Indiana Tribüne, Volume 30, Number 152, Indianapolis, Marion County, 19 February 1907 — Page 7

Jndiana Tribune, RO. Februar 1007

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Banditen im Frack.

Krimmalroman, nach Emil Gaboriau. (Fortsetzung.) Fräulein Lydia Simone an bet V?antille zupfte, brach diese Plötzlich ab und verabschiedete sich rasch mit den Worten: Also auf Wiedersehen, und recht bald!" Raimund stand noch immer auf der selben Stelle, nachdem Fräulein St mone längst seinen Blicken cntschwun den war. Sollte sie mich lieben?" murmelte er vor sich hin. Mit einer solchen Hoffnung im Her zen auf seinem Entschluß, dieses Mädchen zu fliehen, zu beharren, hätte es einer übermenschlichen Energie be durft. ,Gegen sein Schicksal kann Niemand ankämpfen,' dachte Rai mund, und er beschloß, zu bleiben. Nach Tische richtete er plötzlich an Herrn Boursonne die Frage, ob er Abends nach Schlos; Maillefcrt mit. kommen wolle. Ter alte Ingenieur fuhr überrascht in die Höhe, erklärte sich aber sofort bereit, den jungen Freund zu beglei ten. Als der Tiener die Herren anmel dcte, erhob sich die Herzogin und eilte ihnen jubelnd entgegen. Endlich kommen Sie!" rief sie: wissen Sie. das; wir schon sehr um Sie besorgt iiuv ren?" Sie fehlten uns. auf Ehre!" fügte Philipp hinzu; wir haben Sie sehr venniszt!" Wäre Raimund wieder weniger er regt gewesen, so würde er die Freund lickkeit, mit welcher ihn die Mutter :?nd Sohn begrünten, auffallend ge funden haben: er hätte sich gesagt, da; ihre Freundschaftbezeugungen zu leb baii geäußert waren, um aufrichtig zu sein, und er wäre auf seiner Hut ge lvcsen. Jetzt sah er aber nichts als Fräulein Simone. Sie war wie immer unge r.:cin einfach gekleidet, so daß sie ne I rn ihrer Mutter und den Freundin neu derselben fast ärmlich aussak. aber modern übertraf sie Alle an Schön In'it: ihr blondes Haar strahlte im kellsten Glänze, ihre Augen blitzten, ihre Wangen waren sanft geröthct. Mon konnte glauben .einen von Me: sterhand gemalten Frauenkopf vor sich zu babeil, der lange unbeachtet im Tunkel verborgen gewesen und nun plötzlich, an's Licht gezogen. Alle durch seine Schönheit blenedt. Auch Herr Boursonne fiel heute d!? Schönheit der jungen Tamc auf, dagegen erschien ihm die Herzogin von Mussy heuet weniger 7:zichend. Si' sau an einem Lehnstuhl zurückgelehn: und schien ganz in das Lesen eine,' Medeivurrals versunken, aber ilnc Blicke glitten oft über das Papier hin weg und hafteten auf Raimund mit einem Ausdruck, von dem er überrascht gewesen wäre, wenn er ihn bemerkt hätte. Meiner Meinung nach, "so begann der junge Herzog, wäre es das Bc ste. wenn wir ein Spielchen machten." Ter Vorschlag war kein glücklicher. Unter den Gästen der Herzogin besän den sich heute fünf oder sechs vornclz me Xanten aus der Umgegend, welche sie für ihre politische Partei gewinnen wellte. im diese Damen waren schon bei der Mtfecn Nennung des Worten .Spiel' bleich geworden. Sie warf daber ihren: chn einen vielsagenden Blick zu und sagte rasch: Nein, heute Abend lassen wir die Karten ruhen: ich schlage vor. daf$ wir einen kleinen Ball arrangiren." . Dieser Vorschlag fand allseitig Bei fall. Der junge Pianist.dessen Spie! der junge Herzog bei Raimund's letz tem Besuch so schnell unterbrochen, be fand sich unter den Gästen, und ob cr wollte oder nicht, es blieb ihm nicht? übrig, als gute Miene zum böscnTpkl zu machen und am Piano Platz zu nehmen, um Tanzstücke zuspielen. Ramund bat Fräulein imone um den ersten Tanz: sie schwankte sichtlich, o bsie der Aufforderung Folge leisten solle, und öffnete schon den Mund, um eine Entschuldigung vorzubringen, da bemerkte sie. daß sie beobachtet wurde, und erklärte sich dazu bereit. Diesmal hatte sich Raimund borge nommcn .nicht so stumm bleiben wie auf dem ersten Ball, und cr führte sei nen Vorsatz durch. Sein Bestreben, während der Pausen der Quadrille eine lebhafte Unterhaltung zu führen, nahm aber seine Aufmerksamkeit so sebr in Anspruch, daß er selbst kaum wußte, was er sprach. Doch das schadete nicht. Fräulein von Maille fert hörte es ja nicht; ihre Aufmerk famkent fesselte die Herzogin von Mus. in. weleck mit Vbilwv tanzte. Als die Quadrille zu Ende war und' Raimund Slmone zu ihrem Platz zu , rückführte, flüsterte sie ihm rasch zu: Sie müssen auch mit der Herzogin von Mussy tanzen!" Ueberrascht sah er sie an, sich fragend, ob ihre Worte ernst seien. E ist nothwendig!" fügte sie hinzu. ihre Blicke aber schienen zu sagen: .Seien Sie auf der Hut!' Man konnte von Raimund nicht? rlangen. das ihm unangenehmer ge wcsen lväre -.hatte er sich doch borge iiommen .dieser Frau aus dem Wege zu gehen. Trotzdem gehorchte cr. Cr näherte sich der Herzogin, und als ob

sie ihn erwartet hätte, erhob sie schon, j

bevor er noch mit erregter Stimme j seien Bitte ausgesprochen hatte, und i nahm seinen Arm. i Ter Ptarnst begann soeben einen Walzer zu spielen. Raimund blieb also nicht viel Zeit zum Uebcrelgen. Seine Abneigung bezwingend, umschlang er die Taille i r- f. . r 1- li.-.. oer 'ungen Herzogin : nc i-ie sein behandschuhte Hand ans seine Schillter, und sie schwebten dahin. ,Bln ich es denn wirklich,' fragte sich Raimund, .der die Frau eines der Mörder meines Vaters in scienn Armen hält?" Sie hatten anfangs rasch getanzt. bald aber bat die Herzogin ihren Tän zer, einzuhalten; sie sei erschöpft, fagic sie, trotzdem ihr Athem so ruhig war wie der eines Kindes. Raimund al lerdings war außer Athem; Schweiß tropfen perlten auf seiner Stirn. Wissen Sie, Herr Tclorge," bc gann die Herzogin, daß der Ruf Ihre sAlmosens bis nach Maillefert ge drungcn ist?" Sie lachte; doch es war ein böses Lachen, und ohne Rai mund's Antwort abzuwarten, fragte sie: Sie sind wohl sehr reich?" O keineswegs!" lautete seine Ant wort. AK! Dann ist Ihre Freigebigkeit um so verdienstvoller !" Was sie nicht sagte, das konnte man in ihren dunk len Augen lesen; sie schienen zil fra gen: .Wie kommt es denn, daß Sie den Arme ngenau die Summe ge schenkt haben, welche ich Ihnen fand te?" Raimund sah ein, daß cr antworten, daß er einen annehmbaren Grund vor schützen müsse, wenii er sich nicht eine unversöhnliche Feindin schaffen wolle, und in seiner Bedrängni ßkam ihm ein guter Gedanke. Ich spielte," sagte er, an jenem Abend zum ersten Mal in meinem Leben. Als ich Ihren Brief erhielt, erschrak ich bei dem Ge danken, daß ich die gewonnene Sinn me auch hätte verlieren können. Was hätte ich in einem solchen Falle thun können? Ich bin ein armer Inge nieur. und vicrzehnhundert Francs sind der dritte Theil meines Jahres oint'ommens. Ich fürchtete, daß die fes fo leicht und so schneell gwoimene Geld in mir die Leidenschaft desSpielS rwecken könnte. Ich schenkte das Gel dden Armen, um ein Recht Zil ha ben. nie wieder eine Karte zu beruh ren, ohne befürchten zu inüssen, das; man sagte, ich scheue mich, meinen Gewinn auf's Spiel zu setzen." Tie Züge der Herzogin nahmen bei dieser Erklärung allmählich wieder ih ren gewöhnlichen Ausdruck an. Ist dies auch wahr?" fragte sie. Was sollte mich veranlassen, nicht dieLahrheit zu sagen?" cie lachte, enoidcrte aber nichts und nahm seinen Arm, um. sich von ihm zu einem Sitz zurückgcleiten zi, lassen, da soeben die letzte Takte des Walzers ertönten. Raimnnd dachte schon darcm. wie cr es anstellen solle, um sich in imansfül liger Weise wieder Fräulein Simone zil nähern, aber die Herzogin hatte ein Gespräch mit ihm angeknüpft, das ihm nicht gestattete, sich zurückzuziehen, ohne einen großen Verstoß gegen den Anstand zu begehen. Anknüpfend an seine Erklärung, daß er nur ein armer Ingenieur sei. erkundigte sick. dieHcrzogin mit freund schastlicher Vertraulichkeit nach allen seinen Angelegenheiten, wann er das Polytechnikum verlassen habe, welche Posten cr seitdem innegehabt, und ob cr glaube, daß seine jetzige Stellung seinen Vcrdienchcn entspreche. Raimund beantwortete ihre Fragen so gilt oder vielmehr so schlecht wii möglich; seine Gedanken weilten bei Simone. Er kehrte ihr zwar den Rücken zu, aber er sah ihre Gestalt deutlich in dem großen Spiegel, wel cher hinter dem Sitz der Herzogin hing. Ihre Züge drückten vielleicht ein wenig Unruhe aus, aber gewiß keine Unzufriedenheit. Die Herzogin von Muffn fuhr indessen im Ausfragen fort. Sie erlaube sich, sagte sie, solche Fragen an Herrn Delorge zu stellen, weil sein nächster Vorgesetzter, der Baron von Vourson ne. ihr gegenüber erwähnt habe, wie ungerecht er behandelt worden sei, und daß er noch eine untergeordnete Stcl lung einnehme, während er sich längst in einer höheren befinden müßte, wenn man sein Talent nach Verdienst berück sichtigt hätte. Fräulein Simone war nicht die Ein zige, welche Raimund scharf beobach tete; auch Herr Boursonne ließ ihn nicht aus den Augen. Da er sah, daß sein junger Freund sich so lange mit dieser Frau unterhielt, nachdem er erst vor Kurzem aus seine Abneigung ge gen dieselbe kein Hehl gemacht hatte, sagte er sich, es sei vielleicht gut, wenn er Raimund zu Hülfe komme. Kaum näherte er sich den Beiden, so rief ihn die Herzogin schon herbei. Sie haben mir doch versichert," sagte sie, daß Herr Delorge zu bescheiden ist und seine Verdienste nicht geltend macht." Und ich bin bereit, dies vor ihm zu wiederholen," erwiderte HcrrVour sonne. Da hören Sie es!" rief die Herzo gin, zu Raimund gewendet. Nun, Herr Baron," fuhr sie fort, muni

liegt es ob, dieses Unrecht gut zu ma chen." Der Alte schütelte den Kopf und lachte. Meine Empfehlung hat kei nen Werth." sagte er. Aber die meine!" unterbrach ihn

die' Herzogin; meine Empfehlung wiegt schwerer." Und mit der Lebhaftigkeit einer Italienerin begann sie den Einfluß ih res Gatten zu schildern. Der Herzog von Mussy sei ein sehr einflußreiche? Mann, versicherte sie; cr brauche nur zu wollen, und Raimund erhalte sofort eine seinen Fähigkeiten entsprechende Stellung. Hundertemal habe sie ge

sehen, daß er seinen Einfluß zu Gun sten ganz unfähiger Leute geltend ge macht habe; diesmal wenigstens werde er das Talent unterstützen können. Sie verbürgte sich dafür, daß er es gern thun werde, und erklärte sich bc reit, mit ihm darüber zu sprechen. Tie Zeit verging rasch. Nachdem der Pianist noch zwei Quadrilleii uiid dann noch zwei Walzer gespielt, schloß er das Instrument; cr zog sich ziem lich kleinlaut in eine Ecke zurück, irnd die Gäste begannen sich allmählich zu verabschieden. Die Herzogin mußte endlich auch die Ungeduld des Herrn Boursonne bc merken, und sie sagte daher. Naimunv die Hand reichend: Wir sprechen nächstens ausführlichen darüber, nicht wahr? Es wird nicht meine Schuld sein, 'wenn die Zukunft Sie nicht für die Vergangenheit entschädigt." Ohne zu wissen, was er that, drückt? der junge Mann leicht die ihm gereichte Hand. Er hatte in dem Spiegel gese hen, daß Fräulein Simone sich ihrer Mutter näherte, eine Weile mit ihr sprach und dann das Zimmer verließ, indeni sie der Herzogin von Muss cincn lctzten und recht seltsamen Blick zuwarf. Ich werde das geliebte Mädchen heute Abend nicht wiedersehen", dachte Raimund. Weshalb verläßt sie den Salon? Bin ich ihr vielleicht doch gleichgültig?" Tie Herzogin von Maillefert und ihr Sohn überboten sich in Freundlich keit gegenüber Raimund. Roch nie hatte man sie gegen irgend Ieinand so zuvorkommend gesehen. Tie sonst so stolze Frau und ihr sonst so anma ßender Sohn umwarben förmlich Rai mund und Herrn Bonrfonne und eni. ließen sie nicht eher, als bis sie ver sprochen hatten, am nächsten Tage wie drzukonimen. Personen wie die eHrzogin irnd ihr Sohn", sagte Herr Boursonne auf dem Heimweg, bemühen sich nicht ohne triftige Gründe in solcher Weise. Ich bin fe stüberzeugt, daß man etwa; mit Ihnen vorhat. Aber was? Ah nen Sie es vielleicht?" Nicht im Mindesten!" erwiderte Raimund. Der Alte war durch Raimund' 3 rückhaltung verletzt. ..Es ist bei mir Prinzip," platzte er heraus, mich ni mals in fremde Angelegenbeitcn zu mischen; ich will also auch Ihr Vertrauen nicht erzwingen, doch wih bi' ick glauben, gegen die Freundschaft, irrt che ich Ihnen entgegenbringe, zu ver stoßen, wenn ich Ihnen nicht sagte. Seien Cie vorsichtig! Seien Sie ans der Hut!" Fünfzehntes Kapitel. Diese Mahnung zur Vorsicht war überflüssig. So unerfahren Raimund in Intriguen noch war, so war cr doch überzeugt, daß ihm irgend eine Ge fahr drghe. Doch welche? Auf diese Frage faiid er keine Antwort, wenig stens keine, die ihn befriedigte. Hatte er die Herzogin von Mir iy zu befürä? ten? Wenn die Eitelkeit ihm zuflüsterte, daß die Herzogin ihm ein Interess: entgegenbringe, als ob sie seine Schw? ster wäre, so sagte doch der Verstau?', daß dieses Interesse vielleicht nichts weiter sei als eine Komödie. Und den Zweck derselben glaubte Raimnnd 311 erkennen. Er gedachte des leisten Briefes Hans Eornevin's. Was theilte ihm dieser Brief mit? Daß Lorenz Cornevin nicht todt sei. wie man geglaubt hatte, und daß also ve Beweise des cVrbrechens der Herren Mussy und Eombel noch nicht vernichtet seien. Wiißtcn vielleicht die Mörder, was Hans erst jetzt entdeckt hatte? Fürch teten sie vielleicht demnächst entlarvt zu werden? Indem er von dieser Voraussetzung ausging, kam Raimund zu der Frage, ob die Herzogin von Mussy, diese scho ne und verführerische Frau, nicht aus gesandt worden sei, um ihn irre zn leiten, glänzende Hoffnungen in ihm zi, erwecken und ihn, den Sohn deo Er mordeten, zu veranlassen, selbst dazu beizutragen, daß die Mörder unbe straft bleiben. In diesem Falle, sagte sich Raimund, wären die Herzogin von Maillefert und Philipp mit im ilornplott, uiid dies würde ihre Freundlich keit erklären. Fräulein Simone aber gehörte dem Bunde offenbar nicht an, denn obwohl sie Raimund aufgefordert hatte, mit der Herzogin zu tanzen, so hatte sie ihn doch durch einen Blick gemahnt. auf feiner Hut zu sein. Ich muß mit ihr sprechen", sagte er sich, ich muß den Muth haben, sie um Aufklärung zu bitten." Leider befand sich, als er am näch sten Abend in den kleinen Salon trat, in welchem die Herzogin ihre zewöhn lichen Gäste zu empfangen pflegte. Fräulein Simone nicht in demselben. Tie Herzogin schien sehr ärgerlich darüber zu sein, daß ihre Tochter ab wejend war. Mit Simone ist es nicht mehr auszuhalten," erklärte sie: eine seltsame Manie ließ sie den gan zen Tag in den Feldern herumlaii kcn!"

Raimund saß in diesem Augenblick neben der Herzogin von Mussy. Das Fräulein von Maillefcrt," so sprach diese zu ihm, hat unbestrcit bar Gewohnheiten, welche für ein Mädchen aus solcher Familie, die Er bin eines so großen Vermögens, nicht Passen; Sie müssen nämlich wissen, daß die kleine Blonde dem Mann, der ihre Liebe gewinnt, acht Millionen als Mitgift mitbringt." Diese Anspielung war zu deutlich; sie war verletzend und offenbar vorbe dacht; als fürchtete sie, mißverstanden zu werden, beeilte sich die Herzogin hinzuzufügen: Ein reiches Mädchen milß eben auf die Hoffnung, jemals geliebt zu werden, verzichten." Vor achtundvierzig Stunden hätte vielleicht eine solche Aeußerung Rai mund in Harnisch gebracht; jetzt ver stand cr sich zu beherrschen. Die Tischglocke ertönte, irnd cr war dadurch einer Antwort enthoben. Es war ein recht einförmiges Mahl. Von den vielen Gästen der Herzogin

waren nur noch fünf oder sechs au webend, die anderen waren nach Pari? zurückgekehrt.. Tie Herzogin selbst blieb nur noch, wie sie sagte, im Interesse ihrer politischen Mission und um einige geschäftliche Angelegenheiten zu erledigen. Fräulein Simone war nicht bei Tisch erschienen. Als der junge Ingenieur sich am folgenden Tage mit Herrn Bourfonne Abends im Schlosse einfand, traf er Fräulein Simone allein im Salon. Erwartete sie ihn vielleicht? Der alte Ingenieur mochte dies ver miithcn, denn nach dem Austausch einiger landläufiger Höflichkeitsfor mein zog er sich in eine Fensternische zurück iind stellte sich, als blickte er in das Thal hinaus, trotzdem bereits bis Schatten des Abends über die Gegend lagen. Raimund sagte sich, daß die ersehnte Gelegenheit, mit Fräulein Samone zu sprechen, nun da sei; er war cntschlos sen, sie zil bemitzen. Er hatte aber kaum den Mnnd geöffnet, als Fräu lein Simone ihm schon in's Wort fiel. Sie war auffallend blaß, und an dem Zucken ihrer Lippen konnte man erkcn nen. wie erregt sie war. Sie waren doch Derjenige, der an jenem Abend, an welchem meine Mut ter einen Ball veranstaltete, in dem Zimmer Miß Lydia'ö gewesen?" frag te sie plötzlich. Ein Diener hatte uns die Thür ge öffnet." erwiderte Raimund rasch. Ich weiß es; in demselben Augen blick befand ich mich mit meiner Mut ter in dem angreiizenden Zimmer; wir hatten eine Unterredung, eine ärgerlk che Auseinandersetzung, und da wir glaubten, allein zu sein, sprachen wir laut." Raimund war leichenblaß gewor den. Seine Indiskretion war eine un absichtliche gewesen. Ohne Herr.: Boursonne hätte cr sich schon nach den ersten Worten, die er vernommen, die Obren zugehalten und wäre aus dem Zimmer geflohen. Daß er das ge' than. konnte er aber nun nicht sagen, und c widerstrebte ihm doch, zu lügen. Sie sprachen laut, das ist wahr, mein Fräulein." stammelte cr. So. daß Sie Alles verstanden ha ben. was wir sprachen?" Er senkte das Haupt. Sie haben es gehört?" drängte da junge Mädchen. .Ja!" Noch nie hatte Nainuind etwas so große Ueberwindung gekostet, wie die ses Geständnis;. Wie würde es aufge nommen werden? Würde sich Fräu lein Simone nicht voll Verachtung von ihm abwenden? Dies geschah nicht; ihre Züge ver, riethen nicht eine Spiir von Zorn, aber in einein entschiedenen Ton, der bei einem so schüchternen jungen Mäö chen überraschen mußte, fragte 'sie: Und was haben Sie aus dem Gehörten geschlossen?" - rv ü ? r. r. ,,-LCin l re.vinaevuna oewunocrns werth ist!" rief er. Sie stampfte mit dem Fuße auf den Boden. Tas )t seine Antwort!" cr lllirte sie. Raimund stand einen Augenblick hnm ihr gegenüber; Plötzlich durch zuckte ihn ein rettender Gedanke. Ah, jetzt verstehe ich, was Sie meinen!" rief er; Sie wünschen mein Urtheil über v,h?e Handlungswelse zu ho ren?" Ja!" Sie neigte sich 311 ihm vor, als ob von den über seine Lippen kom menden Worten ihre Zukunft abhinge. Er begann zu ahnen, daß seine Ant wort über seine Zukunft entscheiden werde, und langsam, jedes Wort wob! erwägend, sprach cr: Ich finde Ihr Auftreten nicht nur erklärlich, sondern ich bewundere es auch, es ist meiner Ansicht nach das einer Maillefert ein z:g und allein würdige." Ah!" Ich würd? Ihnen zu keinen: ande ren rathen, wenn ich die Ehre hätte, Ihr Rathgebcr zu sein und Ihr Ver trauen zu besitzen. Sie betrachten sich nur als die Verwalterin Ihres großen Vermögens, und Sie haben Recht. Tiefes Vermögen gehört vor Allein dem Hallse Maillefert, es soll den Glanz und das Ansehen desselben er balten." Die Züge des Fräuleins Simone verriethen lebhafte Freude, während sie Raimund mit dankerfüllten Blicken ansah. Dies gilt Ihrer Meinung nach von dem ganzen Vermögen?" fragte sie. . Ja, von dem ganzen, bis auf den ledten Heller l" .

Ist dies auch wirklich Ihre Ueber

zeugilng? Es wäre schlecht von Ihnen, wenn Sie mich täuschten; es wäre des Mannes unwürdig, der ein ihm unbc kanntes Mädchen nicht beleidigen las sen wollte uiid für dasselbe sein Leben gewagt hat." Mein räulein!" Sie erhob sich. Ich glaube Ib nen, "sagte sie in zuversichtlichem Ton. Und Raimund die Hand reichend, fug te sie hinzu: Und vertrauen Sir auch mir, wenn auch " Sie vollendete den Satz nicht; ein Blutstrom schoß in ihre Wangen. Die Herzogin von Mussy war emg? treten. Hatte sie gelauscht und Alles gehört? Trat sie in dem Augenblick ein, in welchem, wie eine innere Stimme ihr sagte, von ihr die Rede sein soll te? Sie war sichtlich erregt, bleich, und ihre Hände bebten. Wo ist Ihre Mama, liebe Simone?" fragte sie. Das junge Mädchen zögerte mit der Antwort; sie fürchtete, daß das Zittern ihrer Stimme ihre Aufregung ver rathen könnte. Herr Boursonne kam ihr zu Hilfe. Er verneigte sich lächelnd vor der Her zogin und sagte: Die Frau Herzogin und ihr Sohn haben soeben, wie ich er fahren habe, eine wichtige Unterre dung mit einem Präfekten aus der Umgegend." Das war die volle Wahrheit, aber Raimund hatte es vergessen. Die junge Frau ließ sich laut la chend auf einen Stuhl fallen. Mein Gott!" rief sie; es ist doch wahrlich herzerquickend, zu hören, wie die liebe Herzogin und der gute Herr Philipp sich init Politik beschäftigen!" Sie be gann von den Vorgängen in Paris zu erzählen, welche sie genau kenne, da i: soeben von ihrem Gatten einen Brief erhalten. Ter Herzog von Mussy verheimlich te ihr nicht, wie unzufrieden, ja wie besorgt er angesichts der neuesten Wen dung der Dinge sei. Die kaiserliche Regierung lasse sich in Unternehniun gen ein, deren Ende iiicht abzusehen sei. Der Kaiser höre nicht mehr auf die Rathschläge seiner alten Freunde, und werde völlig von Personen ohne alle Bedeutung beherrscht, Ter Ein sliiß der Kaiserin bringe Menschen an's Ruder, die von einer erstaunlichen Ungeschicklichkeit seien, und deren Fehler schon tast wie Verrath aussähen. Ich habe mich doch geirrt", sagte sich Raimund. Tiefe Frau ist mir nicht von meinen Feinden nachgesandt worden. Wenn sie wüßte, wer ich bin und welches Ziel uns beherrschen muß, würde sie vor mir nicht fo sprechen." Tie Herzogin sprach immer lebhafter, ihre Brust wogte, dfc Worte ka nie in scharfem, schneidenden Ton über ihre Lippen. Suchte sie vielleicht ihre innere Erregung zu verbergen, indem sie sich in den Zorn bineinre dete? Als nach einer Weile die Herzogin und ihr Sohn eintraten, empfing sie dieselben mit ironischen Bemerkungen über ihre Wahlagitation, welche für die Beiden verletzend sein mußten. Räch der Art und Weise, wie Mutter und Sohn diese Bemerkungen hinnah men, konnten Raimund und Herr Boursonne ermessen, wie groß der Einfluß der Herzogiu von Mussy sein mußte. Tie Herzogin sagte blos: Liebe Elelia, Sie haben gewiß heute wieder einen Ihrer nervösen Anfälle." Oh, keineswegs!" erwiderte diese rasch; ich habe mich lange nicht so wo-.l iühlt und war lange nicht so guter Laune wie heute." R""muiid schwamm in einem Meer.' von Lust, als er an diesem Abend das Schloß verließ. Dieser Abend ist der glücklichste meines Lebens." rief er aus. Alle Wetter!" platzte Herr Vour sonne heraus. Ich liebe," fuhr Raimund fort, und jetzt weiß ich, daß ich wieder ge liebt werde." Wirklich?" Haben Sie denn nicht gehört, was Fräulein Simone sagte?" Gewiß! Wenn ich mein Französisch nicht völlig verlernt habe, so hat Fräu lein Simone Sie klar und deutlich gc fragt, ob Sie bereit wären, sie ohne Mitaift ZU heirathen." (gortsetzung folgt.) Nariztlseil. der Sultur. Schwarzer. Ehegatte: Früher durfte man solche keifende Ehehälfte einfach verspeisen; seitdem die Kultur bis zu uns vorgedrungen, darf man trotz der bissigsten Gardinenpredigt nicht einmal anbeißen Zeroleicli. Bauer: Seppel. tummel Dich a bissel...Rit so langsam, alö ob's brennen that!"

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Karl alle Frauen schickst Du in ein Bad, nur ich. wo ich doch, wie Du weißt, auch nicht ganz gesund bin, darf nicht!- Aber ich bitte Dich. Elise . . . Dich werde ich doch nicht nach der Schablone behandeln!" Verwünschung. Häßlich soll se fein, seine Braut, und mitbekom men soll sie nichts als c' Klavier!"