Indiana Tribüne, Volume 30, Number 110, Indianapolis, Marion County, 31 December 1906 — Page 7
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g Roman von . A. G. vonSuttner j !?II!IIUI!I!I!!!!!'III!I'!I!!!!I1IIIINIII!!I!IIIIIIIIIlslI (Fortsetzung.) " Der AuScanaSrninfi für KieseS verwaNdtschaftliche Thermometer ist gemeiniglich das goldene Kalb, um welches sich mehr oder weniger sämmtliche Interessen dieser lieben Welt drehen. Alles, was nach plus" hinaufsteigt, ist. je nach der Gradstärke: gut" lieb" prächtig" theuer" einzig" u. s. w.. während das. was zum minus" sinkt, mit der ihm gebührenden Eisigkeit behandelt wird. In den letzteren Fällen wird dann die Verwandtschaft als sehr entfernt." oder einfach als nicht ezistirend" bezeichnet, außer wenn dies dadurch unmözlich gemacht wird, daß der betreffende arme Schlucker die Unverschämtheit hat. denselben Namen zu fuhren wie wir. Unter solchen Umständen wissen wir uns jedoch den schoflen Menschen vom Hals zu kalten: wir empfangen seine Besuche stehend (um ihm keinen Stuhl anbieten zu müssen, und um ibn zu baldigem Fortgehen zu bewegen), reichen ihm zum Abschied den in krampfhafter Steifheit gestreckten Zeigefinger, lassen für die Zukunft die Bemerkung fallen, daß unsere Zeit ganz ungeheuer in Anspruch genommen sei, und scheuen uns sogar nicht, dem Diener zu verstehen zu geben, daß. wenn der Herr Graf wieder vorsprechen sollte, wir nicht zu Hause seien. Aus allem diesem hat sich vermuthlich d:r Spruch entwickelt: noblesse oblige." Den Kuckuck auch! Die Noblesse gebietet uns, Vollblutpferde zu Schanden zu reiten, auf ein Kartenblatt ein: Herrschaft zu setzen, und noch hunderterlei andere Variationen auf der schönpolirten, aber falschtönenden Ge-sellschafts-Geige zu spielen aber sie verpflichtet uns durchaus nicht, etwa tausend Gulden jährlich zur Untersiützunz eines verhungernden Verwandten zu wagen, denn auch Geld hat sein spezielles Thermometer: es gibt Fälle, in welchen hunderttausend Gulden eine Bagatelle," und Fälle, in denen tausend Gulden enorm" sind es kommt eben darauf an, zu welchen Zwecken man es auslegt. Auf Rauhenstein gab sich Jemand ähnlichen Gedanken hin, und das war Esther. Sie wußte, daß der erlauchte Veiter einen Verwandten besaß, der sogar den Namen von einem der Gü!er führte, die sich nun im Besitz Gerhards befanden. Sie hatte diesen armen Friedenthal, als sie noch ein ganz kleines Mädchen gewesen, gesehen, und sie konnte das traurige Gesicht, das vernachlässigte Aeußere des Herabgekommenen nie vergessen. Auf ihr Bitten und ihr Zureden hatte damals die Großmutter eingewilligt, dem Hilfsbedürftigen beizuspringen, und so war es seither geblieben: In vierteljährigen Raten ging von der Rauhensteiner Wirthschaftsdirektion die Unterstützung regelmäßig an den Betreffenden ab, und über diese Regelmäßigkeit wachte Esther mit Argusaugen. Von einer Aufforderung an Friedenthal, die Sommermonate alljährlich in Rauhenstein zuzubrm gen. hatte das junge Mädchen absehen müssen; Großmama hatte entschieoen. daß dazu die Verwandtschaft doch allzu entfernt ser. Der diesmalige Besuch Ereuchingens sollte wenigstens auch sein Gutes ha ben, das nahm sich die Kleine fest vor; wenn der Vetter im geringsten darnach streben sollte, vor ihren Augen Gnade zu finden, so mußte er sich zu einer Sache feierlich verpflichten: seinem angeblich sehr entfernten" Verwandtten ausgiebig beizustehen. 17. Kapitel. er Erwartete hatte endlich mit Viererzug, Groom und Büchsenspanner ferner: Einzug gehalten. Die ersten Tage wa- , ren damit vergangen, daß man dem Vetter alle Sehenswürdigkeiten von Rauhenstem und Umgebung zeigte; dann harte Erwem den schwachen Ver such gemacht, die altgewohnten Veschastlgungen wieder aufzunehmen, doch war es auch nur bei diesem Ver suche geblieben, .iferrn man mußte doch den Regeln der 'Gastfreundschaft nachkommen, und dem Gaste die Zeit angenehm vergehen zu machen suchen; daß .gemeinschaftliche Lektüre, Arbeiten im Garten. Anlegen eines Herbariums, und ähnliche Beschäftigungen durchaus nicht nach dem Geschmacke Gerhards waren, dies konnte man leicht darau erkennen, daß er, gezwungen lachend. seine Verwandten Philister nannte. Wozu hatte er seine Jucker mitaebracht, wenn man nicht Ausflüge oder Besuche in der Nachbarschaft machen wollte, und auch der Büchsenspanner ;war nicht blos für die Staffage im Gefolge seines Herrn erschienen. Freilich hatten die Wachteln kaum noch ihre Einwanderung begonnen. aber du Küche bedürfte doch immer eines Häschens, oder Rehbocks, den man auf dem Anstand erlegen konnte. .Auf eigenem Jagdrevier nur beobachtet tet man sireng die Jagdvorschriften, mit fremdem Wild, da braucht man's nicht gar so genau zu nehmen. DaZ fatale war. daß Ervnn sick überhaupt nicht zum Jagdgenossen e:anete und allein fano.es Gerhard
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langweilig, durch den Wald zu sözlen-dren.
Wohl hatte er für einen Augenblick ein gnädiges Auge auf Andreas geworfen, ob zwar er es m den ersten Tagen für angemessen gehalten hatte. dem iunqen Manne gegenüber eme eisige Steifheit zur Schau zu tragen aber Andreas lehnte die Ehre aus verschiedenen Gründen ab, von denen der maßgebendste der war, daß er Erwein nicht allein lassen wollte. Er verharrte be: diesem semem Entschluß txoh Erweins Protestationen, und trotz der halblaut gemachten Bemerkung von feiten Gerhards, daß er von einem solchen Schulfuchs" nichts anderes erwartet habe. Blieb mithin noch eine Person, die man vielleicht gewinnen konnte, und deren Gesellschaft eigentlich jeder anderen vorzuziehen war: Esther. Bei der ersten diesbezüglichen Anspielung lachte. sie dem Vetter einfach in's Gesicht; einige Tage später jedoch, als Gerhard sich im Park damit die Zeit vertrieb, nach der Scheibe zu schießen, ließ sie sich bereden, emen Schuß zu versuchen, und da der als Zieler dienend: Büchsenspanner jubelnd ein Eentrum anzeigte, so gab ihr das Muth, die Büchse noch zwei- oder dreimal loszudrücken. An den folgenden Tagen wurden die Uebungen wiederholt, und schließlich ließ sich Esther bewegen, den Vetter Nachmittags m den Wald zu begleiten. Gerhard hatte in den wenigen Wochen, seit welchen er in Rauhenstein war, zu wiederholten Malen über das junge Mädchen seine Ansichten gewechseit: in den ersten Tagen war es bei ihm festgestellte Sache gewesen, daß sie nichts weiter, als eine gamine" sei. kurz darauf wurde sie zum unbedeutenden Backfische" befördert, aus deni noch etwas werden könne" hierauf, nachdem er einen schwachen Begriff von ihren ernsteren Passionen gewonnen hatte, nannte er sie achselzuckend einen Blaustrumpf" und heute Nachmittag, als sie lustig an seiner Seite dem Walde zuschritt, und seine Augen die hübsche, anziehende Erscheinung musterten. konnte er in seinem Innersten nicht leugnen, daß sie doch eigentlich ein fescher Kerl sei!" Dieser seiner innersten Ueberzeugung gedachte er nun, freilich in etwas gewählteren und poetischeren Worten, Luft zu machen; es unterlag keinem Zweifel, daß die einsame Landpomeranze dem Sieggewohnten keinen energischen Widerstand entgegensetzen würde, hatten doch ganz Andere wie sie alle zehn Finger nach der erlauchten Persönlichkeit mit ihrem Viererzug. Groom und Büchsenspanner ausqestreckt! Wie eigentlich das kleine Abenteuer schließen sollte, dessen war er sich nicht recht bewußt, und darüber wollte er sich auch vorderhand keine grauen Haare wachsen lassen, nur Eines stand im voraus fest, daß es vorläufig bei dem Abenteuer sein Bewenden haben sollte. Zum Heirathen war Esther noch zu jung, auch fühlte Gerhard noch zuviel Lust nach Freiheit, um sich jetzt schon für ewig binden zu wollen." Fechsung steht Heuer prächtig!" hub plötzlich der Vetter mit Ueberzeugung an; dies schien ihm die beste Emle:tung zu sein. Findest Tu?" versetzte Esther lachend. Mich wundert es, daß Du für derlei Dinge Verständniß wollte sagen. Interesse, hast." Ich sehe nicht ein, was es da zu wundern gibt," bemerkte Gerhard in etwas gekränktem Tone. Ich glaube mich genug mit meinen Gütern abzurackern, um über den Stand der Ernte ein Urtheil abgeben zu können." Natürlich, natürlich!" sagte das junge Mädchen in besänftigendem Tone. stey einmal, wie das Zeugs eigemlich im Grunde genommen hübsch ist," er hatte im Vorbeistreifen ein paar Kornblumen abgerissen, und hielt nun die Blüthen seiner Begleiterin hin. Ich finde das Leugs' noch viel hübscher, wenn man es ruhig auf seinen Stengeln fortwachsen läßt. Es ist schade, diese armen Blumen eines sekundenlangen Zeitvertreibs willen zu pflücken." Nur nicht sentimental werden. Esther! Ich pflückte die Blüthen, um sie Dir zu verehren; ich dachte, das helle Blau würde hübsch von Deinem lichten Kleid abstechen; steck sie Dir in's Knopfloch. Mädchen." - Esther willfahrte nach kurzem Zögern dem Wunsche. Es ist wobl zum ersten Mal, daß Dir eine Kornblume auffällt?" Komische Frage das! .Faute de mieur'; da keine Kamelien im Getreide gedeihen, muß man sich mit diesen primitiven Gewächses zufrieden geben. Du hast wirkliö manchmal komische Einfälle. Esther, ab es steht Dir gut, diese Natürstchkert-. meiner Seele Du bist ein Urtier Ker " er verschluckte noch rechtzeitig das ,Kerl' ein nettes Ding." Sebr verbunden."' Weißt Du, daß Du Einem leicht den Kopf verdrehen konntest? Ich wette augenblicklich meinen .Expreß' gegen einen Komfortable-Eaul. , daß. gingest Du über einen Fasching nach Wien. Sigerl Altenhain. Pepi Romberg, kurz, die ganze Bande Dir zu Füßen laae: aber Da ich weder das Vergnügen habe. .Expreß' noch Sigerl Altenhain, noch Vevi Romber. nock den ebrenwertben eil oer oanoe' zu rennen, b an: mich diese Aussicht, die ganze Gesellschaft, zu Füßen zu sehen, im höchsten
Grade' faTtV Wenn wir dieses jThema ' fallen ließen, Gerhard? Ich wollte Dich etwas fragen, über das ich mir schon
seit geraumer Zeit den Kops zerbreche. Donnerwetter thu das beileibe nicht es wäre schade um diesen Kopf!" Billiger Witz; so billig, daß er Mich nicht einmal zum Lächeln bringt. Also, was ich fragen wollte: kannst Du mir nicht sagen, warum unser Better Friedentbal nicht im Gotha'schen Taschenbuch steht?" Unser Vetter? Das ist wohl eme bei den Haaren herbeigezogene Vetterschaft?" Meinst Du? Nun, Du mußt es besser wissen, da Friedenthal eher mit Dir verwandt ist, als mit mir." Man kann das .überhaupt keine Verwandtschaft mehr nennen. Nach diesem System wären wir mit der ganzen Welt " Das scheint mir denn doch Nickt richtig," unterbrach Esther ungeduldig. Seine Mutter war Deme Großtante." Und was weiter?" Und was weiter? Er ist somit Dein Vetter, oder eher Onkel." Gut, es lebe der Vetter, oder Onkel! Deshalb bin ich aber durchaus nicht verpflichtet, alle Vettern unter meine Fittiche zu nehmen, um sie in's genealogische Taschenbuch einzuführen." Davon war auch nicht die Rede. Ich fragte Dich einfach, ob Du nicht wüßtest, warum er darin fehlt?" Vermuthlich hat er seine Stammtafeln nicht eingesandt; was ich übrigens sehr lobenswerth finde, wenn sich ein Friedenthal mit einer Anna-Maria-Zapferl verheirathet hat. In solchen Fällen bleibt man am besten in irgend einem verborgenen Winkel; oder würde es Dich freuen, eines Tags eine Visitenkarte zu bekommen, lautend: ,La Baronne de Friedenthal, nee Zapferl?' " Warum nicht? Besonders wenn diese Kousine käme, um mir zu sagen, daß sie meine Dienste in Anspruch zu nehmen beabsichtige." Du bist eine Schwärmerin. Esther; eine Romanheldin eine Jdealistin." Im Gegentheil; ich finde das sehr materiell." Die Beiden hatten den Rand des dichten Fichtenwaldes betreten, durch welchen ein breiter Durchschlag zu einer hölzernen Jagdhütte führte. Der Büchsenspanner war vorausgeeilt, um nach dem Stand zu sehen, den ihm der Förster als den sichersten angegeben hatte. Die beiden Verwandten schritten bedächtig über's weiche Moos. Ich möchte auf eine Bemerkung zurückkommen," hub Esther wieder an, Du sagtest vorhin, daß Du Dich nicht für verpflichtet hieltest. Deine Vettern unter die Fittige zu nehmen." Um sie in's Gotha'sche Taschenbuch einzuführen." ergänzte Gerhard. Lassen wir das Taschenbuch, es ist Nebensache. Ich möchte aber behaupten, daß es ganz und gar Deine Pflicht ist. für solche Verwandte zu sorgen, di sich in mißlichen Verhältnissen befinden." Das ist Ansichtssache," versetzte Gerhard ungeduldig, das wurde noch mit Kommunismus-Prinzipien enden." Ich habe mich nic mit der Kom munismus-Frage beschäftigt; Du übrigens vermuthlich auch nicht." Doch, ooch! Du scheinst Mich für verwünscht blöde, hätte ich bald gesagt für verwünscht unerfayttn rn national-ökonomischen Fragen z halten. Kommunismus ist das Prinzip. welches verlangt, daß die Besitzenden ihr Eigenthum mit den Nichtbesitzenden theilen sollen ein platter Unsinn wie Du faMh" ,.2llenn sich der Kommunismus nur auf Verwandte bezieht, so finde ich dieses Prinzip im Gegentheil sehr vernünftig und gerecht." Ich bitte Dich, Esther, lasse Dich nicht auf derlei Streitfragen ein. Ihr Frauen versteht solche Dinge nicht; das sollte den Männern allein überlassen bleiben." Es ist Deine Schuld, wenn wir von unserem Geaenstande abgerathen. Ich sprach einzig davon, daß es Deine Pflicht sei. Verwandten, die sich in Noth befinden, beizusteben. weiter nichts. Und da ich mit Bestimmtheit weiß, daß Fnedenthal in sehr mißlichen Verhältnissen lebt, so fände ich es mehr als natürlich von Dir. wenn Du Deine Ueberfluß mit ihm theiltest. Meinen Ueberfluß! Das ist auch wieder so eine Idee! Unsereins erfreut sich nie eines Ueberflusses. Weißt Du. rn n-Y O.' was micy mein ytennjiau auem jagt lich kostet?" Ist's überhaupt Deine Staatsbür ger- und Menschenpflicht, einen Renn stall zu unterhalten?" Esthers Mund Winkel verzogen sich zu zwei spöttischen Fältchen, freilich nimmt sich's in den Zeitungen sehr hübsch aus, wenn es heißt: .Erlaucht Graf CreuckingenS braune Vollblutstute Expreß, von Bukaneer und Lady Flora, wurde um zwei Kopflängen von Baron Sigismund Altenhains Farceur geschlagen!' Das ist prächtig so recht .chic!' Da neben würde eine Mittheilung verschwinden, die etwa so lautete: .Gestern fand man den Leichnam eines in mittleren Jahren stehenden Mannes. Aus einer Visitenkarte, die man in de? Vrusttasche entböte, kannte festgestellt t-crden, daß de? Sbsimor der 5ei5err v. ??. Kiek, 'rruttete emogensverhältnisse mog:n 1 Unglücklichen zur That getrieben haben'.' um 'diese Nachricht würden ich nur Wenige scheren und wie eZ schunt.
am allerwenigsten sein Vetter, (örlaucy. Ti m t ai
i3Ta reuazmgen! Unsinn!" erwiderte Gerhard aufgebracht. Das ist reiner papperlapapp! Friedenthal ist weit davon entfernt, einen ähnlichen Schritt zu thun, und wenn cr's thut, so ist's seine Sache. Du meinst doch nicht im Ernst, ich solle am Hungertuche nagen, um Andere fett zufüttern! Möge er sich meinetwegen einbalsamiren lassen!" Esther hemmte wie auf Kommando ihre Schritte. Sie hielt knapp vor dem Vetter, der ebenfalls stehen geblieben war. ihre Augen blitzten vor Erregung, die Wangen waren mit tiefem Roth üccrgossen. dann haschte sie mit einem rasch:n Griff nach den Blumen, die sie am Busen trug, und warf sie dem Anderen vor die Füße. Ohne daß ein Wort über ihre behenden Lippen kam. ' wandte sie ihrem Begleiter den Rücken und eilte auf dem Wege zurück. den ne gekommen waren. Gerhard fühlte sich im höchsten Grad: betreten. Diesen Zornesausbruch hatte er nicht erwartet! Er blickte schwankend auf die zu seinen Füßen liegenden Blüthen, und dann nach der dahineilenden Gestalt. Sie war schön, ganz berückend schön gewesen, diese kleine Heckenrose! So hatte er noch nie ein Mädchen gesehen. Es ward ihm plötzlich ganz eigen-. thümlich zumuthe, und es drängte ihn. der Erregten nachzurennen, um begütigend zu rufen: Aber Esther abe: Esther, so warte doch einen Augenblick! Wie kann man denn nur einen Spaß so mißverstehen! Esther, ich habe Dir etwas zu sagen!" Die Gerufene blieb stehen, und ließ den Anderen herankommen. Ich ich wollte Dir sagen, daß wenn Du es wirklich für meine Pflicht hältst so so will ich ja gerne etwas für Frieden für unseren Vetter thun." Ebenso schnell wie der Zorn aufgestiegen, war er auch wieder verraucht. Ein freundliches. Lächeln erh:llte die Wangen, und glättete die Stirn; , die Augen blickten wieder warm und seelenvoll zum Anderen empor, und die Hand streckte sich dem jungen Manne versöhnend entgegen. Gerhard ergriff freudig dieses Händchen. Wie lange war's wohl her. daß er keine Frauenhand mehr ehrerbietig gelüßt? Lange Jahre; fünf od:r sieben, nein, sogar zehn! Jetzt erinnerte er sich genau: die der Mutter war's gewesen, als sie auf dem Sterbebette lag, und eine letzte fegnende Bewegung zu machen suchte. Das war das letzte Mal gewesen, denn seither hatte er bei seinen galanten Kou-listen-und Cirkusabenteuern keine gefunden, die ihm dieser Huldigung würdia geschienen. Und heute? er beugte sich herab, und drückte seine Llvpen auf das Handchen der ga mine," das er zwischen den Fingern hielt. Tann wie wenn er sich plötzlich des Gefühls schäme, rief er lachend: Mit Euch Weibern kann man einmal Nicat anders diskutnen!" Also ich habe Dein Versprechen?" Tu hast es. Nur weiß ich nicht recht, wie ich diesem Vetter eigentlich am besten zu Hilfe kommen kann. Das scheint mir doch sehr einfach zu sem: Du beauftragst ruhig Deinen Güterinspektor, oder Direktor, oder Hofratb Ehre sei seinem Titel) m sei nem Aus?abenetat einen jährlichen Ge halt von tausend, nein, Friedenthal hat ja Familie, einen jährlichen Gehalt von zweitausend Gulden für Deinen lieben Vetter, den Freiherrn von Friedenthal. anzusetzen. Zweitausend Gulden! Weißt Du. Esther, daß ich keinenfalls Dich je zu meinem Hofrath ernennen werde; Du wurdest mich in zwei Jahren um mich bezeichnend auszudrücken auf den Hund bringm! Also zweitausend Gulden bestimmtest Tu, Herrin? Und was soll dafür mein Lohn sein? Ist's Dir nicht Lohn genug, vielleicht zum ersten Mal m Deinen Le ben eine gute That vollbracht zu ha ben?" lachend wies sie ihm die kleinen Zahne. Weit entfernt davon, gnädige Komtesse; ich begehre nach materielleren Lohn." Gut; Du sollst meinen aufrichtigen, warmen Dank dafür haben. Und einen Kuß." Esther erröthete leicht. Sei nich! narrisch. Du wolltest doch nicht etwa .dumm' saqen' Vielleicht." Scherz bei Seite, kleine Kousine ein Kuß würde mich glück würd: Mir Freude machen. Das junge Mädchen überlegte ei, paar Sekunden: Willst Du dafür eine Bedingung annehmen? Ohne Bedenken!" So wandle die jährliche Rente in e:n für allemal zu zahlendes Kapita um: Zweitausend Gulden zu fünf Prozent machen" ... Esther begann an den Fing:rn zu zählen, während Gerhard etwas befangen zu Boden blickte Diese Kombination hatte er doch mm erivartet. Das macht vierzigtäusend Gulden," beendete das junge Mädchen die Berechnung. So ist es viel emfacher und besser für Dich. Dadurch b! Du Deiner Pflicht für alle Zukunft gerecht geworden und Friedenthal kann ruhig den kommenden Zeiten entgegensehen. Ist's Dir recht so?" Was blieb anderes zu thun udtw 13 ja" zu sagen? Gerhard war doch r.icht der Mann, em gegebenes 2üip chen zurückzunehmen. Es sei." .
" Dein Ehrenwort?" I
Mein Ehrenwort." j Es ist ein gekaufter Kuß," sagte Esther wieder erröthend. ' als sie der Vetter um die Taille nahm; dann ließ sie ohne Ziererei geschehen. Gerhard hielt seine Kousine noä immer umfang:n, als zwei Personen, die aus dem Tickich! getreten waren. bereits' knapp neben ihnen standen. Ter Letzteren hatte sich das Blut über das ganze Gesicht ergossen. Er nahm zitternd den Blinden unter dem Arm. um ihn fortzuziehen, während Esther ziemlich verlegen die 'Hand des Vetterö von ihrer Taille schob. Sie fand übrigens schnell ihre Ruhe wieder. Das ist schon von Euch, daß Ihr an der Jagd theilnehmen kommt," sagte sie unbefangen. Wir haben nicht diese Absicht," ergriff Andreas hitzig das Wort. Wir finden keinen Geschmack an der Jagd und ihren Aufregungen." Esther blickte etwas befremdet zum Sprecher hinüber. Dieser Ton und diese Erregung waren ihr bisher bei Andreas fremd gewesen. Wollen wir gehen? wandte sich Erwein nichtsahnend an seinen Begleiter. Wie man versichert, ist es den Jägern nicht angenehm, wenn sie von Unberufenen in ihrer Beschäftigung gestört werden." Ja, stören wir nicht länger," stimmte Andreas bei, den Genossen am Arm mit sich ziehend. Hole der Geier diesen Geier!" brummte Gerhard entrüstet. Das ist doch das Urbild eines Philisters; der würde sich vorzüglick zum QuäkerHäuptling eignen. Weißt Du, Esther, daß Ihr diesem edlen Ritter viel zu viel Freiheiten gestattet. Er hat ja in einem ganz impertinenten Ton mit Dir gesprochen, ich möchte fast " Was Du nur wieder Alles entdeckst," unterbrach Esther, gezwungen lächelnd. Weil er Deine Ansichten über Jagdfreuden nicht theilt, findest Du, daß er sich Freiheiten erlaubt." Durchaus Nicht deshalb. Der Ton, in dem er sprach, war ein ganz sonderbarer; so eher, als wollte er sich das Recht herausnehmen. Dir einen Verweis zu ertheilen; dabei war er roth im Gesicht, wie ein Krebs und seine " der herbeieilende Büchsenspanner unterbrach das Gespräch. Schon von Weitem hatte er Zeichen gemacht, die nicht bemerkt worden waren. und jetzt kam er gerannt, indem er flüsternd meldete: Soeben ein starkes Reh hinübergewechselt; es war eine Gais; das nächste wird der Bock sein!" Diese Nachricht bewog Gerhard, augenblicklich alle anderen Gedanken beiseile zu lassen; er ermähnte seine Begleiterin. ihm schnell zu folgen, und nun ging es im Laufschritt dem Stande zu. Dort verbargen sich beide hinter einem dichten Gesträuch von Schwarzsöbren und Wacholder, während der Büchsenspanner davonschlich, um einen weiter unten, am Abhang befindlichen Stand einzunehmen. Nichts rührte noch regte sich. Kein Lüftchen zitterte durch die Gräser der kleinen Lichtung, die vor ihnen lag. Gerhard überreichte dem jungen Mädchen das eine schußbereite Gewehr und ergriff dann seinerseits die zweite Waffe, welche der Jäger fll: ihn zurückgelassen. Eine Zeit lang sahen Beide schweigend vor sich hin; jedes schien mit seinen Gedanken vollauf beschäftigt zu sein, als Gerhard plötzlich aufblickte und flüsterte: Es unterliegt keinem Zweifel er ist in Dich verliebt." Esthers Augen richteten sich fragend auf den Sprecher. Ganz gewiß; dieser Geier ist in Dich (Fortsetzung folgt.) Stcckörief und Amtöverschwiegen bcit. Ein in ärztlichen Kreisen inter esiirc?nd2r Vorfall bat sick in Stettin ereignet. In einem dortigen, amt lichen Anzeigen dienenden Blatte hat te der Erste Staatsanwalt einen Steckbrief erlassen, dessen Schlußpas. sus wie folgt lautet: ..E.. der kürzlich opcrirt worden ist, trägt um das Handgelenk des rechten Armes einen Verband. Ich ersuche insbesondere die Herren Aerzte und Heilgehilfen, auf verdächtige Personen ihr Augen merk zu richten." Die Aerztekammer der Provinz Pommern hat nun be schlössen, an den preußischen Justiz minister eine Eingabe zu richten, wo rin gebeten wird, derartige Aufsog derungen, wie sie in dem erwähnten Steckbrief enthalten sind, an Aerzte zu unterlassen: denn erstens thue die Staatsanwaltschaft damit nichts Ge ringcres, als daß sie die Aerzte ihrer seits zu einer strafbaren Handlung auffordere, die nach deutschem Recht mit entsprechender Strafe belegt wer de, und dann erschüttere sie dadurch auch das Vertrauen des Publikums in die Verschwiegenheit der Aerzte und schädige diese selbst. Der frühere Oberbür germeistcr von Halle, Geheimer Re gierungsrath Franz v. Boß, feierte seinen 90. Geburtstag. Die Stadt Halle wird, um das Andenken des verdienten Mannes zu ehren, eine Straße nach dem Jubilar benennen. So wie eS selten Komplimente gibt ohne alle Lügen, so finden sich auch selten Grobheiten ohne alle Wahrheit. ' . . ; . , ;, , : " . f 1 .' . '..' ; 1 ' i v
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