Indiana Tribüne, Volume 30, Number 115, Indianapolis, Marion County, 7 January 1907 — Page 5

Jndiana Tribüne, 7 Januar

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Sie russische Censur von' ehedem.

In Um kürzlich erschienenen zvxi toi Bande der Erinnerungen deZ deutschen PastorS in St. Petersburg, Hermann Dalton, finden sich interessant: Einzelheiten aus den Zeiten der Kaisei Alezander U. und Alexander IIL, denen Dalton persönlich nahe-stand.-Alexander IL wußte ebenso tote sein Sohn, daß nicht nur seine Unterthanen und sein Hof, sondern auch er selbst von der allmächtigen dritten Abtheilung seiner eigenen Kanzlei, an deren Spitze Graf Peter Schuwalow stand, (.Zar Peter IV." wurde er vom Volk genannt) mißtrauisch überwacht wurde. Als die Großfürstin Alexandra Josiphowna sich während des Krieges von 1866 und nach ihm beim Kaiser beklagte, daß der auch auf der Post wie ein Selbstherrscher waltende Ehef der dritten Abtheilung den Briefwechsel mit ihrer Schwester, der entthronten Königin von Hannover, durchsehe, soll Alexander ihr gesagt haben: Ich muß mich schon zufrieden geben, wenn der Graf nicht meine Briefe auf der Post liest." Auch Alexander HI. fand sich damit ab, und doch hat er einmal die censukelle Bevormundung seines Volkes auch cm eigenen Leibe unangenehm empfunden. Es war das vor etwa zwanzig Jahren, als die Gemahlin des Herzogs von Cumberland. die Schwester der Kaiserin von Rußland, wegen eines plötzlich ausgebrochenen Leidens in eine Nervenanstalt bei Wien gebracht wurde. In der ersten Aufregung übersah man, aenauere Nachrichten über diese Erkrankung nach Petersburg gelangen zu lassen, und der russische Hof befartd sich infolgedessen einige Tage lang in großer Erregung. Der Privatsekretär der Großfürstin Alexandra Josiphowna theilte dies dem Pfarrer Dalton mit, als dieser gerade einen ausführlichen Bericht über die Nervenstörung der Herzogin in einer deutschen Zeitung gelesen hatte. Sofort überbrachte der Sekretär das Zeitungsblatt mit dem Artikel, dessen Schluß freilich geschwärzt war, der Großfürstin, die daraufhin mit Extrazug nach Gatschina fuhr, um die Zeitung dem Kaiserpaar vorzulegen. Der Kaiser, so erzählte die Großfürstin später, habe selbst den Bericht des deutschen Vlattes seiner Gemahlin vorgelesen, bis er bei Wendung des Blattes auf die klebrige Eensurdecke" des Schlusses stieß. Er begriff nicht die Bedeutung des ihm bis dahin unbekannt gebliebenen Feigenblattes und mußte über das verwunderliche Ding lachen. Eine Depesche ging nach der Hauptstadt, ihm unverzüglich eine ungeschwärzte Nummer mit Eilboten zu senden. Zum Glück wurde eine solche in der deutschen Botschaft aufgetrieben ; der Kaiser soll aber doch ärgerlich gewesen sein, daß er ein paar Stunden auf den Schluß des ihn fesselnden Artikels warten mußte." Tie RhoeS-Std,nte in Oxford. Mitte Januar finden alljährlich die Prüfungen für die von Cecil Ifthodes gestifteten Stipendien an der Universität Oxford statt. Bis jetzt gibt es dieser Rhodes-Studenten in Oxford 161. Davon sind 71 aus den britischen Eolonien, 79 aus den Ver. Staaten und 11 aus Deutschland. In Deutschland haben die Stipendien von vornherein wenig Anklang gefunden, obgleich sie für drei Jahre mit je 300 Pwnd Sterling (1500 Dollars) ausgestattet sind. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß fünf Staaten der Union im Jahre 1904 keinen qualifizirien Bewerber für das Stipen dium geliefert und m 1905 sogar acht. In verschiedenen Staaten sei der Bewerb sehr schwach gewesen. Es hat also ganz den Anschein, daß die Absicht Cecil Rhodes'. durch sein Vermächtniß die Angehörigen der verschiedenen Theile des britischen Reiches und der mitberücksichtigten Länder einander näher zu bringen, keine besondere Anziehungskraft ausübt. Allerdings behauptet die Londoner Times", daß man über diese Frage aus den bisherigen Resultaten noch kein 'bestimmtes Urtheil gewinnen könne. Soweit bisher Zeugnisse ausgestellt seien, hätten sie einen hohen Grad von Erfolg gehabt, zumeist die Studenten aus den Eolonien. In einigen wenigen Klassen versuchten die Rhodes - Studenten zusammenzuhalten. in der großen Mehrzahl gingen sie ganz in die Menge der Studenten auf. Letzteres treffe auch für die deutschen Studenten zu, die indeß praktisch von akademischer Auszeichnung ausgeschlössen seien infolge ihres kürzeren Aufenthaltes, und von sportlicher Auszeichnung infolge der allgemeinen Art ihrer vorherigen Ausbildung. Umsichtig. Herr (zum Dichterling beim Baden): Ich glaube gar, Sie haben Notizbuch und Bleistift mit im Wasser? Dichterling: Na. was glauben Sie denn? Wie leicht fällt mir gerade da 'was ein! Boshaft. Sie, kürzlich habe ich etwas ganz AusaezeichneteL in

V rer Zeitung gesehen." Redakteur (gespeichelt): So, was war denn

ncar . .Ein Pfand delikaten Schinkens."

(?ine merkwürdige Geschichte vom bestohlcnen Hehler, die dann aus die Spur rafslilirtcr Einbrecher sllhne, ist vor der Strafkammer in Freilntra, i. Br. cntküllt worden. Im CUiü v.J. war in einem Goldwaaren-Geschäft-, das dem vielbesuchten Kai ser'Cafö gegenüberliegt, ein Ein bvud) verübt worden. Die Ticbe durÄbrachcn von einem Nebcnladen aus die Mauer und raubten für 6000 Mark Goldwaareu. Xic Behörden bemühten sich lange Zeit vergebens, eine Spur der Thäter zu sind:. Endlich wurde der Hauptschuldige, ein Italiener Satagno, festgenommen, nachdem er bei einem seiner Gehler eingebrochen war, um diesem die verlausten gestohlenen Goldwaa ren abermals zu stehlen. In das Goldwaarengcschäft war Satagno mit zwei anderen Italienern gelangt, die er Toökao" und Milano" nennt wahrscheinlich sinTi daSpitznamen). Die Beute wurde getheilt, und a tagno verkaufte von scincmTheil wie der an zwei Italiener für 41 und 70 Mark Waaren. Mit dem Nest des Raubes zog er an den Rhein, u.a. nach Tuiöburg, und auf dieser Ncise will er den Nest der Waaren an ein paar Händler losgeschlagen haben. Er ist dann, so erzädltc er vor Ge richt, mittellos nach Freiburg zurück gewandert und bat in der ?cähe der Stadt den Toökano" getroffen. In sZrcibnrg brachen sie nun bei den Italienern ein, die den Theil der ge stohlcnen Waaren besagen, sprengten zwei Thüren, stahlen auch thatsächlich einen Theil der gestohlenen Goldwaa ren zurück, dazu aber noch andere Ge

genslände. Dieser Einbruch wurde zum Verrath: Satagno wurde er rissen. Er erhielt fünf JahreZucht Haus, die beiden Hehler je 'vier Mo nate Gefängnisz. ?aS Gestttnvnitz deS MSrserS. Der vom Schwurgericht Bayrcuth wegen Sittlichkcitovcrbrechcn und nachfolgende Mordes an seiner elf jährigen Schülerin verurtheilte Lch rer Mulle? von Türnberg in Ober franken hat eingestandm, daß cr vor Iahren als (5iniädriaroiwilliger in Layrcuth mich eine Wirthin, die Witt ivc Endcrs, ermordet hat. Unter dem Verdacht der so lange unaufgeklärt gebliebenen Thaterschaft haben in Bayreuth mehrere Personen ,zu leiden gehabt. Ein Einjährig-Zrclwilligtt Samens Merkel, den die jarna als den Thäter bezeichnete, ging in die weite Welt, um den heulen aus den Ki'en zu kommen. ein Vater starb .Ins Kummer darüber, seine Muttek wurde wahnsinnig. Dem Untersu chungsrichtcr Schilling in Vayrcuth ist es nun gelungen, den zum Tode verurthciltcn Mörder auf folgende Art zum Geständnis zu bringen. Nach stundenlangem, vergeblichem Verhör legte er ihm plötzlich den Schädel der vor acht Jahren ermordeten Frau En dcrs vor und forderte ihn auf, die Hand darauf zu legen und zu fchwö ren, dak er den Mord nicht begangen habe. Ta begann der ohnehin nieder gebrochene, zum Tode verurtheilte Mörder zu weinen und gestand Alles. Man glaubt, das; er noch einen drit' ten llftord auf dem Gewissen habe. Am 6. Juni 1903 wurde bei Aschaffen. bürg die Telephonistin Joscfine Haas aus Bamberg ermordet aufgefunden, und verschiedene Verdachtsmomente lassen darauf schließen, datz Müller auch diesen Mord begangen hat. Ein origineller (SaunertriS ist neulich auf der Moskau-Kursker Bahn entdeckt worden. Auf dem Bahnhöfe in Moskau gab eine elc gant gekleidete Tame einen großen Koffer und einen kleinen Ncisesack als Gepäck nach Charkow auf, lief; das kleinere -tück für 5000 Rubel ver sichern, da es angeblich Kostbarkeiten enthielt, und bestieg selbst eine Ab theilung 2. Klasse. Ä7as so lzoch ver sicherte Gepäckstück ' wurde natürlich der besonderen Aufmerksamkeit des Gepäckträgers anempfohlen. Auf der Station rel, wo einige Gepäck stücke umgeladen werden mußten, unter ihnen auch der große ftofjcr der Tarne, crfcholl plötzlich aus dessen Innern ein Husten. Ter Koffer wurde gewaltsam geöffnet, und ihm entstieg ein junger Mann, der' dann imUliterfuchungsgcfängnisz dcrStadt rcl über den beabsichtigten Gauner streich Auskunft gab. Während der jxalirt sollte er deu hochverfichcrten Rcisefai entwenden, damit die Tame die Versicherungssumme erheben könne. Der Kon'cr war sinnreich kon slruirt. Die eine Wand konnte nach innen geöffnet werden und ermög lichte so das Ein und Ausstehen. Es fanden sich darin noch folgende Ta chcn vor: eine elektrische Taschcnla terne, ein Kissen, eine Decke, eine Flasche mit Schnaps, einiger Pro viant und zum Nachtisch einige Wein trauben. Auch die Tarne wurde an der Fortsetzung ihrer Reise gehindert. Tas versicherte .Gepäckstück enthielt nur Makulatur. 'Der Ausschuß für den Wiederaufbau der Burg Altcna an länlich der drcihundertjäbrigen Zu geHörigkeit der Grafschaft Mark zur Krone Preußen verwarf die Anre gung des Professors Ehrcnbcrg und Genossen, anstatt des Schsoszbaues ei ne technische Hochschule in Westfalen zu errichten. Kommerzicnrath Vaare erklärte, die Industrie habe eine neue technische Hochschnle nicht nothig. Der Aufbau soll 600,000 Mark kosten.

Der alte Zchulmeifler. Novellette von Paul Hermann Hartwig. Der alte Mann schaute wie cnigei siert auf das Schriftstück, das seinen Händen entsunken war und nun aufdringlich weiß auf der Diele in einem flimmernden Sonnenfleck lag. Durch das geöffnete Fenster der niedrigen, weiten Schulstube wehte die warme, schwüle Sommerluft den Duft von Rosen und Levkojen herein. In feurigrother Pracht blühten auf den Fensterbrettern Geranien übervoll. Die Sommerfliegen schwirrten hin und her, und eine grüngoldige Brummfliege fuhr in kleinen Pausen wider eine geschlossene blanke Fensterscheibe. Unter dem vorspringenden Dach des alten Hauses hatten Schwalben ihre grauen Nester ange klebt, und die junge Brüt, die in kurzer Zeit flügge sein mußte, zwitscherte unaufhörlich. Kein fremder Laut störte die holde Sommersinfonik es war Mittag und die Leute fccä Dorfes hielten nach der harten Är, beit in ihren Behausungen kurze Rast. Der alte Mann hatte sonst wohl ein feines Ohr für die klingenden, singenden Stimmen des Mittags, deren volles Verständniß ihm ein langes, der Arbeit und cr Natur freude gewidmetes Leben offenöart hatte. Heute schwieg ihm der Klang, nur die eine betäubende Gewißheit erfüllte ihn gänzlich, daß nun alles zu End sein "sollte keine Hoffnung mehr. Nicht, daß ihn der Schlag völlig unvorbereitet getroffen hätte: von seiner vorgesetzten Behörde war ihm mehrfach der Gedanke, nahegelegt worden, um seine Pensionirung einzukommen. Er hatte solche Vorschläge stets für freundliche Fürsorge gehalten und jeden Gedanken an den Ruhestand gets weit von sich gewiesen. Ein guter Hirte verläßt seine Herde nicht den Dorfbewohnern war er noch nicht zu alt die Hartgewöhnten liebten den alten Schulmeister auf ihre Weise. Es war ein kernfester, guter Menschenschlag. Rohheiten, Verfehlungen kamen natürlich auch hier vor, aber ste waren nicht das Alltägliche. Ein tüchtiger Mensch hatte nimmermüd Samenkörner ausge streut; allgemach, durch sorgfältige Pflege gefördert, waren ste aufgegangen und hatten reiche Frucht getragen. Der alte Schulmeister war sich seines Werthes kaum bewußt, es steckte in seiner innersten Natur, zu helfen und zu sorgen, und nun machte das weiße Schriftstück da seiner Lebensfreude ein Ende in den wohlverdienten Ruhestand", das waren dieselben Worte, die der Herr Schul rath bei seiner letzten Inspektion mit salbungsvoller Milde gesprochen. Nun war es Wahrheit geworden, er wlr zum alten Eisen geworfen, weil seine Methode- nicht mehr in die neue Zeit paßte. Seine Lebensarbeit gehörte der Vergangenheit an er galt nichts mehr, er war nichts mehr. Der Schlag war noch zu neu, als daß er klare Sichtung der Gedanken ermöglicht hätte. Eine Bitterkeit erfüllte ihn völlig, wie ste seinem langen Leben bis jetzt fremd geblieben war. Er saß unbeweglich und überhörte auch das Eintreten der alten Magd, die das Mittagessen hereinbrachte. Herr Kanter, hier ist das Essen. Plummen und Plllmp, nu langen S' man tau," mahnte sie, als er ihr Kommens nicht achtete. Nun blickte er auf und strich mit der schonen, runzeligen Hand eine Künstler Hand trotz der harten Arbeit, die sie zuweilen verrichtete über die Stirn. Es ist gut, Hanne, geh nur, ich lange schon zu." Er füllte sich wie mechanisch die einfache, irdene Schüssel mit Speise, aber es war ihm unmöglich, einen Bissen zu essen. Die jungen Schwälbchen. zwitscherten und krakehlten im Nest. Der Alte erhob sich schwerfällig, bückte sich nach dem verhängnißvollen Schreiben und barg es, nachdem er es geglättet hatte, in der Brusttasche seines langen .schwarzen Rockes. Dann griff er zu dem breitrandigen StrohHut und verließ langsam das Zimrncr. Sommerlich duftete das Gärtchen, das in seiner Art ein Juwel war und den Fremden, die zufällig inö Dorf kamen, Bewunderung abnöthigte. Der alte Schulmeister - hatte, Ivie mit den Menschen, so auch mit den Pflanzen Glück. Diese köstlichen Rosen Schönheit lag über den vielfarbigen, in üppiger, Pracht blühen, den Büschen, und die Frühnelken und farbenfrohen Levkojen auf den schmalen Rabatten meinten es in diesem Jahr besonders gut. An den Johännißbeersträuchern glühte es schon in feurigem, glänzendem Roth auf, und die iungen Apfelbäume bogen sich unter der Last. Ein gesegnetes Jahr," murmelte der alte Schulmeister. Sein Blick umfing die blühende, strotzende Fülle, d unter seiner Hand gedieh und wuchs. Die vielen Aepfel, da werden sich die Schulkinder zu Weihnachien freuen." Er mußte sich erst besinnen, warum er ewen dumpfen Schmerz bei diesem Gedanken empfand. Ihm war, att oö

Der schöne Wald, der eine natürliche Schutzwehr gegen den strengen Nordost bildete und die Felder schützte, war zum großen Theil in bäuerlichem Besitz, und die Eigenthümer ließen wie toll den alten Bestand nieverschlagen. Auf das Wort des Schulmeisters hörten ste nicht was der wohl davon verstand! Da war er heimlich in die Restdenz gefahren und war beim Minister vorstellig geworben. Und wirklich, die Regicrung' nahm sich der Angelegenbeit an. Die Bauern, denen anie es keinen ' Antheil 'än'Iem ' Segen haben dürfe. Die alte Pforte knarrte, als er die Dorfstraße gewann, die noch still, wie ausgestorben im Sonnenbrande lag. Es war so heiß, daß stch die Hoy Hunde in ihre Hütten zurückgezogen hatten; selbst die Hühner, die sorrsi immer auf der Straße scharrten nb pickten, ruhten im Schatten der Fliederbüsche, die in weißer und violetter Pracht über den flechtengrauen Lattenzäunen hingen. Der- Alte achtete der drückenden Hitze nicht, ihn beengten die wohlbekannten Höfe er hatte Sehnsucht nach dem freien Felde. Aus der letzten Käthe trat ein kleines Mädchen, das eine graue Katze auf dem Arm hielt. Zutraulich kam sie näher. Dag ock, Herr Kanter, kieken's mal, min gries Katt." Er strich der Kleinen über das wirre, braunblonde Har. Du büst Mieken Kruse Aewerst. Herr Kanter, Mieken Riesekohl het ick doch." Richtig, min lütt Diern, na denn svel man schön mit din Katt, äwer nich orangsalen." Die Kleine sprang weiter. Das war nun seit seiner Ankunft im Dorf die vierte Generation im kommenden Jahr würde die schulpflichtig für einn andern werden für einen andern. Die Straße stieg etwas, und der alte Kantor spürte die Gluthwogen, die ein leiser Südwind ab und zu mitführte, nun doch trotz !.er Baume, die rechts und links vom Wege gepflanzt waren. Unter seiner Leitung hatten die widerstrebenden Bauern ste eingesetzt, und nun spendeten sie, breit verzweigt, bereits Schatten. Er hatte seinen Willen oft durchgesetzt, ganz leise, ohne daß die andern es recht merkten. Auf der Höhe, von der aus das große Dorf so gut zu übersehen war, lag ein schmaler Streifen Land, um den sich die beiden angesehensten Bauern durch Jahre grimmig befehdet hatten. Das Dorf tvar in zwei Lager getheilt, und Neid, Haß und Gemeinhcit erwuchsen wie Unkraut in schlecht gejätetem Weizenfeld. Er hatte mit unendlichem, nimmermüdem Eifer eine Versöhnung herbeigeführt. Das Streitobjekt bekam keiner, eine arme Häuslersamil erhielt die Nutznißung. Das war ein schweres Stuck Arbeit gewesen, aber nicht so schwer wie die. Mühe, der er sich der armen Gjela Hauser zuliebe unterzogen hatte, die mit ihrem vaterlosen Kinde hungernd auf der Schwelle ihres Elternhauses lag. Wie dem Vermittler damals die rechten Worte gekommen waren, das wußte er selbst nicht; aber er machte, was selbst der Herr Pastor nicht gekonnt hatte, die harten Herzen weich. Gras wuchs über die Geschichte. Gjela schaltete längst selbständig auf ihrem Hofe, und ihr Sohn diente bei dem Leib-Regiment in der Residenz. Hö, hö, Dag, Herr Kanter!" Am Grabenrand faul hingestreckt lag Jochem, der Dwatsche" des Dor fes. Selbst die Sorge des Schulmeisiers hatte es nicht vermocht, aus dem blöden Hirn des Knaben den Funken hervorzuzaubern, aber er hatte dem Halberwachsenen das Amt des Ziegenhirten verschafft. Durch die bescheidenen Pflichten war er zum Bewußtsein seines geringen Menschenthums gekommen, und er suchte es zu wahren. Seit er einmal bei einer Thierquälerei betroffen war und von dem alten Schulmeister selbst eine gehörige Tracht Prügel bekommen hatte, war keine Klage über ihn laut geworden. Schick d: ock ümmer god, Jochen!" Dat will ick woll dauhn, Herr Kanter." Weiter schritt er. Zu seiner Rechten und Linken blüh te der Winterroggen; wenn ein schwacher Luftzug über die grünen Quadrate strich, flog eine bräunlich schimmernde Wolke auf. , Segen, wohin er blickte. Weit hinten an dem schmalen Flußchen, das die Gegend anmuthig belebte, erstreckten sich weite Wiesenflächen, an denen fast alle Bewohner des Dorfes Antheil hatten. Der erste Schnitt war prächtig, und alle Hände arbeiteten daran, das wohl durchtrocknete Heu unter Dach zu bringen. Ueber dem Wald stand, von der Julisonne überstrahlt, ein dräuendes, funkelndes Wolkengebirge wenn der Wind umsprang, konnte es ein Wetter geben. Vom Dorf her zog die Schaar der Arbeiter heran. Der Kantor hatte keine Lust, ihnen zu begegnen. Er bog vom Wege ab und schritt, die Hauptstraße verlassend, über das Brachfeld dem Walde zu. Der war auch einmal' sein Sorgenkind gewe-len.

Preise geboten wurden, enlchione stch zum Verkauf. So wurd gere! tet, was noch zu retten war. Waldblößen wurden wieder aufgeforstet, und die Wunden, die der Unverstand geschlagen, heilten allgemach. Der tiefe Schatten unter den dichtverzweigten Silberbuchen that dem von Mittagsgluth und langer Wanderung - doch ermüdeten Alten wohl. Links vom Wege schoß der Jungwald üppig auf, Sonnenlichter spielten darüber, und die Blätter schimmerten smaragden. Kein Vogellaut, nicht einmal das Summen der Insekten störte die feierliche Stille. Es war. als schlummere die Natur, und etwas von dem Frieden zog lindernd in seine Seele. Er konnte seine Lage in Ruhe überdenken, und eins wurde ihm zur Gewißheit: mochte man ihm, dem Alten, vielleicht auch Veralteten, die Thätigkeit nehmen, von seiner Lebensarbeit blieb doch eine Spur, und um den Ruhm vor len Menschen hat-

te er nicht gesorgt und geschafft. Sem Leben lag v?r ihm; an Fehlern und Irrungen mangelte es nicht, aber er hatte das Gute gewollt, sein Thun war gesegnet; sollte er nun am Ende klein werden? Klaren Blickes wollte er dem Kommenden entgegensehen. Er wandte den Schritt. Die feierliche Stimmung, die in der grünen Waldwirrniß lag, änderte stch plötzlich; mit eins erlosch der lichte Schein über den Jungwald, durch die Wipfel ging ein mahnendes Rauschen. Die Sonne stand wie eine matte Scheibe in grauem Dunst, und das Wolkengebirge hatte seine silberige schimmernde Farbe in ein bläuliches Schwarz verwandelt. Wenn's Heu nur rechtzeitig binnen kommt," dachte der Alte und beschleunigte ten Schritt, um vor Ausbruch des Wetters das Dorf zu erreichen, von dem er immerhin eine Stunde entfernt war. Von den Wiesen her tönte das Lachen und Rufen der Leute, die ihre Kräfte sicherlich verdoppelten. Nun hatte er die Höhe hinter sich, das Dorf lag vor ihm das liebe altgewohnte Bild. Er wischte sich die Schweißtropfen von der Stirn und ging langsam, denn nun war ja nichts mehr zu befürchten. Als er die erste ausgebaute Käthe erreichte, ließ ihn ein scharfer, brenzlicher Geruch aufmerken. Sein Auge brauchte nicht lange zu suchen, aus einem strohgedeckten Ställchen schlug jäh eine helle Flamme empor. Ein furchtbarer Schreck ließ sein Herz beinahe still stehen, entsetzliche Möglichleiten zogen blitzschnell vor seinem geistigen Auge vorüber. An dem Ställchen lag nicht viel, aber der GeWittersturm konnte in jedem Augenblick losbrechen und dann war alles verloren kein Mann im Dorf kein Retter. Und wieder fchossen neue Flammen empor und ein Funkenregen sprühte nach der Käthe hinüber, deren Bewohner alle im Heu waren. Nun war der alte Kantor entschlössen bevor er auf die Wiesen kam, das Unglück zu verkünden, konnte alles zu spät sein. Mieken, Mieken Rnfkohl, lop fixing na de Wisch, Rewers Stall brennt." Die Kleine begriff sofort und trabte ab. Er selbst rannte wie ein Jüngling die Dorfstraße herunter, der Kirche zu, zu der er den Schlüssel stets be! sich trug. Er stürmte, Athemnoth und Beschwerden nicht achtend, die steile Thurmtreppe hinauf; seine Hände, dieser Arbeit längst entwöhnt, griffen nach dem Glockenseil. Der eherne Klang der Glocke rief, nicht feierlich, warnend in wilder Er regung. Ter Alte dachte nur eins: Gott rette mein Dorf, laß die Männer rechtzeitig heimkommen." In die wilden Glockenklänge mischten stch andere Töne. Der Sturm brach los. durch das Schalloch pfiff er, wild aufjauchzend schien er den Warnrufer verschlingen zu wollen. Jähe Blitze, erhellten das Dämmer der Kirche, fern grollte der Donner bim bim bam bim bim bam der Ruf der Glocke übertönte den Sturm bim bim bam lornrn und rettet! Auf der Straße Schreien und Lärmen und Rollen eiliger Wagen. Bim bim, der Ruf erstarb es wurde still in der dämmerigen Kirche ganz still. Das Feuer konnte auf das ausgebrannte Gehöft und eine leere Scheune, auf die bereits Funken übergesprungen waren, beschränkt werden. Erst am Abend besannen sich die Leute auf dAt alten Schulmeister, er hat doch Feuer geläutet er hat das Dorf gerettet. Sie suchten ihn und fanden ihn nicht. Da fiel es oll Vater Lamprecht ein, daß die Glocke so plötzlich verstummt sei. An die Kirche hatten ste noch nicht gedacht. Da fanden sie ihn denn. Er glich einem Schlafenden, die Züge gütig und mild, wie im Leben, schwacher Widerschein der in purpurner Nacht scheidenden Sonne lag auf dem Geficht und verstärkte den Eindruck des Lebens. So zufrieden sah er aus, wie einer, der gern ausruht. So einen wird das Dorf nicht wieder kriegen," sagte der Pastor. aU er ihn auf dem grünen siillen Fried. Hof begrub. Hei is würklich 'n gauden Kitl wesi," meirrten die Leute. -

G esch äftö-Kalen d er. Nrlt.

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