Indiana Tribüne, Volume 30, Number 143, Indianapolis, Marion County, 8 February 1907 — Page 5

Jndlana Tribüne,. 8 Februar imw

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Der Rmmcnlanz.

ZZovkllctte von StöcKert. P" (Fortsetzung.) Dem aiifgeioiien, dunklen $aar hing ein zerknittertes Nosenkränzchen, und in den Händen hielt sie einen prachtrollen Strauß von Marschall-Niel-Nosen und Veilchen. Sieh, nur. die herrlichen Blumen, Maina!" rief sie. Sie sind von der Prinzessin!" Und dann begann sie mit sprudelnder Lebhaftigkeit zu erzählen, daß sie mit noch einer kleinen Kollegin nach der herzoglichen Loge besohlen worden sei, wo Prinzessin Feodora ihi die Blumen geschenkt tobe; auch mit Wein und Kuchen seien sie traktirt rrorden, die Herzogin und sogar der Herzog hätten mit ilr gesprochen, sie gelobt und gemeint, daß sie in einigen Jahren die 'clt cntziickcn werbe. Tann kann ich viel Geld verdienen, Mama!" meinte sie mit altkluger Miene. Tann ziehen wir in ein schö ncö Haus mit einem Balkon und halten uns ein Ticnstmädckcn, vielleicht auch eine Jungfer, Du brauchst dann gar nichts mehr zu thun, und die schönsten Kleider sollst Du tiabe::!- So plauderte die Kleine noch eine ganze Weile. Die Filrstengunst, vielleicht auch der Wein, schien sie ganz berauscht zu haben. Jyre Mama aber starrte mit geheimnißvollem Sehcrblick wie in weite Fcrnen. C, Herbert, Deine Prophezeiung wird eintreffen!" murmelte sie und blickte empor zu der lebensgroßen Pho tographie ihres Manneö. die über dem Sopha hing. .Unsere Gegenwart schien sie vollständig vergessen zu haben. Mahlo erinnerte die Kleine daran, daß es für sie hohe Zeit sei, ihr Lager aufzusuchen; davon aber wollte die kleine Dame nrchts hören. Schlafen könne sie noch lange, lange nicht!" versicherte sie ihm lachend. Ob er denn so müde sei?" neckte sie ihn und wandte sich dann zu mir, der ich überhaupt immer sedr von ihr bevorzugt wurde, vielleicht meiner Jugend wegen. Ich würde sie doch immer lieb haben, auch wenn sie erwachsen und eine berühmte Tänzerin wäre?" fragte sie mich ganz ernsthaft. Wcirum soll ich Dich dann nicht mehr lieb haben, kleine Thca?" rcrsetzte ich. Nun, rocil Sie es nicht hübsch sinden, daß ich Tänzerin werde!" Bleibe nur gut und brav, dann werden ich und alle Menschen Dich stets lieb Izabcn!" versicherte ich ihr. Und sie wird es bleiben," rief da Frau Bienka, aus ihrem hypnotischen Zustand erwachend wenn auch ihre Laufbahn noch so glänzend wird ; und das wird sie werden, ich sah es vorhin wie Kronen um ihre Stirn schweben!" Hatten Sie Erscheinungen?- fragte Mahlo lebhast. Ja, ja; aber bitte, fragen Sie nicht weiter, des Kindes wegen," flüsterte sie, es darf von alledem nichts ahnen!" Sie zog Thea zu sich heran und war nun wieder gan, A!utter. Mein Abgott, mein einziges Glück!" rief sie. Wie bin ich bcgnadigt vor Tausenden, solch' ein Kind mein zu nennen!" Thea schien an solche Auöbrüchc lei denschafllicher Zärtlichkeit schon ge wohnt, sie blieb wenigstens ziemlich kühl dabei. Mahlo erhob sich ctwaö enttäuscht. Die Abgötterei der Alten mit ihrem Kinde streift doch schon etwas an Lcrrücktheit," meinte er, als wir Beide uns empfohlen hatten und die Treppe emporstiegen. Mutterliebe ist immer etwas Hei ligeö," erwiderte ich ihm, und bei Frau Vienka ist es jedenfalls das Beste und Schönste, was ihr aus einem so bewegten Leben geblieben ist." Na, mir ist sie als Ä!edium inte ressantcr, als als solche überspannte Mutter," brummte Mahlo. Freilich, die Kleine ist ja reizend, und Karriere wird sie machen, wenn nur die Alte dann nicht ganz überschnappt." Mit diesen Worten trennte er sich von mir. Bald nach diesem Abend verließ ich die Stadt, um mich in meinem hei mathlichen Dorfe zum Examen vorzu bereiten. Erst nach Jahren ich war jchon längst würdiger Gymnasiallehrer horte ich wieder von Thea Vienka. Gleich einem Meteor war sie plötzlich am Kunsthimmel der Residenz aufge taucht, die Heitunaen brachten begeisterte Berichte von lyr uno tyrer unvergleichlichen Tanzkunst. Berückend schön, von bezaubernder Grazie, eine Tänzerin, wie man sie seit der Taglioni Zeiten nicht wieder gehabt,- , so stand in den Zeitungen von Thea zu lesen. Als sie dann eine Kunstreise durch fast ganz Europa unternahm, da ging einmal wieder ein Strom echter Begeisterung durch die Welt. Ich las mit lebhaftem Interesse alle Zei tungSberichte von ihr und war stolz daraus, dieses Wunder der Tanzkunst entdeckt zu haben. Wie gern hätte ich sie einmal tanzen gesehen, aber ich war festgebannt in der kleinen Provinzialstadt, ritt dort Grammatik mit den Schülern des Gym nasiums, las Homer mit ihnen und spann meine Tage im ziemlichen Einerlei ab. Eines Tages verkündeten die Zei tungen, unmittelbar nach Theas Rückkehr von einer Kunstreise, ihre Bcrlobung mit einem Grafen Tettenborn. Die Grafenkrone war eS also gewesen, die ihre Mutter damals schon um TheaS Stirn hatte schweben sehen. Theas

Künstlerlaüfbahn hatte nun für immer ein Ende erreicht. Sie einst doch wiederzuichcn, war für mich in dem trockcnen Einerlei der Gedanke, dem ich gern nachhing. Und die Stunde kam, schnel-

ler als ich gedacht, Arilj, benachrichtigen Sie die Frau Gräfin, fcatt ein Herr, ein Jugendbekannter, sie zu sprechen wünsche." Mit diesen Worten wandte sich Frau Vienka an den auf ihr Klingeln crfchienenen Diener. Der Herr, der die Frau Gräfin zu sprechen wünschte, war ich. Nach der Stodt versetzt, in deren nächster Nähe Graf Tettenborn seine Besitzungen hatte, wellte ich cs mir nicht versagen, den Damen meinen Besuch zu machen. Frau Vienka, der ich mich bejchndenUich zuerst melden nen,' empfing mich etwas von ober, herab. Als Schwiegermutter eines Grafen bewohnte sie ein reizendes, mit allem' erdenklichen Lurus ausgestattetes Schlößchen, zahlreiche Dienerschaft stand ihr zur Verfügung. Auch mit ihrer äußeren Erscheinung war eine große Verwandlung vorgegangen. Sie, die früher abgetragene Sammcttaillcn und bunt karrirtc Röcke getragen, war jetzt in die feinsten Stoffe gekleidet, daö immer noch schöne, dunkle Haar war geschmackvoll frijirt, ein seiner Puder lag auf ihrer gelben Haut, nur die gcheimnißvollen Augen waren unverändert und hatten noch denselben dunklen, hypnotischen Blick, der für Mahlo stets so anziehend gewesen war. Sie finden mich verändert?" fragte sie lächelnd, da mein Blick wohl etwas verwundert auf ihr ruhte. Aber nur zum Vortheil," versicherte ich eifrig und ließ mir dann erzählen von Thca, von ihrer Kunstreife, die mit der Verlobung einen so glänzenden Abschluß gesunden. Sie war natürlich Feuer und Flamme bei diesen Schilderungen und schien eben noch so leidenschaftlich in ihrer Mutterliebe, wie einst vor Jahren. Schade, schade, daß le sie niemals haben tanzen sehen!" rief sie. Wahre türme von Begeisterung hat sie stets hervorgerufen, und, gehuldigt ist ihr werden, wie wohl selten einem Mädchcn; aber all' das machte keinen Eindruck auf sie, kühl und unnahbar blieb sie für alle ihre Verehrer, ihre Kunst war ihr Alles, darum aber hat sie auch das Höchste darin erreicht. Ich will nur Tänzerin sein und nichts weiter, erklärte sie stets und wies lachend die glänzendsten Anträge zurück, bis ich cS endlich doch für meine Pflicht hielt, sie umzustimmen, das war damals, als der Graf um sie anhielt. Was sollte schließlich aus ihr werden, wenn sie keine glänzende Partie machte, jetzt, wo eö ihr geboten wurde. Ich führte ihr das traurige Loos einer alternden Tänzerin vor Augen, vielleicht malte ich mit zu grellen Farben, es wirkte aber, sie entschloß sich, Gräsin zu werden." Ohne Neigung, ohne Liebe?" fragte ich erschrocken, denn ich war, trotz mciner Lchrerwürde, noch jung und Idealist genug, um eine derartige Vrstandesehe zu verdammen. Liebe, Neigung." sagte Frau Vienka geringschätzig und sah mich fast mitleidig an ob solcher veralteter Ansichten. Thea ist über dergleichen erhaben, sie hat etwas von einer Elementarnatur, vielleicht, weil sie mein Kind ist," setzte sie mit einem geheimnißvollen Blick hinzu. Uebrigens mußte sich auch ihr Schicksal erfüllen. Sie wissen ja, daß sie für eine glänzende Zukunft bestimmt war ; es mußte ja so kommen und nicht anders." Sie sah bei diesen Worten unHeiml scher aus denn je, und stand äugenscheinlich noch ganz auf dem alten Standpunkt, glaubte noch fest an ihre Geistererscheinungen, und ihr Kind war schließlich ein Opfer dieses Glaubens geworden, verheirathet ohne Neigung und Liebe. Di trat eS ein, ihr vergöttertes Kind; nein, eintreten ist nicht das palende Wort, elrengleich schwebte die junge Gräsin in daö Zimmer, und mir i f t ' rr J-iL war eo, ais woite icymir lliics lljvnc, was unsere Erde trägt, offenbaren. Vor mir stand sie nun im schlichten weißen Kaschmirkleide, das lockige Haar von einem blauen Bande zurückgehalten, das Antlitz noch von dcmsclden bestrickenden Liebreiz umflossen, der ihr schon als Kind eigen war. Und als wäre sie noch dieses Kind, reichte sie mir beide Hände. Onkel Werner, o welche Freude!rief sie jubelnd. (Fortseung folgt.) A l s Mittel gegen einen Scblanaenbik hat sich immer noch der Advokat in sehr großen Dosen bewährt; das Wirksamste ist aber jedenfalls ein schleuniges Ausbrennen der Wunde durch Auflegen und Anzunden von feuchtem Schreßvumer. GtdänkmspMter. Manche Frau ist für ihren Gatten eine schwere Last, eil sie zu leicht ift. Man siegt über seine Niederlage,,, indem man sie sich ewgrftrht. Man wünscht manchen zum Teufel, den man mit einem .Und damit Gott befohlen! entlä:. Tie Sonne und ein gütieZ Herz strahlen auch, :?:nn sie keiner beachten litt übermüthig ist im Glück, Klcinmüthig wird im Mißgeschick. Kraut. Zündhölzer und gescheite Leute werden gleich behandelt: Man benützt ihre KLdfe dann wirst man t weg. Mann und Frau, die sich nicht verstehen,

Aörechnung. Novellette von Ada Bock. S i e hatte den Kopf auf die rechte Hand gestützt und sah verträumt in den herbstlichen Garten hinaus. Ein kalter Wind rüttelte an den Fenstern, daß die Scheiben klirrten. Hoch wirbelte er die gelben Blätter, die auf dem Kies und dem sonnenderbrannten Rasen des Gartens in Menge lagen; raschelnd flogen sie in die Luft, um dort langsam, wie müde, herabzusinken. Er hielt die Augen wie gebannt auf ihrem Gesicht; 'sein Blick folgte dem ihren und heftete sich dann for-

schend wieder auf ihre ausdruäsvI'lm Züge. Scharf hob sich ihr Profil in dem Dämmerlicht ab; die ein w:mg aufwärts strebende Nase, der feingeschnittene Mund als ob er all das nie gesehen, so bewundernd glitt sein Blick darüber hin. Aber di? Augen! Diese wundervollen, grauen Augen. die's ,hm ang'.tan, warum hr:U sie die nur so beharrlich von ihm abgekehrt? Ein neuerlicher Wiudi'oß sc.,?eu:erte einen förmlichen B.'ätte.r,gen regen die Fensterscheiben. Er fuhr aus seinem Sinnen aus. Als wir das letzte Mal da srtfcen, siel Blüthenschnee wissen Sie'S noch. Frau Eva?" Sre nergi: den ttovs, ohne ai an zusehen. Ja. damals war's Frühling!" Es klang wie aus G:dan!en heraus. Wie Sie das sagen, grau Eva: Und es liegt doch nur ein Schimmer dazwischen, ein paar lnrze Wochen!" 'Jtux ein Sommer!" er netzte nen vor und versuchte, ihrem Blick zu begegnen. Als ihm das nicht gelang, legte er seine Hand auf die ihre. Sie zuckte zusammen, drehte jäh den Kopf, und da trafen sich ihre Blicke. Seine Augen tauchten in die ihren ; ein unruhrges Fragen war rn den ergenthumlich hellen Männeraugen. Nach wenigen Sekunden senkte sie den Sites; zögernd, langsam, säst scheu fielen die breiten Lider, und ihre Hand entzog sich der seinen. Frau Eva! das klang wie bittend. Und da sie wieder wortlos in den Garten hinausstarrte. fuhr er hastig fort: Sie sind so anders geworden, Frau Eva, so ganz anders!" Ja, rch weiß es. Ich habe mich erholt und sehe gut aus," sagte sie nachlässig, wie nebenbei. Er sÄüttelte heftig den Kopf. Nicht das me ne ich. Nicht äußerlich. Sie sind schöner denn je. so frisch, so entzückend sind sie " Noch!" unterbrach sie ihn. Er sah sie betroffen an. Was war das für ein harter Ton in der sonst so weichen Stimme. Aber ihr Gesicht schien ruhig. Vielleicht hatte er falsch gehört. So fuhr er hastig fort: Ja, schön, jung, entzückender denn je sind Sie. Eva, aber anders, mir gegenüber anders das meinte ich." Er sprang plötzlich auf, und, vor ihr stehend, neigte er sich so tief herab. daß der Duft ihres vollen, blonden Haares betäubend um seine Schläfen strich. Ist es toahr, Frau Eva, was gute Freunde mir sofort nach meiner Rückkehr zuraunten das Bild ohne Gnade " er zögerte und stieß dann schwerathmend hervor: Hat man recht, Eva Sie und Gert Paulsen V Sie hatte sich zurückgelehnt und sah ruhig in sein nervös zuckendes Gesicht, in seine Augen, in denen jetzt ein wildes Feuer aufklomm. Und wenn man Recht hätte. Hetr Doktor?" Eva das sagen Sie mir?" Mit einem fast brutalen Griff umklammerte er ihr Handgelenk; er hatte Mühe sich zu bezwingen. Erst nach einer Weile ließ er sie hochaufathmend los und strich sich mit beiden Händen über das verzerrte Gesicht. Dann lehnte er sich gegen das Fenster und kreuzte die Arme fest über der Brust, die sich in schweren, stoßweisen Ach:mzügen hob. Sie sah zu ihm auf. ein leises Beben lief um ihre MundKinkel, sonst verrieth nichts in ihrem ruhigen Gesichte, daß seine Erregung sie berührte. Hätte ich's Ihnen verschweigen sol len? Gerade Ihnen? Sie fragten ja!" Warum quälen Sie mich so, Eva?" Quäle ich Sie?" Plötzlich richtete sie sich auf und, ganz nahe an ihn herantretend, stieß sie heraus: Ich quäle Sie? Daß Sie mich gequält , gemartert, gepemigt haben, daran denken Sie nicht? Gut. ja, es gibt kein Bild ohne Gnade mehr; gut. ja, ich und Gert Paulsen gehören zusammen. Haben .Sie ein Recht, mir's zu wehren? Sie. der Sie mich so weit gebracht haben?" Sie hatte immer lauter und erregter gesprochen; nun warf sie den Kopf zurück und sah mit funkelnden Augen auf den Mann, der sie fassungslos anstarrte . Sie lachte kurz auf uno nahm dann ihren früheren Platz wieder ein. Jetzt sind Sie konsternirt? Halten mich wohl gar für wahnsinnig? Aber ich bin's nicht, o nein! Ich dachte niemals so klar wie jetzt." Frau Eva, so sagen Sie mir doch .Will ich ja," unterbrach sie ihn. wieder ganz ruhig geworden, aber Sie thäten besser daran, sich u sehen. Dok

tor, denn meine Ges'ch'ichte" dauert ein ! wenig länger." Er warf sich in den neben ihr stehenden Fautcuil. Nach einer Weile begann sie eintömg: Als ich Sie kennen lernte, im vo- t rigen Jahre, war ich eine ganz simple glückliche, zufrieden: Person. Tihr nennt Frauen meiner Art dumm! Sind sie alt und häßlich, dann lacht Ihr über sie; sind sie jung und hübsch, dann wollt Ihr sie gescheidt" machen. Ich war noch nicht dreißig! Wie klug Ihr seid! Wie Ihr uns systema-

tisch die Ruhe, den Frieden nehmt! Wie bald Jhr's durch Eure Reden, durch die Bücher, die man in Eurer Gesellschaft gelesen haben muß", dazu bringt, daß man sich selbst albern sindct, seine Ansichten veraltet, lächerlich. Hausfrau. Gattin. Mutter sein! Ist das ein Beruf für cin junges, schönes Geschöpf! Moral, Ehrbarkeit, eheliche Treue! Was für antiquirte, lächcrlichc Begriffe! Kann man von einer Frau fordern, daß sie für ihr ganzes Leben einsteht? Kann sie dafür, wenn ihre Liebe zu dem Gatten sich abstumpft, zur Freundschaft wird, und die große Sehnsucht wieder in ihr er wacht? Hat sie kein Recht mehr auf Liebe, Seligkeit, Genuß? Kann sie sich damit abfinden, ihr ganzes Leben hindurch den geraden, breitgetretenen Weg der Pflicht und Gewohnheit zu gehend Ist sie geknebelt oder geknechtet? O. wie klug Ihr seid! Wie Ihr uns das Gift einträufelt, langsam, allmälig, tändelnd! Bei Lichterglanz und Walzerklängen, aber immer wieder! Wie Ihr uns martert! Was, fast dreißig Jahre und noch nichts erlebt? Ein unbeschriebenes Blatt? Unmöglich! Ja, um Gottes willen, wie lange wollen Sie noch warten? Man hat doch nicht so viel Zeit! Besonders eine Frau! Gleich sind Jugend und Schönheit beim Teufel, ungenutzt und ungenossi'N die besten Jahre vergangen. Wozu hat man dann gelebt? Erst wehrt man sich! Man klammerte sich an seine , Pflicht, an das, was Einem bisher als ' Glück erschien. Aber das Gift wirk:! Sonderbare Gedanken stellen sich ein. Empfindungen, die man vorher nie gekannt, eine Sehnsucht nach dem Unbekannten, das so verlockend geschildert wird, eine dumpfe Angst, wenn Tag um Tag. Jahr um Jahr verstreichen und vor einem immer die gerade Landstraße liegt." Wie lange, verschlossene, plötzlich laut gewordene Gedanken klangen ihre ! Worte an das Ohr des staunenden ?.cannes, laut gewordene, anklagende tk : sanken! Und dann kommt Einer, der nicht im Allgemeinen spricht; Einer. gegen den das Wehren so schwer vSixbl Einer, der über Alles spottet und lacht, Treue und Pflichten leugiu':; Einer, der mit der Sicherheit d,-s Erfahrenen sagt: Für jedes Wk'ib Icvzmt die Stunde, in der die Sehnsucigt stärker ist als ihre Grundsätze, ihr: Pflicht, 's kommt nur darauf an, daß der Mann die Stunde zu erfassen weiß." Eva!" Athemlos starrte er sie an. Ganz leise fuhr sie fort: Sie haben mich gemartert, gequält mit Ihrem Wie lange noch?" Sie haben die Angst in mir erweckt, die Sehnsucht aufgestachelt! Aber ich wollte nicht. Ich wollte mich nicht selbst verlieren! Was fragt Ihr nach der Seele eines Weibes? Weiber! Mit einem Achselzucken sind alle abgethan. Eine neue Eroberung, eine Episode mehr, beendigt durch die Nächste! Wie ich gckämpft habe! Sie haben mit mir gcspielt und ich hab' Sie lieb gehabt, närrisch lieb! All' mein Wehren half nichts, stärker als Alles war meine Sehnsucht!" Eva!" stammelte er verstört, wL' hätte ich das ahnen sollen! Sie, die Unnahbare " Sie lachte auf: Wissen Sie noch, wann Sie zuletzt von mir hörten?" Er nickte: Ihre formelle Dankeskarte für den Ihnen gesandten Konzertsitz nebst einem konventionellen Abschiedsgruß das war das Letzte!" Wieder cin kurzes, spöttisches La chen. Beleidigt ich sagte es ja! Wie dumm und kurzsichtig Ihr doch seid, Ihr sogenannten Fraucnkcnner! Haden Sie denn nie daran gedacht, was das heißt, wenn eine Frau, wie ich. Ihnen sagt, daß sie in's Konzert geh:n will und gerade Sie bittet, ihr die Karte zu besorgen Frau Eva!" er sprang erregt auf. ich bat Sie so sehr, Sie begleiten zu dürfen . . Und ich wehrte mich noch, ich wollle mich noch immer nicht ergeben," unter, bracht sie ihn bitter, und Sie, verletzt, ärgerlich sandten mir eine Karte und kamen nicht. Ich wollte es nich! glauben; ich ging in's Konzert, siedcrnd, bebend, zitternd. Es war einc solch' ungebärdige Sehnsucht in mir. ich war müde von dem Wüthm gegen mich selbst, nur ein Gefühl beherrsch le mich i.:rgeffen Alles, Alles vergessen! Sie kamen nicht? Und ich so aufgewühlt, halb sinnlos vor Scham und Enttäuschung, so gedchmüthigt vor mir selbst! Mein Nachbar war Gert Paulsen. Nire autant de pleurer" sagt der Franzose. Ich wollte nicht weinen, nein, ich wollte nicht. Lachen wollt. ich. nun gerade! Und so habe ich ae lacht, mich so lange hineingesetzt,, bi. ich lachen konnte, so ganz toll lachen! Ueber Sie, über mich, über diese verdrehte Welt, über uns schwcrfälligc Frauen So habe ich lachen gelernt von einem, der vom Heut: nimmt. . waZ es bringt und nicht an rnnrnfn ' denkt.' J '

"Und nun, liebe? Freund, denk' ich. werden Sie versteben, warum ich an- j ders" geworden brn, obwohl wir uns nur einen Sommer lang nicht sahen!" Sie stand auf. Auch er erhob sich langsam. Eine Weile standen sie sich gegenüber Aug' in Auge Dann zog er ihre Hand an die Lippen und verließ, ohne sich nochmals umzuwenden, das Zimmer. Sie stand mit sinster zusammengezogenen Brauen und starrte auf die Thür, durch die er verfchwunden. m Sängerheim zerstört. Das schöne Heim des Teutonia Männerchor" m Allegheny, Pa., eines der angesehensten dortigen Gesangvereine, wurde letzte Nacht nahezu vollständig durch Feuer zerstört. Die vier Mauern stehen noch, das Innere jedoch ist vollständig ruinirt. Die Halle wurde im Jahre 1884 erbaut und hatte nebst Mobiliar einen Werth von 25.000. Der Verein, welcher vor zwei Jahren sein goldenes Jubiläum feierte, zählt etwa 275 Mitglieder. Schützen i m Weißen HauS. Die Charlestoner Schützen waren dieser Tage im Weißen Hause, um dem Präsidenten die Einladung zum Schützenfest zu überbringen. Präfident Roosevelt empfing sie in freundlichster Weise und Bundespräsident Jahns hielt eine hübsche kleine Rede, in welcher er auseinandersetzte, mit welchem Enthusiasmus nicht nur di deutschen Schützen, sondern alle Bewohner von Charleston ihn begrüßen würden. Der Präsident war in bester Laune und dankte für die freundliehe Einladung, welcher er. wie er sagte. leider nicht werde folgen können. Er wies darauf hin, wie wünschenswerth es sei, daß sich die Männer des Landes im Schießen übten, und erwähnte, daß auch er einer Schützengesellschaft angehört habe. Schließlich versprach er, den Schützen von Charleston einen Brief schreiben zu wollen, in welchem er seinen Gefühlen Ausdruck zu geben gedenke, auch sagte er zu, beim Charlcstoner Bundesschicßen den ersten Schuß thun zu wollen; der Präsident wird hier in Washington auf einen Knopf drücken, wodurch ein elektrischer Strom entfesselt wird, mittels dessen der erste Büchsenschuß in Charlcston abgefeuert wird. Die Fcstbehörde wird vafür verantwortlich sein, daß derPräsident auch gut trifft, denn sie hat das Zielen" zu überwachen. EineSachversiändigenKommission hat die Verluste

durch Schadenfeuer der letzten fünf Jahre in europäischen Ländern mit den unseren verglichen. Darnach belausen sich die Verluste in Oesterreich. Teutschland. Frankreich. Italien, der Schweiz und Dänemark im Durchschnitt pro Person im Jahre auf 33 Cents. In den Vereinigten Staaten bcläuft sich der Verlust pro Kopf der Bevölkerung auf $2.47. Und das ist di? Folge amerikanischer Fahrlässigkeit mit Zündhölzern, Lickt und Feuer und der laren Strafrechtspflege, welche Personen, die durch Leichtsinn oder Fahrlässigkeit Schadenfeuer verursachen. fast niemals zur Strafe zieht. Ein vereinsamter Mensch todt gemartert. Aus Eau Claire. Mich., wird berichtet: Daniel Hcaston, ein alter reicher Einsiedler, der nahe Mud Lake ein einsames Haus bewohnte, wurde kürzlich in einer neben seiner Wohnung gelegenen Hütte ermordet aufgefunden. Die Leiche, in dem eigenen Blute gefroren, bot einen entsetzlichen Anblick dar. Der Körper des bejahrten Mannes war schrecklich verstümmelt und offenbar hatten die Thäter ihr Opfer gemartert, um das Geständniß zu erpressen, wo das Baargcld im Hause versteckt war. Abgeschnittene Finger und Zehe lagen umher und von einem Deckbalken hing ein Strick herab, den die Unholde dazu gebraucht hatten, um den Greis der Marterqual des Erstickungstodes auszusetzen. Blutunterlaufene Wundmale am Halse ließen erkennen, daß der Unglücklicht halb erwürgt wordm war. Die Mörder endeten die Qual ihres Opfers durch einen Beilhieb auf den Kopf. Allem Anscheine nach haben die Raubmörder ihren Zweck erreicht, denn bei einer Durchsuchung des Hauses wurde kein Geld vorgefunden, obwohl man wußte, daß der alte Einsiedler beträchtliche Summen bei sich zu führen pflegte. Heastön hatte vor mehreren Jahren ein großes Vermögen geerbt und in letzter Zeit viel Geld ausgegeben, wobei er öfters große Rollen Banknoten blicken ließ. Eine Sheriffs Mannschaft verfolgt mit Vwthunden die Fährte der Mörder. Protestkonferenz der Kasinowirthe der franzosrschen Bäder. Eine eigenartioe Konferenz ist in Paris m Sicht. Die Kasinopächer der 72 Kurorte und Sommerfrischen Frankreichs wollen sich zusammenthun urrd gegen die von der Regierung ihnen angedrohten dralonischen Maßnahmen Stellung nehmen, und zwar aus patriotischen rmd allgemein roirchschaftlichen Motiven. Eine Denkschrift soll die rncheilvollen. Wirkungen aufzählen, welche der Lahnverkehr, das Hotelwesen, das Lurusgewerbe und hanptsachlich 'der Credit Foneier als der Harcptgläuttger aller Kasinos erleiden mußten, deren Spiels'ale eine enorme Pacht tragen. Die Konkurrenten in Ostende, San Remo u. s. w., denen man die Fremden zutreibt, würden frohlocken.

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derkeyen pz nein nur zu aux.