Indiana Tribüne, Volume 30, Number 133, Indianapolis, Marion County, 28 January 1907 — Page 6

ZZudlana Tribüne, 28. Januar 1907

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Das heilige Recht

R & nx a xi von T . " - X ? I CN I. m 2riconn j iu d u i ni I TfTTTTY r VTTT TT7TT TTTTTT7 lchluk.) oendrein zollte der Transport in einer geschlossenen Kutsche erfolgen, denn die Bahn beorderte Zuchthausler nur gegen Entnahme einer ganzen Abtheilung, und bei der geringen Entfernunq stellte sich die Beförderung mittelst eines Wagens billiger. Uebrigens konnte dieses Fuhrwerk kaum eine Kutsche genannt werden, denn es war ein alter klappriger Kasien. durch dessen gesprungene Scheiben der Wind pfiff, und der von zwei ma geren Schindmähren gezsgen wurde. Im Inneren des Wagens saß ein Eendarm. Ter Mann war ganz neu hierher verseht worden, er kannte weder die Verhältnisse noch die Personen und wußte nur aus dem Transportzettel. daß sein Arrestant Adolph Körner heiße. Im Uebrigen war derselbe für ihn nichts weiter, als ein mit Zuchthaus bestraft?? Mensch, welchen er richtig und pünktlich abzuliefern hatte, wogegen man ihm eine Empfangsbescheinigung ausstellen mußte. Er saß natürlich im Fond des Wagens, und Korner mußte ihm gegen über Platz nehmen; er trug einen großen dicken Drenstmantel und hatte sich bis über die Ohren in denselben emge wickelt. Aber unter dieser dienstlichen Hülle schien doch em menschliches Herz zu schlagen, denn er betrachtete einen Moment seinen vor Frost zitternden Gefangenen und bog sich dann aus dem Wagen: Kutscher, haben Sie nicht eine alte Pferdedecke, der Kerl erfrier! mir ja unterwegs." Die' alte Decke fand sich unter den Füßen des Kutschers vor, und Körner nahm sie mit einem leise gesprochenen Dank entgegen. Dann rumpelte der Wagen zum Gefängnißhofe hinaus und befand sich nach wenigen Minuten auf der freien Landstraße. Hier traf der Gendarm einige Vorbereitung:n. Es mußte wohl in seinem TransPortzettel eine Andeutung enthalten sein, daß Fesselung des Gefangenen unterbleiben könne, denn er machte keine Miene, das Schließzeug hervorzuholen; dagegen schlug er seinen Mantel etwas zurück und deutete auf den Griff seines Revolvers. Kein? Dummheiten gemacht!" sagte er. verstanden? Der i ist geladen." Körner schüttelte leise den Kopf, und der Gendarm schwieg ebenfalls, denn es war gegen die Dienstvorschrift, sich mit einem Gefangenen zu unterhalten. Sie fuhren eine Strecke weiter, dann hielt der Kutscher an und stieg vom Bock. Ter alte Klapperkasten will nicht mehr zusammenhalten," sagte er brummend zum Gendarm, es ist der reine Schinderkarren. Haben Sie nicht so 'was, wie 'n Strick bei sich?" Nee!" entgegnete Jener. Na, ich sollte doch meinen, daß Sie genug mit Galgenstricken zu thun hat-ten.-Es sollte ein Witz sein, und die beiden Männer lachten. Körner blickte zum Fenster des Wagens hinaus. Die Gegend war sehr öde, vollkommen eben und kahl. Nur ein entlaubter Schwarzdornstrauch stand abseits vom Weae. und unter seine stachliaen Zweige hatte sich ein armes, erschöpf tes und zerlumptes Weib hingekauert. um vor dem Sturm und dem fegenden Schnee Schutz zu suchen. Sie hielt ein Kind im Arm und gewährte das vollkommenste Bild des Jamn-.ers und des Elends. Körner sah es und griff in die Tasche; er hatte noch seine Börse bei sich und in derselben ein größeres Geldstuck; man hatte bis heute veraessen oder absichtlich unterlassen, ihm dieses letzte Zeichen der Freiheit abzunehmen. Er winkte die Frau zu sich heran und gab ihr das Geld; sie war erstaunt und erschrocken, warf einen furchtsamen Seitenblick auf den am Wagen beschäftigten Gendarm und sagte halblaut: Gott segne Sie. gnäölger Herr!" In diesem Moment blickte der Beatnte auf. Er scheuchte das Weib mit einer barschen Handbeweaunq zurück und brummte: Ein schöner gnädiger Her? das! Wird rn's Zuchthaus gebracht da hinüber!" Die Frau entfernte sich mit eiligen Schritten; sie drückte dabei ihr Kind fest an sich und warf einen entsetzten Blick auf den bleichen, vornehm ausseyenden Mann, der ihr noch soeben wie ein Heiland erschienen war. Die Aermste," sagte Körne? halblaut, sie hätte sich Brot lfen kön nen, und nun wird jeder Jiffen sie würgen.Der Wagen fuhr weiter, und der Gendarm wickelte sich wieder in seinen Mantel. Aber er betrachtete seinen Gefangenen aufmerksamer, schüttelte den Kopf und schien mit sich nicht in's Reine kommen zu können. Endlich sagte er: Heda! Was ist man denn eigentlich früher gewesen?Irrenarzt, entgegnete der Gefragte ruhig. .So Km Teufel auch! lind

was hat man ausgefressen, ich meine, weswegen ist denn die Strafe erkannt worden?" Ich hake einen Menschen aus Mitleid g:töd!et." Der Beamte warf einen langen vrüsenden Blick auf das schöne stille Geficht des Mannes, der so sprach, und nickte dann bedächtig. Kann mir's denken; besser todt, als so leben." Es blieb unentschieden, ob er dabei an daS L.'ben eines Irren oder eines Zuchthäuslers dachte, und es war auch keine Zeit, um dieses vorschriftswidrige Gespräch fortzusetzen, denn der Wagen machte in diesem Augenblick eine scharfe Wendung, und das dumpfe Geräusch der rollenden Räder verrieth, daß er durch einen Thorweg fuhr. Im nächsten Moment hielt das Gefährt vor einem unendlich düsteren Portal. und man vernahm das weithin hallende Zuschlagen gewaltiger Thorflügel. Doktor Adolph Körner befand sich im Zuchthause. Wenn er später im engsten und vertrautesten Freundeskreise von dieser furchtbarsten. Stunde seines Lebens zu erzählen begann denn er that es bisweilen, wenn auch nur sehr selten dann pflegte er auf sein Haupt zu deuten, dessen dunkler Haarschmuck von einem leichten Silberzrau überreift war, und mit einem wehmüthigen Lacheln zu sagen, daß eine Stunde zwischen jenen Mauern wohl ein Menfchenleben aufwiegen müsse, denn sie sei im Stande, die Juacnd in das Alter

umzuwandeln; und er pflegte weiter zu berichten, wie man einen dumpfen, schweren, wirren Traum erzählt. Wie er unendlich traurige Gestalten gesehen habe, die blaß undgeräuschloZ vorübereilten; wie man ihn durch eine Stille und durch ein Dämmerlicht geführt habe, gleich jener Stille und jener Dämmerung, die man einstmals dem Hades beilegte; wie er endlich in ein hohes Gemach gebracht und einem gebeugten, ernst aber mitleidig darein blickenden Manne gegenübergestellt worden sei. Er erzählte, daß dieser Mann ihm mit einer Handbewegung seinen Platz angewiesen, daß dieser Mann mit einer zweiten Handbewegung die anwesenden Unterbeamten hinausgescheucht. und daß er endlich eme einzige Frage ge stellt habe: Wie ist Dein Name?" Doktor Adolph Körner pflegt an dieser Stelle seinen Bericht abzubrechen. und nur noch hinzuzufügen, daß nichts auf der ganzen Welt so demüthigend sei, als ein Tu," welches nicht aus Verwandtschaft, Freundschaft oder Liebe entspringt, sondern einseitig ausgesprochen und durch das Gesetz zu einer Erniedrigung gestempelt wird. Aber er vergißt auch nicht, zu bekennen, daß jenes einzige Du." welches sein Ohr in dieser Form gehört hat. nur ungern und gezwungen gesagt wurde, und daß die Lippen, von denen es kam, sich später ein besseres und heiligeres Recht auf dasselbe erworben haben. Denn es ist in den Kreisen, denen der gesuchte und geliebte Arzt heute angehört, zur Genüge bekannt, daß das Zuchthaus ihn nicht länger als eine einzige Stunde behalten hat. Noch bevor Adolph Körner den Händen derer überwiesen war. die ihn in das graue Sträflingsgewand einzukleiden hatten, noch bevor er mit d:m Auswurf 'der Menschheit in ' Verührung kam. ja noch ehe einer jener Unglücklichen ihn mit kameradschaftlich: Blicken messen konnte, kam aus der Residenz die telegraphische Nachricht, daß der Landesherr die vom Gesetz erkannte Strafe im Gnadenwege erlassen und den hartgeprüften Mann der Freiheit zurückgegeben habe. Und DU rektor Weber war der Erste gewesen, welcher die Hände des Befreiten erfaßte und sie beglückwünschend drückte. Aber dennoch hatte es sein müssen, daß Adolph Körner eine Stunde die ganze Last seiner Strafe empfand. denn es sieht geschrieben, daß wir nicht tödten sollen, und alle Philosophie der Welt ist nicht im Stande, von diesem schlichten Satz ein Jota zu entfernen, und die furchtbare Majestät des verletzten Rechtes um eines Haares Breite zu verkleinern. Und es ist gut, wenn wir das wissen und empfinden. Adolph Körner hat sein Vaterland verlassen und sich jenseits des Ozeans einen neuen Wirkungskreis gesucht oder, um es freundlicher auszudrücken, er hat sich eine Heimath gegründet, und eine solche ist für den Mann nur denkbar an der Seite eines Weibes. Rosa Weber hat ihr Versprechen eingelöst. Nicht deshalb, weil sie nach einem einstmals von ihr gesprochenen Worte bereit sein wollte" mit ihm durch's Leben zu gehen, wenn ihn das Unglück betroffen habe, sondern, wie sie ihm endlich demüthig und zärtlich gestanden hat, weil sie aus der schönsten Selbstsucht, aus der Selbstsucht der Liebe ihn für sich von der königlichen Gnade erbeten habe.' Und je weiter sie mitsammen auf der Lebensbahn vorwärts schreiten, um so ferner bleiben hinter ihnen die Schal ten zurück, die sie einst mit tiefer Nach! umhüllten. Ihnen strahlt hoch die Lebens sonne. Aber drüben in der Alten Welt hat sie sich für die Äurückaebliebenen im

Laufe der Tiahxt theils in Icfet:Au;u

roth verwandelt, theils ist schon bU stille friedliche Nacht eingetreten. Frau Susanne Körner ist rieben ryren kleinen K'.nöern schlafen aeaan gen. nachdem sie aus der Neuen Wel noch Sie froye Stunde von emem an deren kleinen Wesen erbalten baite Direktor Me?!er wurde mitten unier seinen Sträflingen von einem :n schlag betroffen, und aufrichtige Trauer yerrja)!e darob unter den Ausgestoß? nen d:r Menschheit. Pastor Körne und Tirektor Held leben nocki Beide Aber während dieser in den Nubcstan! getreten ist und fast ausscklienlick klai fischen Studien lebt, wirkt der gre'ic Prediaer noch immer inmitten seine Gemeinde, unbeirrt von den Wirreder eit. allein vertrauend auf d.i Wort Gottes, das sein ganzes Lebe' lang ihm Richtschnur des Denkens un' Handelns gewesen ist. Ende. c!.r.r vcö IcutiO ii gegen 13c ,!a.t.lkcilil.i!t!,a seö Teutschen. Jnnncr wieder treten in vcrzchi? dc?nl?n Städten dieses Landes Ver such? zur BLnachtl?eiligung des oeutichen Unterrichts in öffentlichem Schillcu auf. In der Stadt Groß N c w ?) o r f bat aber nun der Bc: ein der Lehrer und Lehrerinnen der deuticheu Sprache in den Elementar 5lasiell der dortiaen öffentlichen Schulm die Sache wacker in Äie Hand genommen und durch einen zu diesem tfftecr gewählten, aus den aeachttten Lehrern und Lebrerinnen Bernhard 5Zuttner, Clara Luther. Frau Louise arion. Johann L. Hülshof. Wilbelm E. Lehrle bestehenden :'lus schuß folgende Eingabe an das bedeutelfdfte Mitglied des städti'chen Schulrathes, Nandolph Guggenhe! mer, gerichtet: Werther Herr! Das große In. teresse, welches Sie an der Erziehung neyinen, und die inorallche unter stützung. die Sie dem Studium lebender Sprachen, besonders öer deut scheu, in den öffentlichen Schulen ge währen, veranlaßt öie Gesellschliit deutscher Elementarlehrer, durch ihr Comite Ihnen folgende Thatfachen achtungsvoll zu unterbreiten: Er stens: In Folge von Versetzungen deutscher Lehrer nach anderen Schu len ist seit längerer Zeit kein deu: scher Unterricht mehr ertheilt worde:, in folgenden Schulen des 10. und 11. Distrikts: No. 11, 17. 26. 2.33. 48, 51 und 67 im Stadttheil Manhattan. Zweitens: Die Borste her uud Schüler der öffentlichen Schulen No. 4 und No. 26 in Manhattan mochten gern in ihren Schu len Teutsch gelehrt wissen und haben vergebliche Anstrengungen gemacht. Lobrer zu erhalten. Drittens: Seit langer Zeit sind keine Prüfungen für Lebrcr der ideutichen Sprache mehr abgehalten worden, und des halb stehen keine berechtigten Candidaten auf der Liste, um die obigen Lücken auszufüllen. Diese Thatsachen werden hiermit Jlzrer güuge.i Erwägung unterbreitet." Der Schul rath Nandolpl) Gug gen hei mer hat auf dies? Eingabe hin versprochen, zum Be. sten der delltschen Sprache und ihrer Lehrer Alles zu thun, was in seiner Macht steht. Und auf Randolv', Guggenhcimer kann man sich verlas. sen. Er ist einer der bedeutendsten und gebildetsten Nechtsanwälte New ?)orks. gebort seit fahren dem dort:, gen Schulratbe an. in welchem eimmer zun, Rechten sah: und ob. gleich in Virginien geboren, ist er ein .Nenner deutscher Sprach? und Literatur und ebendeshalb ihr Freund. Aebnliche Ränke wie die oben be schriebenen kommen auch sonn-.uc vor. lind allenthalben nn n-uMvt Plätzen sollten Llhrer des Teilt?e-.i in öffentlichen Schulen das gute Vei spiel ihrer New Yorker College und Colleginnen befolgen. Bestrafnng cines LpfcrS der Näch. Nkttltcvc. Ein trauriges Vorkomnlniß an den Eisenbahngeleisen der Weichselilferbahn bei Thorn hat jetzt ein unge. woynliches Nachspiel gezeitigt. Ter Kahnschiffe? Andrczyk aus Tlwru wurde vor einiger Zeit von einen! Nangirzug gegen eine Rampe gedrückt, wobei er schwere Verletzungen erlitt. Sein Freund und Kollege, der ttaynfausser Anujlak, sprang sowrt binzu, um deni Aermsten die erste Hilfe gedeihen zu lassen. Nunmehr ist dem braven Helfer in der 9loil) mkm der Clsenoahtt'Vetrleböinsk. tion ein Strafmandat in oiV ti.ni 2 Mark und 20 Pfennig Portokoste,' zugestellt worden, und zwar wegen unbefugten Betretens des Geleises Gegen dieses Strafmandat hat A. so fort ;'lutrag ans gerichtliche Entsch.'iduna gestellt. Zur Sache selbst m noch zu bemerken, das; allerdings am Hauptcingangsthore desThornerFreiHafens cuic Zam des Inhaltes anae. bracht ist. daü das Betrete des .5a. fcns Unbefugten verboten ist.' Beide chUicr liegen aber im .reibafeu mit Melasse, sind also befugt" und sön nen das Geleise, wo der Unfall vak sirte, durchaus nicht umgehen. Das Bericht wird nun zu entscheiden haben, ob ein hilfsbereiter Mensch für seine That der Nächstenliebe noch obendrein Strafe zahlen muß!

Im louliu Rouge4'.

Ein Pariser Sittenbild Paris, 4. Januar. Sittliche Entrüstung im Mouli Rouge" ! Das unerschöpflich wech selnde Spiel des Pariser Lebens ha auch diese Ueberraschung zustande ge bracht. Wenn man sonst Abends au den Montmartre ging und sich von den langsam ichwingenden Wmdslugcl der rothen Mühle" verlocken ließ, in diesen Tempel des Cancan - Kultus einzutreten, dann pflegte man alle Prü derie des Auges und des Ohres in der Garderobe abzugeben. ' Man braucht nicht alles entzückend zu, finden, was da zu sehen und zu hören war, aber man demonstrirte nicht, man sagte sich wem es nicht sittsam genug zugeht, der mag zu Hause bleiben. Alle Fremden die erwartungsvoll da zusammen strömten, um au dem Kelche der sei parlsienne zu mppcn. alle Emhelmi scheu, die von Zeit zu Zeit ihren Wi derwillen gegen das zur Fremdenindu stne gewordene Vergnügen uberw'm den und ein paar Stunden unter den bemalten Schönheiten promenierten alle zufälligen oder regelmäßigen Gast beugten sich schweigend dem .Gcsius Loci . Und nun haben wir es erlebt, daß der ganze Saal whlte und pfiff, weil wie schon kurz gemeldet, eine echte Marquise und eine vielgenannte Schriftstellerin es wagten, m einer geistlosen Pantomime aufzutreten. Al lerdings, Moulm Rouge" ist heute nicht mehr das. was es war, als Toulouse - Lautrec mt MeisterKand die Tänzerinnen zeichnete und der beruchtigten .La Goulue" und der diabollschen Grille d'Egout" m die Kunstgeschichte verbalf. Ans dem ehemaliaer Tanzlokal ist ein Tingeltangel geworden, wo langweilige Akrobaten und krähstimmige Ehansouetten - Sänger v rn c.r rt. rinnen aus ocx uyne oesmeren. n den Zwischenakten flackert jedoch die alte Herrlichkeit wieder ein bischen auf. Hinten nn Promeuadesaal kann man sich sur ein Ertraerntrittsgeld den An blick ciner Danse du dentre" und der pose plastique" gönnen, die aus allen Ecken der ganzen Welt zusammengestoppelte Halbwelt drangt sich an befrackte Herren heran. Niemand entrüstet sich. Nur wenn auf der Bühne Dilettanten aus der guten Gesellschaft zu mimen anfangen, dann gera then plötzlich Vaterland und Sittlichkett in Gefahr. Und wer hat sich entrüstet ? Es war em sehr gut besetzter Saal, eine Versammlung schönster Frauenschultern, luxuriösester Toiletten, wie nur Paris sie besitzt. Von den Großwurdentra gerinnen der Demimonde fehlte nicht eine. Die Otero san. umgeben von ihrem Herrengefolge, in einer Loge, Liane de Pougy hielt in einer großen Proszeniumsloge Hof, ihr gegenüber Jane Derval und dann in den übrigen Logen alle die jüngeren Professional Beauties". die den noch mangelnden Weltruhm durch den Rerz der Jugend ersetzen. Von den typischen Figi'rezk der großen Gesellschaft sah man trat Rochefort mit seiner weißen Clownlocke und seiner ledergelben Haut. Sonst war es daS genzöhnliche Publikum der Tingeltangel. Und was wa? es, was dieses Aud: torium in so hohe moralische Entrüstung versetzte ? Ein kurzes Jntermezzo, das in die Revue eingefügt war, eine Pantomime Röve d'Egypte" von Madame de Morny, geschiedene Marquise de Belbeuf verfaßt und von ihr und Madame Colette Willy gemimt. Das Stückchen ist banal wie taufend andere Vorwände für Pantomimen. Ein junger Gelehrter, Aegyptologe, sitzt in seiner Studierstube, über JLchn brütend. Er schläft ein und träumt, eine weibliche Mumie stiege aus ihrem Sarge, umfange seine Sinne mit lockenden Tanzen : er sn schon bereit, ihr zu folgen, als seine Frau ins Zimmer tritt, ihn weckt und den Traum verscheucht. Kaum eine Viertelstunde dauert das Ganze. Frau Colette und Madame de Moniy haben es schon oft genug in Salons aufgeführt und wollton jetzt auch das große Publikum damit beglücken. Die Pantomime lst wirklich so einfältig, daß sie ohne die Reklame des Skandals nirgends die Aufmerksamkeit auf fünf Minuten fessein konnte. Nur weil Madame de Morny den Gelehrten und Frau Coleite die tanzende Mumie spielte, hat das Publikum sich entsetzt. Die Freundschaft der beiden Damen bildet langst den Gegenstand des Stadtklatsches. Wer die Romanfolge Claudine" gelesen hat. kennt Colette Willy, die mit ihrem geschiedenen Gatten Willy diese Entwicklungsgeschichte eines modernen jungen Mädchens geschrieben hat. Mit vielem Talent und ebenso vielem Zynismus werden darin autobiographisch Seelenzustände entwickelt, die den Verfassern einen ganz besonderen Ruf eingetragen haben. Frau Co lette ließ sich bald von rhrem Manne scheiden und vertauschte den Schreibtisch mit der Bühne. Sie trat als mimische Künstlerin auf, zuerst in kleinen Theatern, in den intimen TH6ä.t?es k cötö. Der geringe Erfolg trieb sie weiter und weiter aus dem Wege ms Unkünstlerische. Zuletzt spielte sie m .Oeuvre die Rolle ner Fauum, mit nichts anderem ali einem Panherfell bekleidet, erntete aber nu? miteidigeZ Lächeln. För solche Kostüme st Frau Colette nicht schon genug und n Pariö verzecht man alle Senden. aber du Sünderin nnifc schon und

graziös sein. Auch eine Künstlerin ist Frau Colette nicht. Ihr Tanz wirkt grob und stets; sie betont, was nur angedeutet werden sollte; sie spmnt aus, was wie ein Flüstrlaut derballcn scllte. Aus diesem gan?cn Cehu? spricht nur eines, die Künbeit d?s Mangels an Trikot, die auch gestern in ixm klitternden Mumicnkostüm nach e'ner billizen Sensation haschte, ohne sie zu erlangen. Frau Colette in Paris nennt man sie nur noch mit ihrem Vornamen hat nun seit einiger Zeit eine Freund schaft mit Madame de Morny gefchlosscn, ciner Dame aus dem bonapartistischcn Adel. Diese ist eine Todter des Herzogs von Morny. In ihren Adern fließt also das Blut der Konizin H?rtense von Holland. Nach dem Gothaischen Hofkalender ist sie 1863 g?co?cn. verheiratete sich 1881 mit dem Marquis de Belbeuf, von dcm sie seit 1887 getrennt lebt. Die Bühnenlaufbahn wird ihr so wenig wie ihrer Freundin Colette noch viele Lorbeiren bringen können. Auch der Marquis: fehlt alles, was in Paris dazu gehört, ein bischen Talent oder berückende Schönheit. Mit dem bloßen Skandal füllt man höchstens drei Tage lanz Theatersäle. Allerdings, e'.ne Eigenschaft ist beiden Damen nachzurühmen: Kaltblütigkeit. Gestern Abend, als die ägyptische Pantomime mit Johlen und Pfeifen empfangen wurde, als Theaterzettel, Operngucker, Sitzkissen auf die Bühne flogen, spielten sie mit unbeirrter Ruhe ihre Rollen herunter. Nichts störte sie. Hie und da erschall ten bereits im Lärme schüchterne Bravos, aber da war das Stückchen auch schon zu Ende und eine Prügelei nn Zuschauerraum ließ rasch vergessen, wie nervenfest sich die Spielerinnen gezeigt hatten. Diese Prügelei bildete die Pointe deS ganzen Abends, der wie eine ausgesprochene Satire auf daZ Pariser Leben erschien. Während des ägyptischen Jntermezzos war der Schriftsteller Willy (oder mit seinem wahren Namen Gauthicr Willars) im Saal erschienen und hatte mit seiner Freundin in einer Log Platz genommen, um der Mimik sein Ex-Gemahlin vergnüglich zuzuschauen. Kaum war der Vorhang gefallen, als ein Hagel von Stockschlägen auf de vergnügten Herrn niederprasselte, de, jetzt noch nicht recht weiß, ob er dik Hiebe bekam, weil er der Vorstellxng beiwohnte, oder weil man ihn für dii Eztravaganzen seiner Frau a. D. verantwortlich machte. ' itz.

Die bestohlene Polizet. Ein heiteres Diebesstücklein wird aus Paris gemeldet. In j:d:'n Pariser Polizei-Revier ist ein Mc entgilt, dem es obliegt, die Bureau. ". x c und die Zellen zu reinigen. Seit Jahren ist es nun dort Sitte, daß die cltnsten zu Neujahr diesem Stubenrein'gec ein kleines Geldgeschenk zukommen lassen. das in eine an einer Thür angebrachte Büchse gethan wird. So gesch.h es auch in diesem Jahre auf ciner Polizeiwache im Zentrum von Psn?. wo für den Arbeiter nahezu zün Frank zusammengekommen waren. Als nun der also Bedachte den Obolus in E,'l pfang nehmen wollte und am Neujhrstage die Büchse öffn:t.', war diese leer und ihres Inhalts beraubt worden. Die Polizisten, die von einem Diebstahl in ihrem eigcn:n Haus natürlich wenig erbaut waren, stellten bald fest, daß nur ein Vaazbund. der in der Nacht vorher inhaftirt und dann w:ed:r entlassen wordcn war, als Thäter in Betracht kommen kann:. Eine tragikomische VerHandlung fand vor der (trafkammer m Rom gegen einen Tagelöhner aus TierZnghauseu statt, d:r seinerzeit wegen Entziehung von der Wehrpflicht Mit 200 vJl. Geldstrafe in Contuma ciam verurtheilt worden war. Der Mann machte nach längerer Zeit gel tcnd. daß e? von Jugend an nur ein Bein habe, sich also dc:n Heere nicht habe zu entziehen bra::en. Das Gericht ordnete auf Grund dieser neuen Thatsache" anen Termin an, der na türlich unter allgemeiner Heiterkeit mit Frcifpruch endete. Das Washington er Kos. ciusko - Denkmal. Natürlich nicht in seiner Eigenschaft als größter und edelster der Kämpfer für Pole, sondern als Streiter für die amerikanische Unabhängigkeit, welcher er besonders als ausgezeichneter MilitärIngenieur und als Adjutant Washington's so große Dienste leistete, bekommt Thaddäus Kosciusko sein ihm vom Kongreß zugesprochenes Denkmal m Washington. Ein M?dell für dieses Denkmal, welches die Bundesregierung aus dem Lasayette-Sauare, gegenüber dem Weißen Hause, errichten lassen wird, gefallt dem Präsidenten Roosevelt nicht, wiewohl ein aus Kunstkennern bestebender Ausschuß diesen von dem Bildhauer Lewandowski in Wien gefertigten Denkmals-Entwurf als den besten ausgewählt hatte, Roosevelt giebt einem anderen Modell den Vorzug. welches von einem Bildhauer aus Lemberg in Galizien eingereicht worden ist. Eme nach diesem Entwurf angeertlgte Statue wurde, nach dem Urtheil des Präsidenten, besser mit den auf dem Lafayette Square errichteten Statuen Lafayette's und Rochambeau's uberemstrmmen. D endgünge Entchcidung steht dem Denkmals-Aus-chuß. bestehend aus Kriegsminister Taft. Vundessenator Wetmore von Rhode Island und Repräsentant McCleary von Minnesota zu.