Indiana Tribüne, Volume 30, Number 132, Indianapolis, Marion County, 26 January 1907 — Page 6
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Plauderei über allerhand Dinge. Halle a. S., 1. Januar 1907. Wer die heutige Welt nach allen Seiten hin betrachtet, wird über viel des Erschauten doch bedenklich den Kopf schütteln, denn e2 bieten sich nur zu häufig Zustände und Verhältnisse dar, die eines Kulturvolkes unwürdig erscheinen. Es drängen sich dein aufmerksamen Beobachter da die verschicdensten Fragen auf. von denen eine Anzahl hier Platz finden möge. Wo kommt das viele Gesinde! her, das sich in den deutschen Gauen herumtreibt und namentlich die großen Städte unsicher macht? Die Antwort ist keine ganz leichte, da verschiedene Faktoren vorhanden sind, die ein sol ches Uebel heraufbeschworen haben. Von Jahr zu Jahr wird es dem Menschen bei der Zunahme der Bevölkerung und der dadurch hervorgerufenen Konkurrenz schwere? gemacht, sein Dasein zu fristen durch Schaffung einer von ihm gewünschten Stellung. Hat nun Jemand ein Handwerk erlernt oder ir gend einen anderen Beruf erwählt, ii welchem er keine Beschäftigung finden kann, während er in einer anderer Branche einen Posten erlangen könnte, so bilden sich viele Leute ein, ein so! cher Wechsel in ihrer Thätigkeit ver trage sich nicht mit ihrem Standeszefühl und sie beginnen ein Bummellebcn, das sie als sogenannte arme Rct sende" durch's Land und schließlich aus die Verbrechrlaufbahn führt. Ein zv mißbilligender Berufsstolz bildet ir derartigen Fällen also die Veranlas suna. seine Existenz sozusagen den Ungefähr zu überlassen. Gefängniß und Zuchthaus haben be kanntlich nur bei wenigen Menschen ei nen sie bessernden Erfolg, zumeist werden die entlassenen Sträflinge wieder sehr bald mit den Gesetzen in Konflikt gerathen und weiter und weiter auf der abschüssigen Bahn gelangen. Hierbei muß übrigens hervorgehoben werden, daß sie in dieser Hinsicht nicht allein als schuldiger Theil angesehen werden sönnen. Wie gleichfalls bekannt ist, scheuen sich unendlich viele Arbeitergeber, Menschen, namentlich schwer vorbestrafte, zu beschäftigen, und so weiß mancher, der arbeiten möchte und vielleicht die beste Absicht hat, wieder ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu werden, in Noth und Verzweiflung, überall abgewiesen, nichts anderes zu thun, als sich wiederum dem Landstreicherthum zu ergeben. Solche Fälle zählen durchaus nicht zu den Seltenheiten, und manch einer wäre gewiß zu retten, böte man ihm. dem Beschäftigung - Suchenden, die Hand und käme man ihm mit etwas Vertrauen entgegen. Der Mensch ist im Allgemeinen von vornherein nicht so verhärtet, daß er freundlichem Entgegenkommen sich völlig verschließen und edleren Regungen sein Heiz nicht öffnen sollte. Daß auch die Erziehung, namentlich in den ärmeren Volksklassen, die nicht die Zeit haben, wie es wünschenswerth wäre, ihre Kinder ordentlich zu beaufsichtigen, viel dazu beiträgt, den Nachwuchs frühzeitig verwildern zu lassen, unterliegt keinem Zweifel. Aus solchcn Kindern rekrutirt sich zum Theil das spätere Gesindel. Bei 'manchen Menschen, die später nicht zu den guten Elementen des Volkes gehören, ist der Hang zu allerhand Ausschreitungen und Verfehlungen jedenfalls angeboren und hiergegen läßt sich wohl am allerschwersten aufkommen. Man mag ein noch so großer Freund aller freiheitlichen und fortschrittlichen Bestrebungen sein, so läßt sich doch nicht in Abrede stellen, daß es auch in dieser Beziehung ein Zuviel geben kann. Ich meine hier speziell die Freizügigkelt, deren wir uns nun schon mehrere Jahrzehnte erfreuen. Will man sich nicht der Wirklichkeit verschließen, so wird zugestanden werden müssen, daß sie in einer Beziehung offenbaren Schaden gebracht hat, der inmg zusammenhängt mit dem gerade besprochenem Thema. Seitdem wir die Freizügigkeit haben, hat sich vom Lande her eine gelinde Völkerwanderung nach den Städten, vorzugsweise nach den Großstädten, entwickelt, die zum Theil schon bedenkliche Formen angenommen hat. Die Dörfer enlvölkern sich, so daß vielfach schon dort über Arbeitermangel geklagt wird; andererseits werden die Städte mit einer so gewaltigen Ueberzahl von Arbeitern angefüllt, daß an eine Beschäftigung Aller gar nicht zu denken ist. Dadurch ergibt sich ein Anwachsen des städtischen Proletariats, das schließlich der Kommune zur Last fällt. Von Stufe zu Siuse sinken die Arbeitslosen, die man endlich nur noch mit dem Namen Gesindel" bezeichnen kann. Zu einem so wenig befriedigenden Resultat hat sicherlich die Freizügigkeit sehr erheblieh beigetragen. Auf dem Lande hatten alle diese Personen ihre, wenn auch bescheidene, Existenz gehabt, während sie nun als Städter infolge von Atzeits mangel zu Strolchen und mehr oder weniger schweren Verbrechern ge worden sind. Die Freizügigkeit trägt auch wohl einen großen Theil der Schuld, ?ß sich völlig polnische Enklaven in Rheinland und Westfalen gebildet haben und an anderen Platzen auch im Entstehen begriffen sind. Der größte Zulauf nach den Städten kommt aus den östlichen Gebieten des Deutschen Reiches, aus der kulturell noch etwas zurückstehenden Landbevölkerung, die nicht die Folgen einer unüberlegten Ucbersiedelung zu beurtheilen vermag und als sich annimmt, in der Großstadt aoldene Seine zu findet. .
Daß die Thielguälerei leider eins Verbreitung gefunden hat, die schon seit Jahrzehnten die Gründung von Thicrschutzvereinen zur Folge gehabt, ist Thatsache. Das Wirken dieser Vereine kann unbedingt ein segensreiches genannt werden. Den größten Rohheitai und Quälereien ist zweifellos das edelste der Vierbeiner, das Pferd, ausgesetzt; ich erinnere dabei nur an die vielen auf einem oder beiden Augen blinden Thiere, die diesen bemitleidenswerthen Zustand nur den Brutalitäten der Menschen zu verdanken haben, welche ihnen durch Peitschenhieb.' das Augenlicht raubten. Aber noch eine andere Quälerei möchte ich dabei zur Sprache bringen, die gewiß verdient, nicht von den Thierschutzvercinen ollein. sondern vom gcsammtcn S3oUc eingehend geprüft zu werden, um auf Grund dessen die Beseitigung einer Grausamkeit herbeizuführen, in Folge deren das Thier Zeit seines Lebens an dem Gebrauche eines seiner Körpertheile gehindert wird. Ich meine hier das Englisiren und übermächtig Stutzen des Pferdeschweifes, der os, dermaßen verhunzt" wird, daß de: Stummel genau wie ein Zylinderputzer ausschaut. Der Schweif des Pferdes ist nicht allein eine Zierde desselben, sondern sein Hauptzweck soll se'n, sich die peinigenden Fliegen und sonstigem Insekten vom Leibe zu halten. Ich frage Jedermann, kann ein Pferd mi. verstümmeltem Schweife sich gegen derartige bissige Angreifer wehren? Die Antwort kann nur lauten: Nein! Eine zweite Frage lautet: Sieht ein Pferd mit dem also zugerichteten Schweifende schön aus? Wiederum dürfte mir, wenigstens 'von allen Pcr sonen, die Schönheitssinn besitzen, geantwortet werden: Nein im Gegentheil. Demnach ist man troll beuch tigt, zu fragen: Welchen Grund kann eine solche Verunzierung haben, durch welche das armeThier gezwungen wird, sich widerstandslos den Insektenstichen preiszugeben und die überdies sonst Jedem unangenehm auffällt? Di.' Antwort dürfte vielfach lauten: Ja. es ist mal so Mode! Also um der Mode zu huldigen, die freilich die ungeheuerlichsten Auswüchse zutage fördert, muß das bedauernswerthe Thier der Huptwaffe gegen das Fliegcngcschmeiß b:raubt werden. Da ist es doch woi;l an der Zeit, recht nachdrücklich an das Mcnschlichkeitsgefühl Derjenigen zu appelliren. die es Lber's Herz bringen, eine so offenbare Grausamkeit zu begehen. Es ist kein Wunder, wenn die heutige Männerwelt sich nur schwer zum Heirathcn entschließt. Betrachtet man den Luxus, den das wci.ich: Ge.ch ci)i zur Schau trägt, so durchrieselt eö jeden vernünftigen Menschen unw.llkürlich bei dem Gedanken, daß all' dieser Staat und Firlefanz von den Ehemännern beschafft werden muß. Würden die oberen Zehntausend h'.erin n'.cht mit so schlechtem Bcisp-el vorangehen und der Putzsucht in oft un:rl'örtcr Weise fröhnen, so böte sich den unteren Ständen nicht so massenhaft die Gelegenheit zur Nachäffung, für die der Deutsche so wie so schon ein ausgesprochenes Talent besitzt. Der Mann und Vater weiß oft nicht, wo er das Geld für alle die Toiletten hernehmen soll, die in Folge der stets wechselnden Moden Jahr aus, Jahr ein nothwendig sind, und nur zu oft trägt dieser Umstand dazu bei, die Finanzen der Familie arz zu zerrütten, wenn nicht gar den völligen Ruin herbeizuführen. Aber nicht Garderobe und Sazmuck allein sind es, worin Ucbcrireibun', herrscht, sondern es giebt fast nichts auf der Welt, das nicht mit in den Bereich der nothwendigen, wenn zum größten Theil auch völlig überflüssigen Anschaffung gezogen würde. Welch? Ausdehnung hat z. B. das Halten der Kinderwagen genommen! Es giebt in den Städten fast keine Familie mit Kindern, bei der er nicht zum stehen den Inventar gehört, und seine Ausstattung muß selbst bei armen Leuten ein? elegante sein. Spitzen und allerlci Flitter dürfen weder an den Klei' dern des Kindes noch an den Kissen und Decken des Wagens fehlen. Heutzutage ist Alles auf den Schein berechnet; die Leute, namentlich in den niederen Volksschichten, essen sich lieber nicht satt, als daß sie auf schöne Kleider, Hüte u. s. w. verzichteten. In früherer Zeit sparte der weiblich.' Dienstbote sich das Geld zur Ausstattung zusammen und sorgte für Leib Wäsche und Betten; jetzt ist das ein überwundener Standpunkt. Wozu brauche ich denn Wäsche, die sieht man doch nichts sagt das Mädchen, nöthig sind nur solche Dinge, die in die Augen fallen." Es wäre übrigens interessant, wenn sich ein Statistiker fände, der sich der Aufgabe unterzöge, auszurechnen, wu.' vielen Frauen Deutschlands es im letzten Dezennium gelungen ist, ihren Mann zu Grunde zu richten. Ich halte dafür, daß eine recht ansehnliche Zahl tu Tage gefördert werden dürfte. Wunder darf es wahrlrch nicht ned. men, daß die Zähne der Bewohner Deutschlands im Allgemeinen sc schlecht sind, vor Allem in den Städten und in den Gegenden, in denen die Lebensweise eine bessere ist. wie beispiels weise in 'den östlichen Distrikten des Reiches. Der Deutsche verwendet so gut wie gar keine Sorgfalt auf sein Gebiß, und doch ist dessen Erhaltung und Güte von den wesentlichsten Folgen für sein körperliches Wohlergehen. Wer die Speisen nicht ordentlich zu kauen vermaz, bei dem sind Berdauunasstörungen unvermeidlich, durch die
selbstverständlich die übrigen Organe mehr oder weniger beeinträchtigt werden. Die Zahnbürste, dieses wichtige Reinigungs-Jnstrument. ist dem deutschen Volke fast unbekannt. Der Chinese, auf den wir mit einiger Verachtung herabzublicken pflegen, ist uns in dieser Beziehung entschieden über". Er verwendet große Sorgfalt auf seine Zähne und auf die Ausspülung d?s Mundes, die er täglich mehrmals vornimmt; daher verfügt er durchschnittlich über ein besseres Gebiß als wir. Die Zahnbürste ist auch bei Amerikaner ein sehr nothwendiger Gebrauchsgegenstand und der gewöhnliche Arbeiter führt eine solche meist in der Wc stentasche mit sich neben der Zeitung, die er zu seiner Aufklärung für ebenso unentbehrlich hält. Aber nicht die geringe Sorgfalt, die wir den Zähnen zutheil werden lassen, ist es allein, die sie zu Schaden kommen läßt, sondern es treten noch verschieden? andere Umstände hinzu, die & Zahnkrankheiten und schließlich zum Verlust des Gebisses sühren. Die Kinder gerade der ärmeren Klassen in den Städten werden zum Kaufmann geschickt und dieser verabreicht ihnen, der Kundschaft wegen, als Zugabe ganz billige Bonbons oder andere Süßigkeiten. die den Zähnen deshalb schädlich werden, weil keine Reinigung nachher stattfindet. Auf dem Lande, namentlich im Osten, sind dein Kinde süize Genüsse" völlig unbekannt und überdies vertritt das grobe Schwarzbrot, welches man dort ißt. sozusagen die Zahnbürste. Genug, die Gebisse befinden sich daselbst in besserer Verfassung. Man darf also wohl die verfeinerte Lebensart, verbunden mit der Vernachlässigung der Zähne, als stichbal tige Gründe für die mangelhaften Kauwerkzeuge aufstellen. Wer mag wohl der ursprüngliche Erfinder des jetzt beliebten spitzen Schuhwerks sein, einer Form, die nicht allein den Fuß verunziert und vergrößert, sondern ihn an der Spitze auch derartig einzwängt, daß Hühneraugen und andere krankhafte Erscheinungen unausbleiblich sein müssen. Der Schuh oder Stiefel, wie er jetzt mit dem niedrigen Absatz gearbeitet wird, hat überdies den Nachtheil, daß auf die Fußerhöhung so gut wie gar keine Rücksicht genommen wird, also die Gefahr vorliegt, daß die kommenden Ge nerationen Plattfüße erhalten werden, da sie von frühester Jugend an derartiges Schuhzeug tragen müssen. Ebenso wie diese Tortur der Mode halber ertragen werden muß. findet das weibliche Geschlecht auch ein besonderes Vergnügen darin, sich dermalen zusammenzuschnüren, daß die künstlich geschraubten Wespentaillen einen wahrhaft beängstigenden Eindruck auf den Beschauer machen. Das Athemholen wird erschwert, die ganzen inne ren Organe erleiden mit der Zeit veränderte und verkrüppelte Formen und von derartig zugestutzten F"auen erwertet man dann einen kräftigen Nachwuchs! O. Mode und Nchah--mungstrieb. was bringt ihr für wundersame Erscheinungen hervor! Dann wird gellagt über Nerven. Migräne und andere dutzendweise erfundene neue Krankheiten, für die es bald nich! mehr Bäder genug in Deutschland ge ben dürfte. Es heißt immer, daß Bildung den Menschen besser und gesitteter mache. Ob dies in Wirklichkeit zutrifft, er scheint mir etwas problematisch. Ich glaube nicht, daß sich vor einem halben Jahrhundert die heranwachsende Ju gcnd einer Großstadt so brutal und flegelhaft auf der Straße benommm hat, wie es zur Zeit vielfach in die Erscheinung tritt. Dieser Ausspruch stützt sich auf eigene Erfahrungen. Wer wie ich vor fünfzig Jahren in Berlin gelebt hat und Vergleiche mit den Heutigcn Zuständen anstellt, wird sicherlich zugeben müssen, daß obige Behauptung keineswegs aus der Luft gegriffn ist. Man braucht übrigens, um in dieser Beziehung sich zu orientircn. mch nach der Residenzstadt zu gehen, jede andere Großstadt bietet reichlich Gelegenheit, dieselben gewiß nicht günstig zu nen nenden Wahrnehmungen zu machen. Daß die Verhältnisse sich nach dieser Richtung hin ohne Zweifel verschlechtert haben, ist auch zum nicht geringsten Theil dem von Jahr zu Jahr mehr schwindenden Familienleben zuzuschreiben. Selbiges wird von vielen, sehr vielen Menschen völlig in den Hintergrund geschoben; wo bleibt bei den vielen Versammlungen, Vereinen u. s. w.. an denen der heutige Staatsbürgcr theilnehmen muß, auch noch Zeit, sich den Seinigen zu widmen. Gewiß ist der Wunsch gerechtfertigt : Es möge Manches auch bei uns onders werden! O. v. B.
Ach so! Haben Sie bewegliches oder unbc wegliches Vermögens" Derzeit unbewegliches." Wie ist das zu verstehen?" Na, a kaputs Automobil hab' i halt." , Splitter. Man sagt, ein Unglück kommt selten allein. Das mag vielleicht sein; Aber, weiß man es recht zu hüten. Treibt auch das Glück neue Blüthen. Perplex. Poet: Was soll denn das heißen? Da schickt mir mein Verleger eine Rechnung Sder einen zweiten Papier-korb!-
Gegengift gegen Achlangcnbijse.
Ztine Gewinnung in einem Laboratorium bti Bombay. Ein Gegengift gegen Schlangenbisse wird in einem Laboratorium bei Vombay. Britisch - Ostindien, gewonnen. Der deutsche Marinestabsarzt Dr. Böse, der dem Laboratorium einen Besuch abstattete, lerichiet darüber: In dem Laboratorium werden in kleinen Eisenkäfigen ron je etwa einem Kubikfuß Raum ungefähr 100 Gift, schlangen verschiedenster Art gehalten. Von Zeit zu Zeit wird den Thieren das ist entnommen, was mir der Vorsteher des Laboratoriums zeigen ließ. Ein barfüßiger Eingeborener holte einen der Käfige aus dem übri gens abscheulich stinkenden Stalle hervor, öffnete die Seitenthür und schlue mit einem etwa einem halben Meter langen Knüttel gegen das Blech. So fort kam eine ungefähr lh Meter lange Kobra hervorgeschnellt und richtete sich mit aufgeblähtem Halse zischend auf Der Eingeborene drückte dann in großter Ruhe den Kopf des Thieres mit dem Knüttel zu Boden, nahm den Schwanz zwischen zwei Zehen des rechten Fußes, erfaßte mit der linken Hand den Kopf von hinten und zog die Schlange steif. Darauf drückte er die Kiefern de Thieres auseinander, so daß die etwa acht Millimeter langen. leicht nach hinten gebogenen, nadel artigen GiftzLhne im Oberkiefer sichtbar wurden, und stieß dieselben nun in das über ein Weinglas gebundene Wachstuch ein, worauf man von unten sehen konnte, wie mehrere dicke Tropfen des Giftes in das Glas entleert wurden. Da die Schlangen in den engen Käfigen freiwillig keine Nahrung zu sich nehmen, wurde dem Thier gleich mittelst eines langrohnqen Glastrich ters ein Weinglas voll Eiermilch in d'e Speiseröhre gegossen, und es dann ebenso schnell wie vorsichtig in seinen Kaflg zuruckgethan. Die Thiere hal' ten sich bei dieser Nahrung vorzüglich obgleich sie zur selben Zeit, wo die Clftentnahme stattfindet, gegeben wird. Das Gift jeder Schlangenart wird besonders getrocknet, um dann m die sem Zustande, worin es viele Jahre haltbar ist. nach Ncrdindien gesand und Pferden, die im Süden fchlcch! gedeihen, zur Gewinnung von Serum eingespritzt zu werden. Die Erfolge mit diesem Serum sind, vorausgesetzt, daß es gleich zur Stelle ist. ermuthigende. Es erscheint für die indische Bevölkerung als ein großer Segen. wenn man bedenkt, daß der unbehandclte Biß der Kobra und Russelviper oft in drei Stunden tödtet und immer noch jährlich 20,000 Menschen in Indien durch Schlangengift sterben. Ein Riescuthurm. Das gewaltige Gebäude der Metropolitan Life Insurance Co. in New Fork, welches einen ganzen Block bedeckt, soll einen Riesenthurm erhalten welcher den für das Singer-Gebaud: in New Jork geplanten Thurm noch um 5 Stockwerke übertrifft. Er soll nämlich deren 46 erhalten, während der Singerthurm nur" auf 41. berechnet ist. Die Gesammthöhe soll 667 Fuß und 5 Zoll über dem Straßen-Niveau be tragen. Der Haupttheil des Thurmes wird l'is zur Höhe von 492 Fuß 9Z Zoll ein Quadrat von 74 Fuß bilden, dann folgt ein spitz zulaufender Dom V07: 94 Fuß, mit einer 70 Fuß hohen achteckigen Kuppel, die mit jonischen Säulen dekorirt und von einer 4 Fuß Durchmesser starken Glaskugel gekrönt werden soll. Im 28. Stockwerk wird sich eine Kolonade und an der Basis des Domes. in einer Höhe von 536 Fuß, wird sich ein Observatorium befinden. Die sich vom 24. bis 26. Stockwerk erstreckende Thurmuhr wird 25 Fuß Durchmesser haben. Für die Feue.sicherh:it des Gebäudes werden Wasserlehälter von 7500 Gallonen, die im 26., 38. und 44. Stockwerk angebracht werden, sorgen. Sechs Fahrstühle sollen der Passazierbeförderung dienen. Die Cesammtkosten des Thurmes werden auf h?.000.000 veranschlagt. Drahtlose Telephonie. ?)er deutschen Gesellschaft für Funkentelegraphie ist es gelungen, drahtlose telephonische Verbindung zwischen Berlin und Nauen, eine Entfernung von 24 Meilen, zu unterhalten. Professor Slaby bezeichnete das Experiment als äußerst erfolgreich und erklärte, das Problem drahtloser Tele phonie sei gelöst, aber die Grenze dtt Distanz sei noch nicht bekannt. Er sie?:! keinen Grund zu einer Grenze und i' überzeugt, daß die Zeit kommen wird da man im Stande sein dürfte, drah' los mit einem Freunde in irgend einenTheile der Welt zu sprechen. Die heu zutage angewandte Methode besteht in Gebrauch des Mikrophons in Verbi?dung mit dem gewöhnlichen funkentele graphischen Apparat. Der egyptische Hof Musikdirektor. D?r lang jährige Musikdirigent des ers en bay'e rischen Ulanen-Regiments in Vanberg. Bayern, Stabstrompeter Belz. i' unter etwa 60 Bewerbern als Hof Musikdirektor nach Kairo berufen wor den. Er bezieht dort bei freier Sta tion ein Jahrcsgehalt von 12.00C Mark und wird mit der 60 Man? starken Kapelle in' der Residenz dr egyptischen Khedive Wohnung nehmen
I-x-h-x- i ! : i : i : i : " Haus. Huf und Kind
Gegen Schweiß wird Abwaschen mit Spiritus und nachh:rics Einpulvern mit Salizyl-Streupulrer empfohlen. Gegen Migräne wird ein Theelöffel Koc5salz mit einem Schluck Wasser empfohlen. Noch sicherer hilft ein Theelöffel voll Brom-Natrium. mit Wasser hinuntergeschluckt. Am besten wirken natürlich alle solche unschädliche Mittel, zu Anfang des Anfalles genommen. Gegen Erkältung und Magenverstimmung wird des Abends vor dem Schlafengehen eine Tasse Pfefferminzthee warm getrunken und das Theetrinken mehrere Tage bei leichter Diät fortgesetzt; dies ist ein wirksames Mittel, die Unpäßlichleit zu heben. Um Risse in Mahagoniholz zu verkitten, bereitet man einen Kitt aus einer möglichst konzentrirten Auflösung von arabischem Gummi und englisch Roth. Nachdem der Kitt recht gut vermengt ist. streicht man ihn fest in die Risse und schleift die Stellen nach dem Trocknen gut ab. Holzschnitzereien aufzufrischen. Matte Gegenstände stäubt man mittelst Pinsels gut ab und überzieht sie dann mit brauner oder schwarzer Beize. Helle Schnitzwerke frischt man mit Bohnermasse auf. Glänzende Schnitzsachen überzieht man nach dem gründlichen Abstäuben mit Kopallack oder einem durchsichtigen Firniß. Spiegel putzt man am s ch ö n st e n. wenn man einen Schwamm in kaltes Wasser taucht, dann fest ausdrückt, hierauf mit Weingeist befeuchtet und damit den Spiegel abreibt. Dann bestäubt man ihn mit Waschblau, welches durch Mousselin . geschlagen wird und polirt das Glas erst mit einem Lederlappen, dann mit einem seidenen Tuch. In Rußland, wo bekanntlich das Sauerkraut ein Nationalgericht ist. legt man dasselbe in Fässern von Birkenholz ein und steckt einen Stab von ungeschältem Birkenholz in das Sauerkraut. Diese Holzart erhält das Kraut mild und verhütet das Uebersäuern desselben, während es in Gefäßen aus Eichenholz schneller und stärker säuert als in Tonn:n aus anderem Holz. Gefrorene Wäsche. Hat man bei kaltem Wetter Wäsü'? zu trocknen, so nehme man sie, we:::: im gefrorenen Zustand, mit größter Vorsicht ab. Steif gefrorene Wäsche darf weder gebogen noch gedrückt werden, sonst werden die kleinen Einkristalle gebrochen und damit die Gewebfasern zerschnitten und zerrissen. Die Wäsche erhält ein: Menge Löcher, welche vorher nicht darin waren. Rosenkohlsalat. Man läßt den Rosenkohl in siedendem Salzwasser weich kochen, überspült ihn hierauf mit frischem, kaltem Wasser, läßt ihn auf einem Sieb abtropfen und gibt ihn dann in eine Schüssel. Hier wird der Rosenkohl mit einer Salatsauce, die man aus hartgekochten, verrührten Eidottern, feinem Oel, Essig, Salz, gestoßenem Pfeffer und ein wenig Senf bereitet hat. übergössen und damit gut gemischt. Kalbfleischsuppe. Zw?i Pfund Kalbfleisch setzt man mit dem nöthigen Wasser und etwas Salz, nebst einigen Rindsleischknochen, auf's Feuer und läßt es recht langsam kochen. Später kommen die üblichen Suppenkräuter hinein nebst einem Theelöffel Fleischextrakt. Die Suppe ist in lh Stunden fertig. Besonders gut schmecken in dieser Suppe Reis oder Nudeln. Das Fleisch kann man. wenn es weich ist. auf beiden Seiten in Butter etwas gelb braten, dann mit Mehl bestäuben, dieses ebenfalls gelb werden lassen und mit der Suppenbrühe ablöschen, so daß man eine schöne Sauce bekommt. Etwas Kapern, ein Citronenscheibchen oder Citronensaft und Muskatnuß gehören noch hinein und man hat mit frisch?ekochten Kartoffeln ein gutes Mittagessen. Eervelat- und Schlackw u r st macht man folgendermaßen: Man verwendet dazu frischen Speck und mageres, rohes Rmdf.'eisch von dem sogenannten Mürbe- oder Lendenbraten, vom Schulterblatte und Rückgrat. Das magere Fleisch wird mit einem scharfen Messer abgeschält, ausgesehnt, sehr fein gehackt und, wenn es beinahe fein genug ist, mit Salz, Salpeter und grobgestoßenem Pfeffer vermisch! und durchzehackt. Der Speck wird entweder gleich mit d:m Fleische gehackt oder in feine Würfel von der Größe einer Linse geschnitten und. wenn das Fleisch mit den Gewürzen fein genug gehackt ist. zugefetzt. Diese Masse füllt man in die sogenannten Schlackdärme der Schreine oder in Rindsdärme fest, wobei man mit einer Gabel öfters hineinstechen muß, damit . die Luft abzieht. Das n?ch offene Ende der Würste bind:t man fest zu. legt sie zwei Tage lang in eine Mulde, drückt sie während dieser Zeit einigemal nach und bindet sie feste: zu; dann werden die Würste in mäßigem Rauche geräuchert.
