Indiana Tribüne, Volume 30, Number 124, Indianapolis, Marion County, 17 January 1907 — Page 5
Jndkana Tribüne, 17 Januar 1907
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Traumliese. Eizze von Linna Katscher. Leicht vorgestellt hatteifs die lieben Freunde und Nachbarn der resoluten Frau Winlclmalin nachgerade nicht, damals, als die Kunde durch das Städtchen lief, die ehrbare, sechzehntausend Mark schwere Bäckerswittwe heirathete den überschuldeten Bäckermeister Lemburger mit den vier ungezogenen Kindern. Die verstorbene Lemburger (Bett habe sie selig." flüsterten die frommen Zungen hatte eben diese Kinder bis in den Tod rein derwöhnt!" Das Mädel ging ja aber die Jungen! Die wilden Jungen! Und sie hatte ihn doch genommen. den großen, blondbärtigen Mann, den schönen, lustigen Bernhard Lemburger, und sie hatte es nicht bereut denn er arbeitete für zwei; und gut so gut war dieser Bernhard! Er fügte sich in alles was seine Meta anordnete.... .Die Neue sagten die Jungen, wenn's Vater nicht hörte... Ob er sein seliges Annerl endlich vergessen haben mochte? .... Er hatte in dem Vierteljahr ihrer Ehe anfänglich dann und Nann einmal jetzt überhaupt nie mehr von ihr gesprochen. Er sollte sein Annerl so innig grliebt haben Dater und Mutter zum Trotz hatte er die arme schwäbische Schullehrerstochter heimgeführt. Sie wußte das nur vom Hörensanen üe war mit ihrem seliaen Au-
gust aus dem Schlesischen fremd in die hiesige Stadt gekommen. Zwei Jahre hatte der Brave nur noch gewirthschaftet dann war er nach ihrem eigenen Ausspruch von der Erde in den Himmel versetzt worden. Eigentlich hätte sie es nun gut haben können die Meta Winkelmann aber ausruhen, die Hände in' den Schooß legen, sehen, wie die liebe Sonne scheint oder ob die große schwarze Wolke Regen bringen wird, das schlug nicht in ihr Fach..'. Nein, sie wollte wirthschaften! Sich kräftig tummeln in einem großen Haushalte. Als Nebenbeschäftigung wilde, ungezogene Jungen einmal gründlich durchhauen, um brave, fleißige Männer aus ihnen zu erziehen. So hatte sie sich's schon beim seligen August immer gewünscht. Jetzt, nun endlich, durch Bernhard Lemburger erreichte sie ihr Ziel. Sie war sehr glücklich, die ehemalige Frau Winkelmann glücklich nach ihrer Art Ob Er" nur auch so glücklich war? Die Antwort auf diese Frage fand Jedermann leicht heraus, der den lustigen Bernhard im Ver kehr mit seiner zweiten Gattin auch nur eine Stunde beobachtete. Das ist die richtige Frau für mich und meine Kinder." konnte, wer es nur sehen und hören wollte, von ihm erfahren. Blitzsauber gingen seine vier Kinder jetzt immer einher; früher, da liefen die Jungen stets mit zerrissenen Hosen herum war ihnen doch kein Baum zu hoch, keine Wasserpfütze zu schmutzig gewesen... Mutterle hatte ja nie gezankt wegen so einem Loch höchstens hatte es gemeint: Wo Batterie all das viele Geld hernehmen sollte... Aber jetzt, bei der Neuen" da setzte es was! Und das was ordentliches!... Und Vater kümmerte sich aber auch nachgerade um alles, und wehe, wer der neuen Mutter nicht folgte! - Das Abendbrot war vorüber, eS gab immer einen eztraen Leckerbissen für den fleißigen Meister früher, bei der Anna, war so etwas nie dagewesen Ob sie nur auch zusrieden mit ihm war seine Zweite? Kurz entschlossen küßte er ihre vollen Lippen und sagte aus innerster Ueberzeugung: Meta. ich bin beneidenswerth! Du bist ein Vrachtweib! Bist Du denn aber auch mit uns zufrieden so wie wir sind? Nreudestrablend erwiderte sie lachend den Kuß: Wir ihr seid, so ist mirs recht! Ader das Annerl. vas ist ein Nichtsnutz! Ist zu keinem recbten Sandariff zu gebrauchen! Sitzt still für sich und träumt den ganzen neoen langen iagi Behüte sie der Himmel!" rief der erscbrockene Vater aus. Ihre Mutter, Gott hab' sie selig, war auch solch eine Traumnese: siunvenianz konnt' sie mit dem Annerl in den Himmel gucken und die Wolken zählen. - Und die wollte eine Bäckersfrau sein?! Nun wundert's mich nicht mehr, daß euerGeschäft 'runter kam!" Freilich! Freilich. Meta! Sie hätte sollen einen Dorsschullehrer hel ratben. das aute Annerl!" Er liebt 'seine erste Frau nicht mehr! zauchzte es im Innern .der überalücklicben'ttrau Meta. .Vaterle bat Mutterle nickt mehr lieb... jammerte das zerrissene Herzchen klein Annerle's, die nebenan in der Schlafstube der Eltern wach m ihrem Bettchen lag. Meta borte sie den Vater zur Neuen" so nannten die großen Arüder die Stiefmutter jetzt laut sagen, thu mir den Gefallen, nimm Dich ds Madels an. Treib lhr die Mucken ganz gehörig aus. Feste drauf' Von mir krieat sie keine Hilfe! Die Selige hat.mir'daö Kjnd big in den Tod rein verdorben!.Will, schon! Will schon Bern hard! Mußt nur Geduld haben.- .
Und Annerle schluchzte lit ihr Kopfkissen: .Mutterle, komme jzu mir! Vaterle hat Zlnnerl auch nicht mehr lb wie Dich! Die ! Traumliese" lispelten die schmalen Kinderlippen, und das gepäulte Köpf-j cben bobrte sich in die weichen Kissen, welche die Neue" jeden Sonnaoenv blüthenweiß herrichtete. Am nächsten Morgen sagte Frau Lemburger zu ihrem Gatten: Hat das Annerl gesckwitzt die Nacht! Gleich will ich die Betten sn die Luft tragen!" Ter Vater sah wohl auf die nassen Kissen. Den verstörten Blick im Auge seines Kindes sah er nicht. Das kommt von dem verflixten Bücherlesen.- zankte er heftig. Nimm ihr nur die Märchenbücher weg. Meta! Das taugt nichts für ihren Kopf! Anna kaufte den Kindern immer solchen Bettel! Hätt' wahrlich's Geld zu andernSachen nöthiger gebraucht." Angstvoll blickte die Kleine auf den Vater. Ihre Märchenbücher? Aus denen Mutterle all die Wunder von verzauberten Prinzen und Prinzessinnen, von Waldgeistern und gutenFeen herausgelesen? Die wollte man ihr wegnehmen? Jetzt, wo sie selber schon die schönen Geschichten lesen konnte! Stummen Mundes slehte das Kinderauge: Vatterle! Nur das thue mir nicht an!" Guck' mich nicht so dumm an.MLdel, als wärst Du klüger denn ich! Mach', daß Du zur Schule fertig wirst Traumliese Du!"
Frau Lemburger strich währenddem die Frühstückssemmeln der Kinder auf beiden Seiten dick mit Butter und achte über den riesig entwickelten ApPetit der Jungen; die fanden die Neue zetzt eigentlich ganz nett, viel besser war sie, als sie im Anfang gedacht hatten. Manchmal freilich, da regnete es gründliche Hiebe, aber zu essen kriegten sie alle Tage so gut und so viel und jede Woche fünfzig Pfennig Taschengeld das gab's bei der ersten Mutter alles nicht .... In der Schule war Annerl Lemburger ein Musterkind, spielend leicht hatte sie das Lesen erlernt: um so mehr wunderte sich heute der Lehrer über die Unaufmerksamkeit des Mädchens. Er ahnte ja nicht, welch' innerer Sturm die Kinderseele durchbrauste. Das brennend heiße Köpfcken durchflocht nur ein Gedanke: Lesen, fertig lesen können! Bloß die Geschichte von dem armen Waisenfinde, das die Mutter zu sich geholt! Eine Lilie würde sie schon kaufen können! Vater und Stiefmutter gaben ihr schon das Geld dazu. Nur ein einzigesmal wollte Annerl das Mutterle aufsuchen Dann konnte Vater die Bücher wegnehmen Wenn ihr aber die Neue" nun das Buch wegnahm, ehe sie lesen konnte. was mit der Lil:e geschehen mußte. um Mutterle zu finden? Dann sah sie Mutterchen nie wieder.... Das kleine Herzchen bebte und zitterte bei dem Gedanken, und angstvoll blickte sie nach dem verborgenen Schatz im ledernen Ranzchen . . . . Frau Lemburger wollte in den nächsten Tagen mit der gesummten Familie eine Wagenpartre unterneh men. Die Jungen waren außer sich vor Freude neue Anzüge bekamen sie auch! Und Annerl? Die erhielt ein hellblaues Musselin und ein weißes pltzenkleldchen gleich aus em mal .... Tummle Dich, und mach' jetzt Deine Schularbeiten. Annerl! Nach her kannst Du einkaufen gehen!" sagte die Stiefmutter nicht eben unfreundlich zu dem Kinde. daZ stumm am Mittagsmahl theilgenommen. Die Kleine stand am Fenst;r und blickte sinnend auf eine winzig kleine Fliege, die sich beinahe in einemSpinnennetz verwickelt hätte, jetzt aber, der nahen Gefahr entnnnend, ihre Flu gelchen breitend der Sonne zuflog. Wird's bald? Du Eigensinn! drohte die in den Laden gerufene Bäckerfrau. Nach einer Weile betrat diesen das Hausmädchen mit einem Arm voll weißgescheuerter Kuchenbretter. Frau Lemburger, Sie denken wohl, das An?r! macht Schularbeiten? Märchen liest sie." Jh! Da soll doch gleich " Und im nächsten Augenblick sauste die Riemenpeitsche unbarmherzig auf den zarten Kinderkörper. '. Annerl schrie nicht auf wie ihre Brüder thaten und erschrocken daüber stellte die Stiefmutter ihre Züchtigung sofort ein. Zwei große glänzende Tropfen, auf ihre Hmd fallend, glitzerten in demselben Sonnenstrahle, der die kleine Fliege vom Tode gerettet. Das zitternde Kind aber fühlte nicht den körperlichen Schmerz es fühlte nur die gräßliche Furcht, die Neue" könnte ihr das Buch entreißen das Buch, indem stand: W sie zu ihrem Mutterle kam.... Frau Lemburger. n?elche das Kind nur' auf den Befehl des Vaters so hart bestrafte, empfand kein Mitleid mit dem so eigenthümlich gearteten Wesen des Mädchens, und harten 2c nes sagte sie: Der Vater .wird Dir schon am Abend Deine Uuarten crustreiben! Trotziges Ding Du! Nun bleibst Du zur Strafe zu Hause!" Still, ganz still war's in der Woh nung. Der Vater zum Mehleinkauf über Lend die neue Mutter mit den Brüdern fort, das Hausmädchen blieb im Laden.
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arme, mißhandelte Kind und las as. daß das Köpfchen glühend heitz wurde daß die Aeuglein flimmerten vor Seligkeit nun wußte sie s: Eine Lilie wurde auf Mutters Grab qepflanzt, dann floß ein silbernes Bächlein, und ein funkelndes Sternem. das wies den Wea zum todten Mütterlein... So war's dem Kinde m Buche aeaanqen. wenn Annerl es genau so machte es mußte den Weg lnden. Ordentlich lustiq wurde das Kind. Alles, alles wußte es jetzt! Nur das Geld ur Lilie feblte noÄ ob die sehr theuer war? scyuazern bat sie das Ladenmädchen um ünfzig Pfennige. Bist wohl nicht recht gescheit?Aber Annerl bettelte so invrunsiig Gewiß hat Ire was zerbrochen und fürchtet sich vor der Mutter, dachte das Mädchen und erfüllte endlich Annerle's Wunsch. ES war schon dunkel geworden. Niemand beobachtete auf dem an Werktagen wenig besuchten, weit von der Stadt entlegenen Fnedhofe das kleine betende Madchen, das die giaubigen blauen Kinderaugen starr zum Himmel richtete... Der Stern kam noch immer nicht, und Annerl hatte so viel gebetet. Ein kleiner rother Käfer kroch aus ihr Schürzchen; bekutsam setzte -ihn das Klird m das vom Abendthau befeuchtete Gras... Mutterle hatte es gelehrt, alle Thiere lieb zu haben und keinem wehe zu thun. Jetzt! Jetzt! D großen Kinderaugen weiteten sich jetzt kam der Stern und dort? Richtig. daZ war ja das Silberbächlein, nein, so ein dummes Annerl, daß sie das nicht gleich gewußt hatte .... Annerl kletterte über die rneonae Friedhofsmauer und lief den weißschimmernden Waldweg hinein. Immer dichter wurde der dunkle Föhrenwald immer heller leuchtete der Stern. Die kleine Fuße schmerzten, so weit war Annerl ohne jeoe Furcht in der nun eingebrochenen Finsterniß gelaufen, endlich, endlich mußte doch das schimmernde weiße Haus auftauchen Annerl hatte doch eine wirkliche, richtige Lilie auf Mutter's Grab gepflanzt, so war'Z im Märchen doch auch gewesen. Da, ein Schrei Annerl's Schürze war hängen geblieben am Brombeergesträuch; der silberne Mond beleuchtete schwerqend den langen Riß. Was that's Mutterle zankte ja nicht und zu der Neuen" und zum Vater. der das gute Mutterl Traumlieie ge heißen, ging sie nie wieder zurück. Das Kind im Märchen war wieder zurückgegangen sie that das nicht Annerl blieb nun immer beim Mutterle Liebes, liebes Mutterle. komm doch bald zum Annerle! Ich bin so hungrig und so müde," flehte d;r fieberheiße Kindermund. Die kleine Gestalt war im feuchten Waldmoos zusammengesunken. Zwei Tage spater schlugen die frommen Seelen im Stadtchen die Hände über den Kops: Wieder ein Kapitel zur Verwahrlosung unserer heutigen Jugend! Und dazu ein Kind aus solch braver Familie! Man erzählte: Wuldhüter fanden unterhalb der sogenannten Wildhöhle im dichten Gestrüpp ein sieben- bis achtjähriges Mädchen auf, welches sich in der Heide vagabundirend hermngetrieben hat! Man erzählte: Lügenhaftigkeit und Abenteuersucht haben dieses Mädchen so frühzeitig auf schlimme Wege gebracht! Wie schlecht mußte dieses Kind veranlagt sein! Das erhellte die Dreistigkit, mit der es dem Ladenmädchen seiner tiefzubedauernden Eltern vor seiner Flucht aus dem Elternhause einen Geldbetrag abschwindelte. Man schüttelte die Köpfe: Na Hoffentlich ist der kleinen Herumtreiberin seitens des Vaters ein Empfang zu theil geworden, der ihr für immer die Lust zu solch verwegenen Streichen genommen hat!" Man nickte. Und ging befriedigt auseinander Annerl! Armes Annerle! Wird Mutter Dich doch noch zu sich holen? Wird Vater lesen lernen den tiefen Sehnsuchtsschmerz in seines Kindes Auge? Oder wird deine Kinderseele schonungslos zertreten werden, bis das hehre Ideal deiner zarten Jugend für immer in ihr erlischt? Ein Wirth in der Elsasserstraße in Berlin wurde einige Male wegen Uebertretung der Polizeistunde bestraft. Das veranlaßte ihn, durch ein Schild über dem Ladentische die Gäste auf die verhängnißvolle Stunde aufmerksam zu machen. Dabei ging er aber auch unter die Dichter. Denn die Aufschrift lautet: Hort ihr Seut'. und laßt euch sagen. Die Glocke, sie hat zwölf geschlagen! DaZ Auge des Gesetzes wacht. ES wird nichts mehr amTisch gebracht. Denn Strafmandate spart man gern: Feierabend, meine Herr'n! Nach dem letzten Glockenschlag klingelt der Wirth, hängt das Schild feierlich an einen Nagel und trägt sein Gedicht vor. Ein Spitzbube. Karlch: Mama, Du hast vorhin gesagt, wenn ich das Stück Kuchen aus der Speisekammer 'esse, würde ich krank werden.- Mutter: Ja, Karlchen." Karlchen (entrüstet): Ich bin aber nickt krarrk-aeworden.' Mama!"
' .Ein gutes EeWst. Humoreske von Otto Vol!marWird. Der Sörgelbauer stand vor seiner
Hausthür und guckte sich andächtig den Himmel an. Nicht, daß er hätte wollen das famose Abendroth bewundern, das St. Lucas, der himmlsche Maler, mit seinen Engelsgehilen in großen Strichen fein abgeönt auf die Himmelsleinwand gesetzt hatte. Beileibe! Für so was hatte der Sorgelbauer keine Augen! Der wollte blos mal nachschauen, was der nächste Tag für Wetter bnngen würde. Das macht am Abend jeder richtige Bauer, und der Sorgel war keine Ausnahme von der Regel. Ja, richtig! Da oben segelte so eine vertrackte Wolke, der roch man ordentlich schon die kräftige Schneeladung an, die sie in sich trug. Es war ja schon Ende Oktober, da war's also Zeit, daß Schnee kam. Na, ihm konnt's gleich sein, er war mit der Ernte fertig, und die paar Kartoffeln, die noch draußen 'standen, wurden Nicht gleich erfrieren. .Nichts zu handeln, Bauer?" klang's da plötzlich vom Zaune herüber. Der Bauer drehte sich um, nahm die Pfeife aus dem Munde und antwortete mechanisch: Nu, warum nich?" Es waren nämlich zwei Viehhändler, die da vorm Thore standen. Gleich that's ihm aber leid, daß er ja" gesagt hatte, denn eigentlich hatte er gar nichts, was i: hätte verkaufen wollen. Er versuchte deshalb, die Händler, die sogleich hereingekommen waren, auf gute Art wieder loszuwerden und meinte: Ich hätt' da enne Kuh, enne Oldenburgsche; e Staatsthier, groß un stark, aber ich sag's gleich, mit dem Handel wirds nischte werden, denn das Vieh läßt sich bloß von mir angreifen, ViehHändler und Fleischer aber kann se gar nicht leiden, die kommen nicht von der Stelle mitt r! Das macht nischt!" sagte der eine Händler, mit der wer'n wir schon fertig!" Dann flüsterten die beiden einen Augenblick mit einander. Schließlich sagte der erste: Wir kommen morgen wieder." Damit gingen sie. Der Sörgelbauer guckte noch eine Weile der Schneewolke zu, die immer größer wurde, ging dann ins Haus und legte sich zu Bett. Um Mttternacht etwa wachte er auf. Es hatte stark ans Fenster geklopft. Draußen war's pechfinstere Nacht, und der Sturm heulte und tobte um die H'äuser, wie nicht recht gescheit. Wer is denn da?" fragte der. Sörgelbauer. durch einen vorsichslg geöffneten Fensterspalt. Es war ein Fleischergeselle. der " fragte, ob sich der Bauer nicht einen Thaler verdienen wolle. Nu, ein Thaler wird nicht gleich' jedem in der Nacht so -mir nichts, dir nichts zu verdienen angeboten, , da war der Sörael gleich dabei. "Aber wie?" Ja, er solle eine Kuh treiben helfen, die sei wild' wie der Teufel, der Geselle aber habe schon ganz klamme Hände vor Kälte ; und könne das Thier kaum mehr regieren. Ueberdies kenne er sich bei der Finsternis mit dem Wege nicht recht aus. Nu. der Thaler wär' nich schwer zu verdienen!" denkt der Sörgelbauer, zieht sich rasch warm an und führt das Thier durch Dorf hindurch auf den richtigen Weg. der zur nächsten Stadt führt. Hier trennt er sich von dem Gesellen, kriegt seinen Thaler und trollt vergnügt hinaus. Merkwürdig war ihm nur eins gewesen das Thier war gar nicht wild, sondern hatte sich lammfromm von ihm. führen lassen. Na aber der Geselle mag's eben nicht verstanden haben. Vieh zu treiben. hat vielleicht unnöthig zugeschlagen. Richtig, so war's! Denn eben hört der Sörgel, wie draußen auf der Landstraße der Geselle flucht und schreit, und wie der Stock nur so runtcrknallt auf den Buckel der Kuh. .Sieh Du. wie Du fertig wirst jetzt!" denkt der Sörgel schadensroh, ich hab meinen Thaler weg!" Na. und die Kuh würde sie ja nicht sonderlich fühlen, die Schläge, denn sie hatte, ie der Sörgelbauer wohl gemerkt. einen dicken Pelz auf den Rücken geschnallt gehabt. Stillvergnügt kommt der Sörgel nach Hause und legt sich wieder ins Kett. Doch er kann nicht so recht schlafen, ein Traum quält xhn, fo ein recht dummer. Er träumt nämlich, die Oldenburgschc würd' ihm gestohlen. Er sieht deutlich. wie sie von den Spitzbuben weggeführt wird, und möchte sie halten, kann aber mit hin, denn die Beine sind ihm wie gelähmt. Jeht hört er sogar die Olenburgsche ganz deutlich brüllen, so laut, als stecke sie den Kopf zu ihm in die Kammer hinein. Der Sörgel schwitzt Angstschweiß. Er versucht mit aller Gewalt, die lähmenden Fesseln des Schlafes abzuwerfen, da endlich gelingt's ihm, er springt mit beiden Beinen zugleich auS dem Bitte und rennt im Hemde hinüber in den Stall. Er guckt und guckt reibt sich die Augen aber es bleibt , dabei sein Traum, ist richtig., der Platz der Oldenburgschen ist leer. Wüthend rennt der. Sörgel zurück -in die Kammer, fährt in die Hosen und eilt heraus in den Hof Da Hufabdrücke im Zeichen Bohen - dort bet of zerstamvkt
Die yat )q yefttg zur Weyr gele?ll Er will den Spuren folgen zum Hos thor hinaus, da ertönt plötzlich dran ben auf der Straße ein dröhnendes Muh", und als er das Thor aufreißt, steht breitbeinig die Oldenburgsche davor und schnobert ihm ibren heißen Athem grade ins Gesiebt. Jetzt drängt sie herein, über und über mit Schmutz bespritzt und an den Schenkeln blutig geschlagen. Auf den Rücken geschnallt aber trägt sie einen schönen Bauernvelz von Schafsfell. Der Sörgelbauer beguckt sich den Pelz von vorn und hinten der kommt ihm doch so bekannt vor! Jetzt weiß er plötzlich: einen solchen Pelz trug der eine von den Händlern, die am Abend vorher da waren! Und nun, wußte er auch: das waren die Spitzbuben gewesen, er hatte sie selbst auf die richtige Fährte gelenkt und 4hnen schließlich gar seine eigene Kuh forttreiben helfen. Da schämte sich der Sörgelbauer eigentlich ein bißchen und warf einen beinahe scheuen Seitenblick auf die Kuh. Die Oldenburgsche war ja klüger geWesen als ihr Herr und war den Spitzbuben davongelaufen. Na, nun hatte er sie jedenfalls wieder und das freute ihn nicht schlecht. Ein übers andere Mal streichelte er die Kuh, führte sie dann in den Stall, wusch sie ab und schnallte ihr den Pelz vom Rücken. Hurrje. war der schwer! Und was llimmp'erte da so in der einen Tascke? Der Sorgel griff
hinein und Log's heraus. Beinahe hatte er sich auf den Stallboden gesetzt vor Staunen: ein leinener Beutel war's mit hundert Thalern in Gold und Silberstücken! Unwmlur lich machte der Sörgel einen Freudensprung. und dann setzte er sich auf einen Melkeimer und lachte, lachte die Spitzbuben aus und lachte vor Freude über sein Glück, das ihm wieder einmal wie die größten Kartoffeln unverdienterweise beschert worden war. Und dann klopfte er wieder seiner Oldenburgschen den breiten Buckel, denn sie mochte dem Halunken von Viehhändler nicht schlecht zuge setzt haben, daß er sich schließlich gar seines Pelzes hatte entledigen müssen. um freieres Hantieren zu haben! Natürlich' kam niemand, um das so unverhofft ins Haus geschneite Geld abzuholen, und der Sörgelbauer hütete sich auch wohl, es auszubieten. Er hatte mit seiner Oldenburgschen das beste Geschäft semes Lebens gemacht und schwor sich's zu, die Kuy sein Lebtaa nicht zu verkaufen. Man konnte nicht wissen, vielleicht wurde sie wieder mal gestohlen . . . Nichts Umsonst. Eine amüsante Scene spielte sich vor einem thurgauljchen Bezirisgericht ab. Zwei Anwälte vertheidigten die Interessen ihres Clienten unter Aufbietuna ibrer aanzen Beredsamkeit. Sonderbar fühlten sie sich berührt, als sie bemerkten, daß die beiden Parteien sich wahrend der Itte den im Hintergründe des Gerichts Zimmers traulich genähert hatten und ein gemüthliches Kichern vernehmen ließen. Nach der Duplik, ordnete der Nräiident die Räumuna des Gerichtssaales an. da die Urtheilsberathung beginnen sollte. In diesem Augenblicke trat jedoch eine der angeblich Net suckenden Parteien vor und erklärte, daß die Urtheilsberathung nicht nöthig sei. da xt die Prt.z. ficö länast ausgesöhnt haU ten. Bei diesen Worten legte der Redner einen schriftlich abgefaßten Vergleich auf den Tisch des Hauses. Nttwundert sraate der Präsident. warum die Parteien denn nicht schon vor' dem Beginn der Verhandlung von dem Vergleich Mittheilung gemacht hätten. Und nun kam die pfiffige Antwort: M Hand tenkt. choste wörr's eineweg; bann söled wenigstens d' Advokate no e wäng 1 . 4 rwk schnüre um üse mr (Mr oaoen gedacht. Kosten macht es ohnehin; dann sallkn weniaftens die Advokaten noch ein wenig schwatzen für unser Geld). Aegypttsche Obelisken. kleinsten Obelisken der Wel besitzt Berlin. Lepsius schenkte ihn dem Königlichen Museum. Der Liliput ist nur zwei Futz lang uno wieg zwe Centner. Der arofcte uns oe kannte Obelisk ist der leider unvollendete von Affuan. de en Gewi man aus etwa 15.000 Centner schätzt. Ueberhaupt kennt man über vierzig Stück ägyptische Obelisken, iüie meisten, nämlich siebzehn, besitzt Jtalien Rom allein zwölf. Enaland da sich sieben angeeignet. Frankreich zwei. Ebensoviel stehen in Konstantinopel. und Amerika und Deutschland müssen sich mit t einem vegnumn. Der Rest stelzt oder liegt in Äegypten. Der zweitschwerste ist der sogenannte Obelisk des atlkmis. oer seit 1585 bei Sankt Peter steht. Sein Gewicht soll 10.000 Centner betragen. Nach ihm kommen, was die Schwere anbelangt, die beiden in Paris befindlichen. London r 'l New Fork haben je eine .Nadel der Kleopatra welche aber davon die echte ist, ist unentschieden. Fortschritt. Hast Du noch immer kein Glück bei der Redaktion?" Ra, ich hab' jetzt wenigstens 'mal einen . eigenen Papierkorb.- ,,. - - ,
Gesthaftö-Kalender.
Nr,t. Tt. 9. H. H)orna. kesj.5rankl,eiteu. "fcS ona 91 n Klin..! (.1.1. .iuy y vui ivuaw. Puhluachenn. ysngufta Lange, kxpkrt.Pntzmachrrln. 1 XI)nflii,Mt n Blech- und Metall'DSche?. iech und Mttall-Dächer, sowie fttchrfmiH itgr v fertigt und repartrt. Iho. . Hdiey. ut nttucky ve. S!eer Vhone !. Tapeten. clpete. Ich hänge und Uefere Tupett. C Tr!nh TOM Atm SpeziMeu. QxtH kurirt ilzue Weffer, ohne Schmerzen. Die lest bekannte Behaadlung der Rezett. Sprecht vor d lernt eine tthode. Dr. . . Srigl,, I eft Marktt Straße, gczniüier Xtmiaü Stativ. Opttter. KMKRSOW DRULKY, 119 chusttt, Ve. im erfte Eqnare, zweiter Etoik. ge terfuchi. Linse geliefert. Konsultationcn frei. Waarev.Ablieserung. MJaarr abgkhslt nd bgettrsert. Väßlge Preise Schnelle Bedienung. 11 Süd kennfizlva! 6tt n, (IM; lt. Maln 14. K. X nstw. i. LeichenbeSatter. Mhitsrtt & Cutter, Lkichendeftattn. til . .lltnotl J Cir. tIi6nn Vtrt uu- Tt Knin Man CVsijnlon, Häßler & George, M7 vassachnsettl ve O ttitt)t)ontl : Rra 9ti ; Kit ain um. Qtr lynche deutsch. enerverfichnung-Grundeigentdu. 3teot) Lueanagel, Limmn 5 nd . . X Süd Detaw Strafte. Finanzielles. Mir leihen Seid aus Mbbel und Pian, izne die selben lDcauiiubmen. dei tat VLh tu unb Stamanttn. Central Coan So tOS tat Silc Kilt MkSMKSSTkS55?SWö5??M5kMk5Z5 55 W Geld! 5$ $$ $$ 55 o Wir verleihen Qelb an Hauk'Verattzschaf. r 5 tt. Piano. Werbe, Wagen oder tünch $$ tung. Raten die niedrigsten. Rabatt der öä größte, sprechen Sie vor oder tekpZoni $& litt MUS Ul MlVtltUUUg - CJ Saft Market Street an o. ff Law VkbSude. ,54 Oft arkrt Etr. f k? Ptzovtl. eu m. Central. Mai im. $$ , $$ $$ ZMSWSSMS5555?WSL5M?MMZMök LnrnS und Kultur. All??, was c)t neu, selten oder ; nur wenigen ziigängig. galt als Lurus. Man denke nur an diz Kost , barkeit des Fensterglases. Glasfen ster galten dem Mittelalter als bc wegHches Eigenthum, sie wurden beim Woluiungdwechsel initgenom men. 'n England ließen noch unter Elisabeth die Grafen von Northum renano, als sie oie Vurg vunicia verkauften, die Fenster herausnchmcn mid sorgfältig einpacken. Welch wcrthvoller Besitz war früher ein Buch, cm Kleid oder ein Anzug auS gntem Tuch, wie denn öas 'Geschenk eines Stückes Tuches selbst Königen würdig erschien. In der Renaissance war 'die Taschenuhr Luxus, ein wel, der prunkende Beweis für vrotzenden Reichthum. Ter Regen schirm war einst ebenso Lurusgegcn stand wie die Gabel. Eine vcnczig nischc Chronik aus dem 12. Jahr bundert erklärt letztere für eine sündhafte Protzerei und ihre Benutzung für höchst affektirt und sträflich. Eine griechische Prinzessin, die c' aaressa geworden, hatte nämlich die . Gabel nach Beliebig gebracht, und dort damit ?lilfsehen und Entsetzen erregt. Denn", fo meinte die Ehro nik. höchst sündhaft und unb?schci den wieder Gott und die Menschen ist cs, die Nahrung nicht mit den Fin gern berühren zu wollen, sondern sie mittels eines zwetzinkigen Jnstru mentes zu Munde zu führen." Dasgleiche galt von den Speisen und Ge tränken. Reis war noch in der ersten Hälfte des vorigen Jahrlninderts nur den wohlhabenden Klassen Zugänge lich, weil er damals noch sehr the'ier war. 'daher galt er auch für eine vor, nehme Speise. Kartoffeln fcuvzv. im Anfange des 17. Jahrhunderts am franzöfifchen Hofe als Leckerbi'sen auf den königlichen' Tisch, weil sie da mals in Frankreich zu den scknvcr zu ' erlangenden Raritäten gehörten. Jfrm Zeitalter der Reformation galt Pfef. fer für ein besonders, feines Gewürz, denn er war sehr theuer und kostbar. Ulrich v. Hütten wirft in einer in, Jahre 1518 verfaßten Schrift allen denen, die ihre Speisen mit Pseffe, würzen, Böllcrci vor. Und wie wetterte und donnerte die mittelalterli chc Ratlss und Rogicrungstvelsh,'it in zahlreichen und drohenden Erlas, sen gegen den so- sündhaften und lururiöscn Kaffee-. Thee, und Schnupftabakgenuk! Vpiskopalkirche für . die Staate" ' Wyommg und Jdaho war Bischof Tal- ' bot.. In seinen Tagen bestand die Vevolkeruna iener, ftt ...c.r.. . z'tr tr f w f t v - nch ,uä -3r& , WZ Z ron Abenteurern. ., . WOT"n..
