Indiana Tribüne, Volume 30, Number 123, Indianapolis, Marion County, 16 January 1907 — Page 7

Jndtana Tribüne, 16 Januar 7

tAAAAAAA AA A AAAA k A A A AA AAA as heilige Hechts 4 : m -4 ZI 0 tu an von Friedrich Iacodsrn fYYYYYYYYT7YYYTYT?TYYYYT (Fortsetzung.) Körner fand ihn schon auf der Pritsche liegend, obgleich es erst acht Uhr war; der Gefangene schirmte die Augen gegen das herbeigebrachte Licht, und sagte entschuldigend: Sie müssen, nicht glauben, daß ich ein Faullenzer bin. lieber Herr, aber es wird in meiner Zelle so früh dunkel, und ich bekomme kein Licht. Was soll rnan da Besseres anfangen, als sich lang legen; bald genug wird es doch ganz dazu tarnen." Können Sie denn schlafen?" frug Körner. Tas nun irohl weniger. Sie rnüssen nämlich' wissen, daß ich als Hirte an wenig Schlaf gewöhnt bin." Und dann kommen so in der Stille auch allerlei Gedanken, nicht wahr?" Es war immer ziemlich stille um 'mich her; die Schafe reden nicht, und i die Sterne schweigen auch; ich bin daran gewohnt. Gedanlen hat a jeder Mensch, aber die Umgebung ist mir hier ungewohnt, und deshalb wollen sie nicht recht in .Schick' kommen." Aber an Eines denken Sie doch wohl bisweilen. Nottmann." sagte Körner freundlich, und setzte sich neben den Alten auf die Pritsche. Ter Gefangene blickte den jungen Mann von der Seite an; er schien einen Argwohn zu schöpfen. Ist es erlaubt, zu fragen, wer Sie eigentlich sind?" frug er plötzlich unvermittelt. Bisher ist nur der Herr Pastor und mein Vertheidiger zu mir gekommen, und vom Gericht können Sie doch auch nicht sein, denn d i e Herren schreiben immer Alles auf." Körner wollte sich nicht zu erkennen geben; er antwortete ausweichend: Ich habe doch mit. Ihrer Vertheidigung zu tbun. und Sie dürfen Vertrauen zu mir hegen." Auf dem hartgemeißeltcn Gesicht des alten Mannes stieg eine leise Röihe auf; er wurde unruhig und erregt. Mo-zu denn nur!" versetzte er in grollendem Tone. Ich habe mir einen Vertheidiger verbeten, und man antwortete mir. daß das Gesetz ihn fordere. Gut. dem Gesetz soll allewege sein Recht geschehen, und ich habe die Stelle auch selbst gelesen; aber es steht doch nichts davon geschrieben, daß der Angeklagte zwei Vertheidiger haben muß?" Körner wurde aufmerksam; hier lag der Keim zu einer fixen Idee. Sie wünschen also nicht vertheidigt zu sein. Nottmann?" fragte Körner den Gefangenen. Warum denneigentlich nickt?" Und das können Sie noch fragen?" entgegnete Rottmann immer heftiger. Steht cs nicht geschrieben, daß ein Mörder zum Tode verurtheilt werden soll, und habe ich nicht einen Mord begangen mit Vorsatz und Ueberlegung? Habe ich nicht die Sache klipp und klar zugestanden, haarklein mit Allem, was drum und dran hangt Was ist denn da zu vertheidigen, wo das geschriebene Wort nach seinem Rechte schreit? Ich will nicht, daß die Advokaten mit ihren Tüfteleien kommen und die Sache drehen und wenden, bis ich dastehe, wie ein Junge, der .Aepfel aemaust hat. Ich will dastehen wie ein Mann, der auf sich nimmt, was er gethan hat. ich will mein Recht ha ben. mein heiliges Recht!" Sie hängen also am Recht." sagte Körner. Sie erklären das Recht für beilig. und dennoch haben Sie es yr'öb.lich verletzt; wie reimt sich das zusamimen?" Nottmann legte die sehnige Faust auf das Knie und starrte darauf nieCcr. lr schwieg lange und entgegnen endlich finster: Ich wollte, daß ich ihn 2tuge in Auge nieoergeschlagen hätte, und nicht bei Nacht im Schlaf. Taun könnten die Leute wenigstens nicht sagen, daß ich es aus Angst gethan habe, wie ein gewöhnlicher Kerl. Es hätt: so kommen müssen, daß ich ihn mit dem Kopf auf den Block niederzwang, wie der Henker es thut, dann würde Alles seine Richtigkeit gehabt haben; aber mir fehlte die Krafi dazu, denn er war stärker als icb. So mußte ich es während seines Schlafes thun, wie ein gemeiner Mörder." Körner entsann sich der .Schilderun' des Direktors und legte seinen Finger geradezu auf den dunkeln Punkt. Ihr Schwiegersohn stand in dem Verdacht, einen Mord begangen zu haben? Ist es nicht so?" frug er vertraulich. Er war ein Mörder." versetzte Nottmann nachdrücklich und hob wi: zur Bekräftigung seiner Worte die rechte Hand gegen ein kleines, an, der Wand angebrachtes Kruzifix. Er war es, Herr, bei Gott, er war es. wenn auch meine Augen die Schandthat nicht mit angesehen haben. Und darum mußte er seine gerechte Strafe erleiden Ich habe es niemals begreifen können. i .i r i r . r- v ; y i . . . r warum oas Veiey leine yano niazi aus ihn leqte. und ich kam auf den Gedanken, daß die Männer, die da Recht sprechen sollen, dlrno und lassig ge worden sein mußten. Ich grübelte darüber nach.' wenn ich des Nachts bei meinen Schafen wachte, und der Wind durch die Tannen fuhr, und es über

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kam mich eine große Angst vor der

Einsamkeit, denn wenn Unthaten nicht mehr bestraft werden, dann steht cz Natur auf und verwandelt sich. Dann ann es geschehen, dachte ich, daß Deine yjt.r. cT'r . . V n.J. oa;afc zu isoitcn iveruen unu iaj ge gen den eigenen Herrn wenden, denn es ist kein Recht mehr auf der Welt, und Gott wendet sein Angesicht von den Menschen ab. Und dahabe ich ihn erschlagen, well ich mir nicht anders zu helfen wußte." Der seltsame Mann hatte immer lauter und heftig:? gesprochen; nun sank er in sich zusammen, und starrte auf die an der Wand befestigte Kette. Draußen auf dem Korridor wartete der Schließer. Als es w der Zelle so laut wurde und dann wieder so stille, öffnete er die Thür und sagte verlegen: Verzeihen Sie nur. Herr Doktor. wenn ich störe, aber ich dachte, es wäre vielleicht gut. wenn Einer in der Nähe ist." Rottmann drehte sich blitzschnell um und betrachtete den Arzt mit einem scheuen Blick, dann wich er den forschenden Augen desselben aus. ..Also Sie sind ein Doktor!" sagte er. JXca hatte mir oas unaesayr denken können. Was ich gethan habe, erscheint den Leuten so wunderlich, daß sie auf allerlei Gedanken verfallen. Aber ich bin ganz gesund, ganz gefund " Seine Stimme verlor sich in ein leises Murmeln, er begann, wie von einer inneren Unruhe gepeinigt, an seiner Matratze zu zupfen und von Zeit zu Zeit eine heftige, unbestimmte Bewegung mit der Hand in die Luft zu macben. Körner beobachtete ihn eine Weile. prüfte, ohne Widerstand zu finden, seinen Puls und strich ihm fluchtig mit der Hand über den Kopf. Dann erhob er sich und verließ die Zelle. Es war ein schwuler Abend, und am Himmel standen schwere Gewitterwölken. Die Leute auf der Straße schlichen matt und abgespannt aneinander vorüber, und man hörte fast nirgends ein lautes, fröhliches Wort. Ein entgegen kommender Bekannter begrüßte den jungen Arzt und meinte, das sei ein Wetter, um verruckt zu werden. Und bei denen, die es schon sind. kommt die Verrücktheit zu Tage." entgegnete Körner. Er lehnte die Aufforderung, em Glas Bier zu trinken, ab. und begab sich geradeswegs in seine JunggesellenWohnung, die in der Irrenanstalt oeleaen war. ort setzte er sich an den Schreibtisch und begann ein weitläufiges Gutachten auszuarbeiten. Bisweilen legt? er die Feder hin und horchte durch das geöffnete Fenster nach der Abtheilung hinüber, wo die Schwerkranken untergebracht waren. Der heraufziehende Gewittersturm wehte ihm unheimliche Laute zu. die zuletzt so peinigend wurden, daß der junge Arzt das Fenster schloß. Es ist doch ein schwerer Beruf." sagte er leise, und ich finde es begreiflich. daß sie sich vor dieser Umgebung fürchtet. Aber ich vermag mich nicht davon loszusagen. Wo werde ich jemals den Ausgang in diesen Wirren finden?" Tann schrieb er weiter, und es dämmerte schon, als er endlich seinen Bericht schloß. 4. K a p i t e l. egcn Abend des Tages, an fort chem die SchwurgerichtöverHandlung in Sachen Abel Rottmann aus Steinberg wegen Mords" anstand, verließ eine ziemliche Menschenmenge, unter der sich be sonders viele Landleute befanden, das Gerichtsgebäude und verharrte vor demselben in lebhafter Unterhaltung Es schien sich drinnen etwas begeben zu haben, das Jedem unerwartet kam und dennoch mit allgemeiner Besriediguni aufgenommen wurde, denn Aeußerung gen wie: Das war recht!" So mußte es kommen!" Es gibt doch noch Richter!" durchschwirrtcn die Luft, und ein besonders aufgeregter Mann, der wie ein Torfschmied aussah, rief über die Köpfe der Uebrigen hinweg: Kinder, wenn er herauskommt, bringen wir ein Hoch aus!" worauf ein blasser, bebrillter Jüngling, scheinbar ein Lekzrer, schüchtern einwendete, da? dürfte sich doch wohl nicht paffen, denn der Rottmann hatte doch einen Men schen todtgeschlagen. Die Aufregung pflanzte sich fort bis in die Korridore des Landgerichts und bis bwein in den Schwurgerichtssaal; nur klang sie hier naturgemäß gedämpfte? und verflüchtete sich wie ein leises Grollen an der hohen Wolvung, von welcher ernst und schweigend oai Freskogemälde der Göttin der Gerech tigkeit herabschaute. Abel Rottmann, der geständige Mör der. war von den Geschworenen frei gesprochen worden. Ter Richter, der Staatsanwalt und selbst der Vertheidiger, welcher die Sache vertreten hatte, standen in einer Gruppe beisammen und redeten leise miteinander; bisweilen flog em mißbilligender Blick durch die offene Thür des Geschworenenzimmers, wo die zwölf Männer, welche soeben ihren Wahrspruch abgegeben hatten, sich zum Aufbruch rüsteten und lebhast untern ander plauderten. Es ist unerhört!" sagte der Schwurgerrchtsprasident mit gedampf ter Stimme.' Es ist unerhört, daß verständige Männer auf ein derartige?

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Gutachten Gewicht legen können; ich habe schon manchen sonderbaren Spruch aus dem Munde dieser Laienrichter entgegennehmen müssen, aber eine so vollkommene Benennung der Thatsachen ist mir noch nicht voraekommen, und ich beginne wirklich ernste Sorge für die Zukunft unsere? Rechtspflege zu hegen. StaatSanwalt Wilde schien den Fall weniger tragisch zu nehmen; er zuckte di: Achsel und lächelte sogar ein wenig. .Unser guter Toktor hat sich wohl ein Bischen Lerhauen." meinte er. obgleich ich lein ersten Angriff der Sache gar nicht so weit ton seiner heute ausgesprochenen Ansicht entfernt gewesen bin. Ich sprach damals mit dem alten Paor ctUrner in Steinberz des Tottors Vater, wissen Sie und der klärte 77. i 5) auf. Ucbrigens erscheint cs mir noch sehr zweifelhaft, ob die Geschworenen den Nottmann wirklich deshalb freig?sprochen haben, weil Doktor Körner ihn für unzurechnungsfähig hielt; ich glaube fast, daß sie auf eine Art Nothwehr oder Nothstand hinaus wollten, und der Volksanschauung haben sie jedenfalls Ausdruck gegeben." Der Präsident fuhr sich mit beiden Händen in die weißen Haare. Aber Herr Staatsanwalt, das läßt sich ja juristisch gar nicht konstruiren!" Abermals lächelte Wilde fein und sarkastisch. Jch darf das als öffentlicher Ankläger eigentlich nicht sagen, aber es gibt wohl Manches, was nicht in unseren Gesetzen steht und doch recht ist." Und umgekehrt." warf der Andere ein. Manches in unseren Gesetzen ist nach unseren Anschauungen unhaltbar und schlägt dem moralischen Bewußtsein des Volkes geradezu in's Gesicht. Uebrigens, meine Herren " er blickte etwas verlegen nach der Anklagebank hinüber und räusperte sich. Der Mann, um den sich die immer lauter werdende Unterhaltung drehte, saß noch immer auf demselben Platz, den er während des ganzen Tages eingenommen hatte. Seine harten, runzligen Hände ruhten gefaltet auf dem Holz der Schranke, den Kopf hielt er tief gesenkt und schüttelte ihn bisweilen leise. So hatte er sich während der ganzen Verhandlung anscheinend theilnahmslos verhalten, und so saß er noch jetzt. Der graubärtige Gefangenenmeister, ein alter Unteroffizier mit dem Eisernen Kreuz auf der Brust, stand vor ihm und suchte ihm klar zu machen, daß er hier nichts mehr zu thun habe. Sie sind frei. Rottmann," sagte er. .Sie können nach Hause gehen. Aber der Schäfer schüttelte abermals den Kopf. Ich habe Einen erschlagen, ich darf nicht frei sein," entgegnete er hartnäckig. Die Herren Geschworenen haben Sie freigesprochen," wiederholte der Beamte und wandte seinen Blick Hilfesuchend nach dem Präsidenten. Dieser kam vom Podium herunter und trat vor die Anklagebank. Haben Sie begriffen, Rottmann, was mit Ihnen vorgegangen ist? Der Angeredete erhob sich ehrerbietig und blickte dem Richter in das Gesicht. Ich habe Alles verstanden. Her? Präsident, aber es ist doch kein Recht!" Es steht Ihnen nicht zu. darüber zu urtheilen." entgegnete Jener streng. Nottmann blickte wieder zu Boden und zupfte an seiner Jacke. Was soll ich denn nun thun, Herr Präsident ?" Heimgehen und Ihr Unrecht bereuen. Aber wenn ich freigesprochen bin. kann ich doch kein Unrecht begangen ha ben. Herr Präsident." Wer sagt das?" 'Eins oder das Andere muß doch wohl richtig sein. Entweder habe ich Recht gethan oder ich bin zu Unrecht freigesprochen worden." Es lag eine zwingende Logik in die sen'schNchlen Worten, uns es wurde dem Präsidenten schwer, darauf zu er widern. Aber n Entgegnete dennoch

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nonen und hat zög?rnö: 'Man hat Sie für unzurra nungsfähig erklärt, Rottmann." Was heißt das. Herr Präsident?" Sie sollen nicht gewußt haben, was Sie thaten." Da richtete sich der alte Mann auf. Meine Schafe wissen bisweilen nicht, was sie thun, Herr Präsident, denn sie gehören unter das unvernünftige Vieh, und man sagt, .dumm wie ein Schaf,' obwohl das auch nicht immer zutrifft. Aber ich weiß, was ich thue, denn ich bin ein Mensch. Ich habe doch nicht im Schlafe zugehauen, wo der Mensch keine Vernunft hat. sondern ich war hell wach, und er schlief. Also ich soll wirklich gehen? Sie müssen sogar gehen, Rottmann." Der Alte knickte wieder zusammen und murmelte: Ich bin ein alter Mann, Herr Präsident, ein sehr alter Mann. Lassen Sie mich noch wenigstens diese Nacht in meiner Zelle, es wird schon dunkel, und ich komme nicht mehr heim." Meinetwegen," sagte der Präsident und wandte sich ab. Abel Rottmann wurde in seine Zelle zurückgebracht. Aber es war ein Unterschied gegen sonst, er wurde nicht geführt, er ging vollkommen frei, und der Gefangencnmeister begleitete ihn nur, weil sie sich doch im Gefängniß befanden. An der Thür verabschiedete sich der Beamte und sagte: Gute Nacht, Rottmann, und machen Sie keine Dummheiten." Was sollte ich denn für Dummheiten machen?" Na, ich meine nur " . Der Beamte schloß die Thür und sagte leise zu einem herbeigekommenen Wärter, der die Wache hatte: Geben Sie gut Acht, Schmidt, er gefällt mir nicht. Wenn Einer 'mal durchaus verrückt sein soll, dann hat er auch das Recht. Verrücktheiten zu begehen. Draußen kann er meinetwegen aufangen. was ihm beliebt, aber hier drinnen kriegen wir die Schuld." Droben in Steinberg herrschte am folgenden Tage eine gewaltige Aufregung. Es waren mehrere Einwohner des Dorfes zu der SchwurgerichtsVerhandlung gegen Nottmann als Zeugen geladen gewesen. Andere hatten sich aus Neugierde oder Theilnahme angeschlössen, und alle diese Personen kamen noch in später Nacht oder in der Morgenfrühe heim und verkündeten den Ihrigen das große Ereigniß von der Freisprechung des Schäfers. Die Kunde lief mit Windeseile von Haus zu Haus und wirkte wie eine Feuersbrunst. Die beiden Frauen im Schäferhause waren wegen ihrer nahen Verwandtschaft mit Rottmann nicht zu der VerHandlung geladen worden, denn es war eine Art von Stumpfheit über sie gekommen, und diese wich auch nicht, als ein Nachbar sie um das Morgengrauen heraustrommelte und ihnen die Nachricht durch's Fenster zuschrie. Frau Rottmann setzte sich auf die Bettkante und dachte eine Weile nach; dann sagte sie zu ihrer Tochter: Grethe. hast Du gehört? Der Alte kömmt zurück." Und die Tochter erwiderte: Das ist denn wohl so, Mutter." Keine von en beiden grauen hatte sich in der Beschränktheit weiblicher Dorfbewohner klar gemacht, daß es um Leben und Tod gegangen war, und es hatte auch Keiner den Muth besessen, ihnen das auseinander zu setzen. Daß der Alte in's Gefängniß oder Zuchthaus gesteckt würde, hatten sie angenommen. Von diesem Zustande machten sie sich auch nur eine höchst unklare Vorstellung, der Unterschied zwischen Zuchthaus und Gefängniß lag ihnen zu fern, obgleich der eigene Mann und Schwiegersohn jahrelang im Zuchthaus gesessen hatte. D e n . waren sie wenigstens los, und das blieb die Hauptsache; der Alte frei. Nch konnte auch nicht mehr, viel verdie-

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oder länger hat sich dieser reine Pflanzen-Extrakt, als Wine of Cardui bekannt, einen Ruf in der Behandlung der den weiblichen Organen und Funktionen eigenen Krankheiten erworben. Dieser Ruf ist auf den massiven Felsen von Wahrheit und Verdienst gegründet. Ich war seit Jahren leidend und mußte eine Bandage tragen," schreibt Frau S. I. Chrisman von Mannsville, N. F., bis ich zwei Flaschen von

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gebrauchte, worauf ich die Bandage ablegen konnte. Ich fühle mich nicht mehr so schlecht wie früher, und kann einen halben Tag lang auf den Füßen sein. Ter Doktor, welcher mich' untersuchte, ehe ich Wine of Cardui gebrauchte, sagte, daß es keine Medizin gebe, dir mir helfen würde, aber Harbin hat mir so sehr geholfen, daß ich es gern jeder Frau mittheilen möchtet Cardui Iin dert periodische Schmerzen, regulirt gestörte Funk- ) j

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nen, und er war ihnen mit seinen Grübcl?!:n oft unheimlich und lästig geworden. ES wäre daher vielleicht für alle Theile am besten gewesen, wenn man ihn unten" behielt, wo er gut versorgt und aufgehoben war. lind' nun kam er doch zurück! Frau Rottmann sammelte allmäliz ihre Gedanlon so weit, daß sie an den Herd ging, um Kaffee zu kochen. Er soll wenigstens 'was. Warmes haben, wenn er kommt." sagte sie zu ihrer Tochter in einem matten Aufflackern ehelicher Liebe und fügte sogleich besorgt hinzu: Was meinst Du. Grctbe, ob die Gemeinde ib.m wohl di: Schafe lassen wird? Sonst ist er rein zu siar nir mehr nütz'." Und die Tochter entgegnete: Ich denke doÄ, Mutter; wir möcen un? wohl allein durchbrinen. und bei den Schafen kaun er nicht viel Schaden anrichten." Die Alte ging hinaus, um Reisig vom Hofe zu holen; da kam der Schmied vorüber, der auch als Zuge in der Stadt gewesen war. Er hatte mit dem Erschlagenen in Feindschaft gelebt und stand deshalb auf Rottmenns Seite; er rief vom Wege aus herüber: Viel Glück, Frau Nachbarn, zum guten Ausgang! Das war gestern eine Verhandlung! Der eine Doktor wollte den Alten durchaus verrückt machen, und der Alte verstand auch höllisch darauf zu laufen, er verdrehte tmmer die Augen, als wenn er wirklich nicht richtig im Kopfe sei. Das haben die Herren natürlich dann geglaubt, und da ist er freigesprochen worden. Aber wir wollen ihm einen Empfang bereiten, wie ihn noch Keiner in Steinberg gehabt hat." Na, macht's nur gelinde," entgegnete die Frau, es war ja just keine Heldenthat, die er ausgefressen hat." Aber recht war's!" schrie der Schmied und schlug mit der Faust in die flache Hand. Und zum DonnerWetter! Kurasche gehört auch dazu, denn ein Mensch ist doch kein Stück Vieh, und ich für mein Theil bin Grobschmied, aber ich hätte es nicht fertig gebracht!" Auch zu Pfarrer Körners Ohren war die Kunde von dem unerwarteten Ergebniß gedrungen, und mit ihr zugleich ein Gerücht von bevorstehenden Thorheiten. Man wollte dem frage sprochenen Verbrecher entgegen gehen, ihn im feierlichen Zuge einholen und ihm zu Ehren ein Fkst veranstalten; es fehlte wohl nur noch, daß der Geistliche aufgefordert wurde, eine Rede zu halten! Körner war tief bekümmert über diese Verirrungen und zugleich lebhaft erzürnt; fein feuriges Temperamen! gmg mit ihm durch, und er schalt hef tig und rief: Meine Steinberger sind verruckt! Aber ich werde ihnen nachsten Sonntag die Raupen aus deni Kopf treiben und ihnen ein Licht aufstecken über das fünfte Gebot!" Dann rief er zur Thür hinaus der Dienstmagd zu: Tina, spring 'mal zum Herrn 'Lehrer hinüber; er soll gleich herkommen, die Bengels mag er meinetwegen für heute laufen lassen!" Der Lehrer war auch mit unten ge wesen und kam alsbald herbeigeeilt. Herr Grube," sagte der Pfarrer zu dem Eintretenden, die Herren in der Stadt haben Gottes Gebot auf den Kops gestellt, und die Stemberger wollen es ihnen nachmachen. Erzählen Sie 'mal, wie das gestern eigentlich zugegangen ist. und wie eine solche Ungeheuerlichkeit möglich war." Der Lehrer wurde verlegen. Herr Pfarrer." sagte er. die Richter sind nicht Schuld daran, die wollten den Rottmann verurtheilen. Dann aber kamen die Doktoren mit ihrem Gutachten " War mein Sohn dabei?" frug Körner rasch. Ja," entgegnete Grube noch verlegen, der war ja wohl das Haupt. Er sprach Allerlei, was ich nicht recht verstanden habe, aber nach seiner Ansicht muß Rottmann wohl unzurech-

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ÄMse für Jrauensctöeii 4TVli i $l.00-fsascficn zu QaOen. nungsfähig sein. Und darum sprachen die Geschworenen ihn frei." Ter Pfarrer hatte sich in die Sophaecke gesetzt und den Kopf in die Hand gelegt. Die Menschen wollen sich meinen Geist nicht mehr strafen lassen, denn sie sind Fleisch," citirte er leise und bekümmert die Worte der Bibel. Dann wandte er sich wieder an den Lehrer: Es ist gut, Herr Grube, die Geschworenen haben ihren Spruch dermaleinst vor Gottes Richterstuhl zu verantworten. Aber wir wollen ihnen darin nicht folgen. Sie wissen, was hier im Dorfe vorgeht; benachrichtigen Sieden Schulzen, damit er von Amts wegen dem Unfug steuert. Rottmann ist noch nicht zurückgekehrt?" Nein, er wird wohl im Laufe des Vormittags eintreffen." Damit verabschiedete sich der junge Mann. Körner aber kramte unter seinen Sachen nach Hut und Stock. Wo willst Du hin, Alter?" frug ihn seine Frau. Geh' jetzt nicht in's Dorf. Du bist erregt und wirst die Leute vor den Kopf stoßen; mach' es lieber auf der Kanzel ab, da müssen sie es hinnehmen." Ich will fort, um ein verlorenes Schaf meiner Heerde zu fuchen." entgegnete der Geistliche ernst. Das ist mein Amt, und ich hätte es vielleicht schon früher thun sollen." ' Er ging, die Hände auf dem Rücken und ohne rechts und links zu blicken, langsam durch das Dorf, und die Leute wichen ihm fast scheu aus, denn er sah gar so finster und feierlich aus. Vor dem hoch gelegenen Dorfe senkte sich der steinige Weg allmälig abwärts, und nach einer halbstündigen Wänderung gelangte der Geistliche an eine Stelle, wo man weit hinunter in das Thal blicken konnte. Unter einem uralten, morschen Weidenbaum, der seine Zweige gleich emporgehobenen Armen in die Luft streckte, stand eine Bank, und Körner ließ sich auf derselben nieder. Vor ihm lag jenseits des Weges einweiter grüner Plan, der rings von düsteren, fichtenbewachsenen Felswänden umgeben und in seinem Grunde mit Steinblöcken besäet war; es war der Platz, an welchem Rottmann die Gcmcindeschafe zu weiden pflegte, und dort stand auch noch der Schäferkarren, den der Alte bis zu jener verHangnißvollen Nacht in Gebrauch gehabt hatte. Es war ein Heller, warmer Hochfommertoz, und die Ebene flimmerte im bläulichen Dunst; ein gutes Auge. konnte tief unten die rothen Mauerndes Zuchthauses erkennen, in dessen vergitterten Fenstern das Licht funkelte. Aber der Pfarrer achtete nicht all der lachenden Schönheit, die um ihn ausgebreitet lag; er blickte unverwandt hinüber in die starren Felsen, deren tiefe Schatten den Tag nicht heraufkommen ließen. Dann beschirmte er plötzlich auslugend die Augen mit der Hand, öenn auf dem steilen Wege kam langsam und anscheinend mühselig ein alter Mann emporgestiegen. Es war Abel Rottmann. (Fortsetzung folgt.) A. liine wunderbare ytxx st a l l h ö h l e ist bei Clipper Gap Kal., entdeckt worden. Die erste öffentliche Bibliothek in England wurde in der Stadt Bristol begründet. Spanien und Rußland sind die einzigen Lander, die mehr Wolle erzeugen, als sie selbst verbrauchen. Die Verbreiterung des. Kaiser Wilhelm-Kanals wird einen Kostenaufwand von 240.000.000 Mark erfordern. Nur drei Präsidenten sind ohne Kabinettsmitglieder aus New' York fertig' geworden. Thomas Jefferson, John .Adams und Zachary Taylor. . . . . : ,