Indiana Tribüne, Volume 18, Number 225, Indianapolis, Marion County, 5 May 1895 — Page 7

Im Zuchthaus.

Cktzze von Wolf von Cchierbrand. Ew Vergnügen soll's ja überhaupt' nicht sein, als Insasse im Zuchthause zu Veilen, aber mit Anerkennung darf man behaupten, daß meistens die größte Anzahl unserer amerikanischen Straf anstalten heutzutage so human ringe richtet und geleitet sind, wie dies nur eben mit dem Zwecke solcher Institute erträgeich ist. Das große Zuchthaus ju Joliet, ungefähr 40 engliche Meilen von Chicago gelegen, welches ich mehrmals und eingehend besichtigt habe, bürste vielleicht für alle Zuchthäuser der Vereinigten Staaten als typisch gelten, und aus der Fülle des Eesehe nen und Gehörten will ich hier, in loser Reihenfolge, Einiges mittheilen. Frische Fische" das ist der Kunst ausdruck für Neuangekommene Straf linge sind eben in der Anzahl von 23 eingeliefert worden, und wir wollen sie begleiten. Als das schwere eiserne Thor hinter ihnen zuschlägt, schaudert'S die Frischen; sie wissen, daß sie auf lange Jahre hinaus nicht wieder die andere Seite jenes Thores sehen wer den. Oben auf der hohen, dicken Mauer, die qnadratisch um den ganzen Eebäude-Complex laust, Patrouilliren Tag und Nacht ein Tuhend Wärter mit scharfgeladenen Winchestcrbüchsen, um etwaige Fluchtversuche in jener Richtung zu vereiteln. Und doch gelingt es hie uud da einigen tollkühnen Verbrechern, über jene Mauer zu entkommen, aber natürlich sind das seltene Ausnahmen. Frank Rande, ein Tesperado aus dem fernen Westen, der hier eine 14jährige Strafhast zu verbüßen hatte, wurde bei seinem zweiten derartigen Fluchtversuche von einem treffsicheren Schützen auf der Mauer erschossen. Unsere frischen Fische" sind mittlerweile im Recieving Department" angelangt, wo sie sich auskleiden und dann splitternackt einer genauen Messung nach dem Bertillon System (was namentlich die Kopfform, Länge der Gliedmaßen u. f. w. berücksichtigt) und einer sehr eingehenden Prüfnng ihres Körpers bezüglich etwaigen besonderen Merkmale unterziehen müssen. Jede Narbe u. f. w. wird genau verzeichnet und dient zur Identificirung für alle Znkunft. Tann werden sie geimpft, desinftcirt und dann in ein heißes Bad gesteckt. Demnächst erhalten sie ihre Zebrakleidet und werden nun den Händen des Barbiers überliefert, welcher das Haar ganz kurz scheert und jede Spur von Brt entfernt. Ter Barbier ist natürlich selbst ein Züchtling, noch dazu ein lebenslänglicher, denn er hat einen Giftmord auf dem Gewissen, und sich von einem solchen mit dem haarscharfen Rasirmesser an der Kehle herumkratzen zu lassen) erweckt ein gewisse Gefühl des Unbehagens übrigens unnötigerweise, denn wic fast alle Lebenslängliche" ist auch dieser Züchtlmg wegen seines tadellosen Betragen bekannt. Die auf kurz: Zeit verurthcilten Verbrecher, die sögerairnic LQvrttimers" sind diejenigen, welche uns am meisten Noth machen," sagt mir ein Beamter. Diese Thatsache ist nur eine von den rielen verwunderlichen, mit denen die örfchrung hier zu rechnen hat. Denn die logenannten schweren Verbrecher sinb überhaupt weit anständigere, auch gutmüthigere und leichter zu leitende Insassen, als es die kleinen" Verbreeher sind. Ta ist z. B. der alte John Hiron, ein Kerl, welcher jetzt 64 Jahre zWt, im Ganzen 43 Jahre im Zuchthaus verbracht hat (davon 23 in Joliet allem) und drei Menschenleben zerstört hat, wovon das letzte das seiner Frau. Wenn man ibn sieht, müdem Ausdruck ruHiger Würde und eines beinahe rührenken Wohlwollens in öen faltigen, verwitterten Zügen, so könnte man glauben, er könnte kein Wässerchen trüden. Auch ist seine Aufführung einfach Oufterhafk, und nie hat er im Zuchtbaus Jemand etwas zu Leid gethan. Tiefer Mustermensch ist der Pförtner während des Tages. Ohne sein Wissen uirt Willen kann Niemand cherein oder heraus us dem sogenannten ZellenHaus, Er könnte jederzeit durchbren nen nber Gott bewahre! Fällt ihm gar nicht ew. Er fühlt sich wohl im Zuchthaus,, es ist seine eigentliche, seine einzige Heimath, der einzige Platz, wo er. seiner eigenen Aussage wich, gewür'digt wird und wo man ihm raut und glaubt. Und als würdiges -Exemplar der andere Sorte von Züchtlingen. der wshorttimers", will ich Stab" Nusscll anführen, ein junger Krüppel. Er Ijat nur einen Arm und gar keine Beine unter dm Kniee, auch sind feine Verbrechen immer nur solche, die ihm lxt Termine einbringen, ein bis zwei Jahre. Das letzte Mal stahl er. man darf saen komischerweise, ein Boot, und ruderte es mit seinem einen Arme bis nach Plcno, 40 Meilen weit, ehe er 'gefaßt wurde. Dieser halbe Mensch und kleine Verbrecher ist stets einer der unangenehmsten Insassen der Anstalt, denn er verursacht ewigen Krakchl und befindet sich sehr häufig in der Strafzclle wegen seiner Widerhaangkeit uud Bosheit. - Toch kehren wir zu unseren frischen Fischen" zurück. Tie sind mittlerweile nach dem court solitary" abgeführt worden, einem Sondergefängniß, wo jeder Ankömmling 24 Stunden in Jsolirzellen eingeschlossen bleibt, um ihn Gelegenheit zu geben, sich zu sammeln, über seine schlimme Lage nachzudenken und den Entschluß zu fassen, dieselbe nicht durch schlechtes Betragen noch zu verschlimmern. Jeder von ihnen empfängt jetzt auch den Besuch des Anstaltskaplans, der mit ihnen als Mensch zum Menschen redet', sie über ihre neuen Pflichten und Lasten, sowie Rechte aufklärt, und ihnen von Anfang an die Ueberberzeugung beizubringen ucht, daß sie durch treue Erfüllung ihrer Pflichten ihre Lage wesentlich zu U)txn vermöam, denn die ganze Be

Handlung ist ein weises, nach echt menschlichen Grundsätzen geleitetes System von Belohnungen und Strafen. In den ersteren jubelt die Benutzung der reichhaltigen Bibliothek, die Zahlung von Löhnen für gewissenhafte Arbeit, Vergünstigungen bezüglich der Nahrung, die Erlaubniß, unter Freunden und Verwandten in der Außenwelt zu eorrespondiren und von Zeit "zu Zeit Besuch zu empfangen etc. etc., während die. Strafen die Einzelhast mit oder ohne Ketten, sowie die Entziehung obiger Privilegien begreifen (die Prü gelstrafe ist gänzlich abgeschafft.) Am nächsten Morgen, nachdem die Anstaltsleitung darüber beschlossen hat. wird jeder Neuankömmling einer ge wissen Arbeit zugetheilt und ihm seine Zelle im Zellcnhaus angewiesen. Seit Abschaffung des größeren Theils der Ecntractarbeit . vor einigen Jahren ist die Gefüngnißarbeit nicht mehr so loh ncnd für die Anstalt, wie sie es früher war. aber außer der Anstaltsfarm, aus wclcücr Pferde und Kühe gehalten, Ge müse gezogen, Obst- und Bcerenzucht betrieben wird, gibt es noch immer Werkstätn. mo Sattler- und andere Lcd'rarbciten betrieben werden, auch Drahtzaun, Schuhwcrk, Steinmetzar bcitcn ausgeführt werden, sowie die so nannte Marble Vard", wo Grabsteine, Denkmäler :c. recht kunstvoll ausgehauen ' werden. Dann kommt noch das Bureau (Office) und die ganze innere Ausstattungsarbeit hinzu, wie Üochcn, Backen, Waschen. Bügeln, Flicken. Nähen, Fegen, Scheuern und Anstreichen. Reparaturen besorgen :c, welche auch eine Anzahl der manchmal Iluf 1600 bis 1800 anwachsenden Infassen beschäftigen. Tie weiblichen Iüchtlinge werden in einem besonderen Theile der Anstalt beherbergt, wo sie auch mit Nähen, Sticken, Weben :c. mäßen in Anspruch genommen werden.

Ueberhaupt ist das Jedem abgeforderte 1 Quantum Arbeit kem übertriebenes, und ist.es verschieden je nach Krast und Ceschicklichteit jedes Einzelnen. Dabei wird darauf gesehen, daß alle Arbeit kinen praktischen, greifbaren Nutzen habe und der Züchtling auch von diesem Nutzen profitire, so daß bei seiner Entlassung nach 10- bis 15jühriger Haft ihm manchmal, sofern seine Führung gut war, ein recht netteö Sümmchen eingehändigt werden kann, bis zu 1000, Denn $300 bis 5500 sind ganz häufige Summen. Bei der humanen Behandlung, die allen Züchtlingen zu Theil wird, gleichviel welches ihr Vcr brechen, empfinden es auch fast alle als eine Wohlthat, eine regelmäßige tägliche Beschäftigung zu haben, bei der sie allerdings stets unter den Augen der Wärter und Aufseher bleiben, aber doch ein gewisses Maß von Freiheit der Be wcgung genießen, auch die bei der Arbeit erforderliche Unterhaltung führen dürfen. Dabei hat die Erfahrung ge lehrt, daß selbst die Anfangs Trotzigen und Uebelwollend'en nach ein oder mehr maliger Haft in der Jsolirzelle, wo sie in besonders schweren Fällen auch noch mit beiden Händen an die eisernen Stäbe ihrer inneren Zellenthüre gefesselt werden und so bis zu 48 Stunden verbleiben müssen, Vernunft annehmen und einsehen lernen, daß sich fügen das allein Richtige ist. Allerdings kommen von Zeit zu Zeit auch Auftritte vor, von denen die Oeffentlich seit nicht viel erfahrt. So sind in zehn Jahren in Joliet zweimal Meutereien aufgebrochen, und bei der letzten im Jahre 1889, wurde sogar einer der Ausseher aus Nachsucht von einem ! Sträfling mit einer eisernen Stange erschlagen. Ter Thäter, ein gcwicr Joe" Eompton, beging nachher Selbst mord in seiner Zelle. Doch sind der gleichen Fälle eben nur Ausnahmen. Die Kost, welche verabreicht wird, ist schmackhaft, reichlich und kräftig. Jeder erhält so viel Brod, wie er sich selbst nehmen will, nur muß er es dann auch verzehren, sonst wird er straffällig. Zu Mittag gibt's immer Fleisch und Ge müse nebst Kartoffeln, häufig auch Suppe oder Stew" und an Fest und Feiertagen etwas Besonderes. Auch Frühstück und Abeudbrod sind reichlich zubemcsscn. Interessant ist es, der Zeremonie der Abspeisung beizuwoh nen. In kleinen Abtheilungen, . jede unter Aufsicht zweier Wärter (die übrigens stets den geladen Revolver bei sich tragen), kommen die Züchtlinge ordnungsmäßig hereinmarschirt in dasZcl lenhaus, im sogenannten lock step", d. h. einzeln hintereinander. Jeder mit dem rechten Arm auf der Schulter seines Vordermannes, taktmäßig auftre tend. Sie defiliren. Abtheilung mit Abtheilung, an den Augen des Wardem- vorbei nach einem mit den Schuf, seln und Brodschnitteu pyramidenartig beladenen Tisch hin, wo sich Jeder der Reihe nach schnell seinen Bedarf nimmt und damit die betreffende enge, eiserne Wendeltreppe, die zu seinem tie?", d. h. z l seiner Zellenreihe, führt, hinauf. V r seiner Zelle faßt er einen Moment tyisto, geht dann hinter die eiserne Thur, wahrend ein Beamter jede der selben fest zuschlägt. -Dann steht ein Wärter bereits am äußersten Ende der Reihe, die eiserne Barre fällt in die da für bereite Höhlung vor der Thür, und und mit einer einzigen Bewegung einer Kurbel - verschließen sich ' sämmtliche Schlösser an den 50 bis 100 Thüren. Darauf verspeist jeder Sträfling ruhig seine Mahlzeit, und kann dann die verbleibende Freizeit noch zur Lectüre, Unterhaltung :c. benutzen, worauf er ! wieder herausgelassen wird und zur j Arbeit marfchirt.' Notorische Ausreißer ' werden übrigens durch Mitschleppen U-iner am rechten Fußgelenk mit einer ' Kette befestigten Kugel an der Flucht ! verhindert, und beim Marschiren im lock step" müssen solche Missethäter ihre schwere eiserne Kugel unterm Arm tragen, wofür der Humor der Straf en'talt den Kosenamen packing the baby" erfunden hat. In den Zellen , selbst sieht es meistens ganz wohnlich . auT, da dem Verschönerungssinne seiner Bewobner keine Schranke kogen wird.

Die kahle weiße Wand wird so'meistcns durch ausgeklebte Bilder aller Art. sowie durch Bücherregale und Photo graphien geschmückt. Zur Erholung und Erheiterung der Züchtlinge geschieht ebenfalls mancherlei. Unwissende werden vom Eaplan des Abends in mehreren Klaffen unter richtet im Schreiben, Rechnen, GcograPhie, sogar Geschichte, Religion, Buch Haltung, . Sprachen. Des Sonntags gehen die Insassen in den Gottesdienst, wofür die Katholiken einen besonderen Seclsoroer haben, und die Musik in der Kapelle ist sogar ausgezeichnet hierbei, denn eine Orgel wird meisterhaft von Miß Fischer, einer jungen Voluntärin aus der Stadt gespielt, während, das Züchtlings-Ouartett tiefflich singt und Instrumente spielt. Hie und da gibt das letztere auch Eoncertaufführungcn. Es trifft sich fast stets, daß unter den 1800 Jnsaffcn einige mit ausgebildetem musikalischen Talente sich befinden, und ich selbst war vor einigen Jahren Ohrcnzeuge eines von dem 'Quartett gegebenen Concerts in dem Administrationsgebäude der Anstalt, bei dem reichlich Treffliches geleistet wurde sogar in klassischer Musik. Einige Negerzüchtlinge gaben charaktcrische Plan tagenmusik zum Besten bei derselben Gelegenheit. Von dem eigentlichen Orchester aber war der Dirigent ein junger Amerika ner, Sohn reicher Eltern, der wegen schweren Einbruchs er hatte den Geld schrank eines .Freundes seines Vaters gesprengt und $2000 daraus entwendet zu 9jähriger Strafe verurtheilt war, während die erste Geige ein Böhme, von Geburt war, welcher einst vor dem Czar Alexander III. in St. Petersburgs mit großem Beifall ein Zithersolo vorgetra. gen hatte. Auch zwei Deutsche waren leider unter den 9 Mitgliedern dieses eigenthümlich zusammengesetzten Orchcsters, und es machte einen sonderbaren Eindruck auf den Beschauer zu sehen, wieder mldcrnde und erhebende Ein fluß der Musik sich kvährend des Spiels sogar auf die von Verbrechen und Leidenschaften durchwühlten und durch, furchten Gesichtern dieser ihrer Jünger geltend machte. Was uns dabei noch besonders interessirte war das Fvctum, daß der Kcrl. welcher die Baßaciae miß. sandette, wegen emes brutalen Mordes iuf Lebenszeit hinter diesen Mauern laß. Ter Flötist dagegen, ein feines Männchen, war wegen Fälschung dort. Wie jede derartige Anstalt hat auch joliet seine Schreckenskammer und Cu liositätencabinet. Ta sieht man allerHand Dinge, die von berühmten" Inlassen einst benutzt oder hinterlassen ivorden sind, Waffen und selbstgefertigte löerkzeuge zum Ausbrechen, Portraits und Notizen, sogar Gedichte. Und ob vohl die Wände der Zellen in der gan tn Anstalt aus gesundheitlichen und ikieinlichkeitsgründen häufig frisch, geweißt werden, so bleiben doch selbst da die Spuren menschlicher Gedanken zurück. So erblickte ich ein Abschiedsge Sicht, betitelt Farewell ta my Cell" und unterzeichnet : Number 1759", das erst vor Kurzern ein ausscheidender Gewohnheitsverbrecher an die Wand seiner Zelle gekritzelt hatte und das gar nicht übel war. Ob der Dichter seinen Wunsch, sich in Joliet nicht wieder blicken zu lassen, erfüllt hat, das kann ich nicht sagen.

Eine seltsame Geschichte. Am Stammtisch war heut Abend schon lange die Fidelitas in ihre Rechte getreten. Das war so recht die Zeit zum Erzählen undAnhören der unglaub lichsten, aber desto thatsächlicheren Historien. Da die Kehlen etwas feucht waren und der Stoff immer noch nicht erschöpfbar erschien, wurde natürlich auch das Naheliegende: Wer niemals einen Rausch gehabt ec: in mannigfa cher Weise variirt. Die Meisten ge standen ein, ein oder gar mehrere Male, vom Wein besiegt, hier oder dort die Mutter Erde geküßt zu haben; der Ober förster nur, der übrigens als der standhafteste Bacchusfreund bekannt war, machte zuerst Miene, die Möglichkeit, das ihm solches oder ähnliches schon je zugestoßen, rundweg zu negiren. Erst als man anfing, ihm scherzhafter Weise das Prädikat eines braven Mannes nach dem erwähnten Worte abzusprechen, wurde bemerkt, daß er mit sich rang und schwankend wurde. Augenscheinlich suchte er nach einem recht plausiblen Ent schuldigungsgrund. Wirklich, meine Herren, zu meiner Schande muß ich 's eingestchen, Sie habcn Recht; zu meinem Lobe aber darf ich sagen, es ist nur einmal geschehen., hören Sie den Thatbestand. Vor achtzehn Jahren war ich mal zu einer strammen Abschiedskneipe von ehemaligen Kollegen eingeladen. Tie Gesell schaft umfaßte genau 26 Personen, mich einbegriffen. ' Da wurde natürlich wacker geschwafelt und gepichelt. Unter Ano.'rem kam auch da Gespräch auf Aberglauben,' und ich konnte die merk würdige Entdeckung machen, daß meine sämmtlichen fünfundzwanzig Freunde hochgradig abergläubisch waren. Viel leicht hätte mich das wenig gekümmert, wenn mir nicht Folgendes zugestoßen wäre. Lange nach Mitternacht merkt ich, daß Einer nach dem Andern infolge Dc3 anhaltenden Trinkens abfiel und sich auf die bequemste Art und Weise gleich direkt selbst unter den Tisch be stattete. Ich denke. Du mußt doch mal zählen, wieviel Opfer der Wein schon gefordert, und da mache ich die Wahrnehmung daß merkwürdiger Zufall, meine Herren! dreizehn Mann und drei zehn Mann noch am Tische' sich besänden! Sofort kam mir der Gedanke an vie abergläubische Gemüthsart der Ge sellschast; erfuhren die Einzelnen mor gen, daß sie oben, resp, unten, je einen Bund zu dreizehn gebildet, so war eö um ihre Seelenruhe geschehen. Und einzig nur darum, meine verehrten Herren, also reets aus Aufopferung,

habe ich mich da den unter dem Tische Liegenden zugefellt, da die Sache nicht anders auszugleichen war. Es ist sehr, sehr traurig, daß der WirthSknecht. der mich am frühen Morgen fand, mich für angetrunken gehalten, ja, daß selbst meine grau an dies Märchen geglaubt hat und vierzehn Tage lang mit mir schmollte. . Dies, verehrte Freunde, die wahrheitgetreue Illustration ines al ten Wortes: Undank ist der Welt Lohn!!" . . . , Ter Wurstautomat.

Ick habe jar nischt jejen dem Schwartz, aber mir det Jeschäft verhoh nepiepeln zu lassen, dazu verspüre ick iooch nich die jeringste Lust, denn warum? Man muß leben un von wat soll der Pfiskus' bestehen, wenn ick keene Steuern nich berebble. Mit diesen Worten versuchte der Wursthändle? Lehmann sich auf die Anklage der KörPerverletzung im Berliner Schöffenericht zu vertheidigen. Vors.: Sie sind der Schlächter Lehmann? Angel!.: Nich janz. Schlächter war ick früher wol, jetzt bin ick Jroßindusrrie, indem det ick Nachts an de Ecke Münzund Schönhauser een Wurschtmagazin uf'n Bauch drage. womit ick de NachtWandler un de alleene jehenden Jumpfern erquick: und labe. Vors.: Kommen wir zur Sache. 'Sie haben den Bäckergesellen Schwartz in der ' Nacht vom 24. bis 25. November vorigen Jahres geschlagen und seine Augen derart verletzt, daß es ein Wunder ' war, daß Schwartz sein Augenlicht nicht verloren hat. Angekl.: Wat is er so'n Zickendreher. Ick hab ihm drei Mal verwarnt und wer nich hören will, muß fühlen. Er is det Karnickel nat .angefangen hat. Ick bin een rubiger Bürger un berebble meine Steuer for'n Pfiskus. Vors.: Lassen Sie das alberne Gewäsch. Was können Sie zu Ihrer Vertheidigung vorbringen? j Angekl.: Er hat mir det Jeschäft derrunjemrt. mit een Wort jesagt. - Ick ! hatte jrade so'n feinen Kunden bei mich ' stehn, et wird wol 'n Jraf jewesen sind, der verlangte zwee Knobländer. Da kommt nu die Backertole, stellt sich so recht breitbeenig neben hin, det ixige Bäckerbeen so recht bramsig vorjestreckt, un sagt zu den Kunden, wat der Jraf war: Na. von det Hottehieh möchte ick ja nu keen Happen," un wie detWasser, der Saft aus deWurfcht spritzte, schreit er: Hören Se, wie der olle Droschken jaul noch wiehert!" Vors.: Erzählen Sie etwas kürzer. Sie wollen also ge reizt worden sein? Angekl.: Jereizt? Anjeulkt hat mir der Deechaffe. Da druff sage ick blos: Männeken, wenn Du schon lange keene Backzähne nich jespuckt hast un Du willst et, denn brauchste blos noch mal 'ne Lippe zu riskiren." Aber, denken Sie, der Mehlwurm hält 'n Rand? Keen Been! Kunträremang quatscht er immer man von wejen finnijet Fleesch un mehr so'n Ekel. Ick verwarne ihn zu'n zweeten Mal. indem ick ihn mit een Paar heiße Knobländer so janz sachteken um die Nase rumkitzelte. Vors.: DaS heißt. Sie haben ihn in's Gesicht geschlagen. Angekl.: Et war blos' eme jan?.e dusemangige Ermahnung, weil er mir't Jeschäft in Jrund un Boden rinuzte. r Vors.: Nun weiter, aber schnell. Angekl.: Nach die Bekanntschaft mit meine Wurschtfabrikate war er verduftet. Nu kamen zwee Jumpfern an mein Atöljö von wegen Hunger. Von de andre Seite kommt mein Schrippenbengel wieder an un hat sich unterdessen mit een Mächen verlobt, denn die hing an sein een' Arm. Nu höre ick. wie der zu det Mächen sagt: Nu feste, eh se noch rinbeißen!" Und nu fängt das Stück Braut an zu die Jumpfern, wat meine Kundschaft war. zu reden: Wat wolltJhr dernr die Würschte präpeln un Euch 'n Magen verrenken mit's Bellfleesch; wer weetz, von wat for'n Köter die sind!" Un er setzt nu noch wat zu: Meine jeehrten Damens. kommen Se man mit mich zu'n Wurschtautomaten, da stecken Se 'n Nickel rin. un raus kommt uf 'ne seine Schale von Albuminjum een paar Wiener, aber nich so wat Eklichet. mit'n Brötsken un mit Mostrich!" Nu lachen die Mächens.. drehn sich um un machen sich dinne. Natierlich war't aus mit meine Heflichkeet; ick mit meine sammtliche Zinken' rin in mein Mostrichtopp un dem Bäcker schmier ick damit eene mitten in seine dämliche Viehsasche rin, det ihn Hören un Sehn verjing. Vors.: Ja wohl, er schrie meine Auaen!" und mußte sofort in's Kranken haus gebracht werden, in dem er 3 Wochen verbleiben mußte. Lehmann wird zu 3 Wochen Gefängniß verurtheilt. Angekl.: Ick finde det 'n bisken happig; die 3 Wochen, wo ick nischt mit meine Würschte verdienen kann, zieh' ick unbedingt den Pfiskus ab. ' Be.rgessen. Wer gelabt kann nie vergessen; Wer vergißt hat nie geliebt; Wer geliebt und doch vergessen, , Hat vergessen, wie man liebt. So kannst du auch mich vergessen. ' Ja vergessen kann auch ich. Kann vergessen dein Vergessen...' Dich vergessen kann ich nicht. . Weiser Entschluß.' Woaßt D' scho', Bürgermeister.- wie gestern der Huber Michel über die Aachen 'ganga is, is der Steg 'brochen,.und der Michel is einig'fallen und dasoffa!" Da mußt glei' zum Franz! umi; der kann schön malen der soll a' Marterbildl mach doö setzt ma' bin!" Wenn aber wieder ner einifallt?" Nacha setzt ma' lall noch a' Marterbildl hin!- ' Ma n ch e m i st e s v o r t h e i l. hafker, verkannt, als erkannt zu wer I den, . ,

Der Z?c!uch aus dem Jenseits. Humoreske. vrn.Vurckhard.

D:r' GutZöLltz:? John war gesioricn und traf im Geisterreich zu seiner große Freude seinen ' ehnnaligen Freund Denker, der ihm da.hin vorangegangen war. Herr John hatte schon während seines Erdenwallens, - wad man so nennt, Kopf und Herz auf dem rechten Fleck, doch war ihm Denker an Jntell:g:nz überlegen ' und da man durch Sterben an Intelligenz nichts g winnt, fo blieb sich dieses Verhältniß auch nach 'dem Todz gleich. Denker", sagte John eines Tages zu feinem Freunde, wis weilen schon sine geraume Zeit hier, möchtest Du nicht mit mir .wieder einmal die irdi sche Welt besuchen?- - Und was willst Du denn da thun?" fragte Denker. Ich hab: d:m Doktor Gscheidle, der Dir. ja auch als Freigeist bekannt ist, seinerzeit gejagt, daß ich ihn, wenn möglich, vom Jenseits aus wieder besuch:.', um ihn von der persönlichen Fortdauer nach dem Tode zu überzeu gen, ich möchte überhaupt die ungläu feigen Menschen darüber aufklären ; denke Dir nur ö:n Effekt, den es machen muß. wenn ein Verstorbener als echter Geist auf Erden wieder erscheint und sich kund giebt?" Und weiter hast Du nichts vor?" fragte Denker lächelnd. Nun, vielleicht kann ich noch neben Er. das eine oder das andere besorgen, was mir bei Lebzeiten zu erledigen Nicht mehr möglich war." Und glaubst Du wirklich, daß Du etwas ausrichtest? Was mich betrifft, werde ich hier bleiben denn ich bin froh, daß mich das Erdenlcben nichts mehr ang:ht, aber begierig bin ich doch, ob Du noch irgend etwas zu erreichen ver magst." Nun das kann doch wahrlich kein Kunststück sein," sagte John, der da'bei keine besonderen Schwierigkeiten sah.' ... Die Beiden trennten sich. John be 'gab sich auf die Erde. Er beschloß zu. nächst seinem früheren Gärtner Jakob zu erscheinen, denn der hatte gute Nerven und würd: wohl nicht zu sehr dar üb:r erschreck:. Er versuchte ihn des, 'Nachts durch poltern und klopfen zu w:cken; der Gärtner schlief aber ruhig weiter. Da fuhr er ihm mit der malkn G:isterhand über daS Gesicht, das schien zu wecken. ; Kusch, leg' Dich!" rief der Gärtner. Jarob". sagte jetzt H:rr John, ich bin es. der Herr John, Dein früherer. Herr." . . - So, Ihr seid es", gähnte der Gärt ner. ich glaubte, es sei der Schnau--:l", und er drehte sich auf die andere 'Seite. Mit dem verschlafenen Menscheu war nichts anzufangen, Herr John war etwas wehmüthig . gestimmt, denn er hatte sich den ersten Empfang auf Erden anders ausgemalt. Er versuchte es nun. sich in einem fpiritistifchen Zirkel zu manifestiren, denn der l ja dazu da, um den Verkehr mit der Geisterwelt zu .vermitteln.' Da hattr er aber bald genug: Der Ton, der da herrschte, gefiel ihm gar nicht. Ein Verufsmedium ist auch nichts, weniger als reell: wo es die Geister im Stiche lassen, da hilst es eben aus ugener Machtvollkommenheit ein wenig näcy. Es glaubte .auch , niemand im Zirkel ernstlich an Geister, man wollte sich hauptsächlich amüsiren, und Herr John sah bald, daß es, auf diese Weise auch nicht ging. Nun kam ihm ein anderer Gedanke: Versuche es Deine Identität juristisch feststellen zu lassen,' dann bist Du gesichert und brauchst Dich nicht weiter mit dem gewöhnlichen Alltags Publikum, mit dem ja doch nichts anzufangen ist, abzumühen." 1 Er erschien nun zunächst seiner al. ten Haushälterin Eva und als der erste Schrecken über die Erscheinung, bei ihr überwunden war, bat er sie zu einem Rechtsanwalt zu gehen und zu sraoen. tais in dem Falle nothwendig sei, die Identität einer Person festzustellen. Der Anwalt machte große Augen, als Eva ihm sagt:, ihr verstorbener Herr s:i ihr erschienen und fragte: Wie hat er denn ausgesehen?" Grau wie Nebel und Dunst,, v eben Geister aussehen." ' Und wie kommen Sie darauf, daß der Nebel und Dunst gerade der derstorbene John gewesen sein soll? Kann ein G:ist ohne Körper existiren? Glau den Sie. die Flamme eines Lichtes könne noch fortbrennen, wenn der Docht verbrannt ist?" Ja, er hat doch zu mir gesprochen!" Ja wissen Sie. wenn man sich erst einmal einbilden kann, ein bischen Nebel und Dunst sei ein Verstorbener, dann kann man sich ebenso leicht einden, seine Stimme zu hören, das ist übrigens weder nu noch interessant ; man nennt dergleichen Halluzination oder Sinnestäuschung, damit habe ich aber nichts zu thun." . ' Daraufhin zeigte sich Herr John Eva' in seiner früheren Gestalt, wie er ausgesehen hatte, als er noch lebte und bewog sie, es nochmal bei einem andern Anwalt zu versuchen; da ging es aber nicht besser!:? lachte, als sie begann, Herr John ti ihr erschienen, ganz toh er im Leben ausgesehen habe, im glei chen Anzug Was", unterbrach ' sie der Jurist, Kleider hat er angehabt? Denken Sie doch selbst darübe? nach, was Sie da für einen Unsinn fagen: Ein Geist in Kleidern! Kleider dienen bekanntlich dazu, den Körper theils vor Wit'terungsunbill zu schützen, theils ihn zu verhüllen; ein Geist aber hat keinen Körper, darum hat er auch nichts zu schützen und nichts zu verhüllen, wozu also Kleider? erpo, wenn die Erscheinung Kleider anebabt bat, dann

kann sie auch kein Geist gewesen sein! Jetzt soll mir aber doch einer einen Swrch braten." rief Herr 5lobn aus.

ls er dies erfuhr. Erscheine ich unberlerdet,. dann zst es nichts, erscheine ich in Kleidern, dann ist es erst recht nichts : ein Drittes ist leider nicht möqlich! Weißt Du was, liebe, treue Seele, thue mir noch den einzigen Ge fallen und gehe zu meinem Freunde, dem Doktor Gscheidle und frage ihn, wann er Zeit habe, mir ein Viertelstündchen Gehör zu schenken, ich habe versprochen, ihm zu erscheinen und will mein Wort balten." Die alte, aute Eva ging wirklich auch noch dahin. als sie aber anfing, ihr verstorbener Herr, der Herr John sei ihr erschienen und habe da ließ er sie gar nicht ausreden, sondern sagte: So,. so, eine Geistererscheinung haben Sie gehabt, nun Sie brauchen sich deshalb nicht zu ängstigen, das kommt vom Blut und hat nicht viel auf sich." : Ich ängstige mich ja nicht," entgegnete sie, er sagte mir " ; Liebe Frau, was er sagte, gehört nicht daher,, zeigen Sie einmal Ihre Zunge und lassen Sie Ihren Pul5 fühlen, so und nun will ich Ihnen etwas verschreiben, das nehmen Sie ein und wenn Sie wieder Schwindel bekommen sollten, dann trinken Sie Brausepulver, oder Sodawasser." , , . Aber ich habe ja keinen Schwinde! zehabt," sagte ,sie Liebe Frau, das muß ich besser wissen, bei dergleichen Geistererscheinungen ist immer Schwindel dabei; kommen Sie in' einigen Tagen wieder" und damit schob er sie zur Thür hinaus. Eva begann jetzt selbst . leise Zweifel an der Richtigkeit der Sache zu hegen. Herr John gab aber die Hoftnung noch nicht auf, seine Existenz be weisen zu können. . . Er hatte während seiner Lebzeit oft im Hause der Frau Geheimräthin Dunkel verkehrt und dieselbe manchmal geneckt, weil sie spiritistisch angehaucht war. Jetzt so ändern sich die Zeiten freute er sich darüber, denn er dachte diese Neigung zu seinen Zwecken auszunützen. . Mittelst, des Psychographen konnte er leicht mit ihr in, Verbindung treten und besuchte sie des Abends, wo zu seiner Freude ein kleiner, . gewählter Zirkel bei ihr versammelt war. der sich zum Zwecke der Erforschung übersinnlicher Experiment zusammen gefunden hatte. . Professor Schreier führte den Vorsitz. Da hatte er nun endlich, was er brauchte; er meldete sich daher auch alsbald mittelst des Psychographen an sprach von früheren Zeiten, erinnerte die Frau Geheimräthin an Dinge, die sie inzwischen vergessen hatte, ließ auch lateinische und griechisch: Sätze mit einfließen, denn kalkulirte er, wenn sie sich einer Sprache bedient, die sie gar nicht kennt, dann ist es doch klar, daß dies nicht aus ihr selbst kommen kann. Da irrte .sich Herr John aber bedeutend. Zu so etwas , braucht man noch keinen Geist. Der Herr Professor erklärte sogleich, daß gnädige Frau jetzt anfange, in den hypnotischen Zustand zu gerathen; derselbe habe die Eigenthümlichkeit, daß man sich darin längst ver gessener Dinge wieder erinnern könne und was die citirten Sätze in altgrie(bischer und lateinischer Sprache betreffe, fo habe sie dieselben entweder irgendwo früher gehört und erinnere sich ihrer, oder sie lese sie durch eine Art von magnetischem Rapport im Geiste der anwesenden Herrn, die ja dieser Sprachen sämmtlich mächtig seien. Alles dies produzire unbewußt das sogenannte Medium aus', sich selbst. Das Gleiche gelte von den sogenannten physikalischen Manifestationen wie Bewegung der Tische. Klopftöne u. s. w. was man früher, dem Einflüsse von Geistern zugeschrieben habe, weil man es sich nicht anders er klären konnte. . . Wenn Geister' schwitzen könnten, dann würde Herr John jetzt in Schweiß gerathen sein, so setzte, ihm dieser Professor zu. Er hatte aber fein Pulver, noch nicht verschossen und es kam ihm eine neue. Idee; so mußte es gehen! Im Boudoir der Frau Geheimräthin hing an der Wand eingroßer Spiegel, in den sie noch vor etwa einer Stunde geblickt hatte.- ehe sie den Salon betreten: Wenn er nun den von 'der Wand nahm und dies dann sofort verkündete, dann war ja doch nicht der mindeste Zweifel mehr, daß dies nur durch ein: fremd: Intelligenz geschehen sein konnte. Er ging also, in's Boudoir, nahm den großen, schweren Spiegel herab, riß auch noch die! bei den Kloben, an denen er gehangen war, heraus, und lehnte den Spiegel an die Wand. Zu diesem Zweck mußte er sich materialisiren; um diese Umständlichkeit zu vermeiden, hätten geschicktere Geister auch wohl Spiegel und Kloben in ihre Urbestandthelle zerlegt und auf dem Boden wieder zu sammengesetzt, diese elegantere Metho de brachte Herr John noch nicht, fertig. Jetzt verkündete er mittelst des Pfycho. graphen der Gesellschaft, was er gethan hatte. Diese erhob sich und ging in das Boudoir.: Alles war gespannt, , mancher znieifelte, wie sie aber eintraten. da stand in der That der große Spiegel auf dem Boden an die Wand gelehnt und die 'Kloben, an denen er gehangen, lagen am Boden. . ... -. Der Herr Professor fand aber auch hier wieder eine Erklärung: Es liegt hier 'ein sehr interessanter ' Fall , des Hellsehens vor," begann er, die Kloden waren nicht gut befestigt und deshalb fiel der Spiegel von der Wand, während wir im Salon saßen. Dank tm ildtn Teppich ist er nicht zerbrochen; die gnädige Frau ist aber inzwischen in den somnambulen Zustand gerathen und in Folge dessen hellsehend im Raume geworden, es kommt dies, wenn auch selten, zuweilen vor. Sie

konnte in diesem Zustande wahrnehenen, was in dem entfernten Zimmer vorging." Herr John war sprachlos, so etwas ist unglaublich er stellte daher nur noch die Frage: Was in aller Welt soll denn ein Geist noch thun, um seine ' Existenz zu beweisen?" Der Herr Professor erklärte sogleich: Da können die Herrschaften wieder lehen, daß gnädige Frau selbst es ist, welche unbewußt dieseFragen und Ant Worten stellt, denn ein intelligenter Geist wäre doch wahrlich nicht um Mittel verlegen, wenn er seine Existenz beweisen wollte. Jetzt riß aber dem Herrn Jobn die Geduld; als er den. Gelehrten sah mit dem hämischen Lächeln. . konnte er es nicht länger anhören, wie er alles, was er nicht verstand,' einfach negirte und jetzt feierte er wieder einen Triumph, der ihm gar nicht zukam. Warte Du Ignorant," dachte er, ich will Dir meine Existenz handgreiflich beweisen" und versetzte ihm eine a hörige Ohrfeige. Glücklicherweise für den Professor kann man mit einer materialisirten. Hand nicht so kräftig zuschlagen wie mit einer wirklichen, doch war die Ohrfeige immer noch effektvoll genug; der Herr. Professor zuckte zusammen blickte nach dem Fen ster und sagte zur Gesellschaft gewendet: Hüten Sie 'sich vor Sinnestäuschungen, wenn ich jetzt ' nicht sicher wüßte, daß mein Gesichtsschmerz wieder im Anzug ist. könnte ich mir einbilden, von unsichtbarer Hand eine Ohrfeige bekommen zu haben: ich muß in Zugluft gerathen sein." ' Da stand der Verstand des Herrn John und der Psychograph der Frau Geheimrächin stilldie Gesellschaft ging auseinander. Die Geheimräthin rief später noch einigemale ihren Geister freund an, bekam aber keine Antwort mehr. Ach", seufzte sie, der Professor scheint Recht zu haben, die vermeintlichen Geister sind nur unser eigene Ich; das ist nicht interessant. Lt. sette", wandte sie sich darauf zum Zimmermädchen, trage doch den Psychographen hinauf in die Bodenkammer, er steht mir überall im Weg." So wanderte der Psychograph in die Rumpelkammer: Herr John war inzwischen wieder .dahin gegangen, wo er am Bestcn gleich geblieben wäre, in's Geisterreich. Zu seinem Freunde aber, der ihn lächelnd und fragend ansah, sagte er: Du hast Recht gehabt, die Menschen glauben nichts, nehmen trotz ihrer Unwissenheit keine Belehrung an und trauen ihren eigenen Sinnen nicht mehr!" m m m Anstand bei Tisch. Man kann Messer, und Gabel auf gan schickliche Manier handhaben und doch bei 'Tische der Schrecken seiner Umgebung werden, und zwir durch das Vorbringen von unartikulirten Lauten und Geräuschen, mit denen man die Aufnahme von Speisen, namentlich von flüssigen, wie Suppe, Thee, u. s. w. begleitet. Auf ein einigermaßen feines Gefühl wirkt dieZ so abstoßend und widerlich, Uß von irgend welchen Tafelfreuden und Genüssen gar keine Rede sein kann. Hierin ist der Engländer wahrhaft mustergültig und allen anderen Nationen voraus. Nehmen wir zwei getrennte Tafeln in einem Speiscsaal und setzen wir an die eine Engländer und an die andere Bewohner des Continents und führen wir beim Serviren der Suppe einen Blinden in den Speisesaal, so. wird derselbe sofort an der völligen Geräuschlosikeit. m:t der die Brühe genossen wird, die englische Tafel erkennen, während , lau:es Schmatzen und Schlürfen die Anzebörigen anderer Nationalitäten kenntlich macht. Auch' bei Kindern follte frühzeitig auf geräuschloses Essen gealten werden. i Im Höfte vor mei'm Fenster.

Im Höfle vor mei'm Fenster, Da ist a Taubahaus, Da fliegt all', Tag a Täuble, A schneeweiß's ein und aus: I soll a Briefle schreibe, , Auf rosaroth's Papier, O Täuble. schneeweiß Täuble, O leih a Feder mir!" Ja leih du 'mir a Feder, A Feder' weiß wie Schnee! Des Briefle gilt mei'm Schätzle, 's woiß lang von mir nex meh! :cd s Acht Tag schon, gelt-, liebs Täuble. Des ist a lange Zeit, Wenn oi's vom lieba Schätzle Weg ist au gar so weit! Und ist des Briefle g'schrieba,'. So stell' de wieder ei', No derfst du's selber b'sorga ' In's Schwobaländle nei'! Und wenn da no mei'm Schätzle . Des Briefle bringst von mir. Der Dank wird net ausbleiba, I' bi' d'r gut derfür! . E in findiger Kopf. Po-lizei-Eommissär: Jch habe gehört, Herr Doctor, daß Ihnen gestern eine Cigarrendose gestohlen worden sein soll!" Doctor: Nein. Glücklicher Weife ist es nicht wahr!" PolizeiCommissär: Schade ich bin dem Thäter schon auf der Spur gewe sen!" MaliUös. ..Lüeißt Du, unser neuer Regisseur ist so mißgünstig in Bezug auf den Ruhm Anderer, daß er sogar dem Schweinskopf,, der bei ihm auf den Tisch kommt, die Lorbeer-, blätter aus -den Ohren reißt!" . Das finde ich allerding sehr uncolle gial!"

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