Indiana Tribüne, Volume 30, Number 119, Indianapolis, Marion County, 11 January 1907 — Page 6
Jndiana Tribüne, ll, Januar 1907
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Europäische Nachrichten.
'Arovinz Kessen'Mcrssau. Kassel. Der persönliche Ranz der Räthe vierter Klasse wurde dem Kataster-Jnspektor Steuerrath Scherer in Kassel verliehen. E s ch w e g e. Unser langjähriger verdienter Bürgermeister Peter Bocke wurde aus weitere 7echs Jahre zum Mitglied des Kreistages gewählt. F r i tz l a r. Dem Bürgermeister a.D. Kraiger, welker vor einiger Zeit durch einstimmigen Beschluß von Magistrat und Stadtverordneten zum Ehrenbürger unserer Siadt vTiumri wurde, ist der Kronenorden 3. Klasse verliehen worden. Frankfurt. An dem Neubau eines Bankhauses in der Neuen Mainzerstraße fiel dem 25 Jahre alten Maurer Andreas Löser ein schwerer Treppenstein auf den Rücken. Löser erlitt außer anderen schweren Verletzungen einen Bruch der Wirbelsäule. Er starb kurz nach seiner Einlieferung in der Dr. Bockenheimerschen Klinik. In einem Anfalle von geistiger Störung erhängte sich in seiner Wohnung der 34 Jahre alte unverheirathete Schneider Friedrich Lang in dem nahen Bockenheim. M a b e r z e l l. Vor Kurzem war der Gastwirth Iahn von hier mit einem Landwirthe aus dem Dorfe in den Wald gefahren, um Eichenstammholz zu holen. An einer sumpsigen Stelle hatten sie einander Vorspann geleistet; beim ersten Wagen ging alles glatt von statten, während der zweite., auf dem John saß, umstürzte. Dies:r gerieth unter den schwer beladenen Wagen und war nach wer.igen Augenblicken eine Leiche. Oberlahn st ein. Vor einiger Zeit wurde der Bremser Mand von hier durch einen Personenzug übersahren und sofort getödtet. Mand war verheirathet und Vater von zwei Kindern. Er wollte einem Gllterzuge ausweichen und lief direkt vor die Maschine des Personenzuges. S a l z u n g e n. Das Familiendrama in der Familie des Schlossers Otto Wenzel, dessen Frau mit ihrem ein Jahr alten Kinde Anfangs August den Tod in der Werra suchte, hat jetzt noch ein trauriges Nachspiel gefunden dadurch, daß sich der Ehemann, der sich den Tod seiner Frau sehr zu Herzen genommen hatte, nunmehr auch in die Werra stürzte. Zimmers rode. Die Eheleute Wilh. Sieke im benachbarten Schlierbach feierten bei voller geistiger und körperlicher Frische das Fest der goldenen Hochzeit. Mtterdeutlche Sksaten. Braunschweig. Letztens schoß sich auf 'dem Eentralfriedhofe der Invalrde Friedrich Trog auf dem Grabe seiner vor einigen Jahren verstorbenen Tochter eine Revolverkugel in die rechte Schläfe. Der Lebensmüde lebte noch und wurde mit dem Sanitätswagen nach dem Krankenhause befördert, wo er alsbald verstorben ist. Dessau. Frni Julie v. Kugelgen Hierselbst, die Wittwe des anhältbernburgischen Kammerherrn und Hofmalers Wilhelm v. Kugelgen, des Aerfassers der Jugenderinnerungen eines alten Mannes", feierte kürzlich ihren 102. Geburtstag. F ü r st e n a u. Hier brannte das Wohnhaus und 'Stallung des Anbauers Bielefeldt vollständig nieder. Gera. Sein SOjähriges Bürgerund Meisterjubiläum konnte vor Kurzcm der Seilermeister Franz Schreiber hier feiern. Der Fürstregent hat dem Gymnasialprofessor Retslag, der in den Ruhestand übergetreten ist, das Ehrenkreuz 3. Klasse verliehen. K o b u r g. Dm hiesigen Frauenverein ist von einer von hier gebürtigen Dame, v:e nicy: genannt tn wm, ein Kapital von 26.000 Mark überwiesen worden mit der Bestimmung, daß dessen Zinsen, etwa 900 Mark jährlich, zu gleichen Theilen an drei bedürftige hiesige Wittwen vertheilt werden sollen, und zwar vom nächsten Jahre an. M e i n i n g e n. Das 7jähngc Söhnchen des Arbeiters Groß wurde auf dem Nachhausewege von der Schule von der Maschine eines heranbrausenden Zuges erfaßt, zur Seite geschleufort und so schwer verlcht, daß es bald darauf starb. Meuselwitz. Vollständig verbrüht wurde der 17jährige Vergarbeiter Bachmann von hier. Er stürzte auf dem Kohlenwerke Vereinsglück" in ein Vassin, das mit heißem Wasser angefüllt war. Er wurde sofort herausgezogen, hatte aber so schwere Brandwurrden erlitten, daß er nach dem Krankenhause Vergmannstrost" in Halle gebracht werden mußte. Rguhn. Auf dem Möhlauer Vraunkohlenwerk stürzte der Arbeiter August Seidlitz von einer Leiter und war sofort todt. Weimar. Vor einiger Zeit entfernte sich das im hiesigen MarthaMarien - Heim wohnende Dienstmädchen Emma Kübnlenz aus Meiningen. Letztens erhielt die Vorsteherin des Instituts einen Brief des Mädchens, worin es mittheilte, daß es sich das Leben nehmen wolle. Später fand man auch die Leiche des Mädchenö nahe der Duzbrllcke in der Jlm. Sachsen. Dresden. Vor . kurzen beging der Präsident des. hiesigen Merlandesgerichts Dr. Loßnitzer die Feier seines 50jahriaen Jubiläums als
sachlicher Stäat'sdiener. Der Jubi
lar hat seit längeren Jahren seine jetzige Stellung inne. Der Mi nisterialdirektor a. D. Wirkl. Geh. Rath Meusel ist hier im 74. Lebensjähre gestorben. B o ck w a. Die 50jährige JubelFeier der biesiaen Kirche beaina unlängst die Parochie Bockwa-Ober-bohndorf und die Gemeinde Schwedewitz. die bis vor wenig Jahren noch zur Parochie Bockwa gehörte. -Espenhain. Vor kurzem ist auf der hiesigen Gewerkschaft Margarethe der das:lbst mit Montagearbeiten beschäftigte Arbeiter Berger aus Vreilingen vom Gerüst gestürzt und hat sich dabei so schwere Verletzungen zugezogen, daß er bald darauf starb. Glauchau. Im Mühlengraben wurde kürzlich der Leichnam der 21 Jahre alten Tochter des Mühlenarbeiters Reichelt angeschwemmt. LiebeSkummer soll das junge Mädchen in den Tod getrieben haben. Leipzig. In der WaffenHandlung von Strauß zeigte die Frau des Geschäftsinhabers enem Käufer die Handhabung eines Revolvers und setzte dabei die Waffe gegen ihre Schläfe; plötzlich krachte ein Schuß, und die Frau sank schwer getroffen zusammen. Trotz sofortiger ärztlichcr Hilfe trat nach kurzer Zeit der Tod ein. Wie die Patrone in den Revolver gekommen ist, ist nicht aufgeklärt. Oelsnitz. In der hiesigen Grube des Steinkohlenerkes Gottes Hilfe" wurde der Bergarbeiter John erschlagen. Räckelwitz. Ein Opfer seines Berufes wurde hier der Dachdecker Sebastian Schuster. Er stürzte so unglücklich von einem Dache herab, daß er nur als Leiche aufgeho ben werden konnte. S ch ö n h e i d e. Ein schwerer Unglücksfall ha! sich kürzlich hier ereignet. Der ungefähr 40 Jahre alte Steinmetz Robert Vogel, der in einem an der Hauptstraße gelegenen Steinbruch mit dem Abbrechen von Steinen beschäftigt war, glitt aus und stürzte aus einer bedeutenden Höhe in den Steinbruch hinab. Er erlitt eine erhebliche Kopfverletzung und auch schwere innere Verletzungen. Kessen.Darmstadt. D a r m st a d t. Kürzlich waren 50 Jahre verflossen, seitdem die Gnadenberger'sche Maschinenfabrik (Georg Göbel), Inhaber Jean Göbel, gegründet worden ist. Bingen. Der hier stationirte Schaffner Jakob Lippert befand sich auf der Station Neunkirchen in einem Güterwagen, als eine Rangirabtheilung mit großer Gewalt auf den Packwagen auffuhr. Durch den heftigen Stoß wurde der Mann gegen die Wand des Wagens geschleudert, wobei ihm der Hinterkopf zerschmettert wurde. 'Erbesbüdesheim. Letztens stürzte der etwa 80 Jahre alte Privatmann Zimmer die Kellertreppe hinunter und war sofort todt. Gonsenheim. Letztens hatte die Frau des Landwirths August Müller aus dem Ofen Kohlen, die sich noch in glühendem Zustande befanden, in den Kohleakasten ausgeräumt und dann neues Feuer angezündet. Hierauf legte sich die Frau wieder zu Bett. Später wurde die ganze Familie, der Ehemann, seine Frau und zwei Kinder, in bewußtlosem Zustande aufgefunden. Das von den ausgeräumten Kohlen ausgeströmte Kohlengas hatte die ganze Familie schwer betäubt. Eines der Kinder, ein dreijähriges Mädchen, war todt, während es den Aerzten gelang, die übrigen Vetheiligten wieder in's Leben zurückzurufen. Maar. In den Ruhestand verfetzt wurde der Lehrer an der hiesigen Gemeindeschule, Georg Heinrich Ritz, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, und wurde ihm aus diesem Anlaß die Krone zum Silber nen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen verliehen. Wabern. München. Geheimrath Dr. August von Rothmund der bekannte hiesige Augenarzt und Professor an der Universität, ist gestorben. Kürzlich wollte der 64jahrige Privatier und frühere Großhändler 5fa, I hann Braun aus dem nahen Pasino l r w i nacy vier layren. u& er räum den Vorortzua bestiegen batte. wurde von einem Unwohlsein befallen unfc verschied noch während der Fahrt in folge eines Schlaganfalles. Seine Leiche wurde in den östlichen Friedhos verbracht. Adens bürg. Die Schmiede meistersfrau Huber von hier wurde kürzlich während deö Gehenö auf der Bahnstrecke zwifchrn Neustadt a. D. und hier von einem nachfolgenden Zuge zur Seite geworfen und tödtlich verletzt. Bamberg. Dieser Tage feierte der ehemalige Landtagsabgeordnete Wilhelm Marttuö auf fernem Gute Leimershof unweit von hier das Fest I der goldenen Hochzeit. rUßen. Im hiesigen Gesanghat sich der Lackirer Georg Betz von Würzburg an seinem Ledergurt in seiner Haftzelle erhangt. D:e Gründe, die ihn zu diesem Schritt bewogen haben, sind nicht bekannt. Betz wurde wegen Bettelns und grot ben Unfugs in's hiesige Amtsgerichts- , gefängniß eingeliefert. Er war viel fach vorbestraft.
Wiener Brief. Die Aebtissin als erste Hofdame. Die Karriere deö Claquenchefs Wessely. Wie man durch Klatsch" berühmt wird. Ein historischer Tag im Parlament. Der Sieg des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechtes. Die Bestie im Menschen. Tragödie ein:s Pflege-lindes..
W i e n. 4. Dez. Ein Kuriosum absonderlichster Art: Die erste Dame am Wiener Hofe ist augenblicklich eine Aebtissin. Damit hat es nun folgende Bewandtniß: Seit dem Tode der Kaiserin Elisabeth machte m der WienerHofburg bei besonderen festlichen Anlässen die rangälteste Erzherzogin die Honneurs an der Seite des Kaisers Franz Joseph. Zuletzt war das hohe Amt mit aller Würde und Bürde der Erzherzogin Maria Josefa, Gemahlin des Erzherzogs Otto, zugefal len. Nun, nach dem Tode des Prinzen, geht es auf eine Andere über. Die Erwählte ist die Erzherzogin Maria Annunziata, die Stiefschwester des Thronfolgers. Sie ist zur Zeit Aebtissin des Theresianischen adeligen Da menstifts auf dem Prager Schlosse. Freilich sind Titel und Amt in diesem Falle nur halbgeistlicher Art. Die Aebtissin vom Prager Stifte bezieht ein bedeutendes Einkommen, sieht dem Stifte vor und hat Einfluß auf die Vermögenöverwaltung. Sie trägt auch ein malerisches halbgcist liches Kostüm mit einer charakteristischen Tiara, ihre Hand hält bei festlichen Gelegenheiten als Abzeichen ihrer Würde eine Art von Bischofsstab. Kirchliche Weihen braucht sie aber nicht zu empfangen, auch hat sie kein kirchliches Gelübde abzulegen. Sie kann, wenn sie die Stellung aufgibt, was ganz von ihrem Belieben abhängt, so gar eine Ehe eingehen. So war einmal auch die Königin - Mutter von Spanien. Maria Christine. Aebtissin auf dem Hradschin gewesen. Als sich der zwölfte Alfons um ihre Hand bewarb, legte sie Kopfschmuck und Stab der Aebtissin bei Seite und folgte ihm als Gemahlin in das Land der Kastanien und Pronunciamentos. Die gegenwärtige Aebtissin des Prager Stiftes wird nun in der Wiener Hofburg die Stelle der Hausfrau vertreten. Auch den Ballfesten in der Hofburg wird sie vorstehen und das Zei chen zum Tanze geben. Sicherlich ein sonderbares Amt für eine Aebtissin! Ein anderer, gleichfalls recht sonder barer Wiener Würdenträger macht augenblicklich viel von sich reden. Haben Sie schon einmal vom Claquenchef deS Burgtbeaters, Herrn Wessely. gehört? ES wäre sehr wohl möglich. Denn Herr Wessely war in den Tagen seiner be!fallsgescgneten Wirksamkeit ein gar berühmter Mann. Er hatte seinen Tarif. und er beugte Literatur und Kunst erbarmungslos unter sein Joch. Von Sentimentalität besaß er keine Spur. Ihn rührte nicht die Armuth, nicht daS Talent des Dichters. Die schmachten den Blicke der Künstlerinnen ließen ihn kalt. Ihm hatte die Vorsehung ein paar Hönde geschenkt von einer Größe, einem Umfang, einer Schlagkraft, die sie zu unerreichten Werkzeugen des irdischen Ruhms machten. Und er befehligte eine ganze Bande ähnlicher, mäch tiger. schallverwandter Hände. In seinem tschechischen Dialekt setzte er den Künstlern und Autoren mit dem drol ligsten Cynismus die Gebote seines Tarifs auseinander. Wehe, wenn Wessely nicht in Stimmung" war! ES sielen die Stücke und Aktricen durch, als wären sie gar nie dagewesen. Ein berühmter Mann, der große Wessely, und ein Original dazu. In mancher Lokalposse wurde er auf die Bühne gebracht. Plötzlich verschwand er. Damals, als im Burgtheater wenigstens offiziell und bis auf Weileres die Clacque abgeschafft wurde. Es war in kurzer, schnöder, betrügerischer Traum derKunst und Litteratur von Unabhängigkeit, eigener Siegeskraft und anderen schönen Dingen. Nach wenigen Abenden 'schon erschien die Claque wieder auf dem Plan. Aber leider ohne Wessely. Was war aus ihm geworden? Hatte ihn der Un dank seiner Schützlinge verstimmt? Die Verständnißlosigkeit der Direkte ren verscheucht? Ach nein! Wessely war ganz einfach Direktor des städtischen Wahl und Steuerkatasters geworden. Bevor er sich nach Gebühr laut gemacht, hatte er als Schauspieler Schiffbruch gelitten. Vielleicht mag auch das manchem nicht als entsprechende Vorbildung für das wichtige Amt eines Steuerbcamten erscheinen. Aber auf die Gesinnung kommt es an, auf die Gesinnung! Und seine Gesinnung war eine gute. Sein antisemitischer Adoptivvater war Stadtrath geworden und verschaffte unserem Helden das ein trägliche Amt. Wessely legte Wahlli sten an, die alle Freisinnigen mit wild Empörung erfüllten. Ströme von Tin te flössen über sein feindseliges Werk. Und Niemand hatte eine Ahnung davon, daß ein verflossener Claqueur sein Genie darin entdeckte. Jetzt erst komm! es an den Tag, da er ohne Sang und Klang auf dauernden Urlaub" geschickt wurde. In seinen Mußestunden war der Herr Direktor nämlich auch Sekret'ar der Wagner-Genossenschaft gewe sen, und bei dieser wurden böse Unre gelmäßigkeiten entdeckt. Da mußte er
verschwinden. Melleicht aber tauchi et nächstens wieder auf der Galerie des Burgtheaters auf. Eine neue Epoche der Litteratur zu zeitigen, eine neue Generation von Künstlern zum Siege zu führen. Die Hände sind in der Zwischenzeit nicht crlaymt. Sie haben sich nur auf anderem Gebiete bethätigt. Und wagt es einer, zu sagen, auf unrühmliche Weise, o war es sicherlich nur Klatsch. Ein ernstes, weihevolles Kuriosum brachte der letzte Novembertag im Abgeordnetenhause. der Tag. an dem über das Schicksal der Wahlreform entschieden wurde. Das allgemeine Stimm recht aufzuhalten oder zu vereiteln, liegt nicht mehr in der Kraft der Wahlreformfeinde; so versuchten sie es denn auf anderem Wege, die Gleichheit des Wahlrechtes zu vernichten, indem sie für die Einführung der Pluraliiätswahl eintraten. Die Erörterung dieses Antrags zog sich durch mehrere Sitzunqen. Es gab dabei ganz merkwürdige Epi soden.' So hatte beispielsweise der klerikale Baron Morsey behauptet. Bismarck sei ein Revolutionär gewesen, als er dem Deutschen Reichstag das gleich: Stimmrecht gegeben, .und er hätte in seinen späteren Jahren keinen anderen Gedanken gehabt, als dies Ges5enk wieder zurückzunehmen. Von D:rby und Disraeli. die in England der ErWeiterung des Stimmrechts die Bahn geebnet, behauptete derselbe Redner, sie hätten dies nicht aus Ueberzeugung, sondern aus Popularitätshzsche'e: gethan. Der Abgeordnete Kaiser, der Obmann der Deutschen Volkspartei und der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses. verstieg sich zu der Behauptung. daß. wer ein überzeugter Vertreter der landwirthschaftlich.'n und geMerklichen Interessen sei. sich darauf vorbereiten müsse, daß Landwirthschaft und Gewerbe beim allgemeinenS imm recht nicht die ihnen gebührende Vertretung finden, also rechtlos werden würden. Gerade das Umg:kehr!e ist :ichtig. Alle Erfahrungen sprechen dafür, daß beim allgemeinen Stimmrecht zumindest die Vertreter der La7.dwirthschaft sichere Aussicht auf einen starken Mandatszuwachs haben. Die Spannung wuchs von Minute zu Minute, bis es endlich in später Abendstunde zur Abstimmung kam. Das Haus glich zu dieser Zeit einem Bienenschwarm. Alle Parteien halten ihre Mitglieder einberufen, die Wahlre formfreunde wie die Pluralisten. Man sah viele Abgeordnete, die außer an Diätentagen nie im Hause erschienen. Und alles in größter Spannung und Ungeduld. Die Abstimmung wurde durch Namensaufruf vollzogen. Sie dauerte gut eine Stunde. Endlich verkündete der Präsident, daß der Pluralitätsvertrag mit 201 gegen 143 Stimmen abgelehnt sei. Ein Jubel geht durchs Haus. Die Galerien applau diren mit. Dann folgte ein allg:meines Beglückwünschen und Händedrücken. von dem sich nur die Wahlreformgegner ausschlössen, die mißmuthig und in schlechter Laune sich davon schlichen; die Wahlreform hat die gefährlichste Klippe umschifft. Jetzt kann ihr kaum mehr etwas geschehen. Selbst das Wiverstreben des Herrenhauses wird sie nicht zu Fall bringen können. Und zum Schl'iß ein Kuriosum traurigster Art: Ein Blick in das verrohte Herz eines zur Bestie gewordenen Menschen. Vor dem Kreisgricht in Korncubürg fand der Prozeß gegen den Ziegclschläger Jakob Eignor statt, der scin zweieinhalbjähriges Ziehlind durch fortgesetzte Mißhandlungen zu Tode gemartert hat. Die vom Staatsanwalt Dr. Klingspor vertretene Anklage führt aus: Am Abend des 15. August erschien der Ziegelarbeitrr Jakob Eigner aus Oberfulz bei ttm dortigen Gemeindearzt Dr. Rausnitz und erbat Hilfe für das zweieinhaldjährige Kind seiner Geliebten, das angeblich beim Baden vikl Wasser geschluckt habc und nun erbreche und zu ersticken drohe. Der Arzt fand dro kleinen Hermann Eigner bewußtlos, schwer röchelnd und mit einer merkwürdigen Starre dcr Muskula tur, die zeitweise durch epileptische K kämpfe unterbrochen wurde. Außerdem konsiatirte der Arzt Striemen und Hautabschürfungen am ganzen Körpe: und einen verheilten Bruch beider Knochen des linkrn Unterschenkels. Die Aerzte erklärten es als zweifellos, daß das Kind mit einem harten Werkzeug geschlagen worden sein müsse. Die Erhebungen förderten ein sehr belastendes Material ge.cn Eigner zu Tage. Eigner war im Januar d. I. mit der Josefa Senftner in gcmeinsamen Haushalt gezogen. Die zwei Kinder dcr Senftner mögen ihm als unnütze Kostgänger im Wegc gestanden sein und seine Rohheit herausgefordert haben. Er mißhandelte sie in furchtbarer Weise. Den Gipfelpunkt der Nohheit stellt aber die Behandlung dar. die Eigner am 15. August dem zweieinhalbjähr! gen Kind zu Theil werden ließ. Schon am Vormittag schlug er es mit einem Kochlöffel 'derart auf das Auge und den Rücken, daß der Kochlöffel in Stücke ging. Am Nachmittag war ihm in Abwesenheit der Mutter' die Aufficht über das Kind anvertraut, das sich im Freien vor dem Hause hcrumtummclte. Plötzlich sahen die Nachbarskinder. wie Eigner den Knabcn mit eimm Kochlöffel schlug, auf die Erde warf, an die Hausmauer anschlug und dann in einen Waschtrcg, dessen Was
ser voll Schmutz und Waschblau war, hineinwarf. Im Waschtrog packte er das Kind und würgte es, dann schleifte er es ins Haus. Als kurz darauf Frau Bauer an dem Hause vorüb:rging. sagte ihr der vor der Thür stehende Eigner: Jetzt werd' ich den Bubn auf ein unrechtes Fleckerl g:troffn haöi.n; jetzt ist er weg. Er lebt zwar noch, aber aufstehen thut er nimmer." Thatsächlich erlag das Kind nach anderthalb Tagen den erlittenen Verletzungen. Die Anklage gegen Eigner lautcke auf schwere Körpcrvcrleyung und Todtschlag. Dcr Angeklagte gestand zu. daZ Kind mißhandelt zu haben, erklärte jedoch, daß es sich durch arnn Sturz von einer Stiege den Tod geholt habe. Die Gerichtsärzte erklärten in ihrem Gutachten, daß der Tod des Kindes ebensogut durch den Sturz von der Stiege erfolgt, wie eine Folge der Mißhandlung sein konnte. Ter Ge richtshof beschloß daher, auch eine Eventualfrage auf fahrlässige Tödtung zuzulassen.' Die Geschworenen verneinten die Frage auf schwere Körperbeschädigung und'die Frage auf Todtschlag. bejahten dagegen einstimmig die Eventualfrage auf Vergehen der fahrlässigenTödtung. Der Gerichtshof verurtheilte hierauf in Gemäßheit dieses Verdiktes Jakob Eigner zu zehn Monaten strengen A rests. Der Staatsanwalt meldete di? Nichtigkeitsbeschwerde an. tm m m Ausländische Nachrichten. f Statt st ik des Frauen st u diums a n den deutschen Universitäten. Im laufenden Winterhalbjahr sind an den sicbm Universitäten, die Frauen als ordentliche Studenten zulassen, nämlich an den drei bayerischen, den zwei badischen und an den Universitäten Leipzig und 'Tübingen. 254 Frauen als vollberechtigte Studentinnen eingeschrieben gegen 211 im letzten Sommer, 140 im Winter des Vorjahres und 137 im Sommerhalbjahr 1905. Ihre Zahl steigt demnach von Semester zu Semester, sie hat sich seitdem nahezu verdpelt. Außer diesen immatrikulirten Studentinnen befinden sich! unter den vielen weiblichen Hörern der übrigen Universitäten eine erhebliche Zahl Berufsstudentinnen mit abgeschlossener Vorbildung. die sich aber nicht bestimmt feststellen läßt, da die Personalverzeichnisse hierüber keinen Aufschluß geben. Während bisher stets mehr als die Hälfte sämmtlicher Studentinnen sich dem Studium der Med'zin widmete, ist jetzt ein starker Zugang zu den philologischen Fächern vorhanden; Medizin studiren 116 (gegen 108 im Sommer 1906). Philosophie. Sprachen oder Geschichte 92 (66). Mathematik oder Naturwissenschaften 23 (22). Kameralwissenschzft 9 (10), Rechtswissenschaft 5 (4). Zahnheilkunde 4 (1). Die meisten Studentinnen hat in diesem Semester München, nämlich 90 (gegen 55 im vergangenen Sommer), 58 sind in Heidelberg eingeschrieben (gegen 57). 49 studiren in Freiburg i. B. (geg:n 58). c3 in Leipzig (gegen 27), 13 in Würzig (gegen 8), 7 in Tübingen (gegen 5), 4 in Erlangen (gegen 1). Beisetzung des Prinzen Karl von Baden. Am 7. Dezember fand zu Karlsruhe im Palais des verewigten Prinzen Karl in Anwesenheit des Großherzogs, der Großher zogin und der großherzogllchen Fsmili, ein Trauergottesdienst statt, zu welchem die fremden Abgesandten, die diplomatischen Vertreter, di: Hofstaa ten. die Mitglieder des Staatsminijte riums. sowie Vertreter der Militärund Zivilbehörden' erschienen waren, 12 Unteroffiziere trugen den Sarg zum Leichenwagen, dann bewegte sich der Zug unter militärischer Eskorte zum Mausoleum im Fasanengarten. D?rn Sarge folgten in Wagen der Großher zog mit Prinz Eitel-Friedrich von Preußen als Vertreter des Kaisers, die Großherzogin, der Sohn des Verflor denen Graf v. Rhena. sowie die Fürst lichkeiten und hohen Offizier und V amten. Im Mausoleum hielt Oberkir chenrathsflräsident Hclbing eine kurze Trauerandacht ab, dann wurde - der Sarg in die Gruft gctratzen. Dem Wunsche des Verstorbenen entsprechend war die Trauerfeier so einfach wie möglich gestaltet worden. Affenkomödie. Ein rührendes Bild vom Vagantenelend und zugleich eine Probe vom Deutsch mancher Gerichte gibt eine Bekanntmachung de5 Amtsgerichts Chsrlottenburg. Sie lautet: Gegen den Drehorgelspieler Luigi Resmini aus Rummelsburg bei Berlin. Bahnhofstraße 21, jetzt unbekannten Aufenthalts, geboren am 16. Juni 1879 zu Pellegrini in Italien, katholisch, angeblich nicbt bestraft, ist auf Antrag der k. Staatsanwaltschaft durch Strafbefehl wegen der Beschuldigung. außerhalb seines Wohnortes zu Grunewald am 17. Februar 1906 auf öffentlichen Wegen beziehungsweise Plätzen beziehungsweise von Haus zu Haus mittels einer Drehorgel beziehungsweife unter Schaustellung ei nes Affen bei Umgehung der zu zahlenden Jahressteuer mit 24 Mark ein Gewerbe im Umherziehen ausgeübt zu haben, eine Geldstrafe von 48 Mark festgesetzt,Ein Ueber-Ehepaar. Sieh' mal. ich dachte, die Müllers scheiden sich?" Jawohl, die machen eben jetzt ihre Cchcidungsbesuche."
