Indiana Tribüne, Volume 30, Number 109, Indianapolis, Marion County, 29 December 1906 — Page 6
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VSKSSKASSSKSSSSSSSSSL t Genug Derselben.
Xlt Jabresit hat feine F W 5 Erkaltungen, Husten, A Influenza, Heiserkeit, g Bronchitls und Grippe. g Oiclc derselben ko Zmen durch 9 Vernachlässigung und Wechsel deS Klima, aber v Dr. August Koenig's A Wnmburgerß n I D eine prompte und sichere fiuv , und ekn angenehmer Troft. Ä Xmr Im Orlrlnat Packet, v Srlm SS9. , ? h gCCCCCCCCCCCCCCCCC F. J. Hack & Co. Sans- und Echilder-Malek. DeeorattonS- und JreSeo Malerei Oeenerie VuSyaffirnug ...26 Kentnöy Avenue... Reue Xelttfion 1726. Wm. Stocff lei SsileoFi. Äv. 202 Nord Noble Strcch. Nee Telephon 20VZ.. Br. A. H. facto Teutscher Ihier.MU Osflce, Scheirhouse'kLeid-Sitv S st BUsft Telephone: Neu. UZ Wohnung: 1111 Cü ertditt trße. Neuer "Lbone 9685 lt. Prospekt 1081. 3H&B Züge ersten Ranges Schnelle Zeit! Zu bequemen Stunden ! 14 12 6 6 4 füge zwischen Indianapolis und incinnati. Züge zwischen JndianapoltS und Dayton. Züge zwischen Indianapolis und Toledo und Dettoit. Züge zwischen Indianapolis und Decatur, Illinois. Züge zwischen Indianapolis uns Springsield, Illinois. Darlor Waggon! an alle Tagel und 6&laf. maggon alle acht-Züge . Indianapolis Office : Union Bahnhof und S Nord Illinois St. R. P. lgeo, D. P. A. Nerzte. Dr. J. A. Suteliffe. Wund -Arzt, Geschlechte, Urin und Hectan Rrankheiten, Office : 155Ost Market St. Tel 94) OsKdde lil 10 Uhr m.; III 4 Uhr a Dr. Paul F. Martio. Vrekttfchtt Arzt nd Chirurg. - Sprechstunden: 11.00 lijo IM 4.90 Mgli 6Batgl: Uns Vertbrednn. Oilloughb Sebäud, (31 Nord er!din te XeL. Ulalu 44144 Cohiaai: ord e Ins Str. keleph,: awl t; New MU. KMl1M-IIW I 43 Eduiden verde Sonsrrhla 009 au pen una uraanra CctttaltClntt aufatbobm bot Ludesnenttichklten. reilir f LOO M alle Druggigm bet V. O. Bt Sl. f2ra f)ort
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Emopaischc Nachrichten. Provinz Wrandenburg. fietlin. An der Ecke der 3os
sener und Blücherstraßc -stürzte d:r Hausdiener Adolf Graßmann mit feinem Zweirade, gerieth dabei unter die Räder einer Kraftdroschke und erlitt so schwere Verletzungen am Kopfe, daß er bald daraus starb. if,f,Ttslfirtti und sSwer verlekt wurde der 72jährige Tischler Ernst Leibe. AIs er vor dem aue ttaiianicnuuc 72 den Fahrdamm überschritt, gerieth er aus eigener Unvorjicyttgiett unier einen Straßenbahnwagen, caazoem man ihn aus seiner Lage befreit hatte, wurde er zur nächsten Rettungswache und dann zum Lazarus - KrankenHause, gebracht, wo man einen. Schädelbruch sowie eine schwere Quetschung des Hinterkopfes feststellte. Wahnvorstellungen haben die 33 Jahre alte frühere Dienstmagd Minna Behrendt. die seit längerer Zeit ;.n der Straußbergerstraße für sich allein eine Stube bewohnte, in den Tod getrieben. Sie bildete sich ein. eine Fürstentochter zu sein, und daß der Kaiser und der Kronprinz bei ihr Gevatter gestanden hätten. In der letzten Zeit zeigte sie ein sehr verstörtes Wesen. Nachdem sie lange Ze't nicht zum Vorschein gekommen war, öffnete der Hauswirth die Stube und fand sie todt im Bette liegen. Die Unglückliche hatte Lysol getrunken, von dem der Rest noch in einer Taste auf dem Tische stand. Der 7j'ahrige Schulknabe Erich Ratke aus der Ackerstraße 91 lief beim Passiren der Hochstraße in einen Wagen der Siemens & Halske'schen Straßenbahn hinein und kam unter die Räder. Das rechte Bein wurde dem Unglücklichen Kinde abgefahren, außerdem erlitt es schwere Verletzungen am Kopf. In bedenklichem Zustande wurde es nach dem Kinderkrankenhause gebracht, wo es bald nach seiner Einlieferung starb. Ein schwerer Unfall ereignete sich in dem Maschinenraum für elektrische Beleuchtung des Grundstücks Friedrichstraße 87. Hier flog dem 25 Jahre alten Maschinisten Otto Hiller aus Lankwitz eine Verschlußschraube der an der Maschine angebrachten Luftpumpe gegen die Brust, so daß er schwere Quetschungen an der rechten Brustseite davontrug. In besinnungslosem Zustande brachte man ihn nach der Charite, wo er Aufnahme fand. Dieser Tage konnte die hiesige Firma Carl Kühn und Söhne, Hoflkferanten, Papierhandlung, Geschäftsbücherfabrik, Buch- und Steindruckerei, auf ihr hundertjähriges Bestehen zurückblicken. 5 Potsdam. Der 82 Jahre alte Renrner Steincke hat seine 80jährige Frau und dann sich selbst erschossen. Ein hinterlassenes Schreiben der beiden Lebensmüden giebt zunehmende körperliche und geistige Schwäche als Beweggrund an und enthält die ausdrückliche Versicherung der Frau, daß sie mit ihrer Tödtung einverstanden war. Eichwalde. Die Kaiserin hat der Frau des hiesigen Fabrikbesitzers M. Hoffmann das silberne FrauenVerdienstkreuz am weißen Bande verliehen. Jütjendorf. Hier wurde kürzlich der 63jährige invalide Arbeiter Friedrich Balz im Bett mit ' einer Schußwunde in dem Hinterkopf todt aufgefunden. Die Stuben und die Küche waren in größter Unordnung; alle Kästen und Schränke waren erbrochen und ihr Inhalt in der Wohnung verstreut. Die Räuber, die ihren Weg durch ein Fenster genommen hatten, erbeuteten einen Baarbetraz von 4.50 Mark und ein Sparkassenbuch über 460 Mark. Reinickendorf. Vor Freude gestorben ist hier die 56jährige Wittwe Holtz. Sie erhielt von ihrem einzigen Sohn, der gegenwärtig den Feldzug in Südwestafrika mitmacht, einen Brief, daß er mit dem nächsten Truppentransport in die Heimath zurückkehren werde. Frau Holtz war darüber so freudig erregt, daß sie diese Nachricht allen Nachbarn mittheilte. Als eine Flurnachbarin die Wittwe später noch etwas fragen wollte, fand sie die Holtz todt auf dem Teppich liegend vor. Infolge der übergroßen Freude war sie einem Herzschlag erlegen. Rathenow. Dieser Tage fand hier bei herrlichstem Wetter die feieclicbe Einweihung des vom Bildhauer Äiorecht - Stegatz geschaffenen Denkmals für den Reitergeneral Heinrich v. Rosenberg statt. Steglitz. Die Mae Blindenanstalt, die älteste Blindenanstalt Deutschlands, feierte kürzlich ihr hundertjähriges Bestehen. Anwesend waren Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich, als Vertreter der Kaiserin Kammerherr von Winterfeld, sowie zahlreiche Ehrengäste. Provinz Ostpreußen. Königsberg. Vom Rangirzuge überfahren und sofort getödt:t wurde der Gerichtsvollzieher Otto Kröge, Knochenstraße S0 wohnhaft. Kröge befand sich auf seinem Rade auf dem Heimwege und wollte den Wegübergang der Pregelbahn in der Nähe des Stationshauses des Pregelbahnhofes überschreiten. Das Jubiläum seiner 25jährigen Thäticrkeit im Hause Gebrüder Siebert feierte ?? rij. rv,..r'o ctrx . ti cw . , lUTtia? Julius JtucirnQiri. um ow
fern Anlaß wurden ihm von den
Chefs wie auch durch eine Deputation der College und Collegmnen Glückwunschansprachen unter Ueberreichunz von Geschenken zuthett. Ad l. Gründen. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich bei einer vom Labiauer Reitverein veranstalteten Schnitzeljagd. Rittergutsbesitze? Boltz von hier war gegen Ende der Jagd dem den Fuchs darstellenden Reiter zunächst auf den Fersen, als sein Pferd infolge der Glätte des Weges stürzte, ihn abwarf und beim Sturz unter sich begrub. Die dahinter reitende Gattin des Verunglückten stürzte ebenfalls mit ihrem Pferd?, ebenso ein gleich folgender Herr. Wäh rend die beiden letzteren nur mit geringen Verletzungen davongekommen sind, mußte das Pferd, das auf Boltz lag, mit vieler Mühe entfernt werden. Boltz, ein im jugendlichen Alter stehender Mann, ist durch den Sturz lebensgefährlich verletzt worden. Grünwalde. Sein 50jähriges Dienstjubiläum feierte Hegemeister Schlefereit im Hotel Kronprinz" im Kreise seiner Collegen und Freunde. Hoofe. Ein Unfall mit tödtlichem Ausgange ereignete sich dieser Tage auf der Chaussee Landsberg bei Worlack. Der Eigenkäthner Plehn von hier holte Stroh aus einem nahen Gute. Auf dem Rückwege setzte er sich auf den hochbeladenen Wagen; als der Wagen eine etwas schiefe Stelle passirte, bekam Plehn das Ucbergewicht und fiel herunter. Dabei brach er das Genick und war auf der Stelle todt. K an bitten. Der hiesige Besitzer Korinth hatte kaum seineDreschMaschine in Thätigkeit gesetzt, als seine neunjährige Tochter in das Getriebe gerieth, herumgeschleudert wurde und sofort todt war. M e m e l. Anläßlich der Betriebseröffnung der Memeler Kleinbahnen ist dem Stadtrath Heinrich Pitcairn, Mitglied des Vorstandes der Klei, bahn - Aktiengesellschaft, der Rothe Adlerorden 4. Klasse und dem Bauund Betriebsleiter diescr Bahnen, Oberingenieur Plattner, der Kronenorden 4. Klasse verliehen worden. Tapiau. Vom Eisenbahnzuge überfahren und getödtet wurde zwischen hier und Groß - Lindenau der Schweizer Herm. Sather. Frovinz Westpreußen. D a n z i g. Das 60jährige Ehejubiläum, die Diamantene Hochzeit", begingen kürzlich die Webermeister Friedrichschen Eheleute in dem nahen Schidlitz. Der Ehemann ist 90, ferne Ehefrau 80 Jahre alt. E l b i n g. Die vierjährige Tochter der Händlerin Rieß von hier kam dem Kohleneisen zu nahe, während die Mutter in ein anderes Zimmer gegangen war. Die Kleider fingen Feuer und das Kind erlitt so schwere Verletzungen, daß es bald darauf im Krankenhause starb. Marienburz. Durch Gas betäubt fand man die Pferdehändler Adolf Segall'schen Eheleute in ihrer Wohnung auf dem Kratzhammer. Als die Wohnung länger wie gewöhnlich verschlossen blieb, ließ man sie durch den Schlosser öffnen, und der herbeigeholte Arzt Dr. Bahr fand bei beiden Eheleuten noch schwache Lebenszeichen. Der Ehemann ist 63 Jahre alt, die Frau Ende der fünfziger Jahre. Der Hahn der Gaslampe des Wohnzimmers, das von dem Schlafzimmer durch eine spanische Wand getrennt ist, war nicht ganz geschlossen. Prechlau. Das 25jährige Jubiläum als hiesiger katholischer Pfarrer beging kürzlich Pfarrer Wellnitz. Eine Abordnung der Kirchenvertretung überbrachte die Glückwünsche der Gemeinde, auch wurde eine kostbare Stola als Geschenk der Gemeinde überreicht. S ch l o ch a u. Der Gutsbesitzer Max Ewald aus Bischofswalde hatte mit seinen beiden Kindern seine Schwiegereltern hier besucht und wollte mit der Bahn nach Hause sahren. Das fünfjährige Töchterchen wollte noch, als schon der Zug ankam, über die Strecke laufen, wurde aber von den Puffern so heftig am Kopfe getroffen, daß das Gehirn herausquoll. Schon nach kurzer Zeit trat der Tod ein. W c I d a u. Der unverhttrathete Schmied Scharf von hier wollte ein ausgebessertes, ungefähr Sy2 Cenkner schweres Rad eines Roßwerkes auf einem Wagen zu einem hiesigen B:sitzer bringen. Da der Wagen nur mit einer Bretterunterlage versehen war, so erbot sich Scharf, das Rad auf dem Wagen festzuhalten. Während der Fahrt fiel bei einer Biegung des Weges Scharf mit dem Rad? so unglücklich vom Wagen, daß ihm der Schädel vollständig zermalmt wurde. Der Tod trat auf der Stelle ein. Bei den Concerten am japanischen Hofe waren bis vor Kurzem keine Werke ausländischer Componisten aufgeführt worden. Nun hat kürzlich der Mikado den Wunsch ausgesprochen, in diesen Concerten auch europäische Musik zu hören, Im Ob findet wegen des Einfrinens alljährlich, etwa vom 6. Januar ab, ein ungeheures Fischsterben statt. So fand man bei Belorgoze auf 3 Meilen Entfernung eine 25 40 Fuß breite, 6 Fuß hohe Schicht von todten Fischen.
Plauderei aus Europa.
, ' ' Von August Boecklin. 1 Die Köpenicker Tragikomödie. Stürmische Reichtagssitzungen. Der Kolonial - Skandal. Militärische Schriftsteller. Kapt. Helmick über das deutsche Heer. Zwei Thronfolgefragen. Das bischen Ma rokko. Wo sich gestern zwei oder mehr Per sonen trafen, war nicht die Rede von dem jetzt in Deutschland herrschenden scheußlichen Regenwetter, sondern von Wilhelm Voigt, dem Räuberhaupt, mann von Köpenick, den die Strafkammer in Berlin unter Annahme mildernder Umstände zu vier Jahren Gefängniß verurtheilte. Zu Gefängniß, nicht zu Zuchthausstrafe, wie es in solchcn Fällen und in Berücksichtigung der vielen Vorstrafen Voigts zu erwarten qewesen war. ES Ware zweifellos überschwengliche Gefühlsduselei, wie sie sich in hervorragender Weise in den Vereinigten , Staaten berühmten Verbrechern gegenüber geltend zu machen pflegt, wenn man Voigt als einen unschuldsvollen Engel hinstellen wollte, der lediglich durch die Härte der Polizei auf die Bahn des Verbrechens getrieben wurde, aber es muß gesagt werden, daß. wie ja auch in der Begründung des Urtheils hervorgehoben wurde, der bedauernswerthe Mann durch die Härte in der Ausübung der Polizeiaufsicht daran gehindert wurde, ein ordnungsmäßiges Leben zu beginnen, daß er ein Opfer der staatlichen Ordnung geworden, den die Polizei von Ort zu Ort trieb, bis er von Neuem, trotz aller guten Vorsätze, dem Verbrechen in die Arme getrieben wurde. Während man bei Ihnen den entlassenen Sträfling in den meisten Fällen sich selbst überläßt und sich den Teufel darum scheert, ob ein Räuber und Mörder nach der Erlangung seiner Freiheit wieder sein altes verbrecherisches Gewerbe aufnimmt, ordnet die deutsche Strafrechtspflege in schweren Fällen die Polizeiaufsicht an. die darin besteht, daß dcv entlassene Sträfling sich bei den Polizeibehörden jedes jeweiligen Wohnsitzs besonders als solcher anmelden muß. um erstere in den Stand zu seetzn, sein Thun und Treiben zu überwachen. Geschieht dies nun in unauffälliger Weise, so wäre dagegen kaum etwas einzuwenden. Aber wie der Fall Voigts zeigt, mißbraucht die übereifrige Polizei sehr häufig ihre Machtbefugnis und so wurde der alt: Zuchthäusler nicht weniger als dreißig Mal aus ebenso vielen Orten ausgewiesen, und zuletzt aus dem mecklen burgischen Städtchen Wismar. wo er bei einem Hofschuhmacher, der ihm das beste Zeugniß ausstellte, lohnende Arbeit gefunden hotte. Die Einzelheiten der Tragikomödie von Köpenick sind den verehrten Lesern zu bekannt, als daß ich mich an dieser Stelle noch eingehend damit befassen sollte; es sei mir aber gestattet, auf einzelne Vorgänge während der Prozeßverhandlungen ein Streiflicht zu werfen. Aus den Zeugenvernehmungen und den Aussagen ging klar hervor, daß ein alter, ab genutzter Schuster, der den größeren Theil seines Lebens hinter Gefängnißmauern verbracht, es mit Hilfe einer im Trödlerladen erstandenen, unvorschriftsmäßigen Uniform fertig ge. bracht hatte, abgesehen von dcmDutzend blindgehorchenden Soldaten, die ganze Stadtverwaltung von Köpenick, einschließlich Gendarmen und Polizei in's Bockshorn zu jagen! Eine höchst traurige Rolle spielte dabei der Bürgcrmeistcr dieser Stadt selbst, Dr. LangerHans, der Reserveoffizier ist, und den verunglückten Versuch machte, seine Schlappheit durch die Behauptung zu verdecken, er habe den Hauptmann für nen Wahnsinnigen gehalten! Muthig saß er mit seinem Spitzbart", mcldet eine Berliner Zeitung, dem Angeklagten gegenüber und spielte sich als den forschen Beamten und Reservelcutnant auf." Wenn der Kaiser Voigt 6ald begnadigte, würde er ein gutes Werk thun" diese Aeußerung wird vielfach laut, und zahlreich sind die Leute, die sich erboten haben, den alten, tüchtigen Schuhmacher in ihre Dienste zu nehmen oder ihn in den Stand zu setzen, sich auf andere Art ehrlich zu ernähren. Nicht weniger als 75 Postpackete mit Wein, Cakes, Biskuits, Schokolade, Marmelade, darunter viele von Amerikanern, waren für Voigt im Gefängniß zu Moabit bis gestern einaeaangen, sogar Postanweisungen im Betrage von mehreren hundert Mark. Mit Ausnahme der geistigen Getränke werden die Eßwaaren etc. Voigt übergeben, das Geld aber dem Herrn Hauptmann gutgeschrieben. Die Aufschrift der Sendungen lautete fast stets: An den Herrn Hauptmann von KLpenick". Was die Begnadigung Voigts angeht, so wird daraus wohl nichts werden. Ein Anderes wäre es, wenn es sich um einen der Herren vom Kolonialamte handelte, die. wie der Hauptmann Dominick, Wehlen, Ährenberg und der famose Dr. Peters der größten Grausamkeiten gegen Nigger überführt und zum Theil zu Strafen verurtheilt wurden. , Wie August Bebel in einer der letzten Reichstagssitzungen den Herren am Bundesrathstische erzählte, habe Hauptmann Dominick 52 Negerttnder in dem Nachtigallenfluß ertränken lassen, ein anderer Offizier drei Schwarze entmannen las-
sen, weil er sie im Verdaut hatte, mit seiner schwarzen Konkubine verkehrt zu haben. Und Peters, dieser überführte Mörder, fei vom Kaiser auf die Empfehlung von konservativen Abgeordneten begnadigt und ihm der Titel Reichskommissar belassen worden. Und am folgenden Tag.e griff der Zentrumsabgeordnete Rören, unter dem Beifall seiner Partei und der ganzer. Linken, die Kolonialverwaltung heftig an, beschuldigte sie der Unehrenhaftigkcit und des Bestrebens, die oft gerügten skandalösen Vorfälle zu vertuschen. Der neue Kolonialdirektor Dernburg hatte bei diesen Angriffen, die von allen Seiten auf die Kolonialverwaltung gemacht wurden, einen schweren Stand. Er ist zweifellos persönlich von den besten Absichten beseelt 'und soll nun für Verfehlungen büßen, die andere gemacht haben, und die er nicht im Stande ist, abzuleugnen. Früher pfleg!: man höheren Orts die Ausschreitungen der Kolonialbeamten mit dem Tropenkoller zu entschuldigen. Seitdem aber hervorragende Aerzte den Nachweis erbracht haben, daß der Tropenkoller nichts weiter ist wie SäuferWahnsinn, wagt man vom Ministertisch aus diese faule Entschuldigung nicht mehr vorzubringen. Man braucht mit Bebel und Genossen nicht in allen Dingen übereinzustimmen, aber nach und nach dringt doch die Ueberzeugung durch, daß die deutsch-afrikanischen Kolonien keinen Pfifferling werth sind und den Steuerzahlern nur große Opfer an Blut und Geld auferlegen. Dabei versuchen die Kolonialschwärmer immer mehr den Glauben zu erwecken, daß es möglich fei. die deutsche Auswanderung nach diesen Kolonien zu lenken. Kein Mensch, der Deutschland verläßt, denkt aber daran, diesem Wunsche Rechnung zu tragen, denn Niemand hat Lust, seine Haut dort zu Markte zu tragen und sich obendrein von deutschen Bürokraten schuhriegeln zu lassen. Mit der ernsten Frage: Wie ist der Sozialdemokratie im Heere entgegenzutreten?" beschäftigt sich der Generalmajor z. D. v. Loebell in einer lesenswerthen Broschüre. Er räth den Offizieren, sich um das Wohl und Wehe der Mannschaften mehr zu bekümmern, sich mit ihren persönlichen Verhältnissen zu befassen, ihren Sinn für die vaterländische Geschichte zu wecken und ihre Anhänglichkeit an Kaiser und Reich durch liebevolle Vehandlung und gutes Beispiel zu fördern. Die gute Behandlung läßt noch V'.eles zu wünschen übrig, wenn es auch. Dank der Oeffentlichkeit des GerichtsVerfahrens, schon viel besser damit 'geworden ist, als in früheren Zeiten. Ein warmer Lobredner des deutschen Heereswefens, dessen Urtheil um so bemerkenswerther ist, als es sich um das eines. Offiziers unserer Bundesar-' mee handelt, ist der Hauptmann Eli A. Helmick, der beim Jnfanterie-Regt. No. 82 in Göttingen längere Zeit Dienst gethan hat und seine Beobachtungen im Blatt Journal of the U. S. Jnfantry Association" veröffentlicht hat. Er rühmt die Erziehung und Kameradschaftlichkeit der Offiziere, die Einfachheit ihrer geselligen Unterhaltungen und betont besonders, daß er im Göttinger Offizierkasino Niemals Spiel- und Trinkgelage sah. Sehr begeistert ist Hauptmann Helmick von den deutschen Unteroffizieren, und einen Hauptgrund für die Vorzüglich!! des Heeres sieht er in der weitgehcnder Instruktion durch Offiziere und Unteroffiziere und in der mühseligen, geduldigen Aufmerksamkeit, die allen Einzelheiten geschenkt wird. Ich möchte $5 darauf wetten, daß unsere eng lisch-amerikanischen Weltblätter von diesem Urtheil eines amerikanischen Offiziers keine Kenntniß genommen haben. ' Zwei Thronfolgefragen beschäftigen zur Zeit noch immer die deutsche und zum Theil auch die amerikanische Presse. - Die braunschweigifche und die luxemburgische. Wie neuerdings behauptet wird, soll der jüngste Sohn des Herzogs von Cumberland Aussicht haben, doch noch cen Jhron seiner Vorfahren in Braunschweig zu besteigen, da sein Papa sich demnächst bereit erklären werde, auf den hannover'schcn Thron endgiltig für sich und seine Erben zu verzichten. Die einzige Schwierigleit sei noch die Form, in welcher diese Verzichtleistung erfolgen solle. Ein mir befreundeter Welse strengster Ordnung und llralten hannover'schcn Adels bestätigte mir dieses Gerücht als zutreffend und zwar mit schwerem Herzen, da er noch immer hoffte, es zu erleben, seinen König in Hannover einziehen zu sehen. In Luxemburg hofft man, daß nach dem Tode des gegenwärtigen, unheilbar kranken Großherzogs dessen älteste Tochter, die jetzt 12jährige Prinzessin Marie, ihm als Großherzogin auf dem Thron folgen werde, obgleich zufolge der revidirten Verfassung vom 27. November 1856 und des Erbvertrags der verschiedenen Zweige des Hauses Nas sau - Oranien vom 30. Juni 1783 die weibliche Erbfolge in Luxemburg unzulässig ist. Es sind nämlich sowohl in der walramschen wie ottonischen Linie von Nassau - Oranien keine männlichen Erben mehr vorhanden, und so tritt an deren Stelle die nächstberechtigte Frau. - Andernfalls käme zunächst der Großherzog von SachsenWeimar in Frage, der auch als nächster männlicher Vernxlndter der Körn gin Wilhelmina Anspruch auf den niedldischen Thron hat, wenn letztere
kinderlos sterben sollte. Nun, wir wollen uns über diese Thronfolgesachen keine Sorgen machen, uns, die wir überhaupt keine Aussicht haben, irgend einen Thron zu besteigen, kann es ja gleichgiltig fein, wer später in den beiden Ländern regiert. Es gibt viele Leute in Deutschland, welche der Ansicht sind, S. M. der Kaiser würde klüger gehandelt .haben, wenn er die Franzosen in Marokko hätte ruhig gewähren lassen. Dieser Ansicht war ja schon Fürst Bismarck und sonderbar hört es sich an, daß August Bebel seinem einstigen Erzfeind im Reic)staa in dieser Hinsicht beipflichtet. Die Franzosen, und wer es auch sonst sein mag, würden m Marokko die Hände so voll zu thun bekommen, daß sie keine Zeit und Lust hätten, anderswo Skandal anzufangen, und Deutschland könnte ruhig zusehm und brauchte sich wegen seiner lumpigen Ausfuhr im Werthe von 1 Millionen Dollars nach diesem Raubstaate keine Gedanken zu machen. Aber S. M. geht seine eigenen Wege, und wer anderer Ansicht zu sein wagt,' ist ein Nörgler und Schwarzscher, der am besten thut, wenn er auswandert. Allem Anschein nach wird. Marokko den Großmächten, trotz der Abmachungen auf der Algeciras-Kon-ferenz, noch viel Sorge machen. (Chicago Abendpost.)
Huudert Jahre alt. In Piqua, Ohio, hat kürzlich Herr Alexander Green im Kreise seiner Angehörigen seinen 100. Geburtstag gefeiert. Näheres über den Jubilar und' seinen interessanten Lebenslauf meldet die Miami Post", die schreibt: Herr Alexander von Grünfeld wurde am 3. Dezember 1806 in StockHolm, der Hauptstadt vsn Schweden, geboren. Daß er als Deutscher dort geboren wurde, ist dem Zufalle zuzuschreiben, weil sein Vater, der Baron von Grünfeld, als Gesandtschaftsmitglied des damaligen Kurfürstenthums Hannover und des HerzogthumS Braunschweig am schwedischen Hofe akkreditirt war, und die Familie in Stockholm wohnte. Mehrere Jahre nach seiner Geburt reiste die Familie wieder nach Hannover, woselbst Herr von Grünfeld beim Kurfürstlichen Hofe als Oberstallmeister fungirte. Vielleicht um'S Jahr 1810 wurde dem Baron Grünfeld der Auftrag zutheil, mit den beiden jungen Herzögen Carl und Wilhelm von Vraunfchweig nach England zu fliehen. Nach dem Jährt 1813 kam die Familie Grünfeld wieder nach Deutschland, resp. Braunschweig zurück. Nach dem Tode deS Vaters unseres Jubilars am derselbe zu seinem Onkel, dem Baron von Gadenstedt und zu Gadenstedt'bei Hildes heim. Hannover, woselbst .er seine Jünglingszcit bis zu seinem 15. oder 16. Jahre verlebte. Durch Vermittelung seines Onkels, der Rittmeister im österreichischen Heere war, kam der junge von Grünfeld dann els Kadett in ein österreichisches Kavallerie-Regi-ment, in welchem er längere Jahre alZ Offizier diente und die Feldzüge in Süd-Jtalien, dex Türkei und Grie-, chenland mitmachte, auch den polnischen Aufstand von 1831 in GaNzZen mit bekämpfen half. Des langen Soldatenlebens müde, legte unser Jubilar noch vor dem Iahre 1850 seinen Titel nieder, streifte seinen bunten Rock ab und sagte dem alten Europa valet, um in der neuen Welt eine andere, so zanz verschiedene Thätigkeit zu beginnen. Hier in Amerika landete der damals bereits 46 Jahre alte von Grllnfeld im Hafen von New Aork, verblieb dort eine Zeit lang und siedelte dann nach Baltimore. Md., über. Bei seinem Eintreffen in der neuen Welt erlernte unser Jubilar das Schneiderhandwerk, wozu er besondere Talente und Lust hatte, vertauschte das Schwert mit der Vadel und seinen adeligen Namen mit den bürgerlichen ' Namen Grün". In Baltimore lernte er dann seine jetzige Gattin, geb. Frl. Anna Miller, ken. nen, und Beide schlössen am 25. März 1860 den Herzensbund für's Leben, in welchem sie biö jetzt, eine Reihe von über 46 Jahren, in slücNichster Ehe gelebt haben. Von Baltimore zog daL Paar nach Cilinnati, woselbst Herr Henry Flesch. der damals einen Her, renkleiderladen hier in Piqua hielt, mit dem Jubilar bekannt wurde und im Jahre 1861 seine Uebersiedelung nach' unserer Stadt veranlaßte. Hier in Piqua arbeitete Herr Green als Her, renkleidermacher bei der Firma Flesch' & Prugh und Flesch & LouiS, so lange es sein Alter und seine Gesundheit erlaubten.. Vor etwa 19 Jahren erlrtj Herr Green durch einen Fall eirnn Rippenbruch, und von jener Zeit x lebt er zurückgezogen, seine Zeit li Lesen und Betrachtungen zubrinzendl. Seiner langjährigen, glücklichen Ch entsprossen acht Kinder, von' welken sieben noch am Leben sind;' sie wurden sämmtlich hier in Piqua geboren. D jüngste Sohn ist jetzt 25 Jahre alt. so daß bei seiner Geburt der seltene Fall eintraf, daß Herr Green im hohen Alter von 75 Jahren noch Vaterfreud erlebte. Sämmtliche Kinder nebst ih ren Familien nahmen an dem So burttsepe des Jubelgreises tU. . Gegensätze.. Um keix Ereigniß ist wohl mehT Oerede Als um Geschehuisse ton solch Sorte, Von denen jeder sagt xzb ek jede: Es gäbe dafür durchaus feint ffirM.
