Indiana Tribüne, Volume 30, Number 123, Indianapolis, Marion County, 16 January 1907 — Page 6

Judtana Tribüne, 16, Januar 1907

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Europäische Nachrichten. Provinz Fofen. Posen. Vor kurzem wurden hier der Einjährige SakrzewZki und seine Geliebte Elisabeth Uliat mit lebensgefährlichen Schußwunden aufgefunden. Beide wurden ins Siadtlazarett gebracht, wo Sakrzew ki bald nach der Aufnahme gestorben ist. Wie festgestellt wurde, hat es sich um einen sorgfältig vorbereiteten Mordanschlag seitens der Maitresse des getödteten Einjährigen v. Zakrezwski, der Iranzösin Juliath, gehandelt. N a l e n t s ch a. Der Eigenthümer August Jahnke fiel von seinem durchgehenden Gefährt so unglücklich, daß er mit dem Kopf an einen Prellstein schlug, wobei ihm die Schädeldecke zertrümmert wurde. Es trat sofort Bewußtlosigkeit ein, aus der er nichi mehr erwachte. Der Verunglückte hinterläßt eine Wittwe und mehrere unmündige Kinder. R o g o w o. Infolge einer unsinnigen Wette trank der 18jährige Areiter Kasimir Zielinski aus Roggennau eine größere Menge Spiritus und starb bald darauf an Alkoholvergiftung. Schneidemüh l. Der in der Gallertschen Dampfschneidemühle beschäftrgte Arbeiter Josef Kühn zog sich beim Abklopfen von Kesselstein eine Hautabschürfung zu. Kühn beachtete dies: Verletzung nicht und es entstand eine Blutvergiftung, der er alsbald erlegen ist. E ch ö n l a n k e. Im Streite erschlug der aus der Posener Gegend stammende Arbeiter Pacholek den Arweiter Steinke mittels einer Düngergabel. Pacholek behaupter. von dem Getödteten gereizt worden zu sein und in der Nothwehr gehandelt zu haben. Z i r k e. Bei der Wiederwahl zum Beigeordneten überreichte Bürgermei ster Lackn Kaufmann Plonski den Ehrenbürgerbrief und würdigte,- wie auch der Stadtverordnetenvorsteher Jsert. die großen Verdienste, die Plonski sich in 35jährige? Thätigkeit als Stadtverordneter, Stadtverordnetenvorsteher und Beigeordneter im Dienste unserer Stadt und als Mitglied des Kreistages erworben hat. Provinz Sactzlen. Magdeburg. Auf ein 40 jähriges Bestehen konnte unlängst die Firma Emilie Jllies zurückblicken. Im Jahre 1866 von Frau Emilie Jllieö in der Gr. Marktstraße gegründet, wurde daö Geschäft 8 Jahre später nach dem Schwibbogen verlegt. Im Jahre 1882 ging es an den Schwiegersohn der Inhaberin, den Kaufmann Wilh. Kersten. über, der iS, unterstützt von seiner Gattin, zu hoher Blüthe brachte. Barneberg. In der Nähe von hier kam der 20jährige Sohn deS Landwirths Kohte auf entsetzliche Weise um's Leben. Der junge Mann besand sich auf dem Heim wege von der Hötensleber Zuckerfabrik, wohin er Rüben gefahren hatte. Unterwegs wurden die Pferde scheu und gingen durch, .wobei der junge Kohte vom Wagen stürzte und vor die Räder gerieth. Er wurde so unglücklich überfahren., daß er alsbald starb. Eilenbura. Vor kurzem feierte der Chausseeaufseher Karl Schulze sein goldenes Jubiläum als Beamter. Es wurde ihm der Verdienst - Orden für 50jährige Dienstzeit verliehen und ein Geldgeschenk von 300 Mark von der AufsichtsbeHorde überreicht. Gardelegen. Die Eisengießerei und Maschinenfabrik A. Behrend hier feierte kürzlich den Tag ihres 25jährigen Bestehens, die Fer tigstellunz des 200. Motors und das silberne Dienstjubiläum ihrer Meister Jsgner uno Wesemann. Halber st ad t. Auf dem hiesigen Personenbahnhöfe wurde der Rangirer Guthus überfahren und an einem Beine schwer verletzt. Von einem Mitgliede der freiwilligen Sanitätskolonne wurde ihm ein Nothverband ' angelegt, und dann wurde er in's KranZknhaus gebracht. Nordhausen. Als unlängst kurz vor Feierabend in einer hiesigen Spiritusfabrik der Arbeiter Wilhelm Eder aus dem Nachbardorfe Hesserode den mit Spiritusgasen gefüllten La gerraum mit einem brennenden Liche betrat, erfolgte eine heftige Explosion, bei der er so schwere Verletzungen erlitt, daß er bald darauf starb. Quedlinburg. Der Kreisböte W. Schröder beging letztens sein goldenes Dienjubiläum. In Gegenwart der Beamtenschaft beglückwünschte Landrath v. Jacob! den Jubilar und überreichte ihm im Namen ttL Kreisausschusses ein Geldgeschenk. Auch die Beamten erfreuten den von allen geschätzten Jubilar durch Geschenke. Schönebeck. Die Zinsen des von der Wittwe Heinrich der hiesigen Wilhelm - Stiftung vermachten Legats von 11.500 Mark gelangten dieser Tage an mehrere hiesige Personen zur Verkeilung. "gfrvtnna Lbannover. Hannover. 40 Jahre im Dienst befand sich kürzlich derPolizeisekretär Fritz Bühring beim hiesigen Polizeipräsidium. Letztens erschoß der Kaufmann BrockS von. hier

in der Nähe des Pferdethurms sein: Geliebte Käthe Schminke aus B:emen und darauf sich selbst. G ö t t i n g e n. Dem in den südhannover'schen Kreisen weit bekannten Gendarmerie - Oberwachtmeiste? Nagel Hierselbst wurde bei seiner Pensionirung der Charakter als Leutnant" verliehen und ihm die Erlaubniß ertheilt, die Uniform des Regiments zu tragen, bei dem er zuletzt gestanden. Endlich noch wurde er mit dem Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens dekorirt. G r a s d o r f. Kürzlich beging das Häusling Seeger'sche Ehepaar das Fest der goldenen Hochzeit. Dem Ehrpaar wurden verschiedene Ehrungen zu theil. Vom Herzog von Cumberland wurde eine Prachtbibel übersandt. Lutterberg. Die Ehefrau des Maurermeisters Rodewald erlitt einen bedauerlichen Unfall dadurch, daß sie beim Futterschneiden mit dem Aermel zwischen die Bahnräder der Maschine gerieth, wodurch der Arm zwischen das Getriebe gezogen und zermalmt wurde. Die Verletzte fiel in Ohnmacht, nachdem sie sich aus der Nothlage befreit hatte. Wilhelmsbaven. Das Fest der Silberhochzeit feierte Werksührer Schmidt und Frau (Vikioriastraßk 79.) Der Werkzeugschmied in der Kasserschmiede der Werft Hierselbst. Diedrich Weber, beging kürzlich sein 25jähriges Dienstjubiläum. Provinz Wellfasen. Bielefeld. Letztens wurde der zwanzigjährige Arbeiter Heinrich Buscher von der Straßen - Dampfwalze in der Oberen Straße erfaßt und zu Tode gequetscht. B e ck u m. Vor Kurzem erlitt der Steingrubenarbeiter B. Schnittker von hier in der Steingrube auf dem Linnenkamp einen Beinbruch. Bochum. In dem Hause Robertstraße 26 wurde die Ehefrau d?s Arbeiters Skazian erdrosselt oder erwürgt aufgefunden. Der Ehemann der Ermordeten wird vermißt. Vrakel. Letztens wurde das in der Scharnhorststraße belegene Wohngebäude des Kötters Wilhelm Westecker eingeäschert. Heune. Ein recht tragischer Vo fall ereignete sich gelegentlich desStiftungsfestes der Jünglingssolidität. Bei der Aufführung des Theaterstückes Andreas Hofe?-, wobei im letzten Akte sich der Verräther aus Verzweiflung das Leben nimmt, sollte dies dem Darsteller sehr verhängnißvoll werden. Auf unaufgeklärte Weise war der Revolver mit scharfen Patronen geladen, und unglücklicherweise war der Darsteller seinem Kopfe damit zu nahe gekommen, so daß die Kugel durch das rechte Ohr in den Kopf eindrang. Klotingen. Letztens wurde der 30jährige Arbeiter Theodor Rieß an der Eis enbahnüberbrückungs-Baustelle von dem Arbeiter Emil Eggert nach voraufgegangenem Streit mit einem Knüppel so schwer am Kopfe verletzt, daß er bereits auf Transport zum Krankenhause in Welver gestorben ist. Eggert ist flüchtig. L ü n e n. Der hiesige Gendarmeriewachtmeister Krone hat sich neben der Leiche seiner Frau, die im Wochenbett gestorben war. erschossen. Oeynhausen. Vor einiger Ze'.t ist hier die Möbelfabrik von Edelmann und Mierske ein Raub der Flammen geworden. 70 Personen sind dadurch arbeitslos geworden. Der Schaden beläuft sich auf über 100.00) Mark. Soest. Dieser Tage beging das Lehrerinnen - Seminar dahier sein hundertjähriges Bestehen. Aus di sem Anlaß wurde eine besondere Festschrift herausgegeben, welche die EntWickelung der Anstalt aus ihren ersten Anfängen bis zu ihrem jetzigen HöhePunkt behandelt. Zur weltlichen Feier, bestehend in Deklamationen, Festreden und Gesangsvorträgen, waren zahlreiche Abordnungen von Behörden und Körperschaften erschienen. V H ?rnpr?rinz. Köln. Ein seltenes Jubiläum feierte unlängst die Oberin des St. Josefshaufes in der Dreikönigenstraße. Schwester Veronika. Sie ist vor 50 Jahren September 1356, in den Orden der Schwestern der christlichen Liebe in Paderborn noch unter der ersten Oberin und Stifterin Pauline v. Mallinckrodt, eingetreten und seitdem ununterbrochen als Lehrschwester in den verschiedenen Pensionaten des Ordens im In- und Auslande thätig gewesen. Barmen. Ein bedauerlicher Unqlücksfall ereignete sich an einem an der Hugostraße (Klingelholl) aufgeführten Neubau. Mehrere Knaben waren mittels einer Leiter, die sie aus dem Kellerraum hervorgezogen hatten, in das erste Stockwerk und von dort auf anderen, in die oberen Stockwerke führenden Leitern bis in das Dachgeschoß hinaufgestiegen. Zwei dieser Knaben, der 12 Iahn alte Adolf Wlllfing und der 5y2 Jahre alte Erich Kottmann, kletterten auf ein Gerüst, welches plötzlich zusammenbrach. Beide stürzten herunter bis in den Keller, wobei Erich Kottmann auf der Stelle todt blieb und Adolf Wülfing schwere Verletzungen davontrug. Birkendahl. Durch Feuer ist daK den Herren Nägelkrämer und Wortmann zugehörige Doppelwohnhaus vernichtet worden.

Deutschland 1906. Deutschland wird nicht verderben, singt Heine, und das wird ihm Jeder glauben, denn der Bestand des Deutsehen Reiches ruht auf einem breiten, tiefen und festen Fundament: auf dem Fleiß und der Intelligenz seiner Bürger. Daraus ergibt sich auch, daß alles Gute und Schöne, das in einem Jahres-Rückblick besonders scharf hervortritt, das Werk des deutschen Bür-ger-und Arbeiterthums ist. Der Ausfuhrhandel, der schon seit eine? Reihe von Jahren wachsende Ziffern aufzuweisen hatte, ist im verflossenen Jahre weiter gestiegen. Arbeitslosigkeit, der frühere große Schrecken der deutschen Nation, ist jetzt völlig unbekannt. Aus allen Nachba??eichen müssen Arbeitskräfte, und das sogar in bedeutendem Maße, zu Hilfe genommen werden, um der Waaren-Nachfra-ge zu genügen. Deutscher Unternehmungsgeist, der sich an unserem Lande herangebildet hat. ist in erster Reihe die Quelle dieses Segens gewesen. Deutsche Fabrikanten haben begriffen, was England und Frankreich noch bis auf den heutigen Tag nicht erfaßt haben, daß Verminderung der Betriebskosten das Hauptgebot der modernen Industrie ist. Dieser Wahrnehmung gemäß handelnd, hat Deutschland es zu Wege gebracht, die Konturrenz auf allen Gebieten zu überwinden. Das würde vielleicht noch nicht genügt haben, hätte nicht die hohe Intelligenz des deutschen Kaüfmannsstandes das Uebrige gethan und wäre sie nicht weiter durch die gründliche Ausbildung der deutschen Arbeiter unterstützt worden. In diesen beiden letzteren Beziehungen wird Deutschland noch auf Jahrzehnte hinaus den Vorrang behaupten. Das gediegene Wissen ist eben nicht wie eine Maschine, die man für Geld kaufen kann, sondern ist die Frucht langjährigen angestrengten Fleißes, nicht minder einer Anlage, mit intensiver geistiger Kraft zu arbeiten. Wir glauden, daß die Ver. Staaten mit der Zeit ebenfalls darinBedeutendes leisten werden. da Bemühungen in dieser Richtung schon in großem Maße wahr nehmbar sind, aber beim besten Willen wird noch mindestens ein Jahrzebnt vergehen, bis die jüngere Generation in diesem Lande ihre Erziehung nach deutschen Grundsätzen beendet haben wird. Auf Grund dieser Darstellung kann man Deutschland noch eine lange Fortdauer seiner jetzigen Prosperität voraussagen, zumal die Umwandelung der alten Betriebsmethoden nach amerikanischem Muster noch lange nicht abgeschlössen ist. Fachleute rechnen aus, daß noch Milliarden von Mark nothwendig sind, um die deutschen Jndustrie mit den nöthigen elektrischen Apparaten zu versehen. Dieses ersreu'.iche Bild wird leider durch das Verhalten der Regierung in ihrer Wirthschaftlichen Politik getrübt. Wenn es ihr vorgefaßter Plan gewesen wäre, die industrielle Blüthe zu vernichten, hätte sie nicht anders handeln können, als in der Weise, wie sie vorgegangen ist. indem sie durch ihren Tarif die Produktionskosten der Industrie gesteigert und ihre Absatzgebiete eingeengt hat. Die beständigen Lohnsteigerungen stellen die in die Milliarden belaufenden Summen dar, um welche die Industrie gebracht wird und für wen? Hätte die Absicht vorgewaltet, unter solch großen Opfern einen Kleinbauernstand zu entwickeln, so wäre ein Ersatz für das Opfer geboten, aber Fleiß und Genie von Unternehmern, Kaufleuten und Arbeitern werden gebrandschatzt, um n Groß-Junkert?um zu mästen. Für die deutsche Landwirthschaft ist daraus kein Gewinn erwachsen. Man kann eher von einem Rückgang sprechen und dieser ist und war auch als logische Folge zu erwarten. Den Junkern ist ein Monopol überliefert worden und es ist die Erfahrung, aller Zeiten und aller Länder, daß der Monopolismus abtödtend auf Geist und Arbeitskraft wirkt.. Au5 diesen Verhältnissen ergibt eZ sich, daß 1906 in Deutschland trotz aller Prosperität daö Jahr deS größten Mißvergnügen? war. Fabrikanten mußbm ihre Profitrate auf Pfennige herabdrücken und konnten nur durch übermenschliche Anstrengungen ewen ihrer Arbeit und iyrem Kapitalsaufwand angemessenen Profit erzielen und die Arbeiter fanden, trotz bedeutender Lohnsteigerungen, daß sie ihre Ansprüche an daS Leben bedeutend verkürzen müßten. Die Unzufriedenheit darüber ist noch gesteigert worden durch den offentundigen kulturellen Rückgang in Preußen, dem Staate, fcer sich rühmt, in Deutschland voran zu sem. Zu keine? Zeit war dieser Anspruch weniger berechtigt. als jetzt. Während die schon ohnehin bedeutmd liberaleren Wahl'ysteme der süddeutschen Staaten noch eiter volksthümlich ausgebaut wurden :nd in Baden sogar bis zum allgemei;n Sttmmrecht gediehen sind, ist i Preußen das elendeste aller Wahlvstem unverändert geblieden und hat 'i ÜlsaMon mit besonders auöaesuch:r Mcksichtölosiakeit schaltet, um dis ntcMgenz heraiÄudrücken. Die Sachlzge wird zur Genü kennztichnet, 'venn ein Studt preußishe, KultuSminister ist. Diesen, kann man nachrühmen, bah tt Alle, was Falls liberal llna auf dem Gebiete der ErZiehung schaffen, nicht blos desetttgt. sondern ewe noÄ größere getfte FinsterrM hervorgebnZt hat. iti ftinc

reaktarstnt "VorgZnger. on Dem Idealismus deS braven deutschen Volkes legt eö glänzendes Zeugniß ab, daß es diesen geistigen Druck noch unangenehmer empfindet, als den matcriellen. WH cwobnter 5wsfnunasfreudia keit wollen die freisinnigen Elemente in Deutschland in der ParlamentsKrisis ein Zeichen der Umkehr erblicken. Ihre Folgerung geht dahi.i, daß die geistige Reaktion durch den Druck, den das Zentrum auf die Regierung ausübte, herbeigeführt worden isb und daß letztere dieser Herrschaft müde, sich von ihr zu befreien sucht. Hoffnungsvoll zieht der Freisinn in oi: Wahlschlacht, um die Macht des Zentrums zu brechen, in der Erwartung, daß die Regierung ihre Stütze am Liö:ralismus suchen werde. Niemand hegt den innigeren Wunsch, daß sich solche bewahrheiten möge, als wir. allein wir könnon über starre Thatsachen nicht hinwegkommen. Das Zentrum ist nur dann stark, wenn die Regierung sich ihm unterwirft und sie hat das Joch mit großem Behagen getragen, so lan: es sich um reaktionäre Tendenzen handelte. Erst als das Zentrum anfing, demokratische Wirthschafts - Politik zu treiben, erwachte der Grimm der Machthaber im Reiche. Mit einem der geistigen Finsterniß und der Wirthschaftlichen Bedrückung weiter dienenden Centrum hätte die Regierung sich niemals entzweit und es wird sich auch mit ihm wieder zusammenfinden, sobald der Freisinn die Regierung aus ihrer kolonialcn Verlegenheit befreit hat. Daß eine innere Krisis in Deutschland, speziell in Preußen nicht ausbleiben kann, darf bereitwilligst zugestanden werden, aber daß die Wahlen Ende nächsten Monats die gewünschi? Klärung bringen werden, ist entfchi.'den zu bezwriseln. Will man durchaus darauf bestehen, daß durch Niederzwingung des Zentrums mehr Luft und Licht zu erlangen sind, so darf man auf der anderen Seite nicht übersehe?, daß als Mindestmaß d:m Zentrum siebzehn Mandate abgerungen werden müssen. Das halten wir für schlechterdings unmöglich. Nach unserer Berechnung werden blos die Sozialdemotraten Gewinne zu verzeichnen haben und das wird genügen, um die Regierung reuig in die Arme des Zentrums zurückzuführen, so bedauerlich ein solcher Ausgang uns erscheint. Die Umkehr nach der liberalen Seite ist erst zu erwarten, wenn die fehlerhafte Wirthschafts - Politik zur vollen Reife g:langt ist. Von dieser unliebsamen Erörterung wenden wir uns mit um so freudigeren Blicken der auswärtigen Politik zu. Auf diesem Gebiete hat Deutschland keine Fehler gemacht, sondern im Gegentheil glänzende Triumphe zu verzeichnen, weil daselbst Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit im krassen Gegensatz zur inneren Politik vorwaltct. Trotz allen Sturmlaufens gegen den Dreibund hat dieser seine alte Kraft bewahrt. - Die mit Deutschland verkündeten Nationen wissen, daß sie an ihm einen treuen Freund haben, einen uneigennützigen Freund, der loyal den Zweck des Dreibunds, die Wahrung des Friedens, erfüllt. Diese Ehrlichkeit, die ja stets die beste Politik, wie in allen Dingen, so auch in der Diplomatie, ist. ist auch mit Festigkeit gepaart, wie sich das auf der Konferenz von Algeciras so klar und deutlich gezeigt hat. Mit ihrer üblichen Kur?sichtigkeit gefällt sich die oppositioncll: Presse in der Behauptung, daß die deutsche Diplomati: eine Niederlage erlitten habe, weil Frankreich doch das Ucbergewicht in Marokko besitze. DaS ist eine sonderbare Verkennung der Ziele, die Fürst Bülow sich gesteckt hat. Als gewiegter Diplomat hat er du realen Thatsachen berücksichtigt. Er hat anerkannt, was er nicht bestrciten konnte, daß Frankreich wichtigere Interessen als jede andere Nation in Marokko zu vertreten habe, und bereitwillig hat er zugestanden, was Frankreich auf Grund dieser Thatsache zu fordern berechtigt war. Seine glänzende That bestand darin, daß er bei aller Anerkennung von Frankreichs Interessen die gebührende Berücksichtigung von Deutschlands Rechten durchgesetzt hat. Aber worauf wir noch größeres Gewicht legen, ist die Formel, die er für die Behandlung aller kolonialen Fragen. welche wie eine Wolke über Europa hängen, gefunden hat, nämlich die Gleichberechtigung aller, Nationen in allen Gebieten, welche in der Einflußfphärc anderer Nationen liegen. Der NeujahrSwunfch für die deutsche Nation kann daher nur die inne?e Politik betreffen, daß sie aufgeklärter werden möge. Im Uebrigen bleibt nichts zu wünschen übrig.

Verständige Neger zu San Antonio in Texas. Die dortige Liga farbiger Bürger" hat eine Kommission von fünfzehn angesehenen Mitgliedern eingesetzt, welche die Behörden darin unterstützen soll, den nichtsnutzigen unter den Negern das Handwerk zu legen. Sie hat einen Aufruf an die Neer von San Antonio erlassen, worin diese in eindringlicher Weise gemahnt werden, daß Müßig gang aller Laster Anfang ist. Kompliment. .Wenn gnädiges Fraulein zur Bühne gegangen nsären, so hätten Sie ge wiß außerordentlichen Erfolg gehabt .Woraus schließen Sie d8?" .Nun, mW Sie überall, wo Sie ersöemen. die erste Rolle sdielen.-

Reicher K i n d er s eg e n. Zwei Fälle außerordentlichen Kinderreichthums werden in Halle an der Saale viel besprochen. Die Gattin eine) Gastwirths bescheert: ihren Mann mit dem'22. Kinde. Die meisten der Kinder leben und sind gesund und kräftig. In dem anderen Falle wurde in der Rlinik eine Arbeiterfrau, die bereits im Januar ein gesundes Kind gcborcn hatte, von Drillingen entbunden, die sämmtlich durchaus lebensfähig sind. Das macht in einem Jahre einen Zuwachs von vier Kindern. Der Dir.'ktor der Frauenklinik Veit fordert zu Sammlungen für die vielgescgncte junge Mutter auf. Ein schreckliches Famil i e n d r a m a hat sich in Straßburz i. Elf. ereignet. Einem Schutzmann, der durch die Goethestrzße patrouillirte, fiel es auf. daß in der zu ebener Erde gelegenen Wohnung des' Hauses 21 am hellen Tage b?i verschlossenen Vorhängen Licht brannte. Ter Beamte klingelte an der Wohnung, die aber nicht geöffnet wurde. Er erstatte!? dahe? sossrt Meldung und bald dsrauf begab sich eine Gerichtskommission an Ort und Stelle. Da alle Thüren fest verrammelt waren, mußte ein Fenster eingeschlagen werden, durch das man in die Wohnung eindrang. Ein furchtbarer Anblick bot sich dcn Eintretenden dar; am Boden lagen drei erharrte Leichen der Lehrerfamilie Grandcolas: Vater. Mutter und Kind. Wie festzestellt werden konnte, liegt Vergiftung vor, doch konnte die Art der Vrgiftung bisher nicht ermittelt werden, da alle Spuren der unseligen That beseitigt waren. Der Lehrer litt in letzter Zeit häufig an Schwermuth, sodaß es wahrscheinlich ist, daß er in einem Anfalle geistiger Umnachtung sich und seine Familie ohne deren Wissen vergiftet hat. Die Behörde steht hier insofern vor einem Räthsel, als die Eheleute Grandcolas in sehr guten VerHältnissen lebten. Ueberden Verbrauch ron Milch und Vier in einer Großstadt be richtet die Sozialkorrespendcnz. das Oraan des Zcntralvereins ftk das Wohl der arbeitenden Klassen, auf Grund amtlicher Ermittelungen fol gendes: Der Verbrauch von Milch kann in gewisser Beziehung als Maßstab fÜ, die normale Ernährung einer Bevölke rung angesehen werden. Wenn dlj Milch als ideales Nahrungsmittel gel ten kann, so ist der Alkohol die Ursachs vieler und schwerer Krankheiten. wäre daher r.ur zu wünschen, doß dt Milch auch cls Volksgenußmittel eins überlegene Stellung gegenüber de Alkohol einnähme. Dies trifft abtt nicht immer zu, keineswegs in dtt Großstadt. Als typisches Beispiel kann man Dresden ansehen. vj seil Jahren eine erfolgreiche Mäßigke.tsbe, wegung wahrzunehmen ist. Immerhin überwiegt in der sächsischen Residenz der Verbrauch von Alkohol noch be trächtlich den der Milcht So kommen auf den Kopf der Bevölkerung im Jahre 1895: 106 Liter Milch und 234 Liter Bier; 1901: 113.5 Liter !Nilq und 205 Liter Bier; 1902: 120 Lit Milch und 189 Liter Bier; 1903: 1 Liter Milch und 184 Liter Bier. Von, Milchverbrauch sind etwa sechs Pr izenj in Abzug zu bringen für kondensirtß und wieder ausgeführte Milch nach de Umgegend Dresdens. Trotz dies nothwendigen Einschränkung der Zab len ergibt sich ein verhältnißn.äßl starkes Ansteigen des MilchverbrauchZ von dem man bei der in jüngster Zeil besonders erfolgreichen Alkoyolbewkgung annehmen kann, daß er sich heutß im Jahre auf 125 Liter für den Kopf stellt. Ter gestiegene Milchverbrauclj bleibt jedoch noch erheblich hinter dem Verbrauch von Bier. 184 Liter aus Kopf und Jahr, zurück. Daß die Milch dem Bier bald vorauskommt, ist eine dankbare Aufgabe für Volkserzichuna und Volksbildung, die sich natürlich auch auf Ernährungsfragen erstrecken soll. Die Lösung dieser Frage ist überall ins Auge zu fassen; denn in andern Städten dürfte ein gleiches, wenn nicht noch ärgeres Mißverhältniß im Verbrauch von Milch und Bier bestehen, al in Dresden. Enormer Verkehr aus unseren Binnensee' n. Auf den Großen Seen wurden in diesem Jahre 37.513.589 Tonnen Erz und nahezu 82 Millionen Bushels Getreide befördert. Es kommen noch hinzu die ungeheueren Mengen von Kohlen. Holz und sonstigen Gütern. Für die Veförderung der Erze allein würden mehr als 750.000 der größten Frachters nothwendig gewesen sein, über die unsere Eisenbahnen verfügen, und fünfzehntaufend Züge, jeder aus fünfzig Cars bestehend, würden nicht ausaereicht haben, die Leistungen zu vollbnngen. die von den Dampfern spielend vollbracht worden sind. Nimmt man das beförderte Getreide, Kohlen. Holz u. s. w. hinzu, dann ergiebt sich eine Gefammtleistung, zu deren Bewältigung ein noch so wohlausgebautes Eisenbahnnetz nicht ausreichen würde. Und selbst wenns möglich wäre, diese gewaltigen Gütermengen durch Eisenbahnen zu befördern, würden die hrhcn Frachtsätze sie so vertheuern, daß die ganze industrielle Entwickelung des Landes schwer darunter leiden müßte. Der Verkehr auf den Großen Seen ist ein Stück Anschauungsunterricht für Jene, die immer noch nicht begriffen haben, daß in dem Ausbau unserer natürlichen Wasserstraßen und ihrer Erganzung durch Kanäle die wirthschaftlicbe Zukunft unseres Landes lieet.