Indiana Tribüne, Volume 30, Number 145, Indianapolis, Marion County, 11 February 1907 — Page 5
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Aer Aaäiminn. Humoreske von E. F a h r o v. Meine Herren", sagte Heinrich Heinrieh, der reich: und noch sehr jugendliche Rescrcndar. in dieser Hinsicht bin ich Fachmann, da können Sie sich auf mein Urteil verl.-.ssen." .Natürlich", brummte Fritz GcheS ler, der Stammtischgenosse und unv:rsöhnlich Gegner 5einrich's. das Kein man ja, daß Sie Fachmann sind. Es gibt ja wohl kein Fach, worin Sie niai mit Ihrer unerreichbaren Weisheit ausschlaggebend sein wollen Heinrich betrachtete mit einem mitleidigen Lächeln den kleinen, cholerischen Apotheker; er pflegte ihn nicht sehr ernst zu nehmen, denn er glaub!:. Dajjj nur kleinlicher Neid diesen seinen Rivalen verzehrt: Neid auf die Gunst der Damen" und so weiter. Tenn Heinrich hielt sich für einen Lieoling der Götter und Göttinnen und lvar infolge dessen ein sehr glücklicher Mensch. Wir sprachen hier von Pferden", sagte er mit unausstehlicker Nachsicht in Ton und Miene. Sie wissen ja alle, daß ich ein passab'er Reiter und Fahrer bin. und dah ich in:r die besten Pferde der Stadt halte." Ich hatte mir zwar keine Araber", versetzte Schehler, aber dafür bin ich auf dein Lande aufgewachsen meiii Vater ist Tcsitzer. Herr Heinrich un versieht gunz sicher etwas davon. I1 12 ich halte den Pferdehändler Lehman: aus Pyrin für einen sehr ehrlichen Menschen.'" Na, na. Schehler". rief man in der Tafelrunde, seien Sie kein Idealist. Ein Pferdehändler mutz gerissen sein, fönst kann er keine Geschäfte machen." Man kann gerissen und doch ehrlich sein", verkündete der Apoth-:ker, dr während des SprechenZ aus dem Fenster sah. Uebriaens kommt er dort. Er fuhrt den Gaul selber, Herr Weizling. den sie kaufen wollen. Ein fam--ses Thier scheint es zu sein." Herr Weigling saft zwischen dem Apotheker und dem Referendar wie wie zwischen Scylla und Chaiyddis. Er wußte immer nicht, welcher von &;ib;n ihn verschling?!! werde, und da er ein etwas unselbstständiaor Herr war. so schwankte er beständia zwischen seiner eigenen und den verschiedenen Meinungen der beiden Herren hin und her. Jetzt erhob er sich. Es ist ein Kreuz!" murmelte er. Ich soll und muß reit:n. weil ich sonst zu dick werde, und dabei mach? ich mir doch gar nichts daraus." Vei diesen Worten ging er zwischen Heinrich und Schehler auf den Hof hinaus. Die aantt Stammtafel folgte. Da stand der Herr Lehmann aus Pyritz und hielt den Braunen am Zügel. Als er den Referendar erblickte, ward sein; Miene düster; er wußt?, daß dieser Herr immer etwas an seinen Rossen auszusetzen hatte, vielleicht nur deshalb, weil er selbst bei einer sehr bekannten und theuren Firma kaufte. Herr Weigling ging um das Thier herum und betrachtete es prüfend. Das Pferd ist tadellos geritten," begann Lehmann, es ist fünf Jahre alt. stammt von edlen Eltern und hat ein Temperament, wie Sie es so leicht nicht wieder finden. Es ist lamm fromm und zugleich feurig." Bei diesen Worten wintte er seinem Stallknecht, der sich auf den Braunen schwang und ihn nun in allen Gangarten vorführte. Prachtvoll!" rief Schehler aus. Mensch. Weigling. Sie haben ein Riescnglück. daß Sie einen solchen Gaul kriegen! Eigentlich ist er zu schön für Sie den müßte eine Dame reiten so eine Walkürengestalt wie Frau von Vetter." Herr Weialing wurde roth wie ein kleines Mädchen. Alle Welt wußte. daß er sich um die hübsche Wittwe kewarb. Der Gaul ist sehr nett," sprach er unsicher, aber ich verstehe ja nicht viel davon. Herr Heinrich. Sie sagen ja oar nichts gefällt Ihnen das Pferd nicht?" Heinrich Heinrich hatte mit halb zugekniffenen Augen den Braunen verfolgt, der in allen Gangarten unter seinem Reiter hintanzte. Das Bich ist viel zu kurzhalsig, außerdem hat es zu weiche Fesseln und es bügelt". Ich finde vor Allem, daß so 'nelange Deichsel für Sie nicht paßt, lieber Weigling. Sie müßten so einen Gaul haben wie mein Trakehner ist das nenne ich ein Pferd." Herrn Weigling wurde es ganz schwach bei den vielen Fachausdrückcn, mit denen der Referendar um sich warf. Er hatte keine Ahnung, was sie bedcu" teten, und blickte etwas verlegen der. Pferdehändler an. Sie hören, was Herr Heinrich sagt meinte er leise, der Herr ist Fach mann " Fachmann!" rief Schehler. Lassen Sie sich doch nichts einreden, Weigling! Setzm Sie sich mal selber rauf auf den Gaul ich in überzeugt, cr geht wie ne Wiege." Herr Lehmann war zornroth gewor den. sagte aber nichts. Herr Weigling schwang sich wirklich auf den Braunen und probirte ihn. aber schon beim Aufsteigen raunte ihm Heinrich zu: Geben Sie ordentlich Schenkeldruck ich halte das Wich für eine susigo Zicke." , Schenkeldruck vermochte Weißling nicht zu geben, denn er war nur ein sehr mittelmäßiger Aeiw. Aber er
fand nun selbst, daß der Braune nicht schneidig genug ging Daß eö em feinfühliges Thier, daö genau merkte, welch ein zaghaf erReiter auf ihm saß, daran dachte er nicht. Hm," sagte er, nachdem er abzestiegen war, ich glaube, Herr Lehmann, dieS ist doch nicht daö richtige Pferd für mich. (53 ist wirklich sehr langrüäig und hat emm turzat Hals . . . ." Ra ja, sagte der Pferdchcwdlc beleidigt. S glauben mir nicht. &tzx Weigling. weil Sie denken ich moch'.e Ihnen um alles in der Walt den Gau', verkaufen. Aber Sie irren diese: Pferd verkaufe ich morgen schon, wenn ich will! Ich gebe es bloß nicht jedem, dazu ist es mir zu schade." Da haben Sie recht, Lehmamn' rief Schehler. der vor Hohn und Zorn förmlich diabolisch aussah. Der Herc Referendar ist zwar ftacfnrxnm", abe: von Pferden versteht er nicht oic Bohne . . ." Herr Schehler!" rief Heinrich drohend. indem er sein Auanglas fester klemmte. Was wünschen Sie. Herr Referenz dar? Finden Sie. daß meine Aeußerung beleidigend ist! Dann irren Sie die reine Wahrheit kann nie beleidigen o fern. Herr Lehmann. ich werde an meinen Vater über den Gaul berichten vielleicht kauft er ihn. Was soll er denn kosten?" Fünfzehnhundert Mark ist billig für den Gaul. rr Schehler." , Ra, jedenfalls ist es nicht übertrie b:n viel. Wir wollen noch darüber re den auf Wiedersehen. Herr Leh mann." Aber der Pferdehändler ging noch nicht. Er wartete, bis Meiglina. den der Referendar vertraulich untergefaßt faüe. im Hause verschwunden war. dann sagte er: Bitte, meine Herren, bllibcn Gie noch eine Minute hier. Ich möchle Ihnen etwas zeigen." Verwundert versammelte sich Uz Stammtisch um den Braune. Sehen Sie, meine Herren", fuhr Lehmann fort, es ist ja nf,i das e:;M Mal. fcef; mir Herr Heinrich ir.it seinem Dreinreden ein Gesäft r.'rd:r5t. Er versteht von Pferden scd'.c! wie die Kuh vom Seiltanzen, und ipi.i er sich dauernd als Fachm2nn üu'k habe ich satt ich werde ihm Düfii: et neu Denkzettel geben." . Na. na. Lehmann". predigte, Scl'.'h ler. edel sei der Menlch ," Ach was. Herr Säzebler. ick' bin mehr für: Trittst du mir stoß ich dir!" Aber lassen Sie man. ich werde sckwn nichts Unerlaubtes thun. Bitte, meine Herren, treten Si: mal hier heran, ich will Jbnen ein? (inen thürnlichkekt meines Arauren -.einen, die besser ist als jeder Steckbrief." Bei diesen Worten öfsne er den Pferd das Maul, schob' ihm den .Nopf ganz in die 5)ohe und zeigte nun den erstaunten Zuschauern, daß der (Shi--men des Pferdes ein richtiges Muster aufwies; er war nämlich schwarz unb weiß gestreift, ganz regkinäßig und genau. Donnerwetter!" rief Scheh'er. sz etwas habe ich noch nie qefch'n!" So etwas werden Sie auch nie wieder sehen. Es ist ein Raturspi;!. das man stch nicht erklaren kann. vi:ll:ich! hat die Mutterstute eine heirnlicke Liebe zu einem Zebra mit stch herumgetragen, und das verräth stch nun in diesem seitsamen Gaumen." Herr Lehmann lachte über seinen Wih und war offenbar wi'der ganz guter Laune geworden.
t-t bstrmtf Fnsrrf rhrn Ctri'sii if.r f?durfte Herr Heinrich H:irich w'e all- . , . ,.,..,., jährlich einer Auffrischung seines Stalles. es gehörte zu seinen Leber.. bedürfnissen. die kleine Relidrnz. in der er lebt?, rrp :i! rj von seinen neuen Pferden und anderen Erwerbun gen reden zu hören. Natürlich schrieb er an seine Berliner Firma und setzte Luck & Co. auseinander, was für seinen Staatsgaul er wünsche. Nach 'vrer Tagen kam eine Depesche. Gewünschtes Reitpferd unterwegs. Kennen Ihren Geschmack, hoffen Nichtiges getroffen zu haben. Preis 3000 Marktest." Seinem unwiderstehlichen Dränge zu renommiren folgend, ordnete der Referendar an, daß der Reitknecht, wenn er mit dem Pferd einträfe, in den Gasthof geschickt werden sollte, wo er Mittags und Abends speiste. Auf diese Weise hoffte er seinen neuen Einkauf gleich der Tafelrunde vorführen zu können und ihr auf's Neue zu beweisen, daß man nur bei seinem Lieferanten etwas Ordentliches bekäme. Tags darauf, ets man gerade bei Kaffee und Cigarren beisammen war. traf das Pferd ein. Es war ein entzückendes, schlankes Geschöpf von einer feinen Milchschokoladenfarbe, wie man sie bei geschorenen Pferden im Frühjahr zuweilen steht. Die Mähne war, einer Tagesmode folgend, kurz wie bei einem Pony geschnitten, und überall sah man das volle Geäder des feurigen Thieres durch die fast kahle Haut schimmern. Der begleitende Reitknecht, mit dem Heinrich zunächst allein sprach, zog unterthänig die Mütze und murmelte: Herr Heinrich, der Herzog von Or tenstein reflektirte ganz bestimmt auf dieses Pferd. Es war das beste aus unserem Stall. Aber Herr Luck sagte, diesen Gaul dürfte kein anderer betörn men als Sie, und er nahm ihn denr
Herzog vor der Nase weg für Sie! Daß Sie ihn behalten würden, daran brauchten wir nicht zu zweifeln; wir wissen doch, daß Sie Fachmann sind." Geschmeichelt' lächelte Heinrich, schwang stch auf den Rücken des Pferdes und probirte seine Gänge. Tadellos!" verkündete er derTasclrunde, zu der er nun zurückkehrt. Kellner, geben Sie ein Telegrammforrnular her, ich schließe den Kauf telegraphisch ab." Die Depesche ging ab. und nun begab man sich auf den Hof. um das Prachtthier anzustaunen. Allgemeiner Beifall erklang. Nur Herr Weigling schwieg eine lange Weile. Endlich sagte er: Wissen Sie. Herr Heinrich, wenn nicht die Farbe so anders wäre, würde ich sagen, der Gaul steht dem Vraun'n ähnlich, den mir Lehmann im Herbst verkaufen wollte." Heinrich lachte höhnisch. Du meine Güte, sagen Sie de3 bloß nicht so laut, lieber Weigling!" rief er. Sie blamiren stch ja. Di?seZ englische Halbblut und der armselige Braune von damals!" Er amüsirte stch so sehr, daß er so fort die Herren zu ein paar Flascken Sekt einlud, um diesen ungewöhnlich günstigen Einkauf zu feiern. Während er hineinging, um dem Kellner seine Anweisungen zu eben, reinste Herr Schehler den Stammtischgenossen: Auf ein Wort, meine Herren. Bleiben Sie doch mal einen Augenblick hier." Und mit einem vor Wonne und Bosbeit leuchtenden Gesicht öffn?te der Apotheker dem Gaul das Maul, blickte hinein und stieß ein schallendes Ccläch' ter aus: ..Dachte ich's doch! Hurrab, meine Herren! Lehmann aus Pyritz hat seine Rache 'nommen bitte. bl:c!en Sik her." Und stehe da. der Gaumen des edlen Rosses war regelmäßig schwarz und weiß gestreift! Die Tafelrunde brach in ein homeri sckes Gelächter aus. das bis in den Speisesaal hineindröhnte. wo der al nungslose Fachmann" soeben seinen Frcüdentrunk bestellte. Herr Heinrich Heinrich hatte auf dem Nmwcqe'über die Firma Luck & Co. für riOGO Mark den verschmähten Braunen des Herrn Lehmann aus Pyritz gekauft. vU HrÄidce. Skizze mii S t e f a n v. Kotze. Australien ist nicht überall Wüst: und Äusch. Ganz im Norden, in Qi-eensland. gibt es auch feuchttropische Striche, vereinzelte Flecken von se'werem Urwald, wie die Haarbüschel aus dem Rücken eines räudigen Pudels. Gan; plötzlich taucht der Wanderer ans der sonnedurchflutheten. durstlechsenden Parllandschaft mü ihren fohat :enle!cn Eukalnpien hinein in das Haidunkel des Scrub". als hätte ihn ein ?)rchengott in einen anderen Erd-II-eil verseht. Hoch über ihm wölbt stch tic fast undurchdringliche Blätterkuppcl, v tragen von Tausenden und Aberini! sl'üfcin schlanker, a st loser Baumle-''.en. um die stch üppige Schmarotzer r'üi'ten und Lianen winden. Unauf-r-jtlic tröpfelt es von den Kronen berab in das weiche, naue Moos, und re? ??uß gleitct aus auf schwarzem, sch'-za-.n'migem Boden. Ein stickiger T-eibhauodem beklemmt die Lunge. Aue - ist in Schwermuth getaucht. Nur der Blutegel fühlt stch wohl, und hüpjt mit eleganter Sicherheit aus seinem Hinterhalt auf das ahnungslose Opfer. Dick und Harrn die -Familien-namen gehen im Busch verloren wie die Stehkragen und die Hosenträger schreien schweigend, eirer hinter d.'n. anderen, den engen, glitschigen FußPfad entlang, der stch in sonderbaren und keineswegs durch das Gelände bedingten Schlangenlinien durch den düsteren Wald zog. Dick trug so sorgsam und ungeschickt, wie etwa ein Juniigcselle ein Baby hält, ein wohl meterlanges Stück von stark verrottetem Holz, aus dessen hohlem Innern eine fleischige, dunkelgrüne Pflanze mit kleinen weiß-rosa Blüthen wuchcrte. Alle Augenblicke sah stch Harry, der vorausging, nach seinem Begleiter um und blieb stehen, um mit lie'bevoller Fürsorge von Dicks Hals oder nackten Armen einen gierigen Blutsauger abzupflücken. Und dann beguckten sie ihren Schatz und lachten laut. Endlich schimmerte durch die lange Säulenhalle ein heller Schein, und bald darauf traten die beiden Männer auf eine Lichtung hinaus, unvermittelt in das brennende Sonnenlicht des Mittags. Wie ein Grab nahm stch der viereckige, von gefällten Baumstämmen bedeckte Platz aus in dem hohen, dichten Walde. In der Mitte stand eine weitläufige Baracke, aus unbehauenen Pfählen zusammengesetzt und . mit Nindenplatten und mit Wellblech bedacht. Das war die Königin Biktoria", ein Hotel, wie der Besitzer es auf dem selbstgemalten Schilde bezeichnete, eine Gifthöhle der allerschlimmsten Sorte, wie der seltene Fremde, der je einmal ein Glas dort genehmigte, zu seinem Leidwesen erfuhr. Aber die Digger. die in dem Dschungel Hausien, konnten schon etwas vertragen. In Bezug auf alkoholisches Getränk waren sie wenig verwöhnt; und solange es in der Kehle brannte und die dem hohen Preise entsprechende Nachwirkung besaß, gaben sie sich zufrieden.
Mac war Herr und Gebieter im Dalmie-Scrub, wie der Bergwald hieß. Bon seiner Laune hing das Schicksal der Miner ab, die einsam oder zu zweien ihr Zelt in dem Baumlabyrinth aufgeschlagen hatten und nach Wolfram schürften. Denn sie waren alle mehr oder weniger in seiner Schuld. Wolfram ist unzuverlässig wie das Herz einer Kokette. Nicht der ersahrenste Bergmann, wenn er gerade kein chemisches Laboratorium mit stch her- , umschleppe?. will, kann mit Bestimmtheit sagen, ob das Erz einer 60prozen-, tigen Ader nicht einen Fuß tiefer auf 6 1 Prozent fällt. Und diese Eigenthum lichkeü des Metalles machte Herr Macgregor sich als alleiniger Käufer zunutze in seinem Kontokorrent. Doch wenn trotz alledem und alledem ein Plus für 1 den Mrner herauskam na, dann glich eben die Flasche die Differenz aus. Denn wer einige Schluck von Macs
selbstfabrizirtem Whisky getrunken hatte, dem schwanden die Erinnerung und das Einmaleins. Wenn die Einsiedler der ewigen Dämmerung es gelegentlich satt bekamen. dem eintönigen Lied der Blattkrönen und dem Trommeln der fallenden Wassertropfen zu lauschen, wenn sie zurückdachten an den Busch, wo es Licht gab und trockenes Brennholz und hie und da auch Gras für die Pferde, so rückten sie einfach mit Hinterlassung ihrer Rechnung aus. Und solchen Heimsuchungen gegenüber zeigte sich Macs ganze Seelengröße. Er schimpfte und fluchte nicht. Er rief die Polizei nicht an, deren nächste Station allerdings über 200 Meilen entfernt lag. Er machte nur einen dicken Strich durch den Namen des Deserteurs, und dann seufzte er tief, schenkte sich ein Glas aus seiner Spezialpulle ein und redete also zu seinen Gästen: Ja, ja. Jun yens! So geht es mir immer. Das ist nun die Dankbarkeit, die unsereins ern, tet! Ihr werdet's ja nicht so machen, das weiß ich. Aber hol' mich der Deibel. wenn ich den beiden das zugetraut hätte! Wie mewe eigenen Brüder hab' ich sie behandelt und nun lassen sie mich sitzen mit 5 Pfund 17 Schilling! Da werde ich wohl bald die Bude zumachen müssen." Und der dicken Frau Macgregor, die immer aussah, als ob sie sich seit ihrer Hochzeit nicht frisirt hätte, kollerte eine gefällige Thräne, mit Fettaugen besetzt, wie gute Bouillon, über die rothbraune Backe. Doch trotz all dem zur Schau getragenen Biedersinn hatten die Digger sein innerstes Wesen wohl erkannt, und er hieß allgemein nur Llutegelmac". Jüngst hatte das Hotel" einen wirklichen Logirgast von Fleisch und Blut gehabt, und was mehr, er blieb Wochenlang wohnen. Die dunkelsten Bermuthungen hatten sich um den Fremden gesponnen. Als ein entflohener Berbreche? war er angesehen worden von den Diggern. Einen Spion der Polizei fürchtete der Wirth in ihm, einen Angeber, der sich die ausgesetzte Belohnung für die Feststellung von Giftpanschern verdienen wollte, und er behan delte ihn infolgedessen mit mißtrauischer Höflichkeit. Schließlich aber wurde es klar: es war bloß ein harmlos Verrückter, der sich freiwillig in diese transstygische Landschaft begeben hatte, um Orchideen zu sammeln. Was er mit derartigen Gemüsen anfangen wollte, wußte Niemand; und nur Mac lächelte listig, wenn man an der Bar darüber spekulirte. Der Fremde kümmerte sich um Niemand von den Weißen. sondern streifte täglich mit einigen Niggern durch den Wald und kehrte mit abenteuerlichen Kräutern beladen heim, um sie sorgfältig zu verpacken. Eines Tages war er abgereist. PackPferde von der nächsten Niederlassung hatten ihn und seine Sammlungen ab geholt, so erklärte Mac aufgeregt, als Dick und Harry einmal kamen, um Proviant und Tabak zu erstehen. Hak cr denn nicht geblecht? fragte Dick. Im Nu war die würdevolle Ruhe des Wirthes zurückgekehrt, und eisig entgegnete er: Der Herr hat natürlich alles bezahlt. Aber ihr beide nicht für einen Pfennig bekommt ihr mehr von mir, bis ich mal etwas Wolfram sehe. 4 Pfund 13 Schilling seid ihr jetzt schuldig und " Er brach plötzlich ab. Es leuchtete in seinen verschmitzten Augen wie von einer großen Eingebung. In milderer Tonart fuhr er fort: .Da fallt mir ein, ihr beide, ihr lebt doch im Dingogründ dahinten, nicht wahr? Na ja da hättet ihr eine schöne Gelegenheit vielleicht, eure Schuld abzuzahlen und ein gut Stück Geld außerdem zu ver- ( dienen." j Dick und Harry starrten offenmimbig den andern an. Was mochte wohl im Dingogrund zu holen sein, das auch nur drei Schilling werth wäre? Mac ließ sich nicht beirren Lauernd fragte er: Da gibt's doch besonders viele Orchidee.:?" v i Von dem Zeug, das der alte Narr sammelte allerdings! Wenn das Geld bringt, dann " Nein, nein, nein! So schnell geht es denn doch nicht. Es handelt sich um eine ganz besondere Pflanze, mit kleinen weißen Blüthen " Und er gab eme längere und genaue, populär gchalten? Beschreibung. Die beiden Kameraden horten aufmcrksam zu. Doch zum Schluß sazütleite Harry 'den Kvpf und rntinte: Solch eine haben wrr noch nicht geschon." Aber ihr konntet doch auf die Suche gehen."' Hol der Teufel das Geschäft! Zwischen Baumstämmen und Felsen und
nassem Moos und Farnen herumzuklettern und von den Moskitos und Blutegeln aufgefressen zu werden. Such' du sie doch allein!" Halt's Maul. Harry!" schrie auf einmal Dick. Und es lag etwas in seiner Stimme, das Harry die Unhöflichkeit der Aufforderung übersehen ließ. Willst du. Dick?" fragte MacGrcgor. Ich brauch's nicht! Ich weiß schon, wo sie ist", triumphirtc der Digger. Du weißt wo sie ist?" wiederholten die beide andern. Dick nickte freudig grinsend. Ganz zufällig ste fiel mir auf. als wir mzl den Busch hinauf Prospektiren gingen. Erinnere mich noch genau, wo. W3 willst du gutwillig zahlen. Mac?" Macgregor war außer sich vor Aufregung. Doch die Frage brachte ihn wieder zu stch. und er versuchte einc möglichst gleichgiltigc Miene aufzustecken. Kommt rein in die Bar! Da Zönnen wir die Geschichte gemüthlich bei einem Glase besprechen." Eine halbe Stunde später eilten d'c beiden Mincr ihrem fernen Lager zu und am nächsten Tage schon kehrten si mit der seltenen Orchidee zurück. Glück mutf der Mensch manchmal haben." reflcktirte Dick grinsend, als st stch der Königin Viktoria" näherten. ..Weißt du noch, wie wir schimpfe tcn, damals, als der halbe Sack, dcn wir bei Blutcgelmac gekauft, schlecht war?" Ja, ja! Wir mußten eine Menge dadcn wegwerfen. Ab dab sie hier in den Tropen wachsen würden und blühcn. das hätt' ich nicht gedacht." Ach was hier oben im Gebirge ist eö kühl und feucht genug dazu." Aber Glück ist's doch!" beharrte Harry. Und Genie! Manche Leute stolpcrn ' über Goldrollcn und schon sie nicht." Und Dick warf seinem Kämeradcn einen vernichtenden Blick zu. Dir wäre die Ähnlichkeit dieser edlen Pflanze mit der Orchidee, di? Mac uns beschrieb, nie aufgefallen. Und Talent und Negie besitzest du leider auch nicht. Du hättest niemals daran gedacht, sie in das alte Stück Holz zu sehcn. Obwohl du doch täglich Hunderte von Orchideen in den Bäumen herumllettern siehst." Harry fühlte stch peinlich berührt und lenkte das Gespräch ab: 50 Pfund Sterling ist ein ganz hübscher Batzen!" Dem alten Gauner sind mindestens 300 Pfund Sterling versprochen worden. Ich habe ma! gehört, daß unbekannte Efeinplarc kolossale Summen bringen. Aber jetzt ernst und würdevoll! Da steht Blutcgelmac und wartct!" Als die liebevolle Frau Macgrego? vierzehn Tage später ihren Gatten von der Küsienstadt zurück empfing, da gab es eine höchst bedauerliche häusliche Szene. Mac fluchte in allen Registern und vergaß stch in seinem Zorn so weit, aus der Gästcflasche zu trinken. Und seine Gemahlin saß auf einer alten Kiste und schluchzte immer wieder: Eine Kartoffel! Eine Kartoffel! O. die Schufte! O. das schöne Geld, das uns der Herr versprochen! Wie ist es nur möglich, daß du dich so beschwindeln lassen konntest?" Hast du vielleicht schon mal eine englische Kartoffel wachsen und blühen sehen?" heulte der empörte Mac. Nie nie natürlich nicht. So was wächst ja nur im Süden. Aber " und sie brach in neue Thränen aus eine Kartoffel eine Kartoffel!" Dann jedoch, als ihren Mann ein Schlaganfall bedrohte, vergaß sie in bcwundernswerther Selbstentäußerung den eigenen Schmerz und versuchte den Rasenden zu trösten:
Verloren haben wir ja Gott tj Dank nichts dabei an baarem Geldes Sie haben die 50 Pfund Sterling bei uns vertrunken, und chr altes PackPferd auch noch. Aber eine Kartoffel eine Karto-o-of-f-fcl!!" 400 nackte Gefangene. Einen ganz eigenartigen Streik haben 400 politische Gefangene im Gefängniß von bmolenLi erklärt, indem sie sett etwa acht Tagen dollständig nackt umhergehen und das Anziehen von Wäsche und Kleidern verweigern. Nachdem die politischen Gefangenen in das Gefanigniß von Smolensk abgeliefert warci,. das ursprünglich ein Korrektionsg?fängniß war. erhielten alle Gefangenen die von den früheren Arrestanten getrogene Unterwäsche, die aus dem allergröbsten Leinenstoff, der für Mehlfäcke untauglich ist, angefertigt und nicht gewaschen war. Nach dem Tragen dieser Wäsche verbreiteten sich kleine Wunden über den ganzen Körper der Gefangenen und diese wurden mit dcn mannigfachsten Hautkrankheiten, ja sogar mit Lepra infizirt. Da riß die Geduld der Gefangenen und eines schönen Tages flogen alle Bettund Leibwäsche sowie die Kleider aus den Zellen vor die Thür und die Gefangenen erklärten, sie wären alle bereit, lieber an Erkältung zu sterben, als durch Hautkrankheiten und Schmutz zugrunde zu gehen. Die ortliche Gefängnißverwaltung war auf dem besten Wege, die Gef:tzlichkeit dieser Förderung anzuerkennen, fragte aber sicherheitshalber in Petersburg an, von wo die Antwort einlies: den Gefangenen nicht nachzugeben und sie kahl herumlaufen zu lassen. Dieser kahle Streik", wie ihn die Lokalblätter nennen. ist selbst für Rußland etwas, noch I nickt DaaeweleneS.
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