Indiana Tribüne, Volume 30, Number 115, Indianapolis, Marion County, 7 January 1907 — Page 6
- Jndiana Tribüne, 7. Januar 19074
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Europäische Nachrichten.
Schweiz. Basel. Pfarrer Vraendli hat sich in einem Anfall von Schwermuth im Rhein ertränkt. Delsberg. Letztens ist hier der Stadtpfarrer Dekan Flenry, Dr. theol.. der sich bei allen Parteien grohen Ansehens erfreute, im Alter von 53 Jahren gestorben. Luzerne. Im Elektrizitäts werk Rathhausen kam ein lediger Arbeiter Namens Huber dem Stark ström zu nahe und wurde sofort getödtet. Läufelfingen. Kürzlich verabschiedete sich Pfarrer Chr. Lotz von seiner Gemeinde, um nach 46jähriger pfarramtlicher Thätigkeit in den Ruhestand zu ireten. Der hiesigen Gemeinde hat er während eines Zeitraums von 26 Jahren seine treuen Dienste geleistet. O e r l i k o n. Vor kurzem kam es auf der Hochzeit eines. Italieners Corrado Martinelli zu einer Stecherei. Die Gesellschaft war betrunken und der Hochzeiter geneth mit einem der Gäste, dem Luigi Piazi, in WortWechsel, der sofort in Thätlichkeiten ausartete. Der Hochzeiter gebrauchte den Schlagring und der Schwiegervater Joh. Cian! kam mit dem Messer zu Hilfe, mit dem er dtm Piazi eine lebensgefährliche Verletzung beibrachte. Als Ciani sah, watf er angerichtet hatte, machte er sich von hier fort. Die Polizei erließ gegen ihn einen Steckbrief und einige Zeit später konnte er schon in Luzern verhaftet werden. Er befindet sich in Zürich in Untersuchungshaft. S ch e i d e g g. Letztens kamen auf der hiesigen Station in der Lokomotivremise der Jungfraubahn drei Arbeiter, welche seit längerer Zeit im Dienste des Unternehmens stehen, mit dem Starkstrom in Berührung. Zwei erholten sich wieder, der dritte, Karl Klötzli von Wynigen (Bern). 20 Jahre alt, war trotz aller Wiederbelebungsversuche tydt. Solothurn. Hier starb im Alter von 78 Jahren der Staatskassier Viktor Güggi, gebürtig von Grenchen. Zuerst Primarlehrer, trat Gllqgi in den Staatsdienst und bekleidete über 40 Jahre lang das Amt eines StaatskassierS. Zürich. Der Professor für Brückenbau am hiesigen Polytechnikum. Dr. Ritter, ist gestorben. Von 1873 war er Professor in Riga und Hat ein Alter von 60 Jahren erreicht. Hellerreich'Vrrsar Wien. Letztens hatte der 31ja rige Gerüste? Josef Cizek, Landstraße, Genstettengasse No. 15 wohnhaft, xotU cher als Reservist einberufen war und die Kaisermanöver in Schlesien mitgemacht hat, ein sogenanntes Magazin mit fünf leeren Patronen nach Hause mitgebracht. Vor Kurzem mantpulirte Cizek in seiner Wohnung mit den Patronen, und als er gegen eine derselben mit einem Nagel schlug, entlud sich die Patrone, und der Inhalt drang dem Gerüster in die linke Brustseite. Cizek stürzte tödtlich verletzt nieder und die sogleich telephonisch requirirte Freiwillige Rettungsgesellschaft fand ihn bereits als Leiche vor. Der 74jährige Hauptmann i. P. Karl Thoma hat sich auf dem Penzinger Friefhof: aus einem Revolver von neun Millimeter Kaliber verletzt. Der Offizier war bei Bewußtsein, wollte jedoch das Motiv der That nicht angeben. Aschäch. Bor Kurzem entstand hier ein großer Brand, dem vierzehn Objekte, darunter zwei Gasthäuser, und durch Flugfeuer das am anderen Donauufer . in Landshaag gelegene Faustschlößchen, an das sich eine Faustsage knüpft, zum Opfer fielen. Der Schaden ist sehr bedeutend. Baden. Kürzlich ist in dem Parke des Offiziers - Sauerhofes die Leiche eines jungen Mannes, die eine Rebschnur um den Hals trug und zwei Schüsse in der rechten Seite des Kopfes hatte, aufgesunden worden. Eine polizeiliche Kommission konstatirte, daß der junge Mann eine Rebschnür um seinen Hals gelegt, diese auf einem niederen Baumast befestigt und gleichzeitig aus einem Buldoggerevolver zwei Schüsse in die rechte Schläfe abgefeuert hatte. Die Leiche ist als die des 21jährigen Sohnes des Militärportiers Feldwebel Franz Scherl agnoszirt worden. Scherl. der noch vor Jahresfrist in einem Wiener Großhandlungshause als Kommis konditionirte, mußte wegen eines Fußleidens das Krankenhaus aufsuchen. wo ihm der kranke Fuß amputirt werden mußte. Deshalb verübte er den Selbstmord. Feist ritz. In den hiesigen Welsbacher'schen Gipswerken ist der Arbeiter Ferstl durch einen losgelösten Felsblock getödtet worden. Die Arbeit in diesem Stollen gilt seit jeher als sehr gefährlich, weshalb sich auch andere Arbeiter weigerten, ihn zu betreten. Taus. Kür-lich wurde der. Postkondukteur Johann Pasecznik in seinem Bette schwer erkrankt aufgefunden. Auf dem Fußboden lag seine Frau bereits tobt ausgestreckt. Der herbeigerufene Arzt stellte bei beiden Vergtjtunz fest.
Das Mtterfyfiem in England.
Während sich die Vereinigten Staan fitgfor rnA immer ersolareicb ae v mr tryv. . w 7 gen die Einführung des metrifchen Messungssystems gesträubt yaven wird, freilick auch der Noth gehör, ckend. nickt dem eigenen Triebe, allem Anschein nach die englische Industrie von dem orsyer gevrauchliazen un und 3ollivta absehen und das me irische System annehmen. Wie nämlich aus London mitgetheilt wird, hat Arthur Chamberlam, der ruver Joes. beschlossen, m lernen weite kannten Pulver- und Munitionsfa briken auf eigene Hand das metrisch' System einzuführen. Obwohl das Parlament schon im Jahre 1864 den Gebrauch der metrischen alfafc erlaubt hat, so hat sich doch die englische Schwerfälligkeit bisher noch immer nickt dazu aufraffen können. Wie Arthur Chamberlain sagt, verliert England durch das Beharren an tx nem alten Maßsystem jährlich Mil lionen über Millionen, besonders im Verkehr mit dem Auslande. Aus die sem Grunde will Chamberlain nun nickt länger warten. Die Einführung des metrischen Systems ist nach seiner Ansicht denkbar einfach, und nax eine Aenderung an den Wagebalken und eine Vereinfachung der Buchführung ist nothwendig. In Zukunft wird man in den Büchern statt acht oder neun Rubriken für Gewichtsbestimmungen nur drei, für Geldeintragungen nur noch zwei nothwendig haben, und zwar je eine für Geldwerthe und eine für Gewichtsnxrthe. Die Löhne aller dings müssen, da sie nach dem Dezimalsystem gebucht werden, in Pfunb. Schilling und Pence umgerechnet werden. Alles in allem genommen be deutet die Einführung des metrischen Systems für Industrie und Handel einen enormen Vortheil. Möglicherweise wird das Vorgehen eines der mächtigsten königlichen Kaufherren" Englands Nachahmung hervorrufen, und das könnte vielleicht auch die Gesetzgebung zu einem endgültigen Entschlusse nöthigen. Ist aber erst England mit einem solchen Beispiel vorangegangen, so werden dann die Vereinigten Staaten wahrscheinlich auch nicht mehr lange zurückstehen können. Draga Maschins Verlobung .An dem Tage, an dem Alexander von Serbien wie durch ein Wunder dein Tode durch Ertrinken im Meere entging, geschah es, daß der junge König zum ersten Male Draga Maschin küßte. In ihrer Erregung über die Gefahr, in der der Jüngling geschwebt hatte, sagte sie ihm. daß sie dem Himmel für die glückliche Errettung danke. Da flehte der Köma sie an, sie möchte zur Feier seiner Rückkehr zum Lieben ihm gestatten, sie zu küssen. Sie gewährte-es ihm. Es war ihr erster Kuß". So erzählt die Schwester der ermordeten Königin, Christina Petrawitsch Lunjewitsch, in einer Biographie, die ste vor Kurzem veröffentlicht hat, und um ihre Behauptung zu erhärten, daß Draga sich lange dem Plane einer Heirath widersttzt habe, schildert sie folgende romantische Scene, die zu der Verlobung führte. Eines Tages im Juli 1900 stürzten plötzlich zwei Herren in das Haus in Belgrad, in dem Draga mit ihrem Bruder Nicodemus wohnte. Es waren der Minister des Innern Genschtisch und der Minister der öffentlichen Arbeiten Neschirsch. Sie müssen sofort Serbien verlassen, gnädige Frau! Sofort von Belgrad abreisen, über die Donau fahren und nach Ungarn gehen!" riefen sie Draga zu, als sie ihrer ansichtig wurden. Aber warum und mit welchem Rechte befiehlt man mir das?" fragte sie Es ist im Interesse der Nation und des Königs". Draga gab ihrem stürmischen Drängen nach, ließ ihren Bruder schwören, daß er niemals offenbarte, daß sie zu ihrer Tante ginge, und reiste ab. Wenige Augenblicke darauf sprengte der König, von einigen KÄrassiren begleitet, im Galopp vor das Haus. Wo ist Draga?" fragte er beunruhigt, als er sie nicht erblicktc. 'Der Bruder der Geflohenen antwortete, er habe der Schwester geschworen, das nicht zu sagen. Zuerst habt Ihr Eurem König Treue und Gehorsam geschworen. Als König befehle ich Euch, sie sofort aufzusuchen und zurückzubringen." So kehrte Draga zurück, und der König steckte ihr den Verlobungsring an den Finger. Dann erzählte er, wie dies so schnell gekommen war. Ich hatte den Ministerrath gerade zu dem Zweck zusammengerufen, um ihm anzukündigen, daß ich mich morgen mit Draga verloben würde. Plötzlich bemerkte ich, daß Genschitsch und Neschitsck das Zimmer verlassen hatten. Da durchzuckte mich der Gedanke, daß sie gegangen sein könnten, um Draga zur Abreise zu bewegen, während ich mit dem Widerstande der anderen Minister kämpfte. Auf ein kleines Heiligenbild ließ ich die Minister schwören, daß sie meine Rückkehr erwarten wür1en. Ich legte die Gene ralsunrform an, nahm den Ring und ritt im Galopp zu Dragas Hause. Sie war schon fort. So wurde Draga Mafchin schon einen Tag frü her als der König beabsichtigte, sei. Braut.
Neue deutsche Städtcbildcr. Hamburg. Als ich eines Abcnds im Grand Ho
tel in Aokohama an der Bar beim unvermeidlichen Whisky-Soda überlegte. ob ich mir nun zum zwölften Mal die Künste des zapanischen Puppenspielers ansehen oder zum dreizehnten Mal die Geheimnisse von Homoku entschleiern lassen oder einfach unter das Moskitonetz kriechen und schlafen sollte, sagte neben mir der elegante, junge Mann mit dem dreistöckigen Stehkragen: Pardon, sind Sie Hamburger?" Nein. Warum?" Ach, ich frage bloß, um ein Gespräch anzufangen?-" ÄH so. Aber Sie und wohl aus Hamburg?" Natürlich!" Er sprach dieses Naturlich mit emer Betonung, wie ehemals ein Landsmann Ciceros im Barbarcnlande sein Civis Romanus sum" hingelegt haben mag, und überall, wo ich draußen zunge Patriziersöhne aus Hamburg traf, fand ich denselben stolzen Akzent und dieselben pompösen Stehkragen; denn es sind patente, junge Herren, und sie spielen im Gesellschaftsorchester wenn auch nicht gerade die erste Geige, so doch aber mindesten die Pikolo - Fkötc. Die Kollegen jedoch, deren Wiege nicht auf dem Jungfernstieg oder im Blankeneser Villenviertel stand, murmeln im Klub bisweilen et was von großen Rosinen" -und warm gefütterten Westen". Sie wissen ein Lied davon zu singen, wie schwer es dem unbemittelten, jungen Kaufmann trotz guter Qualifikation fällt, einen Ueber'seeposten zu erhalten, und wieviel schwerer noch, ihn zu behaupten, denn die Rolle des großen Herrn, die dem Weißen unter heißer Sonne durch die Umstände aufgenöthigt wird, ist zwar angenehm zu spielen, reißt jedoch fatale Löcher in einen nicht glänzend gefüllten Beutel. Aber es wäre natürlich lächerlich. den hsmburgischen Kaufmann draußen nach einer kleinen Anzahl ver wöhnter. junger Herren zu beurtheilen. In den deutschen Kontoren des Auslandes ftrnfr intensiv gearbeitet, und unzulängliche Kräfte verschwinden schnell in die Versenkung Ueberall. tü$ es an fernen Küsten etmaS zu holen gibt, steht d Hamburger als die markcmttste Erscheinung deS deutschen UeberseerthumS a-uf dem Posie-n. Er verfrachtet m Manila Hanf, in New Orleans Baumwolle, in Jqüiaue Salpeter, in Kapstadt ich weih nicht was; er scheint die Gabe der Allgegenwart zu besitzen, und es gibt keinen nenneniwerthen Hafenplatz auf dem Globus, der nicht von Hamburger Schiffen angelaufen wird. Kann es da wundernehmen, wenn eine merkwürdige Mischung von Ueberallzuhausesein entschuldigen Sie das schreckliche Wort und Heimathstolz das Wesen des Hamburgers ausmacht und feiner Vaterstadt dort, wo die Pulse des WeltHandels schlagen, den charakteristischen Stempel aufdrückt? Alles Kosmopolitische, das Hambürg rings um Hafen, Fleete und Alsterbasins an sich hat, verdankt es dem großen Wasser; abseits davon, in den landeinwärts gelegenen Vorstädten, sieht es still und wenig interessant aus. Zum echten Weltstadtgetriebe gehört aber der Seeverkeh?, deshalb haben London, New Dirk und mancher s'hr viel kleinere Hafinpratz bei Weitem mehr weUstädNsche Zii$ als etwa Paris oder Berlin. Holt zehn Pfennig heraus und steigt auf irgend eine Rundfähre! Hier aus dem plätschernden, grauen Wasser zwischen Höften und Wärdern, speichern und Kais, Schuppen und Krähnen, Werften und Docks, Schornsteinen und Masten, Ewern und Barkassen athmet die Brust jenen bezaubernden Hauch der großen Welt, den Niemand vergißt, dem er einmal ordentlich um die Nase geweht hat. Gibt es eine schönere Musik als das Fauchen der Dampferschlote, das Pfeifen der Ventile, das Rasseln der Ankerspille. das Muckepicke-Mucke-picke" der Motorboote? Ich habe beim Essen eine Stunde lang die Schiffsanzeigen der Hamburger Zeitungen gelesen un fand ste trotz ihres kunstlosen Stils k,t,Hanttt al die letzten Erzeugn4sse unserer shönen Litteratur. Ein alter Kohlendampferkapitän mit kupferner Grognase gewährt mir einen höheren ästhetischen Genuß als ein Adonis im Frack, und die Rosenfelder von Kasanlik duften nicht halb so verführerisch wie das aus Theer- und Hanfgeruch gemischte Parfüm, das von St. Pauli bis Billwärder n den Vorsätzen entlang die Luft durchzieht und sich in den Frühstückskellern mit dem köstlichen Dufte frischer Austern und herb-süßer Aalsuppe zu überwältigender Wirkung teigert. Apropoö Austern! Daß man ie sowie Hummern und andere Seedeikatessen in Berlin mindestens ebenso gut, aber zu billigerem Preise bekommt als an der Wasserkante, diefe Thatsache gehört für mich zu den unzähligen Lebenörätbseln. Jeder gesittete Austernfreund sollte übrigens endlich einmal wissen, was das Beste, was jemals iber die schmackhaften Muschelthiere geschrieben wurde, in dem geistreichen und deshalb fast unbekannt gebliebenen Büchlein Der gerechte und vollkommene Austernesser" von Moritz Busch, dem verstorbenen bismarckischen Publizisten, steht. Die Poesie des Weltverkehrs, die dem Hamburger Hafenleben seine locdsten Reize verleiht, scheint auf den ?:stcn Blick keinen Widerhall in der Trust des Hamburgers zu findenden ;
in der allgemeinen Vorstellung gilt er als ein eminent nüchterner Geschäfts man, der mit einem gewissen äußerlichen Phlegma und desto lebhafterer Hartnäckigkeit rein praktischen Zielen zusteuert. Aber nur oberflächliche Be-
obachtung kann zu solchen Schlüssen kommen. In manchen Gesellschaftskreisen ist es ja immer noch em thörichtes Vorurtheil, daß die Pfeffersäcke" keinen anderen Trieb hätten als den, ihr Hab und Gut zu vermehren. Genau das Gegentheil trifft zu! Von jeher waren die Statten großzugiger Kaufmannschaft Heimstätten der Wissenschaft und Kunst; von jeher haben es erfolgreiche Handelsherren für eine vornehme Standespflicht gehalten, den Schöpfern idealer Werke den so nothwendigen materiellen Nährboden zu verschaffen. Das kunstfeindliche Banausenthum gedeiht wirklich in ganz anderen Kreisen als bei unseren großen Kaufleuten. Me Renaissance blühte und verwelkt mit der Kaufmannschaft, die Medici waren Kaufleute wie die Fugger, Holland entfaltete fein höchstes Kunstkönncn zur Zeit seiner schönsten Handelsblüthe, und nirgends fand in Deutschland die verfeinerte Kultur so liebevolle Pflege als in den Hansastädten zur Zeit ihrer alten Macht. Die Nothwendigkeit inniger Beziehungen zwischen Kapital und Kunst läßt sich nicht bestreiten, und Hamburg ist so gut wie Bremen seinen guten Traditionen treu geblieben. Gerade in neuester Zeit wieder regt sich das geistige Leben in Hamburg so mächtig, daß man es sich aus der geistigen Physiognomie Deutschlands gar nicht hinweg denken kann. Hier lebt eine stattliche Anzahl von Schriftstellern, die zu unseren kraftvollen litterarischen Charakteren gehören, neue erzieherische Ideale werden von Hamburg aus erfolgreich protegiert. das Kunstleben ist ungemein rege, und die wissenschaftlichen Jnstitute wetteifern in ihrer Entwicklung mit den Meisterwerken der Technik. An allen Ecken und Enden der Stadt spürt man den Geist eines rastlosen und harmanischen Vorwärtsschreitens; von dem neuen, mächtigen Hauptbahnhof an, der in nächster Zeit dem Verkehr übergeben werden soll, bis zum gewal tigen Bismarck-Denkmal, dieser stein gcwordinen Ersika, die nach dem Feu ertode der MichaeliSkirche als das neue Wahrzeichen Hammenias gelten kann, macht die architektonische Drüstigkeit des alten Hamburg immer mehr großartigen Neuschöpsungen Platz. Ja, das BiSmarck-DeNkmal! Ich weiß, Viele können sich vorläufig noch nicht recht damit befreunden, wett das Ungewöhn liche, Antikonvmtionclle des Monüments ste sremdattige berührt; aber mir scöeint ,S die stärkste künstlerische Huldigung zu sein, die Bismarck bisher dargebracht wurde, trotz d:r überraschenden Einfachheit der Mittel oder vielleicht gerade deshalb! So frei von allen Zufälligkeiten des schnell Vergänglichen scheint eS die Anwartfchaft auf ewiaes Leben zu haben, und ich glaube, daß einmal in fernen, fernen Tagen, wenn aus Europa mit Einschluß der guten Stadt Hamburg Gott weiß was geworden ist, dieser schweigende.Recke gleichden Memnonskolossen von Theben immer noch mit starren Augen über Menschen und Dinge hinweg Wi die Unendlichkeit blicken wird. Der eiserne Reformbesen, der in Hamburg die engen, lichtscheuen Gassen, die Stätten des Wohnungselends und Brutplätze manch bösen Seuchen, nun zum größten Theil weggefegt und ganze Häusergevierte niedergelegt hat, ist natürlich auch an der Romantik des alten Hamburg nicht spurlos vorbeigegangen. Auf große Schönheit konnten die nüchternen, düsteren Häuserreihen. von wenigen Fleetpartien abgesehen. ja niemals Anspruch erheben, deshalb weint ihnen auch der Alterthumsfreund nicht viele Thränen nach und erkennt den monumentalen Reiz der riesigen Kontorhäuser und Speichersassaden, die an .die Stelle der alten Baracken traten, gern an. Aber in demselben Maße, wie Licht und Luft in die Hafenquartiere drangen, hat auch die Physiognomie des Straßenlebens dort große Veränderungen erfahren. Die Stätten, die einst der heimgekehrte Seemann mit seiner geräuschvollen Heiterkeit erfüllte, haben sich so gemausert und fein gemacht, daß man sie kaum wiedererkennt. An der altberühmten Reeperbahn geht es jetzt beinahe so distinguirt zu wie im Geheimrathsviertel, und man muß als Frem der schon gut berathen sein, wenn man noch hier und da etwas von den berechtigten Eigenthümlichkeiten" der Theerjacke auf Urlaub sehen will. Ueberhaupt ist die große Ruhe überraschend, mit der sich in -Hamburg trotz des regen Straßenverkehrs das Leben abspielt. Die Straßenbahnwagen maeben hier nicht halb so viel Lärm wie die unerträglich rasselnden, polternden Donnerkasten, die ich als die Haupterrege? der Berliner Nervosität betrachte. Im Großen und Ganzen genommen ist Hamburg wirklich ein recht angenehmes, nettes Städtchen, und wenn die Hummern nur billiger wären und es nicht so viel regnen thäte, möchte ich ganz gern der Held des Hamburg!schen Volksliedes sein, von dem es heißt: Un dorbi wohnt hee noch jümmers in de Lammer-Lammerstreet, kann maken, wat hee will." .... Victor Ottmann. M Betrachtung. Herz und Schmerz reimt sich zusammen Nicht nur in der Poesie; Denn wo immer schlcUt ein Herze, 5?.tblt der Sckmerz im Bunde nie.
Zur Verhaftung des Pariser Bankiers de Flöres in Paris werden folgende Mittheilunqen gemacht: Auf Veranlassung d:ö Prinzen Friedrich Karl Hohenlohe Oehringen erfolgte die Verhaftung de2 Vanktertz Simeoni d Flöres. Nach ::n Angaben des Prinzen ist dieser durch Simeoni de FlöreS verleitet wor.en, in Feringsyndikataktien zu spekul!:ren, oduch ihm ein Schaden von 30.000-FrMk entstanden ist. DiebeNördlichen Vttnehmungen haben ergeiiii, daß drei Londoner Börsenkontors, !ie für den Prinzen im Auftrage des pariser Bankiers den Spekulation---uftrag angeblich ausführten, überl aupt nicht eristlerten. Die Untersuung ist zur Zeit im Gange sie scheint zu ergeben, daß de Flöres den "örsenauftrag deS Prinzen nur scheinzr auSaeführt hat; immerhin aber :ätte Prinz Friedrich Karl Hohenlohe Kiesel Summe verloren, wenn die Operation regelmäßig durchgeführt "orden wöre. Der Anwalt des Bani ers hat den Antrag auf Haftentlasng seines Mandanten gestellt. Ekie Ducommun f. In ::rn ist an einer Lungenentzündung s. lie Ducommun gestorben, der seit !?91 Leiter deS internationalen per:7.arenten iedensbureaus war. Duc 'M.TiUn Wix 1833 in Genf geboren :-d bethätigte sich als ew eifriger Frie 'nsfreund. Im Jctzre 1902 erhieit er !-:n Nobelpttis. De, Vnstokbene hat ' inen Band Gedichte veröffentlicht, be- : .LeS SourireS". Ms 1902 r :x er Generalsekretär der Jura-Sim-rlon-'Eisenbahn. Gefahr durch f. inen seit einem Jcrhr e brennenden Bahndamm. Aus Duisburg n?iri gemeldet: Der seit Jahresiist unterirdisch brennende Bahndamm der $hyssenschen Industriebahn t)at an AuSdchnung derart zugenommen, daß an verschiedenen Stellen Einstürze zu befürchten sind. DaZ Bahnhaus droht einzustürzen, die Abdämmung durch! Lehm ist erfolglos geblieben, weöhalb nunmehr durch Wasserzuführung die Löschung versucht wird. Der größte MannFrank r e i ch S. AuS Paris, wird geschrieben: Wer ist der größte Mann Frankreichs? Der Petit Parisien hat den Einfall habt, diese Frage durch eine Art Volks, abstimmung beantworten zu lassen. Da ihm seine tägliche Auflage von udei 1s Million unter allen franzosisTttl Tageszeitungen di wetteste Derbrei tung sicher war daö Btott wie kein anderes in der LagZ. dieses Plebiscit zu veranstalten. Vor einiger Zeit lu gann es damit. kure Biographien der Männer zu verfentlichen. welche Anfpruch auf den Ätel deS gben Fran, zosen erheben können, ES war viel leicht ein halbes Hundert, in denen jedenfallS keiner der zu Weltruhm gelangten Größen auS Geschichte, Litertur, Kunst, Wissenschaft. Kriegskunst usw. fehlte. Der bescheidenste Leser konnte sich also eine Meinung bilden,' wenn er noch keine hatte. Die Zahl der einlaufenden Antworten war überra schend: Mehr als 800,000. Die Zählung der Stimmzettel nimmt beinahe zwei Wochen in Anspruch, und der Petit Parisien veröffentlicht jeden Tag den Stand der Zählung. Der Leser wohnt auf diese Weise einer Art Wettrennen" der großen Männer bei. Bald ist d eine, bald der andere an der Spitze. Jetzt, nachdem etwas über die Hälfte der Antworten gezählt stnd, scheint der Kampf auf ein halbes Dutzend It schränkt. An erster Stelle marschiert Pasteur mit 424.201 Stimmen, dann 'gen Hugo mit 409,673. Gambetka it 407.814, .Napoleon mit 381.168. hiers mit 272.642, Lazare Ccnot "e? Revolutionömann) mtt 370,418 u. f. w. Wir werden da Endresultat ' ittheilen, sobald es vorliegt. Aber eil ijeint jetzt schon ziemlich sicher, daß Pasteur oder Victor Hugo den Sieg ' avontragen, wenn nicht Gambetta feine Chancen überraschend verbessert. Charakteristisch ist es jedenfalls, daß Napoleon so weit inö Hintertreffen geiäth und daß ein Mcum der Wissenfchaft und des Friedens, der persönlich der bescheidenste Mensch war, im JolkSbewußtsein den ften Rang rinimmt, weil er ein Wohlthäter der
Menschheit war. Ein Frersprucy unv seine Folgen. In Liverpool wurde ein Mann, der zum zweitm Male unter de? Anklage des MordeS vor Gericht stand, weil sich die erste Jury nicht Über das Urtheil hatte einiaen könn, von der zweiten Jury freigesprochen. Dieö führte zu großer AufrtKmg in der Bevölkerung. Ein Äiftwirth erhielt bei einer Auseinanderletzuna üöer diesen ffall von einem snnn Gäste inen Faustschlag, an dessen Folgen er starb. Der reiaesvroÄene mute vor ter Wuth der BevöKerung, die an setne Schuld glaubt, Schutz auf der Polizei station sucken. Schauspielerin und Erz Herzog. Der Peyi Naplo" erzählt eine romantisch Geschichte vn dem jüngst verstorbenen Erzherzog Otto. Der Erzherzog habe mit einer Wiener Schasxrerin Robinson ein Beehälk. niß unterhalten, dem tej Kaben ent. fl L 9 0m M nampi,, onen mqai vtt rzyerzog der Mrlo deß Monarchen uNd seines Oradets npscchl. DnlZn:r er klärte, er woLe mit der Ssche nichts zu thun haben, während ttaisn Franz Jo. rs tn. ...v tA.tn. . t nucii ouiumnu rcpcurc i? w, 000 tteonen für die Knaben bepenirik.
