Indiana Tribüne, Volume 30, Number 133, Indianapolis, Marion County, 28 January 1907 — Page 5
M dcron
ft 'T fl3 alte Rom lag in heißem Son Jlß nenschein. Die Hitze machte Vx sich auch hinter den dlchtgeschlozienen hölzernen Markten des massigen Gebäudes am Forum Traanum sehr stark suhtiar. In einem Zimmer dieses Gebäudes saß, in seinen Rohrsessel zurückgelehnt. ein Offizier. Er hatte seinen Uniform kragen aufgeheftelt und sann vor sich hin. Auf dem großen grünen Tische vor ihm lagen Landkarten. Zeichnungen und lose beschriebene Blatter durchezn ander. , Langsam zog er jetzt eine Karte näher zu sich heran, ließ seinen Blick lange auf ihr ruhen und bewegte in leisem Selbstgespräch die Lippen. Plötzlich leuchtete es in seinen Augen auf. Er stieß die Karte zurück und sprang empor. Seine Gestalt war eine imponirende. Er reckte den Kopf, und dabei trat die Energie, die in seinen Zügen sich ausprägte, noch mehr hervor. Jch muß es selbst wagen!" entfuhr es ihm. Und ich werde es wagen!" Der Entschluß, den er gefaßt, bewegte ihn sichtlich lebhaft. Schnell hef telte er den Kragen seiner Uniform zu und begab sich durch die Thür in der Hinterwand des Zimmers auf einen langen Korridor. Am Ende desselben trat er in das Zimmer des diensthabenden Adiutanten und bat, bei Seiner Excellenz, dem Herrn General, gemeldet zu werden, indem er besonders betonte, daß er sur heute Nachmittag zum Rap Port befohlen sei. Bald stand er vor seinem Vorgesetzten. Dieser sah von seiner Arbeit auf. räusperte sich und begann mit etwas Ungeduld im Ton: Herr Kapitän, ich ließ Sie für heute zu mir bitten. Wie steht es? Kommen wir denn mit dem Visogebiet gar nicht vorwärts? Ich warte nun schon ti Monaten, daß es Ihnen gelingen möchte, die angedeuteten Aufschlüsse zu beschaffen." Excellenz, was uns unsere Kundschafter in der Angelegenheit brachten, ist leider belanglos. Ich halte es außerdem noch in der Hauptsache für Flunkerei. Gerade das Monte Visogebiet scheint man drüben mit besonderer Sorgfalt zu verschleiern." Aber gerade deswegen müssen wir die Schleier lüften! Herr'Kapitän. ein richtiger Generalstäbler bringt alles zuWege! Verstehen Sie mich, Herr Kapitän? Uebrigens habe ich gerade Sie nicht ohne Grund mit der Bearbeitung dieser zähen Materie betraut hm, Majorsarbeit! Sie müssen die Auf schlüsse unbedingt beschaffen, Herr Kapitän. und das bald! Sie wissen so gut wie ich selbst, daß das für uns von größter Wichtigkeit ist." Ich weiß. Excellenz. Und deshalb habe ich mich auch entschlossen, mit eigenen Augen zu schauen." Der Unwille schwand im Ru aus dem Gesicht des Generals. Wie? Sie wollten selbst?" Jawohl. Excellenz. Und zwar möchte ich mit Euer Excellenz Genehmigung heute noch reisen." Der alte Herr wurde nachdenklich. Herr Kapitän, da hinaus zielte ich aber nicht. Nein, wirklich nicht! Ueberbaupt. ich kann mich nicht dazu versiehen. Ihnen die Genehmigung zu ertheilen." Ich bitte trodem darum, Excellenz." Sie wissen. Herr Kapitän, daß Sie mit dem Augenblicke der Grenzüberschreitung völlig auf eigene Verantworhing handeln. Von diesem Augenblicke sind Sie kein Offizier mehr. Stoßt Ihnen etwas zu, können wir Sie in keiner Weise schützen. Wir müssen Sie vielmehr unbedingt verleugnen. Haben Sie das wohl bedacht?" Ich habe alles erwogen, Excellenz. Trotzdem bitte ich nochmals." Hm hm. Wenn ich daran denke, daß man Sie festnähme? Deportation oder doch schwere Freiheitsstrafe wäre Ihnen sicher, zumal da Sie von Geburt Savoyer sind. Die Gefahr, in die Sie sich begeben wollen, schreckt mich, Herr Kapitän." Ich empfinde keine Furcht, Excel lenz. Was ich zu unternehmen beabsichtige, will ich für's Vaterland unternehmen. Deshalb. Excellenz " Der General hatte sich bei den letzten Worten des stattlichen Offiziers erhoben. dessen Hände ergriffen, die er nun schüttelte. Sie pochen mit Recht darauf. daß es für Sie nur ein Ziel gibt, das uns beiden gemeinsam ist das Wohl des Vaterlandes. Ich darf Sie da nicht halten, obgleich es mir schwer genug wird. Wann wollen Sie reisen?" Am liebsten heute noch. Ich habe mir schon einen kleinen Plan gemacht. Mocöte mir den Titel und Namen eines Professors. Matthieu beilege." Sehr gut. Herr Kapitän. Werde sofort rersönlich dem Geheimsekretariat Anweisung ertheilen, daß man Ihnen, ganz nach Ihrem Willen, mit Paß, Geldmitteln und was Sie sonst noch würschcn, zur Hand geht." Dann möchte ich mich gehorsamst von Excellenz verabschieden." . Der General, der sich halb zu seinem
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Q & ß v u li l xx n n von Jrcb ffekar Kühne C .r i Schreibtische gewendet, kehrte sich wieyr Itrrt STOMfirtfwS ftr CVriS rtiif itl 44111. U l, 1 1 11 IS 11 UUV(U die Schultern des stattlichen Offiziers legte, sah er ihm tief in die Augen. Herr Kapitän, den Preis kennen SiY." Excellenz " Schon gut. Ich weiß, daß Sie es darum allein nicht unternehmen." Seine Stimme wurde weicher. Herr Kapitän, ich spreche jetzt nicht als Ihr Vorgesetzter, sondern als Ihr älterer Kamerad. Und als solcher rathe ich Ihnen, dessen Kühnheit und Wagemuth ich wohl kenne, nicht nur, sondern bitte Sie direkt darum, setzen Sie sich nicht unnothigen Gefahren aus. Zügeln Sie Ihren Unternehmungsgeist. Gehen Sie mit Bedacht vor. Qui va piano, va sano." Er drückte ihm die Hand. Jedenfalls gebe ich Ihnen unbegrenzten Urlaub. Und nun leben Sie wohl." Der andere schlug die Hacken zusammen. Auf Wiedersehen, Excellenz!" Als Major!" rief ihm der alte Herr noch nach. Das Monte Visoaebirae ist ein mäcütiger Felsenwall, aus dessen Mitte der mit ewigem Schnee und Eis bedeckte Monte Viso emvorsteiat. Der Kamm des Gebirges ist allein auf zwei Wegen zu überwinden. Der erste Weg ist eine breite, wohlgepflezte Paßstraße, die aus der Poebcne heraufklettert und auf der französischen Seite bei Pistable im Thal der Tenisse herabkommt. Durch oas Thal stellt die Straße dann weiter die Verbindung mit den Rhoneländern her. Der zweite Weg ,lst mehr ein Saumpfad. Er läuft der Sauvtvakstraße im großen und ganzen nördlich aus dzti Kilometer parallel und überwindet den Gebiraskamm euren eine engeie und höher gelegene Nebenjcharte. Wie aus d:r Hauptpaßstraße gelangt man aber auf ihm. wenn auck erbeblick schwieriger, jenseits in's Thal der Denine, nur werter trn Thal auswärts, bei dem Orte Louraue. , Die Hauptpaßstraße wird auf der PafZyoye von einem großen Fort reherrscht. Davricourt - Saut aenannt. Infolge des Kammzuges hat man aber von oort aus lerne Gewalt über den blos um drei Kilometer entfernten anderen, den Saumpfad.. Man ging deshalb bald daran, letzteren durch ein besonderes Fort, das Fort Esteron. zu sperren. Man war zu diesem Entscblusse. der immerhin bedeutende Eeldaufwendungen verursachte, durch folgende Erwägungen gedringt worden. War der Saumweg nicht gesprrt, konnte auf ihm ein entschlossener Feind mit einer geübten Bcrgtruppe leicht zenseits m's Thal der Denisse. also nack Louraue. hinabgelangen. Nun klettert von Deux-Montages, der Stelle, wo die Denisse in die Rbone fallt, über Pistable, wo die Hauptpaßträte in's Thal der Denisse berabkommt, nach Louraue eine strateancke Eisenbahn empor, die in Ereux, einem Orte noch weiter im Thal der Denisse hinaus, endet. In Ereur aarnisornrt Sommer und Winter ein Bataillon Alpenjäger, im Sommer außerdem noch der Stab des Regiments. Em Feind, der Lourque in seine Gewalt bekam, schnitt deshalb das Bataillon von seiner Basis ab. Diesem blieb, wenn es sich nicht ergeben wollte. keine andere Wahl, als sich auf Fußsteigen in das Gebirge hinter Ereux zu schlagen, um über die Gletscker des Eol de Trenta hinweg einen Rückzug anzustreben. Mit Louraue Katte dc? einö aber auck die strateaiscbe Babn an sich gebracht. In ihrem Besitze stand ihm das Thal der Denisse, das ihn m das Rhonethal führte, offen. Sein erstes würde sein, den ftufcbunlt der breiten Paßstraße, Pistable. an sich zu reißen. Das große Sperrfort oben an der Paßstraße. Tavricourt-Haut. war damit im Rücken faßt. Sein Schicksal war besiegelt. Das alles war in den lernen Iabren im französischen Generalstabe wiederholt Zur Svracbe aebrackt worden. Man hatte daraufhin die Artillerie des Forts lilron vermehrt uno wiömete ihm überhaupt die gleiche hohe Aufmerksamkeit wie dem großen Davricourt-Haut. vlls Kommandanten gab man Esteron einen vorzüalicken Offizier, den Kapitän Merry. Ten Wachtdienst dersay im Fort ein Zug Jage?, befehligt von einem Leutnant. Im Winter begnügte man sich mit einem Halbzug. Leutnant und Mannschaften wechselten regelmäßig Vierteljahr um Vierteljahr. Nur der Kommandant blieb längere Zeit. ??ur den Leutnant war als Unterkommen ein einzelnes Zimmer im Offiziervlockhause an der Hehle des Forts hergerichtet. Im ' übrigen stand das Haus dem Kommandanten zu: Verfü gung. :ie 'tannscyasien lagen in zwei Mannschaftsblockhäusern an der anderen Seite des Platzes. Wild rüttelte der Wind an den klei. nen Fensterscheiben des OffizierblockHauses' im' Fort, Esteron. Der KomMandant Kavrton Merry svrana von seinem Stuhle an seinem Arbeitstische,
in dem er gesessen, auf. Unruhig begann er in dem niedrigen Zimmer die Runde zu machen. Als der Wind mit einem außergewöhnlich heftigen Schlage an den Scheiben wüthete, horchte er auf, blieb stehen, hob langsam die linke Hand und drückte sie flach gegen die Stirn. Die Unruhe bringt mich noch um," murmelte er. Längst könnte die Antwort da sein." Er kreuzte die Hände auf dem Rücken und begann von neuem auf und ab zu wandern. - Endlich ließ er sich wieder in den Stuhl vor seinem Arbeitstische fal len.
Auf dem Tische laa ein entfaltete Telegramm. Dessen Inhalt kannte er langst Wort sur Wort. Trotzdem las er es nochmals. Dabei zeigte sich auf seinen Zügen ein bitterer Schmcrzausdruck. Das Blatt in seiner Hand zit terte. Auf ihm stand: Kommen Sie so bald als möglich. Nur Ihr Kommen gibt Hossnuna. Grandiean." Aus Merrvs Brust leöste sich ein Seufzer. Seine Augen umflorten sich.' Er sank förmlich rn sich zusammen. Schwanke Bilder floaen an seinem Geiste vorüber. Zwei Jahre waren e? her, daß er Kommandant von Esteron geworden war. Nach dem'enten Win ter, den er hier oben verbracht, erhielt :r einen längeren Urlaub. Es zog ihn zum Gols hinab. Und dort, in Ant bes. begegnete sie ihm seine Amelie. Der starke Mann schlug die Händ: vor's Gesicht. Amelie!" keuchte er. Meine Amelie!" bre Ser,n hatten sich bald gesunden. Es konnte gar Nicht anders kommen, als Iah sie sich fanden Er wähnte das holde Kind in seinen Armen zu halten wie zur Zeit, als das tiefblaue Meer sich vor ihnen dehnte. als der Rivierahimmel sich über ihnen spannte. Gleich nach der Verlobung zog er in Erwägung, sich des Kommandeurpostens von Esteron entheben zu lassen. Aber mit dessen Aufgabe würde er auch der besonderen Zulage, die damit verknüpft war, verlustig gegangen sein. Da sich ergab, daß Amelie arm war. und er selbst ebenfalls kein Vermögen besaß, mußte er den Plan fallen lassen. Das wurde ihm durch Amelies Erklärung, daß sie ihm nicht nur nach Esteron. sondern, wenn es sein mußte, bis an's Ende der Welt folgen wolle. erleichtert. Heißer kam und ginqMerrys Athem. Ein heller Glanz stand in feinen Augen, von denen die Hände gesunken waren. Er konnte im Herbst Amelie als errin in das Blockhaus einziehen las sen. Er fühlte ihre weiche Hand auf ferner Stirn. Er hörte ihre süße Stimme. Der Glanz in seinen Auaen erlosch. Der schmerzliche Ausdruck in seinen Lugen vertiefte sich. In dem furcktbaren Winter, der bald nach ihrem Einzuge einsetzte und das kleine Fort der art mit Schnee überschüttete, daß Dort Glacis und Wall keine Spur mehr zu entdecken war, und man vom Offizierblockhause nach den Mannschaftshäufern durch einen Schneetunnel verkehren mußte, fing sie an zu husten. Das wilde Bergklima machte ihr, dem Kinde eines paradiesischen . Landstrichs, der keinen Winter kennt, von Woche zu Woche mehr zu schaffen. Es warf sie schließlich auf's Krankenlager. Und im April, als es endlich wieder möglich wuroe. eine Verbindung mit dem nur drei Kilometer entfernten DavricourtHaut herzustellen, brachte man sie auf einer Sanitatsschlittenbahre nach dort und von da die Paßstraße hinab in's Thal zur Station Pistable. Von Pistable geleitete er sie in ihre sonnige Heimath an der Riviera. Jetzt war es September. Was hatte er in dieser Zwischenzeit ausgestanden! Das ging über menschliches Ertragen. An seine Pflicht geschmiedet, mußte er hier oben in der ewigen Einöde ausharren, während sie. an der er mit seinem ganzen, Sinn hing, die er mit einem unter glühender Asche brennenden Verlangen bis zur Verzweiflung liebte, fern von ihm auf dem Krankenbette lag. Unter der Trennung von ihm litt sie am meisten. Nur an eines klammerte er sich immer wieder in seiner Marter und fand daran schwachen Trost: er wußte sie in guten ärztlichen Händen. Doktor Grandjean hatte versprochen, alles zu thun, was in seinen Kräften läae. Er hatte ibm auch ferner ttr sprochen. sofort zu deveschiren. wenn eine ernste Wendunq eintreten sollte. Das Blatt in Merrvs 5and. diese .cht fahren gelassen, zitterte heftiger. Kommen Sie so bald als möglkch. Nur Ihr Kommen gibt Hoffnung." So stand darauf. Das Blatt flatterte zu Boden. D starke Mann schluchzte. Ein scharfes Kllnaelzeichen am 3fr Phon ließ ihn aufschrecken. Er riß sich zusammen, reckte die Arme und ging hin. Nachdem er zurückgeklingelt, brachte er das Hörrohr an's Öbr. Seine Stimme hatte ihre gewohnte Festtgttlt. Hier Kommandant von Esteron.Hier Wachthabender. Tbor Esteron. Meldi gehorsamst, daß DavricourtHaut Herrn Kapitän persönlich zu sprechen .wünscht... Ich. schalte ern.". . Merry klingelte wieder. Dann hörte er im Noyr sprechen. Hier Adjutant Rene. Fort Davri-court-Haut." . Hier Kommandant. Fort Esteron." Persönlich?" .Ja." Habe die. Ehre, Herr Kapitän. Wegen Ihres plötzlichen Urlaubs macht sich äußerst schwierig.. Major
Helois hat ihn sofort nach Emdfana
telegraphisch an den Stab in Ereux weitergegeben." ' Ah" Er mußte so handln, Herr Kapitan. Er darf nämlich nicht mehr selbststälidig Stellkertretung verfügen. Nicht einmal mehr das Korps. Ganz unter lins, Herr Kapitän, der Generalstab hat in einer vorgestern eingelaufenen Verfügung angeordnet, von jeder StellVertretung, die sich im Kommando des Forts Esteron nöthig macht, benachrichtigt zu werden. Er will selbst Ersah bestimmen. Das ist nicht bei allen Forts an unserer Grenze, zumal den unselbstständigen, der Fall. Streng genommen ist es auch ein Eingriff in die Machtbefugnisse des Korps. Es müssen schon höhere Rücksichten oder sonstige schwerwiegende Gründe mitsprechen. Jedenfalls legt man, auf Esteron hervorragenden Werth. Gewiß sehr schmeichelhaft für Sie, Herr Kapitän, Kommandant eines solchen Forts zu sein. Hm also Ereux wird wohl vor morgen keine Antwort erhalten, und wir demnach auch nicht. Auf jeden Fall werde ich. wenn wir doch früher irgend welchen Bescheid bekommen sollten, sofort mit Ihnen telephonische Verbindung suchen. Es thut mir unendlich leid. Herr Kapitän, daß ich Ihnen in Ihrer Lage nicht schneller dienen kann, aber " Merry biß sich auf die Unterlippe. Ich danke Ihnen für Ihre Bereitwilligkeit, Herr Kamerad. Ich hatte allerdings gehofft, heute noch abreisen -zu können. Es trifft mich schwer.". Es thut mir. wie gesagt, unendlich leid. Herr Kapitän. Major Helois meinte, wahrscheinlich bekäme ich die Stellvertretung. Ich würde, wenn eir.e solche Disposition getroffen werden sollte, auf der Stelle aufbrechen, um (sie abzulösen. Sie würden mich damit sehr ver binden. Herr Kamerad." Also. Herr Kapitän, hoffen wir, daß wir uns noch im Laufe des Tages, oder wenn es sich machen sollte, in der kommenden Nacht von Angesicht begrüßen können. Ich habe die Ehre. Herr Kapitän." Habe die Ehre. Herr Kamerad." Als Merry vom Telephon zurücktrat. ballte er die Hände zu Fäusten. Wild zuckte es in seinen Augen. Ich werde noch verrückt!" stieß er hervor. Unzerreitzdare fesseln halten mich rn dies. Einöde hier oben angekettet, und eine halbe Tagereise davon, unten an der Küste, meine arme Frau, meine Ameiie: Er schlug sich mit beiden geballten Fäusten gegen die Brust, gegen die Stirn, schleuderte mit einem ??uktritt einen im Wege stehenden Stuhl beiseite uno stürmte im Zimmer aus und nieoer. .Endlich riß er sein Käppi vom Gar..'.r. r l v- - uciuueuiicr uno cuic hinaus. Äild schlug ihm der Wind vom Sättel des Passes her in's Gesicht. Graue Wolken wälzten sich über den Himmel. Doch jetzt zerfetzte diese ein besonders starker Luftstoß, und nun leuchteten die mit ewigem Schnee be deckten Spitzen des Monte Viso gespenstisch auf. Die Stimmung in der Natur paßte so recht zu der Sffmmung in seiner Bru t. Die Wache am Thor trat in's Gewehr. Er grüßte kurz, schritt über die Eskarpe. die Brücke, die Kontereskarve und befand sich auf dem Glacis. Auf oiejem umgmg er das Fort. Der Saumpfad, ween dessen letzteres angelegt war. zeigte sich aus zwei Kllomc . . , ter öen Augen. Er kam unten hinter einem ausladenden Felsen vor schlängelte sich als ein qraues Band an einer links steil abfallenden Wand zum xozt heraus. rn diesem seinem aanzen verlause konnten ihn die Kanonen des Forts unter direktes Feuer nehmen. Merry schlua den Pfad em und hatte somit den Sattel des Passes und oamit auch den Wmd im Rucken. Wenn ir.n ein heftiger Windstoß dem gähnen oen - Abgrund zur Linken zutreiben wollte, verzerrte sich sem Gesicht zu einem qrimmen Lächeln. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen. Es wäre nicht das Schlechteste, in diesen Ticfen hier zu zerschellen." murmelte er durch die aufeinandergebissenen Zähne. Nach einer knappen halben Stunde Marsch war er an der Stelle des Pfades angelangt, wo er um den ausladenden Fels bog. Er verfolgte ihn auch um diesen herum. Jenseits der Felsnase lag der Weg wieder gegen zwei Kilometer offen da. Merry hielt kurze Aii Ausschau und kletterte dann den Abhang rechts binter der Felsnase hinauf. Geröll bezeichnete eine Spur. Dieser folgend, gelangte, er zu einer eisernen Thür im Felsen. Mit einem aufgehobenen Steine gab er gegen sie ein bestimmtes Zeichen. Sc'irt sprang sie af und gab so den Zugang zu einem kaum mannshohen, halbfinsteren Raume frei. Elektrische Klingelslgnale ertönten. Achtung!" rief ein Korvoral. trat in dienstlicher Haltung vor seinen Borgesetzten und erstattete Rapport. Ler Raum war ein: rn den fttls ein gesprengte Kasematte und aebörte zum Fort Esteron. Er sollte dazu dienen, die Annaherunz eines Feindes dem Fort zu v ;i v;-r-3 !t rjc uiciwi, vamil UICJC9 lyll U)VTI von ferne unter indirektes ??euer nebmen konnte, war aber auch selbst zur Aufnähme von drei Geschützen eingerichtet. cerry liebte es. seine Leute fort und fort auf den Ernstfall vorzubereiten. uno ordnete deshalb ra kleinerm oder
größeren Zwischenräumen eine vorüber
gehende Besetzung der Kasematte an. Nachdem er sich davon überzeugt, daß in ihr alles in Ordnung war, gab er Befehl, sie um sechs Uhr am Abend wieder zi: räumen. Ter Korporal salutirte. dann begab sich Merry auf den Ruckweg. Dieser war ein schwereres Stück Arbeit als der Herweg. Es ging bergauf. und der Wind packte von vorn an. Mühsam kämpfte sich der Kapitän vorwärts. Auf dem Glacis lief ihm ein Jäger entgegen und meldete: Herr Kapitän. Davricourt-Haut wünscht Herrn Ka pitän dringend am Telephon zu sprechen. Herr Adjutant Rene hat schon zweimal nach Herrn " Schon gut!"' Merry ging eilends an das Tele Phon, und zwar gleich an das der Wache. Rene war bald zu erlangen. Herr Kapitän." berichtete er, man hat Ihren Urlaub über alles Erwarten schnell erledigt. Vor einer Viertelstunde gab das Kommando in Ereux die folgende Depesche: Urlaub des Kapitän Merry genehmigt. Kapitän Milleraud vom Großen Generalstabe übernimmt interimistisch das Kommando des Forts Esteron." Ja, aber' wann?" warf Merry ein. Das. Herr Kapitän, ist leider nich'. gesagt. Ich vermuthe jedoch, daß Kapitän Milleraud schon auf dem Wege nach Esteron ist. Wie ich erfahren habe, wellt nämlich eine Kommission von Herren des Generalstabes in TeurMontages. Man munkelt, daß sie uns hier oben auch heimsuchen wolle. Vielleicht hat man einen dieser Herren mit dem Kommando betraut. Warum soll es nicht so sein? Hoffen Sie. daß es so ist. Herr Kapitän! Morgen früh wurden Sie dann allerspatestens 'bestimmt auf Ablösung rechnen können." Hoffen wir das Beste. Herr Kamerad." erwiderte Merry heiser. Ich habe die Ehre. Herr Kapitän." Habe die Ehre." Mühsam sich aufrechthaltend, verließ Merry die Wache und ging zum Offizierblockhause. Aber in seinem Arbeitszimmer duldete es ihn keine fünf Minuten. Er wankte in das anschließende Wohnzimmer. Als er das nicht allzu große Gemach betrat, glaubte er. Amelies Bild, das an der Wand gegenüber hing, schwebe aus d:m Rahmen auf ihn zu. Er breitete impulsiv beide Arme weit aus. Jede Fiber sprang in ihm. Du wartest meiner!" quoll es über seine Lippen. Er empfand, wie er die Gewalt über sich selbst verlor. Ein einziger Gedanke ergriff von ihm Besitz: Fort! Suchend irrten seine Augen im Zimmer umher und blieben auf zwei Handkoffern, die er seinem Burschen nach Einkauf der Depesche Grandjeans vor drei Stunden zurechtzustellen befohlen hatte.'haften. Er beugte' sich über sie, begann in den Kommodcnfächern zu wühlen, Wäsche und Kleidungsstücke herbeizutragen, wieder fortzuschleudern und andere herbeizuholen. Die Stube glich bald einem Chaos. Bei diesem Hin und Her gewann er aber nach und nach die Gewalt über sich wieder. Er wurde sich des Unsinnigcn seines Vorhabens bewußt. Gequält stöhnte er auf. wankte in das Arbeitszimmer zurück und ließ sich in den Stuhl an fernem Schreibtische fallen. Hatte er sich bisher an Leib und Seele zerschlagen gefühlt, so fühlte er sich zetzt an Leib und Seele gebrochen völlig niedergetreten. An die zwei Stunden saß er apatyisch im Stuhl. Sein Bursche, der inzwischen lautlos das Wohnzimmer aufgeräumt und das verspätete Mittagessen aufgetragen hatte, trat herein, um letzteres zu mel den. Er wurde aber scharf angefahren uno ihm bedeutet, nicht wieder zu ri im sioren. Gegen fünf Uhr Abends kam eine Ordonnanz über den Platz gelaufen uno klopfte an die Thur. die vom Hausflur in das Arbeitszimmer führte. Der Bursche war aufmerksam geworden, schlich in den Hausflur und winkte ab. Aber trotzdem klopfte die Ordonnanz nochmals. Endlich erhielt sie die Aussorceruna zum Eintreten. Herr Kapitän, melde gehorsamst, daß ein Herr dringend in das Fort Einlaß begehrt und Herrn Kapitän vt'Ai, ... r, je. . r v i - fciU4uuj zu ipiecgen wuncyi. Hier ist die Karte des Herrn." Merry nahm diese widerwillig in Empfang. Kaum hatte er aber einen Blick aus den Karton geworfen, als er wie eleltrisirt cmporsprang. Er las das mit einer Bleifcder Hingeworfene nochmals: Kapitän Milleraud vom Großen Generalstabe wünscht Einlaß - Milleraud." Eine ungläubige Hoffnung lag auf dem Gesicht Merrys. Er las zum dritten Male. Ist der Herr in rrit-ir oh . vi. . r- v . . !iuus iccmuie er u) an tue yarrenoe Ordonnanz. Jawohl. Herr Kapitän." Woher kam der Herr?" Er ist über die Scharte von Lourque heraufgekommen. Ein Eseltreiber, dessen Esel zwei Koffer trägt, befindet sich in seiner Begleitung.Merry trat an's Fenster. Vrt Lourque! Der Herr ist sofort einzulal sen. Ich bitte ihn zu mir." Eine nervöse Unrast befiel ihn. Er rückte an seinem Wafsenrocke. l!eß seinen Ki'nnspitzba.t durch d'e Ha-.d gleiten, überflog das Zimm:r. ,inz zur Thür eilte zum Spiegel r.ixüd, strich über sein Haar, nah.77 sein Kapi vom Nagel, gmg zum zwee Male zur
Thür und trat vor's Haus.
Gsschäftö-Kalender.
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wie ist Ihr werther Name?"
(Echlub folgt.)
