Indiana Tribüne, Volume 30, Number 109, Indianapolis, Marion County, 29 December 1906 — Page 4

Znvtana Tetdüns, 29 Dezember Ivoo.

Jndiana' Tribüne. Hnanagcbn vu In 9ttnttxi s. Indianapolis, Ind. tzzrry O. Thudwm Präsident. VeschäftSloealt ?Zo. 31 Süd Delaware Straße. TELßPHONE 2V9.

E tred t the Pott Office of Indianapolis aa sccood clati matter. Die voraussichtliche Stärkung der Sozialdemokratie in Oesterreich. Nach langen und schweren Kämpfen ist die österreichische Wahlreform zu. stände gekommen, obwohl die Minori tüt kein Mittel unversucht ließ, das Werk der Regierung zu Falle zu drin gen. Ein Erfolg der Minorität aber war schon wegen ihrer heterogenen Zu sammensetzung ausgeschlossen. Ihr gehörten hochfeudale Großgrundbesitzer an, die den Kampf gegen die Regierung mit vornehmer Ruhe führten, und radikale Tschechen, die mit derben Bauern säuften die Pultdeckel bearbeiteten und gegen den Schriftführer des Parla mentS Aktenstücke schleuderten. Ebenso verschieden wie das Benehmen der Mi norität waren die Motive, von denen ste geleitet wurde. Die Tschechen schlugen Lärm, weil den Deutschen in Böhmen mehr Sitze zugebilligt wurden, als der tschechischen Herrschsucht genehm war; der Groß grundbesttz opponirte nicht nur, weil durch die neue Wahlart sein Einfluß gemindert wird,? sondern vor Allem, weil die parlamentarische Stellung der Sozialdemokratie wesentlich gefördert werden wird. Diese Annahme des Großgrundbe sitzeö trifft zweifellos zu. ES war auch charakteristisch, daß der österreichische Mlnifterprüsident zu der Vollendung des Werkes von keiner Partei so herzlich beglückwünscht wurde, wie von den So zialdemokraten, die nunmehr in Oesterreich eine ähnliche Machtstel. lung zuerlangen hoffen, wie im Parlament des benachbarten und verbünde ten Deutschen Reiches. Allerdings ist bei uns die industrielle Bevölkerung nicht so stark, wie ln Deutschlands andererseits aber find die Lohnverhültniffe der Arbeiter und die sozialen Einrichtungen schlechter alS ln Deutschland. Demgemäß fürchten die bürgerlichen Parteien, Mandate an die Sozialdemokraten zu verlieren. So erklärte der. Abgeordnete Wolf ln einer Wahlversammlungen Tetschen, daß bei einem völlig) geschlossenen und geeinten Borgehen aller I bürgerlichen deutschen Parteien gegenüber den Sozialdemo kraten diese eine nicht zu große Zuhl von Mandaten erobern würden. Der Abgeordnete rechnet also bestimmt mit I einem Verlust an die Sozialdemokratin, er hofft nur, daß dieser Verlust nicht zu groß sein werde. Auch diese Hoff nung aber hegt er nur für denFall, ge schlossenen Zusammengehens der bür gerlkcherr Parteien. Im Deutschen Reiche ist eö bekannt, llch trotz allerzMühe. die sich namentlich die Regierung in dieser Hinsicht geze bm hat, noch immer um die Einigkeit deS BürgerthumSZ gegenüber der So zialdemokratie schlimm bestellt. Hos. fentlich wird es in Oesterreich besser gehen und gerade die ersten Wahlen, die unter dem neuen Gesetze statt finden werden, werden dasür von be sonderer Wichtigkeit sein.

In Chicago haben die Frommen ein MandamuS'Verfahren gegen den Mayor eingeleitet, jdurch welches er gezwungen werden soll, die Wirthschaften SonntagSZzu,schließen. ES kann sein, Äaß die Gerichte diesem Ersuchen Folge ' geben, da in Chicago, genau so wie in allen Städten der Union, der SonntagS'Auöschank ungesetzlich ist. Ge. schieht , daS, so wollen die Wirthe den Frommen die Lektion ertheilen, daß SonntagSgesetze, soweit sie keinen hu manitüren Zweck beabsichtigen, in unsere Zelt nicht passen; sie werden eben falls das , Gesetz anrufen, um jedwede Thätigkeit am Sonntag zu verhindern. Dieser Schritt ist vollkommen gerech tigt. ES ist nicht gerecht und billig, daß da? Gesetz nur insoweit vollstreckt wird, als eö den Temperenzlern paßt. Wenn sie sagen, daß eS'ansrchlftisch ist, ein Gesetz nicht zu ' spektlren, dann nlüssen Alle, ohne -Ausnahme, das Ge 'setz befolgm. Die Wirthe beabsichtigen, die Absurdität des SonntagSgesetzeS nachzuweisen, und daS wird ihnen ohne Zweifel gelingen.

Onkel Eam soll den Graueln im Congo Freistaat ein Ende machen. Vielleicht revanchirt sich Belgiin und macht Anstalten, den Lynchgrüueln in Onkel Sam'S Landen ein Ende zu machen.

Am Neujahrstag tritt das Gesetz für freien Alkohol und daS gegen Le benSmittelverfälschung in Kraft gute Nahrung aber theuer und freier Schnaps, aber der ist wieder nicht ge nießbar. Die Regierung macht'S den Unzufriedenen nie recht. Auch aus Europa, besonders aus einzelnen Theilen Frankreichs und Jta lienS, kommen Nachrichten von großem Mangel an Cisenbahnsrachtwagen. Der colossal gesteigerte Verkehr unserer Zeit scheint allenthalben den Bahnge sellschaften über den Kopf gewachsen zu sein. Mit verblüffender Ossenherzigkeit gesteht daS in japanischer und englischer Sprache erscheinende japanefischameri kanische Handelswochenblatt zu, daß .die beiden Amerikas" eine ganz be sondere Anziehungskraft auf die Ja paner ausüben, und erklärt dreist, daß menschliche Widerstandskraft zu schwach sei, den großen Einmarsch der Japaner aufzuhalten. Mit Brasilien hat der Mikado eben einen seyr günstigen Ver trag zwecks japanischer Einwanderung abgeschlossen. Nun steht also auch Südamerika offen und bei einer Be völkerung Japans von über 46 Millio nen mit einem jährlichen Zuwachs von 500,000 ist Aussicht vorhanden, daß nach und nach Amerika japanisch werde. So hoffen die Japaner. y Im Publikum findet das Bestreben der Administration, dem ungesetzlichen Treiben verschiedener großen Industrie trufts Einhalt zu thun, allgemein An erkennung und Unterstützung. AuS Farmerkreisen kommt nunmehr bke Behauptung, daß 'ein großer Trust in Ackerbau Maschinen bestehe. DaS Handels Departement wird in Folge davon baldigst mit den Untersuchun gen beginnen. Die Farmer suchen baS Vorhandensein deS besagten Trust durch den Umstand nachzuweisen, daß die Maschinen im Auslande bedeu tend billiger verkaust werden, als im Jnlande, und daß ln lexter Zeit keine neuen Verbesserungen mehr an land wirtschaftlichen Maschinen gemacht worden find. Auch die VerkaufSme thode wird gerügt. Die Maschinen selbst find verhältnlßmüßig billig, allein für die einzelnen Bestandtheile, die beständig neu ersetzt werden müssen, wird ein ungebührlicher Preis gesor dert. In Folge der Entlassung der drei Kompagnien von Farbigen in TexaS wegen der in BrowSville verübten blutigen Gewaltthätigkeiten ist eS in Washington zwischen dem Präsidenten und einem Theil deS Bundessenats zu einer so hochgradigen Spannung ge kommen, daß sich sehr unangenehme Folgen einstellen mögen. Man verargt dem Präsidenten seine Drohung, daß er jeden Beschluß des Kongresses, die entlassenen Negerkompagnien wieder anzustellen, mit seinem Veto belegen werde. Wenn er sich mit dieser Ab ficht trägt, wozu macht er dieselbe jetzt schon bekannt? Jedenfalls wird die Situation dadurch ungemein erschwert. Den BundeSsenatoren, die mit dem summarischen Verfahren deS Präsiden ten nicht einverstanden waren, ist es ge lungen. daS Zeugniß einer ganzen An zahl von Leuten, das in ver Angelegen heit abgegeben wurde, zu entkräften. Die Thatsache aber läßt sich doch nicht aus der Welt schaffen. Wenn der.Ee nat der Handlungswelse deS Präsiden ten opponlrt, so wird er jedenfalls an geben müssen, wie er das gegen fried liche Bürger in BrownSville verübte Verbrechen zu bestrafen gedenkt. Das Vermöge. der Stadt Berlin belief sich am 1. April des Jahres 1906 auf 409,500.000 Mark. Darnach kommt von Stadt wegen auf jeden der 2.000.000 Einwohner der deutschen Reichshauptstadt die runde Summe von 200 Mark. Frl. Martha Thurm, die Heraus gcbcriit und Leiterin der Teutschen Turnzeitimg für Frauen" ' und die Vorsitzende der Abtheilung für Turn Wesen deö LandeSvcrcins Prenkischcr Technischer ücljrcrimicn, welche 'bis her nur im Vereinsturnen und in freiwilliger Spielarbeit für die Volks schülerinnen thätig war. )st von Ve norden und'. Stadtverordnetenkoll?' giuni mit der Oberleitung des weiblichen Turn- und Shielwesens in den 45 Volksschulen der Stadt, Krefeld betraut und von der Regierung bestätigt worden.

Glück und Ende einer LevenSkünst

lcrtn. N l Man ' schreibt aus Nizza: Wenn Lcbcnskunjt darin besteht, dem Leben möglichst viele und mannigfaltige Genüsse abzugewinnen, so gebührt der Titel einer !cbeitfünftlcrm ohne Frage der Gräfin dc Lagrange, die kürzlich todt in ihrer äsohnung in Cimiez aufgefunden wurde. Sie war eine der bekanntesten Persönlichleiten an der Niviera und die Vegründerin lind Leiterin des Zoologie scheu Gartens von Nizza. (5s ist noch nicht mit Sicherheit festgestellt, ob sie infolge ihres eigenen Entschlusses aus dem Leben geschieden ist oder nicht. Für die erste dieser Voraussetzungen spricht jedoch die Thatsache, daß die Gräfin finanziellen Schwierigkeiten gegenüberstand, die ihre Bankerott' crklärung täglich befürchten ließen. Gräfin war sie übrigens erst in. der zweiten Hälfte ihres an Abenteuern und Wechselfällen überreichen Lebens. Ihr Mädchenname lautete Emilic Victorine Girard, aber Denen, die noch die Glanzzeit des zweiten fran zöjischcn Kaiserreichs erlebten, sagt gewiß ihr Künstlername L6a d'Asco erheblich mehr, unter dem sie einst zu den hübschesten und gefeiertsten Schauspielerinnen von Paris und zu den Herrscherinnen im Reiche der Welt, wo man sich nicht langweilt, gehörte. Erst achtzehnjährig, debü lirtc Löa d'Asco in der Rolle des Orestes in Jacques Offenbach's Schöner Helena", deren Titelrolle Hortense Schneider spielte, die jetzt von den Stürmen ihrer Jugend als behäbige Bourgeoise und Rentiere ausruht. Ihr erstes Auftreten brachte L6a d'Asco gleich den entscheidenden Erfolg, allerdings weniger der Künstlerin, als ihrer reizvollen Erscheinung. Undbald gab sie den Ton an im lustigen Paris, das die Nächte beim Champagner durchschwärmte und im Sommer Vadeir-Vaden auf den Kopf stellte. Ihre tollen Strei che, ihre exzentrischen Einfälle waren ein unerschöpfliches Thema auf den Boulevards. Nachdem sie eine Reise nach Afrika und Amerika untcrnom men hatte, kehrte sie nach Paris mit einem ganzen Stamme von Negern und Negerinnen zurück, die sie im Jardin d'Acclimatation ausstellte. Tann unternahm sie eine gefahrvolle Fahrt im Luftballon, die gewaltiges Aufsehen erregte, und ein anderes Mal produzirte sie sich im Löwenkäfig und ab zwischen den wilden Bestien Proben wagehalsigen Muthes. In Nizza lernte sie den Grafen Gabriel Tripier de Lagrange kennen, der sich mit ihr bald darauf in der vatikani schcn Kapelle in Rom regelrecht trau cn ließ. Sie siedelte sich mit ihm in Nizza an und legte hier eine brctonv sche Mustcrfarm an, die allmählich iii einen Zoologischen Garten umwandelte. Tas Jahr 1893 machte sie' zur Wittwe. Sie schloß dann noch eine zweite Ehe, deren Scheidung ziemlich großen Skandal hervorrief aber an Skandalen uahln 26a d'Asco längst keinen Anstoß niehr. Und dann gerieth sie allmählich in immer drückendere Schulden. Der Zoologi sche Garten sollte ihr genommen und öffentlich versteigert werden. Ta zog sie es wohl vor, der drohenden Vcrarmung durch den Tod ans dem Wege zu gehen. ' .Sie hatte ihre Existenz stets nur nach eigenem Gutdünkeit und ohne Rücksicht auf das Urtheil der Anderen gelenkt. So hat sie sich auch jetzt selbst den Zeitpunkt ge. wählt, ihren: etwas bewegten Dasein selbst das Ende zu bestimmen. Dampfer zum alten Eisen geworfen. Der ehemalige Lloyd - Dampfer Lahn" ist von einer Firma erworben worden, um in Grabow, Pommern, abgebrochen zu werden. Die Lahn" hatte 5 Decks, war 140 Meter lang. 15 Meter breit und bis zum Bootsdeck 11 Meter hoch. Die Maschinen entwickelten 10.000 Pferdekräfte. Als das Schiff im Jahre 1883 in Dienst gestellt wurde, war es das Wunder der Meere und längere Zeit unübertroffen an Schnelligkeit und Eleganz der Ausstattung. Damals glaubte man . mit der Lahn" den Höhepunkt der Schiffsbau kunst für Passagierfahrt erreicht zu ha ben. während heute ein ähnlicher Schiffstypus in vierfacher Größe und mit einem Luxus hergestellt wird, wie man es zur Zeit der Lahn" für unmöglich gehalten hätte. Nichts kann wohl 'den enormen Fortschritt im Schiffsbau mehr bezeichnen als die Thatsache, daß ein solches Schiff nach kaum 15jähriger Dienstzeit, hochelegant eingerichtet, 18 Knoten laufend und vollständig seetüchtig, zum alten Eisen geworfen wird, nur weil es unmodern geworden ist. Nach dem Accisegesetz von Neu-Süd-Wales, Australien, ist der Aufenthalt, in einem Schanklokal während der verbotenen Stunden nur Reisenden und Kostgängern gestattet, alle anderen Personen, welcke während dieser Zeit in solchen Plätzen angetroffen werden, haben sich einer strafbaren Handlung schuldig gemacht. Die reguläre' Armee der Ver. Staaten zähve am 30. Juni ,1906 . 3750 Offiziere und 55.719 Mann; 26 Offiziere und 552 Mann zählte das provisorische Regiment Infanterie in Porto Rico und 116 Ossi ziere und 543 Mann gehörten den Hhilippmen Scoutö an. so daß sich im Ganzen 3892 Offiziere und 61,284 Mann ergeben. "

ttoSkunft für's Auge

Von den Londoner Kochkünstlnu war kürzlich in der Riesenstadt an ver Themse eine Ausstellung von Produkten ihrer Kunstfertigkeit veranstallet, deren Gesammteindruck man wohl mit der Bezeichnung Kochkunst fur's Auge" wiedergeben kann. Da fah man kunstvolleGebilde aus Zucker, Käse usw., die natürlich die besondere Aufmerksamkeit des Publikums erregten. So gewahrte man das Modcll einer Mühle mit allem Zubehör, Nachbargebäuden, Landschaftsmotiden, alles aus weißem Zucker gefertigt. Andere Kochkünstler hatten Vasen angefertigt, mit allerlei zierlicher Ornamentik, Blumenstudien, die täuschend an Venezianer Glas erinnerten und die aus durchbrochenem Zuckerwerk gemacht waren Ein anderer fertigte aus demselben Material eine Copie des bekannten Bildes, wie Perseus die Adromeda befreit. Der Küchenchef des Northern Hotels brachte ein bis in's kleinste ausgeführtes Zuckermodell der PetersboroughKathedrale. Diese seltsamen Kunstwerke erreg ten nun die Bedenken eines Kochs der alten Schule, und er klagt, vielleicht nicht mit Unrechi, daß in diesen Dingett ein Verkennen der eigentlichen Ziele der Kochkunst sich anbahnte. Die Geschicklichkeit," so urtheilt er, die diese Dinge verrathen, ist unbestreitbar, aber nach meiner Meinung verliert man den Sinn der Kochkunst aus dem Auge in dem Bemühen, einen Aufwand von Gegenständen zu entfalten, die für die- hungrige Menschheit nutzlos sind. Die Geschicklichkeit eines Koches sollte darin bestehen, Gerichte herzustellen, die vor allem dem Gaumen angenehm sind und die leicht servirt werden können. In meiner Jugend bestand noch die Sitte, jede Speise unvertheilt auf den Tisch zu bringen. Da war freilich auch das künstlerische Talent eines Kochs eine Nothwendigkeit, und während meiner Lehrzeit lernte ich manch' künstlerisch aufgemachtes Gericht kennen; damals aber brauchte man kein Hammelfett, um diese Kunstwerke zu formen. In jenen Zeiten freilich war es auch für den Gastgeber eine Pflicht und eine Gewohnheit, selbst ein . umsichtiger Tranchirer zu sein. Heutzutage behilft man sich damit, die Speisen schon zerlegt herumreichen zu lassen, oder man servirt sie, den Gästen schon auf dem Teller. Das ganze Gericht bekommt man fast nie mehr zu sehen. Davon nehmen die heutigen Koch kunstausstellungen venig Notiz, und was gemeinhin zur Schau gestellt wird, ist für eine moderne praktische Nahrungsweise ein Ding der Unmöglichkeit. Es mag sehr geschickt sein. Pflanzen auf imitirten Blättern nachzuahmen, aber, was nutzen sie? Aus gerösteten Kartoffeln geflochtene Körbe sind eine Neuheit und zweifellos sehr kunstvoll, aber lohnt sich Zeit und Mühe? Und eine Kathedrale aus Zucker, so-gewandt sie auch geformt sein mag, hat mit KochkunA nichts zu schaffen!" Die Art der Aufmachung allein thut es nicht. Der Künstler einer höchst geschickt und hübsch aufgemachten pfece raontö" kann sich als ein sehr schlechter Koch erweisen, wenn man ihn vor .die Aufgabe stellt, das Material herzustellen. , Ich kann es nicht begreifen," schließt mit Hinblick auf die künstlerischen" Zuckergebilde der Ausstellung der Koch der guten alten Zeit seine Kritik, wie man Gerichte essen will, bei denen ein, Guß von Wachs und Fett verwendet wird; aus diesem Material fertigt man wohl Kerzen, aber wenn man es einem Gericht beimengte, würde jedermann die Nase rümpfen." Zur Erforschung Nowaja Lemlja'ö. Nachrichten aus Norwegen zufolge wird für den nächsten Sommer von deutscher ' Seite eine wissenschaftliche Expedition nach Nowaja Semlja geplant und deren Dauer auf zwei Monate. berechnet. ' Die Forschungsreise würde sich besonders auf die östliche Küste der Insel erstrecken, die bisher wegen der Witterungs - Verhältnisse im Karischen Meer noch ziemlich unbekannt geblieben ist. Der verstorbene Professor Freiherr von Nordenskjöld hat 1875 und 1876 bei den Vorbereitungen zu seiner weltberühmten Vega - Expedition die Insel besucht, wobei er die beide Jnselhälften trennende Meerenge Matatschkin Schar und das Karische Thor durch Eis gesperrt fand und deshalb weiter östlich durch Jwor Schar fuhr. Nach Nordenskjöld haben ' besonders die Russen Nossilow Wülizly und Tschernyschew die große a.ktische Insel besucht. Die diesmal: Expedition soll un Wesentlichen den Spuren Nordenskjöld's folgen und demgemäß, wie bemerkt, befonLers die Ostscite von Nowaja Semlja zum Studiengegenstand machen, doch hofft .man. diesmal mit stärkeren Schiffen durch die für Nordenskjöld unpassirbar gewesene Matotschkin Schar vorzubringen. . ' Eine einzige Glühlichtgesellschast . in Berlin stellt . täglich 200,000 GMHstrümpfe.her. Ein Taucher darf .Seim Aufsteigen, nicht, mehr ' ls 6 Fuß. in der Sekunde zurücklegen.

c

NreundsSaftöRvkühluns In der englischen Presse ist in letzter Zeit ein wesentlicher Umschwung in der Beurtheilung Japans zu bemerken. Dieser Umschwung wird am besten illustrirt durch folgende Mittheilung des Tokioer Correspondenten des Londoner Standard" an sein Blatt: Wenn in England, der Ausblick im fernen Osten besprochen wird, so waltet vielleicht keine große Neigung vor, die Frage anders als vom Standpunkte der offenbaren Vortheile der anglo-japänischen Allianz zu beurtheilen. Denjenigen aber, denen Gelegenheit geboten ist., die Lage an Ort und Stelle zu studiren, erscheint Japan als eine Macht mit einer eigenen Politik und eigenen Absichten einer Politik, die durchaus, nicht mit den internationalen Interessen übereinstimmt, sondern eigene nationale Ziele und Pläne hat, die es mit rücksichtsloser Energie verfolgen wird, ob sie nun mit jenen seines gegenwärtigen Bundesgenossen übereinstimmen oder nicht. Wer in Japan lebt, hegt keinen Zweifel, daß sich die Nation schon seit einigen Jahren schrittweise vorbereitet., die Oberherrschaft im fernen Osten an sich zu reißen. Dieses Bestreben Japans hat durch seine glänsenden Siege über China und Rußland eine weitere Anregung erhalten. In diesem Augenblicke glüht das Herz der ganzen Nation; es richtet seine Forderung an die ganze Welt: Wenn jede Nation der Erve die Herrschaft in ihrem Gebiete haben' kann, warum nicht Japan? Die Nation will eben die Früchte der gebrachten großen Opfer genießen Vor kurer Zeit erst sagte einer er leitenden Botschafter in Tokio: Japan hätte nie den Krieg geführt, wenn es nicht verleitet worden wäre, auf größere Hilfe von seinen Freunden zu hoffen, als es schließlich gefunden hat. Diese Hoffnung führte in den Kampf; die nachfolgenden Enttauschungen veranlaßten es, ihn aufzugeben. Aber eines Tages, und vielleicht bald, werden die jetzigen Freunde Japans seine größten Feinde sein, denn Japan kämpst nicht, wie sie dachten, um die offene Thür" im fernen Osten, sondern um seine eiaene Unabhängigkeit und Oberherr schaft, und sobald dies offenbar wird, wird seine Freundschast verschwinden, wie ein Traum, dessen man sich nicht erinnert." Der Nobelpreis für Chemie. Der französische Chemiker Henri Ferdinand Moissan, der für den diesjährigen Nobel - Preis für Chemie ausersehen wurde, hat sich durch seine chemischen . Untersuchungen und Experimente zu einer internationalen Berühmtheit gemacht. 1852 in Paris geboren, hat er dort auch seine wissenschaftliche Laufbahn begonnen, zunächst im Laboratorium für Bodenkultur. des Naturwissenschaftlichen Museums, später als Repetitor sür Physik am Landwirthschastlichen Institut; dann ging er als Dozent an die pharmazeutischen Lehranstalten, wurde 1886 Professor an der höheren Schule für Pharmazie und wirkt. jetzt seit drei Jahren als Professor an der Sorbonne. Im Jahre 1887 gelang es Moissan als erstem, das Fluor zu isoliren und später zu verflüssigen, ein Erfolg, der ihm den Lacaze - Preis der Pariser Akademie der Wissenschaften eintrug. Seine Herstellung wirklicher kleiner Diamanten im elektrischen Ofen (189394) erregte kaum, geringeres Aussehen und machte seinen Namen über Frankreich hinaus beinahe populär. Auch seim sonstigen Untersuchungen waren und sind von allerhöchstem Werth. Der Gelehrte wurde 1891 Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften, nachdem er 1883 bereits zum Mitglied ernannt wärden war. 1905 wählte ihn auch die Berliner Königliche , Akademie der Wissenschaften zum correspondirenden Mitglied, 1899 hatte ibn die Deutsche Chemische Gesellschaft zumEhrenMitglied ernannt und durch Ueberreichung der Hosmann - Medaille ausgezeichnet. Nach fünfzehnjähriger Trennung wieder vereint sind ein Vater und ein Sohn. Heinrich und F. C. Houpt. aus Wisconsin. Im Jahre 1891 verließ der Vater 'Superior und begab sich nach Hibbing. Minn. Um dieselbe Zeit verließ der Sohn das alte Heim zu Neenah. Keiner von beiden machte dem anderen von seiner Abreise Mittheilung, und so kam es. daß der Aufenthaltsort des einen dem anderen unbekannt blieb. Vor kurzem schrieb der Vater an einen alten Bekannten in Neenah und brachte in Erfahrung, daß der Sohn in La dysmith wohnte. Als der Sohn von dem Verbleib des Vaters im ArmenHause zu Äuluth Nachricht bekam, begab er sich sofort dorthin und nahm ihn mit sich nach Lcrdysmith. '. 5r n gutesOel soll, dünn aus Flächen gestrichelt. 50 Prozent seines Gewichtes an- Sauerstoff aufnehmer, können. D ie E rfahrung hat gelehrt, daß zur Mischung der Pulverbeftandtheile im .Stampfwerk gerai - 30,000 Schläge' innerhalb .11 Stunden . di richtige Anzahl Lnd.'

!55ÄAL mm CrcdMricse, Postanweisungen. auf alle Städte Europas? Schiffsscheine Von und nach Europa. 333 und Verkauf ausländi schon Geldes.

Irnthppfl JlUllluiUj

mm

No. 35 Süd Meridian Str. Merchants National Bank. ob&l, Teppiche, Ofen nnb Hausausftattungen. DaS neueste und vollständigste Lag der Stadt. Die mäßigsten Preise, welche t für Waaren erster Klasse verlangt wurden. Ein Besuch in unserem Ver tausSlokale oird sich für Sie bezahle. Sie werden zuvorkommende Behandlung Erhalten. WILLIG'S 141 West Washington Str. Beachten Sie unser Schaufenster für MontagS oder Freitags Bargaink. Allerlei. Eine- Seniorin der englischen Stimmrechts'Vewegung Mrs. Vright McLaren, eine Schwester von John Bright, ist im Alter von 92 Jahren in Edinburg gestorben.- - Als ordentlicher Professor der Rechtsphilosophie an der Universität von Sassari (Sardinien) ist Fräulein Tr. Thcrese Labriola, die bekannre italienische Nechtsgelehrte, berufen worden. , . . m' m Als Lektor der englischen Sprache an der Universität Dorpat ist Miß 'Jenny Leidig ernannt worden. Das Amt ist zehn Jahre hindurch aus Mangel an Bewerbern nicht besetzt gewesen. In Oesterreich gibt es jetzt uni sonnirte Postbeamtinnen; ihre Bluse gleicht in Stoff und Farbe der der Herren Kollegen. Eine Schärpe oder ein Gürtel, geschlossen durch einen kaiserlichen Adler aus Metall, umfaßt die Taille. Als Rangabzeichen wer den auf den gelben Paroli (den ..Spiegeln" am Kragen) silberne Sterne angebracht. . Als vor einigen Jahren im Vraunschweiger Landtag die Förde rung gestellt wurde, weibliche Gewer bcAussichtsräthe für die arbeitenden Frauen anzustellen, erregte diese For derung einen Hciterkeits erfolg; das heißt7 die hohen Würdenträger fan den einen solchen Antrag so lächerlich, dak sie ihre Heiterkeit mit lautem Lachen bekundeten. Heute sollen dort schon über 20 solcher Beamtinnen an gestellt sein und sich aufs Beste be währen. Nach langer Pause hat Sarah Bernhardt die Bühne ihres Theaters in einer Neuheit aus der Feder Ea tulle Mendös . La Vierge d'Avtfa" als heilige Therese betreten. Mendös hat die Historie der ekstatischen sparn schen Nonne dramatisirt sehr frei natürlich und insofern mit vergeb Iichem Bemühen, als das Werk in bedeutenden Partien unklar blieb und kaum zum, Bleibenden zu zählen sein dürfte. Der Grund hierfür ist Haupt sächlich in dem wenig verbrauchten Konflikt zwischen der irdischen Liebe, dem menschlichen Gefühl- und der himmlischen ' Unberuhrtheit und Keuschheit zu suchen.. Die heilige Therese hat natürlich zu Gunsten der gottlichen Sarah eine Bombenrolle, trieft über dermaben von, Heiligkeit und übermenschlichem Edelmuth, daß sie kaum zu ertragen ist. Sarah sang die Parthie .näch.Psccknenart.. . Die alte Schachtel, ist. jedenfalls der. Ho senrollen müde, geworden und will nun wieder' Sensation machen. (An merk. d.M.). . ' "

M