Indiana Tribüne, Volume 30, Number 150, Indianapolis, Marion County, 16 February 1907 — Page 5

Jndiaa Tribune, 16 Fevruar

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ZSinter. Won Walter v. Rummel.

Winter! Langsam und stetiz wirbeln die Flocken nieder. Im Innern der großen Stadt sind Hunderte von fleißigen Händen am Werke, den Schnee wegzuschaffen, und das Wenige, was von den Schaufeln der Arbeiter verschont wird, verwan delt sich bald unter den Rädern der Equipagen. Wagen und Trambahnen in einen feuchtklebrigen, häßlichfarbigen Schmutz. Aber in der Vorstadt draußen, dort, wo die Straßen menschenleer und die Häuser niedrig werden, baut sich auf den holprigen Fahrbahnen und in den kleinen Vorgärten die weiße Schneedecke immer dichter und höher auf. und lautlos verklingt, wie auf w'iten Teppichen, der hastige Schritt eines seltenen Fußgängers. Das. blasse, blonde Mädchen, das am Fenster einer bescheidenen Erdgefchoßwohnunng über eine Stickerei sich beugt, I'äM langsam, müde mit der Hand sei Augen beschattend, seine Arbeit sinken und starrt unbeweglich in das dichte Schneetreiben hinaus. Wie rasch da draußen die Dämme rung einfällt! ... . Einige Augenblicke noch, und es wird Nacht sein. Ein schwerer, drückender Alp. werden die dichten Schneemassen auf der Erde lasien. Und darunter alles kalt, erstarrt und todt!.... Apathisch ruhen die Augcn der Einsamen auf dem stillen Winterbilde. Ihre schlanke, schmalschulterige Gestalt neigt sich vorwärts und ibre heiße ? . r i ijc PjC. v: r ti. lirnc prcßi icu a,rocr an vie jeuajic Sckeibe. Ein lauter Lärm schreckt sie aus ihren Träumen auf. Schulkinder, auf verspätetem Heimweg. Knaben und Mädchen. Wie lustig ihre Augen blitzen, wie laut und froh ihre Stimmen klingen, wie übermüthig sie im Schnee herumtollen. Kinderzeit!... Ein wehmüthiges Lächeln huscht um ihre Mundwinkel. Wie freudig hatte auch sie als Kind jeden Schnecfall begrüßt. Stundenlang hatte sie in das muntere Wirbeln der Flocken hineinsehen können. Aber noch lieber war sie im Schnee herumgesprungen ungezogen wie nochmal ein Bub dort, wo er am allertiefsien lag. Es hatte ihr gar nicht genug schneien können, und wenn dann manchmal ein 'plötzlicher lauer Föhn all der weißen Herrlichkeit ein trübseliges graues Ende bereitete, war das ein sehr großes Unglück gewesen. lnd auch später noch als junges Mädchen! Ein ähnlicher Tag wie d:r heutige war es, als sie den ersten Schritt ins Leben, in Welt und EesellschQft.'Zethan.hatte. - Wie gestern stand der Abend noch in ihrer Erinnerung.- Lautlos war das Eoupt. in dem sie den Eltern gegenLber saß. durch den weichen Schnee gezollt, und all die fallenden Flocken, die m die schimmernden Laternen fröhAch herumtanzten, waren ihr wie tausend Symbole der tausend Herrlichkeiien des Lebens gewesen, die nun ihre? harrten, noch verborgen hinter den verhüllenden Schleiern einer lockenden Zukunft. Etwas befangen war sie, als sie in ihrer weißen duftigen Valltoilctte in den laut murmelnden, menschenüberfüllten Saal trat. Geblendet schlössen sich ihre Auge,, vor all der blitzenden Pracht der Uniformen und Diademe einen Augenblick nur dann hatte sie auch schon alles Bangen überwunden. Eine wohlige Wärme begann ihre cntblößten Schultern zu umschmeicheln und ein seltsames Glücksgefühl des Behagens und der Zufriedenheit durchrieselte ihren ganzen Körper. Jung und zukunftsfroh fühlte sie sich, sicher und wohlbehütet vor allem Bösen. Ihr war. als stünde sie auf einem hohen Berge, von dort aus über eine hellschimmernde Ebene in endlose Weiten spähend. Und all der Glanz, das Licht und die Sonne, die sie da schaute, war ja ihr eigenes leuchtendes Leben! Und heute ? Sie meinte zu ersticken . . . Es war ihr. als ob sie allein, ganz allein die hcrniedersinkcnden, schweren, weißen Lasten zu tragen hätte, al ob jede einzelne niederwehende Flocke ein abwärts gleitendes Menschenleben bedeutete: ein kurzes Hin- und Herspielen im Winde, manchmal mochte es sich vielleicht wie ein höchst veranllgliches und fröhliches Flattern ansehen, meist aber war es doch nur ein rascher, schwcrer. dumpfer, nicht zu hemmender Fall, kaum vom Glänze auch nur eines Sternes getroffen dann lange, tiefe und stumme Nachtruhe auf hart erstarrter. , todter Erde. Und all diese abwärts treibenden Schicksale, Schicksale einer ganzen Welt aber oft schon eines gar nicht zu tragen, so schwer wollten sich nun mit wuchtigem, niederpressendem Druck auf ihre schwachen Schultern legen, Lasten, unter de nen ein Riese stöhnend zusammengebrochen wäre. Vor ihren Augen ein Flimmern von schwarzen Punkten. In ihren Ohren ein Summen und Brausen von Millionen von Stimmen und Stimmchen, traurig flüsternden, wehklagenden Menschenftimmen. Von einem plötzlichen Schwindelge fühl befallen schloß sie die Augen und umklammerte krampfhaft die Fenster klinke. ' : .Stimmungen . . . Nerven . . . krankhafte Ueberreizung!" So ungesäh?

vane der Arzk gelagt so yaire yt jetzt selbst sich sagen sollen! Aber in, tiefer Resignation zuckte sie nur dieAchseln. ,Der Arzt hatte leicht reden! Was ist denn as Leben anderes als eben eine lange, lanae Reihe und Kette von Stimmungen froben und trüben? Und' wenn sich das Trübe und Freudlose wie ein kalter Reif jahr'lng auf uns gelegt hat, dann müssen eben unsere Augen langsam er ginnen, Leben und Welt durch graue Winter- und Nachtschleier zu sehen. Ein Akrobatenkunstftück, wenn die Sonne längst untergegangen ist, all das noch heiter und sonnig zu finden. Die Eltern todt die Brüder in entfernten Grenzgarnisonen siehend sie selbst von ein paar Erbpfennig?n lebend, immer allein, Sckicksal eines armen, adeligen Mädchens, nichts so Seltenes und Außergewöhnliches. Das große Rad der Welt rollt achtlos darüber hinweg, und bald ist man auch schon für die guten Freunde und Freundinnen früherer, glänzender und besserer Tage verschollen und vergezs:n. Was liegt auch daran? Sind doch auch einem selbst die Menschen so unjäqlich gleichgültig geworden. Man hat keine Sehnsucht mehr nach ihnen. Mehr als das! Man geht ihnen aus dem Weqe. wo und wie man nur kann, un trifft man sie wirklich einmal: Ja. ja Es geht, wie es eben gehen muß. Gewiß.' gewiß. Ganz gut und leid'.ich. Vorzüglich sogar. Dank der Nach'frage!" Ein leichtes Händeschütteln. ti für ;ek Gruß, ein förmliches Auf Wiedersehen", und man hat für einige Zeit wieder Ruhe vor den lästigen Fragern.

Nur nicht diesen kaltforschend?n Menschenaugen sein Inneres zeige"., ihren neugierigen Ohren unser Leid erzählen! Nur immer das, was un oft bis zum Wahnsinn martert und quält, als heiligsten Schatz vor der Welt verbergen und behüten! Schließlich beginnt man sich ja auch langsam an das ewige Grau zu gewöhnen, an dessen Ende die schwarze Grube unser wartet. Warum auch nickt? Millionen ra' ben sich daran gewöbnt, Millionen gewöhnen sich tagtäglich daran und beben trotz allen grauen Lebens dennoch ängstlich zaudernd vor der schwarten Grube zurück. Was ist denn der Mensch so viel anderes als ein Droschken- und K'rrengaul. der geduldig weitcrtrottet. stumm und klaglos, bis er müde im Geschirr zusammenbricht? Alles, alles Gewohnheit!.. .. Nur eines dürfte nicht sein. Man sollte nits Anderes, nichts Besseres gekannt haben. Sonst bäumt sich das, tüaZ in uns noch lebend izt. zitternd gegen dieses freud-, sinn- und zwecklose Dasein auf. Und sie? . . . Ja, ja sie hatte Anderes und Besseres, hatte das Größ'.e und Leuchtendste gekannt, was einem Menschen nur geschenkt werden kann! Wie sich das alles einmal aus der Tiefe emporgerungen hatte, scheu vor dem grellen Tageslicht zurückbebend und dennoch unaufhaltsam zur Höhe strebend und nach der Sonne suchend. Leise ganz leise wie ein verlorener, zitternder Harfenton hatte es um sie und in ihr zu flüstern begonnen. ein einziger Klang, der aber schon in seiner ersten Stunde Tausende andcrer jauchzender Stimmen auslöste und zum Leben gebar, daß sie dagestanden war wie eine Gebenedeite: Frei von aller dumpfen Erdenschwere! Betend zur Sonne und gesegnet von ihr! Wissend. daß sie fähig war. unsagbare Seligleit zu empfangen, unsagbare zu geben daß der Weg ihres Lebens unendlichem Lichte entgegenging! Doch während noch ihre Augen dank bar und jubelnd zum Himmel strahlten, waren mitien im Lied die Saiten gesprungen. war die Sonne gesunken und die Nacht gekommen., Geld, Geld schmutzig gemeines Geld hatte sie beide auseinandergerissen. Eine ganz alltägliche Geschichte, und man zuckt leicht die Achseln über die anderen, denen sie gerade zustoßen mag. Je nun. das ist nicht anders im Leben!" m Wie bleich er gewesen, als er nach einer langen, langen Unterredung aus dem Zimmer ihres Vaters getreten war! Wie seltsam starr sein Auge geblickt hatte!.... Am nächsten Tage hatte er seinen Abschied erbeten, hatte den blauen Rock ausgezogen und war m die weite Welt hinausgegangen, dort dem Gelde, das er und sie nicht hatten, nachzujagen. Ader wie ein kalter Fluch lag es auf allem, was er begann. Verkündete ein Brief, daß er glaube, nun am Ziel ihrer Wünsche zu sein, der nächste sagte schon wieder, daß alles nur eine grausame Fata Morgana gewesen sei. Darüber waren zetzt schon Jabre und Jahre hingegangen und sie immer allein und ohne je-vergessen zu können, oast. zeder Tag. lede Stunde., mit ihm verbracht, von reichstem Glück gesegnet gewesen wäre. Stöhnend hatte sie sich auf dem Bo den gewunden, und wenn sie sich wieder aufraffte, dann fühlte sie. wie sie müde war, müde, daß sie kaum mehr du Kraft hatte, sich aufrecht zu halten. Schlafen schlafen! Wenn man wenigstens schlafen hatt: können, wenn man all das vergessen, begraben und auslöschen hatte dürfen!- Wenn man nicht ewia weiter. vegetir?.i. hätte miis sen, in dieser entsetzlichen,' ,tha!c:t!osen

inamren, m ver man vas Leven äu3

für Tag llchtlos verrinnen sah. Mehr denn ein Jahr, seit die letzte Nachricht von ihm gekommen! .... Er lag wohl schon langst in der blauen See des Südens begraben oder irgendwo im heißen Sande verscharrt. Aber selbst, wenn er wirklich noch lebte, wenn er als Sieger über alle snndllchen Mächte zurückkehrte, das. was sie beid sich erhofft und erträumt, würde es doch nie. nie mehr werden können! O nein sie täuschte sich da nicht! Vor der Zeit war sie rasch gealtert. Ihre Züge waren harter und schärfer geworden, um Augen und Livden be gannen sich die ersten Falten einzugra ben. und ab und zu zeigte ihr der Spie gel auch schon ein grau gewordenes Haar. Das Beste ihres Lebens, fast das einzige, was sie zu schenken gehab! hatte ihre Jugend , die war vorbeigerauscht. Alte Jungfer! würde man in ein paar Jahren verächtlich sagen, eine, für die im Leben keine Verwendung war verrostetes, nicht gebrauchtes Eisen. Und sie hatte weiß Gott helle Augen und heißen Sinn gehabt wie je eine andere! Aber al? das hatte vergeblich geblüht für einen, der die Blume nicht pflücken hatte dürfen .. . . Da draußen vor ihrem Fenster gingen sie zetzt vorbei, aus der Stadt kom mend, all die Fabrikarbeiterinnen mi ihren Liebbsten. die jungen Ladenmäd chen mit ihren Galans. Seite an eite oder Arm in Arm. lustig und vergnügt plaudernd. Kleine Mädchen! Sie hatten frei lich nie über das alatte Parkett eines Hosballsaales getanzt, höchstens inrna! einen sehnsüchtigen Blick zu einem h?llschimmernden Fenster emporgeworfen oder fast neidisch in nen rasch vorbei rollenden Wagen hineingespäht, ohne zu ahnen, daß sie es besser, viel besser hatten als so manche, die da tnx ausgeschnittenen Kleide an ihnen vorbeiführen und die oft nichts als em paar schillernde ZukUnststräume ihr eigen nennen durften. Kleine Mädchen aber von der besten und kostlichsten Frucht des Lebens durften sie ungestört essen, nicht gehemmt und gefesselt durch all' die tausend Ketten, dieses dichtmaschige, unzerreißbare Netz von Geburt und Ver erbuna. Erziehung und Konvention. Kleine Mädchen! Wie sie die kleinen Mädchen da draußen beneidete! .... Gluckliche ihr, von denen die Welt nicht wie selbstverständlich jedes Opse und jede Entsagung verlangt und er wartet, um Euch nichts, nichts dafür wieder zu geben, um Euch schließlich gleichqiltiz mit einem kalten Lächeln und spöttischen Achselzucken in die Rumpelkammer des Lebens zu wer fen. Es ist allmählich still auf der Straße geworden kein Mensch mehr nur der Schneesturm tobt wilder und heftl ger. Oder doch! Dort ein flüchtiger Schatten ein aufgeputztes Madchen das scheu unter dem Scheine der Laterne vorbeihuscht. Auch d i e. auch die Dirne hatte es wohl besser als sie. Verachtet von. der Welt, durste auch sie vielleicht ein biß chen Liebe, ein paar armselige, sonnige Glllcksstunden ihr eigen nennen. Stöhnend preßt sie die Hand an die fiebernde Stirne. Sie mußte sehr, sehr arm sein, daß sie die Dirne da draußen lm Schneetreiben beneidete!.... Winter!" flüsterte eine bleiche, blutleere Lippe, während sie regungslos weiter in das Wirbeln der . Flocken starrte. 9 Aer Hochzeitstag. , Von Siegfried S i w e 5 tz. Einzig autorisirte Uebertragung aus dem Schwedischen von Marie Franzos. Es war der Hochzeitstag der Eltern. Der Tisch war schon mit Blumen und Silber bedeckt, als er aus seinem Zim-. mer kam. Aber noch war Niemand da. Er nahm die Morgenzeitung und setzte sich in die Fensternische, so daß die Sonne auf seine Hand schien, und er hörte das Girren der Tauben draußen auf dem Fensterblech. Ein Apriltag mit gethürmten. blendend weißen Wolken und unruhigen Rauchschlingen von den Schornsteinen leuchtete über den Dächern, die noch vom aufgethauten Nachtfrost tropften. Aber die Stadt , darunter schwieg und war sonntags still. Und er hörte die Stimme der Mutter aus dem Schlafzimmer. Wie er da saß, in den Gliedern noch etwas von der, Betäubung des leichten Morgenschluntmers, und -das Datum der Zeitung anstarrte, wurde alles um ihn plötzlich größer und stiller als früher, und er fühlte sein Herz schlagen. Er war ja im Juli geboren . . . nur drei Monate nach der Trauung! Ober, war es vielleicht ein. Jahr und drei Monate? Nein, in. vier Jahren sollte silberne Hochzeit sein, so hatte er Jemanden sagen hören! Sie waren einundzwanzig Jahre verheirathet . . . Er ließ die Zeitung fallen. . Wie wunderlich. .bah ihm das nie früher eingefallen war! Vielleicht halten sie ihm , zuliebe geheirathet, und das lange Leben .zusammengelebt ...,,ihm zu liebe... Sie kämen ihm plötzlich naher als ie zuvor.. Er. schlich sich m den, Salon hinaus und holte ihre alten Photographien

Ous ven Glaskästchen aus vem Wlvantisch hervor. Dann trat er wieder ans Fenster. Er sah zuerst die Mutter an. Si: war erst zwanzig Jahre, als er geberen wurde, und hatte sich gar nicht so sehr verändert. Wie sie da saß. in dem altmodischen schwarzen Kleid m'.l der Perlengarnitur um den Hals und einer um die Rockfalten drapirten Tunique. stand sie so lebendig vor ihm. Wie schmal ihre Brust unter dem engen Leibchen war! Hatte sie nicht et was von der zitternden Leichtigkeit und dem sieten Fieber eines VögelÄens? Es war ihm, als hatte er si in seiner Hand und fühlte ihr Her; schlagen. Der Vater hatte sich wohl mehr ver ändert, sein Haar war ergraut, und die Züge waren gröber und müder geworden. Das Gewohnheitsleben hatt? ihn gezeichnet; aber er konnte noch aufleben, er baiir seine Augenblicke... Und er, ihr einziger Sohn, von wem hatte er am meisten ererbt? Von der Mutter, das fühlte er jetzt stärker denn je. Man denke, daß sie sich vor der Zeremonie hingegeben.... Vielleicht ohne etwas zu verlangen, in opfervoll?r. rückhaltloser Liebe... Oder yielleicht in Uebereilung. nach einem Feste . ... Sie, die einer so ängstlich korre!!en alten Familie angehörte. Wzr es schwäche oder Stärke? Et toufct es nicht. Wie. wenn sie mehrere Verhältnisfe vorher gehabt hätte, wenn sein Vater geglaubt hätte, ein Opfer ;j bringen, als er sie zur Frau nahm Nein, das war unmöglich, das .vhlte er. Er war im Innersten st:l; .uf sie, er mußte sie lieben für das. -oas sie gethan hatte .... Dort draußen dampften die Dächer -nter der steigenden Sonne. Er schob

ie Photographien in die Brieftasche -nd sank mit geschlossenen Augen in en Stuhl zurück. Das tiefe Gurren er Tauben führte seine Gedanken auf y.'üt Wanderschaft. ' Er stand an ei--em silbergrauen Morgen aus einem ::ren Marktplatz und fütterte zahm: " auben. Er hörte ihre schmetternden .ü-clfchläge. sah den blauen MetallZimmer der Hälse, fühlte ihre kühi rothen Füßchen um seine Finger. Ehrend sie ihm Maiskörner aus et: ''and pickten Dort draußen auf dem Markuslatz waren sie sich vielleicht zuerst be?gnet. sein Vater und seine Muür . . . Daß es in Venedig gewes : zr.. wußte er ja... Aber er gli:1 ?;t?r. Er hing über dem Geländ : -er' kleinen gewölbten Brücke,' di: 'er einen blaugrllnen Kanal ging, ".d er sah die Tauben hinter der Dachrinne eines schmalen graue:', 'äuschcns mit blaßgrünen Jalousien isten. Ueber dem Thor mit de"'! '''ssiven Glockenzug und Eisenbeschla-.-,ß ein altes. Schild: Pension Oeste 'ich.-.' Da hatte die Mutter -während ihres Aufenthaltes in Venedig ge ohnt, sie hatte ihm selbst die Adr?ss zugeben, bevor abreiste. Da war si: vielleicht lange umhergegangen un'" hatte mit sich gekämpft, bis sie eine Abends als in dieser seltsamem Stadt ohne Hufschläge und Wagenlärm alles Stille und laue Dunkelheit war den Kopf zurücksinken ließ und ihr Klagen erstickte und jubelte und still wurde... Aber geheirathet hatten sie daheim, die Eltern. Er war auf einem Gutshofe in Sörmländ geboren, als der Flieder blühte. Es lag so viel heimliche Süßigkeit darin, an all das zu. denken. Scheue seltsame Träume von jenem Liebesleben, aus dem er hervorgegangen, durchströmten ihn . . . Und er selbst war 2 mitten in einem lenzllchen Abenteuer. Niemand wußte, was daraus werden konnte, niemand wußte. Vielleicht würd.' ihm schon der nächste Tag etwas Neues. Großes zu hoffen und zu fürchten bringen. Aber er empfand jetzt keine Unruhe mehr. Das starke Gefühl seines Zusammenhanges mit dem Vergangenen verwischte ein wenig von der ängstlichen Verantwortung. Er stand mit alledem nicht mehr so einsam da. Er war ja nur ein kleiner Theil eines großen herrlichen lebendigen Ganzen. Die Sonne strahlte plötzlich Freude über ih.r aus. Seine Wangen wurden heiß. Er erhob sich, als er leichte' Schritte über den Salontcppich und das Rauschen eines Kleides hörte. Die Mutter stand vor ihm in der Thüre. Sie hatte ein blaues Seidenkleid an. Er sah ihren Mund und ihre Augen zum ersten Male, kam es ihm vor. Uno da ereiferte er sich und sagte etwas, das er niemals hätte sagen sollen: Liebste, kannst Du errathen, was mir erst heute ingefallen ist . . . Mein Geburtstag ist ja am dritten ' Juii. und ..." Aengstlich, daß seine Stimme verrathen könne, was er fühlte, hatte er in , instinktiver Scheu einen halb scherz haften Ton angeschlagen und leicht' vorwurfsvoll den Zeigefinger erhoben. Nun erstarrte Geste und Wort. Die Mutter war kreideweiß geworden, und ihr Lächeln verzerrte sich schmerzlich. Er sah sie einen Augenblick zögern und mit den Händen durch die Luft tasten. Dann wandte sie sich ab und ging sacht aus dem Zimmer. Er stand wie gelähmt da. Er hätte alles hingegeben, um ihr nacheilen zu können, aber es war ihm unmöglich. Was. hatte er gethan, -was hatte er g?than? Und sie, wie hatte sie sich so verändern können? Vielleicht war sie schon jahrelang herumgegangen und hatte bei dem Gedanken an den Augenblick gelit!en wo er verrathen würde, daß er et waö gemerkt hatte. Welch bitterer ver-

gevlicyer scymerz. r . rar pe ja lieber denn je, er hätte sich selbst todten j können, als er sie erblassen sah.

zx egaiin ini peri.ezrmmer aus und ab zu gehen, auf 'den Zehen, so, als gälte es. Kranke und Schlummernde nicht zu stören. Er dachte an nichts mehr. Die Augen brannten, die Athemzüge schmerzten. Auf und ab ging er. . . Als er zur Besinnung erwachte, stand er vor dem Tisch mit einem zerbrochenen Weinglas m der Hand. Er mußte zu ihnen hineingehen etwas sagen... Er schlich sich zur Schlafzimmerthüre und hob die Portiere. Die Muttcr saß auf dem Sofa und hatte die Hände vors Gesicht geschlagen und weinte. Er mußte seine ganze Krast aufbieten, um zu sprechen: Aber Liebste ... Ich meinte doch gar nicht . . ' Der Vater, der mit dem Rücken zu ihm dastand und zum Fenster hinausgesehen hatte, drehte sich langsam um. Es war ein unbeschreibliches Gemisch von Zorn und Beschämung in seinem Gesicht. Seine Stimme zitterte: Das hättest Du Deiner Mutter schon ersparen können . . . Heute am Hochzeitstag, wo wir Gaste envar ten..." Einen Auaenblick berrlckte druckendes Schweigen, das nur von dem le!scr werdenden Schluchzen der Mutter unterbrochen wurde. Der Vater hatte sich wieder abgewendet und sah zuin Fenster hinaus, aber er merkte, wie sein Scknurrbart zitterte. Selbst lehnte er sich schwer an den Thürpfosten. Das Gefühl, daß die. denen er so lange gehorcht hatte, und zu denen er inrmer gewohnt toar, auizusehen, wie arme und unvernünftige Kinder, vor ihm standen, trieb ihm die Thränen in die Augen. Seine Brust war nahe daran, zu zerspringen von all dem, was er von seinem eigenem Frühling hatte sagen wollen, und von ihrem vergangenen, der in ihm lebte. Er hob die Hände. Aber sie sanken wieder, es war unmöglich, Worte zu finden. Er hatte plötzlich hart, kalt, tief unten in seinem Wesen empfunden. daß alles, was er sagen wollte, vergeblich war. Wenn der Traum altert und erstarrt, wird er zum Vorurtheil, konnte er es wieder zum Traum machen? Nein, die Alten können die Jungen nie verstehen. ... Der Kampf ist ewig . . . Niemand macht den Herbst zum Frühling ... Er glitt zur Mutter hin und küßte sie. Dann ging er mit gesenktem Kopf, ohne ein Wort ging er aus dem Zimmer. Und seine Schritte waren schwer Süßer, rosensaröiger Wund. , Kosmetische Plauderei. V Von allen Zierden eines schönen Gesichtcs haben die Dichter das Korallenroth der Lippen im Verein, mit dem Perlenschimmer der Zähne am häufigstcn verherrlicht. Was die Form anbelangt, so sind schone Lippen ein Geschenk der Natur, an dem menschliche Kunst kaum herummodeln kann. Nur bis zu gewissen Grenzen vermögen wir durch besondere Haltung des Mundes das Lippenreth mehr oder weniger zur Geltung kommen zu lassen, doch solche Uebungen gehören mehr in das Gebiet der Koketterie als der Kosmetik. Aber auch die Lippen haben ihre Leiden, und es giebt geringfügige Erkrankungen, die, wenn sie vernachlässigt werden, den schönsten Mund verunstalten können. , Bei wem sie sich einstellen, der hat allen i Grund, um eine zweckmäßige Lippenpflege besorgt zu sein. Oft klagen die Menschen über trockene Lippen. Diese erregen ein unangenehmes Gefühl und wenn der Zustand länger andauert, fo wird die Lippenhaut spröde, es entstehen in ihr Risse und Sprünge, die so tief sein können, daß sie bluten und sich entzünden ; dabei löst sich die Lippenhaut in kleinen Fetzen ab. Solche Lippen können selbst beim Sprechen und Essen behindern und auch Anlaß zu Ansteckungen geben, wenn krankheitserregende Stoffe in die kleinen Wunden eindringen. Nicht selten entstehen solche trockene Lippen, wenn weniger abgehärtete Menschen sich der Einwirkung rauher und kalter, dabei trockener Luft aussetzen. Nach dem Aufhören der Schadlichkeit pfleat aber die Storuna in kurzer Zeit von selbst abzuheilen ; durch Einfetten de? Lippen rann man dieHe:lung beschleunigen. Bei Anderen aber zeigt sich die Trockenheit der Lippen, ohne daß solche Schädlichkeiten äußerer Einflüsse vorausgegangen waren. Dann ist das Leiden hartnäckiger, es wird chronisch, das heißt, dauert längere Zeit an und zeigt die Neigung zur Bildung von Rissen, zur Entstehung .ausgesprungener Lippen". Die Ursache dieser Erkrankung liegt . im Körper selbst. .Die Oberfläche unserer Lippen ist mit vielen Schleim-und Talgdrüsen besetzt, die den Zweck haben, durch ihre Absonderung . die Lippen schön geschmeidig und feucht zu erhalten. Aus verschiedenen Gründen kann nun die Thätigkei dieser Drüsey stocken oder ihre Auögänge können sich verschließen und die Lippen werden dann trocken und spröde. Wir. haben kein Mittel, die Drüsen direkt zu beeinflussen und zu erhöhter Leistung anzuregen, darum müssen wir uns damit begnügen, das mangelnde Fett äußerlich auf die Lippenhaut zu bringen. 'Dazu eignen sich ganz besonders die sogenannten Lip penpomaden,-dZc aus möglichst reinem Utt und Wachs bestehen.-' Man-kann

ne rvxt prncTN unschuldigen ftarnuoTT. wie zum Beispiel Alkanawurzel, vcrsetzen und erhält so rothe Lippenpomaden ; häufig parfümirt man sie mit linigcn Tropfen Beramotten- oder Eitroncnöl. Das ist ' nebensächlich ; in vielen Fällen genügt schon ein Bestreich:n der Lippen mit reiner Kakaobutter. Diese Pomaden werden Hauptsächlich Abends- vor dem Einschlafen auf die trockenen Lippen gchrichen ; in hartnäckigeren Fällen muß das Auftragen noch mehrmals während des Tages erfolgen. Ein arger Fehler ist es. die kleinen Fetzc?n. die von der Lippcnhaut abspringen, abzubeißen oder gewaltsam abzureißen. Man erzeugt dadurch nur zu leicht kleine Wunden, die das Leiden sehr verschlimmern ; man muß eben abwarten, bis die Fetzen sich von selbst abstoßen. Ist das Leiden so weit vorgeschritten, daß Sprünge und Risse in der Lippcnhaut sich fcUbeii, dann ist cs empfehlenswert!), den Lippenpomcden leicht desinfizirende Mittel zuzusetzen, um das Eindringen citererregender Bakterien und dergleichen zu

verhüten. Es ist aber nicht gleich, welche Stoffe man dazu wähl. Die Salicylsäure ist für diesen Zweck nicht geeignet, da sie die zarte Lippenhaut auflöst, ebenso wirkt die in Wasser schwer lösliche Borsäure ungünstig, da sie kleine Kristallchcn bildet,' welche die Lippen reizen.' Salol, Bcnzoesäurc und Menthol sind für diesen Zweck ge eignete?. Daraus ersehen wir aber, daß es in solchen Fällen zweckmäßig ist. den Arzt um Ratb zu fraaen und nicht auf eigene Faust an seinen Lippen herum zu eperimentire.i. Die kleinen Verwundungen, die an trockenen Lippen entstehen und oft kaum merklich sind, heilen ab, dabei können aber durch winzige Narbenbildüngen die Oeffnungen der Talgdrüsen verschlossen werden. Der Talg kann mäfi hervor, er sammelt sich unter der Haut an und verkalkt zuletzt; so entstehen, wie auf der gewöhnlichen Haut, auch den Lippen mehr oder weniger große .Grieskörner". Man nimmt eine feine Nadel, glüht ivi Spitze in einer Flamme aus und sticht mit ihr das dünne Häutchen über dem Grieskorn auf; der Inhalt wird dann einfach ausgedrückt. Die Mundwinkel, das .heißt die beiden Stellen, an denen die obere und die untere Lippe zusammenstoßen, sind , ferner eine Stelle, die häufig erkrankt. Man sieht dann, daß die Schleimhaut mit einem weißlich-grauen Ueberzug bedeckt und entzündet ist, die Entzündung greift auf die benachbarte Gesichtshaut über, auf der sich auch kleine gelbliche Borten bilden. Das Leiden heißt im Volksmund Sperlingswinkel oder faule Ecken und ist nicht nur verunstaltend. sondern auch lästig, da die wunden Stellen beim Oeffnen des . Mundes auseinanderreißen ' und schmerzen. Es entsteht dadurch, daß in den Mundwinkeln sich Entzündung erregende Bakterien und ähnliche Organismen angesiedelt habcn. Demgemäß sind die entzündeten Stellen mionti septischen Mitteln und Salben zu dehandeln. Dazu eignen sich Abwaschungen mit medizinischen Seifen, wie Benzce- oder Ehimnseife, Einpinseln mit den bewährten Mundwässern und nachheriges Einfetten mit Zink- und Venzoesalbe. Es sei jedoch betont, daß solche Geschwürchen in den Mundwin kein nicht leichtfertig zu nehmen sind. Weichen sie nicht bald der kosmetischen Behandlung, so muß man frühzeitig sich an den Arzt wenden, da auch bösartige Erkrankungen zunächst in dieser unscheinbaren Form austreten können. Harmlos ist dagegen stets ein anderesLeiden, das plötzlich an den Lippen unter Bildung von kleinen Bläschen auftritt. Diese Bläschen jucken und schmerzen und sind Anfangs mit einer klaren Flüssigkeit gcfüllt. die sich jedoch schon am ersten oder zweiten. Tage trübt und eitrig gelblich wird. Sie trocknen dann zu Borken und Schorfen ein. die nach mehreren Tagen abfallen, ohne irgend eine Narbenbildung verursacht zu haben. Da diese 'äschen sich', häusig bei fieberhaften Erkrankungen bilden, hat man sie auch Fieberbläschen genannt, sie kommen aber auch bei ganz gesunden Menschen ohne eine ersichtliche Ursache vor. Falls die Borken beim Abtrocknen Spannung erzeugen, empfiehlt es sich, sie mit milden Salben oder Fetten zu bcstreichen; vorzeitiges Loslösen' und Abreißen ist jedoch zu vermeiden, da dadurch leicht Verwundüngen verursacht werden. Personen, die häufiger an diesen Lippenbläschen . leiden, sollten übrigens beobachten., ob sie nicht nach dem Genuß bestimmter Speisen und Früchte, wie Kaviar, Erdbeeren. Gurken oder dergleichen entstehen. Es giebt gewisse Unarten, die die Entstehung der kleinen Lippenleidcn befördern. Vor Allem Unreinlichkeit. Darüber braucht man eigentlich kein Wort zu verlieren; aber man sieht doch k' üig, daß Damen und Herren noch St- nden nach der Mahlzeit mit Spuren von Speiseresien in den Mundwinkeln und an den Rändern der, Lippenund Gesichtshaut erscheinen. Das natürliche Ablecken des Mundes ist nicht immer ein genügendes Reinigungsmit-tel.-viele könnten in der That ihren Mund häufiger reinwaschen. ' Dabei sollten sie aber nicht ihr Lippenroth durch Reiben mit rauhen Tüchern oder gar durch Anwendung von Citronensäure und Schwefelhölzchendampf malträt'ren. wie dieses zum Beispiel nach dem Genuß von Heidelbeeren un Aehnlichem. häufig geschieht.