Indiana Tribüne, Volume 30, Number 145, Indianapolis, Marion County, 11 February 1907 — Page 6

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(Schwz.) i So war der 23. nahe herangekommen. Ein paar Tage vorher, als ich aus mei ner Klasse trat es war am Sonnabend, und die Ferien hatten begonnen kam mir einer meiner Kollegen mit einem Zcitungsmatt entgegen. Deine Gräfin tanzt ja nächstens in der Rcfioen;," rief er, indem er mir lachend die Zeitung leichte. Meine Ackanntichaft mit Thea und mein häufiger Aufenthalt auf dem Schlosse gaben schon längst viel Anlaß zu Reefereten meiner Kollegen. In letzter Zeit hatte ich dieselben stets in halbe? Gedankenlosigkeit über mich ergehen lassen; heute war das anders. ;ie tanzt doch!" rief ich und griff mit zitternden Händen nach dem Zeitungoblatt ; ja, da stand cö; das ganze Fest, wie c? Graf Hochhcim geplant, war beschrieben, und den Glanzpunkt desselben würde der Nonnenianz der einst so gefeierten Tänzerin Thea Vtema, jetzt Gräfin 'ettenborn, bü den. Die Bücher, aus welchen ich meinen Schülern Weisheit veikündet, flogen zur Crrde, und mit dem Zeltungsblatt in der Hand stürmte ich zur Stadt hinaus. In Windeseile hatte ich diesmal den bekannten Pfad nach dem Schlosse zurückgelegt und ließ Mich dort sofort Frau &ienka melden. In größter Ausregung trat sie mir entgegen; das schwarze Haar, das wohl soeben hatte frisirt werden sollen, hing in langen Strähnen in das gelbe Gesicht. Sie bringen Nachricht von ihr?" rief sie; sie tanzt, es steht in dem Zeitungsblatt !" Ehe ich nur ein Wort gesprochen, wußte sie Alles. Ich reichte ihr nur stumm die Zeitung. Sie las die betreffende stelle und sank dann tief erschüttert auf einen Sessel. O, meine Ahnung!" murmelte sie, es wird Alles eintreffen, aber noch läßt sich vielleicht das Schlimmste vcrhüten." le sprang aus und war nun auf ein mal ganz Energie. Der Graf darf nichts erfahren!" fuhr sie fort, in unserer Zeitung steht nichts davon, dafür hat Thea schon gesorgt, o, sie war immer schlau, wo es galt, ihren Willen durchzusehen! Fahreu Sie sofort nach der Residenz zum Grafen Hochhcim, vor einer Stunde kommt Aotho nicht von seinem Mor genritt zurück, bis dahin können Sie längst auf der Station und der Wagen, den ich sogleich bestellen werde, zurück sein. Thea darf nicht tanzen, Sie müssen eS. und wäre es in der letzten Stunde, zu verhindern suchen." Wenn es mir aber nicht gelingt?" wagte ich einzuwenden. Dann dann wird das Furchtbare geschahen, dann gibt es keine Rettung für mein Kind!" Aber was soll denn so Furchtbares sich ereignen, wenn sie auch wirklich tanzt?" fragte ich. Sie sah zu mir auf mit ihrem dunleisten, geheimnißvollen Blick. Einen Moment nur sah ich den Schleier der Zukunft sich lüften,- flüsterte sie es war ein Bild, so traurig, so entsetzlich. daß ich die Augen schließen mußte vor Schreck und Grauen." langsam, mitschleppenden Schritten verließ sie dann das Zimmer, den Wagen zu bestellen; nach kurzer Zeit fuhr ein elegantes Koupe vor. ich stieg ein und rollte wie in schwerem Traum die vandftraßc entlang. Auf der Bahn station angelangt, bestieg ich den Schnellzug, der nach der Residenz fuhr; in rasender Eile ging es vorüber an weiten, von dunkeln Wäldern be grenzten Wiesenstrccken. Endlich war mein Ziel erreicht, das Leben der großen Stadt wogte an mir vorüber, und bet diesen Bildern vollen. bewegten Lebens kam mir plötzlich die Furcht der Frau V'.cnka recht thöricht vcr, besonders als ich dann dem Grafen Hochheim gegenüber stand. Dieser, ein ungemein lebenslustiger Herr in den mittleren Jahren, erklärte die nlucht der Gräfin für einen löst lichen Spaß. Finden aber würde ich sie wohl schwerlich, meinte er, denn wo sie logire, habe sie vtlcmand verrathen, nicht einmal ihm. Meine Bedenken und Sorgen wußte er in der liebenö würdigsten Weise zu verscheuchen. Ueber die Ahnungen Frau Vienkas, die ich ihm mittheilte, amüsirte er sich und nannte die Gränn-Mutter sehr defpek tirlich eine alte Wahrsagerin. Die Gräfin vom Tanze zurückzuhalten. daran dachte ich nicht mehr, es war ja auch ein Ding der Unmöglichkeit, denn wie sollte ich wohl hier in dieser kurzen Zelt ihren Ausenthalt erforschen? Erst am nächsten Morgen, nach einer ziemlich schlaflosen Nacht, erschien mir die Sache doch wieder bedenklicher, und lch vermochte eines ängstlichen, unheim lichen Gefühles, das mich immer wieder beschlich, nicht Herr zu werden. Mit aller Energie, der ich fähig, suchte ich die düsteren Bilder zu verscheuchen. WaS konnte denn auch schließlichSchreck licheö geschehen! Sollte der Graf sich trennen wollen von Thea, nun, das war kein Unglück zu nennen, konnte sie doch dann die goldenen Ketten gänzlich abstreifen, wieder zurückkehren in ihr Element, ihre Schwingen ungehindert entfalten. Fiebernd vor Ausregung saß ich dann an jenem unvergeßlichen Abend im Opernhause als einer der ersten Zuschauer. Der Vorhang rollte in die Hohe,

und die Vorstellung oegann. i'iun war

es zu spät, ich durste meinen Platz jeyt nicht mehr verlassen, und die lebenden Bilder, die da in wadrhaft künstlerischer Vollendung dem Publikum vorgeführt wurden, nähmen auch schließlich Augen und Sinne nän;licii ne?anaen. Auch die rnuitaliö)en Vorkrage, die daraus folg ien, innren in jder Bczichung ein Kunstgenuß, U7.d doch, was w?llle das Alles besagen, wie verblaßte Alles zu einem Nichts, cls Thea nun auftrat. Die graziöse Gestalt, ganz in weiße Gewänder gehüllt, beiregte sich nach einer getragenen Melodie Anfangs langsam hin und her. Tic dunklen Augen waren voll glühender Sehnsucht in's Weite gerichtet. Nun. flogen die weißen Nonnenschleier, wie einstmals die Gardine, zur Erde, das Verlangen nach Freiheit steigerte sich allmälig zur höchsten Leidenschaft, im wilden Tanz slog die funge Nonne über die Buhne, jede Bewegung drückte sehnsüchtiges Verlangen aus. Das Publikum befand sich in athemloser Spannung, eö lag etwas so Hinreißendes in dieser Mimik, diesem leichten Dahinschweben, daß man sich selbst wie losgelöst glaubte von aller Erdenschwere, die Welt mit ihrem Elend vergaß und sich voll und ganz dieser hohen Schönyeitsosscnbarung hingab. Welche Grazie athmete lede Be' wegung, und dazu dieser wechselnde Ausdruck in dem holden Gesicht! Bald log ein Hauch von Schwermuth drn über hin, bald blitzte eö auf in glühender Lebenslust. Jetzt schien die letzte Fessel abgestreift, der Tan; wurde zur jubelnden Freiheitshymne. Da großer Gott! Was war geschehen? Das Gesicht der Tänzerin wurde plötzlich todtenblaß, die Augen waren in namenloser Angst nach einer Loge im zweiten Rang gerichtet. Botho 0 Botho!- drängte eö sich von ihren Lippen, flehend hob sie die Hände empor, dann schwankte sie und siel zur Erde. Das Publikum eilte in größter Aufregung theils den Ausgangen zu, theils drängte eS nach der Bühne hin. Auch ich that dasselbe und starrte entsetzt auf die weiße Gestalt, die da regungslos auf einem rothen Teppich lag. War das der Tod? sollte er sie erreicht haben in einem Moment, wo sie Hunderten von Menschen die höchste Lebenslust im Tanz verkörperte? Nein, nein, daS war nicht möglich, die Tragik wäre zu furchtbar ! Und doch doch ! Herzfchlag," sagte elne Strmme neben mir. Ich wandte mich um und sah in daS tief erregte Gesicht des Arztes, der sie untersucht hatte. Große Thränen standen in seinen Augen, und als jetzt einige Polizisten erschienen, stellte er sich wie schützend vor Thea. Und Schreck war eö, was den Tod herbeigeführt," erklärte er den Herren. Alles um mich her vergessend, sah ich dann nur noch auf daS weiße, süße Antlitz, daS da wie m tiefen Schlaf auf dem rothen Teppich lag, ein Bild des riedens in. all' der Aufregung und in dem Wirrwarr rings herum. Mein Kind, mein Kind!" ertönte da plötzlich neben mir eine Stimme, und eine Frauengestalt sank neben der Todten in die 5knie. Alles trat erschüttert zurück, nur ich blieb neben der unglücklichen Mutter Theaö stehen. Mit wilden Blicken sah sie zu mir auf. Sie waren meine letzte Hoffnung," murmelte sie. Doch nun ist es ge schehen; wochenlang habe ich ja das Bild schon vor Augen gehabt, habe ich mein holdes Kind gleich einem Mar morbild hier auf dem rothen Teppich liegen sehen." Und der Graf?" fragte ich leise. Er fand das Zeitungsblatt," sagte sie, indem sie sich erhob und mit mir in eine der Seitenkoulissen trat. Sinnlos vor Wuth trat er sofort die Reise hierher an," erzählte sie dann weiter. Ich ging ihm nicht von der Seite, seine Aufregung steigerte sich von Minute zu Minute. Wir kamen gerade an, als Thea zu tanzen begann. Ach, o schön, so hinreißend wie heute, hat ie den Nonnentanz nie getanzt! Anfangs schien ja auch Tettenborn ganz hingerissen, aber dann kam eö wie Wahnsinn über ihn, er erhob die drohende Faust gegen sie. Sie sah es mein armes Kind hat der Schreck getödtet! Ich sah ja den Blick roll Angst nnd (?chrrcken. mit welchem sie zu uns herausschaute, wie magnetisch angezogen von ihres Mannes glühenden Augen!" So erzählte die Mutter ; auch in den Momenten höchster Erregung verließ sie der Glauben an ihre spiritistischen Wunder und Erscheinungen nicht. Am nächsten Tage suchte ich sie wie der in der Wohnung auf, die Graf Tettenborn in der Resideni besaß. Dort war die junge Gräfin in einem mit schwarzem Tuch ausgeschlagenen Salon aufgebahrt. Hunderte von Kran zen lagen überall zerstreut. Thea war ganz in Veilchen und Marschall Niel- Rosen gebettet, eö waren ihre Lieblingsblumen geblieben seit jenem Abend ihres ersten AustretenS, wo Prinzessin Feodora ihr einen Strauß solcher Blumen geschenkt. Ein prachtvoller Kranz von denselben Bluraen lag auf der weißen Atlasdecke, die über sie gebreitet war. Tettenborn hat ihn geschickt," er zählte mir Frau Vienka, er ist heule in aller Frühe nach Hamburg gereist, sich dort einzuschiffen, um einige Jahre im Ausland zu bleiben. Ich soll unter-

deß aus dem Schloß tn V. wohnen und

Alles verwalten, so schreibt er mir." Ein stolzes Aufleuchten in ihren Zügen bewies mir, daß bei all' ihrem Kummer dieser Gedanke, dort als Schloßherrin zu residiren, ein sehr beglückender für sie war. Die Flügelthüren des Salons, in dessen einen Erker wir uns zurückgezogen hatten, waren !?elt geöffnet für alle die, welche die schöne Todte uoch einmal sehen wollten. Die Kunde, daß die junge Gräfin hier ausgestellt sei, schien sich wie ein Lauffeuer in der Residenz verbreitet zu haben. Zahllose Menschen kamen und gingen. Ganz spät am Abend, rau Vlenka wollte schon die Thüren schließen lassen, erschien noch ein alter Mann mit fast weißem Haar. Ohne uns zu bemerken, schritt er durch den stillen Raum, die Blicke starr auf die Verstorbene gerichtet. Also wirklich," murmelte er, todt todt hinübergegangen in's Reich der schatten, das junge, herrliche Gc schöpf!" AlS jetzt das volle Licht der Wachskcrzen auf ihn siel, erkannte ich die verwitterten Züge. ES war Mahlo, der alte Tänzer, und nun war mir auch plötzlich klar, wo die Gräsin sich in diesen Tagen aufgehalten; zu dem alten Freund ihrer Kindheit hatte sie sich geflüchtet. Sie selbst hatte mir vor einiger Zeit erzählt, daß sie ihn schon einmal in der Residenz besucht und er sich wie ein Kind gefreut hatte bei diesem Wiedersehen. O, warum hatte ich daran nicht eh:r denken können! Hätte ich die Gräsin dort aufgesucht. wer wein, ob sie letzt so blelch und still dort läge. Sie auch hier!" rief Mahlo, als ich jetzt herantrat, ihn zu begrüßen. Auch Frau Vienka kam näher, und dann saßen wir drei einmal wieder wie in alten Zeiten zusammen, in einem kleinen Boudoir dicht neben dem Salon. Mahlo erzählte uns, wie die Gräfin plötzlich in großer Aufregung mit ihrer Jungfer bei ihm erschienen und um Quartier gebeten habe. Ich hatte ein Empfinden, als wäre die Jugend, der Frühling, alles Schöne bei mir altem Mann eingekehrt!" rief er begeistert. Natürlich stellte ich ihr sofort meine bescheidene Wohnung zur Verfügung und quartirte mich bei einem Bekannten ein, wir sind dann täglich zusammen gewesen, ach, es waren köstliche Stunden!" Ein Hauch von Jugend flog über das alte Gesicht, aber dann blickte er nach der offenen Thür, die nach dem Salon führte, und begann bitterlich zu weinen. Alles, Alles soll nun dahin sein!" schluchzte er. Das schönste, lieblichste Menschenkind, das je den leichten Fuß aus diese Erde gesetzt, ein Raub des Todes, uns verloren für alle Zeit!" Mein Kind lebt weiter!" sagte Frau Vienka. Thea sieht unsere Trauer, sieht die tausend Blumen, die man ihr gebracht, sieht auch wohl mit leidig herab auf ihren Gemahl, der jetzt wohl schon auf weitem Meer dahinfährt. Wir alle werden sie wiedersehen, einst, wenn auch wir die irdische Äülle abaestrcift!" Wie eine Seherin auö alten Zeiten tand sie vor uns in ihren schwarzen chlcppenden Gewändern, den Blick wie n weite, ewige Fernen gerichtet. Gerade mir gegenüber hing ein wunderschönes Oelbild von Thea, von einem der ersten Künstler der Residenz gemalt. Wie lebend blickte das junge Gesicht auS goldenem Nahmen auf uns herab. Warum betrauert Ihr mich?" schien sie uns lächelnd zuzurufen. Bin ich nicht bevorzugt vor tausend Anderen, daß ich den Kelch des Lebens nicht bis zur schalen Neige zu leeren brauchte, sondern aus der Welt scheiden durfte zung, glücklich, in einem Moment, wo ich auf der Höhe stand und in meiner Kunst wohl daS Höchste erreicht hatte!" Tes Buchhalters Klage. In einem gewissen großen Bankhause hat über die Kommiö ein Oberbuchhalter die Aufsicht, dessen heftiges Temperament ihm nicht selten mit dem Verstände durchgeht. Sehen Sie einmal her, Quandt," donnerte er einst los, das leide ich keine Minute länger! Sie schreiben ja ganz entsetzliche Ziffern, die jedes Geschäftsbuch schänden! Jeder Schuljunge schriebe bessere Zahlcn als Sie, das muß anders werden! Gucken Sie nur einmal diese Fünf an, die sieht doch genau wie eine Drei aus! Was soll das bedeuten, daß Sie so abscheuliche Ziffern hinmalen?" Ver zeihen Sie, Herr Buchhalter," erwiderte zitternd der Kommts, doch bitte das das ist ja auch eine Drei !" Eine Drei?" brummte der Buch Halter weiter, Sie Schwachmatikus, die sieht doch wie eine Fünfe aus!" Nachher wurde eine Zeit lang der Mantel christlicher Liebe über die Geschichte gehängt. Einer, der sich amüsirt. Indem großen, schönen Saale eines VarieteTheaters herrschte gähnende Langeweile. Die schwach besetzten Logen leerten sich nach jeder Nummer und die Mienen des verbleibenden Publikums wurden immer verdrießlicher. Nur ein ganz allein in einer Loge sitzender Herr lachte fast ununterbrochen und schien sich königlich zu amüsiren. Kellner," rief ein gelangweilter Besucher, tatreit Sie vielleicht diesen unbegreiflichen Mann, der immer lacht?" O ja," erwiderte der Kellner, .der Herr hat auch Ursache, lustig zu sein, er ist der Direktor eines Konkurrenz-Etablissenrs!"

Du acdrre Seite.

500.000 Menschen rnsen jahrNch in's ' Ausland. J?nriaL film wird per Kabel von der Befreiung feiner Familie verständigt. Medanwägnna emes Falles von .chronischem MoyoliZmu. New York, 29. Jan. Der Einwanderung feindlich gegenüberstehende Elemente benutzen gar gern die Riesenziffern der Einwände-rungs-Statistik. mn gegen die Ueberschwenrmung" Amnils's durch Ausländer Propaganda zu machen; niemals aber veröffentlichen diese Leute die Zahlen der großen Massen, die alljährlich die Vereinigten Staaten der lassen und rmch dem Auslande reisen, entweder um dort zu bleiben, oder aber, um rc.rch kürzerem oder längerem Aufenthalte bierher zurückzukehren. Und doch bilden die Lchteren. die Zurückkehrenden, einen recht ansehnlich! Beitrag zu den Horden", die alljährlich über' Meer kommen und zu der bewußten Ueberschwemmung" beitragen. Die Nordatlantische Dampfer - Konferenz hat es sich nun seit Jahren zur Aufgabe gemacht, diese Statistiken zu sammeln, und in diesem Iah wurden sie zum ersten Male dem Jahresberichte d?s General - Ernwanderungs - Kommissärs einverleibt. Wenn auch die jährliche Auswanderung lange nicht an die Einwanderung heranreicht, so sind die Ziffern trotzdem recht ansehnliche und haben rn den letzten drei Jahren alljährlich eine halbe Million erreicht. Diese Statistiken beginnen mit dem Jahre 1890. doch fehlen die Ziffern der Jahre 1896 und 1897. die nicht zu erlangen waren. Die Auswanderung aus den Vereinigten Staaten noch dem Auslande, mit Äusrhme von Britisch Nord-Aruerika. war seit 1890, wie folgt: 1890 238,139 1891 246,503 1892 256,556 1893 - 230,664 1894 312,771 1895 329,558 1898 225,411 1899 . 2 36,C03 1900 293,404 1901 306.724 1902 326,760 1903 375,261 1904 508,204 1905 536.151 ! 1906 - 496,737 1 Die EinwandermTg der letzten 17 Jahre dagegen ist in nachstehender Ta belle enthalten: 1890 1891 1892 1893 1894 1895 1896 1897 1898 1899 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906 455.302 560,319 579.663 433.730 285,631 258.5.30 343,267 ' 230,832 229.299 311.715 448.572 487.918 648.743 857.046 812.870 1.026.499 1,100.735 re eigene Diese Ziffern sprechen ih Sprache und lassen allerlei und Schlüsse zu. Vergleiche Der Sorge enthoben. Bei seiner Ankunft in der alten Heimath. die möglicherweise gestern er-' folgte, wird Jercmias Lien, der als j Kontraktarbeiter deportirt wurde, die veruyigenoe Botfchafl vorfmoen, van seine Familie Ellis Island verlassen hat und bei Freunden in Trenton gut , aufgehoben ist. Pastor Döring vom' Deutschen Emigranten-Hause, der die Familie des Mannes gestern nach Trenton gebracht hat, schickte eine Kabeldepesche an seine Schwester rn Dresden, wohin sich Lien nach seiner Rückkehr begeben wollte, mit der Mittheilung. daß seine Familie in Trenton sei. , Die Bürgschaft für die Familie stellten die Herren Rudolph V. Küfer von d:r Trenton Brauerei. W. O. Baker, der frühere Arbeitgeber von Lien, und Geo. Wiedman. Die Angehörigen der ' Familie in Chicago hatten sich von der Bürgschaftsleistung zurückgezogen, weil ihre Bürgschaft allein nicht genügt hätte. Col. Stahl von Trenton hat sich der Angelegenheit mit großer Energie angenommen, und ihm ist es Hauptsächlich zu danken, daß Brauherr Kuser für die Leute eingetreten ist. Herr Kuser hat außerdem erklärt, daß. wenn es der Familie an irgend etwas fehlen sollte, er bereit sei. einzugreifen. Frau Lien verabschiedete sich gestern von den Beamten auf Ellis Island, wo sie zwei Monate verbracht hat, und dankte ihnen für ihre Güte. Sie erklärte, daß sie und ihre Kinder auf Ellis Island nur mit Güte behandelt worden sind. Die Einwanderunas-Behörde ans der Insel erhielt gestern von Washington die Ordre, weiteres Bewcismaterial in dem Falle Adolph Fischer und Familie entgegen zu nehmen. Fischer kam mit seiner Familie auf dem Dampfer Carpathia" an. um sich zu seinem Neffen I. Fried in New York zu begeben. Er wurde von den Aerzten als an chronischem Alkoholismus" leidend erklärt und von der Inquisition auZge

schlössen. Der Mann erklärte vor der Inquisition, er sei in seinem Leben niemals berauscht gewesen, habe aber, wie das sein Geschäft als Gastwirth in Ungarn mit sich gebracht, jeden Tag etwas Wein getrunken. Der Fall wurde appellirt, aber die Appcllaticn wurde abgewiesen. Ein zweites Gesuch wurd nach Washington gerichtet, den Fall beHufs Entgegennahme weiteren AewoisMaterials wieder zu eröffnen, und di:scm Gesuche wurde Folge gegeben. Nach langem Hangen und Bangen wurde gestern Frau Auguste SUphanski, die sich mit ihrem vier Jahre alten Kinde zu ihrem Bruder Ear! Garz nach Reche. Nord-Daktota. begebcn wollte .ausgeschlossen. Frau Stephanski kam auf dem Dampfer Sofie Hohcnberg" hier an. Sie sagte, daß ihr Gatte seit drei Jahren irgendwo in Amerika sei, doch käme sie, um sich zu ihrem Bruder zu begeben. An den Bruder wurde tclegraphirt und ge schrieben, doch kam bis gestern keine Antwort, und der Fall wurde darauf durch die Ausschließung der Frau erledigt, Detinirtc. Auf dem Dampfer La Lorraine" traf der 32 Jahre alte Joseph Olf mit Frau und zwei Kindern aus der RheinProvinz ein, um sich zu seinem wohlha 6 enden Schwager nach Trenton, N. I.. zu begeben. Der Schwager, Herr John Schwarz, kam nach Ellis Island, um die Familie zu reklamiren, wobei ihm der Vertreter der Deutschen Gesellschaft behilflich war. Er erfuhr jedoch, daß die Aerzte Olf zur Beobachtung seines Geisteszustandes dctinirt haben. Die Familie muß auf Ellis Island bleiben, bis das Schicksal ihres Ernährers entschieden sein wird. Herr Schwarz ist entschlossen, seine Schwester und ihre Kinder auf jeden Fall hier zu behalten, und er wird in diesem Sinne vorgehen. Auf dem Dampfer Kaiserin Au guste Viktoria" kehrte der 50 Jahre alte Eduard Unger von einer Besuchsrcise aus seiner Heimath Zwickau. Sachsen, zurück, um sich nach seinem Wohnort. St. Paul,loo er seit 21 Iahrcn ansässig ist. zu begeben. Er sagte, daß er Bürger der Vereinigten Staatcn sei, hatte jedoch keine darauf bezüg lichen Dokumente im Besitz. Auf ein ärztliches Attest hin wurde er der Inquisition vorgeführt und von dieser Behörde detinirt. Der Vertreter der Deutschen Gesellschaft nahm sich des Falles an. Die Gattin Unger's wurde auf telegraphischem Wege ers??cht. Beweise zu schicken, daß die A5.z-bcn ihres Gatten auf Wahrheit bcr'lben; si' schickte Papiere, durch die bewiesen wurde, daß Unger in St. Pa:?s ?lsän!z ist und dort Eigenthum bat. Papiere wurden der Jnquisiticn vorgelegt und Unger wurde prompt entlassen. Der Lutherbaum bei Wcrms. Aus Worms wird gkschriben: Eii al ter Riese, der seitber allen Und ldeu der Zeit Stand gehalten hat, schei U an den Folgen der Hitze d?s letzten Gom mers dahinzuschwinden. Es ist der bekannte Lutherbaum in dem V)rori Pfiffligheim bei Worms, eine a kehrwürdige Ulme, von der heute nur noch der stattliche Rumpf nebst meh cren starken Nebenästm vorhandn ist. lachz dem an' 26. Oktober 1870 ein 6litz. strahl den Gipfel und den Haupta't zu Fall gebracht hatte. Vorher ma t der gewaltige Riese 30 Metcr in der )öb und 9 Meter in der Breite. Der Stamm, der vielgespaltct und anz hohl ist. wird durch eiserne Bänder zusammengchalten. Trotz der schn ercn Wunden, die dem Baume im Lauf' der Zeiten geschlagen wurden, tricb er all jährlich reichlich neue Schößlinge und war stets im Sommer mit dichtem Laub bedeckt. Im vergangenen August nun verdorrten die Blätter auffallend rasch, so daß allem Anschein nach die letzte Triebkraft geschwunden ist. Es wird zwar alles versucht, um den Alten künstlich am Leben zu erhalten, ob die getroffenen Vorkehrungen aber von Erfolg sein werden, wird erst das kommende Frühjahr zeigen. An seinem Stamme befindet sich hinter Glas und Rahmen ein sinniges Gedicht von K. Gerok. worin der Baum als noch aus der Nibelungcnzcit herstammend, besungen wird. Das Holz des im Jahr 1870 zerschmetterten Gipfels ist von einer Wormser Firma verwahrt worden. die verschiedene Gegenstände als Andenken an Worms" aus diesem Holz hat herstellen lassen. Gegenstände, die von Fremden gerne gekauft werden. Der berühmte deutscht Arzt für Herzleiden. Dr. Schott aus Nauheim, ist gegenwärtig in New Fort, von wo er nach Olean reiste, um de kürzlich zurückgetretenen New Jorker Gouverneur Higgins zu behandeln. Die Vorkehrungen für sein Kommen waren von dem Schwager des Kranken, F. L. Smith, getroffen. Dr. Schott hieß d BehandlÄNg des Patienten durch Dr. Hibbardnt und ordnete nur eine kleine Aenderung der Diät an. Er äußerte sich, er habe Patienten gekannt, deren Zustand derselbe war. wie der des Herrn Higgins, und welche wieder geuesen seien. Wie verlautet, war es zu einer Zeit die Absicht des Ex-Gouver-neurs gewesen, sich zu Dr. Schott nach Deutschland zu begeben, und als der deutsche Arzt dies in New York hörte, beschloß er. Herrn Higgins in Olean aufzusuchen. Er wird jetzt von arnerikanischen ärMchen Gesellschasien ge-

ehrt.