Indiana Tribüne, Volume 30, Number 114, Indianapolis, Marion County, 5 January 1907 — Page 4
Juvtana Tribüne, S Januar 1007.
Zndiana Tridüne. H,,aulggldtn von der utevdg s. Indianapolis, Ind. Hsny O.THudium . . . Prastdeut. , VeschSftSIoeal: Sflo, 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 269. E mcd it the Pott Office oi Indianapolis ai 8cond daii matter. Der deutsche Waylkampf.
Seit vor neunzehn Jahren Jüift BiZmarck den Reichstag wegen der SeptennatZ.Vorlage auflöste, hat in Deutschland die politische Erregung keine so hohen Wogen nehr geschlagen, wie in dem gegenwärtigen Wahlkampf. Die Sozialdemolratie entfaltet eine ge radezu unheimliche Rührigkeit, und kaum minder energisch, wenn auch weni ger geräuschvoll, agitiren daö Cen!rum und die kleinen Oppositionsparteien. Die Regierung hat durch die Helm sendung derZVolkZboten eine Situation geschaffen, vor der ihr heute selber bangt. Trotz aller Auhrengungm ver mag sie die Konservativen und Libera le.i nicht gegen die Ultramontanen und Rothen" zusammen zu schließen. Nur in Ml der 397 Wahlkreise ist eö ge. lungen, Kartelle zustande zu bringen, und Aussichten dafür, daß bei den StichwahlenjEintracht herrschen wird, sind nichts weniger als gut. Dazu kommt, daß der Regierung durch die FriedenZnachrichten aus Süd weftafrika der Boden entzogen wird. Sie hat keine wirksame Wahlparole,' kein Jffue mehr; denn die Reichstags auflösung erscheint nun unmotivirt und die zur Unterwerfung der ausständigen Eingeborenen verlangten Riesensum men sind nicht länger nöthig. Alle Vortheile in dem Kampfe find auf der Seite der Opposition. DaZ Centrum ist der meisten seiner bisher! gen 99 Mandate so gut wie sicher, und daß die Sozialiften Gewinne zu der zeichnen haben werden, ist kaum zu be zweifeln, da die Enthüllungen über die Kolonialskandale und die all gemeine Erbitterung über das persönliche Regiment" ihnen diele Tausendes von Stimmen zuführen. Auch die lPolen, die Welsm und die süddeutschen Demokraten werden ihre Sitze voraussichtlich behaupten, wäh rmd die Konservativen, die National liberalen und die Freifinnigen beider Schattirungen beinahe mit Bestimmt heit Berlufte erwarten müssen. Die einzige Hoffnunggder Regierung ist, daß sich die Liberalen, von den schwäbischen VolkSparteilern bis zum NationalliberaliSmuZ, zu einem lei ftungSsähigen Z regierungsfreundlichen Block vereinigen. Darauf kann jedoch kaum gerechnet werden: denn in diesem Falle müßten ?die Konservativen dem Liberalismus? große prinzipielle Zuge ftändnisse machen und dazu wird das Junkerthum nicht zu bewegen fein. Von welcher Seite man die Lage auch betrachten mag, steht es schlecht um die Sache der Regierung, und eS wäre daher gar nicht zu verwundern, wenn sie, wie vor einigen Tagen aus Rom gemeldet wurde, noch vor der Wahl ihren Frieden mit' den Ultramontanen , machen würde. Geschieht dies nicht. so wird beim Zusammentritt deS neuen Reichstages die Krisis erst recht be. ginnen. Mais ein bevorzugtes Sodenprovukt. Unsere Landwirthschaft kommt im mer nehr in die Lage, mit kolossalen Zahlen zu rechnen. So schätzt unser Ackerbaudepartement den Ertrag der Körnerfrucht v. I. aus etwa 5,000 000,000 Bushel. Darunter find ein begriffen Mais l.Corn-), Weizen, Roggen, Hafer, Gerste, Flachssamen, Buchweizen und Reis. Zum Anbau einer solchen Masse dieser Getreide sorten war ein Bezirk von fast 300.000 Quadratmeilen Land erforderlich und der Werth der Erzeugnisse belauft sich auf ungefähr $2,000,000,000. Daö Auffallendste aber an der Sache ist, daß der größte Theil dieser Zahlen auf die Früchtesorte entfällt, die gerade nicht für die vornehmste gehalten wird, und die nicht vorzugsweise in Gestalt von Brot zur menschlichen Nahrung dient. Daö Corn oder der Mais ist sozusagen eine Spezialität der Vereinigten Staa ten, die gar nicht genug davon hervor dringen können, um den Bedarf der Welt zu decken. ES find noch gar nicht so viele Jahre her, daß die Zeitungen in fette? Schrift der Welt verkündeten,
daß die Malsernte eines Jahres die stattliche Zahl von einer Billion Bushel erreicht habe. Die Welt hat diese Bil lion ruhig hingenommen und nahm auch im letzten Jahre die 2,700,000,.
000 Bushel hin; eS steht zu vermuthen, daß sie auch mit den 3 Billionen des eben deiflossenen JahreS fertig werden wird. Soviel von dieser gewöhnlichen Frucht wird verbraucht? Man wird weniger staunen, .wenn man hört, daß das meist in ihren veränderten Formen geschieht, in Füssern, Flaschen. Packe, ten nach Quart, Pfund und Unzen. ES heißt dann Spiritus. Whiskey, Glukofe u. s. w. und sieht dem Urstoffe so wenig ähnlich, wie sich untereinan der. ES giebt auch noch eine andere Erscheinungsform, die meist nicht mit Mais in Verbindung gebracht wird, und doch ist das Rind und Schweine, fleisch im Weltmarkt vielfach nichts weiter alZ verwandelter Mais. Für den Farmer bleibt eö stets eine höchst wichtige F?age. was sich für ihn besser bezahlt: den MaiSn seiner Ursprung lichen Form auf den Markt zu bringen. oder seine Rinder und Schweine damit zu mäften. In dieser Bezieyung ist natürlich die Nachfrage nicht minder ausschlaggebend wie die Verhältnisse der Farmen. Die Nachfrage ist aber nach allen Erscheinungsformen so groß. daß Wir für die Zukunft gegründete Aussicht i auch noch größere Zahlen haben. Eine böse Prophezeiung kommt au? Paris. ES heißt nämlich, 1907 werte die ffrau mit der Wespentaille wieder modern werden. Aguinaldo, der einü so wilde. jetzt so zahme Häuptling der aufftändl. gen JilippinoS, prophezeit, daß in Zu kunft für Ruhe uud Ordnung in im seien" Kolonien nichts zu fürchten sei. Klingt sehr verdächtig, diese beruhi gende Prophezeiung. Wird wohl nächstens wieder loSgehen. Mehr als 57.000 Lokomotivfüh rer, die aus den Eisenbahnen westlich von Chicago angestellt find, kamen um eine Lohnerhöhung ein. Für ihren TageSlohn fordern sie statt der jetzigen $3.50 einen Lohn von vier Dollars bei 8.ftünokger TageSarbeit. Die Bahn. Präsidenten werden gut thun, diese Forderungen schleunigst zu bewilligen. oa bei Anstellung neuer und unerfah rener Lokomotivführer die schrecklichen Bahnunsälle bald zahllos sein würden. Nero Jorl scheint nach wie vor mit seinen SkyscraperS alle übrigen Staate der Erde übertrumpfen zu wol le. Das dort im Bau begriffene Hudson Terminal Building wird 22 Stockwerke haben, die 4000 Bureaux enthalten sollen. Man nimmt an, daß gegen 10,000 Menschen darin beschäf tigt sein werden, mehr, als manche kleine Stadt Einwohner hat. 20 Cle vators werden in dem Riesenbau in Thätigkeit sein. Die Corridore haben zusammen eine Länge von mehreren Meilen; in dem Gebäude werden sich gegen 16 Meilen Blelröhren, 20 Mei len Dampfröhren und 113 Meilen elektrischer Draht befinden. Da in dem Erdgeschoß deS Gebäudes die Tun nelS unter dem Hudson münden wer den, nimmt man an, daß alltäglich mehr als eine halbe Million Menschen die Thüren dieses KolossalgebäudeS passtren werden. Eine Petition, die sich rasch mit Namen bedeckt und die von fast allen Geschäftsleuten und der ganzen de sitzenden Bevölkerung in Cuba unter zeichnet wird, soll den Kongreß in Washington veranlassen, ein Protekto rat über die Insel zu erklären. Au andere Weise wird eö schwerlich möglich werden, auf die Dauer Ruhe und Sicherheit auf der Insel herzukellen. ES wird langjähriger und gestreng ter Arbeit bedürfen, um geordnete Zu stände auf der Insel herbeizuführen; denn bis auf Weiteres geht es nach den von dort kommenden Berichten unter der amerikanischen Controlle ungefähr i ebenso zu, wie früher unter dem sparn schen und dann nnter PalmaZ Regime. Unsere Truppen find auf der Suche nach heimlich eingeschmuggelten Was fenvorrüthen, und die Depeschen sagen .e ist schwer, die Ausschreitungen zu verhüten, die von den immer zahl reicher werdenden Negerbanden verüb werden, die Kornfelder und Tabaks schuppen niederbrennen, die GutShäu ser ausrauben und das Vieh weg treiben.- Dabei werden häufige Grausamketten begangen gegen ttar merfamilien in entlegenen Distrikten So wird e5 begreiflich, daß viele Plan tagenbefitzer ihre Zuckerfelder nicht ehe wieder bebauen wollen, bis es een Vereinigten Staaten gelungen ist, wie der gesicherte Zustände in Kuba herbei zusüyren.
Der verhängnisvolle Zjaus-
flylussel. Humoreske ton $. Stephan. Eines Nachmittags, als ich mich gerade mit einem Korb reparaturbedürftiger Wäsche auf den FensterttM gesetzt hatte, trat mein Bruder Kurt, ein langaufaescho ssener Jüngling von 17 Jahren. Primus bei Obrrsekunda. erster Voisitzender des Rud:lubö Teutonia" etc. etc.. mm meinen Stuhl, drehte eine meiner Locken um ben Finger und sagte: Weifet Du. Lotte. Lottchen Du hast doch eigentlich prachtvolles Haar!" Wenn er mir mit solchen LteoensWürdigkeiten kommt, will er immer raend etwas von mir. und die Sache. um die es sich handelt, hat gewöhnlich einen Haken. Deshalb erwiderte ich ziemlich mißtrauisch: Na, was ist denn schon wieder? Schieß nur los und mache keine lern gen Vorreden !" 3a also wir wollen nämlich am Dienstag in der Teuionia" eine kleine Fastnachtsknerpe veranstalten ganz was Solides, Lotte! na, und Du weißt doch, wie komisch Papa in solchen Sachen ist erst sollte ich überhaupt nicht hingehen, und dann weigerte er uch entschieden. Mir den Hausschlüssel zu eben. Gegen zehn denke ich ja allerdings sowieso wieder hier zu sein, aber man kann das doch unmöglich so auf die Minute abpassen und da mochte ich Dich bitten, au,zubleiben und mir, wenn ich unten klatsche, den Schlüssel herunterz'uwerfen. Papa geht ta immer schon um halb zehn hinüber und hängt dann seinen Rock draußen an in der lin ken Tasche steckt der Schlüssel, es ist also wirklich eine ganz einfache Sache sur Dich. Nicht wahr, Lottchen, Du thust mir den Gefallen?Ich überlegte einen Augenblick. Kommst Du aber auch gewiß gleich nach zehn? Ich habe keine Lust, Deinetwegen hier etwa die halbe Nacht aufzusitzen!Aber, ich bitte Dich Sache wie Baum höchstens zehn Minuten später!' Na also, dann meinetwegen. Aber auf Dein Haupt die Folgen, wann'Z ferner, geht!" Ter Dienstag kam heran und Kurtchen verabschiedete sich in gehobener Stimmung, vom Vater mit zwi Mark und einer ganzen Tasche voll Ermahnungen versehen. Noch ein vielsagender Blick zu mirr über den ich mit beruhigendem Kopfnicken quittirte, und fort war er. Nach Tisch setzte sich Vater mit einem Buche zu mir und war bald so vertieft, daß er das Schlagen der Uhr um halb zehn ganz überhörte. Ich bekam es mit der Angst sollte er gerade diesmal seiner Gewohnheit untreu werden? Dann wehe Dir, armer Kurt! Aber nein, zu meiner großen Erleichterung klappte er jetzt das Buch zu und küßte mich auf die Stirn und rieth mir, nun auch bald u Bett zu gehen; Kurt müsse ja jetzt jeden Augenblick kommen. Ich wartete noch eine Weile, dann schlich ich mich auf den Zehenspitzen m den Hinteren Korridor. Richtig da King der Rock ein schneller Griff in die linke Tasche und hoch aufathmend zog ich mit meiner Beute ab. Vorn angelangt, überlegte ich, ob es nicht besser sei, den Schlüssel noch irgendwie zu beschweren, damit i auch sicher unten ankäme. Aber womit? Kleine Steine hatte kch gerade nicht zur Verfügung, Kartoffeln aus der Küche mochte ich des Mädchens wegen nicht holen, denn unsere Marie hätte gewiß die halbe Nacht nicht geschlafen vor Neugier, was ich wohl noch um zehn Uhr Abends mit rohen Kartoffeln anfangen wollte doch halt, da lagen sorgsam aufgeschichtet im Ofenvorsetzer die Briketts für die morgendliche Heizung wenn ich davon eins mit einwickelte, gab es ein wuchtigesPacket, das gewiß nicht leicht zu übersehen war. So, das wäre erledigt, nun konnte Kurt antreten. Die Uhr zeigte bereits zehnMinuten nach zehn; er hatte felsenfest versprochen, um diese Zeit wieder hier zu sein demnach mußte ich mich also wohl darauf gefaßt machen, bis halb elf Uhr zu warten, und mit einem Buche setzte ich mich in die Nähe des Fensters, um das verabre dete Zeichen nicht zu überhören. Aber kein Laut ließ sich vernehmen. Es wurde dreiviertel elf. jetzt fehlten nur noch fünf Minuten an elf, nein, das war doch zu toll! Aergerlich ging ich in meine Schlafkammer, zog den Frisirmantel über und begann mein Haar für die Nacht aufzuflechten. Mochte der Schlingel zusehen, wie er in's Haus kam! Doch da klatschte da nicht Jemand? Schnell öffnete ich das Fenster . hu, wie gräßlich kalt, und dazu ein Schneetreiben, daß man absolut nichts auf der Straße erkennen konnte. Aber etwas Schwärzliches krabbelte da unten herum, und so warf ich denn mein Päckchen mit et nem halblauten Aufgepaßt!" hinab, nahm ein Licht und ging in den Flur, um dem Sünder für sein Ausbleiben aleich die nöthigen Liebenswürdigkeiten zu sagen. Mein Gott, wie schwer klangen die Schritte auf der Treppe! Sollte Kurt hastig machte ich die Korridorthüre auf, aber beinahe wclre mir vor Schrecken das Licht aus ut Hand gefalle denn vor k
stand ein mir völlig unbekannter tun
ger Mann, iifor und über mit Schnee bedeckt, auf dem Kopf einen ganz Her nen rothen Cylinder an einem weißen Gummiband, der ihm halb auf das rechte Ohr gerutscht war. Er breitete die mt nach mir aus in der einen Hand hielt er ein Stück Preßkohle, in der anderen den Hausschlüssel und sang mit einem greulichen Bierbaß: Kein Feuer, keine Kohle kann beä nä hen soo hei ß " Entsetzt schlug ich die Thür zu eben erst waren mir mein Frisirmantel und die aufgelösten Haare eingcfallen und ich horchte, zitternd, bis die schwankenden Schritte sich nach oben entfernt hatten. Und dieser Mensch nahm nun meinen Hausschlussel mit! Was sollte ich blos anfangen, wenn Kurt .jetzt und ich hatte den Satz noch nicht zu Ende gedacht, da hörte ich auch schon ein vernehm licheZ Klatschen von unten jetzt noch einmal, ganz laut und eindringlich lieber Himmel, was thun? Es blieb mir ja nichts weiter übrig, als dem Verbleib des Rothbehuteten nachzuforschen und ihm den Hausschlüssel wieder abzujagen. Ueber uns wohnten nur noch zwei Partieen, ich kannte zwar Niemand davon, da wir erst seit Kurzem hierhergezogen waren, aber was half's? Entschlossen warf ich meinen Frisirmantel ab, nahm das Licht.und begab mich nach dem oberen Stockwerk. Ich drückte zaghaft auf die Klingel nichts rührte sich. Also noch einmal kräftiger der schrille Ton schallte durch's ganze Haus, das mußte ja Todte aufwecken aber es dauerte doch noch eine ganze. Weile, bis ich schlürfende Tritte vernahm und ein verschlafenes Drenftmädchen im leichteste Kostüm die Thüre öffnete. Na. was is denn los?" Ach, entschuldigen Sie," fragte ich schüchtern, wohnt hier vielleicht ein junger Mann mit einem kleinen rothen Cylinder, er hatte eine Preßkohle in der Hand und " Aber wuthschnaubend unterbrach mich die Küchenfee: Wat? Un deswegen wecken Se einen hier mitten in der Nacht aus'n Schlaf? Das is doch wirklich 'n starkes Stück! Suchen Se sich Ihren Herrn mit de Preßkohle man alleene!" Und damit schmetterte sie die Thür in's Schloß. Völlig geknickt lehnte ich mich an die Wand. Noch weitere Versuche zu machen, wagte ich nicht, denn wer weiß, was für ein Empfang mir oben zu Theil wurde? Zu allem Unglück blies mir nun noch ein tückischer Lufrzug vom Flursenster mein Licht aus, so daß ich im Stockfinster starn, und schon saßen mir die Thränen bedenklich nahe, als ich über mir das Oeffnen einer Thür vernahm und eine ältere Frau mit einer Küchenlampe in der Hand auf der Treppe erschien. Wir waren uns schon öfter auf dem Hausflur begegnet, ich hatte aber nicht gewußt, daß sie hier oben wohnte. Nanu, Fräuleinchen." fragte sie erstaunt, was suchen &it denn hier? Ist was passirt? Kann ich Ihnen irgendwie helfen?" Ach ja. ja," stammelte ich, erleichtert aufathmend, und erzählte ihr mit wenigen Worten, wie es mir ging. Nein sowas, sowas aber auch! Ja, der junge Mann, das war natürlich der Dr. Bartels. der seit 14 Tagen bei mir wohnt ist sonst 'n solider, netter Herr aber heut' ist Fastnacht, wissen Sie, Fräulein na, nu wiA ich Ihnen man fix den Hausschlüssel holen " Ich nahm mir kaum Zeit, ihr zu danken, und stürmte die Treppen hinab, um die Hausthür zu öffnen und einen Jammermann .einzulassen, der halb erstarrt, mit klappernden Zähne.i hinter mir die Treppen hinaufschlich. Oben angelangt, schob ich ihn gleich in seine Stube und sparte mir die Strafpredigt bis morgen auf, aber als er dann so gänzlich zerknirscht, mit einer dick geschwollenen Backe und einem erfrorenen Ohr, vor mir stand, schmolz mein Zorn, und bei der Erzählung meiner Abenteuer kamen wir schließlich noch in die vergnügteste Stimmung. Einige Tage später erhielt ich mit der Post ein kleines Packet. Ich öffnete es und erblickte eine Preßkohle, aber sie war von Papiermache und mit Kognakbohnen gefüllt. Obenauf lag ein Hausschlüssel von Chocolade und dabei ein Zettel, der die Worte enthielt: Kein Feuer, keine Kohle kann brennen so heiß Als heimliche Liebe, von der Niemand was weiß!" Aergerlich zerknittert ich das Blatt. Es war wirklich ein bischen sthr stark von dem Herrn Doktor, u:: ich wollte zuerst das Geschenk foieU: zurückschicken, aber das wäre doch zu beleidigend gewesen, und dann für Kognakbohnen hatte ich gerade eine besondere Schwäche! So entschloß ich mich denn, sie zu behalten, und merkwürdig! so oft ich eine in den Mund steckte, fielen mir dabei die hübsehen braunen Augen des Gebers ein, und manchmal seufzte ich sogar ein aanz klein wenig bei dem Gedanken, daß ich ihn voraussichtlich wohl nicht mehr Wiederfehen würde. Aber eines Sonntags Vormittags, als ich gerade wieder die Schachtel vorhatte und wehmüthig die darin noch vorhandenen .Reste eines ehemall fürstlichen Vermögens" betrach
tete. klingelte es und Herr Dr. phil. Max Bartels gestattete sich, als neuer Hausgenosse seine Aufwartung zu machen. Zuerst hatte die Situation etwa? reichlich Ungemüthliches. Vater war kühl, ich stumm und der Besuch ziemlich verlegen; als sich aber dann herausstellte, daß Dr. Bartels aus KLnigsberg Vaters Heimathsstadt kam, und sie dort verschiedene gemeinsame Bekannte an der Universität hatten, daß er bei ihm Kolleg hörte, da brach das Eis d. h. in unserer Unterhaltung und Vater fand sogar an dem jungen Mann solch Gefallen, daß er ihn für den nächsten Donnerstag zu Tisch einlud. And als er mich beim Abschied fragte, zu welcher Zeit ich gewöhnlich die Eisbahn zu besuchen Pflegte, verwirrte mich sein bittender Blick so sehr, daß ich ihm ohne weiteres die richtige Antwort gab. Wie es nun weiter mit uns kam, brauche ich wohl nicht 'zu erzählen; hinzufügen möazte ich nur noch, daß auf unserer Hochzeit unter den ver-
schiedenen Tafelliedern und Carmen sich auch ein von meinem Bruder Kurt gewidmeter Sang nach der UMobic: Kein Feuer, keine Kohle" vorfand. in dem diel von einem roihen Cylinder, einer Preßkohle und einem Hausschlüssel die Rede war. Das Gedicht erregte allgememes opsscyuttein, va Niemand recht den Sinn der Sache begriff. - Max aber ließ vergnügt sein Glas an das meine klingen und flüsterte mir zu: Ich sage nichts, ich lache bloß, weil ich den Spaß versteh'!" Berliner Stiftungen aus der Franzyssenstat. Vielleicht hat sich zu keiner Zeit bei. patriotische Sinn der Berliner glan zender bewährt als in der bewegten und drückenden Zeit nach der Jenaer Schlacht. Das Elend hatte mit grimmiger Faust hineingegriffen in alle Verhältniue, der Hunger schlich durch die Straßen, überall sah man hungernde, zerlumpte , Kinder, deren Vater auf dem chlachtfelde aeblie ben waren; der König war fern, der Staat zerschmettert und medergetre ten es konnte für das Elend der Wittwen und Waisen der Gefallenen nichts gethan werden. Da offenbarte sich der Edelsinn in glänzender Weise. Der Freiherr von Kottwitz sammelte die hungernden Bettler um sichernd gründete in einer ehemaligen Kaserne :n der Alezanderstraße die Freiwillige Arbeits - Anstalt, in der er Hunderten von Unglücklichen Obdach. Arbeit und Brot verschaffte; der stolze Freiherr wohnte mitten unter den Bettlern, die er zu fleißigen Arbeitern machte, und deren Kinder er erzog. Diese in tiefster Noth gegrllndete Anstalt besteht . heute noch in etwas veränderter Form. An die Seite des Herrn von Kott Witz stellte sich der Artillerie - Kapitän Karl von Neander. Er sammelte auf den Straßen die Waisen der gebliebenen Soldaten, führte sie nach dem ehemaligen Lazarett des Regiments Möllendorf am Halleschen Thor und gründete lo das Friedrich stift, wo Soldatenkinder beiderlei Geschlechts zu Handwerkern, Dienstmädchen u. s. w. erzogen wurden. Den Kottwitz und Neander folgten Catel und Heinsius. Sie begründeten eine Erziehunas- und Jndustrie-An statt für elternlose Knaben, über welche die Königin Luise das Protektorat übernahm, und die nach ihr Luisenstift heißt. All das genügte natürlich nicht, die allgemeine Noth zu enden, aber die Berliner verloren den Muth und die Hoffnung nicht; namentlich hielten sie fest daran, daß dafe das Köniqspaar in nicht zu ferner Zeit wieder siegreich in die Hauptstadt einziehen werde. Ein öffentliches Betspiel zeigte dem Feinde, wie' tief diese Zuversicht in dem Büraertbum steckte. Eines yiaät mittags versammelte sich eine große Menschenmenge vor einem unschein baren Hause in der Kanonierstraße, aus dem man zwei Särge heraus trug. Diese waren nicht schwarz, mit der Farbe des Todes, angestri chen. fondern prangten in einem fri scken, fröhlichen Grün, und in den Särgen lagen ver Altmeister Friedrich Wilhelm Meinerd und dessen Ehefrau, die an einem Tage verstorben . waren. Sie hatten letztwillig verfügt, daß man sie begraben solle m arunen Sargen, dieweil die von dieser Welt abscheiden thäten mit der festen Zuversicht, daß der fromme König und die fromme Königin doch wieder siegreich heimkehren müßten in ihre treue Stadt Berlin". Wie ein Lauffeuer verbreitete sich diese Nachricht durch die Stadt, und als man die grünen Särge hinanstrug nach dem Kirchhof vor dem Halleschen Thore, da folgten Tau ende nach: denn jeder wollte zeigen, daß er gleiche Hoffnung trüge wie pie Alten rn ccn grünen argrn. Kasernenhofblüthe. Unteroffizier: .Ganze Compagn kehrt!" ganze Compagnie links um!" halt rechtsum!" wolll ich sagen das war nur lapsui linfcjsuin! . E i n w am d. Zofe: Die gnä dige Frau ist im Bade und laßt sich entschuldigen. Herr Professor!" Pro sessor, der einen Besuch machen will Papperlapapp. Reinlichkeit bedai
keiner Ennchuldiarma!
vcrvrrchen und Abcrglauvcn.
Gefährliche Praktiken der urpsuscher ?r Bsmpyraberglaudc. Verbrechen und Aberglauben bilden zwei eng zusammenhängende Begriffe. und liest man nur ein wenig die Tageszeitungen, so findet man häufig genug Falle, bei denen eine rcvclthat auf abergläubischen Vorstellungen beruht oder sollst in Zusammenhang mit so!chen steht. Vielerlei sind die Vezieyungen zwischen Aberglauben und Verbrechen, ohne daß der Zusammenhang immer als solcher erkannt wird. Zunächst nützen Verbrecher oft den Aberglauben des Volkes zu ibren Zwecken aus. Ganz besonders ist dies bei den sogenannten Kurpfuschern der Fall, cit zudem noch mit ihrem HokuspokuS häufig Gesundheit und Leben ihrer Opfer auf's Spiel setzen. Eine eigenartige Arznei" verordnete so ein Medizinmann der kranken rau eines Landwirthcs in Deutschland. Diesem ricth er, die Kranke in den Rauchfang zu hängen, damit ihr das böse Leiden ausgeräuchert werde. So geschah es, und die Patientin hing einige Stunden in der Rauchkammer, bis glücklicherweise ein Arzt dazu kam und sie vor dem Todräuchern rettete. Für eine Gruppe von Verbrechern ist es charakteristisch, daß sie Verbrechen aus abergläubischen Gesinnungen begehcn. Diese Kategorie ist die wichtigste und für Kriminalisten, Kulturhistorike? und Soziologen die interessanteste. Ein bezüglicher Fall wurde vor Kurzem bekannt. Rusnsche Bauern hatten einen des Diebstahls Beschuldigten mit dessen voller Einwilligung auf 0en glühenden Herd gesetzt und ihm auf diese Weise schwere Brandwunden beigebracht. Diese Mißhandlung ist als eine Ausgeburt des uralten Feuerorakels anzusehen. Man glaubte nämlich bei zahlreichen Kultur- und Naturvölkern (bei letzteren auch heute noch), daß die Gottheit den Unschuldigender zum Beweise seiner Schuldlosigkeit glühendes Eisen anfasse oder sich sonst der Gewalt des Feuers aussetze, vor jeder Verletzung bewahren würde. Am häufigsten ist bei Leichenschändungen Aberglaube das Leitmotiv, wobei verschiedene psycholozische Momente zu berücksichtigen sind. Ein solches entspringt der Furcht; es sind die aus Vampyraberglauben begangenen Verbrechen, d. h. aus der Meinung, daß gewisse Personen, insbesondere solche, die plötzlich gestorben sind oder Selbstmord begangen haben, sich nach dem Tode in Vampyre oder Blutsauger verwandeln und dann Krankheiten und Schlimmeres hervorrufen könnten. Zum Morde kleiner Kinder führt die in ihren Folgen schreckliche Idee, unschuldige Kinder kämen nach ihrem Tode gleich in den Himmel, wo sie sofort zu Engeln würden. So war vor. Kurzem in den Zeitungen zu lesen: Ein Mann, der des Lebens überdrüssig war und nicht den traurigen Muth zum' Selbstmorde fand, wollte seinen Zweck dadurch erreichen, daß er ein kleines Mädchen tödtete; während dieses im Todeskampf lag, flehte er es an, für ihn im Himmel Fürsprecher zu sein. Er war nämlich der festen Ueberzeugung. das zu einem Engel gewordene Kind werde ihm im Himmel nicht nur Vergebung dieses Mordes, sondern auch seiner früher begangenen Sünden erwirken." Frecher P o st d i e b st a h l. Aus einem Postwagen in Toulouse im französischen Departement Obergaronne wurden Werthstücke im Betrage von 15,000 bis 20,000 Francs (1 Franc gleich 19.3 Cents) geraubt; die Verbrecher hatten eine kurze Abwesenheit des Postschaffners zur Ausführung ihrer That benutzt. Ter Wagen stand vor dem Centralpostamt. Die Diebe verschloen die Thüren des Postgebäudes, um eiligst mit dem Wagen davonzufahren. Da? Reichsgericht hatdie Revision des Aiitiauaro Wolfgang Bach in Weimar, der von: dortigen Landgericht am 4. Oktober d. I. wo gen gewerbsmäßiger Hehlerei, began gen dnrdi ocn Ankauf von gestohlenen Goetbe-Handschriften, zu ,zwei Jahren Zuchthaus verurtheilt wurde, verwor fen. nropasscheS epartemeki. WeM Creditllriefe, Postanweisungen, auf alle Städte Europas. Schiffsscheine von und nach Europa. an und Verkauf ausländis schen Geldes. No. .35 Süd Meridian Str. ricrcfcnts Nfition&l Boc!s.
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