Indiana Tribüne, Volume 30, Number 109, Indianapolis, Marion County, 29 December 1906 — Page 5
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Pfarrersbubett! V. V j ? i? w ? s kann ja sein, ich gebe es zu: wir rnöaen bisweilen ein wenic schrecklich" - gewesen sein, wie Tante Berkow es nannte, aber manchmal waren 'wir auch wirklich wieder aanz nett, und haben wir nicht Mariechenkinds Glück gestiftet, wofür sie uns' heute noch dankbar ist? Abc? hiervon fpäter. Ich weiß nicht, warum es Onkel Berkow damals plötzlich einfiel.uns für die Eommerferien zu sich einzuladen; denn Verkows waren nur ganz entfernte Verwandte von uns, sehr reich, sehr vornehm, sogar adlig, und wohnten auf einem qroßen Gute, das der Onkel selber bewirthschaftete. Vielleicht hatten sie davon gehört, wie schwer es meinen Eltern wurde, uns Kinder ordentlich zu erziehen, und daß wir noch vier kleinere Geschwister in der Kinderstube hatten. Auf jeden Fall war' es eine prächtige. Eingebung, die Onkel Verkow an den Vater jene Einladung schreiben ließ, und ebenso prächtiz war es auf dem Gute, das uns drei Buben wie das gelobte Land vorkam. So satt Hütten wir uns an guten Dingen noch nie in unserem Leben gegessen, denn daheim gab es gerade von den guten Dingen stets am wenigsten, und wer einmal ordentlich spüren wollte, daß sein Magen voll war, mußte es mit Kartoffeln oder Rüben versuchen. O, diese Rüben! Wie ich sie haßte! Ich sagte immer: Rüben sind Viehfut ter, aber bei uns hatte man Knabenfutter daraus gemacht. Nun, beim Onkel und bei der Tante gab es große, schöne, weiße, oder auch schwarze Bro schnitten, fingerdick mit Butter bestrichen und noch obendrauf mit goldgelbem, durchsichtigem, süßem Honig. Es war einfach wundervoll, und Obst durften wir essen so viel wir wollten man denke sich nur, so viel wir wollten, und zu Mittag gab es dann gewiß wieder diese oder jene Leibspeise eigentlich waren es alle Leibspeisen v r, . . r?... riii r tvnifje. uno zum Ävenoenen iian laurcr neue) oder Brotsuppe wieder irgend ein leckeres Gericht. Und so viel von allem, man konnte auch eigentlich zugreifen, ohne befürchten zu. müssen, gleich auf den Grund der Schüssel zu kommen o, es war einfach prachtvoll! Und der Onkel war ein so famoser, lieber alte? Herr trotz seines martialischen Aeußeren, und das Mariechenkind war die izendste Kousine, niedlich und zerSrechlich sah sie aus. wie ein Porzellan--sigürchen, aber lachen und vergnügt nin tonnte sie, wie wenn sie selber ein Fub gewesen wäre. Vor der Tante allein hatten wir ein wenig Angst: sie war so stattlich, so vornehm und so so nun. wie soll ich nur gleich sagen? so furchtbar würdevoll. Wie sie ging und stand, aß und trank, sprach und sich bewegte es war alles tadellos, ganz schrecklich tadellos. Die große .Dame scbaute an allen Ecken und Enden heraus, und sie war es, die den Ausdruck schrecklich- erfunden hatte. Sonst war niemand m dem großen. schönen Schlosse, als ein ganzes Regiment Dienstboten, die uns Buben als seh? unnöthige Eindringlinge ansahen und wüthend waren, wenn wir zum Beispiel einmal mit schmutzigen StZefeln die teppichbelegten Treppen hinaufsprangen, die aber im Uebrigen die Unterbrechung ihres einförmigen Lebens im Schlosse durch unseren Besuch ganz lustig fanden und heimlich hinter dem Rücken der Herrschaft über unsere Streiche lachten. Und deren gab es gar viele zu verzeichnen. . Wir hatten anfangs die redliche Absicht 'gehabt. außerordentlich brav und sittsam zu sein, denn alles im Schlosse war so feierlich, so unglaublich korrekt und nach der Etikette; es konnte bei Hofe nicht vornehmer zugehen. Wir waren überzeugt. Johann messe die Entfernunq der Stühle stets genau mit dem Meterstab ab. wie auch die Plätze für die Gläser und Teller. auf dem tadellos gedeckten Tische. Es kam aber ganz von selber, ich weiß nicht, gewöhnten wir uns zu schnell an den uns fremden, feierlichen, überaus höflichen Ton im Hause, oder waren wir berauscht von der Freiheit, dem guten Leben, all .den schmackhaften Dingen und besonders von dem goldgelben Honig kurz, es kam. kam trotz all unserer guten Vor sätze. daß wir wieder die lustigen, übermüthiaen Buben von daheim wurden. Ich glaube fast, es war der goldgelbe Honig. Sonst hätten wir doch nicht gar so bald den Respekt vor dem vornehmen Onkel mit dem mächtigen Schnauzbart und der mächtigen Stimme. vergessen, mit der er seine Befehle über die Felder hinrief, hätten nicht so bald mit Mariechenkind uns geneckt vnd Sväßchen gemacht, als hätten wir sie seit unserer Jugend gekannt, und endlich o, wir hatten mcht schon nach wenigen Tagen sogar die Scheu dor der gefürchteten Tante verloren. das heißt hinter ihrem Rücken selbst verständlich nur hinter ihrem Rücken. Wonnig war es. in Feld und Gar ten umherzustreifen für uns Dorfbnben, die wir außer dem kleinen Pfarn garten daheim nichts kannten alö die Wiesen und Aecker der Bauern rings umhe?' wonnig in Scheune und Stall
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O (!3rültlittttj von Sophie von Adclung O 1. . 55 uns überzutreiben, von Memano gehindert. w?il wir den Stallburschen Franz sofort für uns zu gewinnen wußten, und Kühe, Rinder. Pferde und Ochsen mustern und streicheln zu dürfen und auf dem hohen Heuwagen zu sitzen, oder uns im duftenden Heu zu vergraben und Robinson darin zu spielen, ohne daß es uns alle fünf Minuten durch ein: weg da, Buben! Ihr verderbt das Heu!" vergällt wurde. Durch eine dunkle Gedankenverknüpfung war uns Robinsonspielen und Heuduft stets innig verbunden, und so ist es mir bis auf den heutigen Tag geblieben, obgleich ich noch immer nicht weiß, was Robinson mit Heudust eigentlich zu thun hat. Ja, es waren unbeschreiblich schone Tage! Wir waren zum größten Theil uns elbst überlassen, weil." wie der Onkel sagte, so große Buben schon wissen müßten, was sie mit ihrer Zeit anfanaen sollen. Das wußten wir auch vortrefflich; nur schien es, als zweifle die Tante daran, ob wir auch den richtigen und würdigen. Gebrauch von imseren Ferien machten, denn sie schickte gar oft ihre Kammerjungfer Barbara aus. nach uns zu schauen. Barbara, die ebenso würdig und vornehm war wie ihre Herrin, und vor der wir uns jedesmal so geschickt zu verstecken wußten, daß sie uns nicht auffinden konnte; oder die Tante spähte gar selber nach uns aus, ging in den Garten und rief mit ihrer ruhigen, festen Stimme: Jungens! Karl, Hans, Fritz!" Dann wagten wir freilich mcht, uns zu verleugnen: wir traten vor sie hin, wenn auch noch so naß vom Spiel am Brunnen oder roth befleckt im Gesicht vom Saft der Beeren, die wir gerade gegessen hatten, arme Sunder, demüthig und bußfertig, aber wir kamen auf ihrenRuf und empfingen unsere Strafpredigt, die immer sehr würdevoll, sehr kurz, aber gerade darum um so emdringlicher war und stets mit den Worten endete: O, diese schrecklichen Pfar rersbuben!" Eines Nachmittags ich erinnere mich dessen ganz genau' hatten wir Himbeeren gegessen, solange wir konnten, und es ging auch wirklich keine einzige mehr in uns hinein. Beerenessen war erlaubt es gab davon ganze Felder in dem großen Obst- und Gemusegarten Aber was nun thun? Bis zum Abendessen war nur noch -eine kurze Stunde; wir mußtendoch bis dahin durch geeignete Gymnastik wie der Kräfte zum Essen sammeln, beson ders 'heute, wo es, wie uns die Kochm verrathen hatte, Schlachtbraten und italienischen Salat gab! Aber was thun? Das Vieh wurde gerade heimgetrieben: das gab den Ausschlag. - Wir liefen über den Bachsteg auf die Wiese, wo die stattliche Kuhheerde tagsüber auf ihre Weise ihre Freiheit genoß, und boten Kaschper." dem-Hirten, unsere Dienste an. Dieser Kaschper" führte das beneidenswertheste Leben der Welt wenigstens in unseren Augen und er bracht: meine' ganze Seele so ?n s Schwanken, daß ich ernstlich über legte, ob es nicht noch schöner wäre, statt Pfarrer einmal Kaschper zu wer den. Er lag den ganzen Tag in der Sonne, that gar nichts und wußte die allerschönsten Geschichten. Ob ich diese denn auch wissen wurde, wenn ich Kaschper wäre, fiel mir nicht ein zu fragen; es schien mir selbstverständlich mit seinem Beruf zusammenzuhängen Merkwürdigerweise' war Kaschper gewohnlich gar nicht erbaut von unseren Besuchen, sondern nannte uns naseweise Buben, die seine Kühe nerfos' machten, so sehr wir auch bei derglei chen Gelegenheiten unsere liebenswürdlgste Seite herauskehrten, um wenig stens geduldet zu werden. Heute nun kamen wir ihm aber gerade wie gernfen, denn die Gewitterschwüle, die sei dem Mittag über dem Thale lagerte. hatte die Hecrde bedenklich iteifos" gemacht, und einige der Kühe wollten sich durchaus nicht bewegen lassen, heimzu kehren, während die anderen schon dem Stege zutrabten der über den Bach führte. Du? Braune! Die Braune!" rie uns Kaschper schon von weitem zu aeht von hinten an sie ran!" und während er die weiße, die vollständig stor risch geworden war. auf den richtigen Weg zu leiten bemüht war, liefen, wir drei Buben behend über die Wiese und längs der Hecke auf die Braune zu, die immer neue Blatterbuschel von den Stauden herabriß. Doch das Vieh ließ nicht mit sich spaßen. Auf unse ren lauten Halloruf machte es einen Satz und l:ef Mit staunenswerther Ge schwmdiggkeit die Hecke entlang noch weiter hinauf. Wir nach. Dasselbe Manöver mit. demselben Erfolg, bis Bruder Fritz ein glänzender Gedanke kam: er erfaßte die Braune plötzlich beim Schweif, wogegen diese eine aus gesprochene Abneigung hatte, und das überraschte. Thier machte rechtsumkehrt und jagte. in großen Sätzen dem Bache zu, Bruder Fritz immer hinterdrein, fest an : 5en' Kuhschwanz geklammert, Wir anden sahen mit höchster' Span nung zu, denn nun waren beide am
Bach angelangt; - aber Bruder Fritz
hielt standhaft fest, und, Kuh und Fritz durchflogen den Bach mit ein paar gro ßen Sätzen, um die sie ieoer Akrobat beneidet hätte, und standen gleich darauf wohlbehalten an der Stallthur. Fritz zwar triefend, aber siegesstolz. Er nahm Kaschpers nct übel" auf, als wäre es eine Kaiserkrone, und mein innerer Zwiespalt war verschwunden: Kaschper werden schien mir von jetzt ab für lange Zeit das schönste.' Als die Tante don Fritzens Äravourstück hörte, sagte sie nur ihr: O, diese schrecklichen Pfarrersbuben!" Ein andermal kamen wir auf einen sublimen" Gedanken, wie Fritz es nannte, und zwar sozusagen alle bu auf einmal, denn bis auf den heutigen ag weiß ich nicht, wem von uns du Palme dafür gebührt. Wir mochten die fetten Fleischtopfe Egyplcns müde geworden sein, denn es überfiel uns plötzlich em unbezwingbares Heimweh nach rohen Ackerrüben. eben den Rüben, deren bloßer Anblick uns daheim schon Abscheu einflößte. Aber einfach hingehen und auf den ausgedehnten Feldern des Onkels welche holen, das war zu poesielos: sie mußten unter Gefahren und Abenteuern erbeutet werden, dann erst erhielten sie die rechte Würze für den Gaumen. Wie gesagt, wer den genialen Einfall zuerst hatte, weiß ich mcht; ich glaube, er wurde Zn uns dreien zu gleicher Zeit geboren. Wir entledigten uns sammtlicher Kleider und wateten über den ziemlich breiten Bach bis zu den angrenzenden Bauerngärten. Dort, an einer seichten Stelle, das wußten wir. gab es braunrothe, feine Lehmerde. denn wir hatten das Flußchen schon nach allen Richtungen hin durchforscht. Mit dieser malten wir uns nun vom Kopf bis zu den Zehen zu Indianern um" und gingen in helllichter Mittagsluth schamlos und frech, wie uns Gott erschaffen (nur, daß er uns nicht zu Indianern bestimmt hatte), auf die Felder der Bauern, um uns an den Rüben zu laben, die uns köstlicher als irgendeine der leckeren Speisen der Kochin Babcite dünkten. Die Felder wurden vom alten Flurschutz, unserem erklärten Feinde, streng behütet; aber wir hielten uNiere Mahlzeit m aller CemüthZruhe und erwarteten sein Kommen nur mit Spannung, keinesWegs o.cer mit der uns gebührenden Angst eines schlechten Gewissens. Da kam er auch ricktig. der alte Barthel. und schon von weitem mußte er gemerkt haben, daß etwas m den ihm andertrauten Feldern nicht in Ordnung sei, denn er fuchtelte heftig mit den Armen m der Luft herum und schrie uns et was zu. Als er aber näher kam und die drei braunen Nacktfrösche erblickte, die so ruhig von den verbotenen Früchten seiner Felder schmausten, da wich sein Zorn . über die frechen Eindringlmge emer bleichen Angst. - Ganz ver stört stierte er uns lange Zeit sprachlos an, die wir ihn aus den braunanqestrichencn Jndianergesichtern teuflisch angrinsten, machte dann kehrt und begab sich schleungst auf die Flucht. Er hat nachher erzählt, er habe, drei furchtbare Geister bei helllichtenr Tage auf des Steffenbauers Rübenacker gesehen und hat es sich zeitlebens nicht ausreden lassen. Wir aber hatten solche Mühe, bei der Flucht des sonst so Ge fürchteten nicht in ein lautes Gelächter auszubrechen, daß wir einen wilden Kriegstanz ausführten, um doch auf irgend eine Weise den gefesselten Gefühlen Luft zu machen. Einmal blieb der Feld-Cerberus stehen und schaute sich vorsichtig um; als er aber die.gel ben Gesichter mit wilden Geberden und wie toll auf dem Rübenfelde umhertanzen sah, verlor er alle Fassung und floh, so schnell ihn seine alten Beine tragen wollten; hinter ihm drein sein Hund Azorl, der von Anfang an sich angstlich und still verhalten hatte, wofür wir ihm am anderen Tage eine ganze Zeltung voll zarter Knochen brachten. O, diese schrecklichen Pfarrersbu ben! .. , . vi ver wir hatten noch einen ganz an deren Zeitvertreib, als diese immerhin s elbitverziandlichen Unterhaltungen dreier Buben in den Ferien, einen Zeitvertreib, der uns den Aufenthalt in Onkels Hause ganz besonders ver schönte und poetisch verklärte; wir liebten nämlich und hatten es vom ersten Tage an gethan und von der ersten Stunde. Sie war so nett, die siebzehniahrige Kousine, das Mariechen kind," wie sie genannt wurde, so zierlich. schlank und lieb, mit ihrem zarten Gesichtchen, den großen, dunklen Au gen und den braunen Ringellocken um Stirn und Schlafen, daß es ein Bar bar gewesen wäre, der es über sich gebracht hätte, sie nicht zu lieben. Die ganze Welt mußte sie lieben, das war klar. Ich sagte es ja schon, sie hatte ein Bogelstimmchen, hell und fein, wie das des Schwarzkopfchens; und sie wäre ebenso lustig und wohlgemuth den ganzen Tag umheraehüpft wie ein r r . t . i . r i . loicyes, aoer aucy t itevie lyrerims und bei einem siebzehniähriaen Wdab lein scheint dies schon etwas ganz anderes zu sein,' als bei , Schlingeln, zwifcen acht und zwölf Jahren. Daß sie mcht uns liebte, war sonnenklar; wir sahen den Gegenstand ihrer Neigung etwa acht Tage nach unserer Ankunft eS war ein schöner, flotter Offizier, der auf einem glänzenden Pferde 'in den Hof gesprengt kam und uns Jungen zwar freundlich, aber sehr, flüchtig grüßte und dann nur' noch Augen für Mariechenkind hatte, wie sie nur für ihn. IS- wem nom. w -selbst uxi
Jungen oie aeipannte Stimmung jener
Mahlzeit auffiel. Mariechen war blaß und sah angstvoll von dem Geliebten auf die Eltern, und diese hatten traunge, besorgte Gesichter. Wir steckten nach Tisch, als wir etwas unceremoniell entlassen wurden, die Köpfe zusammen, um über diese wichtige Angelegenheit zu verhandeln. Wir dachten nicht daran, eifersüchtig zu sein, bewahre! Es war ja so natürlich, daß jedermann in Mariechenkind verliebt war, und der Offizier gefiel uns. Ich gebe ihnen meinen Segen," meinte Friedrich, aber Onkel und Tante machen böse Gesichter; sie werden nicht in den sauren Apfel beißen wollen." Ach was," entschied Hans, sie müssen eben. Alle Eltern thun zuerst so; das gehört sich. Sogar bei Schille?' und Goethe sagen sie mcht gleich von vornherein .Ja Oder habt Ihr das irgendwo anders gelesen? Wir besannen uns. Rein, wir hatten es nirgends anders gelesen. Also," nahm Hans wieder das Wort, ist alles so weit ganz in Ordnung und geht den gewohnten Gang der Dinge. Aber ich mag Mariechenkinds blaß es, trauriges Gesicht mcht sehen.' Sie muß schnell glücklich gemacht werden." Ja, sie muß schnell glücklich gemacht werden." entschied auch ich, aber etwas zaghaft, denn ich hatte gar zu gern das Mariechenkind vorher noch ein klein wenig für mich behalten. Aber wie? Das war uns noch mmt recht klar. Die Eltern schienen die Angelegenheit in ihre eigenen Hände nehmen zu wollen, und Mariechenkind war em gar zu gehorsames Tochterchen. Wir begannen zu fürchten, 'daß wir nur die Schürzung des Knotens, nicht aber dessen Lösung auf Gut Birkenwalde erleben sollten, und der Gedanke war unerträglich. Wartet nur, sagte Friedrich, noch haben wir volle drei Wochen vor uns. In drei Wochen kann viel geschehen. Und sollte es anders gehen, als wie es muß nun, wir sind doch auch mit dem Flurschutzen, dem Barthel,' fertig geworden." Tu meinst doch Nicht, daß wir als Indianer verkleidet hier etwas ausrichten können?" fragte ich etwas zaghaft, denn ich war der wenigst Muthigste bei der Ausführung von Streichen. Bewahre! Wer sprimt hier von Indianern!" erwiderte Fritz verächtlich. In Siebessachen muß man anders zu Werke gehen: zart, ebenfalls liebevoll und vor allem verschwiegen. Nein, nem' ; was Indianer! Laßt mich machen Ich will mich schon auf 'das Passende besinnen. Und Ihr beide paßt , unterdessen aus Leibeskräften auf, damit Euch nichts entgeht, und hinterbnngt mir. was Ihr seht und Hort. , J)as thaten wir auch, wir gaben acht, '.und zwar aus , Leibeskräften. , wie uns Fritz geheißen hatte. Ich glaube. Marrechens Eltern verwünschten die unseliae Stunde, in der ihre Gutmüthigkeit sie verleitet hatte, diese schrecklichen Pfarrersbuben zu den Ferien einzuladen, denn sie mußten merken, daß.wjr die Ohren spitzten, sobald wir etwas von der keimenden Liebesgeschichte witterten. Eine unbequemere Zeit für das Knospen ihres Liebesromanes hätte sich das arme Mariechenkind nicht aussuchen können. Aber sie hatte sie sich wohl auch gar nicht ausgesucht sie war gekommen, unerwartet und plötzlich, wie der Dieb in der Nacht. Auf einem Balle in der Residenz waren sie bekannt geworden, und seither ' hatte es dem jungen, eleganten Offizier keine Ruhe mehr gelassen, das zierliche, zarte Mädchenbild. Er hatte sich den Eltern Mariechenkinds vorge--stellt, hatte zu wiederholten Malen Besuche auf dem'Gute gemacht und Mariechens Herz, das ihm von Anfang an gehörte, jedesmal noch unwiderruflicher erobert. Onkel und Tante jedoch fandenes viel zu früh für ihr Kind, zu heirüthen, wollten, sie solle einige Jahre warten, Welt und Menschen besser kennen. lernen, kurzum, die Eltern wollten. sie solle ihm absagen. ' Mariechenkind und ihr schöner Offizier fanden aber Liebe und Treue und süßen Jugendgenuß viel schöner als das langweilige Warten oder gar Verzichten und sagten dies mit Blicken, wenn sie es auch vor den bekümmerten Eltern nicht mit Worten thun konnten. Ich sah, wie die Tante einen jeden Versuch des jungen ' Pärchens, auch nur auf Augenblicke unter vier Augen zu bleiben, durch schlaue mütterliche Wachfamkcit vereitelte, und wie dieses immer betrübter und rathloser wurde. Zuletzt sahen wir den Offizier, von den Eltern begleitet, auf die Schwelle treten und Abschied nehmen. Martechenkind stand wohl oben am Fenster und lugte hinter den Gardinen hervor aber er konnte nur einen flüchtigen Blick hinaufsenden, so beharrlich war er von der Eltern Augen bewacht, und er ritt davon wir drei fühlten es wohl mit einem zentnerschweren üerzen.X , (Schluß folgt.) Hineingefallener Gans e d i e b. In Silberbach. Sachsen, wurde einer Frau aus dem Stalle eine fette. Gans gestohlen. Der Dieb ließ aber in dem Stalle aus Vergessenheit seinen affe?!rug zurück, in dem sich 21. Mark befanden. Er unterließ es, siij zu melden. - In d e n ' N e w ''A o r k e r Mjithskasernen. gjbt es 357.000 fensterlose Zimmer.'
Dir sieben .Damenhüte. Zähmung einer widerspenstige Schöne in einem Antwerpeuer Theater. In dem königlichen Theater von Antwerpen besteht wie auch anderwärts die sehr vernünftige Vorschrift, daß die Damen im Parkett die Hüte ablegen müssen. Nun wurde jüngst in diesem Theater eine Vormittagsaüfführung veranstaltet, und zu ihr erschienen sieben Damen der wohlhabenden Antwerpener Gesellschaftskreise, mit recht ansehnlichen Hüten geschmückt, um in einer der vordersten Reihen der Orchcstersessel Platz zu nehmen. Ehe der Vorhang in die Höhe ging, nahte sich ihnen der diensthabende Poltzeioffizier und ersuchte ste in sehr höflicher Weise, ihre Kopfbedeckungen, Wunderwerle der neuesten ' Pariser Mode, abzunehmen. Ja, er war entgegenkommend genug, ihnen anzubieten, selbst die Hüte nach dem Garderobenraum zu tragen, falls sie es nicht vorzögen, ste auf dem Schooße zu behalten. Das letztere thaten sechs von den sieben Damen nach dieser Ermahnung sofort. Die siebente jedoch, die Gattin eines der angesehensten Bürger der Stadt, schenkte der. Aufforderung des Polizisten nicht die geringste Beachtung. Darauf erhob sich plötzlich hinter ihr ein Herr, der kein anderer war als der Ehegemahl der widerspenstigen' Schönen. Und zu deren zorniger Verwunderung ersuchte er den Polizeioffizier, seines Amtes zu walten und seine ungehorsame Frau nach dem Polizeisekretariat mitzunehmen. Da dem Offizier das Ehepaar persönlich bekannt war, zögerte er, der Aufforderung zu entsprechen. . Schließlich aber gewann das Pflichtbewußtsein doch in ihm die Oberhand, und er veranlaßte Madame zum größen Gaudium der übrigen Zuschauer, das Lokal zu verlassen und ihm zu folgen. Ihren Hut konnte ste jetzt aufbehalten, aber von der Vorstellung bekam sie nichts zu sehen. Der Vorfall hat die heilsame Folge gehabt, daß seitdem in Antwerpen keine Dame mehr den Versuch macht, der behördlichen Vorschrift zuwider mit dem Hute das Theater aufzusuchen. . Griechischer Freiheitskämpfer. Apostolos . Mawrogenis, der letzte griechische Freiheitskämpfer aus den Jahren 1821 bis 1829. ist im Alter von 114 Jahren gestorben. Mawrogenis wurde 1792 auf Paros geboren und mußte ganz jung noch mit seinen Eltern vor den Grausamkciten des türkischen Machthabers nach Italien flüchten, wo er später Medizin studirte. Als der Freiheitskampf ausbrach, bildete er, von Patriotismus ge-
trieben, aus m Italien studirenden Griechen und italienischen Philhellenen eine Legion 'und: stellte sich mit dieser. als er in Griechenland anlangte, unter den Befehl Kolokotronis, mit dem er bald sehr befreundet wurde; er nahm an dessen Kämpfen theil, so auch an dem Gefecht bei Derweni, in dem er schwer verwundet wurde. Wieder geheilt, führte er eine Art Sanitätsdienst bei den Freiheitskämpfern ein und wurde der Gründer des griechischen Militärsanitätswesens. Als dann 1832 das Königreich Hellas gegründet wurde, stellte man ihn an die Spitze des Sanitätswesens. Er hat als Militärarzt hierauf noch 45 Jahre gewirkt und trat dann als Generalarzt in den Ruhestand. Seit der Zeit beschäftigte ' sich Maw rogenis schriftstellerisch und befaßte sich namentlich mit der Pockenkrankheit. In den letzten Jahren beklagte er sich immer über die , Gleichgiltigkeit der jedesmaligen Regierung gegen ihn: auch mit dem Gebaren der Politiker der Neuzeit war er nicht zufrieden; für ihn gab es nur eine gute Aeit. die groke des Freiheitskrieges und des Königs Otto und seiner Gemahlin Amalle. Hober PrelS für eine Flugmaschine Angesichts der Klagen Santos Du monts darüber, daß im Geaensake zu Frankreich und Deutschland England nichts thue, um das Fluavroblem sei ner Lösung näher zu bringen, setzte die Londoner DaUn Mail" einen Preis von 10,000 ($48,600) für das erste Mitglied einer anerkannten Luftsauf fer-Gesellschaft. das in einem Tage von einem Punkte innerhalb etwa 5 Meilen Radius von dem Londoner Sitze der Daily Mail" nach einem Punkte in nerhalb 5 Meilen Radius von dem Ge bäude desselben Blattes in Manchester fliege. Es wird das sogenannte Aero plan als die einzig praktische Flug Maschine und die Mitaliedschafi eine anerkannten Gesellschaft deshalb zur Bedingung gemacht, weil der Besitzer der Daily Mail" mcht verantwortlich gemacht werden möchte für Unfälle, bei denen sachunkundige Erfinder ihr Le ben einbüßen könnten. ' Im Klappbett gefangen. Tie beiden Mitglieder der Firma Reno'8: Rosenbaum in Appleton. Wis.. welche über ihrem Geschäfte wohnen, sind beinahe der Tücke eines Klappbettes zum Opfer gefallen. Reno legte sich erst in ein neu gekauftes Klappbett.- Als Rosenbaum , sich auch niederlegte, fiel der zbere schwere Theil um, und das Schloß schnappte sin.' Erst nach vieler Mühe gelang es den beiden Männern, eine Seitenwand herauszubrechen und dadurch dem Erstickungötode zu entgehen.'
Oeschäftö-Kalender.
Vutzacherin. Ysngufta Lange. Ervert.PnVmaa.erin. IS istHrtti?.ft ; .v. Aerzte. (Tyc. . . Ihomak. 10 Skwton layp,,Z ffi.flAtth RttfwHiw H H TOM X A 0m """. WlV,ll VW. 91UI. Blech und Melall'DSHer. Sälech und Merall-DScher, sowie Dachrinnen nae sertiat unt revarirt. X&cl. ft. tfahlrn. nttucky ve. Neuer Vizone !. Tapeten. Vapeten. Ich hänge und liefere laptte. C T.Irtohnn flT AM MW M VI SpezialiSen. Otebl kurlri ohne Messer, hne Schmerzen. Die ieft V bekannte Behandlung der Neuzeit. Sprecht dor und lernt meine Methode. Dr. E. . Brigham, 1 kSeft Market Straße, gegenüber Terminal Station. Waaren.Ädlieferung. . Maaren abgeholt und abgeliefert, ißige Preise Schnelle Bedienung. 1! Süd Pennsylvania St, Neu 61,,; lt, Main 14X9. . X äst in, Eig. Optiker. EMERSCW DRÜUKY, Ut Makjachusett ve. im erften Saune, zweiter Stock, ngen ntersnchr. Linsen geliefert. Zu Konsultationen eingeladen. Leichenbeftatter. Whitsttt & nlver. Leichenbeitattn, 7L Jlltnotl cü Str. DeKvhoa : Neu 664; lt. Stain eso. Sohnfon, HaHln & Veorge. 857 Vaffachusett Ave.,' ktlephou,!: Sie: t. am 1430. fitr lpncheu deutsch. Patent'Auvalt nud Ingenieur. khomvson R. kll, 401 Sakk EkbSnde Zweig Dffice: Ba!htflfn. S).S... Vtm Knn 1. Seuerverfichernng-Grundeigenthun. 3aeob Burnnagel, Zlmmer 5 und 6. Ro. 29 Süd Delaware Strafe. Finanzielles. Mir leihen Geld auf VZöbeln und Pianis ohne die selben toeai&nednten. tffctntn ans ün en und Diamanten. Centra! Scan Co COS Statt Eist Hg. W5SL5SZSWWZWW5W?W5?WMLM W s$ SS 55 55 SS Ihr $$ $$ Freund in der $ otl, $$ SDal Ist'S was wir schon Tausende oa Leu $$ ten in Indianapolis waren. $. TrtS 1 tnnS mir ?win in tin mftnf ifirn '- " - " 1 i-i-- r . $ Wenn S unS gestalten. 55 '$$ T m r.v a v. : . . . . . $$ wenn immer eu öcio uoiqiA 9 hoch 10m qz 55 Tff . n set. ,, Wir leiden Ihnen aend einen Velrog an 53 w 0 KZ Haulgeraths asten. Pmno. serde. Wagen, $$ , ,. ia - im:- . rx kl. - 'T u u voce winnoji Acn. zdie miim uic vsuucn t-x in Ihrem ScfU and Sie zahlen nni zurück in T kleinen wöchentlich oder monatllche Sd $ 55 schlagizahlungen. 55 55 VQtv fiviti.it ctTin.it Yn.niA.r TS trnrnfc n 55 eie Company in der Stadt. $ Nehmen S,e nicht unser Wort dafür. Holen $$ oi( iaj uic viuiin u 11 uuu uuetuu tiv q" r$ ' Sie &al wir Ihnen sparen., 55 55 East Market Street Loan 0. 55 205 Law Gebäude. 134 Oft Markt Str. $$ 55 Phone. Reu 432. . Central, Main 2983. $$ 55 55$?55$$5SS555S5$S$5S55$55$55 5555B55WWS55SBMM55ZWS555S eld für die Feiertage. Lassen Sie Ihre Lieben zn Weihnachten nicht leer ausgehen, eil Sie temporär !rz an Geld siud. Sprechen Sie vor oder schreiben Sie uns. Wir werde Ihnen helfen. Wir ve leihen Geld von Zio ausmätt? an, Möbeln, PianoS. Fuhrwerke, Einrtcktnngen. Lager-hauS-Oulttnngen und andere persönliche Eigenthum , w JZ. t eSU.msm st A U t . M -x tltUtt "D " ohne dasselbe wegzunehmen. Ihre Zahlungen werden in i.in t.ln kni &i hifr!fin nlfflt innren. Sl.20 tll V litt vo Ä die wöchentliche Zahlung an emer Anleihe von Ult tv vujiittt tutf w 4juiMty v v.., , 7 für , Wochen. Andere Beträge in einem gleiche a. . j : .- am . a.ij.lt. Cwmaa a?M4..ti.tiÄrtA. OriQUinUH. UC JtUJUll llictiut UIU'I")Lvleihen werden tn allen Theilen der Stadt gemacht, sowie in Ehelbyville, reenfield, knightown, Franklln. olumbu. MarinSoUle, Ledanon. RobleSoille, Greencaftle, Sxiceland. Stayton, Danville, Plaiafield und allen anderen iOrttn devon den Jnterurban Bahnen berührt werden. Post, oder Telephone ppli?tionen erhalten prsmpte' achtung. Wenn Ste Geld benöthtgen so füllen Sie da unten folgende Formular aui, schneiden Sie tl an und chicen Sie e per Post, einer unserer Agenten wird bei Ihnen vorsprechen. Ramen., attin Name. 1 . Straße und Rummer. Stadt. Betrag gewünscht. Man spreche dor oder schreibe au Jndiana Mortgage Loan.Co. (Etablirt 1887.) Limmer 4 Lombard Gebäude, X4i Oft Washington Strafte, Beide Telephone (288. Vorsicht. Tante (die bei ihrer verheirathe ten Nichte zu Besuch weilt): Sag'' mal, Hans, hat sich denn Dein Papa auf meinen Besuch gefreut?' H ans: Das weiß ich nicht, denn wenn Papa von Dir zu sprechen anfängt, schickt e mich immer vorher hinaus." rftmcicitcUirn. Der Her? Piof:s:. ch Verfechte? der absoluten Alkohol-Enthaltung, ist f.- v rr: JJtUUUyCU LCIUUI ilUUCU. jl: Frau Professor hat eine Köchin ange--nomm.cn ; nachdem mit dieser alles verabredet ist, sagt die Frau Professors .Und schließlich noch ein:s: in unserem Hause darf kein Alloho! getrunken werden, Sie müssen also auf das' sonst übliche Bier verzichten.- 's ischa recht," sagte die Köchin. bin früher schon mal in so aner g'retteten Säuferfamilie gewesen."- - Der 6 l d v o r r a t h der Ver. Staaten hat im letzten Flskaliayr um $186,866,727 zugenommen, und zwar der in Gold um $118.050.777. der in Silber um $5.450.396. der in Nationalbanknoten um $65,392,554; der in Schatzamtsnöten zeigte eine Abnahme um $2.027.000. . .
