Indiana Tribüne, Volume 30, Number 114, Indianapolis, Marion County, 5 January 1907 — Page 6
Jndiana Tribüne, S. Januar 1907
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Jlltcrmban Zeit-Tabelle.
I. U. T. SysteA. Schnelle Durchzüge nach Fort Ws?ne. Schnelle Durchzöge nach Marion. Schnelle Durchzüge nach Peru. Schnelle Durchzüge nach Logansport. Schnelle Durchzüge nach Andersen. Schnelle Durchzüge nach Muncie. Züge verlaffen Indianapolis. Nuneieck Marion Division. Lawrence, Fortville, Pendleton, Lndnson, Korttown, Muncie, Kidblctonm, leiandria, Summitöille, Falrmount, SaS City, Joneö ioxo, Marion, Blufftsn und Union Cit?. 4 00 53m. 1 05 Sfcn. 5 05 33m. 2 00 Nm. 6 00 33m. 3 05 Nrn. 7 05 rn. 4 00 Nm. 8 00 23m. 5 00 Nm. 9 05 85. 5 05 2ta. 10 00 Bm. 6 00 Nm. 11 00 8m. 7 05 N. 11 05 Bm. 9 05 Nm. 12 00 mtgi. 11 3-J Nm. Limited. 2ogan8poxt& Peru Division. Garmel, NobleSville, Cicero, rcadia, Ätltrnta, Xtpton, Kokomo, Galvefton. Balten, LoganSporr, Miami, Bunker Lill, Veru und Elvood. 5 00 25m. 1 45 Nm. 5 45 23. 3 00 Nm. 7 00 Sin. 3 45 Nm. 7 45 Lm. 5 00 Nm. , 00 23m. 5 45 Stau 45 Vm. 7 00 Nm. 11 00 23m. 9 00 Nm. 11 45 Vm. 11 30 Nm. 1 00 Nm. Limited. eue spezielle Bedienung nach Ft. Wayne. Züge verlaffen Indianapolis um 7.00 und il:00 Uhr LormittagS und! 3:00 und 7K zr Nachmittags, schnelle Fahrt nach Fort Wayne machend und mit den Schnellzügen ach Toledo, Detroit und Lima verbindend mit auch in Tol?do und Detroit mit den -AZSNpZern, die aus den großen Seen nach ackinac, Buffalo und den Niagara Fällen tzufen, Verbindung machend. Ser Marion Flyer, der Indianapolis um II Uhr Vorm. und 5 Uhr Nachm. verläßt, hält nur in Anderson, Alexandria, Summitville, Fairmount, Jonesboro und 0a8 City Junction an. 11:30 WeudAug nach Muncie. 11:30 Abend-Zug nach Peru. Kze fahren nach Fort Benjamin Harri 1n UM 6:45 Vm, 9.05 Vm, 11:05 Vm, 1.-05 Cm und 3:05 Nm. Leite Information in der Office : Ter, nal Gebäude. PhoneS : Neu, Main 6055; t, Main 175, 1 Ring. Indianapolis & EaJern. Schnell Züge laufen nach Greenfield, nightStown, New Castle, Cambridge Giro, Sichmond, Dayton, Ohio, jede Stunde bis 9 Uhr KbendS, in Dayton, Ohio, mit allen Schnellzügen, die nach Springsield, Colunu IM und allen centralen Punkten Ohio'S kufen, Lerbindung'machend. Kbend'Zug um 11:30 Abends nach KnightL SVN. Weitere Information in der Office Ter mal GebZude. PhoneZ : Reu, Main 6055 lt.Main 175, 1 Ring. JudiauapoliS & Martinsville. ach MooreSville, Bethany Park, Mar lmLoille, Ind. Erste WorgnuCar um 6.0) Uhr Morgens, am, von 7:00 Uhr Morgens jede Stunde VtS 7.-00 Uhr dend. Wend CarS verlassen die Jnterurban Station um 9:00, 10.00 und 11:30 Abend. Xie 10:00 UhrCar fährt nur bis ZooreSVille. Weitere Information in der Office : Ter mal Gebäude. PhoneS: Neu, Main 6055 ; ?lt. Main 175, Ning. Indianapolis & Western Traktion Company. ach Avou. Danville und Zwischenstationen. Erste Car verlaßt Indianapolis um 5 Uhr Morgens, dann jede anderthalb Stunden biS 9:30 Uhr Abends. Letzte Car um 11:15 Uhr Abends. Weitere Information in, der Office: Ter ininal (ZebSude. PhoneS: Neu, Main 6055, Alt, Main 175, 1 Ring. Indianapolis Coa! Traetia Co. Züge laufen stündlich von Indianapolis nach Plawsteld von 5KX) Uhr Morgen? (II 7:00 Uhr Send. Lbendzüge um 9 und 11:20 Uhr Abends. Der 5:00 Uhr Morgens Zug lauft nicht SonntagS. Weitere Information in der Office : Ter minal Gebäude. Phonek : Neu, Main 6055 ; vlt,Mawl75, 1 Ring. Indianapolis & Nortlweftern. Schnell-Zage nach Crawfordöville und La fayette laufen wie solgt: 6:00 Pm., 7:00 m., 8:10 Vm., 9:00 Vm.. 10:10 Vm., 10.45 Vm., 11:10 Bm., 12 Mittag, 1:00 Nm., 2:10 Nm., 4:25 Nm., 6:00 Nrn., 7:10 Nm., 9:00 Nm. und 11:15 Nm. Züge, welche um 10:45 Vm. und 4:25 Nm. abfahren, sind Durchzüge nach CrawfordSville. Der 11.15 Abends Zug fährt nur bis Frankfort. Weitere Information in der Office, Ter inal Gebäude. PhoneS : Neu, Main 6055; lt. Maw 175, 1 Ring. Wrn. Stoctf lei SeieFl. TtPr 202 Nord Noble Srre
Europaische Nachrichten. Waden. Karlsruhe. Die Grohherzogw hat mit einer Summe von 10,000 Mark eine Stiftung zur Unterstützung bedürftiger Wittwen begründet. Heidelberg. 3m Stadttbeil Neuenherm wurde bei den Grabaröeiten für einen Neubau ein römischer Töpfewfen freigelegt. In dem Ofen wurden noch verschiedene Töpferarbeiten gefunden. Lienheim. Auf 'der Straße zwifchen hier und Hohenthengen bei Waldshut wurde ein Liebespaar, sie todt, er lebensgefährlich verletzt, aufgefunden. Die Beiden wurden als der 24 Jrhre alte Waldarbeiter Theodor Brutsche und die Schwester der hiesigen Straußwirthin identrfizrrt. Brutsche hat seine Geliebte mit einem Revolver erschossen, worauf er sich lebensgefährliche Verletzungen beibrachte. Mannheim. Hier hat sich der 20jährige Kaufmann Georg Roth aus Furcht vor Strafe wegen begingen Unterschlagungen erschossen. Im allgem. Krankenhaufe dahier starb der 43 Jahre alte verheiratete Hafenarbeiter und Maurer Anton Ade von hier, vermuthlich infolge einer Vcrletzung, die er sich vor längerer Zeit beim Sturz mit einem 2 Centner schweren Jruchtsack am Verölndunzskanal zugezogen hatte. Oberlauda. Kürzlich ist hier Dekan Joseph Barth, der im vergangenen Jahre sein 40jähnges Piie'sterjubiUium feierte, im 67. Lebensjzhre gestorben. Pforzhesm. Die 24 Jahre alte Emilie Rittmann, welche seit acht Jahren in der Familie Zerrenner diente, starb an Morphiumvergiftung. Der 35 Jahre alte Fabrikant Zerrenner brachte sich, da er sich die Schuld an dem Tode des Mädchens zusch:::b, einen Schuß bei, der die ,unze durchbahrte. Zerrenner nahm jeweils Abends eine kleine Dosis des GirtzZ zu sich, um besser schlafen zu können. Unvorsichtigerweise lieh er das Fl'äschchen stehen, so daß es die Rittmann encichen konnte. R u i t. Die Adam Durr'schen Eheleute .feierten in Gegenwart von 2 Söhnen, 4 Töchtern und 16 Enkeln die goldene Hochzeit. Von dem Großherzog war eine Ehrengabe von 30 Mark dem Jubelpaar gesandt worden. Sip plinsen. Letztens schoß sich im hiesigen Gasthaus zur Krone der etwa 50 Jahre alte Händler Markus Speidel von Jungingen (Hohenzollern) eine Kugel in den Kopf. Speidel wurde zuvor in Begleitung eines KindeS gesehen. Steinmauern. Kürzlich woren es 50 Jahre, seit Heiligenfondsrechner Michael Rolo hier seines Amtes waltet. Der Großherzog verlieh dem Jubilar die silberne Verdienstmedaille. Erzbischof Dr. Nörber und der Fond ließen .Geschenke überreichen. 'Fltzeinpfakz. Brenschelbach. Kürzlich ließ der Schmiedemeister Schmidt von einem Jimmermann von hier ein altes Ställchen niederlegen. Als der Zimmermann sich auf kurze Zeit entfernte, spielten einige Kmder von hier in der Nähe des Ställchens. Plötzlich stürzten die Mauern ein und begruben die elf Jahre alte Maurerstochter Ernestine Rohrbacher von hier. Trotz sofortiger Aufräumungsarbeiten konnte das Kind nur in todtem Zustände unter den Trümmern hecvorge zogen werden. Kaiserslautern. Auf dem Friedhofe erschoß sich am Grabe seiner vor drei Jahren verstorbenen Frau der 62 Jahre alte Fabrikarbeiter Franz Metzinger, geboren 1844 in Herzheim. Andauernde Krankheit hat den bedauernswerthen alten Mann veranlaßt, seinem Leben ein frühzeitiges Ende zu bereiten. üudwigshafen. Eine Blutthat aus Eifersucht ereignete sich unlängst Ecke der Hartmannstraße und Marienstraße. Die 26 Jahre alte, Rohrbachstraße 5 wohnende Ehefrau Ofer versetzte dort einer ledigen Fabrikarbeiterin einen lebensgefährlichen Stich in die linke Seite. Außerdem bearbeitete sie das Mädchen mit einem Porzellanteller und einer Sodawasserflasche. Kklah Lotl)rLNgen. Straßburg. In einer Ge. menrverathssitzung wurde der bisherige Beigeordnete Dr. Schwander zum Bürgermeister gewählt. Dr. Schwander ist Alt-Elsasser. Dambach. - Erschossen und mit durchschnittener Kehle wurde der Hegemeister Stirn, ein allseitig beliebter Mann, aufgefunden. Man nimmt allseitig an, daß Wilderer ihn auö Rache ermordeten. Hof. Zwei Ackerer Leo Warhouver und Eduard Klein, die schon lange in Feindschaft lebten, gniethen wieder in Streit, wobei Warhouver dem Klein mit einem Zimmermannsbeil den Scbädel zertrümmerte, so miß an veen AUsrommen geziverselr wird. R o d t.' Bedeutenden Schaden er wird auf 30.000 Mark geschätzt richtete ein Feuer an, das m der Scheuer des Pächters Emlicher ausbrach und das Gebäude mit den bedeutenden Futtervorräthen verzehrte. Vleckkenburg. Malchin. DaS Arbeiter Karl k.r.r. liaarkonnte unlanak
das Fest der goldenen Hochzeit se:ern
Bon dem Großherzog ging dem Jubelpaar mit einem Glückwunschschreiben ein Geldqeschenk zu. Rostock. Dem Reifermeister Carl Arppe und Schneidermeister Robert Peters, beide Hierselbst, die beide vor 50 Jahren das hiesige Bürderrecht erlangt haben, übersandte der Rath herzlich gehaltene Glückwunschschreiben. Strelitz. Aus Anlaß der goldenen Hochzeitsfeier des Chirurg I. F. Peters'schen Ehepaares ließ der Großherzog dem Jubelpaar durch den hiesigen Prediger sein Bildniß im Rahmen überreichen. Aus dem weiteren Bekannten- id Freundeskreise des Jubelpaares liefen zahlreiche Glückwünsche ein. Wesenberg. Als die Frau des Schlächtermeisters C. Boß mit ihremPonyfuhrwerk auf der Mirower Chaussee entlang kam. scheuten die Pferde plötzlich und die Frau fiel so unglücklich vom Wagen, daß beide Räder über sie hinweggingen. Lebensgefährlich verletzt mußte die Frau nach Hause geschafft werden. Ä'öenburcr. Oldenburg. Oberst a. D. v. Goldammer, ebemaliaer Offizier d-r in Oldenburg. Osnabrück und Aurich garnlionirenven 37. Jnsanterie-Bri-gade, der auch in hiesiger Garnison bekannt war., ist kürzlich verstorben. D in klage. Dem Hauptlehrer Kreutzmann hier, welcher 50 Jahre lang im Dienste der Schule thätia war und unlängst in den Ruhestand trat, wurde vom Großherzog von Oldenburg des Ehrenkrcuz 1. Klasse verliehen. S t e i n h a u s e n. Der Bäcker Gustav Hellmers hierselbst kaufte die der Frau Wittwe Freudenberg gehörende Besitzung mit vier Scheffelsaat Bauländereien für den Brei's von 8000 Mk. Barel. Die kürzlich verstorbene Rentnerin Wwe. Johanne Cornelius (Teichgartenstr. 1) Hierselbst vermachte dem Diakonissenverein und der Evangelischen Kirche je 1000 Mk. Westerstede. Herr Amtsrentmeister Gerdes bat weaen voraerllck ten Alters etc. zum 1. Januar n. I. sein Amt als Swureinnehmer gekündigt. Ircie 5'tädts. Hamburg.' An Bord eines Ewers fand der Schiffer Höge seinen Knecht Buker in der Koje todt vor. Der Knecht war durch Kohlengase, die dem in dem Logis stehenden Ofen entströmt waren, vergiftet worden. Ein Fehler am Ofen war nicht vorHanden. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, daß durch irgend einen Zufall ein Brett über den Schornstein gefallen war und dessen Oeffnung verschlossen hielt., so daß die Gase nicht entweichen konnten. Die Leiche wurde nach dem Hafenkrankenhaus gebracht. Bremen. Dieser Tage konnte der Revisor beim technischen Betrieb des Norddeutschen Lloyd, H. Pflug, auf eine 25jährige Thätigkeit in diesem Institut zurückblicken. Pflug nahm an dem Feldzuge 187071 aktiv theil und wurde mit dem Eifernen Kreuz 2. Klasse dekorirt. Sein 25jähriges Jubiläum im Geschäfte der Rechtsanwälte Pralle und Küster beging vor kurzem derBureauVorsteher Carl Thiemann. Vor einiger Zeit ging auf der Chaussee nach Schmachhausen in der Nähe von hier das Pferd des Fuhrmanns Kohlmann aus Lilienthal mit dem Wagen durch. Kohlmann und sein sieben Jahre alter Sohn wurden von ihrem Sitz auf die Straße geschleudert. Kohlmann erlitt dabei einen Schädelöruch; er wurde nach dem Krankenhause verbracht, wo er als bald verstorben ist. Der Sohn erlitt eine Gehirnerschutteruna. Eine neue Art der Dampserzeugung hat sich die Karl Hauptmann - Gesellschaft in Leipzig patentiren lassen. Einer Meldung zufolge besteht die Einrichtung, durch welche in wenigen Minuten hochgespannter Dampf erzeugt wird, kurz darin, daß eine Flamme im Wasser zum Arennen gebraut wird. Das mit Druckluft vereinigte gasförmige Brennmaterial wird am Ende seines Zuleiwngörohres entzündet und tritt als Flamme in den Wasserraum eines kleinen Kessels, wo daö die Flamme umhüllende Wasser sehr rasch verdampft. Damit sich die Flamme im Wasser entwickeln kann, muß der Druck, mit dem Brennstoff und Luft zugeführt werden, größer sein als der Druck des erzeugten Dampfes. Eine solche Dampferzeugungsanlage soll sich auch in größerer Ausführung alS betriebsfähia erwiesen baben. Bedenkliche Richtig, stellung. Anwalt: Das Rech! meines Klienten liegt auf der Hand, denn es sagt's schon der gesunde Men schenversiand, daß er recht hat!" Ria ter: Aber. Herr Rechtsanwalt. tl handelt sich hier um Gesetzesbestim. mungen; der gesunde Menschenver stand spielt gar keine Rolle dabei." Appell an die Mensch, lichkeit.' Vertheidiger (eines w gen Mordes Angeklagten, nachdem d Staatsanwalt auf Todesstrafe plau dirt hat): ...Und dann, meine Her ren. muß Sie doch Ihr Gerechtig' keitsgefühl davon abhalten, einen Mann, der schon von Natur so kleir ist, noch um einen Kopf kürzer mache .zu lassen!-
Lodzcr SpazZcrgan
Von Heinrich Freun v. Eine große Stadt, die augenscheinlich keine Seele hat. Die Bevölkerung. Die Polonisirung wird dem Deutschthum bald den Garaus ge macht haben. Das deutsche Thalia - Theater. Genügsame Lcut?. Seit Kurzem fährt man nach Lodz im Schnellzuge, und das beweist, daß die russische Regierung trotz ihrer sorgenumwölbten Stirn doch noch Energie giug hat, sich mit Verbesserungen klei nerer Art zu befassen. Langsam wie immer hat man angefangen zu bauen, ein Stück Schiene an das andere gefügt, bis nun endlich die Beharrlichkeit zum langersehnten Ziele geführt ha:. Wenn man iekt von Breslau nach Lodz fährt, braucht man nicht mehr :n Oels, Ztrotoschm, Ostrowo umzuste:gen. man braucht nicht mehr in Skalmierzyce eine jener vorsintflutlichen Droschken zu chartern, die sich von der Arche Noah nur dadurch unterscheiden, daß sie dem Regen freundlich Zutritt gewahren; man braucht nicht mehr mitten auf der Strecke auszusteigen, um in einem kleinen dumpfigen Hause den Paß abstempeln zu lassen kurz, man kann in leidlich menschenwürdiger und zeitgemäßer" Weise die Reise einem glücklichen Ende zuführen. Aber wer- - fragt der hoffentlich gutige Leser wer in aller Welt fährt denn nach Lodz; Man fährt nach Usambara. nach denSandwichinseln, eventuell auch nach Canada oder Uruguay, aber nach Lodz! Was ist überhaupt Lodz? Es ist wahr, man" fährt nicht nach Lodz und man" kennt Lodz nicht, außer wenn man Reisender in Woll: oder Farbe ist; man hat den einsilbigen Namen in letzter Zeit aus Anlaß der revolutionären Bewegung öfters nennen hören, ohne sich jedoch viel dabei zu denken, und somit steht man" im be dauerlichen Gegensatz zu mir, der ich in Lodz zum ersten Male die Son.ic begrüßte und den Mond anstaunte, und der ich meine ersten Stiefel auf dem damals noch viel schlechteren Lodzer Pflaster ausgetreten habe. Ich betone daher, daß Lodz eine Stadt ist, und zwar eine, deren Einwohnerschaft zwi schen 3- und 400.000 schwankt, daß e? mehrere Theater (darunter ein deutsches) und elektrische Straßenbahn hat und daß es in einer abgelegenen Ne benstraße sogar ein Postgebäude besitzt. Doch erst die Reise. Man verschreibt seine Seele dem Teufel, und mit frommem Schauder betritt ' man das noch immer heilige Rußland. Der erste Bahnhof schon, den man erblickt, ist eine doppelte Warnung: Erstens vergiß nicht deine Uhr auf- und zweitens dich warm anzuziehen!" Die russischen Bahnhöfe auf dieser Strecke haben nämlich außer einem gigantischen Thermometer keine Uhr. Und dies ist nicht nur eine Warnung, sondern auch ein Symbol, es ist gewissermaßen ein Epigramm auf die russischen Zustände und die Volksseele, ein Epigramm von verblüffender Kürze. Soll ich mit deutscher Umständlichkeit den Sinn dieses Epigramms noch besonders enträthseln? Soll ich Ihnen auseinandersetzen, daß dem Russen wie dem Glücklichen keine. Uhr schlägt und daß dieses neue Arkadien mehr von dem Thermometer als von irgend einer anderen Macht regiert wird? Thatsache bleibt: Man kann sich beim Ueberschreiten der russischen Grenze mag man es noch so gewöhnt sein wenigstens im ersten Augenblick des bänglichen Gefühls nicht erwehren, man habe'nun mit der Welt abgeschlossen. Mit bedächtiger Schnelle durchfährt man das ereignißlose Land, ohne es eines Blickes zu würdigen, und wenn man auf Seite 312 seines Romans angelangt ist. ist man es auch in Lodz. , Wenn man, ohne eine besondere Beschäftigung zu haben, in Lodz aufwacht, trinkt man den vorzüglichen Thee und legt sich die Frage vor: Hat Lodz eine Seele? Und man sagt sich, heute, wo die Seele des Kindes und des Hundes zum SpürgelLnde psychologischer Lederstrümpfe gemacht wird, müsse es möglich sein, auch die Seele von Lodz ausfindig zu machen. Es ist schwer. Wo soll man das Ding packen? Die Straßen sind von einer amerikanischen Gradheit. und den Plan von Lodz wenn es einen gäbe könnte man als Linienblatt benutzen. Wo ist die Seele von Lodz zu spüren? Vielleicht schwimmt sie in dem graublauschmutzigen Wasser der breiten Rinnsteine unentdeckt dahin? Hat Lodz, haben moderne Städte überHaupt eine Seele? Wenn man in anderen Städten diese' Frage stellt, gibt es kein besseres Mittel, als am Ufer des Flusses entlang zu gehen, der immer eine Stimmung, eine Physiognomie hat. Auch Lodz hat einen Fluß", aber Niemand kennt ihn, Niemand hat ihn je gesehen. Er heißt Lüdka, aber es ist nicht möglich, ihn zu finden. Vielleicht ist er die Seele von Lodz. Die Gründer von Lodz haben einen Fehler gemacht: sie bauten die Stadt auf einem Kulminationspunkt. Meilen entfernt von dem nächsten Strome, denn die Geschichte von der Lödka, die nicht etwa meiner Phantasie entspringt, scheint mir eher ein Börsenwitz zu sein;
wenigstens wird er allgemein als solcher belächelt. Dabei ist er nicht mal alt, kann es auch nicht sein, denn die Stadt besteht erst seit einer Reihe von Jahrzehnten. Unter der Gunst der Konjunktur ist sie mächtig emPorgeschossen, und der Mangel an Flußwasser macht sich unangenehm bemerkbar. Aber mit der Bohrmaschine des Wassersuchers werden wir vielleicht ein ersprießliches Kulturwerk thun, doch niemals die Seele von Lodz finden. Vielleicht hilft ein Blick in die Altstadt. Suchen wir doch bei Städten immer die alten Viertel auf, wo wir dann ihre Seelen am alten Gemäuer, an den schönen Giebeldächern, in den winkeligen Nebengassen zur Abendstunde wie geisterhafte Fledermäuse umherschwirren zu sehen glauben. Leider hat Lodz weder interessante" Winkel noch Giebel; selbst die Altstadt hat modernes Gepräge. Und doch weht hier neben der ganz anderen Luft auch ein ganz ander:r Geist: Ghettogeist. Halbnackte Kin der hocken auf der Straße, Frauen mit Perrücken nach der Väter oder vielmehr Mütter Art unterhalten tf in einer Spracke, gegen die selbst das berühmte Schwyzerdytsch melodisch klingt. Männer in langen Mänteln und Bärten disputieren mit vielen Gesten. Das Wohnungselend manchmal vier Familien im selben Raume, der durch zwei Kreidestriche getheilt wird ist unbeschreiblich. Ich glaube, hier ist etwas von der Seele von Lodz. Aber ich muß Ihnen auch die christ liche Seite dieser Seele zeigen; denn auch diese ist vorhanden. Da ist zu nächst die alte Frau Puschn. Sie stammt von den ältesten christlichen deutschen Einwanderern ab, lst bette!arm. aber blitzsauber und ehrlich; eine Seele". Sie spricht jene andere Lodzer Spezialität, em Deutsch, das durch einen polnischen Einschlag und durch biblische Einflüsse einen ganz fremdländischen Charakter angenommen hat. Nennen wir ihn Lodzer Dialekt". Eine Bedeutung wird er nie haben, denn bei der zunehmenden Polonisirung 'der ursprünglich deutschen Stadt werden schon die Enkel der heutigen Arbeitergeneration dem Deutschthum entfremdet sein; es wird leider aussterben. Die reichen Deutschen und Juden sind in ihren Ansichten und Gewohnheiten Westeuropäer, biereichen Polen sind Warschauer, die Russen Asiaten die Armen allein sind Lodzer. Auch der Bürgerstand hat enie eigene Note, die wenig sympathisch ist. Seine Zurückgcbliebenheit spiegelt sich vielleicht am reinsten in den Zustanden am Lodzer Thalia-Theater, einer Pflanzstätte deutscher Schauspielkunst", wie sie. Bädecker vielleicht nennen würde. Um diesem Theater gerecht" zu werden, um es in seiner ganzen Naivität und Hilflosigkeit auf die NachWelt zu bringen, müßte man ein Anstophanes sein. Am Eingang prangen die gewaltigen Zettel, die in deutscher und russischer Sprache verkünden, daß heute Abend Hamlet" von dem Dichterfürsten William Shakespeare gegeben wird. Mit einem milden Blicke des Berzeihens trittst du in den Tempel selbst ein, 'der noch mit Gas beleuchtet ist. Wenn das Spiel beginnt, wird das Licht heruntergeschraubt; deine Ansprüche werden es auch. Lieber Berliner, vergiß deinen Reinhardt und Brahm und erinnere dich der Zeiten, da du als kleiner Junge zum Geburttage der Mama das Drama" vom Bäckermeister Fritze aufführtest. Auf diesem Standpunkte steht das Lodzer Thalia - Theater; mit mehr Routin: natürlich, mit richtigen Dekorationen, aber mit derselben Einfachheit der Darstellung. Die Seele von Lodz" ist eben noch nicht entwickelt genug, sich eine Bühne zu schaffen. Wie genügsam sind doch diese Lodzer. Kaum einen Park haben sie für den Sonntag. Nichts wie Straßen und wieder Straßen. Arbeit und wieder Arbeit. Die geistigen Interessen verkümmern. Und doch gibt es Leute, die immer wieder nach Lodz zurückkehr?n. die sich hier zwischen den Schorn' und Rinnsteinen wohl fühlen; vielleicht sind es Leute, denen es gelungen ist, die
Seele von Lodz nicht nur zu finden, sondern auch schön zu finden. Sie bauen Paläste, die für die Ewigkeit bestimmt scheinen, und freuen sich, wenn sie von der Höhe der Equipage aus etwas von dem Duft des Lodzer Geistes verspüren. Wolfsjagd der kanadischen Pacificbahn. In den kanadischen Provinzen Nord-Ontario und Quebec machen sich Wölfe in ungeheuer großer Zahl bemerkbar. Die Kanada-Pacificbahn, die durch diese Gebiete ihre Hauptstrecken führt, hat daher beschlossen, eine große Wolfsjagd zu organisiren, an der sich über 100 Wolfsjäger bctheiligen werden. Die Gesellschaft trägt die gesammten Kosten der Expedition und stellt Führer. Zelte und Lebcnsmittel den Jägern zur Verfügung. Die Theilnehmer an der Expedition werden auf Schneeschuhen die täglichen Etappen zurücklegen und in geräumigen Zelten kampiren, die stets vorausgeschickt werden, um des Abends zur Aufnahme der Jäger bereit zu sein. Man plant, die Wölfe völlig einzukreisen und sie dann nach dem nördlichen Theile des großen Sees zu treiben, wo die endgiltige Vernichtung ver frechenRäuber stattfinden soll. Eine ganze Reihe bekannter Sportsleute aus den Vereinigten Staaten und selbst aus England werden sich dieser interessan. ten Jagdexpedition anschließen. .
l Eine verschuldete Uni dersität. Die Columbia Univermät in New Fork, die größte in den Vereinigten Staaten, befindet sich in großer Finanznoth. Wie nämlich der augenblickliche Präsident der Alma Mater in seinem Jahresbericht erklärt, beliefen sich die Schulden der Anstalt am 30. Juni d. I. auf nicht weniger als 2,900,000 Dollars. Da außerdem Neu- und Erweiterungsbauten dringend nothwendig sind, verlangt die Universität einen staatlichen Zuschuß
von rund zwols Millionen Dollars. Bildung des Herzens. In England. Frankreich. Deutschland, der Schweiz. Italien und den Ver. Staaten hat sich beständig die Ueberzeugung befestigt, daß die Schulen nicht in dem Maße, wie es möglich und wünschenSwerth ist, auf die Hebung der Moral ihrer Zöglinge und ihre Ausbildunz zu tüchtigen Bürgern hinwirken. In einer Konferenz, welche im letzten erhst in London abgehalten wurde, rft die ganze Angelegenheit zur Sprache bracht worden und hat zu: Organisation der internationalen Association zum Zweck der moralischen Ausbildung in den öffentlichen Schulen geführt. Dn amerikanische Zweigverband hat soeben in Cbicago seine Organisation vollendet und es gehören dem Erekutivauöschuß unter anderen Professor Nicholas Murray Butler von der Columbia - Universität, Andrew S. Draper in Albany. N. F., und Dr. Felix Adler in New York an. Zum Sekretär und Exekutiv-Beamten hat man Clifsord Barnes in Chicago und zum Schatzmeister Jameö Speyer in New York gewählt. Auch in Deutschland, der Sckwelz und Italien werden Zweigverbande lux Förderung des Zweckes organisirt werden. In diesem Jahre wird sich die internationale Association systematisch mit der Sammlung von Nachrichten darüber beschäftigen. wo und wie das Beste bezüglich der moralischen Ausbildung in den Schulen Englands. Deutschlands, der Schweiz. Italiens. Amerikas und Japans geleistet wird, und zu diesem Zwecke werden verschiedene sachverstän dige Kommissäre ausgesandt werden. Das Resultat ihrer Forschungen wird im Herbst künftigen Jahres veröffentlicht und unter den Auspizien der Association wird ein intkirnationaler Konareß in New Jork oder London abgchalten werden. Goldene Hochzeit. In voller körperlicher und geistiger Rüstig!:it begingen Wm. Agricola und seine Qattin, geb. Graf, in St. Louis das st der goldenen Hochzeit. Herr Agriccla wurde im Jahre 1823 in Wettin c:boren und kam 1860 nach Amerika. Nach kurzem Ausenthalt in New Orleans ging er nach Cincinnati und übernahm dort einen verantwortlichen Posten in einer Geldschrankfabrik. 1861 trat er in txrt Ptonierabtheilung ter Union-Armee ein, mit der er den, ganzen Bürgerkrieg mitmachte. Von 1863 bis 1870 war er Haupttechniker des St. Louiser Bundesarsenals. Später leitete er daö technische Departement der Pauli Jail Works, und seit acht Jahren lebt er im Ruhestande. Denkmal für König C h r i st i a n. Unter den in den Ver. Staaten lebenden Dänen ist eine Bewegung im Gange, einen Fonds zur Errichtung eines Denkmals für den jüngst verstorbenen König Christian IX. von Dänemark in Copenhagen aufzubringen. Der für dasDenkmal nöthiaeMarmor soll aus den Marmorbrüchen von Georgia entnommen werden. An der Spitze der Agitation stehen K. Mathiesen in Keyport. N. I.. Jacob Ries in New York und C. Rasmussen in Minneapolis. Amerikanische Hirtenbriefe in nicht-englischer Sprache. Der neue Bischof von Portland in Maine hat seinen Hirtenbrief an die französischenKatholiken seiner Diözese in fr'anzösischer Sprache gerichtet. Französisch canadische Katholiken sind in jener Diözese sehr zahlreich; deutsche Katholiken giebt es aber dort nur wenige; wären sie zahlreicher, so hätten sie den Hirtenbrief auch in ihrer Muttersprache erhalten. Der Excelsior" in Milwaukee bemerkt in diesem Äusammenhange: D Bischof von Portland scheint also nicht zu den engherzigen Leuten zu gehören, denen die enalische Sprache als die .allein berechtigte amerikanische Landessprache" gilt und deren im Munde des guten Hirten dek Evangeliums völlig undenkbarer Wahrspruch heißt: Nur Englisch sollen sie können oder zur Hölle fahren.Beim Examen. Professor: .Wenn Sie sich ein Fahr, rad kaufen und bezahlen es sofort, wie nennt man diesen Vorgang." Stud. jur. (lächelnd): .Aber Herr Professor, solchen Vorganz gibt es ja gar nicht." Ueberflüssige Frage. Vertheidiger: .Haben Sie schon mal eni Kreuzverhör bestanden?" . Zeuge: .Gewiß, ich bin ja verheira. thet!" ; Komvlizirte Taktik. Sie: .Da hinten kommt die Räthin, meine Todfeindin. 5lekt macb' aber. deß sie nur nicht merkt, daß wir ge- I merkt haben, daß sie kommt; sonst merkt, sie, daß wir es gemerkt haben und ' ,yr nicyi merken laffen wollen, daß wir ? 2 nMnrH frtfinljv..v.. MVVM
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