Indiana Tribüne, Volume 30, Number 108, Indianapolis, Marion County, 28 December 1906 — Page 6
Jndiana Tribüne, 28. Dezember 1906
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Wmnipeg. D!e Stadt in der Prairlt?. Das Win. nipeg von heute und wie es entstan den ist. Großer Aufschwung. Die erste Ansiedlung unter Thomas Douglas Earl of Sclkirk. Eine Großstadt heute. 9 Ihr Anfang und ihr Ende liegt in der Prairie, aus der sie aufsteigt mit einer Plötzlichkeit, daß man an eine Fata Morgana glauben könnte, wenn es unter dem nördlichen Himmel ein solches Phänomen geben würde. Sie vereint in ihren Straßen, die auch heute noch vielfach an sehr breitgetretene Pfade erinnern, die die Zeit durch die Prairiegründe gestampft hat, Altes und Neues, hinfälliges Wackelzeug und stolze Prachtbauten. Hütten und thurmhohe Wolkenkratzer. Diese bilden in jedemSinne den höchsten Stolz der Bcvölkerung. die begeistert daran glaubt, daß ihre Stadt einzig ist. Was man ihr nach mancher Richtung auch zusprechcn muß. Denn wenn man auch anderen Ortes gesehen hat, wie in ein paar lumpigen Jahrzehnten aus einem Jndianerdorfe, einer Trapperniederlassung ein mächtiges Gemeindewesen erblühte, so läßt sich meistens doch eine Art von Schichtenentwickelung verfolgen. kann man nach irgend einer Richtung ordentlich Physisch dem Fortschritte nachgehen, wie er Primitives zu Höherem umwandelte. Hier aber sprengt trotz einer räumlich bedeutenden Ausdehnung scheinbar wähl- und zwecklos Neu in Alt hinein, liegt die Vergangenheit nicht nur mit der Gegenwart, sondern mit der rasch aufschießenden Zukunft friedlich in einer Rinnsteinlinie. Die Jagd nach dem Glücke, die Tag um Tag durch die weitgestreckten Gassen diese? Stadt rast, hat nur einen gemeinsamen Inhalt. Denn darüber, was Glück ausmacht, gibt es keine Meinungsverschiedenheit. Jene, die das Hallali eines großen Erfolges längst schmetternd abgeblasen haben,, wie die ganz kleinen Treiber, die es erst lernen müssen, in der richtigen Linie bleiben, verstehen sich deshalb auf den ersten Blick. Nur die Distanz des zurückgelegten Erfolges liegt zwischen ihnen. Die zu jeder Stunde durch eincn kühnen, glücklichen Sprung sich verringern kann bis auf Null. Einmal wird auch das wohl anders werden. Vielleicht gerade dann, wenn die Stadt in der Prairie wirklich das geworden ist, woran ihre Bewohner genau so unerschütterlich glauben, wie an sich selbst. Im Jahre 1812 siedelte Thomas Douglas Earl of Selkirk an den Ufern des Red- und Assiniboine River einige schottische Familien an. In kurzem erhob sich dort ein kleines Fort, das das nordwestliche Hauptquartier der Hudson Bay Kompagnie wurde. Seine Bewohner lebten sehr friedlich in einer Art von kommunistischem Gemeinwesen beisammen, handelten wacker und erfolgreich mit Pelzwerk und trieben darüber hinaus den üblichen Tauschverkehr mit den Indianern. Als einige Jahre später die Northwest Für Co., die sich auf alte französische Priviles.ien berief, in einen kommerziellen Ge-gensatz-zur Hudson Bay Kompagnie trat, schlug diese Idylle rasch in einen Kampf und Noth um. Bei Fort Douglas, wie diese erste Ansiedlung bcnannt wurde, kam es zwischen den Gegnern zu einer entscheidenden Schlacht. Sie kostete dem Gouverneur und einigen der angesehensten Bürgern das Leben. Das Fort wurde zerstört. Was übrig blieb, kam sich selbst so schutzlos vor, daß es sich über das weite Land zerstreute. Allein schon im nächsten Jahre wiederholte Lord Selkirk. von einer starken bewaffneten Macht, unterstützt, die er aus England herüber brachte, seinen Kolonialversüch. An Stelle des gewesenen Fort Douglas erhob sich, stärker befestigt und besser gebaut. Fort Garry, das für Jahrzehnte den militärischen MittelPunkt der Kämpfe bilden sollte, die zwischen den Rivalkompagnien um das Monopol im Pelzhandel geführt wurden. Mit wechselndem Glücke, das sich schließlich aber doch der Hudson Bay Kompagnie zuwandte. Ein paar weitere Jahrzehnte vergingen. Ueberschwemmungen und Epidemien setzten der kleinen Niederlassung arg zu. Die Ucberlebenden aber hielten sich zähe aufrecht. Hier spielten sich 1862 auch die Kämpfe mit den eingeborenen Sioux-Jndianern ab, die aber eingedenk der ihnen seitens der Engländer stets bewiesenen Handelstreue allen englischen Befitz sorgfältig schonten, ja nach dem Frieden von der Regierung direkt um das Fort herum angesiedelt wurden und seitdem zu den Fortschrittlichsten ihrer Rasse zählen. Erst 1874 ist Winnipeg groß genug geworden um als Stadt inkorporirt werden zu können. Mit 3000 Einwohnern. die in 900 Häusern lebten und bereits damals 310 größere Geschäfte betrieben. Trotz vieler Schwierigkeiten Hai sich die Bevölkerung in den nächsten drei Jahren mehr als verdoppelt. Drei stille Jahre folgten, bis 1881 mit der erfolgten Entscheidung, daß Winnipeg einen Knotenpunkt der zu bauenden erste transkontincntalen Bahn in Canada bilden werde, der berühmte und berüchtigte Boom ausbrach, und den Verlauf nahm, wie viele andere dieser Art, bei denen, in den wildesten Grundspekulationen zunächst die Millioncn zauberhaft aus der Erde wachsen, freilich um noch schneller zu der
schwinden. Einem kurzen Wahne folg eine schleppende Reue. 1882 hatte man 23.000 Einwohner gezählt, die 1886 auf 16.000 reduzirt waren. Grundcigenthum, das auf Z45.000.000 bcwerthet wurde, ging rasch auf $20, 000,000 herunter. Und es wäre vielleicht ein Ende mit Schrecken über Winnipeg hereingebrochen, wenn nicht die Leiter der Canadian Pacific Eisenbahn erkannt hätten, wie groß die ganz legitime Handels- und Verkehrszukunft werden müßte, die die natür liche Lage der Stadt sicherstellte. Diese Bedeutung für ein fast unabsehbares Gebiet war so groß, daß schon wenige Jahre später die Northern Pacific Eisenbahn sich veranlaßt sah,, von den Vcr. Staaten herüber der Canadian Pacific Bahn das Monopol streitig zu machen. Aus diesem Streite der Schienenmächte ist das Winnipeg von heute als der bekannte Dritte erwachsen. Von da ab kann man seine Geschichte rasch und zuverlässig in Ziffern skizziren. 1893 wurde das Clearinghouse eröffnet. Sein Umsatz stieg von Jahr zu Jahr in Riesensprüngcn. Von 35 auf 55, 64, 84, 90, 107, 126. 134, 188, 246, 295. 369 und Heuer wohl über 400 Millionen Dollars. Die Bevölkerung hat ebenfalls in diefem Jahre die Hundcrttausendgrcnze überstiegen. Zwei weitere Bahnsysteme, die Canadian Northern, sowie die im Bau begriffene Grand Trunk Pacific, sichern der Stadt wohl auf viele Jahre, hinaus das Tempo ihrer jüngsten Fortschritte. 13 Banken, 60 Kirchen, 18 Schulen, die Universität von Manitoba und sechs schöne Parkanlagen hat man mir mit berechtigtem Stolze gezeigt. Es soll mich durchaus nicht wundern, wenn sie sich in der Zwischenzeit, trotzdem sie sich nur auf Wochen beläuft, weiter vermehrt hättcn. Dennn in Winnipeg zählt Stillstand zu den Dingen, die weder die Gescheidtesten noch die Dümmsten begreifen können. Noch dehnt sich die Prairie endlos vor den Thoren und wer ein echter Winnipeger ist, träumt wobl im Stillen davon, daß sich auf Meilen zumindest die Gevierte dieser Stadt in jenes Gebiet hinauöerstrecken müßten, dem sie so üppig fast wie der Weizen erwachsen ist, der sie zur Kornkammer des ganzen großen Nordwestens gemacht hat. Winnipeg ist eine Männerstadt. Kaum auf jeden Dritten fällt ein weibliches Wesen. Das merkt man auch rein äußerlich, wenn man durch' die Straßen wandert. Besonders nach Feierabend,. Dann bilden sie vielfach eine so kompakte Majorität, daß man des anderen Geschlechts fast vergessen ?j?ün:mt der Kulissen einer auermodernstm Gegenwart, im Schatten der trotzigsten Gegenwart, im Schatten der trotzigsten Wolkenkratzer stößt man Schritt für Schritt auf Szenen, die sich ganz mit unseren Vorstellungen einer sehr entfernten Vergangenheit decken. Der Wunderdoktor, und der WunderVerkäufer im Allgemeinen locken ihr sicheres Publikum herbei. Nicht aber wie bei uns unter irgend einer neuartig zurechtgeschminkten Maske. Nein, mit der ganzen selbstbewußten Naivität. die man sonst nur noch in älteren Büchern nachlesen kann. Breitspurig, mit allen Charlanterien umgeben. Mit einer Beredtsamkeit. die nichts von ihrer grotesken Eigenart verloren hat. Von einer blumenreichen Frechheit, hinter der zehnmal mehr Humor steckt, als ihn unsere verfeinerten Humoristen zu erfinden verstehen. Hier ist alles in breiten, lauten Farben gehalten und überstrahlt von hochaufflackernden Gasfackeln, die mehr können, als nur üblen Geruch verbreiten. Alle diese Wunder treten in die schreiendste Konkurrenz zu einander. Denn schließlich entscheidet ja zum großen Theil die Stimmkraft darüber, welchem man sich ergibt. Die Great Attraktion" ist und bleibt der Wunderdoktor. Er verkaust eine Tinktur. Daß sie ein Allheilmittel ist. wäre ebensowenig neu wie der lächerlich billige Preis von nur eineni Dollar pro Flasche, wobei man überdies ein halbes Dutzend Schachteln mit verschiedenen anderen Wundermitteln bis zur Brillant schuhwichse herunter als Geschenk, erhält. Aber der Werde ang seiner Beredsamkeit ist es, der den Mann zu einer außergewöhnlichen Figur macht. Seine Klinik trägt dem Zeitgeist Rechnung. Durch einen tadellosen Salonrock und zwei Negerkomiker. die jeweilig mit ihren Stimmen einsallen, wenn die seine umzukippen droht. Sie sind Meister vom Fach und ihre Bänkel sowohl als ihre Witze beste Marke. Das Publikum dieser Wunderlieferanten setzt sich übrigens zum größten Theile aus jenen Elementen zusammen, für welche Winnipeg nur eine Durchgangsstation ist. Hier nämlich befindet sich die Zentralstelle, von der aus die Einwanderer über den ganzen Nordwesten vertheilt werden. Winnipeg ist das Ellis Island von Cana da. Nur mit dem sehr wesentlichen Unterschiede, daß die Neugekommenen hier auch ihre Freilandanweisungen in Empfang zu nehmen, ihre Landkäufe durchzuführen haben, falls sie Mittel genug für solche besitzen. Neben der großen und musterhaft geleiteten Landagentur der Regierung gibt es daher auch Hunderte von Geschäften, von denen jedes einzelne das beste und billig sie Land an 5)and Hat. Die Bodensp:lulation wird strenge genommen fast ?on der ganzen Bevölkerung betrieben! Wer nicht wenigstens einige Lots sein eigen nennt, zählt .überhaupt nicht mit.
eoes Gespracy, Das man in Winnrpez führt, lauft schließlich auf die Erzähjung einer langen Reihe von Fällen hinaus, in denen jene, die rasch zuzugreifen verstanden, mit den geringsten Mitteln die größten Vermögen durch Bodenspekulation erworben haben. An der Hand jener Ziffernkolonnen, die die Leute von Winnipeg so sicher handhaben, wie ein gewöhnlicher Sterblicher das Einmaleins, muß man sich überzeugen lassen, daß das unvermeidliche Wachsthum der Stadt, der Provinz, des ganzen Landes eine absolut einwandfreie Garantie für den ßrfofa bedeutet. Neben der Grundvermittlung spielt die Arbeitsvermittlung die größte Rolle. Hier wird mit weit sicheren Faktoren operirt. Bei hohen Löhnen ist besonders während der Sommermonate Arbeitskrast der gefragteste Marktartikel. Kommt dann die Erntezeit heran, so beginnt eine förmliche Jagd nach Menschenhänden, die von den Bahnen aus den entferntesten Gebieten herbeigeführt werden. Bis über den Ozean hinüber reicht die Kette, die Tag für Tag Tausende nach Winnipeg bringt, um sie an das Hinterland abzugeben. Um diese Zeit kann man bis zu 2000 Menschen allnächtlich im Schutze der Einwanderungsbehörde sich zur Ruhe begeben sehen. Einer Behörde, die mit patriarchalischer Fürsorge für diese Pflegebefohlenen die neuesten Fortschritte in der Organisation deZ verantwortungsvollen Dienstes verbindet, den Einzelnen auf den rechten Fleck zu stellen, der ihm nach seiner Eigenart gewisse Lebensmöglichkeiten wenigstens verbürgt. Daß auf diese Weise der Kleinhandel, der den aus fremden Landen Kommenden mit allen lokalen Bedürfnissen zu versorgen hat, florirt, braucht wohl nicht betont zu werden. Primitive Krambuden halten mit stattlichen Kaufhäusern eine Nachbarschaft, die man erst dann 'begreifen lernt, wenn man erkennt, daß für die Bedürfnisse der scheuen und vor jeder größeren Verkaufsorganisation instinktrv erschreckenden Fremden genau so ge sorgt werden muß, wie für jene anderen. die in überraschend kurzer Zeit aufgehört haben. Fremde zu sein. Ueberdies ist Winnipeg unbestritten das Vertheilungszentrum aller mit der Landwirthschaft im weitesten Sinne zusammenhängenden Jndustrieen geworden. An Stelle der bescheidenen Agenturen, die noch vor einem Jahrzehnte diese Geschäfte abgewickelt haben, sind Filialen mit imposanten Waarenlagern getreten. Für diese mußte Raum geschaffen werden. Und da es nur natürlich ist, daß man sich in dieser neuesten Stadt der neuesten Methoden bedient, hat man von New York und Chicago frischweg alles entlehnt, was das Waarenhaus mit seiner großzügigen Ausgestaltung zu bieten vermag. Robuster freilich in der Gestaltung der Räume sowohl als im Inhalte, der sie füllt. Lauter in den Farben und stets -darauf bedacht, daß hier das Heute in der Mode ruhig das Vorgestern der östlichen Märkte bilden kann. Ueber Allem aber schwebt eine Rührigkeit, die mit dem ausdauerndsten Fleiße verbunden ist. Die Möglichkeit eines Fehlschlages wird gar nicht in Rechnung gezogen. Denn die Winnipeger wissen, daß der Menschenström, der westwärts geht, mit unvermeidlicher Sicherheit einen anderen im 'Gefolge hat, der in unendlich langen Wagenreihen ostwärts wandert. Diesem Zuge des qoldenen Weizens verdankt die Stadt ihre große Bedeutung. Er vermehrt sich ganz parallel mit den erwähnten Ziffern des Clearingverkehrs. Und noch immer führen alle seine Wege nach Winnipeg. Das wird wohl auch weiterhin so bleiben. Was an neuen Bahnsystemen im Baue begriffen ist oder auf dem Papier steht, führt durch die Stadt in der Prairie. Tausende von Meilen neuer Schienenstränge, die bis zum äußersten Nordwestcn das Land erschließen sollen, bedeuten Tausende von Saugadern, die neue Erfolge nach Winnipeg bringen. Eine Kana-lisations-System des Goldabflusses, wie es wirklich ganz vereinzelt dasteht. Es ist leicht möglich, daß der neue Boom der Grundspekulation in der Stadt selbst wieder über die zulässigen Grenzen hinausgeht. Allein sein möglicher Zusammenbruch wird dann nicht mehr bedeuten als eine . Episode, die mit dem Tage in Vergessenheit cräth. Denn die Stadt in der Prairie ist den Kinderschuhen der spekulativen Experimente längst entwachsen. Sie ist ihrer natürlichen Bestimmung mit Sicherheit, kaufmännischer Gründlichkeit und der Erfahrung zugeführt worden, wie sie sich aus einem Jahrzehnte lükkenloscr Erfolge ergibt. Sie ist zum unvermeidlichen Mittelpunkte eines Gebietes erwachsen, das groß genug ist, um einmal bei völliger Entwicklung nicht nur die Physiognomie des eigenen Landes, sondern bis zu einem gewissen Grade jene des ganzen Kontinentes wesentlich zu verändern. Um das zu begreifen, bedarf es durchaus nicht des stolzen Lokalpatriotismus der Leute von Winnipeg selbst. Wer mit einigem Verständnisse auch nur wenige Tage in deren Mitte geweilt hat, muß erkcnnen, daß die Hoffnungen, die sie auf die Zukunft setzen, vielleicht in den Dimensionen so groß gehalten sind, wie die weiten Perspektiven der Prairie, an deren Anblick sie auch heute noch gewöhnt sind, im Wesm aber durchaus zu Recht bestehen. Dr.M.Baumfeld.
Ässerlei Megen.
Primitive und moderne Arten der Pflege der Säuglinge. Wic?tlkissen, Ncsormbcltcn nd Kordwägel, chen-Unvernnnftige, gefährliche Gepsls genheit-BabkeS als Neiter-TaS Gefühls, leben der Naturvölker. Immer meh? hat sich in der neueren Zeit die Erkenntniß Bahn gebrochen, daß die Kinderwiege und das Wickelklssen der Entwicklung unserer Neuge boreneit hinderlich sind. Reformbetten 1. Schnürt, illlen unserer Urgroßeltern. 2. Wickelkind im römischen Alterthum. 3. Eüdsranzösische Wiege. und elegante Korbwägelchen nehmen W Stelle, der Wiege ein, und den Gliedmaßen der kleinen Menschen gibt man freien Bewegungsraum. Welche Martern unsere Vorfahren zu erdulden hatten, als sie in den Windeln lagen, zeigt von den hier beigefügten Bildern Figur 1. Mütter und Ammen pflegten die umschnürten lebenden Bündel mit sich in's Bett zu nehmen, und die Folge war, daß alljährlich Hunderte von Säuglingen im Schlafe von Erwachsenen erdrückt wurden. In manchen Gegenden Europas sind noch heute wahrhaft barbarische Wicklungen gebräuchlich, so im südlichen Frankreich (Figur 3), wo die kleinen Weltbürger während der ersten zwölf Monate ihres Daseins in ihren MumienUmschnürungen unbeweglich daliegen. Zwischen diesen bedauernswerthen Wesen und den Wickelkindern des römischen Alterthums (Figur 2) besteht kaum ein Unterschied. In Australien dienen als Wiegen ein Stück Baumrinde, ein Sack aus Känguruhfell, Opossumdecken oder ein Binsengeflecht. Körbe und Säcke gebrau4. Tschinukwiege. 5. Trauerwicge. 6. Lappische Wiege. 7. Wiege von Timur. chen die arabischen Beduinen, die Kalmucken, die Kurtmen, die das so ge l l-rgene Kind vor sich auf's Pferd legen, und die Jakuten in Sibirien, welche es un der Seite ihres Rennthieres befestigen. Ebendort hangt die mit Rennthiersell gefütterte schuhähnliche Wiege der Tungusen und Lamut. Die Ostjaken haben eine kleine längliche, am Rande ausgerollte und verzierte Wiege aus Birlcnrinde. die sich die Mutter vorn um den Hals hängt, und eine größere Wiege, in der das Kind mehr aufrecht schen kann, und die auf dem Rücken getragen wird. Die Wiege ddr Kafscr.'-. ist aus Antilopenhaut verfer tigt. deren Haarseite nach innen liegt. Sie ist fast 2 Fuß lang und kann oben zusammengezogen werden, während sie nach unten schmaler wird und dadurch ein Herausfallen des Kindes verhindert. Auf der Insel Timur (Figur 7) im Indischen Ozeane ist die Wiege in Korb aus geflochtenen Rotanaltreifen.
7vl Y&Q& r2? SI f r-S&fl3 .b ks$j"Srri : i4rCii-- ?97 S&s f WOsZl ' mwimi Vvjr y&iki21J.UJ ifx f8s&$$ ttWV frJftSxffi r's&iiVr k p'Pf , .,tkqt X Jj&ZfpTJ" H"jlLjK4AM &i MMyzyz mfj!C&3Xi ;0Wm 3 WWW T$L ÄwOrV vJ&ZJJrlßtivfa'fn .-f'n jwi'''4hJ. Zfr fjrr.r-. U 'iWii WZ.z. "."-r i'4ltoi&. MMMWÄM pSCiH lS3mmVmWy I
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der, theils um das Kind während der Nacht zu erwärmen, theils um die Moskitos fernzuhalten, über einem stark rauchenden Feuer aufgehängt wird. Außerordentlich mannigfaltig ift Form. Konstruktion und Material sind die Kinderwicaen der nordamerikanischen Indianer. Die Comanche biegen einen 30 Zoll langen und 20 Zoll drei, ten Streifen Bärenfell zusammen und schnüren ihn in der unteren Hälfte mit kreuzweise laufenden Bändern zu. Bei den Tschinuks (Figur 4) ist die Wiege ein einfaches Brett, das in der Mitte etwas ausgehöhlt ist. um den Körper des festgeschnallten Kindes besser halten zu können. Am Kopfende ist ein mit Moos gestopftes hartes Kissen befestigt, welches auf den Vordersch'ädel des Kindes drückt, um diesen abzuplatten. Diese kosmetischen Bemühungen dauern einen Monat bis zu einem Jahre, je nachdem man den Grad der Abplattung wünscht. Ein beredtes Zeugniß für das Gefühlsleben der Naturvölker bildet die Trauerwiege (Figur 5). Es ist hier die durch den Tod. gerissene Lücke von der trauernden Mutter durch einen Ersatz ausgefüllt, der wehmüthige Erinnerungen weckt. Mit schwarzen Federn gefüllt, wird die Wiege, wie zu Lebzeiten des Kindes, von der Mutter geschaukelt, als schauten Babys Augen noch hell und fragend und lächelnd aus den Decken heraus. Einen spaßigen Eindruck macht die lappische Wiege (Figur 6), ein vorn in der Längsnaht zusammengeschnürter Fellsack, der auf einer ovalen Platte aus Baumrinde befestigt und, abgesehen von einem kleinen Ausschnitt für das Gesicht des Kindes, überell geschlössen ist. So über den Ast eines Baumes gehängt, wird die Wiege von dem weichen Druck vorüberrauschender Winde geschaukelt. Nicht weniger primitiv war die alte schwedische Wiege (Figur 8). Sie be-
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8. Alte schwedische Wiege. Kaschgar. 9. Wiege auZ stand aus einem einfachen Stück Schaffell, das mit starken Riemen und einer Spirale über einen Sparren oder Balken im Hause gehängt wurde. Sonst bestand oder besteht noch die Kufenwiege. Bei der -Kufenwiege in Kaschgar in Turkistan (Figur 9) sind die beiden Schmalseiten durch eine Längsstange verbunden, an der das Spielzeug hängt und vermittelst derer man die Wiege leicht aufheben und transportiren kann. Den Boden deckt eine Schafwollmatratze, große Kissen stützen Kopf und Füße, durch zwei über Brust und Knie gehende breite Gurte ist das, Kind festgebunden. Mschasterrucchstl. I. W. Middle zum Nachfolger . do L. ' Meyer In et. PterSbrg serfehe. John W. Riddle, der zum Nachfolger des Botschafters George von L. Meyer in St. Petersburg ausersehen ist, sind die Verhältnisse im Zarenreiche nicht unbekannt. Er war von 1901 bis 1903 Sekretär der amerikanischen Botschaft in St. Petersburg und ist der russischen Sprache vollkommen mächtig. Der Wechsel in der Botschaft in der russischen Hauptstadt vollzieht sich am 4. März 1907. an welchem Tage Meyer seinneues Amt als Ver. Staaten-General-Postmeister antritt Riddle hat John W. Riddle. eine langiahnge diplomatisch?. Laufbahn hinter sich. Geboren 1864 zu Philadelphia, graduirte er an der Harvard-Universitat, sowie an der Columbia-Rechtsschule und erwählte Diplomatie und Internationales Recht zu seinem Spezialstudium. Er setzte seme Studien m Paris am Col lege von Frankreich fort, das ihm ein Certifikat für ausgezeichnete Leistungen in der russischen Sprache verlieh. crt 'tVf . . , i trr r rs fr tär der Gesandtschaft in der Türkei wurde 1903 Generalkonsul in Kan' nvviv wüt vvti v in V4lb r und 1905 Gesandter für Rumar :
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und Serbien.
