Indiana Tribüne, Volume 15, Number 126, Indianapolis, Marion County, 24 January 1892 — Page 7

7S3 Jrauenreszlc Für die Erweiterung der grauen fechte hat die Schweiz neuerdings einen weiteren Schritt gethan. Zürich zahlt seit slurzem zu den Lehrern seiner Universität eine Frau. Ganz ohne Kampf ist dieser Fortschrttt- nicht erreicht. Frsu Dr. zur. Emilie KtApm war im November 1391 von der Univerfilät Bern mit ihrem Gesuch um die Venia 'iegendi ( Erlaubn ch, akademische Vorlesungen halten zu dürfen) zrnndsätzlich abgewiesen. Sie wandte sich an die' Züricher Hochschule. Hier sprach sich die juristlsche Fakulät zu ihren Gunsten aus, der Senat der Hvchschule gelangte aber mit 19 gegen IK Stimmen zu dem Beschlusse: Die Ertheilung der Venia an Dainen würde der Hochschule Zürich aicht von Nutzen sein." Trotzdem überwies die kantonale Regierung die Angelezendeit zur Erledigung an cen Erziehungsraty", welcher zunächst d:e .zrLnojäylrÄe Frage behandelte: ob es angeae, einer weiblichen Person das Necht zu akademischen Vorlesungen an der Universuät zu geben". Die Srage tvMde bejaht, und Frau Dr. Kempkn erhielt den gesetzlichen Bestimmungen gemäß von der juristischen Fakultät die Äufsordcrung, eine Probevorlemng ab zu Hollen. Auf Grund des günstigen Äusmüs derselben ertheilte der Erziehungörath sodann Mitte Dezember .der Frau Dr. jur. Emilie Kempin von Zürich die Venia legendi für romanisches, englisches und amsrikanisches Recht an der staatswissenschaft liehen Fakultät der Hochschule" Die Zahl der weiblichen Studenten hat sich in der Schweiz gleichfalls vermehrt. Zm Wmlerualbjayr 18UÜ191 studirten an der llnlversuät Basel lLausanne, Zutii, CO, Genf 70 und Bern VJ Studentinnen, zusammen 229. Davon gehören 15'J der medizinischen, 67 fcer PHUosopiZt'chen Fakultät an. Im Iaizre 1867 waren erst 121 weibliche Studenten vorhanden. GleiÄ dleien Anlaß möchten wir be nutzen, un' öie Aufmerksamkeit innerer Leier aus ein kleines, sehr lesensmertves Buch zu lenken, welches umer dem Titel Die mDxt Emancipation der Frauen, eine schlichte Meinungsauße rung von einer Frau", erschienen ist. Die Beriafferin weicht keiner der Fragen aus, weiche die Verfechrerinnen eer anderen Emzucivation auizuwerftn pfleg, um oie Fürsorge für das tneib liche Geschlecht in ihrem Sinne als eine 3!othwenJig!eit zu erweifen, aber sie antwortet darauf mit einem besseren Verständnis der wirklichen, weil natürlichen Beöürfnisie der Frau, als jene AU?. Wer träqt die Schuld, und wer kann helfen?" Daraus möchte ich antWorten: Die Frau selbst" und wieder: Die Frau!" Nicht allein trägt sie die Schuld, nach meiner persönlichen Ueberzeugung, aber doch zum größten Theil, I den nt hat Ut Grundlage threr Enstenz, ibre praktische und ethiiche Uncntbehrlichkeit, selbst untergraben, indem sie die Genügsamkeit verspottet und sich dem steigenoen begehrlichen Luxus in die Arme warf. Em Heer von ,.zwmgenden" Aeußerlichkeiten hält seitöem ihren Sinn gefangen, und bedrodt den 'Wohlstand des Hauses derartig, da zu seiner Ausrechlerhaltung die Männer VercheioigunSmaJrezeln ergreifen mußten. Leider wandten dieselben sich nicht gegen die unmittelbare, sondern gegen die mittelbare Ursache nicht der Auiwinö wurde seltener, sondern die Frau. Und wer mit Ernst llraictuu hält, wird zugeben müssen, daß die grohe Diai'se der Frauen eifrig bestrebt ist, sich zu einem Luxusartikel zu ernieengen. An einer anderer Stelle heizt es: Ja, man soll und muß ihnen helfen, denn sie und geknech:et, sie bedürfen einer Emancipation. Aber einer anderen, als Me in dem landläusigen Programme zu Tage tritt! O, daß ich in Flammenzeichen oder mit Engelszungen reden könnte, um die Befreiung zu predigen von Allem,, was uns in unwürdige Ketten schlagt, die allgemeine Erhebung zu predigen, die noth thut, nicht, um m trotziger Begehrlich'eit neue Reiche zu erobern, sondern um mit seibsterlöiender Her;enskra?t uns das alte groye Reich der echten, eigentlichen. Frauenarbeit wieder zu gewin. neu. dessen fruchtbarste Gebiete durch ungenügsame Verblendung so vrg geschädigt worden! Mit allen Fafern sind wir in diesem angestammten Boden iestgemachsen, und auf keinem andern wird die Frau jemals wirkliche Herrschaft erlangen, geschweige denn festhalten, obne ihr eigenstes Selbst auszugeben und mit ihren eingeborenen Gemüihsansprüchen zu brechen. Ich' halte 'es für eine unanfechtbare Wahrheit, daß für ei Fcauenherz wirkliches nur nt der Ehe oder doch innerhalb eines Familienkreises zu sinden ist. nirgend anders, zu keiner Zeit und auf keinem Wege; Befriedigung indessen noch auf vielen verwandten. Gebiete der erzielenden, hilfeleittcnden Arbeit. Warum find in den Unterrichtsanstalten für Taubstumme nnd Blinde keine Frauen thätlg? Warum vor Allem baut man Nicht viel mehr Obdach und Erzlehungshäuser für die Tausende int glücklicher, heimathloser, der Berkom. ruendeit überlassener Kinder! Die Mittel zu solchen Äsylen wären heute nicht schwer aufzubringen, und welche große Zahl einsamer arbeitloser Frauen und Mädchen könnte darin, leitend oder geleitet, je nach Stand und Begabung eine Mgemeffene befriedigende Tdätig. seit finden; welch ein tiefer Segen könnte in und aus folchem Hauke wirken, wenn man als Devise über die Pforte schriebe: Lernet in Kraft wider, stehen und in Liebe dienen!" Aehnlichen Zwecken könnten sich auch eine Menge . alleinstedenöer Frauen widmen, die keine 'Neigung ' haben, sich einem Gemeinwesen einzufügen und deren pekuniäre Lage eine selbstüändige : Häuslichkeit gestattet, indem sie ein oder 4 mehrere vereinsamte Kinder aufnähmen. pt würden.dann nicht mehr nolhig ha,

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aHii.'Lvwuiwtgmiiw den, durch Reisen, Malerei oder'sonnigen Kunstsport ihre seelische Existenz kärglich zu fristen, sondern hätten ihrem Leben durch die Pflege und Erziehung unger Wesen den unentbehrlichen In halt der Pflichten gegeben und sich danut das Funoament aller Befriedigung gesichert. , BeionderS auffallend ist mir bei der großen Zahl wirklicher Arbeitsuchenden, daß man nicht eme allgemeine Slusbildüng von Krankenpflegerinnen anstrebt; es gibt deren viel zu wenig, weil dieser mühselige Beruf meistens noch abschrekkeud erschwert wird durch die Förde rung willenloser Unterordnung oder klösterlicher Weltentsagung. In einer deutschen Großstadt von etwa 150,000 Einwohnern existiren außer den Schwesterverbäuden uud den Angestellten der öffentlichen Krankenanstatten nur 31 Pflegerinnen, die ausnahmslos den unteren Ständen angehören x warum eignen sich nicht gebildet Mädchen die erforderliche Berufslüchtigkeit an, und leben dann in privater Sebstständigkeit nach Kraft und Neigung diesem Erwerbszweige? Sie würden gewiß, zumal in abgelegenen Provinzgegenden, eine melbegehtte Hilfe sein, manches beglückende Leben erhalten, das aus Ätangel an sachkundiger Wartung der Krankheit unterliegt, und in solchem demüthigen Thun sich ihrer Kraft bewußt und ihres Daseins froh werden. Indessen glaube ich, daß all solche Erweiterungen das Uebel der Zeit nur momentan besiern, nicht aber wirklich heilen. Ich möchte alle Erziehungsmübe aus die Seele der Mädchen konontnrr und ihnen von Schulkenntnissen nur so icl eingeprägt wissen, als zur gesunden Aurvildung von Herz und Kopf enorderlich ,st ; was nur temporärer Zierrath fein kann, bleibe fort, und das Ziel sei: einen Charakter zu bilden, ein Menschenkind, das wahr, tapfer, einfach und cnmutbig ist!.'. . Die betd n VoZcos oder: Tcr mifc giUlttc .SUtterfang. HuAoreS'. Die Schotten der Nacht haben sich uf die Hänscrmassen der 3!esidcn;stadt X.... herabgesenkt, schwarze Gestalten huschen gleich Phantomen durch die Straßen und über die Plätze der Metropole, und bald leuchtet es da und dort blitzartig auf die Gaslaternen sind angezündet und werfen ihr flackerndes Licht Über das Pflaster und die Trottoirs. In einem eleganten Cafe-Nestaurant der inneren Stadt hat sich soeben ' ein Hochstaple? der geriebensten Sorte an einem freien Tifch in dcr Nähe der Thüre niedergelassen und bei dem Kellner, der den anscheinenden Gentleman mit tiefen Bücklingen um seine Wünsche befragt, ein feines Souper nebst einer Flasche Bordeaux bestellt. Während der befracktc Ganymed eilfertig davon tänzelt, um das Gewünschte hcrbcizuschasseu, hat unser Hochstapler in dem Lokale prüfend Umfchan gehalten und nach einer Gelegenhcit ausgespäht, durch irgend einen genialen Gaunerstrelch seiner schwind süchtigen Börse neue Nahrung znzuführen. Allein seine Forschungen haben zu keinem befriedigenden Resultat geführt. Der frschen Abendstunde wegen ist da Lokal noch schwach besucht; die Wände find noch leer von eleganten Ucberzichcrn, Hüten und anderen Garderobestückcn. Nur an einem ziemlich entfernten Tische besindet sich eine Gesettschast von Herren, welche eben im Beqnsse steht, dem vorgesetzten Souper alle ihre anzuthun. Und eS wäre doch zu gewagt gewesen, auf die Garderobe diejer Herren, ivclche in unmittelbarer Nähe von ihnen aufgehängt ar, irgend ein Attentat zu verüben. Während unser Hochstapler die Erfolglosigkeit und das Gefährliche eines derartigen Angriffes in den Kreis seiner Erwägungen zieht, ist der Kellner mit dem bestellten Souper zurückgekehrt und pflanzt nun die Flasche Wein, sowie die diversen Schüsseln und Teller mit ihrem duftenden Inhalt vor dem dlstinguirten" Gaste auf. Mit einem devoten .Wünsche wohl zu speisen" entfernt sich der dienstbare Geist wieder, unser Hochstapler aber macht sich mit der Grazie eines Gourmand an die Vertilgung der delikaten Gerichte. Während er dieser angenehmen Beschäftigung mit Eifer und obligater Eleganz obliegt, fällt sein Blick plötzlich auf den nebenan Ucgendcn schweren silbernen Eßlöffel und der Gedanke den könntest du dir wohl zu Gemüthe ziehen", zuckt blitzartig durch fein ingeniöses Gauner-Gehirn. Unser Hochstapler war kein Freund von langem Grübeln, sein langjähriger Beruf hatte ihm, wie den meisten seiner Col leen", ein rasches Handeln zur Gewöhn, I trt(JM flTJi inor (rmn nXtft yn ijvitiuufti uuv v;uvuwvii;iu, sie dem ersten Taschenspieler Ehre ge macht hätte, war der silberne Löffel von der Tischplatte verschwunden, um in der linken Rocktasche dcS Gauners vorläuft, zen Aufenthalt zu nehmen. Ebenso rasch hatte er einen ähnlichen Löfsel von ZlZcusilbcr an die Ekelle des eöcamotlttcn placirt. Jeht rasch zu Eudr gespeist, murmelte Freund Hochstaple? vor sich hin, und dann ihr geliebten Triften, lebet wohl!" Inzwischen hatte sich die Gesellschaft in dem hintern Tisch in ein Gespräch über den berühmten Prestidigitaleur LoSco, der heute in der Residenz age kommen war und für den nächsten Abend die ErofsnungävorsteUung angekündigt hatte, vertieft. Im Laufe der Unterhatiung wendet einer der Herren den Blick zufällig nach unserem Gfnkleman.gerade. als der letztere die LösseUEskamokaae vornimmt. Er bemerkt, die gaunerische Manipulation des Hochstaplers itnd beschließt sofort, denselbeu aus eine ebenso feine wie witzige Art zu entlarven. Zu diesem Zwecke wendet er sich an seim Tischgenossen mit folgender Ansprache: Meine Herren! Ich kann Ihr qünstiaes Urtheil über Meister Boöco nur bestätigen, aber das Kunststück, welches ich Ihnen jetzt vorzuführen die Ehre habe, dürste er, mir schwerlich nachmachen. SehenW!? ich nehme diesen .silbernen Eßlöffel hier - lstecke ihn vor Ihren Augen In meine linse Nocktachc, ommandir?

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Eins, Zwei. Drei, Hokuspokus, luarsch l und der Löffel ist unsichtbar aus meZncr Rocktasche in diejenige des eleganten Herrn dori an dem vorderen Tisch gewandert. Wollen Sie mir gefälligst folgen und sich selbst überzeugen ! " Der anscheinende Zauberkünstler erhebt sich von seinem Platze, schreitet in Begleitung seiner neugierigen Tischgenossen direkt auf unseren Hochstapler zu und bittet ihn, in die linke Rocktasche zu greifen ; dort müsse sich der escamotirte I'össel vorfinden. Der Gauner hatte die vorausgcgangene, ziemlich laut geführte Unterhaltung Wort sür Woit gehört und die eigentliche ölbsickt des improoisirenden Zauberkünstlers sehr wohl durchschaut. Im ersten 'Augenölick war er allerdings durch die unerwartete Wendung der Tinge verblüfst morden, gewann aer schnell seine Fassung wieder, und als ihn nun der neue Besco mit ironischer Höflichkeit um die Herausgabe des Löffels ersuchte, zog er den letzteren mit gut gesvielter Ueberraschung aus der Tasche und während er ihn vor sich aus den Tisch legte, stand er f. ibte sich mit einem feinen Lächeln an die verdutzt dareinfchancnden Freund des geschickten .Zauberkünstlers" und sprach: .Meine sehr geehrten Herren! Ihr geschätztcr Freund hier bat die Escamotage in ganz famoser, staunenerregender Weist durchgeführt, und freut cS mich, in dem Herrn einen ebeiibürtigen College begrüßen zu könkien. Ich habe nämlich du Ehre hier machte der Hochstapler ein elegante Verbeugung mich Ihnen als den Prestidigitateur Bosco vorzustellev und sollte cS mich freuen, wenn Sie meu ner morgigen Eröffnungsvorstellung die Ehre Ihres Besuches schenken würden. Ucbrigens werde ich Ihnen ich bin dem verehrten Herrn da diese Revanche schuldig sofort einen kleinen Beweis meiner sogenannten Kunst geben. Wollen Sie sich gefälligst an Ihre Plätze zurückbe: mühen!" Die Herren leisteten dieser freundlichen Aufforderung, nachdem sie sich vor dem angeblichen Bosco böflichst verbeugt hatten, ungesäumt Folge und begaben sich an ihren Tisch zurück, roo sie erwartungövoll Platz nahmen. Auch der Eollege' des berühmten Zauberkünstlers schloß sich seinen Freunden an. Er war durch daS elegante und sichere Auftreten des HocksiaplerS so verblüfft und verwirrt worden, da er nicht mehr den Mut! fanfc, seine Rolle durchzuführen und den feinen Fremden ossen deS Diebstahls zu beschuldigen. Der Letztere konnte ja ebenso gut eine kleine .berufsmäLige" Uebung vorgenommen haben, als er den silbernen Eßlöffel in der Rocktasche ver: schwinden ließ. Meine Herren," begann der anzebliche BoSco, nachdem die Gesellschaft an ihrem Tische wieder Platz genommen hatte und mit erklärlicher Spannung des versprochenen Kunststückes harrte, meine Hcrrcn, zu dem Kunststücke, wel cheS ich jetzt die Ehre habe zu produziren, werde ich mich desselben LösfclS bedienen, den vorhin mein liebenswürdiger (5o;icurrenr in fi vortrefflicher Werfe cScamo tlrte. Oiiir werde ich die Sache umae lehrt machen. Ich nehme den Eßlöffel hier vom Tische, stecke ihn ebenfalls in die linke Jocktaschc, kommandire wie mein geschätzter Vorgänger, Eins, Zwei, Drei, Hokuspokus' marsch! i und der Löffel itf wieocr an seinen früheren Platz in der Roatajche zeneS Herrn dort zurück spaziert. Wollen Sie nur gütigst nach sehen!" Äei diesen Worten des Zauberkunst lers" ging dem bezeichneten Herrn eine förmliche Gasbelcuchtunn auf. Er er kannte, daß er von dem schlauen Fremden düvirt worden sei. Entrüstet über cir.r so bedenkliche Frechheit, sprang er von seinem Titze empor und rief mit lauter Stimme: Mcine lieben Freunde, jenr Herr dort ist ein...." .aber mcilcr kam er nicht. Seine Tischgenossen, die ja die Absicht, welche der Escamotage shreS Kan:eraden untergelcgen hatte, nicht kannten und daher der Jkeinung waren, er wolle den Löffel nicht herausgeben, um durch die Kunstfertigkeit des Meisters Vosco zeine eigene nicht in den Schatten gestellt zu sehen unterbrachen die Erplication ihres Freundes mit lautem Gelächter und Gejohl. Heraus mit dem Löstcl." .Gleicht Recht für Alle!" Keine faulen Ausreden!" tonte eS lärmend durcheinander, und als der also Angegriffene aufs Neue zu einer Erklärung anhub da erfaßten ihn zehn kräftige Arme und drückten ihn auf den Coffel nieder, während eine weitere Hand rasch in die linke Rocktasche bei wehrlos gemachten Freundes fuhr und unter dem brausenden Jubel der ganzen Gesellschaft den silbernen Eßlöffel hervorzog. Rim murde eS aber unserem anten Pscudo-Taschcnspicler denn doch zu bunt. Mit einem kräftigen Ruck machte er sich von dcii ihn umklammernden Armen frei und mit Donnerstimme brüllte er seiner Umgebung in die Ohren: .Jener noble Herr dorr ist ein Betrüger, ein Dieb!" Ganz erschrocken über diese schwere An, schuldigunz prallten die Herren entsetzt zurück und wandten dann ihre Blicke verblüfft nach dem Tisch, wo der berühmte Vosco noch kurz vorher gestandeu und das prächtige Zauberkunststück produzirt hatte. E:e wähnten nichtg anderes, als daß er ihnen bereits zorn entbrannt entgegenstürzen und ihren Freund stants peä ob der schweren Beleidigung zur Rede stellen werde. Allein der Platz am vorder!, Tische war leer unser Hochstapler hatte die vorausgegangene Verwirrung, wahrend welcher Niemand auf ihn geachtet, benützt, um durch die nahegelegene Thüre im Dunkel der Nacht zu verschwinden. Der silberne Eßlöffel aber, dessen Ae, aulsition" unter so erschwerenden Um standen vor sich gegangen war, rnhte wohlverwahrt in seiner linken Rocktasche, Theaterpanlk. Der Grund zu der, Theaterpanik im Theatre Royal von' Gateshead am Tyne, bei welcher zehn Menschen er drückt.worden sind, wird verschieden an zegeben. Die 'eine Lesart sagt: Auf der Gallerie steckten sich zwei junge Burschen, ' trötzi des Verbotes, ihre pfeifen an. Man sah von unten tzlötz-

.Ich den Rauch aufsteigen, und eine Frau schrie: Feuer!- Da zugleich eine

dichtere Rauchwolke aus der Gallerie hervorzog, so entstand eine sürchterliche VerwirrunZ. In einem andern Bericht heißt eS: ES wurde die Pantomime ..Aladdin" gezeden. und etwa rzvv Lersonen bullten das Theater, namentlich die G'lerie und das Parterre. Sei Beginn der letzten Scene siel einer Dame im ersten ZZang eine Nadel oder ein Geldstück herunter und ihr Mann entzündete ein Streichholz, um darnach zu suchen. Dabei gerieth ein Stück Papier aus dem Boden in Brand und es entstand eine kleine Flamme, welche die Frau veranlaßte, .Feuer!" zu cufen. Eine Hand legte sich über ihren Mund, um den gefährlichen Ruf zu ersticken, aber derselbe verbreitete sich schnell und da man Rauch aufsteigen sah. stürzten alle Zuschauer nach den Ausgängen. Der Theatersirector Tu?, ner und seine Leute riefen den Geängstigten zu. sitzen zu bleiben, oder langsam hinaus zu gehen, allein diese Mahnungen fanden kein Gehör. Einige rissen die Orch?sterand nieder und stürmten auf die Bühne, andere spran zen von den Rängen ins Paterre. Die Zuschauer im ersten Rang kamen alle glücklich hinaus, allein auf der Galerie drängte die Masse nach dem einzigen Ausgange, dessen Thür verriegelt war! Dem Tdürdüter gelang es zwar schlieü. lich, den Riegel heraus zu ziehen, allein dies Kostete ihm das Leben, denn vor der nachdrängenden Masie stürzte er die Treppen hinab bis zur Haupt treppe. Als Niemand mehr aus dem Theater kam, gingen zwei Mann die GalerieTreppe hinauf und fanden dort einen Hamen lebender und todter Menschen fünf Fuß hoch über einander, wahrend hinter diesen eine Anzadl Menschen bemüht war, hinaus zu kommen. Nun wurden Männer. Frauen, Knaben und Madchen aus dem Haufen kerausgezogen. Mehrere waren bereits melir todt als lebendig und starben bald, nachdem sie in benachbarte Hau ser gebracht worden waren. Das Feuer war sofort mit einigen Eimern Wasser gelöscht worden. Bis Mitternacht waren bereits 10 Personen, meist Knaben zwischen 13 und 16 Iah ren, ihren Verletzungen erlegen. Ein 33 Jahre alter Mann war ums Leben gekommen, als er von einem Galeriefenster auf das 50 Fuß tiefer liegende Dach eines benachbarten Hauses ge sprungen war. Eine schreckliche Ueberraickung erlebte der Polizist Carolen, welcher im Dienste beim Theater war. Während er sich an den Rettungsarbci ten betheiligte, zog er die Leiche eine Knaben hervor es war diejenige sei nes Sohnes. Ein Kmd im Alrer von 7 Wochen (?), welcb.es im Gedränge aus den Armen seiner Mutter gerissen worden war. wurde von einem Manne aufgehoben und.über die Menge auf der Treppe hinweg einem anderen Mannt zugeworfen und von diesem aufgefangen. Es kam unverletzt heraus. Em 2 Jahre alter Knabe wurde von der Galerie ins Parterre gefchleudert, erlitt aber keine Verletzunz'. Wahrend die Rettungsar beiten vor sich gingen, drangen Spitzouben hinter die Kulmen und stahlen' dort die Ä leider und sonstiges Eigen thum der Schzuspieler, welche sich in hren Kozmmen gerettet hatten. Ein zweites Vurgthealer. Das zweite Burgtheater, von den tor Jahren schon viel die Rede war. soll nun doch in Wien erstehen. Der Münch. Mg. Ztg." wird aus Wien geschrieben: Von einem höchst vertrauenswerthen Gewährsmann geht uns dle Nachricht zu, daß der Bau eines neuen kaiserlichen Schauspielhauses in Wien ernstlich erwogen, wenn auch noch t,rj.rr . c . cm . iuuji rttvijitlig wciujic ivuroe. aucan gebend für diese Anregung waren financielle Rücksichten. Während das alte Burgtheater trotz vieler Lasten, die dem subvenuornrten Institut durch flicht mäßige Gewährung von Freintzen an Hofbeamte und dergleichen erwuchsen, unter Laube und Dmgelstedr jahraus . ' r r zayreln ein an?eyniiHes rtragms ab. warf, arbeitet das neue Burgtheatei mit matenetten Embuizen. Nahezu anoertyZtv Dutzend Lozen finden keine Abonnenten, ein Berlustposten, zu dem L C' .f..t:j. . , , . a noca oie eryeouq erooyren onen oer Erhaltung des Prunkbaues, die wesent lich vermehrten Auslagen für 'Ausstad tung. Beleuchtung ic. treten. Diesem stetig wachsenden Mißver. haltnlß .zwischen Einnahmen und Aus gaben der Burgtheater-Berwallung ab zuhelfen, sind nun nicht allein die Re chenkünstler, sondern auch die künstleri scheu Parteigänger eines für intime Conversationsstücke geeigneieren kleineren Theaterraums bemüht. Nach wu vor soll der Semper'Hasenauer'scht Prachtbau für Galavorstellungen,, fest' ttlye Veranstaltungen und .dergleichen verwendet werden; daneben aber wünscht man emen veicheideneren, für den Alltag bestimmten Bau zur Verfügung zu haben, der wenn wir recht berichtet sind, aus dem Ballplatz, an der Stelle, wc das österreichische Museum zuerst ein Nothdach fand, mit verhältnißmäßig geringem Kostenaufwand aufgeführt werden foll. Während das neue, Burgheater iii Ende 1887 nach dem össiciellen Bericht Karl Weiß' einen Auswand von 0,360,. 667 Gulden erforderte, dürfte ein neues, nicht als Monumentalbau angelegtes, für moderne Stücke und ' Spielopern bestimmtes kaiserliches Schauspielhaus rasch und praktisch mit höchstens einer Million herzustellen Ze:n. Dem künst. lerischen Werth und Verdienst deZ 5 Kunstpalastes auf dem !Zran,ensrino I würde durch diesen Neubau kein Ab' b'ruch geschehen, und so 'glauben , wi, (wenn auch diese Mittheilung ' zunächst! Abschwächung oder Widerspruch ' ersah. ' ren sollte), daß' die naturgemäße Enth, -Wicklung der Dinge und vor Allem du Geldfrage dieses weit gediehene Vorha den in nicht allzu serner Zeit spruchreil machen dürfte. " ' u'kmJ "

CYlnesisHe JauvermttteZz

Man kann die chinesischen Zauber Mittel in solche theilen, du man inner halb ihrer Häuser, auf den Dächern, so Wie an den Thüren und Giebeln findet, ferner in solche, die der Chinese an semem Körper trägt; einige Zauber, mütel werden stets rn Anwendung gi bracht, andere dagegen nur bei beion' deren Gelegenheiten. Diejenigen, welche man innerhalb und aunerhalv der chmefischen Häuser findet, sind vornehmlich folgende: AuS Kupfermünzen verfer tigt man Schwerter, die man in d Nahe der Betten aufhängt, um Dämons und Kobolde zu vertreiben. Alte Mctallspieael werden über der Idolen augebracht: man hält sie durck häupges Putzen blank. Der Cbrnes glaube, day öieie Siegel oie ttrast haben, das Bildnin irgend eines bäeu Geistes abzuspiegeln, der das Hauj - r.-.. n. -m. . t yeimucJi; ai vieler einmai ieine gen, häßliche Gestalt gesehen, so wird er so fort verscheucht. Baut man ein neue; Haus vud wird der Giebel angebracht, so muß sofort ein Sieb darunter gelegt werden, welches ein Metallspiegel, eini Scheere, ein Messer, ein Fntzmaß, Geldwaagen und Eßstäbchen enthält. Am dritten Tage darf man das S'et mir seinem Inhalte wieder wegnehmen. Auf dem Lande werden beim Ad brechen von Häusern einige wunder liche abergläubische Gebräuche beobachtet. Soll ein Gebäude abgerissen wer den, so wird einige Tage vorder ein Zettel an die Thür geklebt, aus welchem eine Aekanntmachnnz im gedachten Sinne geschrieben steat. , Hiermit glaubt man dem Nachbar hinreichende Zeit zu geben, Vorsichtsmaßregeln zu treffen, um fich gegen übel gesinnte Geister zu schützen, die sich vielleichi im Haase ver krochen haben, und die. da oas Hzus abgebrochen werden soll, irgendwo anders eine neue Heimstätte suchen. Un mittelbar vor dem Abbruck wird ein Gong drei Mal geschlagen, und die Berzntwortlichkeit des Hausherrn hört dadurch auf, in Bezug auf irgend eiu Uebel, das seinen Nachbar befallen könnte. Letztere treffen gewöhnlich folzenöe Vorsichtsmatzrezeln: eine Scküst jel mit reinem Wasser, in dem sich em öamdusblatt und ein Metallspiegel befinden, wird auf den Giebel gestellt; mitunter beziehen die Nachbarn aber zuch einen Tempel oder quartieren sich ivo anders ein. während das Haus i denenssen wird. Am chinesischen Allerseelentage" (im April) bringt man über der Thür einen Weldcnzmeig.und am Drachenboot Festtage eine Grasart, die Phönix schwänz" genannt wird, an: diese Sträucher sollen die böien Geister ab wehren. ES wird erzählt, daß in alten Zeiten ein berühmter chinesischer General die Macht hatte, Dämone zezlicher Art unter seme Kontrolle zu bringen; daher schreiben Personen, die sich vor Veistern fürch'.en, auf rothes Papier die fünf Worte: .Keong Cae Kung Tiae Tsz", d. h. Der Groye Herzog Kunz ist hier!" und kleben es in der Nabe ihrer Betten an. Man siedt diese Worte auch manchmal an den Hochzeit-Sans :en, wenn die Braut nach'ihrem zukünftizen Heim getragen wird. Unter den Amuletten, die an der Per son getragen werden, wollen wir zuerst das sogenannte Hundert'Samilien Schloß" erwähnen; Kinder tragen : t an einem Bande um ihre Hals. Den öcamen hat es daher erhalten, weil man :s mit Kupfermünzen gekauft hat, die ;u diesem Zwecke von einer Anzzhl besreundeter Familien beigesteuert wor Jen sind. Letzteren macht man ein Geschenk, das aus einer Bettelnuß besteht, and bittet zur gleichen Zeit um zwei oder drei Kupferstücke zum Ankaufe des Fchlones. Diejenigen, welche dazu beigetragen baden, sind, wie man zlaubt, eine Art Vürge für das Leoen )es Kindes. Am dritten Tage nach der Geburt eines Knaben wird ein Wahrsager ge rusen, der das Schicksal des Kindes oorherzazen soll. Falls die acht Stun-den-Schriftzeichen, wie sie genannt werden (zwei repräsenüren das Jahr, zwei den Monat, zwei den Tag und Zwei die Stunde der Geburt) keine glückliche Conjunctur bilden, so sagt dies der Wahrsager und behauptet, daß es nur nnen Weg gibtdas Kind auszubringen oder daß es während feiner Lebenszeit VZN l Unglückssäüen verschont bleibt, und ser bestebt darm. dan eins der Qbr. dieser läppchen des Knaben durchstochen wird, um eine kleine Silbermedaille daran aufzuhängen. Auf dieser find die Schriftzeichen für langes Leben" auf der einen Seite, auf der anderen die für Relchchümer und Ehren" eingravirt. Dieses Ämulet wird häusiz erst abgelegt, bis das Kind zum Manne aufgevachsen oder verheiralhet ist. Ändere Amulette sind die als Psirsich"-, Tigerklau:-. und Steinsiezel"Amulette bekannten.' Auf letzterem sind kurze Säge emgravirt, wie z. & Möge Glück wie die östliche See Dein sein ; ttinder tragen es auf ihrer Stirne oder an den Armen. Em anderes Amulet. welches meistens von grauen getragen wird, besteht aus einem kleinen Meer, einem Schwertchen und einem Triangel.' ' l - j Armbänder, die, aus einem ' dunklen t Rohr gemacht sind, wendet man an, um s Rheumatismus abzuwehren. Auch tragt . man kleine heilige Bücher, die Gürtel ttalnker" genannt werden. Es ist wohl der Ermahnung werth, daß. während wir Occidentalen kleinen

' Kindern Silbe'rbzcher und Löffel zum le zu den respectwidrigsten symboli- ' Geschenk machen, der Chinese dem Kmde Mtn Deutungen Aulaß gibt. Man . seines greundes das silberne Modell ei-, führte die Bewerber auf den Gemeinde,, nes Einhorn schenkt; man h:lt nämlich' tnger, verband rbnen die Augen unt dieses sagenhafte Thier, für ein gutes - !ietz Jeden - ein Bündel Heu hallen. OmeÄ''' '-h's ' "I: ' " " i - ? ! ZinK , Die Zahl der geschriebenen Amulett, bracht; derjenige, von dessen Bündel ist eme Legion; ,le bestehen zumeist das Thier zuerst fraß, wurde als

! aus zwei oder drei Schrtstzerchen. du ues laorozeryaupr icicruq;r procz. auf das Phantastischste zusammengesetzt ' dirt. - !" ' : werden. Einige dieser Talismane weröJ, ot a ni s ch e E i f er such t I den nur auf Bambus- oder Maulbeer- Fräulein Ella: .Ach, sehen Sie nur, 'l blätter geschrieben, und, nachdem ; siezu kie herrlich . dieser Rosenstock ist "J--t Asche verbrannt sind, schüttet man dresi Verehrer : Ach Gott . . . . und der in den Thee, der dann als Medicin ge Veilchenbaum, der daneben fjeht ge nommen wird. Aus anderen TaliS lallt Ihnen denn der gar nicht?

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manen wird ein Teig gemacht, der auf die Stelle gerieben werden muß, die krank ist. Wieder andere Amulette werden vor dem Gesichte deS Kranken verbrannt ; es gibt überbauvt Talismane, die gegen jede denkbare Krank it angewendet werden. Doch kennt an auch Gebete und Amulette die von den Soldaten, welche eine S'adt angreifen. gesprochen oder geschrieben werden müssen. Bei Zaubermitteln dazu bestimmt, hch .an Personen m rächen, muß man en Vor, und Zunamen deö Feindes, Sas Jahr, den Monat, den Tag und die Stunde seiner Geburt aus Papier schreiben, das dann unter die Borke einer Platane gelegt, oder an den Bo den eines Sarges, der im Todtendause stebt, geklebt wir? ; mitunter übergibt man solche Zettel den Leichenbestaltern. welche sie unter eine Leiche, an dem Tage, an welchem sie in den Sarg gelegt wird, legen müssen. Hat die aber wäh-end Leb zeit keine Wirkung, so beauftragt der Rächer seine Familie, nach seinem Tode den Zettel mit dem Namen u. f. w. des Feindes entweder unter seinen Leichnam oder an seine Brust oder in seine Hand zu legen, so daß er nach seinem Tode in Erfüllung gehen sieht. was ihm bei Lek',eiten nicht gegönnt war. Mitunter wird auch daS Bildniß des Mannes, an dem man sich rächen trnll, aus Stroh gemacht; ein Zettel, wie der vorhin beschriebene, wird in der Begend des Herzens angebracht, und 43 Tage hintereinander um die fünfte ?!achtwache muß der Verfertiger des Vildnisses mit verworrenem Haar einen feil in das Herz schießen. Großes Unglück, wenn nicht selbst der Tod. mtß ann, dem chinesischen Glauben zufolge, den Feind befallen. ?lus den: Leben ?)om Pedros. Aus dem Leben des Kaisers Dom stedro wird den Mönch. N. Nachr. ge schrieben: ES war bei Gelegenheit der jweiien Reiie des brasilischen Monar hen durch Surooa. daß ich Dom PeZrs ,u Bonn, xdo ich mich im Sommer 18? lls Student aushielt, zu Gesichte bekam. !)as physikalische Colleg bei dem nun mch verstorbenen Professor R. Claunuö, nm Milbezründer der mechanischen Värmetbeorie, sollte eben beginnen, als rnter den Letzankommenden ein alter perr von würdigem Aeußern und lienswüroiger Miene eintrat und sich zu ins sen:e. Er folgte dem Äortrag mit äuimertsamkeit; offenbar war hm der Gegenstand geläufig. Erst nachher eruhren wir. das ein Kaiser neben uns verweilt habe. Dom Pedro war ein ;cüyau''steyer; morgens bei gutem Wtt er unternahm er schon um 5 Uhr Au--lüge nach den bewaldeten Hü eln der llmgegend, und wer zwischen 6 uns 7 2hr sich auf den Weg ins Colleg begab, de? seinen Kater spaziren führte, traf zen Kaiser ost schon auf dem Rückwege, vielleicht zum Frühstück, vielleicht rm gegrisf, einem der srars" unter den mgekrönten College einen gelehrten Sezuch aozmtatten. Eines Tages war )ie Vorlesung des Professors Auz. Kemle bernahe zur Hälfte vorüber, als wm allgemeinen Er, aunen, sich die hu? öffnete nnd der Kaiser, gefolgt kon einem Schwärm fescher Brasilialer", in den Zuhörerraum hinabstieg, tm, so gut es ging, auf einer der Ban e jZlaF zu nehmen. Der Zufall fügte es, iaß der Vortragende grade bls zu einer kieihe seltener orgamicher Säuren geangt, war uns seme Aufzählung mit Nennung der Brassul Säure beschloß. Der Name klang so verzweifelt Brasi ren" ähnlich, daß eine gackze Anzahl Hörer sich dem ahnungslosen ToniZe,ro zukehrten, wie t schien, um den Geichisausdruck des Kaisers zu bcobach:en - vielleicht vermuiheien sie eins Art on Huldigung darm, wer weiß? Nach,em der Kaiser eine Bierttlstunde zugehört, stieg er mit seiner Gefolgschaften en Saal hmab und verabschiedete sich wn Professor Kekule, ihm herzlich mt ielden Händen die Rechte schüttelnd. Roch einmal war es mir beichleden, dom Pedro zu sehen, am Tage seines lbschiedeS von der rheinischen Musenladt. Er kam in seinem eiligen, etwas trip. elnden Gange durch die Colonnaden 'er Unioersiiät, vor der sein Wagen aus hn wartete; hinter ihm, mit gewich' raem schritte, sem rhn begleitender Premierminister, ein unerseyter Mann, ! chwarz von Haaren. Bart und Augen, ' Ntk dunklem Teint und schwarzem An- ' juge. etwas finster uater se:nen dichten Srauen blickend. So konnte es nicht ehlen, daß die von ernem spaßhaften kölner halblaut ausgeiprochene Thefe: ' .Tat es dä Scharfrichter", der dem ' Zahlreich am Eingänge stehenden süßen pobel leicht Glauben fand. Vielleicht jedachte man des Schahs von Persien, ! enn alles wich mit so groger Bereit. ' villigkeit und scheu vor dem schwarzen Herrn znrück. als trüge er ern Etut Mit block und Beil in der Tasche. und der Ftadtpolizist brauchte Nicht für Ordlung und Sme iveuer zu sorgen, so, lern konnte in Ruhe seme lmponlrende Zronrstellung annehmen. Mir freundächem Gruße seinen Wagen ' besteigend, ! terabschiedete sich der Kaiser, bei uns l . w t ! i - r? . ' men elnen m,m lnorull Uinreriazzeno , iurch den gütigen milden Zug seines , umliZes. In der Stadt GrimSbr st Eaaland wurden die Bürgermeister 1 krüher auf absonderliche Weife gewählt.

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Das verhSttstnitzvoUe ,,äus. chcn". Ein tragikomisches Abenteuer hat sch lehthm in einem märkischen Städtchen ereignet und dürfte in der schlichten Einfachheit, in der es erzählt wird, den Eindruck völliger Wahrheit machen. In der Stadt g. erwartete der Oberst von . die Ankunst seiner Nichte, die mit dem letzte Adenozuge eintreffen selltc, und zum Empfange der jungen Dame, begab er sich mit seiner Familie znci Bahnhöfe. Aber dem Zuge enchiez seine N'ckte, wenn man auch unter de ausgeladenen Passagleresfecten die Kvffer derselben erkannte. Sie mußte also doch im Zuge gewesen sein. Daß st trotzdem nicht angekommen war. beun' ruhizle die Familie v. X. ; jedoch au, anderen Morgen tras die vermißte Nickte ein und erzählte dann ihrer Tante das folgende Mißgeschick: Als der Zug gestern gegen Abend in di letzte kleine Station vor meinem Rci;eziel einlief, hielt mein Wagen Mnmt:tf bar vor dem Häuschen, an welchem steht Für Damen". Da fünf Minden Äufentbalk waren, stieg ich auZ, um in jenes Häuschen zu springen. Nach einigen Minuten, im BegriJ, in mein Kupee zurückzukeh en, versag der Thürdrücker; es war entweder ein besonderer Mechanismus vorhanden, den ich nicht kannte, oder er war defekten Zustande. Ich prcdirte und prodirte mit Milde und Gewalt, zulegt poÄte ich laut, Niemand horte, ich riek, ich schrie! da pftfs der Zug ab und ich saß gefangen. Es war mir schmeck lich. daß ich nun von Euch ver geolich erwartet wurde; w2s mochtet Ihr denüen. was mir passirt sei! Ich weinte natürlich entsetzlich, ober t sollte noch schlimmer kommen. Es wir schon jemand hier vorbeigehen, der dir aufmacht, dachte ich. Aber es kam Keiner, denn das Häuschen lag. wie ich soärer rnato. von der eiacntlickien Haltestelle ziemlich weit entfernt. Ich rief al'0 wieder laut und immer lauter, aber Niemand hörte. So verginzen Stunden. Da psiff ein Zug, aber es mußte ein Gmerzug oder Courierzug fein, der dort nicht hielt; ich schrie um Hilfe, aber das zagengerolle übertönte meine Stimme. ES wurde Nacht und ich saß an diesem sckzrecklichen Orte eingeichlos sen. Einmal mußte doch Jemand er scheinen, tröstete ich mich. Da ertknt das Horn des EisenbahnNach!wZch:crS der 11 Uhr verkündete, ganz nahe bei mir. Ich bot noch einmal meine ganze Lungealraft auf und schrie: Hilfe! Hilsc!" and die Hilfe kam. Wat i5 denn hier?- fragte eine rauhe Männer stimme. Ach, ich bin hier einzeschlos sen." rief ich. ich kann die Thür nicht aufmachen, ich siye schon fünf Stunden an diesem Orte. Von außen öffnete der Wächter der Nacht Tausend, tausend Dank! Gottlob" Aber, mein gutes gräulein," sagte der Nacht Wächter, mir in's Wort fallend, dat is doch sehr einiach zu öffnen, sehen Se mal, dat missen Se so machen, kommen Se mal." Dabei schob er mich mit sich in das Kabinetchen hinein, um mir den Mechanismus zu zeigen. Sehen Se, so "Aber es ging nicht, er ryt' telte mit aller Gewalt, es balf nichls, also schnapp! Jetzl saßen wir Veide gefangen! Was haben Sie gethan? Sie unglückseliger Mensch?" schrie ich ihn weinend an. Ja stotterte er, et hat doch sonst immer gegangen, ade et muß war d'ran kaput swsZ" Alle unsere Versuche, zu öffnen uni schließlich mit Gewalt die Thür zu drecken, waren vergebend; Nusen, sagte er, .delfe hier nichts, da dies un. möglich gehört werden könne." Wir mußten uns in unsere Lage sinden. Wie schrecklich eS für mich war, Wi: die fem dämlichen Netter an diesem Ort zusammen sein zu müssen, und daS die ganze Nacht es ist nicht zu deschrsi, den! Nun wurde ich such müde; mau konnte nicht immer sieben und doch ws, es dort so eng, datz für Zwei ja kaum Blay war ; wir saßen also abwechselnd. Der' Mensch fragte mich zuleyt, b er sich an) eine Pfeife anstecken dürfte, was ick ihm znr Verbesserung der Lust gern erlaubte, aber der Knaster war auch nichl liedlich. Er tröstete mich, indem er sagte: Morgen früh um halb sechs Uhr muß der Bahnwärter hier die Strecke begehen, der kommt hier voröei, der mutz uns höre und auf machen. Was ich in der Nacht mit diesem Menschen Alles gesprochen und erörtert habe, sann ich Euch gar nicht erzählen. Eine Jammernacht habe ich durchge macht, wie ich sie meinem ärgsten Feinde nicht wünsche. Lanzsam ver ging Stunde uvr Stunde, endlich halb 0 Uhr hörten wir Schritte. Ein traf, tiger Z!uf des Nachtwächters, der den Namen des Bahnwärters nannte, würd teiUiii erwidert. Letzterer kam heran und ösfnete und wir , entsprangen un ' serem gemeinschaftlichen Käfig. . Ehe ijt. . r.. ...i . 13) vavuiuauzii luauic. jagic r.iu Nachtwächter:,, Ja, mein liebes Jräu lein, det is nun ganz hüb5, bet wir die Nacht da zusammen zeseyen haben, aber wo bleibt mein Tienst? Meine Kontroluhr zeigt an, det,I ick nich uf meinen Posten war. Nu müssen Se mir aber noch bezeugen, det ick mit Ih nen da zusammen geseffen habe uud det w:r nick, heraus gekonnt haben; : sonst werde ick noch bestrast , und ick verliere am Ende noch meiner schonen Dienst.,Ja, bezeuge auf Verlange Alles," rief ichl cab meine Adreffe an u?.d 'U. r, nit l em ächsten Zug ßu Euch? " Acht Tage - ,pä:er. so laßt sich di m . i , ..... fv"i ri'i ' . : i ' " : x ' . ii.:'1!"11, t . '' -."ll't i iii. berliner m.txia: romer critinien. irai ein Schreiben bti ;: k önigli Eisenbahn Betriebsamts ein, in welchem angefragt wurde, Wtl waür sei, daß die s Nichte : des Herrn Obersten mit dem Nacht Wachters ein solches gemeinjchastliches Mißgeschick erlebt habe, und sie stellte der Äahrkeit gemäß die Bescheinigung aus daß sie mit dem Nachtwächter Z z unfreiwillig zusammen die Nacht Huge bracht habe, wodurch der NachtWächter : , verhindert worden sei, snnen Le:?Lzu lichen Dienst zu verrichten.