verbeugung eines Cavaliers. Woher wußten Sie denn das?" Es folgte eine geradezu formvollendete Handbewegung: Die Einladungskarte ist durch meine Hand gegangen, und da ich weiß, daß Frau Grafin bei Werken der Wohlthätigkeit nie " Richtig, Fritz, sehr richtig Wohlthätigkeit zu üben ist Aller Pflicht aber Sie waren sehr angestrengt in letzter Zeit außerdem tüchtiger, aufmerksamer Mensch wenn eine kleine Gratification " Fritz öffnete die Hand, bedankte sich und verschwand. Jean," rief er unten in der Diener stube, hier hast'n Thaler Trinkgeld. Wenn Du noch zehn Jahre Lehrling bei mir bist, wirst Du allenfalls lernen, mit Grafen umzugehen." Er streckte sich auf dem Sopha lang aus, ließ sich eine Upmann des Grafen anzünden und meinte siegesbewußt: Ein Glück, daß das Grafenhaus mich als guten Engel besitzt!" Aas große Loos. Von M. ThlvarS. Mager, trocken, klein, zusammengeschrumpft wie ein Apfel, den man den Winter über aufbewahrt, gehörte der Vater Landry zu jenen alten Geizhälsen, von denen man behauptet, sie würden ein Mittel finden, sogar ein rohes Ei in vier Theile zu zerschneiden. Seit dem Tode seiner Frau hatte er den Ackerbau aufgegeben und lebte allein als Rentner in einem kleinen Hause am äußersten Ende des Dorfes. Wenn ich sage allein", so ist das eine Redensart, denn er hatte seine alte Magd Brigitte bei sich. Doch die arme Person zählte kaum mit! Ein Bischen mehr als der Hund, und ein Bischen weniger als der Esel, der 40 Thaler gekostet hatte. Im Alter von 14 Jahren war sie bei Landry als Kuhmagd eingetreten, und war dort immer verblieben das heißt, sie war an das Regime des Hauses qewöhnt und das geizige Gebahren ihres Herrn erschien ihr sehr natürlich! Uebrigens war sie etwas einfältig, ergeben wie ein Pudel und bewunderte ganz aufrichtig ihren Herrn, der ihren guten Willen und ihre Tüchtigkeit gehörig ausbeutete, ohne sich darüber Skrupel zu machen. Eines Tages, als der Vater Landry, um sich eine Maurerrechnung zu ersparen, selbst seine Gartenmauer in der Nähe des Sumpfes ausbesserte, machte er eine falsche Bewegung und fiel ins Wasser. Er zappelte einige Augenblicke umher und schrie aus Leibeskräften um Hilfe. Niemayd hörte sein Geschrei. Endlich verschwand er nach mühseligen Anstrengungen, sich zu retten, zum letzten Male, als Brigitte erschien. Auf die Gefahr hin, selbst zu ertrinken, warf sich das brave Mädchen muthig ins Wasser, und es gelang ihr, ihren Herrn an's Ufer zu bringen. Der Alte war ohnmächtig. Sie nahm ihn wie ein Packet unter den Arm und brachte ihn schließlich in's Leben zurück. Du hast mich aus dem Wasser gezogen, das werde ich Dir nie vergessen, Brigitte, mein Töchterchen, hörst Du wohl! Ich werde Dir ein Geschenk machen!" Thatsächlich rief er noch an demselben Abend nach langem Zögern Vrigitte, zog aus seiner Tasche eine lange Lederbörse und entnahm derselben mit der Grimasse eines Menschen, dem ein Zahn aezoaen wird, em Frankstuck. Da, Brigitte, hast Du Dein Geschenk! Ich aebe Dir das außer Dei nem Gehalt, hörst Du wohl, außer Deinem Gebalt! Verschwende es nicht!" Im Verhältniß zu dem erwiesenen Dienst hatte die Belohnung gerade nichts berauschendes, daher fügte der Vater Landry, um seiner Gabe mehr Werth zu verleihen, hinzu: Das ist gerade der Preis für ein Lotteriebillet; kauf Dir eins und Du kannst 100.000 Francs gewinnen. Es war das erste Mal in seinem Le ben, daß der Vater Landry sich zu ei ner loicyen reigevigieit yinreinen ließ. Die Erinnerung baran verfolgte ihn lange Zeit. Er interessirte sich für das Schicksal seines Frankstucks und so manches Mal fragte er die Magd, ob sie sich schon ihr Loos gekauft hätte. Noch nicht, Herr," erwiderte sie un verändert. Schließlich aber, um diesen Fragen ein Ende zu machen, die mit der Regelmäßigkeit eines Cyronometers auftraten, entschlok sie sich, die Neuaier des guten Mannes zu befriedi gen. Ja, ja, Herr,, ich hab mir eins gekauft!" Ach! welche Nummer denn?'' Nummer 34!" Das ist gut, das ist gut!" sagte der Alte und merkte - sich diese Nummer aanz genau: verliere sie nur nicht! Landry hatte sich beinahe über seine Verschwendung getröstet, als er eines Tages beim Dorsbarbier, den er von Zeit zu Zeit aufsuchte, um umsonst die Zeitung zu lesen, in eine furchtbare Aufregung genety. Die Zeitung enthielt die Liste der Lotterie, und an der Spitze standen die Worte, die wie Flammenzeichen vor der geblendeten Brille des Alten fun kelten: Die Nummer 34 gewinnt daö große Loos von 100.000 Francs!" Er ließ die Zeitung fallen und ent fernte sich verdutzt mit großen Sätzen in der Richtung nach seinem Hause.
Brigitte hatte das bescheidene Früh-
stück ihres Herrn bereit gestellt, Nüsse und Käse. Der Alte setzte sich zu Tische, aber er konnte nichts essen, die Aufregung schnürte ihm die Kehle zu. die Bissen wollten nicht hinunter. Aber was haben Sie denn, Herr? fragte ihn Brigitte unruhig. Nichts!" Sie sind doch nicht krank?" Nichts hab' ich. saa' ich Dir!" wiederholte er zornig. Einige Tage lang beobachtete er Brigitte heimlich. Wußte sie. daß sie hunderttausend Francs gewonnen hatte? Aber nem. die Maad. die von der Beobachtung, deren Gegenstand sie war, keine Ahnung hatte, ging ruyig ihren täglichen Beschäftigungen na-i c i . r.n ;.. r-'.'tt: . . uno zelgie wie iyre jiuit Laune. Der Vater Landry saß auf glühenden Kohlen. Eines Tages endlich wagte er sie zitternd zu fragen Na, nichts Neues, Brigitte, mein Töchterchen?" Nichts Neues, Herr, nur das eine Huhn hat den Pips!" Sie wußte also nichts, doch ihr die gute Neuigkeit mitzutheilen, das ging dem Vater Landry über seine Kräfte. Es erschien ihm ungeheuerlich, daß ein anderer von diesem wunderbaren Gewinn Prositiren sollte, von diesen hunderttausend Francs, die von seinem Frankstück, seinem Gelde, seinem schönen Gelde" hervorgebracht worden waren. Endlich hatte 's gefunden! Zunächst befahl er Brigitte, ein Huhn, und zwar das allerfetteste. zu schlackten, und ern gutes Stuck Speck in den Ofen zu schieben. Während der Zeit holte er aus dem Keller eine alte Flasche Wein, die hinter Reisigholz versteckt gelegen hatte. Endlich gab er der Magd das nöthige Geld, um Kaffee, Zucker und Branntwein zu kaufen. Brigitte fragte sich, ob ihr Herr verrückt geworden wäre. Was mag ihm denn nur in den Sinn gekommen sein," dachte sie bei sich. Noch mehr verwunderte sie sich, als der Alte sie zwei Gedecke auflegen ließ und sie ihm gegenüber am Tische Platz nehmen mußte. Oh, Herr . . . nie . . . nie werde ich wagen . . ." Setz Dich, sage ich Dir. dummes Ding!" Brigitte konnte sich von ihrer Verwunderung nicht erholen; als der Kaffee aufgetragen war, sagte der Alte zu ihr ohne jede Einleitung: Die Sache ist nämlich die, Brigitte, mein Kind, hörst Du wohl: ich will mich verheirathen!" Ja, Herr," stimmte sie bei, Sie sind ja noch in dem Alter. Ich sage das nicht, um Ihnen zu schmeicheln . . . Wenn Sie auch 'n bischen alt sind, Sie haben sich gut conservirt!" Na, da das Deine Ansicht ist, so werden wir uns, wenn Du willst, beide verheirathen . . ." Jetzt wäre Brigitte beinahe hintenüber gefallen, nach dem gebackenen Huhn, dem gesalzenen Speck und dem gewürzten Wein war sie von Seiten ihres Herrn auf alle Excentricitäten gefaßt gewesen, darauf aber doch nicht! Sie scherzen, Herr ..." Durchaus nicht." versetzte der alte Bauer und gab Erklärungen. Er finge an, alt zu werden. Er hätte keine Kinder, keine Familie, und wollte nicht allein sterben wie ein Hund . . . Das Aufgebot wurde verkündet, die Hochzeit fand statt. Das Paar erschien unter dem jubelnden und höhnischen Beifall des ganzen Dorfes in der Kirche. Nach der Ceremonie beeilte sich der junge" Gatte, feine Frau nach Hause zu bringen, und sagte, nachdem er kaum eingetreten war: Brigitte, mein Töchterchen, wo hast Du denn Deine Nummer hingelegt?" Dabei rieb er sich mit vergnügter Miene die Hände. Was denn für eine Nummer?" versetzte sie. , Na. Dein Lotterieloos!" Was denn für 'n Lotterieloos?" Na, Du weißt doch." rief Landry ungeduldig, das Loos für die 20 Sous, die ich Dir geschenkt habe." Die junge Frau brach in blödes Lachen aus. Ach, die 20 Sous," meinte sie. Hören Sie, Herr, man gewinnt nicht oft in solcher Lotterie .... und da es im letzten Winter so furchtbar kalt war, so . . ." Na?" fragte Landry. die Gesichtsfärbe wechselnd. Na!" vollendete Brigitte, ich habe kein Loos genommen, sondern habe mir für die 20 Sous ein Paar warme Filzschuhe gekaust!" .... Modernes Uebel. A. (zu seinem Freund): Bei meiner letzten Velocipedfahrt stieg ich vor einer Apotheke ab, um mir ein Mittel gegen Kopfschmerzen geben zu lassen. Kaum kam ich wieder auf die Straße, so war es weg!- 23.: Was. das Kopfweh?" A,: Nein, das Rad!" Im zoologischen Garten. Carl (beim Anblick der Kameele): Sag' doch, Mama, welches ist denn hier der Vater?" Mutter: Aber, liebes Kind, das solltest Du doch schon wissen! Der Vater ist immer das großere Kameel!" Bitter. Schuldner: Ich möchte Ihnen gern meine Rechnung be-zahlen!-Gläubiger: Ach, das ist aber nett von Ihnen!" Schuldner? Ja, leider kann ich's aber nicht!" Moderne Ehe. Nun. Herr Baron, wie ickläat die Ehe an?" O, sehr gut nur an meine Frau fcrnn it n?A TtiAf npwöknen!" f V Belohnung. " Schmierendirecror: Wer heute cm bravsten spielt, kriegt morgen die Rolle, in welcher er auf der Bühne eine LeberwVrst zu verzehren hat!" - - - -
Ein zärtlicher Gatte.
J s i "i? V ' '' " k 'erf-- i M v5m rJ M8
Er: Ha. wenn ich mit 90 Jahren noch so laufen kann, dann will ich recht zufrieden sein!" Sie: Mit 90 Jahren?' Ja, wie alt Willst Du denn werden? Heute schon bist Du so brummig und knurrig. daß man es kaum mit Dir aushält. Wie soll das erst später' werden! Ich weiß nicht, wie ich das aushalten soll!" Er (erstaunt): Ja. willst Du denn auch neunzig werden?!" O diese Kinder! Im Eifer. m Sie: Können Sie aber auch eine Frau ernähren?" Er: Was wollen Se essen Rebekkche?" Vorsichtig. Wenn der Herr Bierhuber ins Bad steigt, befestigt er stets eine Binde vor dem Munde, damit das Wasser mit seinen Lippen nicht in Berührung kommt. Ländlicher Familiensinn. Der' Michel kommt mit einem Recepte für sein krankes Schwein in die Apotheke. Der Apotheker verlangt für die Arznei 50 Pfennig. Ei," sagt Michel, i' bin ja in derKrankenkass'!Das glaub' ich gern, daß Sie Mitglied der Krankenkasse sind, aber Ihr Schwein doch nicht!" Ja warum denn, das nit auch? I' bin do' mit allen meinen Angehörigen versichert!" , , . Seltsam. Hausfrau: Merkwürdig, da glaubte ich, nach der Verheirathung meiner Töchter würden sich aar keine jungen Männer mehr in unserem Hause blicken lassen, und nun komm: viel mehr als fiuHeU" ...
j p
E'r $nr g . Ävgjjp " V aJ 1 v'rtJk&fif V " J7i& .u&rfJPk '" -7 i'-,?nvT .. . ü j . j -
!MU jra M . fJ MM
