Indiana Tribüne, Volume 30, Number 118, Indianapolis, Marion County, 10 January 1907 — Page 6

Jndiana Tribüne, 10, Januar 197

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JnterurliM Zeit-Tabelle.

I. U. T. System. vchneLe Dmchzüge nach Fort Wa?ne. vchnrlle Durchzllg? nach Marion. Schnelle Durchzüge nach Peru. Schnelle Drchzüge nach Logansport. Schnelle Durchzüge nach Anderson. Schnelle Durchzüge nach Muncie. Lüge verlassen Indianapolis. I3ncle & Rarion Divisi on. Lavrmce, ForrviLe, Pendleton, Lnderson, VorLovn, Vuncie, Viddletsan, Alezandrw, Summitville, Fairmount. SaS City, Jonei bno, Marion, Blufftsn und Union City. 4 00 Srn. ?1 05 SKn. 5 05 Lm. 2 w Nm. 6 l Bm. 3 05 Nm. 7 05 m. 4 00 Nm. 8 00 33. 5 00 Nm. S 06 L. 5 05 Nm. 10 00 Lm. 00 Nm. 11 00 Bm. 7 05 Nm. 11 05 Bm. 9 05 Nm. 12 00 WttgS. 11 30 Nm. Limited. SoyanSport & Peru Division. UxtxI, NoöleNille, Cicero, Arcadia, Uanta. Tipton, okomo, Salvefton, Balten, LoganSpsrt, Miami, Bunker $13, Vera und Elwood. 5 00 Bm. 1 45 Nm. S 45 Vm. 3 00 Nm. 7 00 Sm. 3 45 Nm. . 7 45 Bm. 5 00 Nm. i 00 Bm. 5 45 Nm. 45 Sm. "7 00 Nm. 11 00 Lm. V 00 Nm. 11 45 Bm. 11 30 Nm. 1 00 Nm. Limited. m.tat spezielle Bedienung nach It. Wahne. Züge verlassen Indianapolis um 7:00 und l:00 Uhr Vormittag urd 3:00 und 7:00 myr Nachmittags, schnelle Fahrt nach Fort Wyne machd und mit den Schnellzügen ach Toledo, Detroit und Lima verbindend wie auch in Toledo und Detroit mit den zamxfer, die auf den großen Seen nach ackinac, Buffalo und den Niagara Fällen Bisen, Verbindung machend. 2er Warion Flyer, der Indianapolis um II Uhr Lorm. und 5 Uhr Nachm. verläßt, hält nur in Anderson, Alexandria, Summit rille, Fairmount, Jonesbsro und GaS City Junction an. IlSO.Wld-Zug nach Muncie. IlM Wend-Zug nach Peru. SKge sahren nach Fort Benjamin Harri- , m fc45 Lm, 9:05 Vm, 11:05 Vm, 1:05 vm und 3.-05 Nm. Weitere Information in der Office : Ter -cl Gebäude. PhoneS : Neu, Main 6055; U, VUtxn 178, 1 Ring. Indianapolis & Eaftern. Schnell Züge laufen nach Greenfield, ntghUtown, New Caftle, Cambridge Siry, Lichmoud, Dayton, Ohio, jede Stunde bis S Ühr LbendS, in Dayton, Ohio, mit allen Schnellzügen, die nach Springfield, Columin und allen centralen Punkten Ohio'S kaufen, Verbindung'machend. Send-Zug um 11:30 AbendS nach KnightS MNM. Oeiten Information in der Office : Ter mal SebSnde. PhoneS : Reu, Main 6055 listete 175, 1 Ring. JisnllPsM & MartinSville. ach Moniville, Bethany Park, Mar. Zville, Ind. Erste VorgenCar um 6.03 Uhr Morgens. Dann von 7:00 Uhr Morgens jede Swnd 7:00 Uhr bend. end.Car verlassen die Jnterurban tation um 930, 10:00 und 11:30 AbendS. Die 1040 NhrCar fährt nur bis ooreSville. Weitere Information in der Office : Ter mal SebÄnd. PhoneS: Neu, Main 6055 ; A, Mai 175, Ring. JadianapoliS & Western Traktion Company. ach Avon, Danville undZwifchenftationen. Erste Car verläßt Indianapolis um 5 Uhr Morgens, dann jede anderthalb Stunden 6ii 9:30 Uhr Abends. Letzte Car um 11:15 Uhr AbendS. Weitere Information in der Office : Ter nrmal Gebäude. Phones: Neu, Main 6055, lt. Main 173, 1 Ring. Judlanapoliö Coal Traction Co. Lüg tetf stündlich von Indianapolis ach PlawZKld von 5:00 Uhr Morgen (il 7MUHr Wendi. Abendzüg nm 9 und 11:20 Uhr Abend. D 5:00 Uhr Morgens Zug läuft nicht Sonntags. Weitere Information in der Ofsi: Ter miual SedSude. PhoneS : Neu. Main 6055 ; lt. ai 175, 1 Ring. ZMlwapoliS & Nortyueyern. SHueÜ-Zuze nach Crawfordsville und La xavette laufe aie folgt: 6 Vm., 7:00 ., 8:10 Vm., 9 00 Vm., 10:10 Vm., 10.45 35.. 11:10 Vm., 12 Mittags, 1:00 Nm., 2:10 Nm., 4:25 Nm., 6:00 Nm., 7:10 Nm., 9:00 N. und 11:15 Nm. Züge, welche um 10:45 Vm. und 4:25 Nm. aö fahren, sind Durchzüge nach CrawfordS ville. Der 11.15 Abends Zug 'fährt nur biS Frankfort. Wettere Information in der Office : Ter inal Sebäud. PhoneS: Neu, Main 6055; U. Main 173, 1 Ring. Wrn, Stocif le SemeFi. 202 Nord Noble Stra. ' tUm1XUn 20QL.

Europäische Nachrichten.

?rcvinz Sachlen. Magdeburg. Der in Quedlinburg in einer Fabrik angestellte Handlungsgehilfe Walter Becker von hier erschob sich, nachdem er einen Check von 2.328 Mark und 600 Mark baar seinem Prinzipal unterschlagen hatte, hier vor einiger Zeit. Von der unterschlagenen Summe war nichts mehr bei ihm. Eich sied t. Der Landwirth Hein. rich von hier stürzte, vermuthlich infolge eines Schlazanfalles, von einem mit Nebenblättern beladenen Wagen und siel in den Haken einer Kette, an der ein Pslug befestigt war. Der Haken drang ihm in die Kehle und außerdem verwickelte stch Heinrich noch in die Kette, so daß er erdrosselt wurde. G r o ß w e ch s u n g e n. Das vierjährige Töchterchen des Dachdeckers Schneie von hier, das stch mit mehreren anderen Mädchen auf dem Felde am Kartoffelfeuer vergnügte, kam dabei dem Feuer zu nahe und erlitt so schwere. Brandwunden, daß es seinen Verletzungen erlag. Hall c. Auf dem hiesigen BahnHofe gerieth der Rangirer Tintel aus In Dryandcrstraße beim Ranziren fischen die Puffer zweier Wagen. Dem Unglücklichen wurde der Brustkasten eingedrückt, so daß er auf dem Transport nach der chirurgischen Klinik starb. K i r ch st e i tz. Hier erschoß sich der Gutsbesitzer Kurt B:cher wegen verschmäh!er Liebe. Klötze. Bor Kurzem wurde der Hilfsbremser Heinrich Schmidt aus Wassensdorf beim Ranziren auf dem hiesigen Bahnhöfe durck einen Stoß so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. R e d e k i n. Hier beging kürzlich das Christian Kersten'sche Ehepaar die goldene Hochzeit. Stendal. Der Arbeiter Franz Tyczinki, der im Dezember v. I. die Frau des GutsaufseherS Solltvedel in Kläden ermordet hat, ist vor Kurzem hier hingerichtet worden. Wolmirstedt. Der im 89. Lebensjahre stehende frühere Drechslermeiste? David Wohlmuth beging mit seiner im 84. Lebensjahre stehenden Ehefrau Henriette die diamantene Hochzeit. Der Rabbiner Dr. Wilde aus Magdeburg segnete das hochbetagte Paar ein und überreichte ihm die vom Kaiser verliehene Ehejubiläumsmedaille. Z e i tz. Der 45jährige StationsAssistent Rahmig, der den Rangirdienst leitete, fuhr auf dem hiesigen Bahnhofe auf einer Rangirmaschine und sprang während der Fahrt ab. Er hatte aber nicht beachtet, daß auf dem Nebengeleise ein Personenzug heranbrauste. wurde von diesem erfaßt und gerieth unter die Räder. Dem Unglücklichen wurden beide Beine abgefahren. Er wurde in's Krankenhaus gebracht, wo er bald darauf starb. 'F'rovitt Ldannsver. Hannover. Bor Kurzem konnten die Eheleute Privatier Heinrich Bauermeister und Frau, Wilhelmin:, geb. Reichmann, Dieterichs straße 2, das seltene Fest der goldenen Hochzeit feiern. B r i n k. Hier erstach in einem Anfall von Geistesumnachtung der Landwirth Rüst den sechzig Jahre alten Hofbesitzer gleichen Namens. Der Mörder wurde festgenommen und in die Heilanstalt in Langenhagm übergeführt. Groß - Burgwedel. Ueberfahren und schwer verletzt wurde vor einiger Zeit das vier Jahre alte Söbnchen der Väazter Henniesscben Cyeteme. Der nave ist detm (spielen auf der Straße direkt unter einer Ackerwagen gelaufen. Hannov. - Münden. Im nrhen Walde oberhalb der Blume" fand man auf einer Bank hingestreckt die Leiche des Geschäftsreisenden Weimann aus Charlottenburg. Der Unglückliche hatte sich durch einen Schuß in die Schläfe getödtet. Man schafft die Leiche, bei der noch die silberne Uhr des Todten und einiges Geld gejunven wurde, in die Friedhofshalle. Was den 46jährigen Mann in den Tod getrieben, ist unbekannt. Nordstemmen. Kürzlich war der Arbeiter Hermann Fette auf der hiesigen Zuckerfabrik mit Abladen von Rüben beschäftigt. Beim Abnehmen eines Wagenschüttes glitt er aus und schlug mtt der Brust so unglücklich auf eine Eisenstange, daß er mehrere Rippen brach. Er wurv sofort m das Hildesheimer Krankenhaus gebracht. Osnabrück. Senator Wilhelm Enners ist im Alter von 77 Jahren nach kurzer Krankheit verstorben. S e e l z e. Bon einem Zuge überfahren wurde der Telegraphenarbeiter Friedrich Coors. Er erlitt eine schwere Kopfverletzung und wurde nach Hannover in das städtische Krankenhaus gebracht, wo er alsbald verstorben ist. Watzum. Der Knecht K. Mi. nuth von hier wurz beim Rübenfahren von einem folgenschweren Unglücksfalle betroffen. Er gerieth unter das von ihm geleitete Rübenfuhrwerk, so daß. ihm der schwere Wagen über den Körper ging. Die erlittenen Verletzungen waren so schwerer Ar:, daß Minuth bereits auf dem Trans Port nach dem Krankenhause verstarb. W e e tz e n. Vom Zuge überfahren und scbwer am Bein verlekt wurde

der Arbeiter Wilhelm Bäh?. "De:

Verunglückte wurde nach Hannover in das Clementinenstift gebracht. Frovinz Westkaken. Münster. Vor Kurzem verschied hier die Wittwe des Parlamentariers Heinrich Rickert. Gerhardine Rickert. geborene Schücking. war eine Tochter Levin Schückings und Luise v. Galls. geboren am 10. Januar 1840 zu Köln, wo ihr Vater derzeit Feuilleton - Redakteur an der Kölnischen Zeitung" war. Bochum. In einem Hause an der Robcrtstraße ist die Ehefrau des Arbeiters Skazian erdrosselt oder erwürgt aufgefunden worden. Der Ehemann der Ermordeten wird ver mißt. Dortmund. Der Betrieösführer Hahne von der Zeche Glückauf Tiefbau wurve durch den ostpreußischen Bergarbeiter Kurschuß im Ze chenbureau erschossen. Der Mörder hatte vor einiger Zeit ohne Kündigung die Arbeit verlassen, worauf die Zeche von ihrem Rechte Gebrauch machte und von dem dem Mörder zukommenden Lohn sechs Schichten einbehielt. Kurschuß, der inzwischen auswärts Arbeit angenommen hatte, kam letztens in das Bureau der Zeche, wo er den Betriebsführer allein antraf und nach kurzem Wortwechsel erschoß. Des Verbrechers, der etwa 20 Jahre alt ist. konnte man nicht habhaft werden. Herford. Feuer brach unlängst bei dem Mühlenbesitzer Held. Neue Vlothoerstraße 80, aus, das binnen kurzer Zeit, da es reichlich Nahrung fand. daS alte Fachwerkgebäude in Asche legte I s e r l o h n. Der 18jährige Schleifer Konrad Heßler hat im Streite sei. nem um 10 Jabre älteren Bruder mit einem Terzerol eine Kugel in die rechte Brustseite geschossen und ihn lebensgefährlich verletzt. 'Koesfeld. Der Fabrikbesitzer Karl Zach hat aus Anlaß seiner silbernen Hochzeit 10,000 Mark ;estistet. deren Zinsen für hilfsbedürftige Arbeiter verwendet werden sollen. N e u a h l e n. In einem hiesiger, Bohrthurm zersprang plötzlich durch das herabkommende Gestänge die Drehscheibe. Ein schweres Eisenstück zerschmetterte dem Bohrarbeiter Broc! den Kopf. Er starb nach kurzer Zeit. R ö s e b e ck. Hier brannte das mit Erntevorräthen gut versehene Haus des Landwirths Wiechers total nieder. Das Vieh wurde bis auf zweiSchweine gerettet, die in den Flammen umka men. Wann e. Der Bergmann Krause, welcher vor einiger Zeit mit einer gefährlichen Schnittwunde am Halse aufgefunden wurde, bezeichnete feine Frau als die Thäterin. Die Ehefrau hat ein Geständniß dahin abgelegt, daß sie ihren Mann aus der Welt schaffen wollte. heinprovirrz. Köln. Dieser Tage wurde der vor Kurzem in Aachen im Alter von 73 Jahren verstorbene LandgerichtsPräsident a. D.. Geheimer Oberjastizrath Philipp Weycr vom Haupt bahnhof aus unter zahlreicher Bethei ligung auf dem Frredhof in Melaten beerdigt. Der Verstorbene war in unserer Stadt geboren und hier bis 1887 erster Staatsanwalt. Barmen. Kürzlich ist der hi:r wohnende 83 Jahre alte Wilh. Bergmann in Hären bei Nienburg einem Unglücksfall zum Opfer gefallen. Der alte Herr befand sich auf einer Geschäftsreise in der Gegend von Hannover. Als er nach längerer Abwesenheit unlängst von Hären die Rückreise antreten wollte, wurde er einige Zeit später am Bahnhof von einem von einem Vkerde gezogenen Schienen - Äransporlwagen (owry) uoerfahren, indem ihm die Räder über beide Beine gingen. Der Schwerverletzte wurde nach dem Krankenhause in Nienburg übergeführt, wo er nach großem Blutverlust infolge eingetretener Herzschwäche verstarb. Düsseldorf. Selbstmord auf der Eisenbahn hat hier der 21jährige Handlungsgehilfe Möslein verübt; er warf sich auf die Schienen und wurde durch einenPersottnuo mitten durchschnitten. Die Thatest anscheinend der Noth entsprungen, da in seinem Besitze nur 2 Pfennige vorgefunden wurden. E l b e r f e l d. Der 72jährige Handelsmann Lippold hat Nachts die Kerze brennen lassen und dadurch einen Brand hervorgerufen. Er athmete dabei so viel Rauch ein, daß er einige Zeit später starb. Das. Feuer war bald aelöscöt. I m m l g r a t h. Dem FabrikObermeister Wilhelm Totenhagen, sowie den Fabrikmeistern Robert Busch und Peter Wanhoff ist dasAllgemeine Ehrenzeichen verliehen. Lennep. Lebendig verbrannt ist die fünfjährige Tochter des Arbeiters Kugelmeyer im nahen Wilhelmsthal. Die Kleine spielte auf der Weide der Vapierfabrik Karl Caesar und kam dabei glimmenden Papierabfällen zu nahe, die dort stets verbrannt werden. T ö n i s h e i d e. Vor Kurzem stieß hier ein Automobil mit einem Möbeltransportwagen aus Wlllfrath zusammen. Der Fuhrknecht Franz Vueker kam zu Fall und wurde überfahren. Die Verletzungen waren so schwer, daß er bald nachher starb. Trier. Auf dem Hauptbahnhof Ivurde der Lokomotivführer Marx von der Maschine erfaßt und sofort getödtet.

Aus der Schweiz.

Schweizerische Landwirthschaft m 1096. Eine neue MMtärorganisation. Elektrischer Eisenbahnbetrieb. Telophonverkehr Schweiz-Baycrn-WLrttemberg. Trennung von Staat und Kirche in Genf. Zürich, 10. Dezember 1906. Die schweizerische Landwirthschaft darf dem zu Ende gehenden Jahre im allgemeinen ein gutes Zeugniß geben. Ein schöner, warmer Frühling sah Felder und Wiesen im herrlichsten Blüthenschmuck und Früchte aller Art wuchsen in reicher Zahl. Frost und Reif, welche sonst im Mai und Juni namentlich in einigm Landstrichen gerne einsetzen, um großes Verderben zu bringen, blieben fast überall aus. Dem Frühjahr folgte ein et was zu naffer Vorsommer, doch nicht derart, daß daraus bedcutsnder Schaden entstanden wäre. Die Heuernte war in den Niederungen und auf den Höhen eine sehr ergiebige und die Qualität mit verhältnißmäßig wenigen Ausnahmen eine ausgezeichnete. Die erste Hälfte des Juli stimmte mit anhaltenden Regengüssen bei außerordentlich kühler Temperatur die Hoffnung unserer Bauern und Bäucrlein stark herab, aber um die Mitte desselbcn Monats setzte ein Hochsommer ein. der sieben Wochen lang anhielt und mit Sonnenglanz und Vrathitze" für alles Lebende die reinste Verschwendung trieb. Unter diesen Umständen konnton alle Früchte sich bestens entwickeln und einer zeitigen Reife entgegengehen. Der zweite Grasschnitt, das sogenannte Emd, lieferte in Quantität und Qualität zu Vera und Thal das wünschenswertheste Resultat. Wenn der schweizerische Landwirth ab eigenen Grund und Boden genug Futter besitzt über den langen Winter für sein liebes Vieh, so daß er sich nicht gezwungcn sieht, entweder solches um theures Geld zu kaufsn oder seinen Viehstand zu reduzircn, so weiß er sich meistens geborgen und er dankt dem gütigen Himmel, daß er seine Hauptsache wohl gerathen ließ. Der längste Theil des September war kühl und windig; freundlicher gestalteten sich dann der Oktober und die erste Hälfte des November. In mehreren Kantonen spielt der Ackerbau immer noch eine große Rolle, und wo dies der Fall ist. da hatten die meisten Bauern ein reich gesegnetes Jahr; denn 1906 ließ fast alle Früchte des Gartens und des Feldes herrlich und in Fülle gedeihen. Die Obsternte fiel in manchen Gegenden des Landes recht befriedigend us. in anderen dagegen ließ die Quantität sehr zu wünschen übrig. Aepfel gab es viel mehr als Birnen; die SteinobstBäume und -Spaliere waren mit Früchten überall voll behängen. Jene Landwirthe, welche einen starken Obstwachs ihr Eigrn nennen und im richtigen Reviere sitzen, hatten einen aoldenen" Hsrbst; denn das Obst galt sehr schöne Preise. Am wenigsten lohnte sich im allgemeinen wieder einmal der Weinbau, besonders in den östlichen und nordöstlich, Kantonen, wo die Quantität weit unw mittel" blieb, wogegen die Qualität der Ernt befriedigend ist. Im Juni nahm in fast allen Weingärten und Rtblagsn der ..falsche Mehlthau-, ein der gefährlichsten Gift für den Weinstock und die Traube, stark überHand; innerhalb weniger Tage sahen die Reben wie abgestorben aus und fast alle Träubchen waren verloren. In der Westschweiz trat die Krankheit dieses Jahr nur sporadisch und weniger aggressiv auf, weShalb die Weinbauern am Neuenburger und Genfer See und jene des Wallis wenigstens noch eine Mittelernte erzielten. DaS Mißjahr- 1O06 wird besonders in den östlichen Kantonen zur Folge haben, daß zahlreiche Landwirthe auf künftige Weinkultur verzichten. dieReben beiseitigen,um den Boden für andere Zwecke zu verwenden. So geht der Weinbau, der einst fo blühend und lohnend war. in der Ost- und Nordostschweiz, von Graubünden bis hinab nach Basel, mit jedem Jahr bedenklicher zurück ; wahrscheinlich, daß er in duser Geg:nd nach 50 Jahren verschwunden sein wird. Der Bundeörath unierbreitcte letzthin der Bundesversammlung den Entwurs eines BundeZgesetzes für eine neue Militärorganisation. In der Volksabstimmung vom 3. November 1895 wurde eine solche Organisation mit bedeutender Stimmenmehrheit ab gelehnt, hauptsächlich aus dem Grunde, weil allzu viele und zu tief eingreisende Neuerungen vorgesehen waren. Heute versichert der Vundesrath. daß er nicht mehr so weit gehen möchte wie vor elf Jahren ; doch sei eine Aenderung der seit 1875 bestehenden Militärorganisation. die sich der neuen Zeit und neuen Bedürfnissen nicht mehr anpasse, jetzt noch nothwendiger und unerläßlicher als damals. Vor allem fei erforderlich, die eidgenössische Armee leistungsfähiger, krichstüchtiger zu machen. Nun aber gehe es nicht an. die bisherige Dienstzeit des schweizerischen Wehrmannes wesentlich zu erhöhen, weshalb die Losung deö schwierigen Problems in anderer Richtung gesucht werden müsse. Dieö sei möglich und solle geschehen durch eine Verlegung des Dien US auf die jünaeren Jahrgange in der Weise, daß die Rekrutenausbildung etwaS verlängert und daran anschließend während einer Reihe von. Äauren alljährlich ein 12tagiger

WiederhölungSkurZ stattfinden 'roeroe. DaS habe namentlich zwei Vortheile, erstens den, daß eine gründlichere ersie

Ausbildung als bisher möglich fei, und den anderen, daß der Wehrmann dr. größten Theil seines Dienstes in jur.aen Jahren absolvire, was ihm au? körperlichen und wirthschaftlichen Gründen leichter falle. In Uebereinstimmung mit diesen Grundsätzen steht nun auch der bundesräthliche Gesetzesentwurf, in dessen Berathung die Bundesversammlung nächstens eintreten wird. Man scheint in Bern auf diesem Gebiete viel anspruchsloser und genügsamer geworden zu sein, als man eZ früher war. Ich halte es für wahrscheinlich, daß der Bundesrath mit diefen Vorschlägen, welche berechtigt sind und dabei nicht sehr große Opfer fordern. durchdringen werde, sowohl in der Bundesversammlung als auch im Volke. Im Auftrage des Vund?srath:s nahm kürzlich eine Gesellschaft von Fachmännern des In- und Auslandes eine Besichtigung der Anlagen und Einrichtungen für den elektrischen Betrieb der Simplonbahn, welcher Betrieb bekanntlich schon seit der Eröffnung des Tunnels funktiomrt, vor. In der nunmehr erfolgten Berichte?stattung dieses Kollegiums kommt die höchste Befriedigung zum Ausdruck und zwar sowohl bezüglich der Technik der genannten Anlagen und Einrichtungen, als auch betreffend die bisher gemachten Erfahrungen. Dabei wird die Erwartung ausgesprochen, daß der Bundesrath und die Generaldire!tion Wege vorwärts schreiten und din all gemeinen Uebergang vom Dampf- zum elektrischen Betrieb der Schwnzerbahnen nach Kräften fördern werden. Angestchts dieser Thatsache ist wohl nicht mehr daran zu zweifeln, daß die Einführung des elektrischen Betriebes aller schweizerischen Normalbahnen in absehbarer Zeit geschehen wird, um so mehr als im ganzen Lande Wafferkräfte und Energien genug vorhandm sind. Ein direkter Telephonverkkhr zwischen der Schweiz und Bayern wurde vor einigen Wochen e:öffn?t und zugleich eine Telephon - Verbindung Schweiz-Württemberg. Die Möglichkcit dieses direkten uno noch bedeutender Erweiterung fähigen Verkehrs wurde gegeben durch das Telephon! bel, welches im vergangenen Sommer in der Tiefe des Bodensees von Romanshorn nach Friedrichshafen gelegt wurde. Dieses Kabel ist 15 Kilometer lang und enthält sieben Doppeladern; vier gelten für Schwciz-Vayern. drei für Schweiz-Württemberg. Man hat das beste Matcrial und die neuesten technischen Hilfsmittel angewendet, um die größtmögliche Feinheit und Empfänglichkeit der Leitungen und Appa rate für diesen Kabelweg zu erzielen. Es bestehen nun bis aufWnteres Fernsprechverbindungen zwischen 20 schweizerischen und 8 bayerischen Städten, ebenso zwischen 15 schweizerischen und 10 württcmbergischen Ortschaften. Der Verkehr wickelt sich über Zürich-Mlln-chen. bezw. Zürich-Stuttgart ab. In der nun schon seit einigen Iahren schwebenden Frage der Trennung von Staat und Kirche im Kanton Genf hat jetzt der Staatsrath einen bedeutendcn Schritt nach vorwärts -gethan, wohl nicht zum Wenigsten in Anbetracht der gleichartigen Vorgänge im nahen Frankreich. Er unterbreitet nämlich dem Großen Rathe einen Gesetzescntwurf über Abschaffung des Kultusbudgets". was so ziemlich gleichbedeutend ist wie die erwähnte Trennung. Die Vorlage bestimmt in der Hauptsache das Folgende: Staat und Gemeinden besolden keinen, Kult. Die Kulte können sich als Stiftungen konstituiren. Die einem Kultus dienenden Lokalitäten, welche Grundeigenthum sind, behalten ihre religiöse und konfessionelle Zweckbestimmung. Das Gesch tritt drei Jahre nach der Volksabstimmung in Kraft. Vom 1. Januar 1910 ab erhalten die Geistlichen, die während wenigstens 10 Jahre im Amte waren, eine Pension von zwei Dritteln ihres Gebalts; 10 Jahre später wird diese Pension auf die Hälfte herabgeseht. Diese Trennung von Staat und Kirche in Gcnf wird sich vorausfichtlich ziemlich ruhig und friedlich vollziehen ; denn die Radikalen und Sozialdcmokraien verlangen sie diese bilden zusammen die cntschiedeneMehrhcit und auch viele unverdächtig Rö-misch-Katholische unterstützen das Programm. wobei sie die Grundsatzfrage gleichsam fallen lassen, um in finanzieller Ricbtung (Steuern) einen Vortheil zu ernten. Die einschlägigen Verhältnisse find in Citvf eben ganz andere als in Frankreich und da wird das römische Prinzip geopfert. Väterliche Liebe. .Welcher ist Ihnen d:r Liebste von Ihren Jungen?" O. ich prügle sie alle gleich gern!Für die Anschaffung tzsn militärischen Automobilen, die in Kriegszeiten dem Transport von Vermündeten und Munition dienen sollen, hat die französische Kammer 100.000 Frank bewilligt. Ferner wurden noch 20.000 Frank zur Verfügung gestellt, damit die Regierung eine Preisbewerbung von Lasten-Automobilen veranstalten' kann. Die Konkurrenz soll dazu dienen, festzustellen, welcheLastenAutomobile sich für den obenbezeichneten Zweck am besten eignen. Diese Wagen sollen dann spater für das KriegsDepartement angekauft werden.

ie Aurvandcnlng aus Italien.

In Deutschland wird vielfach der ökonomische und politische Aufschwung, den Italien in den letzten Ja?.e.: g?nommen hat, unterschätzt. Man will nicht daran glauben, daß ein Land, in dem in einzelnen Provinzen die Analphabeten 45 bis 80 v. H. d.r Bevölkerung betragen, in dem die Auswanderung erstaunliche Zisftrn ausweist, sich in langsamer aber stetiger Entwicklung befindet und ein Faktor ist, den man sich hüten soll als Quantitt? ngliable zu behandeln. Ein Auswanderung aus Deutschland in demselben Umsange wie aus Italien müßte Deutschland als ein nationales Unglück empfinden, weil nur wenige Deutsche, wenigstens in den angelsächsischen Kolonien deutsch bleiben; die meisten gehen ihrem Vaterlande verloren. Anders ist es mit den Italienern. Sie halben mit einer unglaublichen Zähigkeit an ihrer Sprache und ihren nationalen Eigenthümlichkeiten im Auslande fest, sie haben sogar ihre Mafia nach Nord- und Südamerika und Tunis importirt und bleiben nicht nur in steter Verbindung mit der Heimath, indem sie der meist zurückgebliebenen Familie ihre Ersparnisse senden, sondern kehren fast alle wieder nach Hause zurück, um daheim am Golf von Neapel, im schönen Venedig, in Kalabrien ihr sau?r erworbenes Geld zu verzehren und in der Heimath die letzte Ruhe zu sieden. Bei dem außerordentlichen Kinderreichtum der italienischen Mütter ist die nationale Treue des Volkes, die sich in tausendjähriger Fremdherrschaft gestählt hat. die Anwartschaft auf die sichere Zukunft der Nation. Die Auswanderung schärft natürlich auch den Blick für das. was von den fremden Nationen zu lernen ist. und so kehren die meisten von ihnen mit einem Fonds von Welterfahrung zurück, der nicht in der Dorschschule zu erwerben ist und den mangelnden Elementarunterricht reichlich ersetzt. Im 1880 betrug die Auswanderung etwa 100.000 Petsenen und blieb bis 1886 unter 200.000 Personen, stieg 1900 auf 300.000, 1901 auf 533.000, fiel 1902 auf 531.000. 1903 auf 507.000. 194 auf 471.000. Also fast eine halbe Million Einwohner wandern alljährlich, und zwar meist nach Amerika aus. Im Jahre 1905 erreichte die Zahl der Auswanderer jedoch die erstaunliche Höhe von 726.361. von denen 279,248 in Europa blieben, die anderen über den großen Teich fuhren. und in den ersten sechs Monaten dieses Jahres beträgt ihre Zahl schon 458.613. Diese Ziffern würden in der That zur Entvölkerung Jtalkns führen, wenn nicht der größte Theil wieder heimkehrte. So 'nimmt man an. daß von den 726,000 Auswanderern des vergangenen Jahres nur 264.000 fortgingen, mit der Absicht nicht zurückzukehren, und es gibt Gegenden, wo die Auswanderung merklich hinter dem natürlichen Wachsthum der Bevölkerung zurückbleibt, weil die Zahl der Geburten bei Weitem die d:r Todesfälle übertrifft. Das stärkste Kontingent für die Auswanderer nach curopäischcn Ländern geben die Provinzen Venedig, Lombardei, Emilien und Umbrien, aber diese Auswanderer kehren meist schon nach wenigen Monaten wieder heim. In den Marken, der Bastlieata, hat. Abruzzen. Kompanien, Kalabrien, Sizilien genügen bei einer Auswanderung von 20 48.5 auf das Tausend die Neugeborenen nicht, die Lücken zu füllen, welche Todte und Auswanderer lassen. Fort geht die Blüthe der Jugend, daheim bleiben die Greise. Kranke, Frauen und Kinder. Das ist ein schwarzer Punkt in der Beleuchtung der Auswandcrerfrage. Denn hier wandert nicht der Ueberschuß der Bwölkerung. sondern diese selbst. Auf die Folgen hiervon hat der bekannte Historiker Pasquale Villari jüngst in einem Vortraae im römischen Presseverein hingewiesen: Zunahme der intensiven Landwirthschaft. Ueberwcrthung des Grund und Bodens, den sich die Auswanderer nach ihrer Heimkehr um fabelhafte Preise streitig machen. Villari fordert die Regierung auf, nicht nur die Heimsendung der AusWandererersparnisse, wie sie es jetzt bereits thut. Weiler zu fördern und zu erleichtern, sondern auch dafür zu s'orgen. daß die Auswanderer ihr sauer erspartes Geld nicht durch Wuchergrschäfte wieder verlieren. Im Ganzen ist die Auswanderung für Italien ein Segen, weil der Jtaliener fleißig, nüchtern, musterhaft sparsam ist. weil er Familiensinn besitzt und bei seiner großen natürlichen Intelligenz die Eindrücke, die er im Ausland gehabt hat, zum Segen der allgemeinen Entwicklung wieder ummünzt, dann aber auch, weil ein Strom von Gold aus dem Ausland nach Jtalien fließt. So ist infolge der verschiedenen Charakterveranlagung der beiden Völker, was für Deutschland einen nationalen und ökonomischen Verlust bedeuten würde, für Italien ein nationaler und ökonomischer Gewinn: die Auswanderung. (Berliner Lokal-Anzeigcr.) Variante. Braut: ,Jetzt, als öffentlich Verlobte dürfen wir uns auch ungenirter küssen.Bräutigam: .Ja, nun sind wir auf freien Kuß gesetztV

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