Indiana Tribüne, Volume 30, Number 116, Indianapolis, Marion County, 8 January 1907 — Page 5
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Die Probefahrt. Humoreske von Georg Persich. Herr Penkler erfüllte seinen Da nun gern jeden Wunsch, und kleinlich brauchte er auch nicht zu sein, da ihm sein Direktorposten bei der Bank ein großes Einkommen abwarf. Aber zu einem war er nicht zu bewegen: sich ein Auto zuzulegen. Frau und Tochter stürmten ihn mit Bitten. Und wrnn es nur eines von fünf Pferdekräften wäre! Mit solchem Dingelchen würdet Ihr ja doch bald unzufrieden sein war seine Meinung. Zimmermanns haben einen zwanzig-, Schneiders einen dreißigpferdizen Wagen und Protzen einen von zfünfzig oder sechzig rrf. Ihr seht, ich bin schon der reinste Autofex und da wolltet Ihr nun mit elenden fünf Pferdekräften hinterdrein kriechen? Der liebe Neid würde bald Euren schönen Teint verderben und mir Aermsten würdet Ihr so zusetzen, den Karren ab- und einen Staatswagen anzuschaffen, daß ich keine ruhige Stunde mehr hätte. Laßt mich ausreden! Und dann die Frage des Systems! Fiat.. Mercedes, Opel, Benz oder wie Eure Lieblinge sonst heißen! Ihr streitet Euch jetzt schon oft genug über die beste Marke, ohne noch selbst ein Streitobjekt zu besitzen. Nein, wir bleiben bei unserem Zweispänner! Der ist elegant, bequem sicher " Aber unmodern!" widersprach die Gattin, und die Tochter meinte: , Elegant j'nd gerade die Autos. Man muß nur das richtige System nehmen. Fiat " Benz!" berichtigte die Mama. Mercedes!" spottete der Papa. Das richtige System und emen geschulten Chauffeur!" An den habe ich ja noch gar nicht gedacht!" Friedrich ist doch so anstellig und wird sich freuen, wenn er nicht mehr Kutscher zu spielen hat!" Sondern zum Chauffeur befördert wird! Wenn ihm die neue Würde nur nicht . zu Kopf steigt! Nein, nein und nochmals nein: die Mode wird nicht migemacht. Meine und Eure Gesundheit sind mir zu kostbar. Und wenn sie alle die Autelei nachäffen wir thun es nicht. Der Friedrich behält seine Kutscherlioree, und wollt Ihr ausfahren so spannt er an." Damit ging er. obne Gruß und Abschiedswort. Mutter und Tochter sahen sich enttäuscht an, als sie allein waren. Se hatten beide keine Hoffnung mehr, dafc es je gelingen würde, die maßgebende Instanz umzustimmen. Nehmen wir heute Nachmittag also nur wieder einen Autotaxameter zu unserer Spazierfahrt," sagte seuf zend die Mutter. Laß uns doch wenigstens eine Prioatchaise miethen. Mama." Nun, gut, so telephonire daß man uns einen Wagen schickt, aber er soll nicht hier vorfahren, sondern uns an der nächsten Straßenecke erwar ten." Vor der Bank hielt ein funkelnagelneues großes Luxusauto, als Direktor Penkler am Nachmittage das Gebäude verließ. Soeben wollten sein Mitdirektor und ein jüngeres Aufsichtsrathsmitglied Platz nehmen. Fahren Sie mit. Penkler?" Bedaure. keine Zeit!" Ach kommen Sie doch. Es handelt sich um eine kleine Probefahrt und Sie können gleich !Ihr Urtheil abgeben, wie das Ding läuft." Einen schlechteren Sachversiändiczen konnten Sie sich mcht aussuchen!" Wir trauen Ihnen sehr viel Sachkenntniß zu," Nein, ich bin kein Freund " Halb geschoben, halb gehoben, saß er plötzlich in einem der bequemen Ledersitze und schon hatte sich der Wagen in Bewegung gesetzt. Es war ein merkwürdig angenehmes Gefühl, so geräuschlos durch die Straßen dahinzugleiten, denn es war mehr ein Gleiten als ein Fahren. Und das AufsichtsrathSmitglied. trotz seiner Jugend eine einflußreiche Finanzgröße, plauderte so liebenswürdig, daß er nicht wohl unliebenswürdig sein konnte. Die Unterhalwng nahm übrigens bald ein, Ende. Man fuhr zum Thore hinaus. Die Gärten und Häuser verschwanden. Jetzt hatte man zu beiden Seiten Wald, noch größer wurde die Geschwindigkeit und wie im Wirbeltanz schienen die Baume vorbeizujagerc. Und tro der Schnelligkeit fühlte sich der Direktor so sicher wie in Abrahams Schooß. Man überholte mehrere andere Autos wieder eines, noch eines! Haarscharf ging, es diesmal an einer Autochaise vorbei, die just in dem Augenblick, als man sie erreicht hätte, nach der falschen Seite hin abbog. Es war rmt um eine Kleinigkeit, aber sie hätte genügen komnn, um ei ernste Karambolage hnbeizuführen. Unwillkürlich waren die drei Her'ten von ihren Sitzen emporgeschnellt. jfrr auf Sekunden hatte man die Jnsaffen der Chaise mustern können. Pentln stieß einen Ruf dn Ueberrschuna caiL
Hatte er recht gesehen? Hatte da nicht seine Gertrud in dem Wagen gesessen,, die Steuerung in der Hand! Und hinter ihr noch eine Dame, die ihm auch so. bekannt erschienen war? Halt! Halt!" Was haben Sie denn, Direktor?" Bitte, lassen Sie halten! Sofort!" Ein Wort an den Chauffeur, und der große schwere Wagen stand fast augenblicklich. Es dauerte eine Weile, bis das kleine Gefährt herankam. Der Direktor schien diesen Moment nicht erwarten zu können. Und zu ihrem Erstaunen sahen die Seiden anderen Herren, wie er sich plötzlich weit vorbog. und gebieterisch den Arm ausstreckte. Stop!" schrie er. Seine Begleiter dachten nichts anderes.. als daß er die fremden Autler wegen der bewiesenen Ungeschicklichkeit zur Rede stellen wollte. Aber bester 'Direktor, beruhigen Sie sich!" Stop!" schrie der aber nochmals überlaut, als der Wagen nicht gleich halten wollte. Die Dme, die ihn steuerte, machte im ersten Schreck vielmehr den Versuch, umzukehren und davonzufahren. Unfehlbar wäre sie in den Chausseegraben gerathen, wenn der neben ihr spende Chauffeur nicht schnell zugegriften hatte. Kommen Sie zu sich. Direktor! Sie gestatten., daß ich vorstelle meine Frau und Tochter " Ah!" Welch angenehmes Zusammentreffen!" Das ist ja reizend!" Wie man's nimmt. ünurrte Herr Penkler und bedauerte nichts lebhafter, als daß ihn die Anwesenheit der beiden Herren hinderte, seiner unternehmenden Gattin und Tochter den Standpunkt klar zu machen. Bei einem vom autelnden Publikum viel besuchten Waldrestaurant hielt man Einkehr. Hier wurde gespeist und eine Flasche nach der anderen geleert und allmählich heiterte sich auch des Direktors Miene auf. Nach stundenlangem Aufenthalt die Dunkelheit war langst hereingebrechen entschloß man sich erst zur Heimfahrt. Das Miethsauto war gleich bei der Ankunft zurückgeschickt worden und man saß nun eng zusammen in dem großen Wagen. 'Vielleicht war dieser Umstand im Bunde mit der am Walde herrschenden rabenschwarzen Finsterniß, die nur die glühenden Augen des Autos durchbohrten, die zufällige Ursache, daß im Wageninnern zwei Hände sich fanden und sich im zärtlichen. Druck umschlossen hielten, bis man wieber durch hellerleuchtete Straßen fuhr. Niemand sah es. Erst als das junge Aufsichtsrathsmitglied bei Herrn Direktor Penkler und Gemahlin um Fraulein Gertrud angehalten, erfuhr man. daß die Probefahrt auch die eigentliche Verlobungsfahrt geWesen war. Aber noch ein zweites Wunder hatte sie bewirkt: sie hatte Herrn Penkler in einen passionirten Autler verwandelt, der heute mit Stolz seinen eigenen Kraftwagen steuert und nicht mehr spöttisch von einer Mode, sondern mit Begeisterung von einem Kulturfortschritt spricht..
Ein Pfiffikus. Vor Jahren, als der amerikanische Westen noch etwas wilder war als heutzutage, lebte dort ein junger, seitdem reich gewordener Mann und war der tägliche Gast des Hotels zur Grenzstadt. Er und eine Anzahl sei ner Freunde benützten das dortige Rauchzimmer als Clubraum und wurden durch eine hübsche Kellnerin namens White bedient. Sie war ein nettes ruhiges Mädch?n und forgre aufmerksam für ihre Gäste. Eines Abends, nachdem sie sich zurückgezogen hatte, machte ihnen der Wirth die Mittheilung, dies wäre das letzte Mal gewesen, daß sie von ihr bedient wor den seien, da Miß White morgen heirathen werde. Als der Wirth sich entfernt hatte, erhob sich ein junger Mann. Hughes mit Namen, und sagte, daß seiner Meinung nach es nur recht und billig wäre, wenn sie dem Mädchen für die erwiesenen Dienste ihre Anerkennung zeigten, indem sie ihr ein kleines Geschenk für den kommenden Tag stifteten. Er nahm ein Blatt Papier, zeichnete 200 Dollars mit seinem Namen und ließ es herumgehen. Da das Mädchen beliebt war, betrug die gestiftete Summe 2000 Dollars. Sie riefen den Wirtb und übergaben ihm das Geld mit der Weffung, es dem Fräulein mit den herzlichsten Glückwünschen zu überreichen. Am nächsten Tag fand die Hochzeit statt, und der glückliche Bräutigam war Hughes. elehrtenschmerz. Weshalb sieht denn der Herr Professor stetö so bekümmert aus?" Er kann den Tod des alten SokrateS nicht verschmerzen!" Dreierlei. Wohin geht Ihr diesen Winter, Elschen?" Papa möchte nach Mercm, ich will nach Ab-' bazkl, und Mama geht an die Rwie-toI"
Techniker als Minister. Eine Neuerung im Musterländle-?e? Vater . der Lheinreguliruug. Durch die Ernennung d.:s Staatsraths Max Honsell zum Leiter des badischen Finanzwesens ist zum ersten Male im Großherzogthum Baden ein Techniker auf den Posten eines derantwortlichen Ministers berufen worden. Finanzpräsiden! Honsell ist im Jahre 1843 zu Konstanz geboren und
vr.Ä-' --iii'V SrlM ,. -trÄSufil VfH.- Äf tffe . v & . Fi'.iauzprösidk,:t Max Honsell. wurde 1863 unter die Zahl der Jnenieurpraktilanten aufgenommen. Schon 1872 wurde er wegen seiuer hervorra gcnden Befähig'ing und seiner weitgehenden Kenntnisse, die er durch Studienreisen in's Ausland erweitert hatte, in das Kollegium der Oberdirekiion des Wasser- und Straßenbaues berufen, dem er dann 34 Jahre lang angecehört hat. Der Reichskommission zur Untersuchunz der Stromverhältnisse des Nheins und seiner wichtigsten Nebenflüsse gehörte er seit Zusammentritt vieser Kommisston an. Mit der Uebernahme seines neuen Amtes legt Präsident Honsell die Vollendung seines größten Werkes, der Rheinrezulirung, das heißt der Herstellung eine? Niederwasserschifsfahrtsrinne imRhein, zu der er einen bis in die kleinsten Einzelheiten ausgearbeiteten Entwurf geschaffen hat. in andere Hände. Für die Ausführung dieses großartigen und bedeutungsvollcn Projektes hat Honsell jahrelang gewirkt, und erst im vergangenen Jahre ist, nach Ueberwindung zahlloser Schwierigkeiten eine völlige Einigung der letheiligten Staaten und Behörden zustande gekommen. Uolor.Artilicne Ei Krieg-automobil in besonders starker Ausführung. Besonderes Interesse auf der jüngsien Berliner . Automobilausstellung hat ein von . Ehrhardt in Düsseldorf hergestelltes Panzerautomobil mit 60pferdigem Benzinmotor erregt, das ein schweres Geschütz, nämlich eine 2zöllige Kanone mit Rohrrücklauf führt und sV ' -'r' , -'f Htyzc chÄÄM SM. Tfr- AilCZL kSV i"? H 4v svMWäW üfcmSSm häm .YrtiU PanzeraMomobil und ZiwkizSllige Kanone mit Rohrrücklauf. in Feldzügen ähnlichen Zwecken dienen soll wie der Panzerzug. der im Burenkriege eine so große Rolle gespielt hat. Vor dem Panzerzug aber hat das Panzerautomobil den Vorzug, daß es nicht an den Schienenweg gebunden ist. Das Fahrgestell dieses KriegsfahrZeuges ist in ähnlicher Weise wie bei anderen Automobilen, nur in besonders" starker Ausführung 'hergestellt.. Der Wagenkasten ist mit einem Panzerblechmantel aus Nickelstahl von etwas über & Zoll Stärke umgeben, durch den sowohl der Fahrer als auch die Bedienungsmannschaften des Geschützes gedeckt sind. Alle Vorrichtungen zur Bedienung und Führung des Wagens sowie zur Bereitstellung zum Feuern sind innerhalb des Wagens angeordnet. Um den Wagen festzustellen, sind ebenfalls innerhalb des Panzers vier kräft:ge Spindeln vorgesehen, . die sehr schnell von innen heruntergelassen und festgeschraubt werden können.. Hierdurch wird für das Geschlld eine feste Unterlage geschaffen, und die Federn werden entlastet. Das Geschütz ist auf, einem fest auf dem Rahmen aufgeschraubten Gestell aufgebaut und nach allen Richtungen hin beweglich. Der Muniiionskasten hat Platz für 100 Schuß.' '
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Unter höchst sonderbaren Umständen spielte sich in Barrelona eine Luftschiffer - Tragödie ab. Dort stieg der Luftschiffe! ENas Ealvo vom Theater Bosque in der Vorstadt Gracia auf. Dann versuchte er im Centrum der Stadt niederzusteigen. Der Luftballon aber blieb plötzlich in den, Telephondrähten hängen; die Gondel kippte um, und Caloo fiel von der Höhe eines fünften Stockwerks auf das StraßenPflaster hinab. Er wurde mit zerschmettertem Hirnschädel aufgelesen und starb zwei runden später. Auf dem Marktplatze in Stratford, England, gelang es einer großen Boa Constrictor in der Nacht auszubrechen. Als die Nachricht am früheren Morgen bekannt wurde, bot der mit Schaubuden und Karussels besetzte Platz bald ein merkwürdiges Bild. Die Budenbesitzer zogen es vor, ihren Aufenthalt in den Buden mit dem auf den Dächern zu vertauschen, und die Dächer der Karussels waren bald dicht besetzt. Man fand die Schlange schließlich in der großen Laterne eines Kinematographen eng zusammengerollt. Sie vertheidigte sich lebhaft gegen jeden Versuch, sie zu entfernen, bis es einer Bangerm gelang das Thier wehrlos zu machen. Später entdeckte man Spuren von Fell an seinem Maul und vermißte gleichzeitig eine Eirkuskatze. Im schwarzen Anzug mit Cylinderhut, die Brust mit Kriegsdenkmünzen geschmückt, in der Hand einen Lorbeerkranz so trat vor einigen Tagen mit vor Freude, Stolz und Sehnsucht zuckendem Gesicht ein alter Landmann auf den Bahnsteig des Seehausener Bahnhofs, um seinen aus Südwestafrika heimkehrenden Sohn in Empfang zu nehmen. Endlich lief der Zug ein. und gleich darauf hielt der Alte seinen strammen, von der südlichen Sonne gebräunten Sohn in den Armen und schmü-kte ihn mit dem Lorbeerkranz. Dann zog er den Arm des Heimgekehrten durch den seinen und verließ freudig und stolz unter einem kräftigen Hurrah der Reisenden, die sämmtlich aus den Fenstern sahen und zum Theil auf dem Bahnsteia standen, den Bahnhof. r Wegen vorsätzlicher Abstattung einer wissentlich falschen dienstlichen Meldung wurde der Oberleutnant z. S. Stevers vom kleinen Kreuzer Medusa" vom Kriegsgericht des Befehlshabers der Auftlärungsschiffe zu zwei Monaten Gefängniß und Dienstentlassung verurtheilt. Durch eigene Schuld in zerrüttete Vermögensverhältnisse gerathen, hatte S.' von seinem Commandanten den Befehl erhalten, die Angelegenheit zu ordnen und an einem bestimmten Termin auf dem Dienstwege schriftlich zu melden, daß die Tilgung erfolgt sei. Sein Versuch zur Regelung seiner Verhältnisse, der anfangs ausstchtsvoll erschien, scheiterte jedoch infolge eines Familienzwistes. Trotzdem reichte er die" dienstliche Meldung ein, daß seine Verhältnisse geregelt seien, was sich jedoch bald als Unwahrheit herausstellte. Durch sein Abschiedsgesuch konnte das kriegsgerichtliche Verfahren gegen ihn nicht mehr abgewendet werden und die Verhandlung führte zu der obigen Bestrafung. Bei der Strafzumessung wurde seine gute Führung im Dienst, sowie der Umstand als mildernd in Betracht gezogen, daß er unter dem Druck einer, wenn auch selbst verschuldeten Nothlage gehandelt. Ueber einen tragikomischen Vorgang in einer an der Langestraße in Greifswald liegenden Schankwirthschaft. die im Volksmunde unter dem hübschen Namen Zur lahmen Laus" bekannt ist, wird aus der Boddenstadt gemeldet: Eine Schaar 9- bis lljähriger Schüler hatte sich vereinigt, um studentische Gepflogenheiten nachzuahmen. Sie hielten ihre Zusammenkünfte in der erwähnten Schankwirthschaft ab. Natürlich mußte das Kneiplokal auch mit den Emblemen der Schülerverbindung ausgestattet werden, und damit auch die Wahrheit des Begriffes von Wein, Weib und Gesang illustrirt werde, prangte unter den Emblemen das Konterfei einer holden Fee, eines jener Bilder, wie man sie häufig in Cigarrenpäckchen vorfindet. In dieser Studentenkneipe" nun wurde nach Herzenslust gezecht, und auch Cigaretten wurden geraucht. Frau Wirthin" eine achtzigjährige Frau! bediente ihre durstigen Gäste - selber. Die Zusammenkünfte der jungen Kneipbrüder dauerten eine ganze Zeit hindurch und wären wohl kaum so bald entdeckt worden, wenn nicht die Polizei jetzt zufällig von der Sache Wind bekommen hätte. Die Zusammenkünfte hatten nämlich den Neid jener Schüler erreqt. die zu Kneipgelagen nicht zugelassen worden waren und um den Glücklicheren" einen Possen zu spielen, wurde vor den Eingang ein Stacheldraht gespannt. Einer der Kommilitonen" ist über den Draht gepurzelt und hat sich , dabei arg zerschunden. ' Die Folge war. daß die Polizei hiervon Kenntniß erhielt und die Verbindung" aufhob. Daleim aber gaben die Väter ihren Söhnlem schlagende Beweise von der unausbleiblichen . Wirkung solcher ftft&Atlaa.
Im Londoner. Hippodrom wird ein Sensationsstück gegeden, dessen Ausstattung wieder einmal alles bisher. Dagewesene übertrifft. Der Schlußakt der Pantomime, die den Titel: Das Schatzschiff" führt, fpielt zum Theil auf dem Meeresbo den. Ein riesiges Korallenriff, ein wahres Farbenwunder, das 14,000 Kilogramm wiegt und mittelst 7000 Glühlampen erleuchtet wird, sinkt vom Dach, des Hauses in ein riesiges Wasserbassin krab. In der nun folgenden Scene werden Taucher von Po lypen angegriffen, Riesenfische schwimmen heran und der kälteste Zuschauer wird in Aufregung gebracht. Auch Miß Kellermann, die berühmte amerikonische Schwimmerin, wirkt mit. I n Swinemünde wurde der Besatzung des im Hafen liegenden deutschen Pe'troleumoampfers Mamt heim". Kapitän Schon, durch die Swinemünder Schiffahrtsbehvrde im Auftrage der englischen Regierung für ihre Tapferkeit und bewiesenen Muth beim Untergange des englischen Dampers English King", von dem sie elf Personen retteten, em große Ehrung zutheil. Dem Kapitän wurde neben einem Dankschreibcn ein Prachtvoller silberner Tafelaufsatz überreicht. Der Steuermann erhielt die goldene Rettungsmedaille und ein kostbares Seeglas, der Bootsmann die silberne Rettungsmedaille am Bande und für die übrige Bemannung des Rettungsbootes, ist 'ein Geldgeschenk von je-60 Mark be. stimmt. In furchtbarer Situation befand sich der 63jährige Schaffner Franz Schatzer. der kürzlich nächst der Station Erdbergerlände bei Wien während des Verschiebens eines Lastzuges von einem Waggon gestreift wurde. Er kam hierdurch zu Falle, und der ganze Train, der , aus der Lokomotive und fünf Waggons bestand, ging nun im langsamen TemPo über den Körper des Schaffners. Die Lage des Mannes, der bei vollem Bewußtsein war, war naturgemäß die denkbar schrecklichste, da er, nachdem bereits die fünf Waggons über ihn gegangen waren, ohne ihn zu verletzen, befürchten mußte, von der Lokomotive, die hinter den Waggons fuhr, zermalmt zu werden. Aber auch diese ging über ihn, ohne ihm Verletzungen zuzufügen. . Ein 17 jähriger Primaner Namens Geza Lendvay ist vor einigen Wochen aus dem elterlichen Hause in Budapest verschwunden. Lendvay, der von seinem verstorbenen Vater ein großes Vermögen , besaß, wurde von seinem Stiefvater, dem Rechtsanwalt Dr. Szanto, in strenger Zucht gehalten, da er sehr abenteuerliche Pläne hatte. - So ließ er verlau ti; daß er in die Fremdenlegion eintreten wolle. Nach seinem Verschwinden wendete sich Dr. Szanto an die Polizei, die an einen bekannten Detektiv in Marseille die Aufforderung ergehen ließ, nach dem Verbleib des Flüchtigen zu forschen. Der Detektiv telegraphirte. ' daß der junge Mann thatsächlich in die Fremdenlegion eingereiht worden sei, und erbot sich, gegen einen Betrag von 20.000 Francs einen hohen französischen ' Militär zu bestechen und den jungen Mann zu befreien. Dr. Szanto sendete das Geld, aber der Stiefsohn kam nicht zurück. Auf eine neuerliche Anfrage depeschirte der Detektiv, die Legion sei mit dem jungen Manne bereits abgegangen, der hohe Militär habe zwar die 20.000 Francs empfangen, könne aber vorläufig nichts thun. Da diese Antwort dem Rechtsanwalt verdächtig erschien, reiste er mit dem nächsten Schnellzug nach Marseille. Eine tragikomische Unterbrechung erlitt eine Vorstellung deS unter der Direktion Biegler reifend: Cirkus, der in dem unmittelbar bei Sprottau in Schlesien gelegenen Industrieort Eulau zastirte. Der Cirkus trat in der Hauptsache mir drefsirten Pferden und Eseln auf. Einer der langohrigen Einhufer war so abgerichtet, daß er in seinem Sattel keinen Fremden litt. Um das zu beweisen, richtete Cirkusdirektor Biegler, nachdem der ausgezeichnet dressirte Esel seine Glanznummer absovirt hatte, an das Publikum die Aufforderung, es möchte sich ein Herr melden, der den Muth habe, den Esel zu besteigen. Da trat der auf der Eulauer Wilhelmshütte" beschäftigte, etwa 30 Jahre alte Schlosser Talke in die Manege. Seine Bemühungen, auf dem Esel zu reiten, . blieben aber zum Gelächter des Publikums, thatsächlich ohne Erfolg. Entgegen den Warnungen des Direktors versuchte darauf Talke, das mit allen vier Beinen widerstrebende Thier mit unsanfter Gewalt unter seinen Willen zu beugen. Er zerrte es am Schwanz und an den Ohren und soll ihm hierbei sogar die Schwanzwurzel gebrochen haben. Auch das half nichts. Daß aber schließlich auch einem Esel bei unwürdiger Behandlung die Geduld ausgehen kann, bewies das gequälte Thier dadurch, daß es plötzlich nach dem Gesicht seines Peinigers schnappte und diesem zum Entsetzen der Cirkusbesucher den Weichtheil der Nase bis an die Wurzel glatt abbiß und noch obendrein verschluckte. Talke, der verheirathet und Familienvater ist.' will , nun den Clrkusbesitzer für den dauernden und höchst unartgenehmen Korperschaden haftpflichtig' mackeu. - : '
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