Indiana Tribüne, Volume 30, Number 119, Indianapolis, Marion County, 11 January 1907 — Page 5

Jndiana Tribüne, II. Januar 190?

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Zlnser täglich ZZrot. Novellette von C. Gerhard. So ist Dein Haltung herrlich. mein Lieb! Wie gut Du mich ber. stehst!" Befriedigt ruhte das Auge des Ma lers auf der hohen Frauengestalt. die auf einem Podium stand. Ein weißes Gewand von kostbarem Stoff und antikem Schnitt umgab die königlichen Glieder, güldene Spangen umschlossen die entblößten Arme, ein Dl'adem ruhte in dem rothzoldenen gelösten Haar. Jede Linie des Körpers, der Ausdruck des schönen Gesichtes drückte edlen Stolz. Auflehnung gegen widerfahrene Schmach aus. Mit Meisterhand übertrug der Künstler diese Gestalt aus ein Kolossalgemälde. Es stellte das Innere des Schiffes dar. auf dem Belisar den gefangenen Gotenkönig Vitiges und seine Gemahlin nach Konstantinopel führte. Den Mittelpunkt des färbenprächtigen. figurenreichen Bildes nahm die entthronte Fürstin ein, in der der Maler sein Weib verewigte. In rastlosem Schaffen entfloh ihm die Zeit, endlich ließ er den Pinsel fallen und sagte froh: Diese Stunden gaben mir viel. Geliebte, und nun sollst Du für heute Ruh haben. Nur noch wenige Tage, und das Werk zweier Jahre ist vollendet!" Sie trat zu ihm, da küßte er sie voll Dank. Du machst mich so glücklich, meine Helga, und hast mich zu dieser Sch'öpfung begeistert, die mir sicher den heißersehnten Ruhm bringen wird." Matt lehnte sie an seiner Brust, und plötzlich stürzten Thränen über ihre Wangen. Was ist Dir. Helga, Geliebte? Hab' ich Dich ermüdet? Doch nein, das Uebermaß des Glückes läßt Dich weinen, nicht wahr?Sie nickte mit seltsamem Lächeln. Laß ruch nun gehen, Eberhard, die Kinder werden nach mir verlangen." Die Kinder, die auch auf meiner Leinwand verewigt sind! Grüße sie!" sagte er in innigem Ton, ich will noch fleißig sein." Das Zimmer, das die junge Frau betrat, bildete in seiner einfachen, fast dürftigen Einrichtung einen seltsamen Kontrast zu dem mit Verschwender!schr Pracht ausgestatteten Atelier. Nur einzelne kostbare Stücke zeugten noch von ehemaligem Glanz. Jauchzend sprangen die Kinder auf und drängten sich an die Mutter Uz fünfjährige Knabe, des dunkelhaarigen Vaters Ebenbild, zwei kleine Mädchen mit lockigen Engelsköpfen. Wie schön Du bist, Mutter!" sagte Gerd bewundernd. Wie gern muß Vater Dich malen! Auch ich will ein Künstler werden!" Werde alles andere, nur kein Künstler!- erwiderte sie fast hart. . Verständnißlos starrte er sie an. Da wisperte ein silbernes Stimmchen: Ich habe Hunger, Mutti," und ein noch zarteres: Lissi auch Hunger. Mutti!" . Eine flackernde Nöthe überlief das Antlitz der Frau, sie ging zum Büfett und sagte dumpf: Nehmt jetzt die beiden Brötchen, später gehe ich aus, und danach bereite ich Euch ein gutes Mahl." Der Knabe theilte ein Brötchen unter die Schwestern, die Hälfte des andern reichte er der Mutter. Kosend strich sie über seinen Lockcnkopf. Iß es allein, mein Junge, ich ich hab' keinen Appetit." Aber Du hast gestern fast nichts genossen und heute kaum Kaffee getrunken!" Ich hole es morgen nach. Liebling. Erzähle nun den Schwestern ein Märchen!" Ja. ein Märchen von der Fee Wunderhold, die Deine Thränen trocknen wird, Mutter!" Mit feuchten Augen trat sie in die Schlafkammer, hastig löste sie den echten Schmuck aus den Haaren, von den Armen, streifte das kostbare Gewand ab, das sie aus ihrem Hochzeitsstaat geschnitten, und schlüpfte' in ein schlichtes, graues Kleid. Dann sank sie in die Knie, ihr Leib bebte, ihre Hände falteten sich, und von ihren Lippen kam wie ein Cchrei ein Gebet, immer dieselben Worte, anklagend, bittend, heischend: Unser täalich Brot, unser täglich Brot...!" Daß sie es vermochte, die Empsindüngen der Gotenfürstin so Lberzeu gend zum Ausdruck zu bringen kein Wunder war's! Auch sie schmachtete unter einem Joch, dem Joch der Armuth, der vor ihrem Gatten heimlich getragenen Noth. Er, der weltfremde Künstler, der zu schaffen, doch

nicht zu erwerben verstand, sollte durch die gemeine Sorge nicht gehindert werden in seinem Flug' zur Sonne. Mit dem Heldenmuth, den nur die Liebe gibt, rang sie schweigend. allein gegen das unerbittliche Geschick und war noch froh, daß Eberhard von den Veränderungen um ihn her nichts merkte, daß- er ihre Verzweiflung nicht ahnte. Aber wie lange noch wurde sie die Kraft behalten zum harten Kampfe, wie lange sich noch immer ein Ausweg finden lassen? Ach, wie recht hatte er behalten, ihr Oheim, in dessen reichen Hause sie nach -dem frühen Tode- ihrer Eltern gelebt: Thränen und Sorgen werden Dein Theil sein!" Nur in einem hatte er-sich geirrt: unwandelbar treu war Eberhard ihr aeblieberi. und sei

ne Liebe entschädigte sie. dafür, daß die Verwandten sie, verstießen. Aber er war kein guter Haushalter; von dem Ertrage eines größeren, nach Amerika verkauften Gemäldes richtete er mit künstlerischem Geschmack die Räuir.e für sein junges Glück ein, mit verschwenderischer Hand überschüttete er sein schönes Weib mit kostbarem Schmuck, sie mußte ihn auf einer Studienreise nach Italien begleiten. In Glanz und Duft gehüllt lag diese Zeit vor Helgas rückschauendem Blick. Nach der Heimkehr begab sich Eberhard mit neuer Lust an ein großes historisches Gemälde: Cäsars Tod. Jahre vergingen, bis er es fertig stellte, und- dann erregte es wohl Aufsehen und erwarb seinem Sch'öpfer die Achtung seiner Kunstgenossen; aber niemand kaufte es. Für einen Privatmann war es zu kostspielig und zu kolossal; für eine Galerie wurde es nicht erworben, weil es Eberhard an Protektion fehlte. Doch er sorgte sich nicht darum, er glaubte an seinen Stern! Und immer wieder malte er die geliebte Frau, die holden Kleinen; aber um keinen Preis hätte er diese Porträts anderen überlassen. Nach schwerem Kampf erst hatte er sich entschlossen, Helgas Gestalt und Antlitz für den Belisarstoff zu benutzen. Lächelnd hatte die junge Frau dem Gatten nach der italienischen Reise die Führung der Finanzen abgenommen; doch bald trug sie dieses Amt als schwere Last. Eberhards geringes Vermögen, ihr winziges mütterliches Erbtheil ward angerissen und allmäh lich. allmählich aufgezehrt. Der reiche Besitz, den einst ihr Oheim ihr zugedacht, fiel ihrer Heirath wegen milden Stiftungen zu. Wohl hätte Eberhard sie leicht den Sorgen entreißen können. wenn er kleine Bilder gemalt, dem Geschmack des Tages entsprechend. die sicher schnelle Abnehmer gefunden; aber so oft hatte er verächtlich von den Künstlern gesprochen, die ihre Kraft in der Frohnarbeit verzettelten. Wie hätte sie ihn denn darum bitten können? Auch schlug sie ihm keinen Wunsch ab; stets hatte er eine gefüllte Börse für beliebige Ausgaben, für Bezahlung der theuren Modelle, stets sorgte sie, daß er alle Jahre einige Wochen im Gebirge, an der See zubrachte, um sich zu erholen und neue Anregungen zu sammeln. Sie selbst versagte sich jede Freude, jeden harmlosen Genuß; sie verfertigte mühsame Stickereien, sie verkaufte einen Theil ihres Schmuckes, ihrer Einrichtung. Aber was sollte werden, wenn diese Hilfsquellen .versiegten? Beklemmend legte sich ihr die Angst auf Herz und Sinn. Gott, hilf, gib uns unser täglich Brot!" Es war ihr Morgen- und ihr Abendgebet. Zum ersten Male hatten die Kinder heute kein Mittagbrot gehabt, aber sie mußten entschädigt werden. Unruhig durchwühlte sie ihren Schmuckkasten. Kaum etwas von Werth mehr; doch sie konnte das Diadem, die Spangen aus unedlem Metall herstellen lassen, die Originale verkaufen. Eberhard würde es nicht merken, und es brachte Hilfe auf Wochen hinaus. Als die Dämmerung anbrach, rüstete sie sich zu dem schweren Gange. Ach, wie totele Demüthigungen hatte schon ihr stolzes Herz um des geliebten Gatten willen ertragen! Die Tage gingen dahin, immer plastischer, immer lebenswahrer hob sich die Gestalt der Gotenfürstin aus dem Gemälde, und endlich war es vollendet. In seligem Stolz standen die Gatten davor, und Eberhard beschloß, eine kleine Feier im Atelier zu veran stalten. Helga willigte ein, sie hatte ja noch Geld. Sie gewann es über sich, an dem Feste theilzunehmen in jenem weißen Gewände doch ohne Schmuck; sie plauderte und scherzte mit den Künstlern und Kunstfreunden; jeder bewunderte sie, und niemand ahnte, welch fieberndes, sorgendes Herz unter der seidenen Hülle schlug. Eberhard holte seine holden Kinder in den Saal, und die Freunde priesen begeistert sein vollkommenes, makelloses Glück. Und doch hörte Helga aus allem Lob des Bildes heraus. daß niemand an die Möglichkeit seines Verkaufs dachte. , Auch diese letzte Hoffnung dahin ! Einige Tage später kam Eberhard froh erregt zu Helga. Carlo Mi' lardo hat mir geschrieben." rief er. Er hat sich in München beim Anblick meines sterbenden Cäsars an mich erinnert und bittet mich, ihn nach Belguardo zu begleiten, von dort Rom mit ihm zu durchstreifen. Gerne folge ich seiner Bitte, aber die Trennung von Euch und die Kosten " Laß sie meine Sorge sein, und wir wir begleiten Dich in Gedan ken." Mein theures Lieb. Deine Güte beschämt mich!" Ein Seufzer zitterte über ihre Lippen, als er. gegangen, und dann suchte sie in Hast das stets noch bewahrte, einzige Andenken an ihre Mutter, ein Brillantkreuz, hervor. Wenn sie es jetzt verkaufte und einige noch entbehrliche Möbel, konnte Eberhard zum Conte Milardo reisen. Plötzlich grub sich eine Falte in ihre Stirne. Dieser Mann war ihr Feind. Wohl sah er sie nie. aber einst schrieb er , an Eberhard: Nimm Dir kein Weib und besonders kein armes. ES wird Dir ein Hemmniß

sein." Ohne Ahnung von dem In halt hatte ihi der Verlobte denBrief gegeben. Ein Hemmniß nein, noch war sie" es nicht, noch hatte er unberührt von Sorgen seinem . Genius folgen dürfen. Aber nun. da jedes Mittel erschöpft ist, da konnte es wahr werden, das traurige Wort! Da würde die fromme Lüg zerfallen, da würde er den Abgrund sehen, an dem -sie standen, da würde auch er, unfähig, sie zu ernähren, darben müssen! Nein, nein, er durfte nichts erfahren, er mußte bei seinem reichen Freunde bleiben, wo er nichts entbehren würde. Sie aber und die Kinder sie waren zu viel auf der Welt! Hatte sie es laut gedacht, es hinausgeschrien das grausame Wort? Nein, doch Wahrheit bleibt's ... Zuviel auf der Welt! Und ihre Kinder sollen nicht wie Proletarier aufwachsen, nicht einst betteln müssen. Also sterben! Faßt Du es ganz, das Furchtbare, Du arme Mutter? Sie greift sich an die Stirn. Einen Ausweg gibt es noch. Einer der Künstler, der auf dem Feste war und

den sie haßt, weil er ihr stets von :hrer Schönheit spricht, hat ihr angedeutet, daß er für ein Modell wie sie als Kleopatra, Helena. Gretchen ein Vermögen hingeben würde. Ein Augen5lick der Versuchung das Leben, das Glück lockt! Nein, nein, nein, nur Dir diene ich mit allem, was ich habe, mein Eberhard! Und Dir bringe ich mein schwerstes Opfer! Fassungslos schluchzend liegt sie beim Abschiede in ihres Gatten Arm. Dann beginnt sie eine fieberhafte Thätigkeit, sie arbeitet, ohne Ende, um noch kleine Schulden zu decken und ein. Sümmchen zu hinterlassen für ihr Begräbniß. Wie der Gedanke an ihr Vorhaben sie martert, die Sehnsucht nach dem Gatten sie quält, der Anblick der Kinder sie foltert! Und doch reißt sie sie oft an sich und erstickt sie fast mit ihren Küssen. Ganz sanft, im Schlaf, durch Kohlendunst sollen sie von dem Elend, das ihrer wartet, befreit werden, und sie mit ihnen. Immer bleicher wird ihr Antlitz, immer glühender ihr Blick, immer bohrender der Schmerz in den Schlä fen. Nun noch ein Tag, dann ist die Arbeit ihres Lebens gethan, dann soll's geschehen! Aber am Morgen liegt sie in irren Fieberphantasien, der herbeigerufene Arzt stellt eine schwere Gehirnentzündung fest. Am Abend kehrt Eberhard zurück, vom Grafen begleitet. Bange Ahnung, durch Helgas seltfames Wesen beim Abschiede hervorgerufen, hat ihn hergetrieben. Er findet sie todtkrank! Sie erkennt ihn nicht, in wirren Worten entschleiert sie ihre Noth, ih Seelenqual, ihr Vorhaben, und dazwischen fleht sie: Unser täglich Brot unser täglich Brot ..." Niedergebrochen in fassungslosem Schmerz, achtet er nicht des Sinnes ihrer Reden; doch' der Graf versteht sie nur zu gut und begreift aus ihnen und den harmlosen Antworten der Kinder alles. Ehrfürchtig steht er vor diesem still getragenen Heldenthum, und der Wunsch, zu helfen und gut zu machen, woran auch er gefehlt, wird mächtig in ihm. Doch erst muß sie genesen, die ärmste Frau! Alles geschieht, was Wissenschaft und Pflege vermögen. Sie ist gerettet; aber eine müde Schwermuth liegt auf ihren Zügen. Da tritt eines Tages Eberhard an ihr Lager; er überschüttet mit Gold und Kassenscheinen und jubelt: Carlo hat den Belisar zu einem schwindelnd hohen Preise gekauft; er schenkt das Bild der Stadt Nom. vorher aber soll es die Welt durchziehen. Und dann erhielt ich den Auftrag, Weibestreue zu verherrlichen. Wer könnte es besser als ich. dem Du gehörst, mein Weib!" Verklärt lauscht sie ihm. ihre Augen suchen ihre Kinder. Dem Leben erhalten, begnadigt! Und mit Inbrunst betet sie: Gott, ich danke Dir. daß Du uns täglich Brot schenktest..." ,,2Sürflurr." Cin durch die Ardennen reisender Amerikaner machte in einer kleinen. weltentlegenen Herberge Halt, um eine Tasse Kaffee zu trinken. Cr bekam keinen Zucker und fragte danach. Die Kellnerin .bat ihn zu warten. bis die Gäste am Nebentisch ein WUrfelspiel beendet haben würden, für das die Stücke mit Bleistiftpunkten correkt von eins bis sechs markirt waren. Der Reisende trank seinen Kaffee bitter und kann deshalb nicht sagen, ob die Bleistiftpunkte vielleicht extra in Rechnung gestellt worden wären. Der Vogel Strauß und das Kamel. Der Vogel-Strauß und das Kameel waren um die Wette gelaufen, und keines hatte das andere überwunden,. .Im Lauf bist. 2hi mir gleich-, sagte der Strauß zum Kameel, aber meine Federn 'stellen mich über Dich." .Deine Federn? antwortete das Kameel verächtlich, dafür habe ich meinen Buckel! Und stolz ging ti von dannen. r '

Impfung des Eliampagncrs. Neues Verfahre zur Verbefferung der u& Utät c situ Rebsstck. In der Champagne, wo man noch immer unablässig bemüht ist, dem weltberühmten Erzeugniß dieser sonst von der Natur nicht gerade reich bedachten Landschaft neue Berbesserungen zuthcil werden zu lassen, spricht man neuer dings sogar von einer ..Chirurgie des Champagnerweins." Die Aufgake. die sich diese Wissenschaft" gesetzt hat. zielt darauf ab. durch den Kork der Flasche hindurch in den Champagner, der bereit in Gährng übergegangen ist, also unter einem Kohlensäuredruck von etwa fünf bis sechs Kilogramm steht, gewisse Flüssigkeiten einzuführen, ohn: daß irgend etwas von dem flüssigen oder gasigen Inhalt de? Flasche cntweichen kann. Die Stoffe, die man eventuell hinzuzufügen geneigt sein könnte, wären Lösungen von Gerbstoff, Alkohol oder verschiedene Fermente od:r andere chemische Verbindungen. Es könnte auch wllnschenswerth erscheinen, eine gewisse Menge des Weins durch einen anderen Wein zu ersetzen. Bis jetzt sind die einmal verkorkten Flaschen, in denen der Champagner der Gährung überlassen wird, ein noli me tangere" (Rühr mich nicht an) gewesen. Nachdem die zweite Gährung beendet war. mußte das Ergebniß einfach hingenommen werden, ob es nun gut oder schlecht war, und die Leute, die sich eine wirkliche Feinschmeckern im Champagner haben aneignen können, werden diesen unvollkommenen Zustand oft mit ihrem Gaumen herausgefunden haben. Der Chemiker Bourgeois hat nun ein Verfahren erfunden, das vielleicht eine Umwälzung in der Fabrikation des Champagners herbeiführen wird. Es besteht in einer, in Epernais bereits im Gebrauche befindlichen Maschine zur Impfung des Weins in Flaschen. Der Kork wird an einer Stelle, nachdem er dort von etwa faulig gewordenen Theilchen der Oberfläche, die zur Verunreinigung führen könnten, gesäubert worden ist. von einer langen hohlen Nadel durchbohrt. Mit 5ilfe dieser Nadel wird diejenige Flüssigkeit, die man dem Wein zuzusetzen gedenkt, unter einem Drucke eingeführt, der den im Innern der Flasche herrschenden Druck in genügendem Grade übertrifft. Die Nadel vermag in ihrem Hohlraum einen bis zwei Kubitcentimeter zu fassen. Das durch den Stich verursachte Loch wird sofort durch einen kleinen Splitter von hartem, mit Paraffin überzogenem Holz vollkommen luftdicht wieder verschlossen. Man kann Flaschen auf diese Weise mehrmals impfen, ohne daß selbst nach Monaten der geringste Verlust an ihrem Inhalt stattfindet. ' Wer itt die Geheimnisse der Champazneroereitung . nicht eingeweiht ist, wird es nicht gerade für wünschenswerth halten, daß durch ein derartiges Verfahren dem Wein irgendwelche Chemikalien zugesetzt werden können. und wird vielmehr glauben, daß dadurch der Verfälschung Thür und Thor geöffnet wird. Es bandelt sich aber doch um etwas Anderes. Bei der Gährung - des Weines entstehen gewisse Ausscheidungen und Niederschläae. die von den französischen Fachleuten als Barren und Masken bezeichnet werden, die u beseitigen oder unschädlich zu machen, für die Güte des endziltigen Weins von größter Wichtigkeit ist. Äußcrdem entstehen auch während der Gährung gewisse besondere Verbindungen. die das Produkt verderben können.

Diese ungünstigen Einslüs'e können aus chemischem Wege, ohne daß eine irgendwie gesundheitsschädliche Wirkung ausgeübt wird, aufgehoben werden. aber nur. wenn der Wein, ohne daß die festcerkorkte Flasche geöffnet wird, zugänglich ist. Diese Möglichkeit aber gibt das neue Jmpfverfahren. das, wie gesagt, als Chirurgie des Champagncrs benannt worden ist. Vettlcrzeitung uuv -Vinknnste. Die Bettler in Paris haben ein besonderes Fachorgan. das ihren geschäftlichen" Interessen dient. Bcsonders instruktiv ist der Jnseratentheil, in dem die Abonnenten Plätze" suchen und anbeten. Da liest man: Gesucht ein Blinder, der gut Flöte spielt." Cin anderer Inserent, der sich offenbar vom Geschäfte zurückziehen will, annoncirt: Cin sehr guter Platz in belebtem Wintcrkurort fii: einen einarmiaen Mann zu vergeben. &ar.$ Arrnlose bevorzugt. Referenzen rrrlangt unti'otcn. BaarDepot erforderlich." ' . Ein: Vorstellung davon, wie glänzend sich übrigens manchmal tüchtige" Bettler stehen, erhält man aus einer Nachricht aus der belgischen Unirersitc.tsstadt Löwen, wo kürzlich ein der Zunft" Angehöriger starb, der als armer KrLp'-.'l" vor der dortigen Peterskirche zu stehen pflegte. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fand man. daß er ein Bankkonto von 200, 000 Francs (.$38,600) besaß und über zwei reich ausgestattete Gorderoben verfügte, von denen die eine seine Bettlerkleidung in allen Gattungen, die andere eine elegante moderne Ausstattung enthielt. ' T ie ersten Pflüge, welche in diesem Lande zur Verwendung gelangten, waren aus Gußeisen hergestellt. Diese Pflüge waren jedoch, nicht beliebt wegen des herrschenden Aberglauben?, daß daS Metall die Erde v. gifte.- - - . .

:-!"!-I"I"M"I-l-I"!-l"l-M"I"l-M-M"l"M-I i Ausland '.,Mt..'wMT1...T,.V.t.,, .,.ttt "rrrrrrv.rv4n:In'iT Thier-Monstrum, In Al-, tersleben, Provinz Sachsen, kam ein Kalb zur Wett, das am Kopf zwei Mäuler und vier Augen hatte. Das Thicr blieb nicht am Leben. Stahlen einen Gold klumpen. Aus dem Goldschmelzlaboraiorium zu Jrkutsk, Oststdirien. stahlen Unbekannte einen 167 Pfund wiegenden Goldklumpen zum Werthe von90,000 Rubel ($48,350). Abgesagte Trauung. Cine in Apolda. Thüringen, angesetzte und in Küche und Keller von den Eltern for Braut auf's bcse vorbereitete Hochzeit konnte nicht stattfinden, weil der Bräutigam 48 Stunden vor der bestellten Trauung verschwunden war. An die Braut hatte er einfach telepho nirt: Bin fort Schluß!" Belohnter jugendlicher Lebensretter. Dem elfjährigen Schulknaben Hubert Wunderlich von OelZnitz. Sachsen, der ein vierjähriges Kind mit Muth und Entschlossenheit vom Tode des Ertrinkens rettete, ist von der Kreishauptmannschaft Zwickau ein Sparkassenbuch mit 25 Mark Einläge als Belohnung bewilligt worden. Einsturz e i i: c 9 'Steges. Als etwa 2000 Arbeiter einer Fabrik in St. Petersburg beim Nachhausegehen einen schmalen Wassersieg passirten, um an das andere Ufer der Newa zu gelangen, brach der St'g zusammen. Etwa 100 Arbeite? befanden sich gerade daraus. Die Arbeiter fielen auf das Eis und sodann Zn's Wasser. Elf Arbeite? wurden gerettet, die übrigen ertranken. Brandstiftung aus Rache. In Neukcnroth. Qberfranken. hat in einer Nacht ein Brand das Schulhaus. Theile des Pfarrhauses, da Bauernth-aterhaus und fünf Scheunen eingeäschert. Als Brandsiifter wurden zwei 20jährige Burschen verhaftet, die das Bauerntheater au? Rache dafür in Brand gesteckt hatten, daß sie. trotzd?m sie erst spät in eine Vorstellung kamen, noch Eintrittsgeld zahlen mußten. Zersprungener Schleifst e i n. In Siegelsdorf. Mittelfranken. svranl'en beim Schleifen eines Maschinenmessers auf einem mit Motor kraft betriebenen Schleifstein dieser und das Messer plötzlich entzwei. Ein Theil des Messers traf den am Schleifstein stehenden 25jäh?igen 5knecht so unglücklich am Kopf, daß ihm das Gesicht entzwei geschnitten wurde und er todt zu Boden sank. Ein Stück des Schleifsteins flog durch das Dach und zertrümmerte dieses. Geld vom Sturm weggeweht. Der Kassenbote der Cbemischen Werke von Dr. Hecker & Zeidler in Fürstenwald: an der Spree, Brandenburg, sollte 2500 Mark in Papiergeld nach der Stadt bringen. Als er zur Fahrt über die Spree das Boot benutzen wollte, entriß ihm ein plötzlich einsetzender Wirbelwind die an Bord niedergelegte Mappe und warf ste mit dem werthvollen Inhalt in die Spree. Die Mappe schwamm noch kurze Zeit auf dem Wasser umher, dann wurde sie von den Wellen verschlungen. Die ruhest'örenden Hunde. Vom Schöffengerichte in Halle a. S. wurde eine Zimmervermietherin wegen groben Unfugs zu 20 Mark Geldstrafe verurtbeilt, weil sie wahrend der großen Studentenferien 27 Hunde in Verwah runz genommen hatte, die durch ihr Gebell einen Heidenspektakel machten und di? ganze Nachbarschaft in Aufruh? brachten. Ter Polizeibeamte, der auf die B:schwerd? der Nachbarschaft hin das Haus betrat, bekam keinen g:ringen Schreck, als ihm plötzlich 15 von den 27 Hunden cntqegenspranqen; die anderen 12 befanden sich glücklicherwe:e im Stalle. Waldmensch. Nach Suhtrop. Westfalen, kehrte, vou Heimweh getrieden. ein geborener Suht?oper zurück, der lange Jahre in Australien gelebt hatte. Das mod:rne Kulturleben scheint ihm aber nicht zu lehagcn. Er ha! sich im Walde eine Art primitive Urwaldshutte errichtet und auch da dazu gehörige bescheidene Mobilia? und allerlei Ceräthschaften selbst angese?' tigt. Hier fühlt sich de? Mann, d:? übiigcns seinen zah!r:ichen .Veucr:? unkezrenzte iZastfreundschzf! gewähr!' und anregend von seinem australischen Wanderleben erzählt, ganz .zu Hausewie. im australisch? Busch. Gestörte VerbrecherHochzeit. D 28jährige Di?bin Nosa Strumpf war auf die Dauer von zehn Jahren aus Budapest ausgewiesen worden und sollte in ihre Heimath abgeschoben werden. Um ihre Zuständig seit nach Budapest zu erlangen, ließ sie sich mit dem Gewohnheitsdieb VojcSek trauen, dem ste dafür' 40, Kronen ($8.12) und einen neuen Anzug versprochen hatte. Ein reisender Taschen dieb hatte dem jungen Paare" seine Wohnung zur Verfügung gestellt, und bald versammelten sich die Hochzeiisgaste. Als di: Fiaker schon vor dem Thore standen, um das Brautpaar mit den Gästen zum Standesamt zu bringen. erschienen Detektivs und nahmen die ganze, aus zwölf Mitgliedern be-stehende-Gesellschaft, durchweg gute, al'e AeZannte der Polizei, in Haft.- .

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stenbuch, das eme Gefammtemnahme. von 5306,599.53 auswies. Der Brief de's'Consuls schloß mit den Worten: Welche Masse beschränkter Menschen gibt es noch in der Welt. Deutschland hat nicht wenig, beigetraatxL." . " ' . 5 '