Indiana Tribüne, Volume 30, Number 152, Indianapolis, Marion County, 19 February 1907 — Page 5

Jndiana Tribüne, 19 Februar 1007

5

uns aber auch das Bersten der KlNe und die Wahrnehmung ihres Inhalts im ersten Moment erstarren gemacht, jo löste nun das Andringen dcS Gesindels diesen Bann. Anqelichts der UeberIcßenlicil der Gegner an Zalzl und Wasfen flohen mir instinktiv nach achter, wo in der unter dem Verdeck gelegenen Kapitanskajüte unsere Äassen aufbewahrt waren, und da die Piraten unsere Absicht nicht kannten, auch in der OrtSgelegenheit nicht Bescheid wußten, ge lang es auch thatsächlich dem größten Theile von uns, sich dort einzuschließen. Eine rasch vsrgenommene Musterung ergab, daß nur zwei von unS fehlten. Einige, darunter Kapitän Jossich, hatten leichte Wunden erhalten. Schleunigst verrammelten wir mm die Thür, welche sich nach innen öffnete, mit allen hierzu verwendbaren Gegenstand den Waffen und Munition, die beide in genügender Menge vorhanden waren, wurden vertheilt, und Posten an die Thür und Fenster gestellt. Tann hiclten wir Kriegsrath. Wir zählten vierzehn Mann, denen eine vielleicht dreifache Anzahl gegen überstand. Einstweilen waren wir so ziemlich gesichert. Die Kapitänskajüte, welche die ganze Breite dcS Schiffes einnahm, hatte nur einen Zugang, den wir durch die Berrammlung verschlossen hielten; durch die zwei Fenster derselben vermochte wohl ein einzelner Mensch einzudringen, ein Massenangriff war jedoch ausgeschlossen. Mit dem Proviant sah eö allerdings sehr schlecht aus, denn außer einigen Fla schen Wein und mchren Zroiebacken war nichts vorhanden. DaS aber hatte nur geringe Bedeutung; unser Schicksal mußte sich in kurzer Zeit entscheiden, da die Flibustier wohl alles in Bewegung setzen würden, uns zu vcrderben. Uns blieb nichts übrig, als uns einstweilen in der Kajüte zu behaupten, da wir zum Angriff viel zu schwach waren. Mittlerweile hatte wieder eine kleine Brise eingesetzt. An dem Gc trampel über uns und der Bewegung des Schiffes merkten wir, daß die Piraten ein Segelmanöver vornahmen, und in der That wies der an der Decke der Kajüte angebrachte Kompaß bald, daß sie die Marietta" auf einen nordwest lichen Kurs gebracht hatten. Diese Arbeit mochte auch wohl die Ursache sein, daß sie uns bis jetzt unbehelligt gelassen hatten. Kaum aber war die Wendung vollzogen, so hörten wir nahende Sckritte. Eine Erschütterung der Thür verkündete uns, daß sie ver suchten, einzudringen. Als sie das Unausführbare ihrer Bestrebung erkannten, erhob sich eine lebhaste, lärmende Unterhaltung in einer uns fremden Sprache, nach deren Schluß uns Don LuiS isonjeras zur Uebcrgabe aufforderte, in welchem Falle wir nicht allein ungefährdet bleiben, sondern auch noch ein Boot erhalten würden, mit welchem wir daS nur etwa zweihundertundfünfzig Seemeilen entfernte Mindanao erreichen könnten. Dies war offenbar eine Falle, und vor Zorn bebend erklärte Kapitän Jossich, daß wir auf die Gnade der Piraten Verzicht leisten und unser Leben lieber auf das Aeußerste vertheidigen wollten. Und als der Pirat ein höhnisches Gelächter anschlug, schoß der Schiffer mit seinem Revolver durch die Thür. Augenblicklich antworteten die Piraten mit einer Salve, welche glücklicher Weise Niemanden von unS verletzte, wohl aber der Thür bedenkliche Löcher beibrachte. Indessen schienen jetzt die Räuber, welche wahrscheinlich keine Feuerwaffen bei unS vermuthet hatten, etwas eingeschüchtcrt zu sein. Durch die Lug löcher sahen wir, wie sie einige Kisten vor die Thür schoben und sie dergestalt von außen verrammelten, daß ein überlöschender Ueberfall von unserer Seite

unmöglich gemacht wurde, worauf sie sich unter Zurücklassung zweier Posten, die in den Ecken gedeckte Stellungen einnahmen, entfernten. Unsere Lage war nun dieselbe wie früher; nur das eine wußten wir jetzt, daß unser Leben auf jeden Fall verloren war, wenn die Seeräuber zu uns eindrangen. Da saßen wir nun, theils flnster brütend,,thells kühne, aber un ausführbare Bcfreiungspläne schmiedend, alle aber entschlossen, uns bis zum letzten Hauch zu wehren. Die einzige Hoffnung blieb, daß uns vielleicht die, Nacht eine Möglichkeit zur Befrelung bieten wurde. 3rrei Stunden mochten so verflossen sein, als ein starker Schwärm Piraten im Vorraume erschien und die Kisten vor der Thür wegzuräumen begann, bei welcher Arbeit sie sich stets vorsichtig deckten. Diese Vorbereitungen . . , . t. P t n " r .." oeuleren icoeniaiis aus einen Angriff hin, und, zu kräftiger Abwehr gerüstet, nahm jeder seinen schon früher bestimm ten Posten ein. Doch kein Ansturm erfolgte. Die Seeräuber zogen sich wie der zurück. Was bedeutete das? Kurz darauf erfolgte ein betäubender Krach, die Thür flog aus den Angeln, und Rauch und Funken quollen in die Kajüte. Die Kerle hatten die Thür mit Pulver gesprengt. Wir rochen glücklicher Weise kurz vorher Lunte zm wahren Sinne des Wortes und wichen in eine sichere Ecke zurück, so daß wir unverletzt blieben. Nach der Erplosion aber liefen wir schleunigst zur Thur und kamen gerade recht, um die eindringenden Korsaren durch ein tüchtiges Feuer zuruckzuscheuchen. Meh rere von ihnen stürzten, die anderen wichen. Die Thür war vollständig in Stücke , gegangen, und uur die von uns aufgc richtete Barrikade versperrte noch den Zugang, hatte ieooch durch ixt E;plo

sion Feue? gefangen. Wir entnahmen der Koje -des Kapitäne zwei wollene Decken, die wir an Srilen durch die Fenster in die See warfen und sich mit Wasser vollsaugen ließen, worauf wir sie über die brennenden und glimmenden Holzthcile deckten und dadurch der weiteren Ausbreitung des Feuers Ein halt thaten. - Unsere Lage war allerdings nun noch mißlicher geworden. Der nur nothdürftig verwahrte Zugang bot dem Gegner -kein besonderes Hinderniß mehr dar, und unter dem Schutze der Dunkelheit konnte die Bande mit Leichtigkeit uns durch ein größeres Pulvcrquantum in die Lust sprengen. Verloren waren wir dann in jedem Falle, und so beschlössen wir, bei anbrechender Nacht durch einen Ausfall eine rasche Ent schcidung herbeizuführen. Zur Starkung nnjeter Kräfte schenkte der Kapitän jedem ein GlaS Wein ein, desgleichen wurden die wenigen vorhandenen Zwiebacke vertheilt. Dann sahen wir entschlossen der Nacht und dem Entscheidungökampf entgegen, der wahrscheinlich mit unser aller Tod enden mußte. Doch der Mensch hofft, so lange er lebt. Die Marietta" setzte unterdessen stetig ihren KurS nach Nordwest fort ; die Piraten verhielten sich ruhig, und nur an der Treppe schien eine Wache gedeckt aufgestellt worden zu sein, wenigstens sahen wir dort von Zeit zu Zeit einen Kopf hervorkommen. Eine Stunde mochte so verflossen sein, als plötzlich einer der an den Kajütenfenstern aufgestellten Matrosen ein Schiff in unserem Kielwasser verkündete; deutlich hoben sich die Spitzen dreier Masten vom Himmel ab, der Rumpf war noch nicht sichtbar. Ein lebhaftes Geräusch über unS bewies, daß auch die Seeräuber das Fahrzeug wahrgenommen hatten. Eine fieberhafte Aufregung ergriff uns. Bedeutete das Schiff - unsere Be freiung? Würden die Piraten trachten, sich auch dieses Schiffes durch List oder Gewalt zu bemächtigen? In diesem Falle wollten wir bei dem beginnenden Kampfe den Seeräubern in den Rücken fallen. Vielleicht konnten wir auch das ahnungslose Fahrzeug rechtzeitig vor den Räubern warnen. Eine Verschlechterung unserer Lage war keinesfalls mehr möglich, jede Aenderung derselben konnte nur eine Verbesserung sein. Pochenden Herzens beobachteten wir das Schiff, das sich bald als Dampfer entpuppte. Die Seeräuber schienen jedoch wenig Lust zu einem Kampfe zu spüren, denn sie behielten nicht nur den alten Kurs bei, sondern setzten auch wie wir an dem Knarren der Blöcke holten noch mehr Segel bei. Der Dampfer kam uns trotzdem ficht lich näher, er schien sogar seine Ge schwindigkeit zu vermehren. Die Marietta," die sich jetzt unweit eines Gewirres kleiner Inseln befand, wollte offenbar dem unheimlichen Mitscgler entfliehen. Wir vermochten anfänglich nicht, uns den Grund dieser Flucht zu erklären, aber alsbald erkannten wir,

daß eö ein Kriegsschiff war, daS uns folgte. Ein dienliches Hurrah schaffte unse ren übervollen Herzen Luft. Unruhig rannten die Piraten auf dem Verdeck hin und her, sie waren augenscheinlich im Zweifel, was sie beginnen sollten. Nicht so wir. Schnell entledigte sich einer seines rothen Matrosenhemdes, und dasselbe aus dem Fenster flattern lassend, versuchte cr, dem Dampfer ein Signal damit zu geben, was den Piraten in Folge des einfallenden Heckes der Äcarietta" verborgen blieb. Auch richtete sich ihre Aufmerksamkeit jetzt wohl lediglich auf ihren neuerstandenen Gegner. Der Kreuzer beißt jetzt die Flagge eS war die des Deut schcn Reiche und darnach einige Sig nale, die aicr vonden Piraten natürlich nicht beachtet wurden. Wozu auch? Was der Kreuzer wollle, wußten sie: die Marietla" hatte seine Neugierde erregt, und Neugierde eines Kriegs schiffcs verabscheuen die Piraten überall auf das Aeußerste. Die Marictta- eilte mit vollen Segeln den erwähnten kleinen Inseln zu, zwischen welchen sie wohl hoffen durste, ihrem Verfolger zu entgehen. denn chne genaueste Kenntniß des Fahrwa er kann sich kein grofzercö Fahrzeug dort hineinwagen. Aber an Bord des Dampfers hatte man den Plan durchfchaut. dlnwelfzes Wölkchen kraufeite dort in die Höhe, dem einige Sekunden später ein Krach folgte; der 'chun forderte die Marretta" auf, unverzüglich beizudrehen. Natürlich dachten die Seeräuber nicht daran, dem Befehl Folge zu leisten. Schon fetzt mußte der Dampfer seine Schnelligkeit vermindern, um den hier zahlreichen, unter Wasser befindlichen Klippen rechtzeitig ausweichen zu können, und bald wUrde er die Verfolgung ganz aufgeben müssen. Ject sauste eine Kanonenkugel über das Wa her; es war cic letzte Mah nung zum Beidrehen. Und dann kam der nächste, nunmehr ernstgemeinte Schun, der das Vorbramsegel der Ma rietta- zerfetzte. Die Piraten antwor teten nur m,t höhnischem Gelachter: so sicher waren sie ihres Entkommens. Was wir während dieser Zeit fühl ten, läßt sich nicht in Wortewviedergeben. Iah auf den Gipfel der Freude gelangt, sanken wir nun langsam wieder in den Abgrun) der HoffnungL" losigkeit. Rathlos blickten wir einander an. Sollten wlr jeyt auSbreÄen und mit bewaffneter Hand di? Falrct der Schiffes zu hemmen rerj:-ch.'n? 53 r knö aber die Bemannung bcs.iric,

schiffeS unterstützen konnte, hatten, uns die Piraten wahrscheinlich niederge metzelt, und mit dem Auftauchen des Dampfers war neue Lebenshoffnung in unsere Brust' eingezogen. WaS nun? Da vernahm ich über mir das Knarren der Rollen, durch welche die Steuerreepe der Hebel, der oben am Steuer j befestigt ist und eö regiert (die Pinne), ist durch starke Seile (Reepe) mit dem aus Deck befindlichen Steuerrade verbunden liefen, und wie ein Blitz durchzuckle mich ein Gedanke, der Rettung zu versprechen schien. DaS Steuerruder ' der Marietta" ging, wie fast bei allen Segelschiffen, in einem Verschlage, der sogenannten Koker, durch die Kajüte, und die Pinne lag in dem Raume zwischen der Kajütendecke und den Vcrdecksplanken. Bon ihr , aus gingen lederne Taue, die Stcuerrcepe, bis zum Steuerrade. Glückte es uns, zur Pinne zu gelangen, so konnte durch einfaches Zerschneiden der Steuerrecpc das Schiff unlenkbar gemacht werden. Dann waren die Seeräuber verloren und eine leichte Beute des Kriegschif fes. Unverzüglich schritten wir zur Aus' führung dieses Planes. Von zwei Leuten emporgehoben, bearbeitete ich die Kajütendecke mit einem Entcrbeile, das sich unter den Waffen vorgefunden batte. In kurzer Zeit war eine Planke los: das zweite Brett ließ sich schon etwas leichter losbrechen, und nun offne t e sich ein etwa ein halbes Meter hoher, dunkler Raum vor mir, in wclchem ich alöbald die eiserne Pinne, die scharf nach Backbord angcholt war, fühlte. Borsichtig, damit ich von der etwa zurückschnellenden Pinne nicht getroffen würde, setzte ich das Messer an das Backbordrcep an, pber das zähe, stark eingefettete Lederseil war nicht leicht zu durchschneiden. Wie eine Säge mußte ich die Klinge mit aller Kraft hin und her ziehen, endlich ein Ruck! Und mit riesiger Gewalt schnellte die eiserne Stange zurück; ein heftiger Stoß erschütterte das Fahrzeug, und ich fiel mit den mich stül-enden Matrosen zu Boden. Die Marietta" schoß in den Wind, wobei sie sich aus ihrer geneigten Lage aufrichtete, die Segel schlugen gegen die Stengen und Masten zurück, und langsam begann das Fahrzeug über Steuer zu gehen. In großer Verwirrung liefen die Piraten auf dem Verdeck umher. Das unerwartete Versagen oeö Steuerruderö erschien ihnen jedenfalls räthselhaft. Aber es verblieb ihnen keine Zeit, dem Grunde nachzuforschen, denn langsam, doch stetig näherte sich der Dampfer, welcher inzwischen durch wcitcre Schüsse einige Zerstörung im Takelwcrk der Marietta" angerichtet hatte. Diese Verwirrung wollten auch wir benutzen, um unser Scherflcin zur Vernichtung der Bande beizutragen m sie die ausgestandene Todesangst entgelten zu lassen. Schnell räumten wir die Verrammelung hinweg und stürmten auf Deck. Da aber war alles leer. Die Piraten hatten sich bereits in die Boote geworfen und ruderten aus Leibeskräften den nahen Klippen und Inseln zu, verfolgt von den Kugeln des Kriegsschiffes, die auch eines der Boote zum Sinken brachte. Wir konnten uns gleichfalls nicht enthalten, ihnen einige Gewehrschüsse nachzuscnden, ob wir ihnen jedoch damit Schaden zufügten, war nicht zu erkennen. Lange durften wir übrigens unserer Rache nicht sröhnen, denn es war höchste Zeit, daß wir unsere Aufmerksamkeit dem Schiffe zuwandten, das, steuerloö, schon in gefährlicher Nähe der Klippen trieb. Da das Steuerruder nicht so schnell wiederhergestellt werden konnte, so war es uns nicht mehr möglich, ab-

zukommen. Ein schnell vorgenommenes Lothen ergab genügenden Ankcrgrund. Rasselnd und polternd fuhr der Anker zur Tiefe, das schiff schwang sich herum und lag still, kaum eine Zkabcllänge von den Felsen entfernt. Das erste, was wir nun thaten, war, unsere Flazae, welche die Korsaren niedergeholt hatten, wieder zu heißen. Der Kreuzer es war S. M. Korvette Seemöve" stoppte etwa drei Kabellängen von der Marietta" und setzte zwei Dampfbarkassen zur Verfolgung der Piraten aus, die mittlerweile zwischen den Riffen verschwunden waren. El drittes, kleineres Boot legte an der Manen an. Freudig begrüßten wir unsere Befreier. Kapitän Iossich berichtete dem Kommandanten des Bootes, Lieutenant zur See L., unser Erlebniß und drückte ihm seinen Dank für die rechtzeitige Hilfe aus. ' Lieutenant L. erzählte uns nun seinersctts, wie die Seemöve" das Wrack geslchret und einer eingehenden Untersuchung unterzogen habe, wobei es sich herausstellte, daß dasselbe einHamburger Fahrzeug, Paulinc" mit Namen, sei, welches wahrscheinlich während deS jüngsten Sturmes gescheitert war. Die Piraten hatten sich von den Inseln aus. vermuthlich in Booten, dem Wrack genähert und dasselbe in Besitz genom men. Was mit der Mannschaft der Pauline" geschehen war, konnte nicht ermittelt werden; vielleicht hatten alle bei dem Schiffbruch den Untergang gefunden, vielleicht waren sie von den Piraten getödtet worden. Das Weitere ließ sich leicht errathen. Als die Piraten, mit der Plünderung der Pauline" beschäftigt, die Marietta" in Sicht bekamen, da mochte sie wohl das Verlangen ergriffen haben, ich'auch dieses Fahrzeuges zu bemächtigen. Mit ihren Booten dursten sie jedoch nicht hoffen, die schnellsegelnde Marietta- zu erreichen, weshalb sie zu List griffen, sorgfältig die äußeren Kennzeichen der .Pauline" verwischten und olSchifi

brüchige an Bord der Marietta" zu kommen trachteten, was ihnen nur zu gut gelungen war. Der japanischen Flagge hatten sie sich offenbar bedient, um das Vorhandensein der Malaien und Chinesen, aus denen die Bande zusammengewürfclt war, zu erklären, da eine derartige Bemannung auf einem deutschen Schiffe wohlgegründeten Anlau zu Mixtrauen geaeben bätte. Der Beschreibung nach glaubte Licu tenant L., daß der spanische Kapitän mit dem Haupte der Flibustier in diesen Gegenden, Diego Garcilez, iden tisch sei, welchem die Kriegsschiffe schon seit geraumer Zeit nachstellten. Als man an Bord der Seemöve" die Marietta" in Sicht bekam, hatte man natürlich keine Ahnung davon, daß sich dieselbe in den Händen der Piraten befinde. Man wollte sie nur vor der Unsicherheit der Gegend warnen und Nachrichten über die Bemannung der Pauline" einholen; erst als die Bark alle Segel beisetzte und der Seemöve" zu entkommen trachtete, faßte man Verdacht, der durch unser Signal, das wohl bemerkt worden war, noch verstärkt wurde. Indessen hatte man in Anbetracht des Fahrwassers kaum noch gehofft, das verdächtige Fahrzeug einholen zu können. Erst mein guter Einfall hatte das ermöglicht. Eben wollte sich der Offizier mit unserem Kapitän wieder in sein Boot begeben, um dem Kommandanten Bericht zu erstatten, als einer unserer Matrosen Feuer im Raume meldete. Die Piraten hatten, ehe sie sich davonmachten, Feuer an das Schiff gelegt; da es ihnen jedoch an Zeit gebrach, so war das flüchtig geschehen, und der Brand konnte mit Hilfe der BootSMannschaft der Seemöve" schnell unterdrückt werden. Bald darauf kehrten auch die Dampf barkassen zurück. Ihre leichten Bugkanonen hatten den Piraten noch einigen Schaden zugefügt, aber trotzdem war es diesen gelungen, zu entkommen. Wir besserten die Steuerreepe aus und lichteten den Anker. Die Seemöve" nahm unser Fahrzeug, das sich bei dem herrschenden Winde nur mit großer Umständlichkeit von der allzunahen Seelüfte hätte abarbeiten können, in'S Schlepptau und bugsirte eö in'S freie Fahrwasser, wo cS seine Segel entfaltete, während ihm die Seemöve" .unter halbem Dampf zur Seite fuhr. Bei dem Wrack der Pauline" angelangt, auf dessen Flottmachung verzichtet werden mußte, wur den die noch im Raum befindlichen, vom Scewasser nicht beschädigten Waaren theils von uns, theils auch von der Seemöve" übernommen. Zwei Tage später langten wir in Mindanao an. Hier löschten wir unsere Ladung, und die geborgenen Güter der Piiuline" wurden der Filiale eines g:isen holländischen HandlungshauseS zur 'Aufbewahrung übergeben, bis die rechtmäßigen Eigenthümer derselben anderweitig, darüber verfügen würden. Ueber das ganze Abenteuer wurde vom Kommandanten der Seemöve" ein Protokoll aufgenommen, das auch dazu diente, uns den Bergelohn zu sichern, denir dreiviertel Jahr später, als wir unseren Heimathöhafcn Trieft wieder erreichten, schon angewiesen fanden. Herzlich verabschiedeten wir unS von der Seemöve," die sich sofort wieder auf Kreuzung in die Sulusee begab; wie wir später hörten, gelang eö ihr thatsächlich nach vieler Mühe, deS Garcilez habhaft zu werden. Er wurde als Seeräuber gehenkt. Siguor (Cearc. Erzählung vsn Jtto ZZrZirend.

In Florenz hatte ich den Baumeister Egwolf und seine junge Frau kennen gelernt. Die Stunden unseres Beisammenscinö blieben mir in so ange nehmcr Erinnerung, daß ich gern ihrer freundlichen Einladung, sie in ihrcin Heim aufzusuchen. Folge leistete, als mich etwa ein halbes Jahr später mein Weg nach Dresden führte. Sie bewohnten eine hübsche Villa in BlaseWitz. In liebenswürdiger Weise wurde ich aufgenommen; ich sah, daß mein Besuch wirklich Freude verursachte, wie es nicht überall beim unvcrmuthctcn Erscheinen einer wenn auch noch sc freundlich aufgeforderten Reisebekannt schaft der Fall ist, und konnte die schlanke Frau Ella, die muntere Italic nische Reisegefährtin, nun auch al, emsige deutsche Hausfrau bewundern.Nach einem guten bürgerlichen Mit tagesscn führte mich der Baumeister in sein Arbeitszimmer, wo er gewohnt war, den Kaffee einzunehmen. Bitte, setzen Sie sich," sagte cr. der Kaffee wird gleich kommen. Bis dahin muffen ie meine, Frau ent schuldigen jie läßt eö fich nie nehmen. thu selbst zu bereuen. Ich lieO mich in einem der bequemen Sessel nieder, und der Baumeister nahm mir gegenüber Platz. Er war ein Mann im Anfang der Dreißiger, breitschulterig, kräftig, etwas' über Mittelgroße, mit ausdrucksvollem Gesicht, das . nur ein dunkler Schnurrbart schmückte. ' . ; ; , . Wir suchen über dies und jenes, meine Augen schweiften aber immer wieder zu einem Oelgemälde daö , seitwärts vom Schreibtisch hing und mir jciicn Tags vorher, als ich meinen ersten Besuch machte, aufgefallen, war. Der Vorwurf, des Bildes, den ich mir nichvzu erklären vermochte, haltt Inein iehhnitrZ ntereiif. erreat.

Ueber einer wilden,, trostlosen Felsenlandschast deren verkrüppelte Föhren sich im Sturme bogen, lastete ein drohender, gewitterschwerer Wolken Himmel. In der Mitte, quer duich's Gestein, klaffte ein breiter, finsterer Abgrund mit scharf zerrissenen Zackwänden;, tief unten auf seiner Sohle lag ein gewaltiger Drache, den feuerschnaubenden Nachen weit aufgesperrt ; aus dem Flammengcringel traten dem aufmerksamen Beschauer allmälig klar die furchtbaren Worte entgegen, die Dante über den HLlleneingang gesetzt hat: kasciatc ogni speranza, voi ch'cntratc Ihr Eintretenden, laßt alle Hoffnung draußen !" Oben am Rande dieses Abgrundes hielt, im Zügel gebändigt, von einem herkulischen, halb nur in Felle gekleideten Manne, schnaubend und zähnefletschend ein weißgrauer Esel, unbannherzig gespornt vom spitzen Pfeile eines auf ihm reitenden Amors. Ohne Zweifel war der Esel, sinnlos vor Schmerz, auf den Abgrund losgestürmt und wäre hineingestürzt, hätte ihn nicht der Mann mit eiserner Faust zurückgerissen. Dieser Gedanke war einfach und unabweislich. Was aber bedeutete das Ganze? Ich konnte zu keinem mich befriedigenden Resultate kommen. Ein Künstler hatte das Bild äugenscheinlich gemalt wunderbar satt und voll waren die meist dunklen Farbentöne, aus denen hellleuchtend besonders der Flammenschlund des Drachen und fern, ganz fern am Horizont, im Rücken des Esels, der Umriß eines friedlichen Dorfes hervortraten, auf das ein hinter den Wolken abwärtsgleitender Sonnenstrahl fiel. Der Esel, der Amor, die Mannesfigur waren gut herausgearbeitet, ohne in zu hellen Farben gehalten zu sein. Der Baumeister bemerkte, wohin ich so oft blickte. DaS Bild interessirt Sie anscheinend," sagte er mit einem leichten Lächeln. Allerdings," erwiderte ich, es ist ein Kunstwerk, aber". Ich weiß schon, was Sie damit sagen wollen," siel er mir in'S Wort, Sie können sich die Idee nicht erklären. Daö ist nur zu begreiflich, denn eine ganz bestimmte Begebenheit hat sie wachgerufen, und wem diese unbckannt ist, dem wird das Bild immer ein Räthsel sein." Und dürfte man die Geschichte dcS Bildes nicht erfahren?" Der Baumeister blies einige starke Züge aus seiner Eigarre, lehnte sich bequem in den Sessel zurück und sagte: Doch, ich will Sie Ihnen erzählen. Es sind etwa fünf Jahre her, als ich mich auf das Studium der italienischen Sprache verlegte, da ich die Absicht hatte, mit meiner Frau wir waren damals noch nicht lange verhcirathet Italien zu besuchen. Die Grammatik

bietet ja keine Schwierigkeiten, auch ein gewisser Wortschatz ist schnell crworbcn. und so war ich bald so weit, daß ich mich nach einer Gelegenheit zum Sprechen umsehen konnte. Ich wollte keinen berufsmäßigen Lehrer und erließ daher eine Anzeige in der Zeitung. Es meldete sich ein echter Italiener, klein, schwarz, mit dichtem Haar, Adlernase und vollem Schnurrb'art. Er war Ende der Zwanziger, hatte Jura studirt. eine Zeit lang als Advokat die Menschen beglückt, dann aber aus Liebe zur Kunst alles an den Nagel gehängt und nach gründlichem Zerwürfniß mit seiner Familie Italien verlassen, um sich in Deutschland ganz der Malerei zu wiomen. Seit einem Jahre war er in der Malschule des Professors H. in Dresden, wohnte in einem großen, hellen, nur mit dem Allcrnöthigslen ausgestatteten Zimmer, lebte von trockenen Semmeln, Aepfeln und Käse und verdiente sich daö hierfür erforderliche Geld durch Stundcngcbcn und Zeichnen für ein Witzblatt dritten Ranges. Dies alles erfuhr ich während der ersten Stunden, trotzdem SignorEefare nickt sehr gesprächig war, im Gegentheil eher verschlossen. Aber es lag nahe, sich in der Unterhaltung über die allgemeinen Verhältnisse ein wenig aufzuklären, da ich ja keine Unterrichts" stunde zu nehmen beabsichtigte, sondern in zwangloser Unterhaltung das erlcrnen wollte, was man zur gewöhnlichen Unterhaltung braucht, vahcr mich freundschaftlich zu ihm stellte.' Anfangs ging ich zu ihm, dann aber war es mir doch bequemer, ihn zu mir kommen zu lassen, und da mir der arme Kerl, der sich kaum satt essen konnte, leid that, und cr ein gebildeter Mensch war von guten Umgangsformcn, so lud ich ihn meistens zweimal in der Woche zum Abendessen ein. Er war sehr dankbar dafür, und bald verkehrte er bei unS wie ein Freund. Ich sprach mit ihm fast ausschließlich italienisch, . und , meine. Frau, . die immer ein wcnsg mit mir gelernt hatte, bcthciligte sich auch dabei, so weit sie es vermochte. ' r ' Nur eine schlechte Eigenschaft hatte Eesarc: cr konnte sich Abends nie fortfinden, sei cS, daß cr sich fürchtete, sein ungcmüthlichcS Zimmer wicoerzusehen, oder daß er sich so ausnehmend wohl bei uns fühlte, sei es nun, Sie werden bald selbst darauf kommene . Eines Nachts, als cS. wieder einmal reckt spat geworden war wir unterhielten uns meist nach seinem Weggange' noch über ihn, denn, in seinem Wesen war manches Widerspruchsvolle : Künstlerstolz fast bis zum Dünkel neben zeitweilig beinahe, zu weitgehender Unterwürfigkeit, Wcltvcrachtung neben iebe zum Leben, Eifer für die Kunst

neben Geringschätzung fast aller Kunst lcr und manch' Anderes sagte meine Frau: ,Weißt Tu, Oskar, der Mensch ist ja ganz verliebt.' ,Jn wen den?, d?:.'z nicht etwa in Dich?' fragte ich lachend. ,Nun natürlich! Daß Du daS uoch nicht gemerkt nast!' . Ich halte cS wirklich noch nicht bcmerkt, denn " In diesem Augenblicke unterbrach den Erzähler Frau Ellas Eintritt. Sie sah allerliebst aus, als sie anmuthig die Tablette mit den feinen Molkatäßchcn herumreichte. Ihr Herr Gemahl erzählt mir eben die Geschichte des Bildeö dort," sagte ich. (Schluß folgt.)

Europäisches Zkepsrtenekt. T"' WMel Credttvriefe. Postaniveisungcn. auf alle Städte Europas. Schiffsscheine von und nach Europa. und Verkauf ausländU schen Geldes. No. 35 Süd Meridian Str. Merch&nts National Bank. aS Rennen wird nicht immer vorn. Schnellsten gewonnen. Die höchsten Gebäude erreichen ihre Höhe durch Stein auf Stein. Die zwei reichsten Männer vor dem amerikanischen Volke heutzutage, begannen auf bescheidene Art und erhielten ihren wirklichen Anfang durch ein systematisches Sparen an ihrem Einkommen. Die reichsten Männer stehen nicht zurück die Quarterö, DimeS und Nickels zu sparen, da diese die Dollars hervorbringen, und diese starke Gesellschaft wird Jedem bereitwilligft im Sparen behilflich sein. Ihr Spar Conto, ob groß oder klein ist willkommen. Beginnt heute noch. TUE IIIDIAII4 TRUST COMPANY apttal $1,000,000.00 Uebnschuß 325,000.00 Geschäftö-Kalender. Finanzielles. anrnn Sie MO Dollar? oder 500 Dollar haben, warum dsklbe nicht für Sie arbeite lafse 'i Tikstld tragen Al 10 Prozent Nett, ; alte etoMtrttl Geschäft in Jnvianavoli. Adsowt sicher. dress : Box 7. Telegraph Office. emtt leihen Selb aus flUln no Viani ohne die selben eanehk. dens auf 8 in so Diamanten amtiert Scan EoM tOS träte Stfc CUa-Stteich-Jnftrumentenniacher. S. Theo. Hkderlkin, Fabrikant von Violinen. Vka dolmea und VuUarre Alle Arten Reprature. prompt besorgt. 156 Virgmia Ave. Nrzt. cry:. 9. tt.Xhornal. Hert'itranlheiten. - 209-210 Newton Slaqpoo! ctl sie. Tapeten. Vaptten. Ich hinge und liefere Daptten. Telephon, a! tOK Optiker. EMERSOX DRULEY, IM Nalkchnfttt .. im ersten Square, zweiter Ltsck. Lugen ntersvchl, Linse geliefert, onfnltailone frei. Waaren'Mliesenlna.. Maaren abgeholt und abgeliefert. Mäßige Vrei se Schnelle Bedienn. Oft (ftestgia 6 träfe. Reu im; It, Mai lis. ft. uftl. Ei,. Leichenbeftatter. Mhitfett & faltet. Leieheuveftarter. tll 51 SStiotl Str. elepho : Re 664; mit Statn It80. Qtohnso, fallet & Veorge. U7 Vafsachnsett de O elept)oe : Rra M3 ; N. ai lito. Dar spreche deutfch. Fekerderficheruvg-GrundeigenUin. 3d Vuennagel, Zimmer 5 und . Ro. X Süd lelaware Straße. Putzmacherin. Qsngnpa Lange. ErpertPtzacherin. cis vtaffachufettl be. Blech und Metall'Dächer. gHIech und ttalk-Dacher, iwie Tachrinne, ange fertigt d reparirr. Xhift. 9. Hadlev, 14 Aentncky ve. enn hone ivo. Gelb! Sie verleihen Velo an Hanl'verathschaften, Vianvs.. Pferde. Saat der Einnchtnng. Rate die ud rigft, Rabatt der grdszt. prechen Sie vor oder tekvhonirnl EieunI i,rN,herk,gnnz. . . (käst Varket Zttttt tou Ge. : ' - 106 La Otbtabc, 154 Oft War Etr. -Wrac. Ren 4M. tcfttMl, tttii M83.