Indiana Tribüne, Volume 30, Number 132, Indianapolis, Marion County, 26 January 1907 — Page 7

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Das heilige echt! 1 0 m n von Iricdrich Iacobsrn AfTTTYYT fTTTTTTTTTTTTTTTT5 (Fortsetzung.) Sie leben wie die Fürsten " sagt der Unverstand. O ja, innerhalb der hohen Mauern gilt der Wille dieser Männer wie fcei Wille eines Herrschers; hundert Händi regen sich aus ein kurzes Wort, hundert Auzen haften aufmerksam an jeder Miene des Allmächtigen. Tenn mac er umbann! sein von den Gesetzen und Verordnungen und Vorschriften eil an den Himmel. Strenge und Milde liegen dennoch in seiner Hand; er ist ein Herrscher; aber über ein trauriges Reich. Ginge es nach dem Willen, nach den heimlichen Flüchen, nach den rachsüchtigen Wünschen der Verworfenen und Elenden, über die er herrscht, so wäre ihm die Speise Gift, die Kleidunz ein Nessuszewand und das Bei! eine Marter und die Luft ein Pesthauch. Weber saß in seinem Arbeitszimmer und hatte den Brief seines Schwagers Held vor sich liefen; er hielt den Kops in die Hand gestützt und blickte sinnend durch das Fenster auf den Hof, wo sich gerade eine Anzahl Sträflinge rersammelte, um von einem der Aufseher in den Arbeitssaal geführt zu werden. Es waren Männer des verschiedensten Lebensalters, aber es befand sich kein Einziger unter dieser stumpf und un terwürfiz dreinblickenden Gesellschaft, der nicht aus der Hefe des Verbrecher thums emporgewachsen wäre. O es waren während der langen Jahre, in denen Vater Weber seinen Posten verwaltet, auch Vertreter der besseren Stände hierhergekommen, ungetreue Beamte, betrügerische Kaufleute. leichtsinnige Genußmenschen aber niemals hatte ein edel angelegte? Mann, ein Jünger der Wissenschaft. die graue Sträflingskleider innerhalb dieser Mauern getragen. Und es dünkte dem sinnenden Mann fast unmöglich, daß dies jemals der Fall sein könne, vollends unmöglich aber wollte es ihm scheinen, daß es unter seinen eigenen Augen geschehen solle. Er stand auf und ging mit müden, langsamen Schritten durch das Zimmer. Es werden vielleicht einige unter ihnen sein, die mich ungern scheiden sehen." sagte er leise, bisweilen war es mir ja doch vergönnt, ein hartes Loos mildern zu können; aber das übersteigt meine Kräfte. Ich werde gehen!" Dann wandte er horchend den Kopf rückwärts. Es war ihm, als ob auf dem hallenden Korridor ein leichter Schritt näher komme, ein Schritt, der nur sehr selten an diesem Orte gehört wurde. Unter der geöffneten Thür erschien Nosas schlanke Gestalt in dunkeln Reisekleidern. Ter Direktor erblickte das Mädchen erstaunt und erschrocken an; es war wohl ganz natürlich, daß die Tochter zum Vater kam. aber da stand im Hintergrund eine dunkle schwere Frage. Rosa ging auf ihren Vater zu und küßte ihn flüchtig auf die Wange. Es lag eine Hast in ihren Bewegungen, die ihr sonst fremd war. sie sprach auch kaum ein Wort der Begrüßung und legte ihren Hut nicht ab. Tu weißt Alles. Vater." sagte sie. nicht wahr?" Ich weiß Alles. Kind." Welchen Entschluß hast Du gefaßt, oder komme ich noch zeitig genug?" Weber nahm das Mädchen an die Hand bnd führte sie zum Sopha. Du bist aufgeregt," sagte er. und verwirrt. Laß uns ruhig miteinander sprechen, dann werden wi? uns besser verstehen." Aber sie schüttelte den Kopf. Ruhig kann ich weder sprechen noch empfinden. aber verwirrt bin ich keinesWegs Es ist nur. als ob ich nirgends bleiben könne, hier natürlich' erst recht nicht, denn dieser Boden brennt mir unter den Füßen." ' Freilich, das begreif: ich vollkommen." Rosa hatte sich gesetzt und zerrte an ihren Handschuhen. Tu weißt doch wohl nicht Alles." sagte sie nach einer Pause, weißt Du. daß er hierherkommt?" Ter Direktor nickte, ohne zu antWorten. Und Du weißt dielleicht auch, daß wir uns lieb haben?" Der alte Mann legte leise und sanft seine Hand auf den dunkeln Scheitel des Mädchens. Es ist niemals davon gesprochen worden," entgegnete er. aber ich konnte es mir denken. Wir müssen viele Dinge verwinden, liebes Kind; das muß auch überwunden werden." Du meinst, ich soll es vergessen. Vater. Wenn ein Mensch, den wir lieb haben, schlecht geworden ist, dann müssen wir ihn vergessen. Es thut vielleicht weh. und es wird uns schwer, aber wir bringen es fertig. Ist Adolph schlecht geworden?" Rosa nannte zum ersten Male den Namen und blickte ihrem Vater dabei voll in die Augen. .Nein,- sagte der' Direktor.

Hat er Deine Achtung verloren. Vater? Ich meine, durch seine Bc strafunz?" Rein," entgegnete Jener abermals. Rosa ergriff die beiden Hände des allen Mannes und küßte si:. Ich danke Dir. Vater! Also, was sollte ich vergessen?" Ter Direktor schüttelte seinen grauen Kopf und blickte vor sich hin. Ich meine. Rosa." sagte er endlich, .dak ein Mann und ein Wciö. die Heb lieb haben, auch die Hoffnung hegen, daß sie einander dereinst angehören wer den. Diese Hoffnung ist jedenfalls vernichtet. und ich muß es deshalb als ein großes Glück bezeichnen, daß zwischen euch lein Verlöbnis; stattgefunden hat." Rein, ich habe sogar seinen Antrag zurückgewiesen, denn ich konnte mich nicht mit dem Gedanken vertraut machen,' an der Seite eines Irrenarztes zu leben. Ich fürchtete mich vor den Kranken, denn ich war selbst krank. Das Unglück hat mich gesund gemacht, und nun sehe ich die Sache von einer ganz anderen Seite an." Von welcher. Kind?" Das junge Mädchen legte die gesal' teten Hände in den Schooß und dachte eine Weile nach. .Ich weiß nicht, ob Du mich begreifen wirst. Vater, denn Du bist ein Mann, ich aber muß aus der geheimsten Tiefe eines Frauenherzens zu Dir sprechen. Siehst Du. ich meine, wenn wir Frauen einen Mann so recht von Herzen lieb haben, dann denken wir an gar nichts Anderes, als immer nur daran, wie wir ihn glücklich machen können. Alles Uebrige ist für uns Ne bensache. selbst unsere eigenen Wünsche treten vor diesem Gedanken in den Hintergrund. und weil wir unser Denken und Fühlen von allen sonstigen Dingen avlenken. so werden wir gewisser-

maßen hellsehend und wissen schließlich ganz genau, aus welche Weise wir zu dem dauernden Gluck des geliebten Mannes am besten beitragen können. Aus diese Weise blickte auch ich in die Zukunft, und ich sah mit Sicherheit voraus, wie sich Adolphs Schicksal gestalten würde, wenn ich seinen Wünscheu mit Beziehung auf meine Person entgegenkam. Ich hege eine unbcschreibliche, eine unüberwindliche Af neiauna aeaen Alles, was mit aeistiaer Krankheit zusammenhängt. Es ist wie ein Instinkt, über den sich nicht gerieten läßt. Und nun stelle Dir" vor. welches Leben der Mann an meiner Seite führen müßte, deen gesammtc Thätigkeit in dem Verkehr mit tl sieskranken aufgeht. Ich sage ausdrllcklich: er an meiner Seite, nichi umgekehrt, denn diese unglückselige Empfindung hat mit meiner Liele nichts zu schaffen. Aber er würde von der Schönheit seines Berufes erfüllt, täglich und stündlick mit mir von seinen Beobachtungen reden, er würde mit Aecht M Forderung einer thätigen Theilnahme an mich stellen, und da? Ende davon wäre für ihn der große Schmerz, an meinem Unteraana mit. zuwirken, oder der größere, seinen Veruf aufgeben zu müssen. Darum fügte iq lym das kleinere Lew zu und wies seine Hand in der festen Ueberzeuaunq zurück, daß das Glück seines Berufes stärker sein werde, als der Gärner? eines versagten Wunsches." Rom schwiea einen Moment uni legte beide Hände an die Sckiläsen. Dann fuhr sie leiser fort: Nun aber it er ein unglücklicher Mann, aeworcen. und man bat :bm die Möalickkeit genommen, in seinem Berufe zu bleiden. Er wird niemals wieder seine wohlthätiae Hand auf ein krankes Haupt legen, denn jene Unglücklichen vertrauen sich nicht aus freier Entschließung dem Arzte an. sondern sie werden ihm anvertraut, und das .heilige Recht.' das er aus menscklicber Barmherzigkeit verletzt, wird sich zwiicyen iqn und Dieiemgen stellen, die nichts haben, als den Sckutz dieses RechtZ. Das ist mir in diesen furcht. oaren Taaen klar aeworden. aber die Liebe eines Weibes bleibt nicht bei dem Gedanken stehen. Er bat nickts mebr auf der weiten Welt als diele Liebe. Sollte ich ihm die noch nehmen?" Eine tiefe Stille schwebte minutenlang über den beiden Meni'cben: der Direktor hatte sein Gesucht in beide Hände gelegt und athmete schwer. Endlich hob er den Kopf und frug: ,Rosa. ist Dir bewunt. was Du mit diesem Wort ausgesprochen hast?" Ich weift es." saate sie schlicht. ?cck habe damit einen Entschluß kundgege ben, den die Welt für Irrsinn halten wtrd. Aber ich werde mit der Welt nichts mehr m thun haben. Dem Recht, welches eine unendlich harte Strafe für eine edle Handlung aussprechen mußte, muß ich mich beugen; acer ich bin Nicht gewillt, mich dem grausamen und unaereckien Rickterspruch der Welt zu beugen. Sie stößt Jeden, der einmal zwischen diesen Mauern trauerte, unter den Abschaum der Menschheit, und Keinem fällt es ein zu fragen, was dieser Unglückliche denn aetban bat. und aus welcken Gründen er es that. So werden sie es auch mit ihm machen, wenn er wieder frei ui. und die Steme. die um treffen. werden auch mich nicht verschonen; ich wein, was ich thue, aber er soll nicht untergehen." Er wird nicht wieder b.erauskommen," sagte Weber düster; und als die Tochter ihn fragend anblickte, ergriff er ihre Hand und führte sie an das Fenster. Es war gerade Freistunde für die Abtheilung des einen Arbeits-

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i A " 7 ' J'-i'i- . - I --II ! II - f ll lll üää faales, und die Sträflinge gingen paarweise, ingenau abgemessenen Entfernungen hintereinander um ein großes kreisrundes Rasenstück, das ohne Baum und Buschwerk nackt und kahl in der Mitte des riesigen Hofes lag. Jeder der Männer hatte die Hände auf den Rücken gelegt und den Kopf gesenkt; die Augen Aller, manche umduscht von dichten Brauen, manche stumvf und alokend bervorauellend. ruyten oyne Ausnahme auf oem Pflasier. Keiner wandte ste zur Seite aus den Nachbarn, Keiner bewegte die Lip pen zu einem Worte. Wenn vielleicht dennoch hier und da Worte geformt wurden, dann waren sie wie ein Hauch und wurden in den kurzen Momenten geflüstert, wo der Aufseher den Rücken wandte, oder sich eine Gelegenheit fand-, die Hand zum Munde zu führen. So gingen sie, Alle Alle. Ter Direktor hob seine Hand und deutete hinaus. Ich habe mich bestrebt." sagte er, Dir so viel wie möglich diesen traurigen Anblick zu verbergen; jene Unglücklichen waren die Veranlassung, daß ich auf das liebste und natürlichste Recht verzichtete, aus das Recht des Vaters, sein Kind bei sich zu haben. Und ich that es deshalb, weil schon der tägliche Anblick dieser Strafe einen Menschen entweder verhärten oder am Leben und Glück verkürzen muß. Und nun ermiß, was aus Denen wird, die die Strafe erleiden müssen. Das, was Du da draußen siehst, ist ihre Erholung, soll ihre Erholung sein, denn es gibt nichts zwischen diesen Mauern,-was auf Freiheit. beruhte, es gibt nichts, was nicht vorgeschrieben und geregelt und in Paragravhen geformt wäre. Ihre Arbeit, ihre Speise, ihre Ruhe und ihr Schlaf, jede Bewegung ihrer Hände und jeder Blick ihrer Augen, jedes Wort aus ihrem Munde, jeder Gedanke, der sich auf ihren Zügen widerspiegelt Alles. Alles steht unter den ehernen Vorschriften der Hausordnung, nichts davon entspringt aus ihrem eigenen Willen, denn ste haben keinen Willen. Ich will nicht sagen, Rosa, daß der Staat aus Grausamkeit diese Strafe verhängt, sondern er thut es aus trauriger und eiserner Nothwendigkeit, aber es ist eine Strafe,, schlimmer als der Tod, denn sie vernichtet die Persönliche keit. Es ist ein Trost, daß nicht Jeder das gleiche Empfinden besitzt; die Mehrzahl Derer, die Du dort siehst.' wurde in den Winkeln des Elends ge-, boren, wuchs in den Höhlen des Lasters auf. wurde von entmenschten Händen in den Schlamm des Verbrechens gezerrt. Und dennoch wird ihnen hier der letzte Stoß gegeben. Dem Einen langsamer, dem Anderen schnei ler, dem Einen zum Tode, dem Anderen zum Siechthum, aber Jeder von ihnen läßt die Hoffnung draußen, wenn er diese fluchbeschwerte Schwelle übertritt. Und nun ermiß. Rosa, was aus einem edlen und gebildeten Manne werden muß, hier in diesem Joch, hier unter diesen Menschen. Er muß sterben, oder er muß wahnsinnig werden, aber, wenn er es auch überstände niemals wird er wieder herauskommen als der. der er war." Und kannst Du ihm nicht sein Schicksal erleichtern?- frug das Mädchen leise. In vielen Stücken, ja. Aber im großen Ganzen ist mir mein Verhalten vorgeschrieben. Die Pflicht, mem Amt. die Ordnung des Staates und das Gefetz binden meine Hände." Rosa nahm den Brief ihres Oheims vom Schreibtisch. Ich weiß, Vater, was hier geschrieben steht, und ich höre aus Deinen Worten, daß Du dieses traurigen Amtes müde bist. Du willst ged)en " Kind, ich möchte es gerne, lieber heute als morgen. Ich weiß ohnehin, man hält meine Zucht für zu milde, und es wird nach mir ein Härterer kommen." .Und wirst Du nicht bleiben, wenn ich Dich bitte, von Herzen bitte?- frug tfc athemloö.

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.2i.U.V:;iÄ5.' Ich will es versuchen, mein Liebl:ng. so lange es geht. Ein thörichter und undankbarer Sträfling hat dafür Sorge getragen, daß es nicht zu lange dauern wird, aber so lange mir Kraft bleibt, will ich auf meinem Posten ausharren." Rosa schlang ihre Arme stürmisch um den als des Vaters und küsi.te ihn. l li CtN XitU;ttai;i hl VCi u.. fetfeil, ich danke Dir. Run kann ich wei-er gehen ans meinem schweren We?,e, und ich will gleich von Dir Abschi?d nehmen, denn ich weiß nicht, wann wir uns wiedersehen werden." Wo willst Du hin?" frug er be sorgt. Zunächst zu Adolphs Eltern." cni; gegnetc sie rasch. Das ist atürttck' und begreiflich, nicht wahr? Räch deir Weiteren frage nicht, es muß geschehen, und e5 wird geschehen. Sorge Dich nicht um mi.f, ich habe eine Lebensauf gäbe zu erfüllen, und die hält niich aufrecht. Leb' wohl!" Sie war schon fort, bevor Webe: eine weitere Fras.e stellen konnte, aber er machte auch nicht den Versuch, das Mädchen aufzuhalten. Gott segne Dich auf Deinem Wege." sagte er leise, und gebe, daß mein Opfer nicht vergeblich gewesen ist." Tann zerriß er langsam den Brief seines Schwagers, warf die Stücke in den Papierkorb und begab sich auf seinen täglichen Rundgang durch die Anstalt. Er durchschritt die einzelnen Arbeitssäle, blieb bei diesem oder jenem Sträfling stehen, betrachtete die Arbeit, sprach ein kurzes Wort des Lobes oder Tadels und wandte auch dem Getadelten so gelassen den Rücken, als wenn er zu einem Kinde gesprochen hätte. Bei den verschiedenartigen Beschäftigungen war es nicht zu vermeiden, dak den Leuten zum Tkeil svike scharfe oder schwere Werkzeuge in die Hand gegeben werden, und bei einer solchen Gelegenheit hatte ein bösartiger Züchtling eben jener später ermordete Binder sich an dem Direktor vergriffen und ihm eine Wunde in der Brust beigebracht. Aber ungeachtet dieser trüben Erfahrung beobachtete Weber keine einzige Vorsichtsmaßregel, und oft entfernte er die bewaffneten Aufseher von seiner Seite, um die Wünsche. Bitten und Beschwerden der Unglücklichen ungestört entgegen zu nehmen. Das Gespräch mit Rosa hatte den kränklichen Mann angegriffen; es fiel Allen auf, daß er so blaß aussah und mit einer gewissen Anstrengung sprach Und als er sich ganz hinten im letzten Arbeitssaal befand, wo die schlimmsten Sträflinge beaufsichtigt wurden, wandelte ihn plötzlich eine Schwäche an, und er griff nach der Schulter des ihm zunächststehenden Züchtlings, um nicht zu Boden zu sinken. Der Mann es war einer von den Lebenslänglichen" fing den Direk-1 tor in den Armen auf; es entstand ein Gedränge, welches die Aufseher nicht sofort zu durchbrechen vermochten, aber sie glaubten an ein neues Attentat und griffen zu ihren verborgenen Waffen. Da öffnete sich der Kreis, und Webcr wurde von mehreren kräftigen Männern behutsam in die Mitte des Saales getragn und auf einen Stuhl niedergelassen; sein blasses Haupt ruhte an der Brust des einen Trägers, und dieser sagte laut viel lauter, als die Zuchthausordnung es gestattete: Er ist ohnmächtig geworden." Der Andere aber fügte mit zitternder Stimme hinzu: Rein, er ist todt!" Da scholl ein vielstimmiger Schrei durch den Saal, und es hatte für wenige Sekunden den Anschein, als ob alle Bande der harten Zucht gelöst seien; die Sträflinge drängten sich wie eine Heerde aufgescheuchter Schafe in einen Haufen zusammen, streckten die Arme aus und schrien: Todt! todt! Unser guter Direktor ist todt!" .Unter diesem, Tumult kam Weber

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gegen Schmerzen im Rücken, unregelmäßigen MonatZfluß. OhnmachtZgefiihl, Kopfweh, kalte Hände und Füßc. Schwindelanfälle, Krämpfe, Nervosität, Reizbarkeit und alle Störungen der weiblichen Organe oder Funktionen. Arbeits-Mädchcn. in Store, Office und Fabrik. Schullehrerinnen, Hausarbcitcrinncn etc., welche ihre Kräfte durch Stehen. Heben, Nähen Kehren rfc. überanstrengen, leiden gewöhnlich cm Krankheiten, die ihrem Geschlechte eigen sind, und sie sollten. ehe ihr Zustand gefährlich wird, sich mit der wohlbekannten und erfolgreichen Medizin für kranke Frauen behandeln

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Ob ich lebe oder sterbe," schreibt Sarah G. Butts, die populäre Tchullehrcrin von Whi:c Plaincs. Ba., ich bin sicher, daß der Tod nicht schlimmer ist als die Schmerzen, welche ich bei den Perioden zu erdulden hatte. Ich hatte ein Frauenleiden der schlimmsten Art. Ich hatte viele Medizinen ohne Erfolg gebraucht, daß ich der Verzweiflung nahe war. Vier Flasche Cardui verschafften mir Linderung, und ich dir jetzt kräftiger als seit fünfzehn Jahren. Car. dm ,st sicherlich ein Univcrsalmittcl für Frauenleiden. Möge Gott Ihre Bestrebungen segnen und Ihren Wir- sl nQ ßs? haben"15 erweitern, bis Sie jede leidende Frau erreicht Z&s JÖ&iLf. fismlZT 3n allen Äflolljeken in Sl.yy-Flaschen zu ljaSen.

.y iwieder zu sich. Er sch'ug die Augen auf. und ein fast glückliches Lächeln schwebte um seine blassen Lippen. Beruhigt Euch." sagte er freundlich, es war nur eine Ohnmacht, die mich plötzlich befiel. Geht wieder an Eure Arbeit, ich danke einem Jeden von Euch für seine Theilnahme und hoffe noch recht lange bei Euch zu blciben." Er winkte mit der Hand und entfernte sich, während die Leute ruhig und gehorsam an ihre Arbeitsplätze zurückkehrten. Der klein? Vorfall war schnell vorübergegangen, aber er hinterließ in dem Gemüth des Direktors eine große und woylthütlq? Wirkung. Er wußt?, daß sein Opfer nicht vergebllch gewesen sei. 13. Kapitel. ,KaVr$ osa Weber hatte sich -ei Wagen genommen und i einen CZ nach Steinberg gefahren. Vor dem Dorfe stieg sie aus und ließ den Kutscher umkehren, dann ging sie durch die hereinbrechende Dämmerung einen schmalen Pfad, der über den Friedaof nach der Pfarrei führte. Sie kannte hier jeden Schritt und Tritt und auch jeden Dorfbewohner; als sie den Kirchhof betrat, traf sie den alten Todtengräber, der etwas abseits vom Wege ein Grab schaufelte. Der Mann rückte an der Mütze und lehnte sich auf seinen Spaten. So. Sie sind das. Fräulein," sagte er. Sie wollen wohl in die Pfarre? Es sieht dort nicht gut aus." Das Mädchen warf einen erschrockenen Blick auf das halbfertige Grab. Wie. Merten. Sie wollen doch nicht sagen Nein, Fraulein, das da ist nur für die alte Rottmann ; um d:e ist es nicht schade; aber es kann wohl kommen, daß rch das nächste Grab für unsere Frau Pastorin graben muß, denn sie ist schwach und hinfällig geworden, und rch wußte nicht, worüber man sich da groß wundern sollte. Und der Herr Pastor, Merten?" Ter Alte hatte wieder seinen Spa ten aufgegriffen und grub eifria. Ein harter Boden," sagte er köpf schüttelnd, ein sehr harter Boden, und es hat doch genug geregnet. Unser Herr Pastor, meinen Sie, Fräulein? Nun, der ist stille geworden, ganz stille. Ich glaube, da kommt er. Es war die hohe Gestalt Korners, die zwischen den Gräbern erschien. Er war gebeugt und schritt langsam, laut los durch das lange, nasse Gras. Rosa ging auf ihn zu und begrüßte ihn; sie hatte stets Onkel Korner und Du" zu ihm gesagt, denn sie war in seinem Hause aufgewachsen, und sie that es auch heute; aber m dem Aus druck ihrer Stimme lag eine gewisse Scheu, jene stumme Achtung, die ein großes Unglück fordert. Du kommst also doch," sagte der Geistliche. Ich wollte eben ein paar Jmmergrllnblätter von den Gräbern meiner Kleinen holen; meine Frau verlangte darnach, und es wird bald ganz dunkel sein." .Wie geht es Tante Susanne?" Die Hand des Herrn ruht schwer auf ihr," entgegnete Körner. Ein Mutterherz hängt an der Erde, so lange noch nicht alle Kinder unter der Erde liegen, aber fünf Jahre sind eine lange Zeit; das Ende wird sie nicht erleben." Es war die erste Andeutung, die zwischen den Beiden fiel, und sie redeten nun davon weiter, ohne Adolphs Namen zu nennen, und den Ort, wo er leben sollte. Es dürfen nicht fünf Jahre werden." fagte Rosa heftig, nicht fünf Monate, nicht fünf Tage!" Aber der Geistliche schüttelte den Kopf. Er hat es abgelehnt, die Gnade anzurufen, und er thut rech: daran. Er darf nicht um Gnade bitten, denn er hat noch nicht gebüßt." .Er soll es auck nicht entgegnete!

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1 --- rt Misse für cfraueufeiöea .xvJ.'a. das Mädchen stolz.' Wozu sind wir Frauen denn auf der Welt? O, wenn seine Mutter nicht krank wäre, sie würde sich bis vor die Stufen des Thrones schleppen und um Gnade bitten. Eine Mutter kennt keinen Stolz, eine Mutter demitthigt sich aus Liebe. Aber sie kann nicht, denn es muß von Mund zu Mund geschehen, ein Schriftstück verfliegt in den Wind. Gut. dann werde ich es thun!Du?" sagte Körner; mit welchem Rechte?" Mit dem Rechte der Liebe. Meint Ihr, weil er das Gesetz übertretn hat, und weil man ihn dafür grausam straft meint Ihr, daß ich ihn nun nicht mehr lieb haben könne, oder ihn nun nicht mehr lieb haben dürfe? Ich frage nicht darnach, ob ich es darf, es ist mir gleichgiltig. was das Gesetz bestimmt und die Leute sagen. Er ist mein, und ich hab' ihn lieb! Ich werde für ibn bitten und flehen, bis man ihn freigibt, und dann gehe ich mit ihm bis an das Ende der Welt, wo Keiner uns kennt, und dort will ich ihn glücklich machen!" Sie hatte mit einer Energie gesprochen, die dem Sturme gleicht. Pastor Körner hob sein Haupt und schaute sie an. Du willst zum König?" fragte er. Ich gehe zum König; er muß mich hören!" m m m m Der Staatsanwalt Wilde hatte die vom Gericht erkannte Strafe zu vollstrecken, und die Vollstreckung bestand darin, daß er den Verurtheilten in das Zuchthaus in Waldheim überführen ließ. Aber er zögerte von Tag zu Tag, diese letzte Handlung vorzunehmen. welche gleichsam den Abschluß eines Menschenlebens bilden mußte. Denn er sah nicht nur einen thatsächlichen, sondern auch einen moralisehen Unterschied zwischen dem Verhängen einer Strafe und ihrer Vollsireckung. wie es einen Unterschied macht, ob der Stempel, mit welchem ein Brandmal aufgedrückt werden soll., erst im Feuer liegt, oder ob er die Haut schon berührt hat. Jeder Tag. den Adolph im Gefängniß zubrachte, wurde ihm auf seine Strafe angerechnet; er verbüßte thatsächlich schon, aber er hatte seinen Fuß noch nicht über die Schwelle des ZuchtHauses gesetzt. Wilde hoffte noch immer, daß Körner aus freien Stücken ein Gnadengesuch einreichen werde, und er hatte die. Absicht, für diesen Fall die Ueberfüh. rung nach Waldhcim bis zum Eintreffen der Entscheidung auszusetzen, aber er konnte in seiner Stellung als Vertreter des Rechts weder ohne den Willen des Gefangenen vorgehen, noch durfte er ihn direkt zur Abfassung einer Eingabe an den Landesherrn veranlasfen. Wilde fürchtete schließlich, in den Verdacht der Parteilichkeit zu gerathen, und als eine Woche verflossen war. erließ er die nöthigen Anordnungen. An einem Morgen, als der erste Frost eingetreten und der erste Schnee gefallen war, trat der Gefangenenmcisier in Körners Zelle und sagte mit einer gewissen Feierlichkeit: Es ist sc weit; machen Sie sich fertig." Diese Worte pflegte er nur selten anzuwenden, und zwar nur dann, wenn ihm die Pflicht oblag, einen armen Sünder zu seinem letzten Ganae abzurufen; aber sie kamen ihm heute unwillkürlich auf die Lippen, denn der Weg. den Jener antreten sollte, dünkte ihn ebenso dunkel und ebenso entsetzlich. wie die Stufen zum Schaffst. Ich kommet sagte der Gefangene. Es fror ihn. als er in den Hof trat, denn die Kä?e hatte sich plötzlich über Nacht eingestellt, und er trua dieselben leichten Sommerkleider, in denen er vor mehreren Monaten eingeliefert worden war. Nicht einmal einen Ueberzieber hatte er bei sich. '(Schluß folgt.)