Indiana Tribüne, Volume 30, Number 134, Indianapolis, Marion County, 29 January 1907 — Page 6

Jttdiana Tribüne, SS Januar 1007.

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Jntcrurbm Zcit-TaSclle.

I. U. T. Syfte. Schnelle Durchzüge nach Fort Wa?ne. Schnelle Durchzügs nach Marion. Schnelle Durchzüge nach Peru. Schnelle Durchzüge nach Logansport. Schnelle Durchzüge nach Anderson. Schnelle Durchzüge nach Muncie. Züge verlassen Indianapolis. Nneieck Marion Divist ov. fcatoratee, Fortville, Pendleton, Andersen, Vorttovn, Muncie, Middlewwn, lerandria. uWnitville, Fawnount, Sa City, Ion ei toro, Warton, Blufftn und Union Eiry. 4 00 Sa. 1 05 Nm. 5 05 m. 2 00 Nm. l Vm. 3 05 Xm. 7 05 m. 4 00 Sm. 6 00 Vm. 5 00 Nm. 9 05 2m. 5 05 Nm. 10 00 Vm. 00 Nm. 11 00 in. 7 05 9fcn. 11 05 Vm. 9 05 Nm. 12 00 NttgS. 11 30 Nm. Limited. 2oganvort Peru Division. Trmel, NoSleLville, Eicero, rcadia, Atlanta, Tipton, Kokomo, Galvefton, Walton, LoganSport, Miami, Bunk HM, Leru und Elwood. 5 00 Lm. 1 45 Nm. K 45 Vm. 3 00 Nm. 7 00 Nm. S 45 Nm. 7 45 Vm. 5 00 Nm. U 00 35m. 5 45 Nm. v 45 Sm. 7 00 Stau 11 00 35. 00 Nm. 11 45 Vm. 11 30 Nm. 1 00 Nm. LimUed. eue spezielle Bedienung nach Ft. Wahne. Züge verlassen Indianapolis um 7:00 und -1:00 Uhr Vormittags und 3:00 und 7:00 ?r Nachmittags, schnelle IFahrt nach Fort Wa?ne machend und mit den Schnelljügen ach Toledo, Detroit und Lima verbindend sowie auch in Toledo und Detroit mit den Damxsern, die aus den großen Seen nach aSinac, Buffalo und den Riagara Fällen saufen, Verbindung machend. Der Aarion Flyer, der Indianapolis um 11 Uhr Vorm. und 5 Uhr Nachm. verlaßt, hält nur in Anderson, Alexandria, Summitille, Fairmount, JoneSboro und GaS City Aunction an. 11:30 bmdZug nach Muncie. 11:30 A!end-Zug nach Peru. Sge fahren nach Fort Benjamin Harri .n um 6:45 Vm, 9:05 Lm, 11:05 Vm, 1.-05 im und 3:05 Nm. eUere Information in der Office : Ter -rnil Gebäude. PhoneS : Reu, Main 6055; lt, Main 175, 1 Ring. Indianapolis & Eaftern. schnell Züge laufen Inach Sreensield. mghtStown, New Caftle, Cambridge SKv, Jichmond, Da?ton, Ohio,jede Stund bis 9 Uhr SendS, in Dazton, Ohio, mit allen Schnellzügen, die nach .Spnngsield, Colum dnS und allen centrale Punkten Ohio'S teufen, Lerbindungmachend. Sbend'Zug um 11:30 Abends nach nightS VSON. Weitere Information in der Office : Ter rmal Gebäude. PhoneS : Reu, Main 6055 -.il.Mta 175, 1 Ring. Indianapolis d Martinsville. ach Msoreiville, Bethany Park, MarkMöville, Ind. Erste MorgenCar um 6.0) Uhr Morgens. Vann von 7.-00 Uhr Morgens jede Swnde 913 7.-00 Uhr Send. Abend CarS verlassen die Jnterurban Station um 9.-00, 10fl0 und UM) AbendS. Bit 10:00 UhrCar fahrt nur bis ooreSville. Weitere Information in der Office : Ter mal Gebäude. PhoneS: Reu, Main 6055; t. Mai 175, Ring. Indianapolis & Western Traction Company. !ach Avon, Danville undZmifchenftationen. Erste Car verläßt Indianapolis um 5 Uhr Morgens, dann jede anderthalb Stunden bis 9:30 Uhr Abend. Letzte.C um 11:15 Uhr AbendS. Weitere Information in der Office : Ter minal Gebäude. PhoneS: Neu. Main S055, lt. Main 175, 1 Ring. Indianapolis Coal Traction Co. Züge laufen stündlich von Indianapolis nach Plainfteld von KM Uhr MorgenS eil 7.-00 Uhr lend. Abendzüge um 9 und 11:20 Uhr Abends. Der 5:00 Uhr MorgenS Zug läuft nicht Sonntags. Weitere Information in der Office : Tn minal Gebäude. PhoneS : Neu, Main 6055 ; lt. Main 175, 1 Ring. Indianapolis & Nortlzuieftern. Schnell-Züge nach CrawfordSville und La sahette laufen wie folgt:. 6.00 Vm., 7:00 Vm., 8:10 Vm., 9:00 Vm., 10:10 Vm., 10.45 Lm., 11:10 Vm., 12 Mittag, 1:00 Nm., 8:10 Nm., 4:25 Nm., 6:00 Nm., 7:10 Nm., 9:00 Nm. und 11:15 Nm. Zöge, welche um 10:45 Vm. und 4:25 Nm. fahren, sind Durchzöge, nach CrawfordS ville. Der 11.15 Abends 'Zug' fährt nur biS Frankfort. Weitere Information in der Office : Ter anal Gebäude. PhoneS: Neu, Main 6055; t. Mai 175, 1 Ring. Wm. Stocif le? Sgi1fi. Ao. 202 Nord Noble SKa VUmt XtUu i90f .

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hti Esters!! (Schluß.) Ein stattlicher Herr kam Wer 0en Kehlwaffenplatz. Dahinter tauchte ein Eseltreiber mit einem bepackten Esel auf. Einige Schritte vor Merry zog der stattliche Herr den Hut. Habe die Ehre mich vorzustellen, Herr Kamerad. Kapitän Milleraud vom Großen Generalstabe." Die Ehre ist ganz auf meiner Seite, Herr Kamerad. Kapitän Merry, KomMandant von Esteron." Htt? Kamerad, ich komme, gemäß höheren Vesehls Sie für einige Zeit abzulösen Und ich versichere. Herr Kamerad, daß ich meine Freude, daß Sie dieses so prompt thun, nicht in Worte zu kleiden vermag. Ich hatte Sie frühestens morgen Vormittag erwartet." Dabei bat er seinen Gast mit lebhaften Gesten, in's Haus zu treten. Als sie das Arbeitszimmer erreicht hatten, erwiderte der Ankömmling: Ah. das ist eine ganz einfache Geschichte, Herr Kamerad. Mehr ein Zufall. Jedenfalls freut es mich mit Ihnen, daß ich Ihnen mit einer schnellen Ablösung dienlich bin. Das läßt mich den mühsamen Weg von Lourque herauf vergessen. Eigentlich wollte ich es mir erst bequemer machen, von Lourque bis Pistable die Bahn benutzen und von dort bis zur Paßhöhe bei Davricourt-Haut die Post." Dem Himmel sei Dank, daß Sie den bequemen Weg nicht gewählt haben. Da wären Sie wahrscheinlich noch nicht hier. Und mir liegt ungemein viel an einer sofortigen Abreise." Ah? Sie wollen " Milleraud verschluckte die angefangene Frage. Ein Blick in das Gesicht seines Gegenübers ließ ihn verstummen. Er räusperte sich, lehnte sich mit dem Rücken gegen das Fenster und fuhr nach einer verlegenen Pause fort: Also, Herr Kamerad, wie gesagt, mehr ein Zufall ist's, daß ich schon hier bin." Merry wollte den Kameraden auf das Ledersofa im Zimmer nöthigen. Der andere wehrte aber ab und blieb am Fenster lehnen. Eine Kommission des Generalstabs befindet sich nämlich zur Zeit in DeuxMontages." Merry nickte. Weshalb darf ich nicht verrathen. Herr Kamerad, thut auch nichts zur Sache. Zu dieser Kommission gehörte ich. Nun habe ich ein hervorragendes persönliches Interesse an dem ganzen Visogebiete. Unter uns gesagt. Herr Kamerad, ich stehe dicht vor dem Major. Meine Beförderung hängt aber, wie ich weiß, von dem Ausfall einer Arbeit ab. die man mir zuertheilt hat. Und diese hat eben die Vertheidigungsfähigkeit des Monte Viso und seines Hinterlandes zum Gegenstand. Deshalb benutzte ich die Gelegenheit meiner Anwesenheit im nahen DeuxMontages, um das Hinterland mit eigenen Augen kennen zu lernen. In Ereux meldete ich mich, gemäß einer Verabredung mit dem Führer meiner Kommission. Oberst Zette, beim Kommandeur der Alpenjäger. Oberst Largeau. Das war gut. Denn ohne diese Abrede hätte mir das Telegramm des Generalstabs, das mir befahl, sofort das Kommando von Esieron zu übernehmen, nicht nach Ereux nachgesandt werden können. Wo habe ich doch das Telegramm? Richtig, hier in der Brusttasche steckt es. Bitte. Herr Kamerad" er lächelte meine Legitimation. Weil mich das Urtelegramm in Deux-Montages nicht erreichte, ist es von Deuz-Montages nach Ereux umtelcgraphirt worden. Deshalb der Aufgabeort Teux-Montages." Merry wehrte mit beiden Händen ab. Ich bitte. Herr Kamerad!" In Ereux entschloß ich mich, den kürzeren, aber auch beschwerlicheren Weg nach Esteron einzuschlagen, also über Lourque. den Saumpfad hinauf. In einer halben Stunde war ich. da es mit dem ug ausgezeichnet paßte, in Lourque. dort miethete ich mir den Treiber draußen, der mein Gepäck beförderte, und dann ging es los. So erklart sich meine schnelle Ankunft." Und ich bin Ihnen wegen dieser, wie schon versichert, im höchsten Grade dankbar. Herr Kamerad." Er wurde unruhig. Gestatten Sie einen Augenblick, Herr Kamerad." Er rief nach seinem Burschen. Diesen wies er an. den Koffer im Wohnzimmer fertig zu packen, auf ein SaumPferd zu laden und dieses mit einer Ordonnanz nachTavrivourt-Haut vorauszusenden. Dann kam er wieder zu Milleraud. Verzeihen Sie. Herr Kamerad, daß ich Sie allein li:ß." Ganz und gar nichts zu verzeihen, Herr Kamerad! Ich sehe Ihre Eile. Wenn es Ihnen recht ist. erledigen wir also, damit Sie frei werden, sogleich das Dienstliche." Aber Ihr Unterkommen? Sie werden müde sein!" Herr Kamerad, es drängt Sie fort. Wie kann da so etwas in Frage kommen. Wenn ich einem Kameraden einen Dienst erweisen kann, bin ich nie müde."

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v j ix U i it n 0 von JCIrcd fijm jlüljnc 6 -fc $s i Ganz außerordentlich liebenswürdig. Herr Kamerad. Wenn Sie also durchaus wollen." Er nahm an seinem Arbeitstische Platz und schrieb in das aufliegende Tagesjournal die Ueberaabeformel. Miderand mit Zeilen Scbriftzügen die Uebernahmeformel darunter. Dann erklärte Merry: Das Journal ist jeden Morgen durch eine Ordonnanz nach Davricourt-Haut zu schicken. Das heißt, so lange daS im Bereiche der Möglichkeit liegt. Geht es infolge von Witlerungsunbilden nicht an, ist Morgens durch das Telephon ein Rapport nach Davricourt-Haut zu erstatten. Hier ist ferner ein Verzeichniß der Mannschaften. Ter Leutnant vom Platze heißt Gerard. Wird wohl auf seinem Zimmer drüben sein. Werde ihn nachher herüberbitten lassen. Das ist hier der Entwurf eines Dienstplanes für die nächste Woche. Und dann dieser mit I bezeichnete Schlüssel, Herr Kamerad. Er ist, wie dieser mit II bezeichnete, vom Kommandanten laut Instruktion unzertrennlich." Damit brachte er den mit I bezeichneten Schlüssel in ein Schloß in der Hinterwand des Zimmers, drehte ihn um und öffnete einen Wandschrank. Derselbe war leer. Aber in seiner Rückwand befand sich noch ein weiteres Schloß. In dieses führte er dann behutsam den mil II bezeichneten Schlüssel ein, schloß auf und zog aus der Mauer eine eiserne Schublade halb hervor. Merrys Mienen wurden besonders ernst, als er weitersprach. Diesem Behälter, Herr Kamerad, sind die Pläne des Forts Esteron anvertraut. Sie sind einzig und allein für den Kommandanten bestimmt, der mit seiner Person für sie haftet. Nun. das wissen Sie ja selbst so gut wie ich. Und dann dieser versiegelte Umschlag. Bitte, überzeugen Sie sich von der Unverletztheit seiner Siegel." Alles in Ordnung, Herr Kämerad." Ten Umschlag hat der Kommandant am Tage einer Mobilmachung zu erbrechen." Milleraud nickte gleichgiltig. Weiß weiß." Ja so, Sie als Generalstäbler kennen natürlich seinen Inhalt. Hier haben wir ferner noch einen Geldbetrag von fünftausend Franken, den wir nur in gewissen Fällen angreifen dürfen. Das Reglement liegt dabei. Zur Löhnung kommt der Zahlmeister von Davricourt-Haut herauf. Sonstige Ausgaben, wenn wir je einmal welche haben, weisen wir auch auf dort an. Sie werden demnach wohl nicht in die Lage kommen, den Betrag angreifen zu müssen, außer es bräche über Nacht ein Krieg aus. Herr Kamerad, es bliebe nun blos noch übrig, ein Protokoll, das übe? Davricourt-Haut zum Stäbe nach Ereux zu gehen hat. aufzunehmen. Bitte, zählen Sie inzwi schen das Geld durch." Habe es schon überflogen. Es stimmt." beeilte sich Milleraud zu versichern. Merry war bald mit dem Protokoll fertig und unterzeichnete es. Mi!leraud that d:sgleichen. Durch den Burschen wurde darauf Leutnant Eerard aus seinem Zimmer herllbergebeten. Nachdem er dem interimistischen Kommandanten vorgestellt und von der stattgehabten Ueberzabe der Dienstgeschäfte verständigt worden war. forderte ihn Merry seinerseits zur Unterzeichnung des Protokolls auf. Es geschah. Nun wurde ihm aufgetragen, das Protokoll zu siegeln und es mit einer besonderen Ordonnanz an den nächsten Vorgesetzten, Major Hclois. Kommandant von Davricourt-Haut, abgehen zu lassen. Gerard salutirte und entfernte sich, seinen Auftrag auszuführen. Milleraud hustete leicht. Was ich noch sagen wollte. Herr Kamerad. Im Generalstabe gelten die Befestigungen des Monte Viso als lückenlos. Sind Sie der gleichen Ansicht?" Merry zuckte mit den Achseln. Sie siad also meiner Ansicht," fuhr Milleraud fort. Ich halte diese Befestigungen keineswegs für lückenlos, für unüberwindbar. Allerdings bin ich mir über einige Punkte noch nicht ganz klar. Das mag daher kommen, daß man am grünen Tische nie einen so sicheren Blick" als in der Praxis gewinnt. Ich habe vor kurzem gesprachsweise eine diesbezügliche Bemerkung einem höheren Vorgesetzten gegenüber, der mir wohl will, fallen lassen Diesem habe ich wahrscheinlich auch das Kommando zu danken, das mir gelegener gar nicht kommen konnte. Hm Pardon, Herr Kamerad, wie war es doch? Schwere Geschütze haben Sie nicht im Fort?" Nein. Wir haben nur Feldgeschütze von acht und neun Centimeter Kaliber Und wenn nun eine entschlossene feindliche Bergtruppe mit auf SaumPferde geladenen Berggefchützen bei Nacht die Hange des Monte Viso heraufklettert und sich an einem Punkte ich habe die Gegend nur nach der Karte im Kovfe so zwei Kilometer von

Esteron'entfernt. bis wobin sie sogar

bei Tage von Esteron aus ungesehen gelangen kann, festsetzt und Esieron auf diese kurze Entfernung niederkämpft? Und wenn Esteron gefallen ist was dann? Der Weg nach Lourque hinunter ist ihr offen. Zieht sich das Bataillon Alpenjäger aus Ereux nicht schleunigst zurück, ist es verloren. Von Lourque ist es ein leichtes, nach Pistable hinunterzustoßen. Und ist Pistable in feindlichen Händen, ist das Schicksal von Davricourt-Haut besiegelt." Merrn nente den Kopf zur Seite. Er dachte: Das mit dem grünen Tisch war eine treffende Bemerkung. Gelassen antwortete er: Herr Kamerad, so leicht wird e? ein Feind allerdings mcht haben. Sem Versuch, den jenseitigen Hang auf dem Saumpfad heraufzukommen, zumal mit beladcnen Stedb?fr- würe im minlina?. Es sind n?mllcHan zwei gllnsirgen Stellen des Pfades vorbereitete geheime Vertheidigungssiellungen in den Felsen gesprengt." .Ah !" Die letzte ist die stärkste, obgleich auch sie einen wunden Punkt hat. nämlich ihren Zugang von der Feindesseite her. Ich habe darum schon mehrere Umbauanträge c-estellt. Es ist eben die Stelle, die Sie erwähnten zwei Kilometer von hier." Ah Mit einer einzigen Kanone in der Kasematte dort getraue ich mir den Pfad gegen eine ganze feindliche Armee zu halten. Ganz abgesehen davon, daß wir den Weg an bestimmten Stellen auch noch dermaßen zur Sprengung vorbereitet haben, daß er einfach unpassirbar gemacht werden würde. Wie gesagt, für den Pfad herauf fürchte ich nichts. Ter Ferno braucht aber nicht unbedingt auf dem Pfade heranzukommen. Er kann uns nämlich noch wie folgt fassen: Erstens muß er sich mit Gebirasgeschützen in dem Gewände des Eol de Firmate drüben, das unser Fort überragt, einnisten. Er kann das von seinem Lande aus unbeobachtet, und ohne irgendwo auf Widerstand zu stoßen, thun. Sein Feuer würde uns bald vernichten. Denn ob wir große oder kleine Geschütze haben, wir könnten ihm nicht viel antworten, weil er uns aus natürlichen, versenkten Stellungen heraus, wie ich erkundet, beschießen würde, und wir dadurch in Unkenntniß blieben, wo er steht. Das Schießen aus versenkten Stellungen heraus ist so ein Kapitel. Habe in meiner Einsamkeit einen Aufsatz darüber geschrieben, der sich auf praktische Erfahrungen gründet." Sie sehen mich in Verwunderung. Herr Kamerad." Jnteressirt Sie das wirklich?" Ganz außerordentlich!" Merry zog das in Rede siehende Manuskript aus einem Fach und fuhr fort: Werden Geschütze hundertfünfzig Meter hinter einer Deckung so aufgestellt, daß ihre Mündungen vier Meter tiefer als der vorliegende Kamm sich befinden, kann der F:ind nicht einmal den Feuerschein der Schüsse wahrnehmen." .Ah!" Sehen Sie ,das Manuskript ruhig durch." Tanke danke." Doch weiter. Zweitens muß eine andere Abtheilung besagten Feindes, besiehend aus geübten Vergtruppen mit Gebirgsartillerie, ungefähr fün Kilometer von Davricourt-Haut entfernt von der Hauvtpaßstraße abbiegen und uns von der Seite her angreifen. Gangbare Bänder, berüchtigte SchmugglerWege, gibt es zwei aus dieser Richtung." ..Ah hochinteressant! Das wird mir bei meiner Majorsarbeit viel nützen." Merry murmelt etwas Unverständlichcs. Er suchte hastig in seinem Schreibtische. Hi:r sind einige meiner privaten Ansichten über die Angriffsangelcgenhcit. Hier sind auch noch einige Skizzen." Tanke danke, Herr Kamerad!" Nun aber muß ich Ihnen ein Unterkommen anweisen. Dieses, mein Arbeitszimwer. bitte ich Sie als Wohnzimmer zu benutzen. Die zweite Thür im Hausflur gegenüber führt in Ihr Schlafzimmer, in dem Sie Waschgelegcnheit finden. Ein Bett wird mein Bursche noch aufschlagen." Sie verpflichten mich zu großem Dank. Herr Kamerad." Ich wüßte sonst nichts Besonderes noch. Gestatten Sie jetzt, daß ich mich reisefertig mache?" Ich bitte ich bitte sehr. Herr Kamerad!" Merry zog sich in das Wohnzimmer zurück. Sowie er allein war, legt? sich ihm die Sorge um Amelie wieder bleischwer auf den Sinn. Ter seelische Schmerz prägte sich wieder stark in seinen Zügen auö. Er rief nach dem Burschen und ließ sich beim Umkleiden helfen. Gleich darauf verabschiedete er sich und eilte den Pfad bergab. In Davricourt-Haut angekommen, meldete er sich lei Maior Helois ab und fuhr mit der letzten Post die Paßstraße zur Station Pistable hinunter. Am anderen Morgen entstieg ein französischer Generalstaoffizi-r der ersten Post, die von' Pistable heraufkam, an der Stelle, wo sie für das Fort Davricourt-Haut hielt. Ein Bursche holte zwei Handkoffer vom Verdeck der Post und schleppte sie dem Voiauöschreitenden nach. Im Fort ließ kkchdiefer bei Major Helois melden und

prajentirte sich ihm als interimistischer Kommandant von Esteron. Kavitan

Milleraud vom Großen Generalstabe. . Helois. von seinem Adjutanten Rene von der Ankunft eines Generalstäblers schon unterrichtet, ehe derselbe noch einen Fuß in das Fort gesetzt, verwunderte sich höchlichst. Kapitän Milleraud? Kommen Sie soeben mit der Post von Pistable herauf?" Soelen, Herr Major." Und ich glaubte Sie diese Nacht bereits in Esteron! Nach dem Protokoll und auch nach dem Journalnntrag, der mir vorliegt, haben Sie doch gestern Nachmittag vier Uhr im Fort Esteron das Kommando vom Kapitän Merry übernommen? Leutnant Gerard hat als Zeuge mi! unterzeichnet!" Das muß ein Irrthum sein. Herr Major." mZttn St den Journaleintrag selbst!" Jetzt machte der Generalstäbler ein verdutztes Gesicht, .err Major!" entfuhr es ihm. Verwunderung und Bangen lagen gleichzeitig in dem Ausruf. Doch faßte er sich schnell. Herr Major, hier kommen nur zwei Möglichkeiten in Frage. Entweder der Befehl zur Uebernahme des Kommandos ist durch irgend einen tückischen Zufall außer mir noch einem anderen Kapitän Milleraud zugestellt worden, obgleich ich hervorhebe, daß ich der einzige mit dieser Charge und diesem Namen beim Generalstabe bin, oder " Er zögerte. Oder?" fragte der Major. Sie wissen. Herr Major, was nach diesem .Oder' kommt. Aber gerade wie ich wagen Sie es nicht auszusprechen." Das wäre furchtbar. Herr Kapitän!" gab der Major, dem es schwül zu werden begann, seinen Gedanken Ausdruck. Ja. das wäre furchtbar. Gerade bei der Befestigung des Monte Viso. über die wir bisher alle Welt im Unklaren gelassen! Unser ganzer Stolz!" Es ist nicht auszudenken. Herr Kapitän!" Was beabsichtigen Sie zunächst zu unternehmen, Herr Major?" Ich werde auf der Stelle mit Leutnant Gerard persönlich telephonische Verbindung suchen." Bitte. Herr Major'." Die Verbindung war bald hergestellt. Leutnant Gerard erklärte, daß er mit dem neuen Kommandanten, außer gestern Nachmittag im Beisein von Kapitän Merry. bisher noch nicht wieder zusammengekommen sei. Wo befindet sich jetzt der Herr Kapitän Milleraud?" fragte der Major. Ich habe am Thor erfahren, daß er schon um fünf Uhr Morgens den Pfad bergab gegangen ist." Nach Lourque zu?" Nein, nach der Grenze zu." In Uniform?" fragte der Major immer ängstlicher. Der Herr Kapitän hat sich noch nicht in Uniform gezeigt. Wie er gestern gekommen ist in Civil ist er den Pfad hinuntergegangen." Hat er gestern Gepäck mitgebracht?" cv,. Mo ist dieses?" . Das Gepäck des Herrn Kapitän befindet sich auf seinem Zimmer." Worin besteht es?" Aus zwei Koffern." Leutnant Gerard, Sie werden sich sofort auf das Zimmer des Herrn Kapitän begeben, beide Koffer erbrechen, falls sie geschlossen sind, und sie namentlich in Bezug auf Uniformen durchforschen. Ich gebe Ihnen hierzu den direkten Befehl." Herr Major, das " Keine Silbe mehr! Empfinden Sie nicht, um was es sich handelt? In spätestens zehn Minutew will ich RapPort erstattet haben. Ich warte am Telephon." Nach zehn Minuten wußte der Major, was die Koffer enthielten: in Zeitungspapier gewickelte Steine, Herbaricn mit gepreßten Pflanzen, eine Votanisirtrommel. auf deren Teckelinnenseite der Name Professor Matthieu" stand, und einige Wäschestücke. Leutnant Gerard bekam noch den Befehl, sich der Person des Kapitäns, sobald er sich blicken ließe, zu bemächtigen. Aber er fand keine Gelegenheit, ihn auszuführen, denn den Kapitän sah Fort Esieron nie wieder. Die Befürchtungen, die der wirkliche Kapitän Milleraud hegte, trafen in vollem Umfange zu. Die BefestigungsPläne und der. versiegelte Umschlag mit den Anordnungen für eine Mobilmachung waren fort. Die fünftausend Franken hingegen lagen unangerührt in der Kasse. Man hatte es also jedenfalls mit keinem gewerbsmäßigen, für Geld arbeitenden Spion zu thun. Der Generalstab stellte eine eingehende, aber thunlichst unauffällige Untersuchung an. Es ergab sich dabei folgendes: Während die in DeuxMontages weilende Kommission des Generalstabs unter den Kastanien im Garten des Hotel Chauffeur ihr Frühstück einnahm, war das Telegramm betreffs des Kommandos des Kapitän Milleraud eingelaufen. Oberst Zette. der Führer der Kommission, hatte es vorgelesen und dann Milleraud überreicht. Man hatte daraufhin mit Milleraud angestoßen, der erklärte, sich erst für das Felsennest equipiren zu müs sen, und sich deshalb nicht heute noch. sondern erst am anderen Morgen dort hin verfügen könne. Das alles mußte der Mische Milleraud, wahrscheinlich von einem Nebentische aus, aufgefangen und sich sofort über Pistable Lourque auf den Weg nach Esteron gemacht ha-

ben. Die Äuaveröindunaen liefen eine

solche Annahme zu. Man forschte dann weiter dem Namen in der Botanisirtrommel nach, und es ergab sich, daß die Personalbeschreibung des.Verwegenen sich genau mit der eines Professors Matthieu deckte, de? seit einigen Wochen eifrigen mineralogischen und böte Nischen Studien im Thal der Tenisse obgelegen hatte. Man konnte seinen Aufenthalt in allen Orten des Thales feststellen. Er hatte sich also mit den Oertlichkeiten und sonstigen VerhältNissen gründlich und unauffällig vertraut gemacht und so seinen verwegenen Handstreich, zu dem sich ihm die verlockende Gelegenheit bot, mit Erfolg zur Ausführung bringen können. Das Telegramm, das er Merry vorgewiesen. kam auch zur Sprache. Zu finden tJiT es nicht mehr. Wahrscheinlich war es ein von dem verschwundenen selbst aufgegebenes ge.reien, das er an Kapitän Milleraud nach Lourque sandte und dort unter die'em Namen sich aushändigen ließ. Die Erdichtung bezüglich des UmZelegraphrens und d:s Antrittes der Reise von Creu? aus war sicher nur daraufhin vorgebracht worden. den Weg über Lourque glaubhaft zu machen. Merry traf seine Satin noch lebend an. Die Freude des Wiedersehens wirkte Wunder. Von Stund' an besserte sich ihr Zustand. Noch am Abend flüsterte sie leise: Wie danke ich Dir. daß Du gekommen bist! Denn wärest Du nicht gekommen, ich wäre gestorben!" Tags darauf erfuhr er, welcher Täuschunz er zum Opfer gefallen. Er nahm die Nachricht mit Ruhe hin, und kühl erwog er die Folgen. Man würde ihn wahrscheinlich kassiren. Mochte man es. Er hatte in gutem Glauben gehandelt. Sein Gewissen schlug nicht. Und dem Fremden konnte er durchaus nicht zürnen. Im Gegentheil, heimlich dankte er ihm noch. Ware er nicht noch am Nachmittage gekommen, hätte er Amelie vielleicht nicht mehr lebend angetroffen. Und nun durfte er wieder Hoffnung hegen. Was bedeutete dem gegenüber das Opfer seiner Stellung? Nichts! Aber er wurde nicht entlassen. Allerdings ging er nur bedingungsweise gerechtfertigt aus der Untersuchung hervor. Des Kommandeurpostens von Esteron wurde er jedoch enthoben. Er war auch dafür dankbar. Konnte er nun sich doch ganz seiner der Genesung entgegengehenden Gattin widmen, denn er war der Garnison Nizza zugetheilt worden. Ueber dem ewigen Rom blaute ein wunderbarer Herbsthimmel. Die Markisen an den Fenstern des massigen GeLäudes am Forum Trajanum waren hochgezogen, einige Fenster standen sogar offen. In das Zimmer Seiner Excellenz trat, eine Aktenmappe unter dem Arm, der stattliche Kapitän, der sich vor eint gen Wochen, mit unbegrenztem Urlaub ausgerüstet, verabschiedet hatte. Excellenz zeigte sich sehr erfreut, erhob sich aus dem Arbeitssessel und reichte dem sich in strammer Stellung Zurückmeldenden die Hand zum Willkommen. Der stattliche Offizier begann mit klarer Stimme einen Vortrag zu halten. Ab und zu zog er eine Zeichnung, ein Schriftstück, einen bunten Plan, ein loses Blatt hervor, legte sie auf den Arbeitstisch Seiner Excellenz und erläuterte mit ihnen seine Ausführungen. In die Züge des Generals schlich sich immer unverhohleneres Staunen. Nach einer reichlichen Stunde endlich schwieg der Vortragende. Seine Excellenz rührte sich nicht. Nur das Ticken der Wanduhr war im Zimmer hörbar. Dann aber gab der General seinen Gedanken um so lebhafteren Ausdruck. Das ist allerdings ein Material, wie ich es in einer derartigen Angelegenheit noch nicht beisammen gesehen habe. Ich bin geradezu betroffen über die schwerwiegenden Aufschlüsse. Unschätzbar und unter welcher persönlicher Gefahr!" Excellenz " Gut gut! Wenn Sie das auch nicht besonders hervorhoben, so hörte ich es doch heraus. Unter schwerer persönlicher Gefahr ist alles erworben! Aber die Belohnung soll der That auf dem Fuße folgen." Seine Excellenz reichte dem Kapitän beide Hände hin: Von Herzen gratulire ich Ihnen Herr Major!" Vorstellung. Herrn Meyer stellt sich ein Herr vor: ,3ch Heike N i e m e y e r." Ich heiße immer Meyer!" M0N0N ROUTE. City Ticket Office, 8 Nord JllmsiS Straße. Telephon 737. Nach Chicago Abfahrt von Indianapolis 7:00 Vorm. 11:50 Vm., 3:35 Nm., 2:48 Bm. Ankunft in Indianapolis 4:18 Vorm., 7.50 8m., 4 52 Nm. Bia NoMale. Cravlsrdsville und Lafayctte, nach Chicago. Abfahrt 11:50 95m. Ankunft 260 Nm. Michigan City. Abfahrt 7:00 Vm., 3:35 Nm. Ankunft Indianapolis 2:50 Nm. Nonoa Auonobatio. Vbfart &15 Nm. . Ankunft 9.oa Vm. Täglich. Nur, Sonntags.

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