Indiana Tribüne, Volume 30, Number 108, Indianapolis, Marion County, 28 December 1906 — Page 5
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ie Kinder kicherten heimlich in der Schulstunde und stießen sich gegenseitig an. Eines der Mädchen aß ihr Butterbrot Frida Behrens schnitt Papierpuppen mit ihrer Stickscheere aus, und selbst das brave Käthchen, die Erste der Klasse, blickte anstatt in ihr Lesebuch durch's Fenster in den blauen Himmel hinein. War es doch die letzte Stunde vor den Pfinzsiferien. Das Fräulein schien blind zu sein. Sie sah und hörte gar nichts. Sie sprach nur leise, wenn sie etwas zu erinnern hatte, gerade so, als hätte sie etwas Drückendes in der Kehle. Die sonst so hellen Augen schauten trübe darem, und Grete Meier mußte :hr Gedicht dreimal wiederholen, obwohl sie es sehr gut gelernt hatte. Als die Schulglocke um zwölf Uhr läutete, zuckte das Fräulein ordentlich verstört zusammen. Auch hatte die sonst so Gestrenge heute gar nichts an der Wildheit ihrer Zöglinge auszusehen, Vit mit Hallo und Gekicher ihre Platze verließen, um den Heimweg anzutreten. Die Abschiedsknickse fielen lehr flüchtig aus und wurden kaum durch ein Kopfnicken des Fräuleins erwidert. Und nun war es still in dem großen Raum, in dem nur lautlos winzige, flirrende Sonnenstäubchen durch den breiten Lichtstreifen, der durch's Fenfter fiel, tanzten. Das ist der Frühling," dachte das einsame Mädchen, das regungslos vor dem kleinen Lehrertisch unter der schwarzen Klassentafel stand. Der Frühling, dem der Sommer folgt, der goldene, blühende Sommer." Aber inmitten der Blüthen kommt jetzt doch erst Pfingsten, ihr Lieblingsfest, zu dem sie sonst Herz und Haus besonders andächtig und froh geschmückt. Das Herz mit jungem Glück, das Haus mit lichtgrünen Birkenreifern, die ihr alljährlich starke, treue Freundeshand weit draußen am Feldrain vom Baum gepflückt. Pfingsten sonst Tage des LichteS und der Erkenntniß aller Frühlingswunder wie dunkel würde es wohl diesmal für sie werden! Mathilde stand regungslos. Das Haupt tief gesenkt. Ueber das braune Haar, das' weiße schmale Gesicht irrten die goldenen Funken, und. ließen dunkel und blau die Adern unter der feinen Haut hervorleuchten. Es war kein ganz junge? Gesicht mehr, mit dem die Frühlingssonne spielte. Feine Linien zogen sich um Mund und Augen, und wie die Lehrerin jetzt die Lippen aufeinanderpreßte in trübem Sinnen, hätte man ihr Alter wohl noch höher als auf dreißig Jahre geschätzt. Das Getrappel der vielen kleinen Füße, die dem Ausgang zustrebten. war allmälig verstummt. Ueber den langen Korridor kamen schwere, bedächtiqe Schritte. Vor dem Klassen zimmer, in dem Mathilde stand, machten sie halt. Ein Kopf steckte sich durch die halbgeöffnete Thür, der blond und groß war. Sind . Sie noch da, Fräulein Jahns? Wahrhaftig! Wo bleiben Sie denn heute? Was machen Sie denn da noch? 's ist schon fünfzehn Minuten über Mittag. Sie war ganz erschrocken bei diesen Worten zusammengefahren. Dann griff sie hastig nach dem Stoß Schreibhefte, die vor ihr lagen, und trat ihrem Kollegen, dem Hauptlehrer Lindemann, entgegen. Sie lächelte. Warum warten Sie QUch auf mich? Das ist doch gar nicht nöthig!" Nee," meinte er lakonisch, nöthig war's' nicht. Ich wollt's aber. Na was sagen Sie im? Er lachte über das. ganze breite, gutmüthige Gesicht. Vorhin in der Pause haben wir ja wegen der Bälge kein vernünftiges Wort sprechen können. Bin ich nicht ein Glückspilz?" Sie nickte und gab ihm langsam die Hand.- Ja, Gott geb', daß Sie's auch bleiben, Herr Lmdemann! Sie ließ seine Finger, die die ihren festhalten wollten, hastig wieder los und holte sich Hut und Jäckchen aus dem Garderobezimmer. Er ging langsam, die Hände auf dem Rücken, über den großen Schulhof. um auf sie zu warten. Als sie wieder neben ihm war, um mit ihm, wie alltäglich fast seit vier Jahren, den, gleichen Heimweg am Thoraraben entlang, dein Scrutzen viertel zu, anzutreten, sah sie ihn nicht an. Sie hielt die Hände um den großen Stoß Schreibhefte gelegt und mußte mit einer Art Kummer denken. daß es heute das erste Mal war. daß er vergaß, ihr d Hefte abzunehmen. Er redete immerzu lebhaft auf sie ein. Das ist nämlich wirklich ein Barenglück. Fraulein Jahns. Das sagt jeder! Siebenunddreißig Bewerber um x8 Rektoramt von Rahlen. Haben 'ie's gehört? Siebenunddreißig! Und ich Plebeier, ich ganz gewöhn
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Schulmensch ohne jegliche Ta
V o Erzülrlnng von Elsc strafft -O fr V lente und Errungenschaften bin der Auserwählte. In die 2uft könnt' ich springen so boch! Sehn Sie mal. Fräu'.ein Thilde!" Er versuchte, einen kleinen Hopser zu machen, der aber seiner Körperfülle wegen völlig mißlang. Sie lackte. 'Schadet nischt lachen Sie nur'. Ich lern's schon noch. Da draußen in meiner lieben Heimath, im Thürinqer Wald?, lernt sich alles alles! Da sieben die Berge vor dem Schulhaus, auf denen man sich alles überflüssige ftett abkrareln kann. Da sind Wiefen. saa' ich Ihnen, Wiesen an den V:rgabhängen entlang so 'ne Wiese t .11 itm(.if i3 lUl, UUCtyUUf 4 llil U.litl(-tlt VVil hundert Meilen nicht. Ein lichtgrüner Teppich von Thal zu Thal. Das ist 'ne Pracht, sag' ich Ihnen, bald wie im Märchen!" Sie bob den Kopf. Daß Sie sich so freien können! Eigentlich ist dies Rahlen doch blos ein Dörfchen gegen unsere Stadt hier, und der gesellige Verkehr wno dort nur ein sehr beschränkte? sein für Sie da gibt's gewiß nicht so viel Vereine und Gesellschaften wie hier, denen Sie nahe treten können, oder Kollegen und " Sie stockte und wurde seuerroth. Beinahe hätte sie Kolleginnen" gesagt. Er sah sie aanz enttauscht an. Ach. reden Sie doch nicht! Ist das edel von Ihnen, so zwischen meine Freude zu fahren? Was will ich denn Geselligkeit, was scheren mich Kollegen da drunten in meinem Thal! Eine Schule hab' ich, eine Schule, die ich zu kommandiren bab . Und die Kinde? dort sind Naturkinder, und ihre Herzen sind wie em unbebautes Ackerfeld für mich. auf das ich säen kann, auf dem ich ernten werde. Und ich hab' eine Stellung dort in den Bergen wie ein kleiner Fürst, und hab' ein Häusel für . ri , rnicn auem. uno ein aricyen, mo ein Stuck Land, und ci und noch eine aaine Masse wunderbarer Dinge, wovon Ihr Menschen hier überhaupt keine Ahnuna habt. Und noch eins! Drüben, über den Jnselberg weg, da liegt ein Forsthaus, darin ich als kleiner Bub meine Pfeile geschnitzt habe, und Vater und Mutter mich das Beten gelehrt haben. Und nicht weit davon liegt auch das Grab, worin sie beide nun schon so lange schlafen, schon so furchtbar lange! Wie mag der Wind darüber hingeweyt haben, Jahre. Jahr zehnte, und nicht ein einziges Mal hab' ich dazwischen fahren können und sagen: Halt, hier darf nichts zerstört werden, hier sollen Blumen blühen und Epheu wachsen, und ich will dafür sor gen, daß es immer wie Frühling aussieht, ubcr den Grabern, wie wie Tlurerstehuna! Er schwieg, und fern Gesicyt war dunkelroth geworden. Als er endlich aufblickte, verwundert. daß Mathilde Jahns. sein guter Kamerad, so gar nichts auf seine Worte zu .erwidern hatte, sah er, daß sie weinte. Das machte ihn ganz verwirrt. Fräulein Mathilde und Thränen! Das vernunftigste, gescheiteste Madel ivr aanz.en Stadt in Thränen das war ihm etwas Neues. Na. na." sagte er unbeholfen, was hab' ich denn da anaerichtet? Sind Sie gerührt? Oder was ist denn blos los?Sie versuchte zu lachen und trocknete sich hastig die Augen. Ich schäme mich." meinte sie halblaut. Ich wollte Ihnen Ihre Freude ja auch gar nicht schmälern. Ich kenne das Landleben nicht so genau, und den Wald und die Wiesen, die wie Tepplche ausschauen Ich bin ja immer nur hier m der gro ßen Stadt gewesen, hier unter den Schornsteinen, den hohen Häusern und in der Schulstube und rn dem Hause meiner Stiefmutter, wo nach VaterS Tode die vier kleinen Geschwister mich wie eine Fremde ansehen, wie eme ge duldete Respektsperson der Familie. Ja und darum wußt ich doch auch nicht, daß dieses Amt so vielen Reiz für Sie hat. dieser weltfremde Ort in den Bergen." Sie unterbrach sich und sah ihn tapfer lächelnd an. Nun gratulire ich Ihnen noch einmal, aber desto wärmer, Herr Lindemann." Er nickte gedankenvoü. Ja. und was ich noch sagen wollte, Fräulein Thilde. Sie haben doch die bunten Kletterbohnen und die frühen, dicken Schoten voriges Jahr so Prachtvoll in Ihrem Garten stehen gehabt. Kann ich da nicht ein paar zum Einstecken kriegen? Haben Sie noch welche? Und dann' herrje, ja, eine Haushälterin soll ich mir von hier mitbringen, schreibt mir der Amtsrichter von dort, den ich übrigens gut kenne. Da waren solche Art Leute knapp, und ich brauchte unbedingt jemand, der mir mein Häusel rein hält und mir das Mittagessen lifil Sind ja blos noch ein paar Tage!"Sie nickte. Ja und unsere Pfingstpartie müssen wir nun ohne .Sie machen. Thut Ihnen das nicht leid? Wissen Sie noch, wie eö geregnet
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hat im vorigen Jahr? Und wie u Ihren Schirm im Gasthaus stehen lie ben und naß und imr.e: na;cr ucv. den aufgeweichten Jeldweg zum Bahnhof liefen?" Er lachte. Na nu nee soll ich das nicht mehr wissen! Mein neuer Hut war hin. Und Sie hatten ja so 'n spinnendünnes rothes Kleid, an " Em blaues, verccsserie sie. Na denn ein blaues meinetwegen. Und in der Tasche den Pfingstkuchen, der wegzuschwimmen drohte!" Nun lachten beide, um im nächsten Augenblick schon wieder ernst zu werden. Es ist ttlso nun das letzte Pfingstfest jefcf," meinte er. sich nachdenklich den Bart streichend. Sagen Sie übrigens: wissen Sie vielleicht zufälh jemand für mich als Haushalterin?" Sie blickte ihn verwirrt an und chüttelie mechanisch d:n Kopf. Sie hatte seine Versetzung im glücklichen Zurückerinnern halb vergessen. Da kratzte c? sich hinterm Ohr. Ich hab' schon an die alte Teuberten gedackit, die hier die Schule rein macht. Aber das Frauenzimmer hinkt, und so oas kann ich aus die Dauer mcht anehen. Oder die Frau Ruger., die Wittwe von dem Maschinenschlosser die suchte neulich eine Stelle im Blatt. Was meinen Sie. Fräulein Thilde?" Sie zuckte die Achseln. Das ist ange her mit der Anzeige. Aber versuchen Sie es doch einmal. Ich glaube, unsere Schneiderin .hat eine ältere Schwester, die auch eme derartige Stelle sucht. Das soll eine sehr uchtige Person sem." Er blickte erfreut auf. Das wär' ja gleich was! Wollen Sie mal anfragen? Wo wohnt sie denn?" Mathilde blieb siehev. da sie an diescr Straßenecke allein weitergehen mußte. An der Post vorbei, ganz draußen bei der Neumark'schen Fabrik," antwortete sie. Er hielt ihre Hand fest. Herr;e wie blaß sind Sie czeworden! Fehlt'! irgendwo? Eigentlich schade, Fräulein Thilde. daß wir nun bald diesen Weg nicht mehr zusammen gehen können. Waren oft famose Stunden was? Und die Nachmittage drüben am Schutzengraben entlang, und unsere tiefsinnigen Gespräche über Literatur und Volksbeglückung! Ja und der Schulball im Winter, unsere mißglückten Walzer wissen Sie noch?" Sie Nickte, konnte aber kein Wort hervorbringen. Er lachte behaglich. Vielleicht int gen Sie nun einen geschickteren Partner in meinem Nachfolger, Fraulem Thilde. Einen, der schwärmen kann, tanzen und wie ein Buch . reden einen Jüngeren!" Sie lächelte. Als ob Sie alt wareni" .Na, na! Nichts weismachen! Wenn man seine Vierzig auf dem Buckel hat. wird's Zeit zum Rektor!" Er nahm ihre zum Abschied ausgestreckte Hand und schüttelte sie. J&btz gute Freunde bleiben wir doch auch in der Ferne .noch was? Sie schreiben. ich antworte. , Er reckte sich empor und sah ver gnuat in die blitzende Sonne hinem. Wissen Sie was? Wir wollen heute Nachmittag noch einmal zusammen wandern. Ja? Wir suchen die be wußte" Schneiderin auf, und ich miethe mir meine Haushälterin. Da draußen an der Fabrik gibt's ja Fliederbüsche und ein Stück Feld. Da spürt man den Frühling. Also wie. ist's? Um vier Uhr hier an der Straßenecke ja? - Sie zögerte ein Welchen. Dann nickte sie rasch, schob mit einem Ruck den Stoß Schreibhefte in ihrem Arm zurecht und lief fort. Sie schluckte immerzu, gerade so. als ob da noch Thränen wären. In ihrem Herzen war eme Leere, eine so große, große Leere. Künftig war sie wieder allein, dann ging sie einsam ihre Straße, und der blondbärtige Kopf tauchte nirgends, nirgends mehr vor ihr auf nicht in der Schule mit dem lachenden Guten Morgen!" auf den Lippen, nicht mehr in den Straßen mit dem vertraulichen Augenzwinkern, das ihr fagen sollte: gelt, wir zwei, wir verstehen uns! und nicht mehr an den Festabenden damit sie beide lachend Hand in Hand die größten Dummheiten beim Tanze anrichteten. Fort aus vorbei! Mathilde richtete den Kopf hoch und wollte mit gewohntem Lächeln das Haus der Stiefmutter betreten. Es gelang ihr aber schlecht. Was scheren mich die Kollegen? horte sie wieder und wieder sagen. Ihr Lächeln schwand. Irgend etwas that ihr bitter 'weh :m Herzen. " Am Nachmittage, als es von der alten Domkirche vier Uhr geschlagen. stand Heinrich Lindemann an der Straßenecke und wartete. Er wurde unruhig, und ihm begann m de Sonne, die schon sommerlich warm au den Steinen lag, heiß zu werden. Ob sie nicht kommen würde? Sie hatke doch mcht abgesagt. ' Oder ob si wieder Bedenken hatte wegen des ge meinsamcn Spazierganges durch die Stadt, wieder Angst vor dem Gerede der Ireben Leute, die ihre treue Freund schaft anfechten wollten? Aber sie war dock em so ' vernunftiaes ??rauenm mer, seine famose Kollegin! Sie hatte eS ihm doch selber lachend und mi spottischem Achselzucken versichert, daß sie auf den Klatsch der' Mitmenschen
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gar- nichts gab?, und über Lob und Tadel erhaben sei! Unruhig gmg er auf und ab. Er begann sich zu ärgern. Er hatte sich wirklich auf diesen vielleicht letzten gemcinsamen Spaziergang gefreut. Und dann die Haushälterin! Er allem fand die Person sicher gar nicht in der winengen Gasse, und es wäre doch sehr unliebsam, wenn er ohne " Guten Tag!" sagte da eine Stimme neben ihm. Er fuhr herum. Also doch, noch! Warum denn heute so unpünktlich?" konnte er Tick mckt enthalten, car chulmeisterlich zu tadeln. Sie sah heiß und roth aus. Formich jung," dachte der Hauptlehrer untvillkürlich. Die Kinder hatten noch zu arbeien." Ach was!" brummte er. Anstatt in der freien. Zeit zu Hause sich glückich den ganzen Schulkram aus dem Kopf zu schlagen, kommen die Geschwiter daran! Und was für Geschwister! Eines immer anspruchsvoller als das andere." Sie schüttelte den Kopf. Es ist nicht so schlimm! Und dann es sind meines Vaters Kinder!" Da schwieg er. Stumm schritten beide an der Hauptpost vorbei. Aus einer Gruppe von Briefträgern, die des Weges daherkamen, löste sich einer, die Hand an der Mutze, und trat dem Lehrer entgegen. Ich habe etwas für Sie. Herr Lmdemann. Wollen Sie es gleich mitnehmen? 'Natürlich." sagte er. das Schreiben an sich nehmend. Auf den PostItempel blickeno. lächelte er. Von melnem Amtsrichter. Em prachtvoller Mensch, sag' ich Ihnen. Fräulein Jahns. Nicht ganz mnq mehr, aber doch noch in den besten Jahren. Kein vertrockneter Aktenmensch, nein alles Wahrheit, Treue, Rechtlichkeit und Humor. Mathilde sah von seinem froh bewegten Gesicht auf den noch geschlossn nen Brief in seiner Hand. Wollen Sie nicht lesen?" Er schüttelte den Kopf und ließ den Brief in seine Tasche gleiten. Nee jetzt nicht. Da muß ich Ruhehaben. Sie wandte wie verletzt den Kopf von ihm fort und schritt schneller vorwärts. irr merkle oas aoer gar mcyl. ist sah auf ihre Füße und meinte in seiner gewohnten Trockenheit: Was Sie für tf, T: ? , Ts V?. iieme bliese! iragen: ruaen cic nicht? Oder haben Sie wirklich fo einen Kinderfuß. Fräulein Thilde?" Sie mußte lachen. Ich weiß es nicht. Ich habe darüber noch nicht nachgedacht. Nummer siebenunddreißig ist, denk' ich, groß genug." Er), lachte ganz begeistert. Siebenunddreißig! Da, sehen Sie mal meine Klo'tzen an fünfundvierzig!" Er streckte ganz ungernrt einen sei ner mächtigen Füße vor. ' Da sah sie ihn wieder an. Sie sind ein seltsamer Mensch! Wir gehen heute gewiß das letzte Mal zusammen, und Sie reden von, Stiefeln und Fußlängen. Wie kommt das nur?' Sie schritten gerade an dunklen Rasenflächen vorbei, auf denen der Ruß der nahen Fabrikschlote häßlich schwarze Flecke gezeichnet hatte. Ja. wie kommrs. Fraulem Thilde? Wohl, weil ich so ungeheuer vergnügt bin heute. In solchen Fallen redet der Mensch ja immer Unsinn zusammen. Sehen Sie mal die Spatzen dort! Freche Bande! Aber nett was? Scheinen auch vergnügt zu sem, weil sie so schreien. Der Dicke da drüben, der mit dem kleinen Busch auf dem Kopf, hat entschieden mit mir Aehn lichkeit. Finden Sie nicht auch, Thilde? Die emporsteyende Tolle, ole halbge öffneten Aeuglein " Sie sah aber nichts. Thilde" hat er gesagt. Nicht Fraulem, wie sonst, oavorgefttzt. 2yttöer xxts eine Wort war wie ein warmer Strom über sie hinweggeglitten. . . Ja, vergnügt," wieoeryoile er. Wenn ich nun noch diese Person, die Sie mir empfehlen, als Hausunke mitkriege, dann fehlt mir überhaupt aar nichts mehr, dann kann die Reise in's gelobte Land losgehen. Sie Glücklicher!" sagte das Mäd chen darauf nur. Er blickte erstaunt auf nach diesen beiden Worten. Und als er ihre Augen sah. die so dunkel und, warm ihm in's Gesicht schauten, schlich es plötzlich wie eme stille Unbehaglichkeü über sem eben noch so fröhliches Herz. Er konnte sich dieses Gefühl gar , nicht erklaren und schritt stumm weiter. Ein paar Kinder, die an ihnen vor übergingen, grüßten; sie achteten gar mcht daraus. Da schlug ervlötzlich mit seinem Stock aufgeregt 'gegen einen grünen. bestaubten Busch am Wege. Sie hätten auch was anderes als Lehrerin werden sollen! Wahrhaftig! Solch ein Blödsinn! Diese vertrackten Johren ewig im Zaum zu halten, taug nicht für so was Bleichsüchtiges, Schlankes und Mondscheinfeines, wie Sie es sind!" Sie blickte jäh empor. Das höre ich heute zum ersten Male! Sehe ich denn so elend aus, so ' Er nickte, und schüttelte gleich hin terher den Kopf. Elend wer ha denn das 'gesagt!" Er fuchtelte noch immer mit seinem Stock rn der Lus Irum. Zu schade sind Sie für die Schulstuben hier iawohl, viel zu fade. fraulem Matbilde!- .. .
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Haupt zu etwas nütze zu sein. Herr Linoemann. Aber sehen Sie, da drüben in der schmalen Gasse, da wDhnt unsere Schneiderin." Er blieb stehen und besah sich die baufälligen Häuschen von weitem. Jetzt wird mir ganz heiß. Solche Sache .kann ich faktisch nicht in's reine bringen, Fräulein Jahns. Machen Sie's ja? Mit so einem Frauenzimmer geschäftlich zu verhandeln,' ist mir schrecklich. Also wollen Sie mal allein anfragen? Sie wissen ja, was ich will. Hirnen darf sie Nicht und schielen auch nicht. Sonst ist's mir egal, wie sie aussieht! Und na, Sie wissen ja schon!" Sie wußte zwar nichts, nickte aber doch und meinte: Ich werd's rersuchen, wieviel ich davon 'verstehe, Herr Lindemann. Wollen Sie hier waren?" Ja. Ich geh dort drüben am Zaun entlang. Da blüht der Flieder. Sehn Sie mal blauer und weißer!" Sie war schon über den Fahrweg geschritten. Und was von der Lpndwirthschaft muß sie verstehen, von Hühnern. Kohl und Kartoffelpflanzen," rief er ihr noch mit seiner dröhnenden Baßstimme nack. Sie wandte sich nicht mehr um. Sie icf so schnell, als ob sie vor ihm fliehe. Er schlenderte langsam weiter. An dem schwarzen Holzzaun, der ein Stück Gartenanlage der Fabrik einfaßte, blieb er stehen und betrachtete die chwer von Blüthen herniederhängenden Zweige. Ein Duften war um ihn her, betäubend und stark. Von dem Aestlem, das seine Finger keifte, krabbelte ein Pfingstkäferchen auf seine Hand herab. Sag' ich s doch, dachte er erfreut. Das bedeutet Glück!" Er betrachtete das hübsche, rothpunkirte Thierchen ein Weilchen und dachte an seine zukünftige Heimath. Dabei fitl ihm der Brief ein. der noch uneröffnet m seiner Tasche steckte. Er griff danach und öffnete das Schreiben. Es war die gewünschte Schilderung der Schulverhältnisse. Sie waren sachlich und sehr ausführlich beschrieben, um dann zu mehr privaten Mitthciungen überzusehen. Ich hätte Ihnen in der ersten Zeit meiner hiesigen amtlichen Thätigkeit sicherlich nicht also von unseren guten Leuten hier vorgeschwärmt, mein lieber Freund. Aber da ging es mir selber auch noch herzlich schlecht als einsamer Mann auf fremder Erde. Ich hatte in einem Vierteljahr drei Haushälterinnen wissen Sie, was das heißt? Eine jede dreißig Tage lang, oder einund dreißig.- Das war noch schlimmer, wenn's ein Tag mehr war! Bis ich m lauter Verzweiflung und Sehnsucht nach einem mitfühlenden Menschen an meine Jugendliebe schrieb, die irgendwo bei fremden Leuten als Gouvernante fremdes Brot für bezahlte Arbeit essen mußte. Ich hab' sie Himmelhoch gebeten, mich mcht im Stich zu lassen, sondern als , meine vielliebe Frau Amtsrichterin zu mir zu ziehen. Ein halbes Jahr spater war ich geborgen, und bin es noch in meinem gesegneten Hause. Fast möchte ich Ihnen zurufen: machen Sie s-auch so. wenn Sie eine wissen, der Sie gut sind, die stark und treu zugleich ,st. um in so einer Weltabgeschiedenheit wie bei uns Ihr Glück festhalten zu können." Der Mann las plötzlich Nicht weiter. Von dein Vriefblatt in seiner Hand zog es wie klingendes. Feuer m seme Adern herauf. Wenn Sie eine wissen. der Sie gut sind Er stand und starrte auf diese Worte und las sie so lange, bis die einzelnen Buchstaben vor seinem Blick wie tanzende Mücken durcheinander schwirrten. . O jerum. jerum. jerum," dachte er dann, wie kann ein erwachsener, gesunder Mensch so dumm und stockblind sein!" Und es kam wie ein Jauchzen über den sonst so gesetzten Mann. Er hätte wie ein Bube querfeldein laufen mögen und seinen Hut vor lauter Vergnügen in die Luft werfen. Eine, der man gut ist, die stark und treu zugleich ist kam da nicht so eine des Wegs daher, leicht, schlank und fein wie ein Mondschcinchen, viel, viel zu schade für die dumpfen Schulstuben in dieser Fabrikstadt? Er wollte ihr entgegenlaufen und blieb doch an dem Zaun stehen, weil seme Fuße so seltsam i chwer am Bo den hafteten. Sie lächelte, sah , aber recht blaß aus. Ich hab' Glück gehabt." meinte sie. als sie vor ihm stand, befremdet fein erregtes Gesicht musternd. Sie will! Es ist eine saubere, freundliche Person, wie es scheint. Sie wollte schon immer so eine ahnliche Stellung haben, selbststandig. und weit fort von der Stadt. Sie brauchen also blos noch selber festzumachen, dann " Sie stockte, da er immerzu lachend den Kopf schüttelte und die Hände wie abwehrend erhob. Aber was haben Sie denn nur?" stottert: sie verwirrt, als er schließlich ihre Finger festhielt. , Was ich habe? . . . Thilde, was ich habe? Ziehen Sie doch Ihre Hand nicht so ängstlich fort, ich bin. gottlob doch noch 'n bischen starker wie Sie also hübsch stille halten. Ich hab' eine Idee! Eine ganz , wundervolle Idee! Rathen Sie mal. Thilde. was das für ei Idee ist!" ' Sie wurde noch verwirrter vor sei-
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