Indiana Tribüne, Volume 30, Number 112, Indianapolis, Marion County, 3 January 1907 — Page 5
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Berühmte Achuster.'.
Plauderei von K. Neichner. Ms sich der geheimnißvsll Räuberhauptmann von Köpenick, der durch seinen schneidigen Putsch urplötzlich weltberühmt geworden, als Schuster entpuppte, ging ein fröhlich Schmunzeln besonders durch die ganze Cchusterzunft. weil zu deren verschiedenen historischen Berühmtheiten eine funkelnagelneue hinzugekommen: die eines unnachahmlichen SchusterHauptmanns". Schon von jeher zeigte sich just bei den Schustern ein Zug nach Höherem". Schuster bleib bei deinem Leisten!" rief deshalb schon vor mehr als zwei Jahrtausenden Apelles. des Alterthums größter Maler, jenem antiken Meister vom Knieriemen zu. der sich unterfing, den Fuß auf einem Bild zu tadeln. Seitdem ist mancher Schuster nicht bei seinem Leisten geblieben. Schon im klassischen Alterthum besaßen Staatsmänner und Gelehrte ein gewisse faible" für die Schusterei, vor allem die Philosophen, denn wie ein Phisosoph erklärt, soll gerade dieses Handwerk eine Brutstätte für das Grübeln und Sinniren gewesen sein. Namentlich war es der alte Grieche Simon von Athen, der, Schuhmacher und Weltweiser zugleich, als Spezialität die Philosophenschuhe" (Sandalen mit steifer Lederkappe und vielen Riemen um den Fuß) fertigte, während er in seiner Werkstätte philosophische Diskurse mit dem großen Sokrates abhielt. In Alt-Rom war es in erster Linie Alphonus Varus, der seine Carriere mustergültig zusammenschusterte, indem er erst auf dem Schusterschemel saß, dann erster Bürgermeister von Rom war und schließlich die Digesten". 40 Bücher über römisches Recht, hinterließ. Im 3. Jahrhundert n. Chr. that sich das römische Brüderpaar Crispin und Chrispinian rühmvoll hervor durch Schuhe, die sie unentgeltlich für die Armen machten, sowie durch einen heldenhaften Märtyrertod. Die beiden Brüder wurden darum später zu Schutzpatronen der ganzen Schusterzunft erhoben und ihr Gedächtnißfeiertag, der 25. Oktober, einst manchenorts mit Sang und Klang begangen. Im ritterlichen Mittelalter tritt der Schuster anfangs nicht als freier Mann auf, bis unter Kaiser Karl dem Großen. Dann aber wuchs er mit dem an äußerer und innerer Größe immer mehr zunehmenden Schuh gemeinfchaftlich zu Rang und Chren, als der Stiefel zum Symbol des AdelZstände wie zum sinnbildlichen Abzeichn jeder mannhaft-thatkräftigen Leistung avancirte. Im 12. Jahrhundert durfte sogar jeder wackere Zunftgefell. um dem bedrängten Vaterlande beizuspringen oder sich an sonstigen bltigen Händeln zu betheiligen, ganz stramm und ritterlich einherstolziren mit Schwert und Lanze, Sturmhaube und Harnisch. Dieser Stich in's Kriegerische blieb dem sonst so friedlichen Schuhmachergewerbe treu durch Jahrhunderte. Wo es etwas dreinzuhauen gab, prompt waren die Schuster dabei! Anno 1726 blockirten die streikenden Schustergesellen ein Vierteljahr lang die mächtige, ehemalige deutsche Reichsstadt Augsburg und bläuten alle Meister, die sich blicken ließen, wacker durch, bis der rathlose Magistrat gegen dieses gottlose, aufrührerische Beginnen Kaiser und Reich zu Hilfe rief und die Gewalt der Waffen die bösen Kampfhähnc niederdrücken mußte. Sogar im gemüthlichen Alt-Wien krakeelten die Schuster so ungemüthlich unter Kaiser Karl VII., daß der Krawall kein Ende nahm, bis man die Hauptrebellen stumm machte. Zur gleichen Zeit, 1746. rebellirten auch die Schuster von Italien, um die unbeliebten Oesterreicher aus Genua zu vertreiben. Im nächsten Jahrhundert meuterten im stolzen England während der Regierung König Georgs HI. die allzeit aufsässigen Herren vom Leisten bei den Proletarierunruhen, indem sie mit an der Spitze der Bewegung standen. welche die Minister stürzte und um's Leben brachte. Auch einzelne hervorragende Jünglinge des heiligen Crispinus scblugen eine gute Klinge, so Jpbikrates, der griechische Feldherr, der als Sprößling eines Schuhmachers seine Laufbahn als Soldatenschuster begann und im 4. Jahrh, v. Chr. die athenische Kriegskunst verbesserte. Weiter noch brachte es im Mittelalter der große Schuster von Selencia in Thracien: Leo der Jsaurier, der. den Leisten mit dem Schwert vertauschend, sich Anno 717 vom Feldherrn zum griechischen Kaiser emporschwang. Andere mittelalterliche Schuster gaden in anderer Weise ihren Zeitgenossen etwas zu staunen, wie z. B. der tapfere Schuster Hans von Sagan. der 1320 todesmuthig in der Schlacht des Deutschen Ordens gegen die Liic.uer zu Rudau bei Königsberg voran die Fahne trug zu Kampf und Sieg! Koppenoll, der berühmte Schuster von Brügge, war ein so gewaltiger Streithahn, daß er den nachmaligen deutschen Kaiser Maximilian I. mitsammt dessen Räthen 1488 gefan gen setzte und statt seiner in den Nie drrlanden den Regenten spielte, bis er
einige Monate später seinen flandrischen Lokalpat::otismus mit dem Kopf bezahlen mußte. Dafür machte Kaiser Karl V. einen anderen kriegerischen Schuster,' Johann von Legra, einstigen Schuhmachergesellen von Ravarra. zum Herzog von Ascoli und gestattete später dem 70jährigen Haudegen. der in 60 blutigen Treffen für ihn das Leben gewagt, in seiner allerhöchsten Gegenwart bedeckten Hauptes im Lehnsessel sitzen zu dürfen. Kühne Kämpen und Dreinschläger aus der Schusterinnnng tauchten im 17. Jahrhundert im Reich der Briten auf. in Gestalt von zwei PuritanerFeldherrn, die zur Seite des gewaltigen Oliver Cromwcll sich gegen die Royaliften ruhmvoll ' h:rvorthaten: Oberst Hewso nund Major Rolfe, sowie später im spanischen Erbfolgekrieg und gegen Afrikaner und Franzosen der Admiral Show!, der in seiner Jugend schusterte und das Pech hatte, im Streit seinen Meister zu erschlagen, worauf er als Schiffsjunge flüchtete und ein berühmter Marineheld wurde, bis ihn die wilde See verschlang. Doch die kriegerischen Neigungen der Schuster, die nicht bei ihren Leisten blieben, beschränkten sich nicht darauf, mit der blanken Waffe in der Hand zu kämpfen, sie konnten einst auch ganz furiose Politiker stellen, speziell in Amerika, wo seit den frühesten Colonialzeiten der Vereinigten Staaten die Zunft des mannhaft.' Stie'els ine gar ansehnliche Quantität und Qualität von höchst brauchbaren Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft leistete", fo hoch accreditirt in Werth und Würden bei den Gemeinden, daß man sich nicht getraute, einen Schuster zu hängen. Als besonders unbeugsame? Patriot und Redner des 18. Jahrhunderts hat sich der berühmte Schuster von Connecticut Roger Sherman (geb. 1721) verewigt, der jahrelang Schuhe machte, bevor er eine Leuchte der Wissenschaft, ein Pionier der Freiheit und des Volksrechts und nebenbei noch Friedensrichter. Abgeordnete?, Bundessenator wurde. Sein würdiger College war der Schuster von Natick: Henry Wilson, der mit 22 Jahren nicht nur ein tüchtiger Schuhmacher, sondern auch ein so tüchtiger Redner war, daß er Pechdrabt und Ahle an den Nagel hing, um Agitator zu werden, der in zwei Monaten über 60 Wahlreden hielt und bis an sein Ende mit Wort, Schrift und That für die Vernichtung der amerikanischen Sklaverei zu Felde zog. Namentlich auf französischem Boden hat der Feuergeisi der Helden vom Schusterschemel reiche Nahrung gefunden. Welch' einen harten Schädel besaß z. B. jener Picard. der in Paris zu Anfang des 17. Jahrhunderts dem mächtigen, gefürchteten Marschall d'Ancra den Fehdehandschuh hinwarf, und nicht eher ruhte, bis sein Schwur der Rache sich erfüllte und er den verhaßten, gestürzten Volksfeind an seinem eigenen Galgen", den er für die errichten ließ, die es wagen sollten, ihn zu schmähen, hängen sah wenn auch nur als Leiche. Eine wichtige Patriotenrolle hat mancher historisch gewordene Schuster während der französischen Revolution von 1789 gespielt. Der grimme Jsambert führte die Volkshaufen gegen das Königsschloß der Tuilerien; Etienne Gaspard Chaumette. genannt Anacharsis, bkleidete den Posten eines Generalprokurators und war ein so wüthender Jakobiner, wie der berüchtigte Unhold Schuster Simon oder der wild-fanatische Freiheitsdichter Jung von Straßburg, bis die Guillotine auch sie verschlang. Große Patrioten blieben aber trotzdem die Schuster der prande nation auch nach der großen Sturmfluth. Wo irgend ein Tumult entstand, wo es ein Attentat galt, eine Verschwörung, wie die Höllenmaschine gegen Napoleon Vonaparte, die Pulvermine gegen Ludwig XVIII. und die Bourbons. den Pistolenschuß gegen den Bürgerkcnig Louis Philipp, die Orsinibomben gegen Kaiser Napoleon IH. flugs waren auch Schuster dabei. Doch auch auf friedlicherem Gebiete haben sich die Schuster auf der Höhe ihrer Zeit erhalten, indem sie sich in höhere Regionen verstiegen bis zum Weltenverbesserer und Propheten! Diese undankbare Mission übte namentlich der Schuhmacher und Naturphilosoph Jakob Böhm zu Görlitz (geboren 1575. gestorben 1625; aus, der eine neue philosophische Richtung einschlug, die er durch dreißig Schriften. voran: Aurora oder die Morgenröthe". kundgab, in denen er seine Meinung über Himmel und Erde so ungenirt ausdrückte, daß ihm das öffentliche Bücherschreiben verboten teuri. Als .Prophet" that sich der Schuhflicker Gonzalo Bandarra in Lissabon hervor, der so unvorsichtig war, Spanien den Verlust von Portugal vorauszusagen, was ihm fast den Scheiterhaufen eingetragen hätte. Zu Anfang des 15. Jahrhunderts derdrehte der ehemalige .Schuhknecht" von Frankfurt a. M., Johann Max Dauth, mit seiner , auftührerischen Schrift: .Die helle Donnerposaune" den Bürgern und Bauern derartig die Köpfe, daß die Wächter der allgnneinen Wohlfahrt den gefährlichen Verkünder von '.tausend Jahren Glückseligkeit" schleunigst zum Deutschen Reich hinausjagten. Auch der englische Schuster Georg Fox beschäftigte sich.
nan mit seinem Leisten, never mit menschlichen Beglückungsplänen; er gründete zu diesem Zwecke 1637 die berühmte .Quäkersekte", obgleich er zum Lohne ausgepeitscht und in's Gefängniß und Narrenhaus gesperrt ward. Von den vielen Helden und GeistesHelden, die aus der Zunft des Schuhs und Stiefels hervorgegangen, ragen etliche für, alle Zeiten riesenhaft hervor: Murillo (16181682). der große spanische Farbenkünstler, that den cntscheidenden Schritt vom s!erblich?n Schuster unr'TMTtf er Maler: 2 haliens großen Schüler sehen wir Im 18. Jahrhundert den genialen Ludwig Schröder seine buntbewegte Lehr- und Lebenszeit vom Schuhflicker an beginnen, und der schwedische Schusterlehrling Linn (17171778) brachte es zu hohen Aemtern und Würden, Geld und Adel, als gefeierter Gelehrter und Reformator der Naturwissenschaft. Auch der Wissenschaft in's Handwerk gepfuscht hat mancher Schuster, z. B. der Wunderdoktor Lampe zu Goslar im 19. Jahrhundert, der durch seinen merkwürdigen Scharfblick und seine räutersaftkuren die Welt verblüffte und einen Weltruf nebst Patienten aus aller Welt erwarb. Von den poetischen" deutschen Schustern sei hier nur einer erwähnt doch es ist ein Löwe: der .Schuster aller Schuster", Hans Sachs mit Namen. der hochberühmte Nürnberger (geboren 1494). der gar viele Gesellen in seiner Werkstätte beschäftigte, zugleich aber der größte Dichter seiner Zeit war, der über 6000 Erzeugnisse in 34 selbstgeschriebenen Bänden hinterließ, und dem Richard Wagner das schönste Denkmal setzte durch die Oper: ..Die Meistersinger von Nürnberg". Um schließlich jener schusterischen Berühmtheiten zu gedenken, die .bei ihrem Leisten blieben", sei Colmant erwähnt, der das Problem des Stiefels ohne Naht löste, der begeisterte französische Bonapartist unter dem ersten Kaiserreich, sowie der große Sakoski. der einst Napoleons historische Feldherrenstiefel besohlte, wie späterhin Lieferant des beliebten deutschen Dichters Heinrich Heine in Paris war. Dieser glorreichste Lederkünstler" seiner Zeit, dessen Ableben (1840) Heine einen Nekrolog mit den Schlußworten widmete: Möge die Erde dich so wenig drücken, wie mich deine Stiefel!" bat sich durch ein wissenschaftliches Werk: Ueber die Unvollkommenheit der menschlichen Fußbekleidung" das dauernde Verdienst erworben, die Welt darüber aufzuklären: Wo der Schuh sie drückt!"
Alte Parolebücher. Die alten Parolebücher der Berliner Garnison zur Zeit Friedrichs des Großen enthalten mancherlei Ergötzliches, auch sind sie bezeichnend für den Geist und die ganzen Verhältnisse der Zeit. .Das erste Bataillon." lautet ein Befehl vom 19. Mai 1752. .mit leinenen Hosen und weißen Stiefeletten, auch gut gepudert. Das zweiteBataillon mit schwarzen Stiefeletten und tuchenen Hosen. Diese sind nicht gepudert. Daß Keiner besoffen kommt, bei Strafe des Gassen laufen!" Ein anderer Befehl vom 25. April 1780 lautet: Einige Herren Offiziers und die meisten Unteroffiziers, müssen sich durchaus abgewöhnen, wenn sie Züge führen, daß sie nicht so viel mit die Hände wehen. Die Herren Offiziers, so heute geweht haben, möchten sich selbst corrigiren und in's Künftige sich bessern." Am 10. März 1783 heißt es: .Die Unteroffiziers auf den Wachten, nebst den Gefreiten und Schildergästen müssen sehr genau Acht haben auf die großen Frauenzimmer, damit sich kein Soldat verkleidet herausschleicht." Am 7. October 1751 heißt es: Wenn Lärm oder Schlägereien in den Gassen und Wirthshäusern vorfallen, so sollen die Patrouillen alles arretiren und wenn auch des Prinzen von Preußen Domestiques dabei wären." Zur Aufrechterhaltung der Manneszucht bestand noch das Spieß-ruthen-oder Gassenlaufen. Der Schldige mußte mit entblößtem Rücken durch die aufgestellte Gasse seiner Kameraden gehen, deren jeder, mit einer Ruthe versehen, ihm einen Hieb gab. Das geschah bei Trommel- und Pfeifenklang, dessen Melodie ' die Soldaten den Text untergelegt hatten: Warum bist du fortgelaufen? Darum mußt du Gassenlaufen, darum bist du hier!" Das reichste eldgewölbe der Wtlt Die Bank von England besitzt einen Raum, der ringsum an den Wänden vom Boden bis zur Decke mit feuerfesten Schränken versehen ist, in denen sich Reihe auf Reihe von Gold- und Silbersäcken, jeder 2000 Pfund enthaltend, und Stoß auf Stoß Banknoten befinden. Dieser Raum enthält allein an gemünztem Gelde 400 Mill. Dollars. In dem Keller der Bank befinden sich allein 77 Mill. Stück außer Kurs gesetzte Noten im Werthe von 1750 Mill. Pfd. und im Gewicht von 18,100 Centnern. Darunter befindet sich eine einzelne Note im Betrage von 1 Mill. Pfd. und eine andere, denn Werth im 119 Jahren von 200 auf 60.000 Pfd. geftiegen ist. '
. Ein Kunstkenner.
Humoreske von E. v. Hartenfeld. Der Herbstwind pfiff durch den Park, jagte die letzten Blüthen von den Bäumen und klopfte mit vernehmlichen Fingern- an die Fenster des Kasinos. Alle die Ulanen, die drinnen im Rauchzimmer um den runden Mitteltisch und um den Kamin saßen, ließen sich in ihrer Unterhaltung nicht stören, sondern plauderten weiter von Pferden und Hunden, Manöver - Erlebnissen und Beförderungen, und was onst ein jugendliches Retterherz erreut. Hin und wieder pfiff auch einer einen Marsch vor sich hin, oder er begleitete halblaut die Akkorde, die ein Kamerad im Nebenzimmer auf dem Piano anschlug. .Was ist das, was Sie da eben spielen, Zempeldorf?" rief ein dicker Rittmeister, als eine kleine Pause in der Unterhaltung eintrat und die Klänge vernehmlicher aus dem Salon herübertönten. ..Aida, Herr Rittmeister!" .Was, zum Teufel?" .Aida, ein Frauenname." .Jda hab' ich gehört, und Adda auch, aber beides A- und I- das find' ich verrückt. Bon wem ist denn der Walzer, oder was es sonst ist?" .Es ist eine große Oper von Verdi, Herr Rittmeister. Als ich das letztemal in der Residenz war, hab' ich den Tenor Caruso darin gehört. Einfach magnifique, sag' ich Ihnen, geradezu phänomenal!" , .Na na mehr als swgen kann er doch auch nicht!" Nö aber wie er's macht, das ist 1a! Das ist Wohllaut und Schmalz Pardon Schmelz wollt' ich sagen, Kraft und Stärke und und " .Kinder hört, Zcmpelburg hat wieder den finor inusicalis. Gott, Zempelburg. an Ihnen ist 'n halber Opernsänger verloren gegangen. Wenn's mit dem Militär nischt wird, satteln Sie vielleicht noch um. uno wir stehen nachher unten im Parterre und schreien: Vravo Bravo Dacapo!" Gut acceptirt vorausaesekt. daß Ihr überhaupt die Mittel" habt, ick? singe nur bei erhöhten Prtisen." Für 50 Pfennige was? Die Intendanten wcroen sich um Sie reißen: Sianor Zempeldorfini oder wie werden Sie sich sonst nennen?" Der Baron antwortete nicht, er saß wieder am Klavier und ließ die Spottreden ruhig über sich ergehen. Er wußte, gegen den dicken Rittmeiestr v.,Spirlinz war nicht aufzukommen. Der war im Stande, das Heiligste lächerlich zu machen und das Erhabenste unter das Feuer seiner Witze zu nehmen. Aber noch ein anderes hielt ihn davon zurück, das Vorigefecht mit Spilling weiter auszuspinnen. Er fühlte, daß er auf die Dau-'r die Gelassenheit verlieren und gegen diesen Mann heftig werden konnte, den er nicht mit Unrecht im Verdacht hatte, sein Rioal zu sein. Seit zwei Jahren wohnte sie hier, die reizende Frau v. Sandau; sie war jung,, verwittwet, sehr wohlhabend und von blendender, eigenartiger Schönheit. Aus kecken, grllngrauen Augen sah sie in diese schöne Welt, bronzefarbenes Haar umrahmte ihre niedrige ctim, ein? schmale Hand führte graziös Reitpeitsche wie Fächer, die schlanke Taille präsentirte sich ebenso vorzüglich in der Ballrobe wie auf dem Sattel. Kein Wunder, daß ihr die Herzen aller Reiterofsiziere bald zuflogen, und daß mit allgemeiner Spannung erwartet wurde, wen diese Sirene in ihrem Zaubernetze fangen würde. Sie nahm an allen Festen und Vergnügungen theil, welche die idyllische kleine Garnisonstadt gewährte. Sie tanzte auf den Kasinobällen, sie ritt Jagden, sie spielte Lawn - Tennis, sie gab reizende intime Diners a quarre. Bei diesen zeigte sie sich als das, was sie war, als Virtuosin am Flügel und als Kennerin in Musikfragen. Ihre Vielseitigkeit gestattete ihr. allen Ansprüchen gerecht zu werden und, wie das Mädchen aus der Fremde, theilte sie jedem eine Gabe, .und jeder ging beglückt nach Haus." Einen besonders tiefen Eindruck hatte Frau v. Sandau aber auf den dicken Rittmeister und auf Baron Zempeldorf gemacht. Der erste legte sich, um jugendlicher zu erscheinen, eine Perücke zu, welche sein kahles Hinterhaupt mit einem prachtvolle'.? Scheitel verzierte, der andere aber stürzte sich kopfüber in die Musik und entdeckte plötzlich sein Herz für Ehopin und Mendelsohn. Er fing auch wieder an ganz heimlich Klavierstunden nehmen, brachte es aber über einige leichte Stückchen nicht hinaus und hütete sich, sein Licht irgendwo anders als in Kameradenkreisen leuchten zu lassen. Desto mehr gab er sich aber als Musikkenner, und wenn er mit Frau v. Sandau allein war, dann konnte er tiefgelehrte Ge spräche über das Verbot der QuintenParallele oder über bezifferten Baß yalten. Solche Gefchmacksverwandtschaft verdroß den Rittmeister gewaltig, und er lauerte schon lange auf die Gelegenbeit, um Zempeldorf auf seinem Lieölingsfelde zu blamiren. Denn es lag auf der Hand: War der Baron erst einmal bloßgestellt, dann hatte
er auch bei Frau v. Sandau ausgespielt. Solche Gedanken gingen dem Rittmeister durch denKopf, während Zem peldorf nebenan mit einem Finger feine Aida weiterklimperte. .Aida sagte er sich, .weiß der Himmel. ob das nicht irgend ern Gassenhauer ist, und Zempeldorf macht uns nur was weiß." Und das sagte er auch halblaut, so daß es der andere im Nebenzimmer nicht hören konnte. .Aber, nein, Herr Rittmeister," siel ein jüngerer Leutnant ein. Zempeldorf ist wirklich fabelhaft kunstsinnig. Es giebt kein Musikprogramm, wo er nicht alles genau kennt." .Unsinn! Kein Mensch kann alles lenuen!" .AberZemp'eldorf doch! Erst jüngst, als unsere Trompeter ihr letztes Eoncert gaben, hat er Nummer für Nummer richtig angegeben! Ohne in's Musikprogramm zu sehen!" .Na, hört mal, Kinder, daß ihr auf solchen Leim kriecht! Die Geschichte ist doch ganz einfach: Zempeldorf lernt eben vorher das Programm auswendig, um uns zu imponiren. Zehn oder zwölf Piecen sind doch dem Namen nach nicht so schwer zu behalten. das. getraue ich mich sogar zu machen!" .Nein nein, keinesfalls." Und ich bleibe dabei." .Sie täuschen sich, Herr Rntmeister." Glaub' ich kaum, Kinder. Uebrigens könnte man ja einmal die Probe mschen." Wie das? Eine Probe?" .Gewiß! Und nun hört mal zu. Ulanen, das kann ein Hauptspaß werden. Aber vorher Versicherung, daß keiner unseren Plan verräth. Es muß ganz unter uns bleiben." .Selbstverständlich, parolo d'honnenr. Aber wie, schießen Sie los, Rittmeister." .Sehr einfach, Kinder. Nächster Tage giebt unsere Kapelle wieder ein Concert im großen Saal der Goldenen Traube". Ich werde mit dem Stabstrompeter sprechen und veranlassen, daß die Stücke in falscher Reihenfolge aufgeschrieben werden, also das was zuerst, wird zuletzt, das zweite als vorletztes u. s. w. Dann werdet ihr ja sehen ob Zempeldorf Bescheid weiß." Aber selbst wenn er sich irrt er mit seiner Gelehrsamkeit hat doch sofort Ausflüchte zur Hand." .Soll ihm nichts helfen. Wir holen uns einen ganz kompletten Musikkenner, der ihm sofort seine Blamage authentisch bestätigt die schöne Sandau schlag' ich vor. Der wird dieses Probestück auch Vergnügen machen." Eine sehr gute Idee," lachten die Ulanen - Offiziere. .Prosit, He:r Rittmeister! Wehe Zempeldorf, wenn er uns so lange an der Nase geführt hat! Dann mag ihn auch die gerechte Vergeltung treffen!" Ich sag' euch, keinen Schimmer hat er, keinen Dunst. Kann knapp Signal .Trab" von Opernarie unterscheiden. Aber Mund zuhalten der Spaß soll großartig werden." Die wenigen Tage vergingen wie im Fluge, und bald war der Abend gekommen, den man in Aussicht genommen hatte. Der große Saal der Goldenen Traube" erglänzte im Strahl der elektrischen Glühbirnen, und unten hatte ein elegantes Publikum in den neuesten Herbstroben Platz genommen. Da waren die Damen des Ulanenregiments, des Landadels und der Beamtenschaft, da war der Landrath und der Landgerichtspräsident, der Bürgermeister und der Oberpfarrer, das Offiziercorps u. s. w.; was das Städtchen nur an Honoratioren aufzuweisen hatte. In einer der ersten Reihen vor dem Orchester saß Frau v. Sandau in einem wunderbaren, grünblauen Hauskostüm, und rechts von ihr der Rittmeister, links Baron Zempeldorf. Die verschwörenen Offiziere umgaben das Trio in weitem Kreise. Der Kapellmeister klopfte, ein rauschendes Presto setzte ein. .Was ist das?" fragte der Rittmeister ganz harmlos, und ebenso harmlos antwortete Zempeldorf: Potpourri ans der Fledermaus." Frau v. Sandau zuckte unmerklich zusammen: Ja, so stand es auf dem Zettel. Sollte Herr v. Zempeldorf aber wirklich nicht die Figaro - Ouverture kennen? Abwarten! In fünf Winuten war das Werk heruntergefpielt und die .blaue Donau' folgte. Pardon, Zempeldorf, daß ich nochmal störe," der Rittmeister beugte sich hinter dem Rücken der Nachbarin hinüber, aber Sie wissen ja, ich bin so unmusikalisch was spielen die Kerle jetzt?" Liebeslied aus der Walküre!" Ah. so danke! Richtig von Wagner, nicht wahr?" Selbstredend von Richard Wagner." Der schönen Wittwe schoß das Blut in's Gesicht. Wer trieb hier von beiden Scherz und Spott? Stellte Zem peldorf sich nur unwissend, oder war er es wirklich? Abwarten! Jetzt begann der Tannhausermarsch" mit markanten Rhythmeu, und wieder interpellirte der Versucher den harmlosen, Kameraden: .Auf dem Programm, das ich endNch in der Tasche finde, steht No. 3 'Am Men".
Lied von Schubert. Ist eS das, Zem. peldorf?'" .Natürlich .Am Mc": Hören Sie nur: Wir saßen im stillen Fischerhaus, wir sa ßen sti ill herrlich, was?" Jetzt war Zempeldorf's Schicksal besiegelt. Alles begann zu kichern und zu lachen, und als die Pause kam, war der unselige Musikkenncr von einer Schaar höhnender Kameraden umgeben. .Sie transit gloria na, hören Sie mal, Sie Apoll Sie. jetzt haben wir Sie aber mal gefaßt fo'n Kerl hat keine blasse Idee und markiri den Musikforscher das kostet eine. Bowle mit Ananas zwei Bowlen!" Am lautesten aber lachte der Rittmeister. so daß seine Perücke wackelte; Zempeldorf war ganz blaß geworden. Da trat Frau v. Sandau an ihn heran: .Geben Sie mir den Arm. Baron, und führen Sie mich ein wenig aus dem Trubel! So! Und nun sagen Sie mir, lieber Freund weshalb die Musikkomödie? Sie sino doch nun entlarvt!" .Melanie können Sie fragen? Sollten Sie nicht ohne Worte verstehen, wem ich gefallen wollte, wem zuliebe ich mich als Kunstkenner gerirte, wessen Neigung ich mir gewinnen wollte?" Sie sah ihn lächelnd an: .Also wäre ich eigentlich Schuld an dieftr Niederlage? Dann werde ich wohl auch die Kriegskosten bezahlen müslen, gelt?" Er küßte ihr glückselig die Hand: .Es war ein Reinfall, ja, ich gebe es zu, aber ein Liedchen kenne ich doch trotz allem ganz genau und sein Text fängt an: Willst Du Dein Herz mir schenken? "
9mtmmm9 mWmmJfmmi9 ml ml mi lm99 mm ck - """" ""( V I Hans, Hos und Land I Xj !'''-.'-Vr''ttt , , . 1 ..."...". Goldborten z u reinigen. Man reibe sie leicht mit eine: Zwiebelscheibe und wasche sie nach einigen Stunden mit einem feuchter Schwämme ab. Gegen kalte Füße ist mar geschützt, wenn man baumwollene Strümpfe und darüber feine wollen? trägt. Der Fuß schwitzt so wenige: und bleibt warm. F l ä s ch ch e n , welche ätzende Flüssigkeiten enthalten, verschließt man am besten mit weichem, gelben Wachs. Korkstöpsel verbrenner bald und zerbröckeln. H o l l u n d e r b e e r e n, ganz reife, geben dem Schuhwerk guten Glanz. Man zerreibt die Beeren aus den Schuhen und bürstet mit dez Glanzbürste tüchtig nach. Wanzen zu vertreiben. Eine dicke Lösung von Salz in Petroleum wird mit der Feder in alle Fu gen und Ritzen der Betten oder Mauern gestrichen. Dieses Mittel vertreibt die Wanzen unweigerlich. Mit Cigarrenasche putzt man Gold-, Silber-, Kupfer-. und Messinggegensiände sowie auch weiße Flecke, welche dadurch entstanden sind, daß man warme Gefäße auf polirte Gegenstände gestellt hat. Zähne und Magen haben unter der Gewohnheit des Heißessens und -trinkens ebenso sehr zu leiden, wie unter der sehr üblen Gewohnheit des Schnellessens; nur die Nahrung kann' gut verdaut werden, die durch möglichste Zerkleinerung und Einspeichelung für den Magen gut vorbereitet worden ist. Kartoffeln mit Aepfeln. Die Kartoffeln werden -gar gekocht und abgegossen, Aepfel in Viertelstücke geschnitten, ebenfalls in Wasser, aber ohne Zucker gar gekocht, dann zu den Kartoffen gegossen und zusammen gerührt. Das Ganze wird in eine Schüssel gethan und gebräunte Butter darüber gegossen. Enge Handschuhe weiter zu machen. Man befeuchtet ein weißes Tuch und wickelt in dasselbe die zu engen Handschuhe ein. Nach einigen Stunden nimmt man dieselben heraus und man wird beim Anziehen finden, daß das Leder weit dehnbarer geworden ist. Um der Farbe des Leders nicht zu schaden, darf das Tuch selbstverständlich nicht zu naß sein. Bei der Pflege von Diphtheritiskranken verwende man zum Auffangen von Schleim und Eiter aus Rachen und Nase niemals Taschentücher, sondern, stets entfettete Baumwolle. Man verschleppt nämlich mit Tüchern den Infektionsstofs sehr leicht, während man die beschmutzte Watte sofort unschädlich machen kann, indem man sie nach dem Gebrauche unverzüglich verbrennt. Dunkle T u ch s a ch e rc z u reinigen. Man mischt Salmiakgeist mit Wasser, legt Röcke u. s. w. auf einen Tisch oder ein Brett, taucht eine Bürste in di Mischung und bür-' stet immer dem Faden nach, bis alles durchnäßt ist. spült dann tüchtig mit , Wasser nach und hängt die Gegenstände möglichst im Freien an recht luftigem Orte auf. Wen. man sie dann einem Bügler übergibt, erhalten sie wieder ein neues Aussehen. -
