Indiana Tribüne, Volume 21, Number 35, Indianapolis, Marion County, 24 October 1897 — Page 3
au. Von AfcranDtr ZSaron von Ftoberts. (7. Fortsetzung.) Er zuckte die Achseln, und da hatte zz sich gerade an einem großen Stücke ergriffen, daZ seinem Kauvermözen Schwierigkeit machte. Sie lachte. Nun, und von iekt ab sollst Du's besser haben. Du wirst bei mir bleiben, willst Du, Lou?" Zögernd nickte er, 'Und einm ängstlich fragenden Seitenblick riskirte er nach dem bedienenden Schatten mit der weißen Krawatte, was der wohl dazu sagen würde? Es klingelte draußen. Eine Kammerzofe, bunt und kokett gekleidet, wie aus einem Modenbild für Fastnachtbälle, mit einem Häubchen, dessen Bander überaus lustig flatterten, fuhr in die Thüre herein und kündigte mit einer zirpenden Stimme Herrn von Fronsacques an. Ich bin nicht zu sprechen. Mariette, hörst Du!" rief Mira. Herr von Fronsacques.Madame..." wiederholte Mariette mit einem helleren. halb verwunderten, halb zudringlichen Ton. Nicht zu sprech en sag' ich Dir!" Und ungeduldig tippte Mira mit dem Stiel der Gabel, die sie aufrecht wie ein Szepter in der kleinen Faust hielt, bei jedem Worte auf den Tisch. Die Zofe drehte sich blitzschnell auf den Hacken und schloß 'die Thür mit einem ziemlich hörbaren Prall. Man wird doch noch allein sein können!" sagte Mira, das Köpfchen mit den golvenen Haarwellen schüttelnd. Wir haben uns viel zu erzähle, nicht wahr, Lou? Claude, sagen Sie Jacques, daß der Wagen erst um sieben Uhr vorfahren soll." Lou hör'e nicht, ob der geheimnißvolle Monsieur Claude gegangen war oder nicht. Weißt Du noch, Lou, wie wir zusammen im Puppentheater in den Champs Elyses waren? Und wie wir damals gelacht? Wir wollen wieder hin und uns einmal wieder rech! tüchtig auslachen, willst Du?" Lou machte ein nachdenkliches Gesicht. Nun, Lou.Du wirst das Lachen doch nicht verlernt haben? Ich lehre Dich's wieder. Und mit Deinem französisch scheint es auch nicht mehr weit her zu sein. Werden wir wieder Stunden nehmen, ja?" Es klingelte nochmals. Wieder flatterten die Bänder der kleinen Kammerzofe in der Thüre: Madame, der Graf Cabrera!" Ich bin nicht zu sprechen, das sag' ich Dir! Hörst Du denn nicht, Mariette? Es ist ja wie ein Komplott hkute!" Das kam fast in einem gereizten Tone heraus. Mariette war noch immer da. Mira setzte mit einer heftig abwchrenden Bewegung das Glas hin, das sie eben zu den Lippen erhoben. Da erst schloß sich die Thüre mit einem noch lauteren Anprall als das erste Mal. Weißt Du noch, Lou. welche Noth wir mit Äem Hunde hatten, mit dem Zeppa? Wo mag der geblieben sein?" Lous Mienen verfinsterten sich. Zeppa nix!" brachte er kleinlaut hervor. Zeppa nix gut!" Und er schnipselte sehr heftig an dem Stück Poularde umher, das ihm Mira gereicht hatte. So." sagte Mira. nix gut? Hatte ich's nicht immer gesagt, in dem Hunde steckt ein Intrigant." Lou seufzte sehr schwer. Und es war wie in einemZorn. als er jetzt ein Bein des Geslügels mit seinen Zähnen gewaltsam zerrend bearbeitete. Madame, der Baron Wisby!" zirpte das Modenbild abermals in der Thüre. Ich sage Dir ja wie oft soll ich'Z denn wiederholen was sagst Du? Baron Wisby?" Und Mira lächelte fast mitleidig. Ah, der gute Wisby.... nun meinetwegen! Ich ließe ihn bitten. Mariette." Diesmal schloß sich die Thüre ganz geräuschlos. Es erschien ein niedlicher, fast bunt gekleideter Herr mit einem allerliebsten. auf das sorgfältigste geschniegelten Blondkopf, der einem Puppenkopfe ähnlich sah. Er tänzelte in mehreren Verbeugungen herein. Mira reichte ihm das alabasterweiße Händchen, dessen Finge? voll Edelsteinen funkelten. Sie reichte es ihm sehr hoch hin, mit dem Rücken nach oben, offenbar zu einem Handkuß. Seine mit strobqellim Handschuh bekleidete Hand grisf zögernd danach, aber kaum em Härchen seines hellblonden, wie eine Kostbarkeit gepflegten Schnurrbartes kam m Berührung , mit dem dargebotenen Handrücken. Als er das volle und kindechast frische Gesicht wieder erhob, war es von einem hellen Noth übergojsen. Mira nickte ihm vertraulich zu, wie um ihm Muth zu machen. -Dann stellte sie vor, mit einer aanz ernsthaften, fast feierlichen Miene: Herr Baron Wisby Her?.... Her, Lou aus Kairo. Wisby machte eine VerbeugMg, ganz nach der Regel. Lou saß da, steif und starr, grinste Mira und den Ankömmling mit seinen Zahnen an. Mira kicherte und Wisby aaffte aus seinen wasserblauen Aeuglein nach dem Nubier wie nach einem Wunder hin. Die Herren kennen sich noch nicht?" fragte die schelmische Slnqer:n. Wisby erinnerte sich: war das nicht der Schwarze des verstorbenen Mar quis Vreteuilles? Jene bat den Baron, neben ihr Vlak zu nehmen. Sie stellte verschiedene tragen an ihn: wie es glnae? was es Neues gäbe? c tz 5en und den lange
nicht gesehen? warum er gestern nicht im Renaissance gewesen?
Wisby antwortete aus alles nur fupg, in dem schüchterne Ton eines vierzehnjährigen Mädchens aus, der Provinz. D:e Unterhaltung hatte nicht an Lebhaftigkeit zugenommen, wenn Mira nicht mit ihrem Geplauoer losgesprudelt wäre. Hie und da schlug ie ein Lachen an, Wisby lachte redlich und herzlich mit nun und Lou zwang sich dazu, so gut es ging. Ach, er hatte so lange nicht mehr gelacht Mira mußte es ihn wlrlllch erst wieder lehren: 'Sie winkte Lou näher heran an ihre andre Serie, dann griff sie in die Schale mitKonfekt und begann an ihre beiden Nachbarn auszutheilm, jedem ein gehäuftes Tellerchen voll. Und da nun keiner zugrlN, so lies; sie es sich nicht nehmen, selber nachzuhelfen. Mit einer komisch-wichtigen Bewegung, als gälte es eine anstrenqendeArbeit. schlug sie die kostbarm SpiKenarmel weit über das blaugeäderte Weiß ihrerArme zurück. Dann, ehe die beiden sich wehren konnten, hatte jeder sein Stück Konfekt im Munde. Wisby ward überroth, aber er zerdrückte das Stück geduldig im Munde. Willst Du schnell hinunterschluden!" herrschte sie den Nubier an. Und icdem wieder ein Stück in den Mund. Schnell! Ihr müßt aber auch beißen!" Und sie nahm selbst eii-es und bin herzhaft darauf los; man hörte es laut knuipern zwischen ihren Zähnchen. Und em drittes Stuck. Wisby wehrte mit seinen strohgelben Handschuhen, sie schlug darauf, und es half ihm nichts. Ich muß schon die Mama spielen. Ihr werdet gehorsam sein, -versteht ihr! Mund au . sag' ich! Lou Du sollst Deine Zähne auseinander machen!" kommandirte sie. Und nim stopfte sie ihnen Stück auf Stück in den Murfc. sich selber auch, immer schneller ging das. Die beiden konnten es wirklich nicht bewältigen, kauten und würgten. Da slog die kleine Kammerzofe mit vollem Sturm herein; Madame, sie haben sich mcht abwerfen lassen, sie sind doch im Salon geblieben; ich kann nichts dafür. Sie meinten, wenn Madame den Wisby Pardon, den Baron Wisby zuließen, so brauchten sie nch auch nicht abwelken lauen da sind sie!" Die hohe und kräftige Gestalt .des schönen Fronsacques" stellte das lebhaft gestikulirende Püppchen einfach mit den Armen beiseite; Eabrera folgte, sein großes Monocle spiegelte hell aus der Dämmerung. Bitte um Verzeihung, daß wirkennoch eingedrungen," sagteFronsacques, den wirtlich schönen Schnurrbart in dem sonst nichtssagend eleganten Gesichte noch länger auszwirbelnd. Cabrera sagte kein Wort, nur das Monocle warf jetzt einen gewisse erregten blitzartigen Schein. n Tag. meme Herren!" rief Mira, oder vielmehr klang es wie ein paar graziöse Singtöne. Verzeihen Sie, aber ich hatte wirklich einen Grund, Sie abzuweisen," und sie zerbiß ein Zuckerwerk, das sie och im Munde hatte. Ein guter alter Freund, den ich plötzlich angetroffen wir hatten so viel zu reden. Ah, Pardon ich weiß nicht, ob sich die Herren kennen?" Und wieder stellte sie vor. mit einem feinen Lächeln um die Lippen, sonst aber zeremoniell genug: Monsieur Lou aus Kairo Graf Cabrera Baron Fronsacques." Cabrera warf mit einem Zucken der linken Augenmuskeln 'das Monocle herab. Und nun blinzelte er mit den kleinen schwarzen, perlartlg funkelnden Punkten seiner Augen ach Lou hin. Der kaute immer noch gewaltican seinem Konsekt, staunte dabei das ihm so wohlbekannte ledergelbe Gesicht des Grafen an. Fronsacques bequemte sich des Chics weger zu einer Viertelngung des Kopfes. Ah. wenn ich nicht irre, so hätten Wir da unsern gutm alten Negerschädel von einem Lou!" näselte Cabrera. Nun, was macht denn der Kerl? Wo hat er sich 'denn herumgetrieben?" Ueber Miras Stirn flog eine leichte Nöthe, bricht über die Wangen, über deren Schminke dieser Purpur keine Macht hatte. Sehr ruhig, aber auch sehr bestimmt sagte sie: GrafCabrera, ich erlaubte mir, Jhnm eben meinen Freund, meinen alten Jugendfreund vorzustellen ich weiß nicht, wen Sie mit Ihrer Anrede meinten. Aber derzeihen die Herren, wenn wir uns nicht stören lasse. Wollen die Herren Platz nehmen." Und sie nahm die Schale, senkte das Gesichtchen tiefer darauf und suchte anscheinend nach einem besondern Konfekt. Den Herren ist vielleicht auch eins gefällig?" sagte sie, ohne och auszublicken. Da, wie ihre Augen sich hoben, ertappte sie den Grafen Cabrera au,' einer kurzen Geste. Weiter nichts wie das: Cabrera hatte den Nubier mit einer nachlässigen, aber doch gebietenden Handbewegun zugewinkt, daß er ihm einen von den ledernen Polsterstühlen drüben von der Wand an den Tisch heranholen sollte. Weiter nichts. Und Lou, der gute Lou. wollte sich schon erheben, um den Beschl auszuführen. Sitzen bleiben!" herrschte ihn Mira a. 'Sie selbst aber fuhr empor, blitzte Cabrera mit scharfen Augen ins Antlitz, nur drei Sekunden, dann griff sie nach der alterthümlichen Broneglocke und läutete sehr stark und laut, es war w'?,ein Alarm. Claude war sofort da. Ohne sich nach dem Diener umzuse hen, befahl sie: Claude, wollen Sie dm Herren dort Stuhle offenren." .
Sie sagte das sehr langsam mit einem strengen Ton. ohne jemanden eines Blickes zu würdigen, mit halben Augen ins Leere hineinstarrend. Und Claude that, wie ihm befohlen. Cabrera zuckte die eckig vattirten Schultern: war man doch dergleichen von dieser Diva gewohnt! Uns er lachte übn 'die köstliche Konkurrenz, die er jeUnfalls mit dem dunklen Gentleman zu bestehen haben würde. Eine halbe Stunde darauf, als die Herren fort waren, befahl sie. Daß man emen 'Schneider kommen ließe für Lau einen Herrenschneider, einen der ersten, Monsieur Foote womöglich! Du legst sofort den bunten Trödel da ab,Lou, hörst Du!" fuhr sie Lou an.
Siebzehntes Kapitel. Meine Mutter hat mir die Datteln gegessen...." Noch am selben Abend sollte Lou die Mira singe hören. Die famose Burleske Fla-Fla" füllte die Räume des Nenaissancetheaters immer noch bis auf den letzten Platz, heute noch, nachdem man sie bereits ein paar hundert Mal gegeben. Der Mira verdankte das Theater diesen Kassenersolg: sie zeigte sich unerschöpflich, ihre in allerlei bunten Charakterverkleidungc schillernde Rolle mit immer neuen Reizen auszustatten. Im Parkett neben Lou saß ein di der, starkathmender Herr, der sich damit brüstete, von den zweihunderisechsundsechzig Vorstellungen des FlaFla" nur fünf versäumt zu haben. Ich kann mir nicht vorstellen, was werden soll, wenn .Fla-Fla' nicht mehr existiren wird. Es wird meine Ende sein!" sagte er mit einem komischen Seufzer. Man sprach von der Mira. Einige Enthusiasten erhoben sie in den Himmel. Die Mira ist göttlich! Die Mira ist einzig! Sie ist die Glorie des JahrHunderts.' Sie ist der brillanteste Stern, der je am Soubrettenhimmel gestrahlt!" Ein junger Mensch, dessen Augen stark glitzerten und dessen Gesichtsmuskeln ein nervöses Zucken hatten, drohte feierlich, einen jeden niederzustechen, der das Aziom vo der Alleinherrlichkeit der goldenen Mira" anzutasten wagte. Einfach stech' ich ihn über den Haufen!" versicherte er. Nun ging der Vorhang auf; bald erschien die Glorie dcSJahrhunderts", von einem allseitigen Applaus begrüßt. Ach, wie sie ihn wieder gänzlich gefangen ahm! Sein Herz mit 'den Zauberschlingen ihrer Töne umstrickte! Wie er da alles vergaß, was sie ihm einst an Grausamkeiten zugefügt, um ihn schließlich eines Tages heimlich zu verlassen. Hinweg schmolz ihm vor diesen Melodieen jeder Haß der Menschen und vielleicht würde er auch wieder einem Thiere Vertrauen schenkm können einem Hunde Zeppa selbst, wenn der hier wäre. Gewiß, er hätte ihm alles verziehen in diesem Augenblicke.... Sie war eine Hexe! Man konnte ihr nicht widerstehen. Lou fühlte, daß er von nun an wieder zu einem willenlosen Ding in ihren Händen zusammenschrumpfte. Tüchtig applaudirte er mit. Aus der Reihe hinter ihm iwurde anschei nend das Signal zum Klatschen gegeben. Es war ein betäubendes Gellen, und die Hände, die es vollführten, mußten ganz besonders dazu auserwählt worden sei. Wie ein einzeübter Klatschchor klang es; einzelne hellere und tiefere Stimmen konnte man darin iunterfcheiden. und der beHerrsehende Baß wur'de von ein paar mächtig großen, roth gedunsenen Händen hohlschallend dargestellt. Man mußte mitmachen, es reizte so. Und Lou klappte- sich die Hände brennend heiß; er wollte hinter denen 'doch nicht zurückbleiben! Nur einmal, als er die Hände wieder zum Klatschen setzen wollte, mußte er in der Bewegung innehalten, so überrascht war er. Mitten in dem Brillantfeuermerk ihrer Koloraturen ließ sie eine Einlage erklingen etwas so Seltsames, etwas so Zaubergewaltiges wie ein Echo aus einer ferndämmernden MärchenWelt. Es bante euch die Seele, daß sie ihren Athem einhielt wahrhaftig, die glitzernden Thränen lockte es euch aus den Augen! Die meisten kannten es. Mit einem freudigen Ah ah!" wurden die ersten Noten begrüßt; dann lauschte alles in geräuschloser Spanung. Der Tezt war eine Albernheit: Meine Mutter hat mir die Datteln gegessen ach wie ärgerlich, ach wie ärgerlich" u. s. w. Aber wie sie diese Albernheit in Tönen dahinsließen. in übermüthigen Noten aufsprudeln, in tiefe Traurigkeit verHauchen lietz! Der Beifall erschütterte das HauS. Man verlangte ach einem andern, ebenso bekannien Liebe. -Sie bequemte sich dazu und begann: Welch ein Glück, wenn Milch und Butter der Morgen über mich aus gießt" u. s. w. Es gab einen völligen Aufruhr, in solcher Ausgelassenheit ließ sie daS Lied durch das Haus dahinwirbel. Wo hatte sie diese Lieder her? Lou allein wußte es. Es war vor sechs Jahren an einem schwulen Juli abend im Park Monceaux. Lou saß mit Lili in der Säulenrotunde. Geheimnißvoll flüsterte und murmelte das Wasser des nahen Brunnens und die grünen phosphoreszirenden Punkte der Leuchtkäfer schwirrten und schwebten in Schaaren .durch das Dunkel der Büsche. Oft kamen sie wie mit schlm mernden Wolken dahergezogen, daß der Marmor der Spulen von matten Refleren angehaucht wurde. Es war so einsam hier, das Getose der lärmbewegten Stadt schlug nur
mit leise Wellen an das Gestade dieser
idyllischen Parllnsel. . Lili batte nack iber Art ein vaar von ihren Pariser Straßenliedern hergeträllert. Und sie fragte Lou. ob man denn da unten in Kairo nichts sänge. Da fielen ihm ein Laar ??ellahlleder ein. die von den Kairenser Efeltreibern bei der Nast am ufoe der Pr,ramietn gesungen werden; sie lachte über die drolligen Klänae und aucb über die stolpern'öe Art seines Gesanges, aber er mußte wiederholen und sie horchte nun sehr aufmerksam. Nach dem Sinne des Textes fragte sie. Mit Mühe übersetzte ihr Lou Wort für Wort. Dann sang sie es nach, mit einem wahren Eifer warf sie sich auf diese Fellahlieder. In ein paar Tagen sprudelten ihr die Sänge so natürlich heraus, als wäre sie damit aufgewachsen. Lou waren die Lieder über all 'dem andern, das er erlebt, fast aus dem Gedächtniß verschwunden. Und nu mußten sie ihm von einer lichtstrahlenden Pariser Bühne herabklingen! Wie ein süßer Duft aus der fernoersunkenen Heimath umwehte es seine pochende Stirn un'd sein Herz schwoll ihm zum Springen. Klatschen aber konnte er nicht mehr, nein, jetzt nicht, es wäre wie eine Entweihung gewesen. Stumm und reffungslos saß er in dem brausenden Sturm, der das Haus erschütterte. Und in der Pause haschte er ein paar Bemerkungen auf. Man stritt sich über die Herkunst der Lieder. Der junge Mensch. der einfach alles niederstcchen wollte", behauptete, die Mira hätte sie selbst erfunden. Genug," hieß es. jedenfalls hat sie ihr Glück damit gemacht." Einer gab Erläuterungen. Vor zwei Jahren hatte sie die Lieder zum erstenmale im Alcazar von Bordeaux gesun gen. Flugs machte sie 'Auffehen, nachdem ihr ewas dünnes Stimmchen bis dahin wenig Beachtung gefuden. Hier war etwas Besonderes, man mußte aufmerken dazu ihre prächtigen Nothhaare! Die hatten freilich seitdem eine vornehmere Nuance angenommen: den Reflex des Goldes, das ihr von nun an zu Haufe in den Schoß fiel. Ein nach Stimmen ausspürender Agent hatte sie sofort dem Bordeleser Alcazar entführt. Und nun machte sie einen ganzen Sommer lang ein uerHortes. Furore im großen Alcazar der Champs-Elysees, alles mit diesen Liedern. Selbst bei Hofe hatte sie singen müssen, und bei einem der großartigen Sommerfeste in Compigne ward sie mit Al'szeichnunge und Huldigungen überhäuft, schließlich gelang es dem Unternehmer 'des Nenaissancetheaters. über die verlockenden Offerten seiner Kollgen obzusiegen und diesen Stern zu gewinnen. Freilich hatte er sie dem Alcazar um einen unerhörten Preis auslösen müssen. Lou hatte nicht alles verstanden. Eins nur wußte er nun: mit den Fellahliedern hatte sie ihr Glück gemacht. Mit Hilfe der armseligen, kleinen, nichtssagenden Lieder war sie zu dem glänzende Gipfel des Ruhmes emporgestiegen.... Und Lou hatte sie die Lieder gelehrt, der armselige, nichtsbedeutende schwarze Lou! Ein beseligendes Gefühl 'der Vefriedigung fluthete durch seine Brust. Es war ihm, als müßte 'er etwas Häher tragen und stolzer: nicht das Haupt das mißachteten sie nach wie vor. weil es dunkel gefärbt war, wohl aber das Gefühl des Menschseins, auf das ja auch er nu einen Anspruch hatte. So war er denn doch zu etwas gut gewesen in der W?lt! So war er dennoch nicht werth, wie ein überflüssiges Ding beiseite geworfen zu werden, weil er ein Schwarzer war! Achtzehntes Kapitel. Herr Lou aus Kairo. Warum sollst Du nicht den Herrn spielen können, Lou?" sagte Mira. Die Kleider dazu hast Du, warum sollst Du nicht einen Herrn herauskehren so gut wie der Graf Cabrera oder der Herr von Fronsacques? Was gehört denn eigentlich 'dazu? Bah. ein paar Meter Tuch, die ein berühmter Schneider nach dem Chic zusammengeheftet, ein paar Gesten, ein paar Komplimente, ei paar angelernte Redensarten, freilich aber auch manchmal ein tüchtiges Maß von Dummheit, das versichere ich Dich!" Was? Weil Du schwarz bist? Nun gerade, nun erst recht! Als wenn die Schwarzen nicht dasselbe Recht hätten wie die Weißen! Das wollen wir schon sehen! Ich werde es sie schon lehren, meinen lieben Freund Lou zu respektinn!" Lou seufzte. Ach, das Herrnspielen siel ihm doch sehr schwer. So sehr ihn flüher die Eitelkeit gekitzelt, als ein Stutzer von der neugierigen Pariser Sonne beleuchtet zu werden, so wenig konnte er sich jetzt in die Rolle finden. jetzt, nachdem ttjn das Schicksal so tuch tig durch den Staub geschleift. Lou ir Herr...." Und er machte eine recht unglückliche Figur in seinem modisch neuenKostüm; es war ihm wre ein Käfig, .den er mit sich herumschleppte, und seine Bewe gungen gewannen nun wirklich etwas Linkisches ud Ungeschicktes, das den Spott herausfordern mußte. Ja, er sah. wie sie über ihn lächelten und lachten, und er horte khre kichern den Bemerkungen. Eine wahre Angst empfand er vor dem ironisch verzogenen Diplomatengesicht des vornehmen ud geräuschlosen MaUre de table. Wie ein lästigerMückenschwarm umgaukelte ihn die ausgelassene Neckerei des weib lichen Personals, und Mariettes ko misch - übertriebene Repektsbezeiaun aen brachten ihn oft zur Verrweittuna. Lou ix Herr...." seufzte er, stellte den- glänzend schwarzen Zylinder vor sich auf den Tisch und zerrte sich mit Muhe die engen Glacees von den Han
den. Lou Diener! Mira gut sein Mira treu sein Lou Mira Diene,
sein.... Was willst Du?" rief sie aus. daraus wird nichts! Ich werde meinen altkn Jugendfreund Diener spielen lassen! Da rennst Du die Mira schlecht. Sie haben uns schlecht behandelt, als wir arm und klein und rothhaarig waren, nun wollen wir sie auch wieder schlecht behaidelil!" Dabei fuhr sie ein paarmal mit dem klippernden Fächer fuchtelnd durch die Lust. Sie sollen sich ärgern, das sollen sie! Gerade das!" Und sie gelobte sich, ihm Achtung zu v?r schassen. Einmal, da sie zusammen ausfahren wollten und Mira bereits das Coups bestiegen, schlug der Diener die Thür zu. dicht vor Lous Antlitz, der eben nachfolgen sollte. Was soll das?" zischelte Mira. und ihre Augen flammten. . Der Diener hatte ein entschuldigendes Achselzucken: er hätte den Herrn", wie er stark betonte, gar nicht gesehen. !lra befahl, dan der Mensch sich aus ihrem Hause trollte sofort! Auf der Stelle!- befahl sie laut, in sprayendem Zorn. Seinetweae sollte der fort? Lou bat, sie möchte gut sein. - Ich werde ihnen den Respekt schon beibringen! Schlveig jetzt. Lou das verstehst Du einfach nicht!" Während der Fahrt saß er geduckt und kümmerlich in der Wagenecke. Nach einer Weile fuhr sie ihn plötzlich an: Wenn Du mit mir ausfährst, mei Bester, so darfst Du kein solch erbärmliches Leichenbittergesicht aufsetzen, hörst Du! Man meint fast. Du langweilest Dich mit mir oder ich m't Dir. Sofort wirst Du fr.'U7,vlich sein! Und wenn Du mcht lachen rnvr rrcr kannst, so zeige m n'gst ns De'ne Zähne, das sieht so aus." Lou that, wie ihm besohle. Ach ja, das Herrnspielen war doch recht schwer! Lachen sogar soll man, wenn man gar nicht einmal den Grund weiß. Aber er tröstete sich: behandelte sie denn die übrigen Herren etwa anders? Nur eins gab sie ihm ach. Er wollte die Schlafstube mit dem schwerbehangenen Himmelbett, die sie ihm angewiesen, nicht bewohnen. Warum nicht?" In ihrem Vorzimmer lag ein präch tiges Löwenfell, darauf wollte er schlafen, wie er's bei Moussou gethan. Ach was! Das ist mcht Mode!" wehrte sie. Da aber fiel ihr ein, wie gut sich das machen würde: jemand. einMensch, einer ihrer Ergebenen, der auf ihrer Schwelle lagerte. Dergleichen gab es in Romanen, die sie gelesen. Nun, meinetwegen, wenn eS Dir gefällt Du mußt aber auch wissen, wo das LSwenfell herstammt. Nun, von G6rard, dem berühmten Löwentödter, der den Löwen selbst geschossen. Graf Cabrera hat es mir geschenkt. Und es haben schon ganz andre Leute darauf geschlafen, das ahnst Du gar nicht. Die fanden es aber sehr hart. Die Mira fanden sie noch härter, weil die sie ohne Erbarme auf dem Felle liegen ließ. Es schlief keiner zum zweitenmal darauf. Nun, meinetwegen: felloissima. notte!" Von da ab hatte der Arme unter dem Respekt zu leiden, den Mira ihren Louten vor Herrn Lou aus Kairo" mit einem scharfen Exempel beigebracht haben wollte. Er konte sich gar nicht mehr retten vor ihren Unterwürfigkeiten; sie überschlugen sich fast bei ihren Reverenzen, sie rissen ihm. wenn sie beim Ablegen der Garderobe behilflich waren, fast die Glieder aus dem Leibe; in den Wagen konnten sie ihm nicht schnell genug helfen, so daß er Mühe hatte, sich aufrecht zu halten. Ost gebot er Einhalt, desto ärger trieben sie's. Und er sah, wie sie sich hinter seinem Rücken lustig machten. Nur Mariette verfuhr anders. Sie beobachtete ihn einfach gar nicht mehr, sauste a ihm vorüber und sah ihn nicht. Oft genug rannte sie gerade auf ihn zu, als bestände er aus Luft, so daß er nicht schnell genug zur Snte setzen konnte. Mit der Entfernung jenes Bedienten mußte dem .hitzige Persönchen ein arger Streich gespielt worden sein. Die andern aber, die Mira eben argern wollte, ihre vornehmen Freunde und Verehrer, hatten schon seit jenem Abend, da Lous Stern in dem Planetensystem der Sängerin erschienen, keine andre Taktik beobachtet. Herr Lou aus Kairo" nun gut! Warum nicht? Sie wollten der exzmtrischen Diva diese Laune schon bald genug verleiden. Und sie behandelten Lou völlig nch dem Comment und schienen diesen schwarzen Gentleman" ganz ernsthast zu ehmen. Seine allerlei Unbeholfenheiten übersahen sie in anscheinender Großmuth, oder sie erklärten manches, was er in seinem Ungeschick that oder verfehlte, vom allerletzten Chic". Zu allerlei Extravaganzen in der Kleidung verleiteten sie ibn. und die abmten sie dann zum Scherze nach: Hm Lou aus Kairo thut .das Herr Lou aus Kairo trägt das...." Die Tageslaunc der Boulevards begann sich immer vorlauter mit Miras Freund zu beschäftigen; im geheimen freilich zuckte sie spöttisch die Achseln: wie doch die glänzende, gefeierte Diva sich in solch einen Halbmenschen verschen konnte! , Die Bosheit aber wollte allerlei Interessantes von diesem seltsamen Ver hältniß erzählen; manchen von ihnen zwickte die Eifersucht mit glühenden Zangen. Mira ließ sich nichf irre machen. Sie sollen Dir nichts mehr vorzuwerfen' haben, Lou! Dein Gesicht kan ich Dir freilich nicht weiß anstreichen, aber was die Bildung anbelangt,, die tooi len wir Dir schon bemalen und tapeziren. daß Du Staat damit machen sollst!-
Und wie sie ihm vor'Jahren franzofische Phrasen aufgezwängt, so begann sie ihn jetzt mit der Bildung zu quälen. Sie lehrte ihn. wie man nach nem Chic gehen und kommen müßte, wie man sich zu setzen, wie man zu essen und zu trinken hätte, ja sogar wie man eine Sgarre anzündete. Sie nannte das Stunden im Comrne-il saut". Wieder gab es da viel zu lachen, und sie ließ sich die Gelegenheit dazu nicht entgehen. Meist war der große Toilettenspiegel Zeuge dieser Uebungen, dann trug auch wohl die Sängerin 'das burleske Stutzerkoftüm, das sie in Fla-Fla" den ergötzten Zuschauern vorführte. Lou. nicht so tief die Reverenz! Du stößest mir mit Deinem Kopfe noch den Spiegel ein!" Und gegen den S-piegel gewandt, machte sie ihm eine elegante, graziöse, lächelnde Verbeugung vor. Wie oft hatte sie diese selbst geübt vordem freilich vor einem weit kleieren Spiegel. Du bist von Holz! Bist Du nicht Lou? Komm mal her!" befahl sie. da Lou sich gar zu unbeholfen anstellte. Sie umfaßte ihn leicht, stand mit ihm vor dem Spiegel und zwang ihn mit sich zu einer gemeinsamen Ncverenz. Nur nicht so mit dm Zähnen dabei gegrinst alles zu seiner Zeit, Lou!" Nun. nochmals! Nochmals! Bravo, Bravissimo! Noch ein Hundert solcher Verbeugungen, dann wirst Du endlich begriffen haben." Mariette in der beigelehnten Thüre konnte sich icht lassen vor Kichern und Lachen. In der Küche aber meinte sie schnippisch, mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf die Stirne tippend: Madame müßte doch wohl eine Laune zuviel -haben, daß sie mit dem Hampelmann droben solche Faxen anstellte. Bei einer dieser Reverenzübungen überraschte sie Graf Cabrera. Im Spiegel zwischen ihren Gesichtern tauchte plötzlich sein schwarzer Mephistokopf mit den kleinen dunkeln Gluthäugen auf. Es war wie eine Erscheinung, und Mira konnte wirklich einen kurzen Schreck der Ueberraschung nicht unterdrücken. Sofort aber faßte sie sich, dann schwenkte sie Lou, den sie mit iem Arme umfangen hielt, mit sich herum, und nun wiederholte sie die Verbeugung gegen Cabrera hin; Lou war gezwungen, mitzumachen. Cabrera nahm das ganz ernsthaft. Keine Spur von der ihm eigenen iroNischen Grimasse flog über sein gelbes Gesicht. Er fand das alles selbstverstündlich, und da sie einen Scherz machte, so lachte er ganz ungezwungen. mit. Nachher aber hörte Lou, wie jener im Hintergrunde des Boudoirs auf Mira einredete. Es waren kurze, abgehackte Worte, die er hervorstieß, harte Vorwürfe, die er hinwarf. Und in seiner sonoren Stimme war etwas leife Vibrirendes, das ihm ein Recht zu solchen Vorwürfen zu geben schien. Sie wehrte die Worte mit einzelnen Lachnoten ab. die aber immer gedämpfter erklangen; zuletzt war es nur wie ein leichtes Echo. Sie hatte die Augen gesenkt nnd spielte mit 'den Blättern einer Edelpflanze, die sie in unbarmherziger Weise aufrollte. Plötzlich fuhr ihr Köpfchen empor, und das Goldhaar mit einem Ruck über den Nacken zurückwerfend, gebot sie ihm mit funkelnden Augen Trotz in die seinen. Was wollen Sie denn. Graf? Was, wollen Sie? Ich liebe ihn, ja, ich liebe ihn!" rief sie laut, wie in einem Triumph. Dann ließ sie ihn stehen. Sie ärgern sich, sie ärgern sich doch!" jubelte sie, als Cabrera sort war. Lou. nun schnell noch einmal hit Reverenz! ich möchte wissen, wer mir was zu sagen hätte!" Ich lieb' ihn ja, ich lieb' ihn! Den ganzen Abend klang es Lou öurch den Sinn, und er hörte nichts von den Melodien des Fla-Fla". Ah. er glaubte nicht daran er wollte nicht noch einmal so thöricht sein.... Sie hatte es gesagt, um jenen zu ärgern eine Kaprize ein Manöver weiter war es nichts.
Neunzehntes Kapitel. Guignol. Sie wollten wieder einmal recht tüchtig lachen; Lou hatte ja das Lachen wirklich ganz verlernt Mira wollte es ihm schon von neuem beibringen. An einem sonnenfrohen Nachmittage im Frühling hielt Miras Viktoria in den Champs-Elysees, unweit des großen Alcazars. Es war ein Aussehen, wie sie .dahergerauscht kam, prächtig und lächelnd, Lou ein paar Schritte hinter ihr hertrottend in seinem neuen Zylinder, da es fast aussah wie eine Bedienung. Sie durcheilte die dichtbesetzten Stuhlreihen des Promenadenweges und es war ein Ah! der Verwunderung über ihr prachtvolles Haar, das die Sonne in glorienhafter Verklärung um ihr feines Gesichtchen flimmern ließ. Auf das eingezäunte Publikum von Kindern und Bonnen, das vor dem Lyoneser Puppentheater saß. schritt sie hin. Guignol hatte noch nicht beginen, von dem herabgelassenen Vorhang der kleinen Bühne grinste sein durchtriebenes Taugenichtsgesicht hernieder. Ein paar dünne Geigen fiedelten eine lustige Melodie, die aber fast ganz in dem Geplapper der kleinen Zuschauer verloren ging. Die Besikerin bot 'den Ankommende in übertriebener Zuvorkvmmenhnt cm" l . , v.-n er . . 'piagc in 011 cuiucijini isixuft aii (Fortsetzung folgt.)
Aur die Küche. Tomatensuppe. Vier bis fünf Tomaten werden gewaschen, zor gedämpft und durch ein Sieb gerührr. In einem andernTopf wird mit BouilIon und Gewürz Reis gekocht und sodann das Durchgetriebene hinzugethan und nochmals aufgekocht. Vor deni Anrichten quirlt man die Suppe m't Ei undSabne ab und giebt etwas feine Petersilie dazu. Brühtartoffeln. Man schält die Kartoffeln, schneidet sie in hübsche Stücke, kocyt sie in Salzwasser ziemlich weich und läßt sie gu: avdämpfen. Alsdann schüttet man sie in kräftige, durchgegossene Rindslelschbrühe, sugr etwas Pfeffer, Muskainuß. gchactie Petersilie und ein Stückcyen Äuttcr hinzu und kocht sie Vollendes gar, man muß aber darauf achten, daß die lar toffeln nicht zerkochen, da sonst d.-.3 Gericht viel am Aussehen verliert. DaZ Fleisch, welches man für diesen Zw?ck mit kochendem Wasser aufgesetzt Hr. richtet man mit einer Meerrettig-, Vto-sinen-oder Mostrichsauce usw. an. Fisch salat. Zu dickem kai'.n man gekochte Süßwasserfische jede? Art benutzen. Das Fleisch wird vo Haut und Gräten befreit und mit Es-flg.-Oel. Pfeffer und Salz gemischt. In einer Schale angerichtet und mit krauser, frischer Petersilie garnirt. sieht die Speise sehr gut aus. Der Essig von eingemachten Peffergurken eignet sich vorzüglich zu allem Salat. RindfleischmitTomaten. Ein Pfund Rindfleisch mit Salz und Pfeffer wird in Butter gedämpft. Dazu schneidet man drei Tomaten, gieß einen Theelöffel guten Weinessig hinzu süßt nach Geschmack mit einem hald.'l bis einem Löffelchen Saccharin un! verdickt die Sauce mit Schwarzbrot Beim Anrichten des Fleisches muß die Sauce durch das Sieb gestrichen wer. den. Kartoffelklößchen in Heller Fleischsuppe. Etwas gutes Rindermark rührt man wei und schaumig. Sodann mengt mau ein Ei und eine halbe Messersple Muskat, Salz sowie drei große, noch warme, in Salzwasser gekochte Kartofseln, welche durch ein Sieb getrieben worden sind, hinein. Damit die Klößchen halten, mischt man noch etwas zeriebene Semmel dazu und formt kleine Klößchen davon. In Backfett recht knusperig giebt man sie extra zur Suppe. Rostbraten mit Reis und Liebesäpfeln. Man schneidet etwas Speck würfelig und schwitzt de.iselben mit kleingeschnittenen Zwiebeln hellgelb. Sodann legt man den geklopften und gesalzenen Rostbraten hinein, dünstet sie braun und ha.'d weich und fügt ein Viertel Pfund gebrühten Reis nebst drei Eßlöffeln voll Liebesäpfelmarmelade hinzu. Dies alles wird weich gedämpft und daS Gericht mit Salzgurken servirt. Sellerie - Gemüse auf Schweizer Art. Man schält die rohen Knollen und schneidet sie in feine Scheibchen, die man in Wasser mit Salz und einigen Löffeln Essig ganz weichkocht und auf ein Sieb zum Ablaufen schüttet. i gleicher Zeit hat man nicht zu meeiche Kartoffeln
halb weich gekocht, dieselben geschält. m Scheiben geschnitten und mit dem Sellerie vermischt. Nun dünstet man in reichlich Butter etwas fein gehackte Zwiebel und Petersilie, gibt das Gemuse dazu, laßt alles etwas anziehen und gießt langsam gute Fleischbrühe daran, bis eme kurze Sauce emkocht. Gerührt darf nicht werden, nur geschüttelt, damit die Scheibchen schon ganz bleiben. Coteletten passen am besten dazu Meerrettrgsauce. Man bereitet mit Weißmehl und fetter Fleisch brühe eine seimige Sauce, läßt in derselben den geputzten und fein geriebenen Meerrettig ein paar Mal aufkochen und giebt em Stückchen Butter dazu. Anstatt der Fleischbrühe kann man Milch oder Sahne nehmen, auch wohl ein Stückchen Zucker hinein thun, ganz nach eigenem Geschmack; doch darf der Meerrettig nicht lange kochen, weil er sonst seine Schärfe verliert. Linsen mit Zwetschgen. Ein halbes Pfund Linsen wird Abends mit kaltem, wenn möglich weichem Wasser übergössen und am Morgen m't circa dreißig Stuck schonen, gedörrten Zwetschgen in darüberreichendem Was ser weichgekocht, bis-gar keine Brühe mehr daran ist. Eine Prise Salz und ein Stück Butter wird vor dem An richten beigefügt. Rosenkohl. Man säubert den? selben von allen, schlechten Blättern. siedet die Röschen in Salzwasser unl läßt sie gut abtropfen. Nun mach man ein Helles Einbrenn von.Mehl unl frischer Butter, gießt mit Bouillon auf. thut etwas Flelschextract, Salz und Muskatnuß daran und schwenkt zuletzt das Gemüse darin. Kochen darf man es nicht mehr lassen, sonst zerfa!len die Rosen. Rothe Grütze (norddeutsch). Johannisbeer-, Weichsel-, Himbeeroder gemischter Saft, je nach Liebhberei. wird mit einem halben Pint Wasser gemischt (iz Pint Saft). Diese Flüssigkeit bringt man zum Sieden und rührt dann eine Obertasse grobe Gries. Tapiola oder Buchweizen dar ein, läßt es mit etwas Zucker kochen. bis es sich von der Pfanne schält, und ' schüttet es in eine nasse Porzellcu? form. Am Abend stürzt man die Sp:ise und giebt kalte Milch dazu. Rhabarberkuchen. Der Rha barber muß geschält und in Stückchen geschnitten, ebenfalls in kochendem Wasser leicht abgebrüht werden, gut eingezuckert und längere Zeit stehen ge lassen. Auf Blätterteig ausgebreitet und mit einem Gitter belegt, macht er sich recht gut und mutz mit Zucker imfc Zirnrnet bestreut wndry, , .
