Indiana Tribüne, Volume 18, Number 338, Indianapolis, Marion County, 25 August 1895 — Page 6
f"
6
m Todtendett der ZXutttr.
Von D. SauL glänz! die liebe Mo7gei?sonne Durch's klein: Fenster hell herein. Der junge Tag steigt auf in Wonne, Wer sollte da nicht fröhlich sein! Doch ich am Tische sitz' in Leide, Die Lippe stumm, das Auge -naß. Und neben mir im St:rbe kleide Lgt mein: Mutter, kalt und blaß. Der Mund, der eins! so traut gcspro- . eben. Hat nun kein einzig' liebes Wort, Die treuen Auen sind gcbrocb-cn. Das süße ächln schind binfort. Was ifat ich xix. du bleir Scbnitter. Daß du mir hvfft da Herz so sckwer? Das Wort, das Wort ist qar zu bitter: Ich habe keine Mutter wefcr! Die weißen Hände still gefaltet, Liegst du, umzlänz: von Moraenlicht, Gin heil'acr Himmelssriede waltet Auf deinem blassen Angesät. O. Alles. Alles ist zu Ende. Hier geht mein Jugendtraum zur Ruh'! Ich küsse Lippen dein und Hände, Dann deck' ich dir das Antlitz zu. Das junge Mädchen in Paris. Plauderei von A. Brunnemann. Die Venus von Milo ist nicht chic, 'denn sie hat keine Taille." erklärte mir meine Schülerin kurz und bündig. a;s wir im Louvr? vor jenem unvergleichlichen Denkmal griechischer Kunst stznden. das seit Jahrtausenden das Ideal weiblccher .Schönheit geworden. Statt andächtig auf die edle Sprache aus jener versunkenen Schönheitswelt zu lauschen, zog sie es vor, eine geist reiche" Bemerkung zu machen. Sie war eben ein echter Pariser Backfisch, wenn man diese Bezeichnung auf ein halbf-rtiges und doch schon recht früh reifes Mädchen anwenden darf. Ich mußte unwillkürlich an einen köstlichen Brief denken, den Theophile Gautbier an sein Töchterchen schrieb, nachdem es ahm erklärt hatte, die Alpen hätten seinen Erwartungen durchaus nicht ent-."Hü--, dich sagt er. den Maßstab der Kritik an wirklich schöne Dinge zu legen. Um eines Witzwortes willen beraubst du dich jeglichen Genusses, rtödte nicht die Begeisterung an dir. denn die Begeisterung steht der Jugend wohl an.' Du hast noch während eines langen Lebens Zeit genug, das lächerlich zu finden, was dir jetzt erhaben scheint." Ja. eine Jugend ohn: Enthusiasmus, ohne echte Ideale ist das LooZ des Pariser Mädchens. Die rege Jntellioenz, die im "Treiben der Riesenstadt vieles schnelle? als nöthig erfaßt, ist keines aus naivem Herzensgründe kommenden Staunz.is mehr fähig, und der .gallische Esprit", der gar früh erwacht, ist leicht dazu geneigt, das Erhaben? in's Lächellich; zu ziehen. Wohl werden Ideale verfolgt, aber sie sehen den Idealen einer begeisterungsfähigen Jugend so unähnlich, wie die Venus von Milo einer Modepuppe mit Wespentaille und Keulenärmeln. Armes Backfischchen, es ist nicht deine Schuld! Die Erziehung, die leider nur zu oft auf Aeußerlichleiten. auf Befriedigung der Eitelkeit, die der Hauptfehler der französischen Nation tst, hinstrebt, trägt die ganze Verantwortung. Richtig, gehandhabt könnte sie di: glüc!lM:n Resultate haben, denn die junge Französin ist meist sehr begabt, impressionistisch und infolgedessen leicht zu beeinflussen. Kommt das Kind aber in falsche Hände, so wird ein frühreifes, kokettes Pflänzchen großgezogen, bei dem der esprit" 'das ertödtet. was so wohlthuend am Weibe ist: wahres Gemüth, tiefe Innerlichkeit. Als Nomanen, sind he mehr deduktiv als intuitiv, weshalb schon von Haus aus mehr Hang zu Ueberlegung und Berechnung vorhanden ist. als naives Fühlen und Jnsichaufnehmen. Vernunft bewahrt sie vor Sentimentalität und Schwärmerei; eine treffliche, gediegene Erziehung bildet darum j:ne d:rständige, arbeitsame, ordnungsliebende Frau, die unserer braven, vielzerühmten, deutschen Hausfrau sehr ähnlich steht, ja die ihr sogar bisweilen an Leistungsfähigkeit und Geschicklichkeit überlegen sein dürfte. Ein wirklich wohlerzognes, junges Mädchen wird einst als Frau den Fremden mitStaunen erfüllen, denn er wird in ihr durchaus nicht das finden, was er sich unter einer Pariserin vorgestellt hat, und es gibt noch viele solcher Frauen rn Frankreich. Leider werden diese Frauen jetzt seltener, weil diese Art Erziehung seltener geworden ist und zu sehr nach ancien n'inie schmeckt. Man klagt hier ebensoviel wie anderswo über die großen Veränderungen seit der guten, alten Zeit", und alte Damen werden das junge Mädchen von heute mit infiniiiient inal ei6v6e" bezeichnen. Der Franzose ist Rationalist und verfolgt fast immer einen VützlichkeitSzweck. Wozu erzieht er setne Tochter? Damit foeiii gute Partie mache. Er läßt sich vom Geschmack der Zeit, vom Äeschmack der Männer bestimmen. Früher liebte man an der Frau den Stolz, den Muft, die Festigkeit, denn die Frau muß in Frankreich oft den moralischen Halt des Gatten bilden. Jetzt ist ein geistreichesSpielzeug Mode geworden, das über prickelnden Witz verfügt, das immer reizt, weil es buntfarbig schillert und man nie seine echte Färb: 'definiren kann. Es darf kokett, impertinent sein; es darf nervös sein und Launen haben; es darf skeptisch über alles die Lauge seines Spottes usgiehen:. aber es darf um GotieZwillen keine Dummheit sagen ode? ruhiz? Gleichmäßigkeit des Gemüthes
zur Schau tragen. Eine geistlose oder eine langweilige Frau quelle iiorrinir! Schließlich muh sie sehr viel Verständniß für Toilette an den Tag legen mit einem Worte chic" sein. Jetzt wird man begreifen, welche in der Mädchenseel: schlummernden Sinne geweckt werden. Und selten findet sich eine Nora. die sich dagegen auflehnt, nur ein buntschillerndes Spielzeug zu sein. Aber das junge Mädchen in Frank reich ist interessant, sehr interessant, weil es sehr interessant ist. und seine Individualität wird durchaus nicht mebr durch d einseitige Pensionatsziebung unterdrückt. Das Zurückhalten von allem Weltlichen bis zum Tage der Vermählung existirt nicht mehr. Man macht sich im Auslande einen ganz falschen Begriff von der heutigen Mädchenerziehung in Frankreich. Man lebt da zumeist noch in den Ideen des vorigen Jahrhunderts, wo die Kinder, die man mit sechs Jahre der Mutter Aebtissin übergab, erst mit siebzehn Jahren aus deren Obhut entlassen wurden. Sie traten heraus in die Welt, um einen Gatten zu heirathen, den man ihnen im Sprechzimmer vorführte. Thatsächlich weilt jetzt ein französisches Mädchen nur während zwei oder drei Jahren im Kloster, und zwar um sich dort für di: erste Eommunion vorzubereiten. Mit dem dre;zehnten Jahre etwa kehrt es wieder in's Elternhaus zurück, in welchem es vorher ausschließlich geweilt, und der Unterrich! wird durch eine Lehrerin und durch allerlei Kurse" vervollständigt, d. h. bis zum siebzehnten oder achtzehnten Jahre, fortgesetzt', wo es dann m di: Welt eingeführt wird. Das Gesagte b:zieht sich selbstverständlich nur auf ju?:ge Mädchen, die nie daran zu denken haben, ihren Unterhalt selbst zu erwerben. Da das Kloster also nur einen sehr kurzen Abschnitt des Mädchenlebens beansprucht, so kann .sich kein nachtheiliger Einfluß auf die Entwicklung der Jnd'widualität geltend mache. Diese tst sogar in sehr starkem Maße vorhanden. Der Mutter fällt der größte Theil der Erziehung zu, und ist diese von gediegenen Gesinnungen geleitet, so "ist das Kind in den besten Händen. Es theilt vom dreizehnten oder vierzehnten Jahre an ganz die Gesellschaft der Mutter, und dies hat manches .vor unserer deutschen Mädchenerziehung voraus. Es 'bildet sch kein Gesellschaftskreis Backfischkreis für sich, bei welchem in sogenannten Kränzchen Sentimentalitäten oder Kindereien genährt werden, die ein Gift für unsere deutschen Mädchen sind und oft noch ein unnützes Zeitvergeuden zur Folge haben. Die junge Französin, auch aus sebr bemittelten Familien, wird sehr früh an di: Realität des Lebens gewöhnt. Sentimentale Schwärmerei würde ihr auch wenig nützen, denn bei dem ungemein geschäftsmäßigen' Vorgehen bei Heirathsangelegenheiten ist jede Illusion ausgeschlossen ein überflüssiger Ballast, dessen man sich nichtfrüh genug entledigen kann. Es schnürt einem fast das Herz zusammen, wenn man solch ein hübsches. inteLigentes und liebenswürdiges junges Mädchen im trockensten Ton: von der Welt von seiner einstigen Vermählung den hört: die Eltern oder Freunde der Eltern werden einen jungen Mann aus' guter Familie vorschlagen, der, wenn er sich geneigt zeigt, ihr vorgeführt wird. Und wenn sich beide Theile gänzlich mißfallen, verläuft die Sache im Sande. Zeigt nur ein Theil ein wenig Interesse, so werden die WerHandlungen bis zur endlichen Verlobung fortgesetzt. ' Merkwürdigerweise wollen die jungen Mädchen alle heirathen, und zwar weil sie in ewiger Gefangenschaft und Ueberwachung leben und erst mit dem Tage der Vermählung eine gewisse Freiheit erlangen. Das Madchen. auch wenn es die erste Jugendblüth: längst hinter sich hat. darf nie einen Schritt allein gehen, und für lebhafte Naturen wird dieses ewige Geleiten und Begleiten eine unerträgliche Last. Als Frauen sind sie etwas die französische Frau wird gesellschaftlich sehr geachtet also beeilen sie sich, Frauen zu werden. Das ist in Frankreich weit leichter als in Deutschland oder England, wo das schön: Geschlecht in überreicher Zahl vorhanden ist. Indeß gar zu leicht ist es doch nicht, und zwar deshalb, weil die Herren der Schöpfung zumeist sehr hohe Ansprüche auf Mitgift und äußer: Vorzüge machen, oder aber, weil sie sich überHaupt dem Ehestand gegenüber sehr skeptisch verhalten. Der leichtlebige, junge Mann findet zuviel Zerstreuung und sehnt sich keineswegs danach, eine Reihe edler Pflichten und Verantwortungen auf sich zu laden. Der junge Mann von ernsten Grundsätzen und es gibt deren auch in Frankreich noch genug empfindet ein geheimes Grauen vor dem. was aus einem hübschen, jungen Mäochen werden kann, wenn es mit der Zeit von der modernen Nervosität der Großstadt angekränkelt wird. Wieviel Frauen seiner Freunde waren mit achtzehn Jahren reizende, lachende, witzig plaudernde Geschöpfe und 'sind jetzt mit dreißig Jahren unerträglich geworden: nervös, launenhaft, sich in Paradoxen gefallend, um Überall aufzufallen und Bewunderung, zu erregen. Er weiß, daß, je witziger und intelligenter die kleine Französin ist, sie dereinst desto unnatürlicher und überreizter sein wi7d. So wird auch in Frankreich die Hauptpflicht eines jungen Mädchens darin bestehen, sich recht t:gehr:nswerth zu machen. Da5 ein: wünscht einen lustigen Lebens kameraden zu finden, das andere sucht einen gesetzten Mann mit guter Stellung. Erstere ist sehr mal 616ve", letztere sehr accompiialied". Erste ist zu natürlich. kfe
tere zu gesetzt. Die eine fährt auf dem Licycl: in der Manege, geht in's Pa lais do jlaci um Schlittschuh ZU laufen, und fristrt sich wie ein ungekämm! 'Pudel ; die andere meidet streng jeglichen, Sport, hält sich nur kerzengrade und glättet ängstlich jedes Härchen. Sie will sehr eine" und sehr wohlerzogen sein. In Gesellschaft macht sie viel Pose und ist doch oft noch linkisch, weil sie fürchtet, eine Dummheit zu sagen oder sich irgend eine Blöße zu geben. Sie liest nur erbauliche Jugend schriften, weil die Eltern ängstlich alles überwachen hinter deren Rücken schaut sie mit doppellern Interesse in ein polizeiwidriges Buch aber sie würde es nicht einmal ihrer intimsten' Freundin (die sie . in den seltensten Fällen besitzt) gestehen. Ihr Ziel ist, besonders wenn sie nicht über allzugroßes Vermögen verfügt, recht acconiplislied" und vmnöge ihrer inneren und äußeren Vorzüge eine gesuchte Partie zu werden. Warum quälen Sie sich noch immer mit dem Klavierspiel, wenn Sie weder Lust. Geschmack noch Talent besitzen?" fragte ich ein junges, erst sechzehn Jahr altes Ding, das sich täglich ein paar Stunden damit aomühte, sich'' die schwierigsten Vortragsstücke einzupauken. Aber." entzegnete sie 'naiv, wenn ich ein Talent mehr besitze, bin ich doch in den Augen der jungen Männer mehr werth!" Diese Berechnung bei solcher Jugend wirkt geradezu abstoßend. Une joine sille mal C'levtfe" ist mir viel lieber. Erstens ist sie viel herzlicher, viel gemllthvoller, viel bildungsfähiger und oft wirklich ein sehr interessanter Eharakter; überhaupt ist das ausgezeichnet veranlagte französische, junge Mädchen für einen Erzieher eine interessante, wenn auch nickt immer dankbare Aufgabe. Das schlecht
erzogene, junge Mädchen, d. h. das sich selbst überlassen gebliebene, entwickelt sich direkt zum neuesten Frauenideal: zum garnin de Paris". Wir finden Colo" klug, meist geistreich, immer lachend. Sie ist nicht schön, aber ein undefinirbares Etwas liegt in ihrem Gesicht, das uns veranlaßt, uns eingehender mit diesem Geschöpf zu befassen. Sie ist weder gut noch böse; sie kann sogar bisweilen sehr gutmüthig sein. Vor allen Dingen denkt sie aber zunächst nur an sich und 'konstruirt sich ihre kleine Welt, m der es recht lustig zugeht und wo alles um ihr pikantes, kleines Ich sich dreht. Die Eltern sind ihrem Geistesleben gänzlich fremd geblieben. Sie beeinflussen die Erziehung nicht, denn sie wissen nicht recht, wie sie das Kind erziehen sollen; sie wissen auch nicht wozu. Als Pariserin? Zu einer solchen entwickelt sich die Kleine schließlich, und das ist das Beste, was aus ihr werden kann, denn die echten Pariserinnen sind im Grunde diejenigen, die sich am leichtesten und gewandtesten in allen Lebenslagen zurechtfinden. Mit dem hellen Verstand und dem tief versteckten guten Herzen wird sie überall hinpassen, und wenn sie genug an sich gedacht hat, so besinnt sie sich früher oder später, daß sie auch an andere Pflichten zu denken hat, und w:rd sie rechtschassen zu erfüllen suchen. Dabei kommt ihr noch zu statten, daß sie viel gelernt hat. Der Pariser Backfisch muß meist unglaublich viel lernen. Glücklicherweise saßt er sehr schnell, denn die Art und Weise, wie der Unterricht gehandhabt wird, verlangt viel mit einemmal. Sie zielt mehr auf ein Glänzen mit allerhand hochgegebenen Dingen hin. als auf ein: systematische Disciplin des Geistes. Es würde zu weit führen, über die Kurse und französischen UnterrichtsMethoden für Töchter gebildeter Stände zu sprechen. Vorzügliche Schulen und sogar Lyceen für M'ädchen existiren, doch diese zu besuchen, gilt in den Kreisen, von denen ich rede, für unpassend man würde sich ja mit der Tochter eines Gewerbetreiöenden oder mit einer armen Lehrerin auf einer Bank befinden. Aber wenn auch der Geist nicht in spanische Stiefel eingeschnürt wird", sondern nach Belieben umher irrlichtert", wenn auch der bunte Schmetterling nie zur Biene' zu verwandeln ist, so lernt das Mädchen viel, und von allem etwas. Es kann sich durch's Leben helfen und vor allen Dingen mit dem Gatten auskornmen und das ist oft mchfr leicht. Eine kurze Lehrzeit in der rauhen Schule des Lebens hat so manches Wunde? vollbracht, und nie einseitig und hausbacken ist die Frau meist der ganze Halt des französischen Familienlebens. indem sie nach innen und außen hin mit praktischem Geschick und seelischem Takt Schäden deckt, die sonst, und besonders bei weichen, überempfindsamen, germanischen Naturen, den unheilvollsten Ausgang nehmen. Durchschaut. Hausherr: Weshalb sind Sie von Ihrer früheren Herrschaft entlassen worden?" Dienstmädchen (verlegen): .Weil... weil ich doch diesen Herbst heirathen wollte!" So, so. da. haben Sie wohl an nichts anderes mehr gedacht, wie an die Aussteuer!Immer p r o f i t l i ch. Moses: Also, Se wollen mer geben die Hand Ihrer Tochter in drei Monat?" Moses: Und wenn ich se heirat' gleich, wie viel Procent Nabatt geben Se mer?" Immer Kaufmann. Kohn (zur Gattin, welche eben ihre Töchter Platz nehmen läßt, im Ballsaal): So, nu. wenn Du willst finden Abnehmer, dann arrangire geschmackvoll unsere Auslaqe!" . JmmerzuPferde. Versteht denn aber Deine kleine Frau auch etwas von der Küche?" Kavallerist: Gew'ch, wenn sie will, sag' ich Dir, kocht sie sozusagen die hohe Schule!"
in der Veimalh des üitters mit ScrkiscrncnDanÄ. Eine Gestalt, in der' sich Licht und Schatten dieser Romantik so recht augenfällig ausprägt, ist der Ritter Götz von Berlichingen. Slark. kühn, ein Meister im Waffenhandwerk wie kaum einer neben ihm, voll Mannesstolz und ungezügelter Freiheitsliebe. von biderbem Freimuth und offener Herzlichkeit gegen den Freund, war er gleichzeitig doch ein wohlthätiger Geselle und in seiner Fehdelust stets geneigt, bei jedem Handel sein guts Schwert in die Wagschale zu werfen. Das Bild, das Göihe in seinem Götz von Berlichingen" von dem Helden mit der eisernen Hand gezeichnet hat, i,'t nicht ganz wahr. Indessen, wir wollen hier nicht über den alten Ritter Götz p Gericht sitzen, wir wollen vielmehr den Orten einen kurzen Besuch abstatten, wo seine Heimath war, da er noch unter den Lebenden 'reilte. den Stätten, die durch bis Verknüpfung mit seinem Namen ein Stück seines Ruhmes als ihr Erbtheil behalten haben..
m yiMk .s. Ii'CbIW -7 SM- kfti lMchMMU-, l5Mnf CMi Äi?3SS4H&
Nest des Stammschlosses. Wandern wir von Mockmühl auf der den vielfachen Krümmungen der Jagst sich anschmiegenden Landstraße thalaufwärts, so sehen wir uns nach zwei bis drei Stunden Wegs ganz umringt von Berlichingenschen Erinnerungen. Da liegen nahe beieinander Berlichingen. Jagsthausen und Schonthal. die Wiege, der Hauptsitz und die Grabstätte des Geschlechts. Unten in dem etwas über 1000 Einwohner zählenden Pfarrdorfe Berlichingen, gegen Iaasthausen hin, stehen heute noch die Reste der Stammburg derer von Berlichingen. Sie war einst ein sögenanntes Wasserschlok", d. h. ein Schloß, das mit einem wassergefüllten Graben umgeben war. Nach den erhaltenen Anzeichen muß sie einst einen gewaltigen Umfang gehabt haben. denn es hausten darin noch im 15. Jahrhundert, che Jagsthausen der Hauptsitz der Familie wurde, die Mitglieder verschiedener Zweige des Stammes. Heute jedoch steht von der ganzen Burg nur noch ein drei Stockwerke hohes, thurmahnllchcs Gebäude, das einst einen Flügel des Herrenhauses bildete. Unser Ritter Götz ist nicht in Berlichingen, sondern in Jaasthausen geboren worden, und zwar im Jahre 1480 als der jüngste von semes Vaters Killan von Berlichingen fünf Söhnen; in dem auf alrem Römerboden stehenden Schlosse, das heute noch erhalten ist, hat er, wenn auch mit großen Unterl . chungen, in seinen ersten Jugend- U7.a Mannesjahren seine Heimath gehabt. mäi5&&&ss ürfTraMmm . yiÄ-s: r- ,. G ö tz b u r g. ' Erst 1520 schloß Götz mit seinem Bruder Hans einen Theilungsvertrag, wonach Hans Jagsthausen, Götz aber die Burg Rossach erhielt; in diesen beiden Linien. Verlichingen-Jagsthau-sen und Berlichingen-Rossach. blüht heute noch daA Geschlech:. Das alte Schloß" zu JaaNbausen birgt das Wahrzeichen des Ritters Götz, seine eiserne Hand, die er sich anfertigen ließ, als ihm seine eigene Rechte im Jahre 1504 vor Landshut durch einen Schuß zerschmettert worden war. Eine halbe Stunde oberhalb Berlichingen liegt das Kloster Schönthal mit seiner prächtigen Kirche, die den berühmten Abt Benediktus Knüttel (gestorben 1791), den angeblichen Erfinder der Knüttelverse" zum Erbauer hat. Der Stifter des Klosters, Ritter Wolfram von Bebenburg, hatte einst um die Mitte des 12. Jahrhurrderts von einem Engelhard von Berlichingen Grund und Boden für den Bau des Klosters unentgeltlich erhalten unter der einzigen Vedingung.daß, so oft einer von Berlichingen mit Tod abginge, Abt und Convent verpflichtet sein sollten, den 'Todten mit einem Viergespann abholen zu lassen; dann, wenn der Leichnam vor der KlosterPforte ankäme, ihn prozessionsweise in die Kirche zu geleiten, die gewöhnlichen Ezequien halten zu lassen und endlich im Kreuiqange des Klosters, der für immerwährende Zeiten der Familie von Berlichingen als Erbbegräbniß überwiesen werde, feierlichst beizusetzen. Der letzte Verlichingen.der hier seine Ruhestätte fand, war ein Sohn des Nitters mit der eisernen Hand. In
V WW3M?& cmmJä
r vumtr vvus?
S
s
den Frieden oe? spedosa vallls wie im alten Mönchslatein Schönthal heißt, wrd auch der alte Held gebracht, als er, ein 82jähriger Greis, auf seiner Burg Hornberg . draußen am Reckarthale das Zeitliche gesegnet hatte. H o r n b e r g. Götz hatte diese Burg im Jahre 1517 selbst käuflich erworben; hier war sein ständiger Wohnsitz in den letzten drei Jahrzehnten seines Lebens. hier schrieb er jene originelle Selbstbiographie, die. wenn sie auch keine ganz ' reine Geschichtsquelle ist, doch zu den bedeutsamsten Denkmalen der mittelalterlichen Culturgeschichte gehört. Hier saß er die Jahre erzwungener Ruhe ab, als er 1530 zu Augsburg die harte Ursehde hatte beschwören müssen, die ihm vo.i Schwäbischen Bunde nach seiner Betheiligung am Aufstande der Bauern auferleqt worden war. Ein grausam Loos für den Recken mit dem usiuhigen Blute! Sechzehn Jahre lang, behauptet Götz in seiner Selbstbiographie, durfte er die Markung seiner Burg Hornberg nicht überschreiten, kein Pserd besteigen, und selbst dann, wenn er innerhalb seiner Hosmarkung blieb, sollte er Abends wieder auf die Burg zurückkehren. Hornberg ist heute, nachdem es oft den Besitzer gewechselt, Eigenthum der Familie von Gemmingen. Schön thal. Roch manches andere Bauwerk steht in der Gegend, an das sich Götzens Name für alle Zeiten geheftet hat. Berühmt ist jener Götzenthurm" zu Heilbronn, darin der Ritter nach der von Göthe aufgenommenen Volkssage Jahre lang in dunkler Kerkerhaft geschmachtet haben soll. Aber wr wissen aus der eigenen Versicherung des Gefangenen, daß er nur eine Nacht darin zugebracht hat. Die geschichtlichen Ereignisse aber, die Götz in jenen Heilbronner' Thurm gebracht haben. leiten un hinüber zu dem Götzenthurm" zu Mockmühl, dem heute noch hochaufragenden Bergfried der alten Stadtburg. Dort saß unser Ritter in der Eigenschaft eines Herzoglich wllrttembergischen Amtmanns, als jener Kampf zwischen Herzog Ulrich von Württemberg und dem Schwäbischen Bunde ausbrach, der den unglücklichen, aus Hauff's Lichtenstein" bekannten Fürsten auf geraume Zeit um Thron und Land brachte. Bei S'eckarsulm. einen schwachen Tagemarsch entfernt, stand das siegreiche Bundesheer, Götz aber war entschlossen, sich nicht aus der Mausfalle nehmen zu lassen", wenn nicht die Stadt, so doch die Feste seinem Herrn zu behauptert. Zwei Fahnlein bayrischer Knechte rückten vom Neckarsulmer Hauptlager heran, die Stadt ergab sich sofort. Götz aber hielt tapfer aus, bis endlich Mangel an Lebensmitteln und Kriegsbedarf ihn zu einem verzweifelten Entschlüsse trieben. In der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1519 unternahm er mit etwa 80 Mann einen Ausfall, ward aber hierbei verwundet und mit der Mehrzahl seiner Kriegsleute gefangen genommen. ZM Im Kloster Schonthal. So geschah es, daß er in jene Haft zu Heilbronn gerieth. aus der er sich erst 1522 um die Summe von 2000 Goldgulden auslöste. Verfeinerung. Sergeant: . . .Und was ist denn Ihr Vater. Mo. ses?" Moses: Der hat 'n Antiquitätenladen for Kleider!" Selbsttäuschung. Stud. Bummel: Nein, bei der entsetzlichen Hitze ist es einem absolut unmöglich, zu arbeiten; da lasse ich die Bücher sein und gehe lieber ein bischen Kegel schieben!" Schlechter Trost. Das ärgert mich jetzt! Hab' ich vergessen Cigarren mitzunehmen!" Wissen S' was: da sitzen S' einfach in den Nichtraucherwagen: da dürften S' so wie so net rauchen, auch wenn S' Cigarren hätten!"
jr gB Käs&U
kk jji 1 i lj
HM
" Die Togg-EFpedition. Von außerordentlichem Erfolge ist die deutsche Togo - Expedition, begleitet gewesen, welche, theils auf Reichskosten, theils mit Unterstützung der deutschen Colonial - Gesellschaft ausgerüstet, die Aufgabe hatte, den Einsluß der Fremden im Hinterhände der Colonie Togo zu beschränken und die Handelsbeziehungen zu. demselben 'den Deutschen zu sichern. Durch das energische Vorgehen der Erpedition gelang es, der französischen, bedeutend mächtigeren Unternehmung Decoeurs zuvorzukommen, und die mit vermiedenen Häuptlingen, bezw. Sultanen abgeschlossenen Handelsverträge, namentlich der wichtigste unter ihnen mit dem Sultan Omaru von Gando, legen bercits Zeugniß davon ab, daß die drei deutschen Forscher sowohl schneidige Soldaten wie geschickte Diplomaten waren. Die Expedition, die am 6. November 1894 Misahche verließ, kam am 10. Januar 1895 in Sansanne Mangu an. Von hier aus machte Premierlieutenant v. Carnap in Ellmärschen den Vorstoß nach Sai am Niger und Gando in Gurma, wobei er die französische Expedition Decoeur, die ihm den Vorrang streitig machte, überholte. Ueber die drei Theilnehmer der Expedition, deren Bildnisse wir bringen, können wir folgende Mittheilungen machen:
1 JÄtee? W ifW
Stich. Töring. Hans Grüner. Carnap Quernheimb. Dr. Hans Grüner, der Leiter der Expedition, geboren am 10.März 1865 in Jena, studirte Mathematik und Physik in Jena, Zoologie, Botanik und Philosophie in Freiburg i. Br. In den Jahren 1837 bis 1891 widmete er sich dem Studium der Chemie, Mineralogie, Geologie und Geographie und arbeitete an den Sternwarte zu Leipzig und Jena. Auf solche Weise gründlich zum Naturforscher ausgebildet, war Grüner dazu ausersehen, 1890 die WißmannM Seen - Expedition nach Central - Afrika mitzumachen, deren Ausführung jedoch infolge der Zelewski'schen Katastrophe unterblieb. Im Jahre 1892 erhielt Grüner den Auftrag, im Reichsdienst die politische Station Misahöhe in Togo in eine wissenschaftLche Station umzuwandein, welche Aufgabe er derart löste, daß ihm die Reichsregierung später, mit 5Z"stimmuna der Deutschen ColonialGesellschaft als Beweis ihres BertrauenS die Fuhrung der TogolandExpedition übergab. .Grüner verdanken wir die 1893 von ihm angefertigten Karten von Togo, eine große Zahl astronomischer und erdmagnetischer Messungen u. f. w. Auch an der Festlegung der deutsch - französischen DaHome - Grenze wirkte er mit. Ihm zur Seite stehen zwei nicht minder energische Männer, deren Unterstützung ihm den Erfolg seiner Unternehmung sicherte. Dr. med. Richard Döring, geboren am 25. October 1863 in Berlin, studirte am medicinisch-chi-rurgischen Friedrich - Wilhelms - Institute zu Berlin, machte 1893 das Staatsexamen, diente dann als Militärarzt im Infanterie - Regiment No. 75 und im Dragoner ? Regiment No. 17. Am 7. April 1894 a la suite gestellt und zur Dienstleistung- im Auswältigen Amt commandirt, wurde Dr. Döring als Regierungsarzt nach Togo gesandt und nrachte als medicinischer Beirath die Expedition mit. Premier - Lieutenant Ernsi v. Carnap - Quernhcimb. geboren: am 10. Sepdmber 1863 zu Oppeln erzsgen in den Cadettenhäusern zu Ocanienstein und Groß - Lichterfeld?. wurde 1882 Officier im ostpreußischen FeldArtillerie - Regcment No. 1, trat der kolonialen Bewegung bei und begab sich 1833 nach Öst-Äsrika, ws er das Wituland durchforschte, worauf er in demselben Jahre nach Deutschland zurückreiste. Im Jahre 1883 kehrte er nach Sansibar zurück und hielt sich längere Zeit aus dem Festlande von Deutsch - Ostafrika auf, betheiligte sich dann an Gebietserwerbungen aufLamu und vertrat spater die deutsch-englische Witu - Gesellschaft in Deutschland. Beim Psrtraits?aler. 1. 1 . .Wie, das soll ich sein? Nee, da machen .Sie mir nur lieber 'ne Landschaft d'raus!Eine SvielerfamZlZe. jfta, also was willst z Du werden. Fritzchen?- Ein Dritter im Skat Gespräche im !Vari6t5. A.: Der Kerl, der da eben singt, ist aber auch verdammt heiser ...B.: Sieh' Dir mal seine Nase an! Ich glaube, eö ist N?rdhauserkeit.-
i m i 11
ZZochbrlilke mit ZllMvesWe. In Hamburg sollen die südlich der Elbe Gelegenen Stadttheile Steinwär-d-er und Kleiner Grasbrook durch eine Ueberbrückung oderUntertunnelung des 400 Meter breiten Stromes an das Verkehrsnetz von Hamburg-Altona angeschlossen werden. Die Anlage eines Tunnels war auf 21 Millionen Mark t veranschlagt. Auch eine Ueberbrückung ' würde fast ebenso kostspielig werden, denn ste muß als Hochbrücke, d. h. derart construirt werden, daß die Brückenbahn hoch genug über demWasserspiegel zu liegen kommt, um selbst bei Hoch-' Wasser vollbemasteten Schiffen freie Durchfahrt zu gestatten; eine derartige Hochbrücke erfordert aber wieder ungemein lange Anfahrtsrampen, wie sie in verkehrsreichen Orten nur mit großen Kosten herzustellen sind.
li
Hängebrücke. Diese Schwierigkeiten haben zu tb nein höchst interessanten Projekt ge führt, das unsere Abbildungen veranschaulichen zu dem Entwurf einer Hochbrücke mit Schwebefährenbetrieb. Mächtige Pfeiler ragen auf jedem Ufer des Stromes hervor, ohne daß sich Anfahrtsrampen an sie artschließen.' Sie tragen zwischen sich eine verhältnißmäßig sehr leichte eiserne Brückenbahn von 400 Meter Länge, gesichert durch zwei starke Tragseile, die über die Pfeilerlerköpfe fortlaufen 'Jene Brückenbahn, die 45 Meter über dem Wasserspiegel liegt, wird unmittelbar für den Fahrverkehr gar nicht, für den Personenverkehr nur ausnahmsweise benutzt. Sie trägt aber Schienengeleise, an denen mittelst Radgestellen zwei Fahrzeuge Schwebefähren genannt hängen, mittelst derer der Verkehr von Ufer zu Ufer bewirkt werden soll. Die beiden Fähren sind derart eingerichtet, daß die kleinere durch die größere hindurchfahren kann, so daß sie also unFähre. abhangig von einander m ihrer Bewegung sind. Die kleinere Fähre trägt in derMitte einenSchwebebahn-Perso-nenwagen, daneben ist Raun, für zwei große Arbeitsfuhrwerke oder vier Droschken- die große Fähre enthält zwei Hallen für den Personenverkehr. Beide Fähren können innerhalb einer Stunde 6000 Personen m jeder Fahrtrichtung befördern. DieDauer jeder Fahrt soll nicht ganz ne Minute betragen. Der Betrieb ist als ein elektrischer aedacht; dabei wÄde jeder Zusammenstoß der Fähren mit Schiffen sich leicht dadurch verhindern lassen, daß jene ihre Fahrtgeschwindigkeit softzrt mäizigenk oder auch oanz anhalten: können. Auch liegen die Unterkanten der Fähren p hoch udcr dem Wafftrsplegel, 'dan kleinere Zvayrzeuae unter; ihnen passisn können. Nur ber starkem Nebel oder bei besonders regem 'Schiffsverkehr soll der Personenverkehr über die eigentliche Brückenbahn geleitet werden.- Dabei würden die Personen dann innerhalb der Brückenpfeiler durch elektrische Auszüge auf fc Höhe der B.ihn gehoben werden. Die Kosten der aanen Abläse find auf noch nicht: ganz 3 Millicuen Mart ber.zchnet. Seltsamer Widerspruch. . Ätsv nVeKd ' Herrjes, nu seh'n Se doch bloß mal die' Frau A.' mit der -modernen seidenen Mantille,' haben Se sowas Albernes schon geseh'n? Empörend! Morgen kauf' ich mir auch lind EhevergnUge?. Herr Feigle führt doch wirklich eine recht fröhliche Ehe!- Wieso?" .Run. sie pfeift, er tanzt." Eine richtigeEva Herr: Welcher Ausdruck gefällt Ihnen bes. ser: oder: bevor?- Fraulein Selbstverständlich: .Ehe"t
iO,ri?!
7S t v : M.vv ' , V . m ' 5M(-
41 X 4s
)
