Indiana Tribüne, Volume 30, Number 130, Indianapolis, Marion County, 24 January 1907 — Page 6

Jndiana Tribüne, 24, Januar 1907

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Viele Krankheiten ? find die Fokj Leberläden i w Unordnungendes MagenS, BUiösität. opfweh, Appetitlongkeit, Dr. August Lornig's Hamburger Tropkeu rkeichter da ?yftm furiren. Prl. S0 41 FlMCta. riHZ'Butter-Rmge. Butter (5ream Toughnuts, Pumpernickel und Noggenbrod. H. G.Sponftl's Böllmi 1030 Süd OftlStraße. Marktstand 6 und 6 euer Telephon 9391. dtt, Prospekt 105. M0N0N R0UTE. City Ticket Office. 8 Nord Jllmsis Straße. Telephon 737. Nach Chicago Abfahrt von Indianapolis 7:00 Sonn. lhs Bm.. 3:a5 Nm.. 2:48 Bm. Ankunft in Indianapolis 4:18 Vorm., 7.5095m., 4 52 Nm. Via Roachdale. Cravfordsville und Lafayette, nach Chicago. Abfahrt 11:50 m. Ankunft 20 Nm. Michigan City. Abfahrt 7:00 3:35 Nm. Ankunft Indianapolis 2:50 Nm. Monon Accomodation. Abfahrt "5:15 Nm. Ankunft 9.00 Vm. Täglich. Nur Sonntag?. D. P. STIRK & CO machen eine Spezialität von ünftliitin, liebern und dn dern. Abdomen Ttützea nnt drücken. Bruchbänder gemacht un angepaht .t schwierigen Fälle. 208 ord Str. ändlanaroli. Man ehme Cl ttchigaa Straßenbahn znr Nord Eaft und Ohio Srr. lter Phon 3Xta243&. Neuer Phone 70. Dr. J. A. Sutcliffe. Wund -Arzt, Geschlechte, Urin und Rectnv Krankheiten, Office : 155 Oft Market St. Tel 941 OfZt.e!udtu: its io tx vm.: fcti i Nd, Dr. PM F. Martin, Vrakttscher klrzt ttnh Thirnrg. ENechftuuden: ii-00 llm M 4.00 tiailA ntaal: Aus Vebndna. Willoughby Gebäude, ord eridian er Tkl..MaInI' ,ha: IM tt e Jersey Str. l!exhon: Vei, ; ns u. Dr. Carl Q. Winter Deutscher CItjt. thaudeU iZt ttztt nb: chronisch JteaarrtttB. Sveziell RheunattsauS, bettenund Franen'Krankheiten. Vffice : 14 weft Ohio Straße. Ofce,tMd : 1011 Bm. 34 8. Vsntss: .3010.30 Sm. Tel. neu 49.

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Suropaische Nachrichten

Sachsen. Dresden. Letztens feierte der in der Aktienbierbrauerei Neisewitz beschäftigte Brauführer Eduard Kopke sein 23jähriges Dienstjubiläum; der Jubilar wurde seitens der Direktion mit einem ansehnlichen Geschenk bedacht, während ihm die zahlreichen Betriebsbeamten und Vertreter der Arbeiterschaft unter herzlicher Anspräche ebenfalls Geschenke überreichten. B o r n a. Vor einiger Zeit ist der hier wohnhafte. 63 Jahre alte Hanoarbeit Gustav Adolf Petzold in seiner Wohnung erhängt aufgefunden und der Leichnam polizeilich aufgehoben worden. Als Beweggrund der That wird Lebensüberdruß infolge langer Krankheit vermuthet. C h e m i tz. Der in Motorsportkreisen bekannte Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe des Deutschen Motorradfahrer - Verbandes, Kaufmann Alfred 5läßner in Oberfrohna, wurde bei einer Gasexplosion in seiner Wohnung am Kopf schwer verletzt. Sein Buchhalter, der gleichzeitig im Zimmer anwesend war. erlitt leichte Verletzungen. Dörfel. Von einem Pferde wurde der Fleischergehilfe Rudolf Hilbert von hier so unglücklich getrcffen. daß der im 22. Lebensjahre sieyenoe tUcyttge junge HJiann vaw varauf an den Folgen gestorben ist. Jahnsbach. Das dem 31m mermann Friedrich Lindner gehörize Wohnhaus nebst Scheune, in der sich die Erntevorräthe befanden, ist niedergebrannt. Leipzig. Im Leipziger Rosmthal erschoß sich der 56jährige Universitätsprofessor Dr. Friedrich Ludwig Hesse. Direktor des zahnärztlichen Instituts der Universität. Die Gründe sind unbekannt, doch wird angenommen. daß ein schweres Nervenleiden den Anlaß bot. Plauen. Aus einem Fenster der zweiten Etage. Ecke Slähnis und Heubnerstraße. stürzte das dreijährige Söhnchen des Geschirrführers Wolf herab. Das Kind schlug mit dem Kopfe auf dem Pflaster auf und zerschmetterte sich den Schädel. Der Tod trat sofort ein. Radeberg. Ein bedauerlicher Unglücksfall, der leider ein junges, blühendes Menschenleben forderte, ereignete sich in den hiesigen Eschebachschen Werken. Beim Nangiren eines Eisenbahnwaggons wurde der in der Eisschrcnkfabrik beschäftigte 16ja riae Arbeiter Köhler gegen die Wand gedrückt und der Wagen zertrümmerte dem Unglücklichen den Kopf. Der Tod trat auf der Stelle ein. Ullersdorf. Vor Kurzem brannte hier die VölkelscheWirthschaft völlig nieder. Infolge des ungünstigen Windes war eine Rettung des Gebäudes unmöglich. Nur mit großer Mühe gelang es den zahlreich erschienenen Wehren der Umgebung, das Hoffmansche Gut zu schützen. Die Entstehungsursache ist unbekannt. Kessen 'Zarrnstad t. Darmstadt. Vor Kurzem seietten die Eheleute Daniel Greyer. Hei zer. und dessen Frau Christiane geb. Dietz das Fest der silbernen Hochzeit. Kammermusiker Alfred Hayn beging unlängst sein 25jähriges Jubiläum als erster Violoncellist der hiesigen Hofkapelle. Birken au. Vor einiger Zeit wurde die etwa 18 Jahre alte Tochter des Fabrikarbel!ers Ad. Dörsam in der Nähe der Badeanstalt todt in der Weschnitz aufgefunden. Die Untersuchung ergab Selbstmord. Weil sie nicht auf die Kwe" durfte, verübte sie die That. E 0 e r st a d t, Ueberfahren wurde in der Nähe Bickenbachs der hier bei Bauunternehmer Rückert in Diensten stehende Knecht Stein. Er war beauftragt, in Auerbach einen Wagen Ziegel zu holen. Auf dem Heimweg machte das Pferd, vor einem Zug scheuend, plötzlich einen Seitensprung. Infolge des heftigen Rucks wurde der auf dem Wagen Sitzende heruntergeschleudert. Der schwerbeladene Wagen ging dem Unglücklichen über den Arm, brach diesen zweimal, drückte drei Rippen ein und verursachte schwere Verletzungen am Ohr und Auge. Groß Gerau. Vor Kurzem ist der älteste Kriegsveteran unserer Stadt. Georg Posauner, im Alter von 81 Jahren verschieden. Posauner machte die Feldzüge von 1848 und 1849 mit Auszeichnung mit und war hier allgemein beliebt und geachtet. Mainz. Von einem Backsteinfuhrwerk überfahren wurde auf der Großen Bleiche der 17 Jahre alte Bcmzeichner Hugo Hettler aus der Neckarstraße und schwer verletzt. Schotten. Hundert Jahre wuide kürzlich unsere älteste Einwohn?rin, Wwe. Marie Katharine Leuning. alt. WormS. In den Ruhestand versetzt wurde der Gerichtsvollzieher Peter Kehr hier auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, eö wurde ihm cmZ diesem Anlaß die Krone deZ Verdienstordens Philipps des Großmüthigen verliehen. 'Acryern. München. Der Male? Josef Flüaaen ist. 64 Iahn alt, geworben.

Joses Flüggen stammte aus Bergen in Oberbahern und war ein Sohn

deZ Genremalers Gisbert Flüggen. In einer Ziegelei in der Denningerstraße verunglückte der 49jährige verheirathete Ziegelbrenner Matthäus Lang sehr schwer. Er wollte zum Generator fi.ehen. und da er die bereitstehende Laterne nicht benlltzte, fiel er kopfüber in eine 4y2 Meter tiefe Kellergrube hinab, wobei er eine sehr schwere Prellung ar.. Nacken undRückgrat erlitt. Er wurde in's KrankenHaus a. d. Jsar verbracht, wo er seinen schweren Verletzungen erlag. B a m b e r g. Beim Spazierenreiten kam Ulanenleutnant Freiherr v. Schäzler mit seinem Pferd zu Fall und zog sich eine schwere Beinverletzung zu. Bayreuth. Kürzlich waren 25 Jahre, daß der Vorstand der Erpedition der Oberfränkischen Zeitung" Georg Porsch im Verlage dieses Blattes thätig ist. Im gleichen Geschäfte konnten gleichzeitig noch weitere fünf Angestellte auf eine 25jährige segensreiche Thätigkeit zurückblicken. Grotzschönbrunn. Die goldene Hochzeit beging hier der Rentier 'Gotthelf Goldberg mit seiner Eh;frau. N"e u m a r k t. Vor Kurzem verschied hier die Tochter des Oberamtsrichters a. D. Attenberger an einer Lungenentzündung. Die Verstorbene erkrankte an Vergifwngserscheinungen durch Kohlenoxydgas, das sie beim Bügeln mit dem Kohlencisen einathmete. Dazu gesellte sich noch eine schwere Lungenentzündung und führte nach kurzem Krankenlager den Tod herbei. Selb. Im hiesigen Bahnhofe wurde der Lademeister Rudolf Judas von hier infolge eines Rangiraufstoßes durch eine in's Gleiten gerathene Granitplatte derart verletzt, daß er nach kurzer Zeit im Krankenyause starb. ' W ü r z b u r g. In der hiesigen Fabrik der Deutschen Steinwerke sprang der Hebel einer Maschine ab und erschlug den verheiratheten Arbeiter Kaufmann. Vaden. Karlsruhe. Ein großes Unglück ereignete sich bei der Einfahrt eines Personenzuges in den hiesigen Bahnhof. Der ledige 23 Jahre alte Bahnarbeiter Philipp Zimmermann von Oberöwisheim, welcher anscheinend neben dem Geleise in gleicher Richtung des Zuges lief, wurde von der Maschine erfaßt, ungefähr acht Meter geschleift und sodann derart zur Seite geschleudert, daß er schwer verletzt bewußtlos liegen blieb. Von zwei Bahnarbeitern wurde der Verunglllckte nach dem städtischen Krankenhause verbracht, woselbst er bald darauf gestorben ist. Baden. Auf dem der hiesigen Stadtgemeinde gehörigen, auf Gemarkung Lichtenthal belegenen Holzhofk wurden vor Kurzem bedeutende Unterschlagungen an Holzbeständen entdeckt. Der Sohn des Holzverwalters Stober ging darauf flüchtig, und letztens hat der schon betagte Verwalter selbst einen Mordversuch unternommen, indem er sich mittels eines Revolvers zwei Schüsse in die Herzgegend beibrachte. Der Schwerverletzte ist bald darauf gestorben. Eschbach. Letztens wurde der 79 Jahre alte Landwirth Wehrle. als er aus dem Lokalzug stieg, der sich wieder in Bewegung setzte, einige Meter weit geschleift und kam dann unter die Räder. Seinen schweren Verletzungen erlag er alsbald. F r e i b u r g. Unter Verleihung des Ritterkreuzes 1. Klasse mit Ei chenlaub des Ordens vom Zähringer Löwen wurde der im einstweiligen Ruhestand befindliche Generalkassier Robert Baumstark, zur Zeit hier, auf sein Ansuchen in den endgültigen Ruhestand versetzt. H e i d e l b e r g. Der Professor für innere Medizin. Dr. Krehlin Straßbürg, hat einen Ruf an die hiesige Universität als Nachfolger des in den Ruhestand tretenden Geh. Raths Erb erhalten. Lottstetten. Das Wohn- und Oekonomiec.ebäude des Landwirths Roder wurde ein Raub der Flammen, die Fahrnisse und das Vieh konnten gerettet werden, jedoch verbrannten die Hühner. Das Feuer brach in der Scheuer aus, die Ursache ist unbekannt. Mannheim. Ein Bauunfall ereignete sich auf einer Baustelle in der Breitenstraße. Der verheirathete Maurer Joh. Beck stürzte durch ein Glasdach in den Keller und erlitt schwere innerliche Verletzungen. Mittels Sanitätswagens wurde er in das Krankenhaus gebracht. Offenbura. Hotelier Franz Ries hier, der langjährige Vorstand des hiesigen nationalliberalen Vereins, begmg vor Kurzem das Fest der silbernen Hochzeit, außerdem aleichzeitig seinen 50. Geburtstag und ein 25jähriges Berufs- und Gechäftsjubiläum. V i l l i n g e n. Der hier beschäftigte 26 Jahre alte Schreiner Fridolin Krauß (gebürtig auö Bermatingen, Amt Ueberlingen) hat sich auf osfener Landstraße erschossen. Krauß war seit dem Schreinerstreik, wo er nicht mitmachte, sehr still und schnxnnih thig. '

Warum 8000 Mann ?

Unter dieser Spitzmarke schreibt di: Nordd. Allg. Ztst." über die militä. rische Lage in Süowestafrika : Schon zur Zeit des Herero - Feldzuges war man erstaunt, daß gegen die Wildem" eine größere Truppenmacht aufgeboten wurde. Man wunderte sich aber fast noch mehr darüber, daß die Gefechte trotzdem mit verhältnismäßig geringen deutschen Kräften geschlagen wurden. Alte Kolonialmächte erstaunen nicht mehr über dergleichen. Wenn man trotz der drei südwestafrikanischen Kriegsjähre noch heute vielfach bei uns im Unklaren ist. weshalb wir so viel Truppen drüben haben müssen und dennoch so wenig an den Feind bringen, so liegt das wohl zum großen Theil daran, daß man noch immer nicht die Schwierigkeiten begriffen hat. mit denen uncxt Soldaten in Südweftafrika zu kämpfen haben. Nicht die in jedem einzelnen Falle gegenüberstehenden Feinde sind dort unsere Hauptgegner, sondern Ausdehnung, Unwegsamkeit des Landes. geringe Ku.ltur, Mangel an Lcbensmitteln und Wasser. Dennoch hört man immer wieder die Frage : Wozu brauchen wir 8000 Mann gegen 300 ! V und die andere : Wenn wir mit dem Gegner fertig geworden sind, ist dann nicht sofort die Schutztruppe entbehrlich V Die 8000 Mann, die augenblicklich noch als unumgänglich nöthig für die Kolonie verlangt werden, vertheilen sich auf ein Gebiet, etwa lmal so groß als das Deutsche Reich. Eisenbahnen sind kaum vorhanden warum, das ist ja bekannt , Chausseen und feste Wege giebt es nicht. Die Pad", d. h. tiefe sandige Wagenspuren durchziehen das Land. 20spännige Ochsenwagen, 10spännige Eselkarren sind als TransPortmittel nöthig. Die Verbindungen sind also so schlecht als möglich. Man stelle sich vor, über das ganze Deutsche Reich sei eine Besatzung von 8000 Mann vertheilt, und irgendwo, beispielsweise in Schlesien, sei ein Feind eingebrochen ; was würden die kleinen Truppentheile nützen, die im Westen stehen, wenn wir nicht in de? Lage sind, sie von dort wegzuziehen, weil cs auch dort noch unsicher ist und überdies die Möglichkeit fehlt, sie anders als auf Wochen- und monatelangen Märschen durch unwegsame Gebiete nach den gefährdeten Punkten zu führen. So liegt cs auch in Südwestasrika. Annähernd 2000 Mann stehen im Norden : an der Grenze des Ovambo-Landes an der Opgrenze, im Hererolande, im Bastardlande, im Gebiet bei Gibeon. Und da müssen sie stehen bleiben. Würd: man sie zurückziehen, würden sofort die unruhigen Elemente unter den Ein geborenen die Oberhand bekommen. Soll man versuchen, ob es vielleicht dennoch geht ? Das Leben der Farmer ist doch wohl zu kostbar, um solche Versuche zu treiben. Wir haben genug schlechte Erfahrungen in dieser Beziehung gemacht ; sie sind noch in frischer Erinnerung : 123 Ansiedler wurden im Hererolande ermordet, weil nicht genug Truppen da waren, um sie zu schützen. Es bleiben also für den Süden der Kolonie annähernd 6000 Mann übrig. Welch erdrückende Uebermacht, wenn wir sie wirklich an den Feind bringen könnten! Aber davon ist gar keine Rede. Die Truppen kämpfen etwa 500 Kilometer von der Küste entfernt. Von der Küste führt ein Stückchen Bahn (140 Kilometer bis Aus) ins Innere. Dann beginnt der Baiweg, auch nichts weiter als die Wagengelei se. arm an Wasserstellen, arm an Weide. durch die lange Benutzung fast zur völligen Unbrauchbarst herabgedrückt! Von Norden führt ein 550 Kilometer langer Weg von Windhut bis Keetmanshoop. Auf dem Vaiweg und der Pad Windh.lk Keetmanshoop sind 1420 Mann verwendet zur Besetzung der Etappen, zur Bedeckung der Transporte usw. Nun bleiben also noch rund 4500 Mann übrig. Es sind aber auch noch Telegraphenund Heliographenstationen zu besetzen; keine Station darf man doch schwächer als 5 bis 6 Mann machen, sonst haben sie ja nicht einmal gknug Leute, um sich abzulösen, wenn Tag und Nacht der Betrieb aufrecht erhalten wird, und um die Drähte auszubessern, wenn sie der Feind zerschneidet. Die Proviantmagazine und Munitions-D:pots müssen besetzt werden, sie sind ein besonderer Anziehungspunkt für den Gegner, dessen Kampfart auf Beutemachen hinzielt. Auch die Herd-n an lebendem Vieh, die man halten muß. um die Truppe mit frischem Fleisch zu versorgen, um die Wagen bespannen zu können und um Reserve an Pferden in erreichbarer Nähe zu haben, müssen ausreichend bedeckt werden. Man vergesse ferner die mit 10 Prozent zu veranschlagenden Kranken nicht, die Aerzte. das Lazarettpersonal. Man denke an die Bedeckungen der verschiedenen Etappenstationen, an die VedeckungsMannschaften zahlreicher Transporte, die zwischen den Truppen und Magazinen hin- und h?rgehen. Und bei alle dem halte man sich immer die großen Entfernungen und die schlechten Straßen vor Augen, die zur Zersplitterung der Kräfte zwingen. Dann wird man begreifen, daß nur wenig als fechtende Feldtruppe übrig bleibt. Das ist nichts Außerordentliches, nichts Ungewohnliches; in allen Kolonialkriegen macht man die gleiche Erfahrung. Andere Völker sind schon daran gewöhnt, wir werden uns noch daran gewöhnen müssen. ' .

Von dem, waS man aber schließlich als fechtende Truvve bezeichnen kann.

geht noch viel ab; aNe Leute, die beim Lager bleiben müssen, wenn die Truppe ausrückt, die Bedeckung der Bagagen. Verbindungsstationen und 'VerbinPatrouillen, im Gefecht selbst die Pferdehalter. Man kann sich daher nicht darüber wundern, wenn wir kleine Abtheilungen von 1200 Mann Kompagnien mit 40 Gewehren an den Feind gelangen sehen. Und nun zur zweiten Frage. Die Ergebung der Bondelzwarts hat uns unbedingt dem Ende des Krieges erheblich näher gebracht. Aber selbst wenn sich nicht nur diese, sondern auch die im Felde stehenden Banden (Simon Copper. Fielding. Morris und Stuermann) alle ergeben hätten, so wären wir dennoch nicht in der Lage, die Truppen gleich zurückzuziehen. In einer Denkschrift, die dem Reichstag im November 1906 vorgelegt wurde, heißt es : Sobald der Aufstand im Süden der Kolonie als beendet angesehen und erklärt werden kann, liegt für die Kapkolonie kein zwingender Grund mehr vor. die auf englischem Gebiet internir. ten Gefangenen noch weiterhin festzu halten. Es bleibt sehr fraglich, wi: sich diese freigelassenen Leute, unter denen sich auch Morenga befinden dürfte, verhalten werden. Finden sie auf deutschem Gebiet nicht eine star'e kampfbereite Truppe vor. so werden sie ihre versteckten Waffen wieder ausgraben und den Krieg von Neuem beginnen. Dies laßt sich nur verhindern, wenn man im Süden genügend Ve. satzung läßt und sie unabhängig ton Verpflegungsschwierigkeiten durch ge. nügenden Nachschub an Proviant und Hafer so schlagfertig und be.regl'ch hält, daß der Gegner einen n.'uen Kampf gegen sie als aussichtslos aufgibt. Dieses ist nur zu erreichen, wenn durch Fortsetzung der Bahn bis Keetmanshoop eine sichere und ausgiebig: Verpflegungsbasis geschaffen werden kann." In diesen Ausführungen, in dcn?n schon mit einer Niederwerfung des Aufstandes gerechnet war. finden wir bereits die Gründe ausgeführt, wcs halb Truppen (und eine Bahn) nach wie vor zur Herbeiführung dauernd ruhiger Zustände im Lande nothwendig sind. Wir müssen dem Farmer die Sicherheit bieten können, daß er sich ansiedeln kann, ohne von neuen Unruhen betroffen, bestohlen, ermordet zu werden. Wer die Truppen zu früh und zu stark vermindert, der versündia! sich an unseren braven Truppen, die im zähen, heldenmüthigen Kampf allmählich den Feind bezwungen haben und denen nun zum Schluß die Früch'e aller Anstrengungen entrissen we?d:n. Sollen diese Braven, zersplittert in ,ni schwache Posten, dem sicheren Tode preisgegeben werden? Und dann vergeht man sich auch an unseren Farmern, die in der Wiederaufnahme der z?r störten Betriebe trotz geringer Entschädigung ein ungewöhnliches Maß an Vertrauen zeigen. Zweifelt irgend Jemand an dem ehrlichen Wollen aller Betheiligt'N. möglichst bald den Frieden herbeizufübren und die Truppen zurückzuzieben" Wer sollte an der Fortsetzung des Krie ges eine Freude haben? Die Ansiedler, die nicht ansiedeln können? Die Farmer. die nicht farmen können? Die Regierung, die um die Millionen kampfe'n muß? Die tausend Soldaten, die sich im Schutzgebiet ansiedeln wollen und auf den Moment brennen, wo es ihnen endlich gestattet werden kann? Der Gouverneur, der wegen der Kriegskosten nicht genug für die kulturellc Entwicklung feines Landes' bewilligt erhalten kann? Der Truppenführer. der die Bondelzwarts zur Ergebung veranlaßt und diese Mittheijung als Schönstes dem deutschen Volle auf den Weibnachtstisch legte? . Was an Truppen zurückgezogen werden kann, wird zurückgezogen, darüber ist sich kein Einsichtiger also im Zweifel. Und doch gibt es noch Leute, die allen Erklärungen zum Trotz, aller besseren Eirlcht entgegen mit parteipolitischem Starrsinn die Frage erneuern: Warum 8000 Mann? Bon der türkischen Marine. Konstantinopel, 28. Dezember. Mit dem neu ernannten türkischen Marineminister übernimmt endlich wieder ein Fachmann dies Ressort, während der aus dem Amte scheidende Djelal-Pascha früher Staatsanwalt war und wegen Verurtheilung eines in Jildis unbeliebt gewordenen hohen Würdenträgers als Belohnung Unterrichtsminister und dann Marineminister wurde. Der neue Minister. Hassan Rami-Pascha. bringt wenigstens den Titel Admiral und Kommandant der Mittelmeer - Flotte mit ins Amt. Ueber seine Thätigkeit als Admiral ist ebensowenig bekannt wie über die ihm unterstellt gewesene türkische Mittelmeerslotte. Seit Menschengedenken ist keine türkische Flotte mehr im Mittelmeer geschwommen ; das letzte Heldenstück der türkischen Flotte, für welches der unvergeßliche" türkische Großadmiral und damalige Marineminister Hassan - Pascha vom Sultan einen Ehrendegen erhielt, war die Ausfahrt von sechs ehemaligen altersschwachen türkischen Kriegsschiffen aus dem Goldenen Horn bis ins MarmaraMeer zur Zeit des türkisch - griechischen Krieges ! Seither ist ja mit Allahs und fremder Hilfe dies oder jene? tür-

kische Kriegkfahrzeug bis Genua in die Werften Ansaldos. sogar bis Kiel in die Germania - Werft zu Umbauzwecken gebracht worden ; es sind auch umgebaute und ganz schmuck aussehende Fahrzeuge wiedergekommen, um schleunigst im Goldcncn H:rn für ewig vor Anker zu gehen. Auch neue Kriegsschiffe" sind bestellt, gebaut und hergebracht worden ; aber eine türkische Flotte giebt es deshalb doch nicht und ebensowenig einen türkischen SeeoffizZer ! Denn fahren" darf kein türkisches Kriegsschiff, und damit nicht doch einmal einem wahnwitzigen Heißsporn der Gedanke käme, den Versuch einer Probefahrt zu wagen, wird in erster Linie bei Ankunft eines umgebauten oder neu bestellten Kriegsschiffes dafür Sorge getragen, daß. sobald es an der Boje festgemacht hat, an der es für Jahrzehnte als festgewachsene Scemuschclbank zu ruhen bestimmt ist, alle diejenigen Theile, die den Gang und die Bewegung des Schiffes betrciben. entfernt und an Land gebracht werden, wo sie unter den Amtssiegeln des Marineministcriums verschlossen in den Kellern von Jildis in Rost und Schmutz ihren ewigen Schlaf schlafen. Ebenso werden alle elektrischen und sonstigen modernen Einrichtungen sofort nach Ankunft im hiesigen Hafen zerstört. Inspektionen auf türkischen Kriegsschiffen" werden nicht abgehaltcn, um die Brauchbarkeit der Schiffe, sondern lediglich um die Unbrauchbarkeit der Schiffe mit Sicherheit festzustellen. Dem Fernerstehenden mag es unter solchen Verhältnissen wohl befremdlich erscheinen, wenn trotzdem ab und zu von Neubestellungen von Kreuzern, Torpedobooten u. a. m. in der Türkei verlautet . Diese Nachrichten beruhen auch vollständig auf Wahrheit; nur haben die Bestellungen nicht etwa den Zweck, die türkische Flotte auszubauen oder zu verbessern, sondern sie erfolgen lediglich, um diesem oder jenem Lande, welches die Pfortenregierung gerade wegen irgendwelcher unbequemen Forderungen kneift oder welches eifersüchtig ist wegen irgendwelcher anderen Bestellungen in einem anderen Staate, auch ein Stück Zucker" zu geben. So wurde z. B. vor zirka drei Jahren in Chicago ein Kreuzer bestellt, weil die diesige amerikanische Gesandtschaft zu sehr auf die Pforte drückte wegen Zahlung der tntschädigung an amerikanisch: Unterthanen (Armenier), die während der kleinasiatischen Massacres gelitten hatten. Derartige Beispiele gibt es in Hülle und Fülle! Im Lieferungswesen für die türkische Flotte hat Italien z?:-zeit zweifelloS den ersten Platz crruncen; die Ansaldo-Werke in Genua 'icramtn fast alle Bestellungen. So si..d äugenblicklich wieder sechs neue Toi ?:doöoote hierher unterwegs, die von den An-saldo-Werken kommen. Wenn auch wohl Italien gegenüber seitens der Hohen Pforte die Stück-Zucker"-Po-litik in Bezug auf einzelne Bestellungen zeitweise befolgt worden ist, so erscheint es doch ausgeschlossen, daß sie fortdauernd zum Vortheile einer einzigen europäischen Werft betrieben werden könnte, gerade hier, wo viele Dutzende von europäischen Wersten vertre'en sind. Daß die Ansaldo- Werk- alle anderen europäischen Konkurrenten ins Hintertreffen drängen, beweist nur V.t hervorragende Qualifikation der Ansaldoschen Vertretung in Konstantinspel und die Ungeeignetheit mancher anderen Werst-Vertreter. deren Auftraggeber zweifellos mindestens ebenso leistungsfähig sind wie die italienische Werft. Selbst wenn dies aber nicht der Fall wäre, so läßt sich gerade in Konstantinopel an unzähligen Fällen nachweisen, daß die geringere Lei stungsfähigkeit durchaus keinen Grund dafi r bildet, der Konkurrenz das Feld räumen zu müssen. Hier ist der geschifte Vertreter, der an der richtigen Stelle einzusetzen weiß und Lano und Leute kennt, um mit den landesüblichen Mitteln" geschickt operiren zu tönnen, derjenige Faktor, von dem das Reussiren der europäischen Werke bei großen Lieferungen, sei es für die Flsd te oder für die Armee, abhängt! Wenn dies die großen heimischen Werke, Fabriken und Werften recht beherzigen wollten, würde auch hier in der Türkei die deutsche Industrie nicht so leicht von den Konkurrenzländern geschlagen werden; die Aufträge, di das Ausland bekommt, und das Geld, welkes dafür in's Ausland - fließt, könnte das deutsche Vaterland auch ge brauchen! Die eigene Hochzeit verg e s s e n. Aus London wird berichtet: Ein Fall von Vergeßlichkeit, wie er denn doch nicht oft vorkommen dürfte, ereignete sich in der Gemeinde der St. Paulskirche Vrentford. Es .-var vereinbart worden, daß ein Brautpaar am Weihnachtstage zum Altar schreiten sollte, um feierlich den Bund für's Leben zu schließen. Um 9 Uhr Morgens traf auch die Braut mit ihren Angehörigen in der Kirche ein. Aber der Bräutigam war nirgends zu erblicken. So nahm die Gesellschaft Platz und wohnte einstweilen mehreren anderen Eheschließungen bei. Als' dann der Bräutigam aber immer noch nicht kam. sandte man einen Boten aus, den Vermißten zu suchen. Man fand den angehenden Gatten damit beschäftigt, mit Würde und Ruhe und mit der Sorglosigkeit des Gerechten sein Frühstück zu verzehren.

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