Indiana Tribüne, Volume 30, Number 105, Indianapolis, Marion County, 24 December 1906 — Page 7

Jnviana Trtdüne,

Dezember

D!!!II!Ii:i!II!!!i:!!!II!II!!IIIiI!I!II!III!I!!Il!III!MIIIIIIII 1 Hnckrl Noman von 1 W A. G. von Suttncr I ?t:l!!I!llIII!!II!!!'!!!I!'l!!I!I?!:II!I!IIII!!II,!II!IIIIll!lV (Fortsetzung.) Haben Sie keine Furchk. ' Seit gestern Abend ist für unsere Thür ein Apparat in Vorbereitung welcher nur den Einzeweihtesten einen Eintritt gestattet; ,my house is my castle' sagt der Engländer unser Redaktionszimmer soll mithin auch eine uneinnehmbare Festung werden. Von diesem Tage an wird der Jnseratentheil ausschließlich von mir besorgt werden, während es dem Mitarbeiter obliegt, für Feuilletons, politische Resumes, interessante Ereignisse, literarische Notizen, Kritiken etc. zu sorgen und diese Arbeiten könnten Sie füglich auch zu Hause vornehmen. Es würde zu weit führen, wollte ich Sie heute schon genau in das Triebwerk dieser Maschirre einweihen aber übersichtlich kann und muß ich Ihnen sogar die Sache vor Augen stellen; dann sollen Sie entscheiden, ob Sie sich der Aufgäbe gewachsen füblen. Hören Sie mich aufmerksam an: Vor allem Feuilletons: Hier sehen Sie in .Ueber Land und Meer' eine Novelle von Hackländer, aus seiner Sammlung .Wachtstubenabenteuer' die im .Freibeuter' unter dem Namen .Kasernenerinnerungen' erscheinen soll. Hierauf handelt es sich darum, die Namen zu verändern, und den Schluß: Im Original .kriegen sie sich' bei uns ,kriegen sie sich nicht!' Sie sehen mithin den bedeutenden Unterschied, die Berechtigung unsere Novelle .Original' zu nennen. Als Verfasser wollen wir den armen Hippopotamus bezeichnen er hat wahrlich die Auszeichnung verdient." Aber, es scheint mir doch " Ich weiß, was Sie sagen wollen: Es scheint Ihnen, nachdem Sie die Arbeit zustande gebracht, auch die Ehre " Durchaus nicht. Ich wollte mir nur die Bemerkung erlauben, daß mir dieses Gebühren nicht ganz wie soll ich nur sagen ganz " Sprechen Sie es beileibe nicht aus, junger Mann! Schlucken Sie's hinuntcr; so; und jetzt hören Sie meine Entgegnung: Es ist dies ganz individuelle Ansichtssache. Sie glauben, dieses Gebahren für ungesetzmäßig halten zu müssen? Gestatten Sie mir, Ihnen zu erwidern, daß Sie sich auf dem Holzwege befinden; wie und inwiefern das will ich Ihnen ein andermal entwickeln. Vorläufig genüge Ihnen die Bemerkung, daß Sie noch jung, 'und in literarischen Dingen unerfahren sind, verlassen Sie sich mithin ganz auf meine Autorität." Da es immerhin möglich war, daß Andreas überflüssige Bedenken fühlte, so erhob er vorläufig keine weitere EinWendung und Herr Sandviper fuhr in seiner Erklärung fort: Was den Rest der im .Freibeuter' zu füllenden Spalten betrifft, so ist ungefähr in derselben Weise zu verfahren, wie beim Feuilleton; hi: und da kann sogar in der .Pointe' das Gegentheil angebracht werden, z. V. statt: ,Jn Berliner miliiärischen Kreisen spricht man von energischen Rüstungen' setzen wir: ,Jn Berliner militärischen Kreisen versichert man, daß der Friede dauernd sei' oder, statt: ,Garibaldi ist soweit hergestellt, um an den politischen Ereignissen wieder lebhaften Antheil zu nehmen,' sagen wir: .Garibaldi soll, authentischen Nachrichten zufolge in den letzten Zügen liegen' u. s. w. Erfassen Sie auch recht die Feinheiten, junger Mann begreifen Sie den doppelten Zweck dieser Aenderungen? In Berlin wird man einmal rüsten und Garibaldi wird einmal in den letzten Zügen liegen und dann ist der Augenblick aekommen. wo der .Freibeuter' fit eus diese Stellen bezteyen rann, um seinen Lesern befriedigt zuzurufen: .Wir waren Diejenigen, welche die kom menden Dinge längst vorausgesehen und nie daraus ein H:hl gemacht haben!' Außerdem ist, wie Sie zugeben werden, der Phantasie während sie durch die vor Augen liegenden Originale eine Anregung findet, gleichzeitig ein weites Feld gelassen. Bo das wäre also im allgemeinen die Uebersicht, die ich Ihnen geben zu müssen glaubte. Wie schon erwähnt, gehört Uebung, Routine, dazu, um die Sache bald mit Leichtigkeit zustande zu bringen. Sind Sie bereit, den Versuch zu machen?" Dürfte ich nun noch" Ich weiß, was Sie sagen wollen: Ob Sie auch hin und wieder Originalarbeiten unterbringen können? ,Wozu in die Ferne schweifen sieh, das Gute liegt so nah!' rufe ich Ihnen als Erwiderung zu." Bitte, diese Frage lag nicht in meiner ' Absicht; ich wollte Sie blos ersuchen, mir die Hcnorarbedingungen mitzutheilen." Hin hm die Honorarbedingungen. Nun, sehen Sie, junger Mann, der .Freibeuter' lst wegen seiner Generösität im weiten Lande bekannt. Ich könnte Ihnen wöchentlich für diese Arbeit, sagen wir, fünf Gulden bewilligen," wieder grunzte der Eingehüllte . auf seinem Sofa, und Herr Sandviper drehte sich in die Richtung: Du sag- . test überzahlt? War es das, Hippopotamus?" , Nein Bier!" war die 'dumpfe Erwiderung. Warten Sie einen Augenblick, jun-

ger Mann ich springe nur über die Straße, um dem armen Kerl ein' Krügel Bier zu holen. Sogleich bin ich wieder da. Ueberlegen Sie sich einstweilen die Sache." Andreas befolgte den Rath und überlegte: fünf Gulden wöchentlich machten zwanzig Gulden im Monat gerade die Summe, die er zum Leben brauchte. Es war dies so übel nicht; er hätte sich jetzt nur noch außerdem eine Kleinigkeit verdienen müssen, um sogar seinen Fond Unvor-hergesehenes-vergrößern zu können. Nochmals kam ihm auf einen Augenblick ein schwaches Bedenken, ob diese Art, Literatur zu betreiben, ganz ehr lich sei, aber der Andere hat ihn doch versichert, daß dies gang und gebe wäre und jedenfalls mußte es Jener besser wissen. Herr Sandviper kam mit dem schäumenden Gebräu zurück: Ganz frisch vom Zapfen. Hippopotamus! Vortrefflich! Ich habe selbst nicht widerstehen können." Der Kranke wurde nun wie ein junges Huhn geätzt; dann näherte sich der Herausgeber des Freibeuter" wieder dem Tische, stopfte die Pfeife und hüllte sich in eine dichte Wolke. Das schmeckt, nach einem guten Schluck! Nun, junger Kollege, haben Sie sich's überlegt?" Ja. Bitte noch um eine Auskunft: Wird das Honorar wöchentlich gezahlt?" Nein; bei uns ist's Redaktionsbrauch, vierteljährlich abzurechnen." Da würde ich " Ich weiß, was Sie sagen wollen: Sie würden rorziehen halbjährig denn es kommt auf diese Welse mehr " Im Gegentheil; ich würde Sie bitten, eine Ausnahme zu machen und monatlich " Hast Du etwas bemerkt, Hippopotamus?" der Verhüllte gab keine Antwort. Gut denn, Herr Bruder; ich glaube mit Ihnen eine Ausnahme machen zu können: Wir wollen die Sache monatlich regeln." So könnte ich also " Ich weiß, was Sie sagen wollen: Sie glauben auf eine Anzahlung rechnen zu können da muß ich jedoch bedauern." Durchaus nicht, durchaus nicht!" beeilte sich Andreas zu berichtigen. Ich könnte also heute beginnen? Das war die Frage, die ich stellen wollte." Gewiß, gewiß; hier die Belege." Herr Sandviper packte die verschiedenen Blätter in ein Bündel zusammen: Ich hoffe, wir werden gute Freunde und Kameraden werden, Herr Herr " j Andreas Geier." beeilte sich der junge Mann zu ergänzen. Herr Geier. Hübscher Name würde Ihnen als ,nom dc guerre' die lateinische Uebersetzung empfehlen: .Vultur' nimmt sich gut aus; au revoir, lieber Kollege. Noch eine Bemerkung. wenn Sie's nicht übel nehmen wollen " Bitte." Ich weiß, was Sie s?gen wollen: Daß es einem relativ Fremden doch nicht recht zukommt " Das wollte ich durchaus nicht sagen ick beabsichtigte im Gegentheil Sie zu versichern, daß Sehen Sie, das ist eb'n' die Bemerkung. die ich mir erlauben möchte: Sie sagen nie das, was. Sie eigentlich zu sagen die Absicht hatten. Ich möchte dies fast eine kleine Charakterschwäche nennen, die Sie mit der Zeit abzulegen bemüht sein sollten; und nun Gott befohlen. Freitag Abend erwart? ich Sie mit der vollendeten Arbeit, denn Sonntag- früh erscheint der ,Freibeuter'." Andreas ergriff sein Packet und schritt der Thüre zu. Halt, vergessen Sie nicht das Losungswort, ohne welches Sie nicht Einlaß in die Festung bekommen würden; es lautet: ,Jm Namen Brahmas, Bischnus und Sivas!' Servus." .

12. Kapitel. ndreas sah bald, daß er da eine Arbeit übernommen hatte, die bedeutend mehr Zeit als drei Stunden beanspruchte: diese Druckspalten, die sich so sch?.ell herun-, terlesen, füllten ihm in ganz erstaunlichen Massen die Manuskriptseiten. Nachdem er drei Tage hindurch, täglich vier Stunden, über dieser Beschäftigung gesessen, hatte er erst ein Drittel des Materials bewältigt; da hieß es nun mehr Zeit darauf verwenden, wenn er übermorgen. Freitag, fertig sein wollte. Er sah sich genöthigt, die Stunden, welche für das Abschreiben der Vorträge und für das Memoriren bestimmt gewesen, zu Hilfe zu nehmen; wenigstens konnte er auf diese Weise Wort halten, und am bestimmten Tag seine Arbeit abliefern. Herr Peter Sandviper hatte sich schon nach der ersten Woche mit der Leistunz zufrieden erklärt. Auf Andreas' Bemerkung, daß sich die drei Stunden zur doppelten Anzahl ausgedehnt hätten, versicherte er tröstend, daß dies der Fall sei, weil die Routine noch fehle; noch kurze Zeit Uebung, und die Sache mußte weit glatter vom Fleck gehen. ' Die Wochen zogen dahin und das Ende des Monats war gekommen. Mit einem befriedigten so" packte Andreas seine vollendete Arbeit zusammen Er hatte fleißig sitzen müssen, um der übernommenen Pflicht gerecht zu werden; sogar die Sonntagspromeuade in den Prater war in der letzten Zeit aufgegeben worden, aber dafür hatte er die Beruhigung, nun wieder für einen Monat alle? Lebenssorgen ledig zu sein: heute sollte. seine zwanzig Gulden einstreichen.

A

Leichten Herzens verließ er seme Kammer, um die Schritte nach der ! Vlutgasse zu lenken. Es hieß, einen kleinen Dauerlauf einschlagen, dean der Wind pfiff eisig über das Glacis. auf welchem er nun angelangt war. Eben, als er gegen das Burgthor abbiegen wollte, gewahrte er einen Menschenzusammenlauf. der sich unweit von der Stelle gebildet hatte. Neugierig näherte er sich dem Orte, ohnejedoch sogleich den Grund zu entdecken, warum man sich hier zusammengerottet hatte. Endlich, nachdem er ein wenig mit den Ellbogen gearbeitet, gelangte er in den inneren Kreis, in welchem ein Polizeisoldat lebhaft gestikulirte, dann vernahm er die Worte: S'is qescheidter. 's Vieh todtz'schlag'n." Das Vieb." um das es sich handelte, war ein junger Hund, der augenscheinlich mit dem Tode rang. Freili' ise g'scheidter." bestätigte d:r czechische Mann der öffentlichen Sicherheit. indem er seinen Säbel beim Griff packte. ..Bitte, lassen Sie mir das Thier!" rief Andreas mitleidig. Ich werde es mit mir nehmen." Und wann ise Hund wihdende!" bemerkte der vorsichtige Polizist. ..Nein, er ist nicht wüthend." versicherte Andreas. Dos kann me nit wisse." Aber sehen Sie nur, wüthende Hunde haben immer Schaum auf den Lippen, und dieser " Lassen Sie ihm die Freude," mengte sich ein alter Mann in's Gespräch. Der Hund ist einfach halb verhungert." Der Polizeimann erhob keine weitere Einsprache. aber als Mann der Ordnung bestand er darauf, daß ihm Andreas Namen und Adresse diltire. welchem Wunsche der junge Mann nachkam, indem er erklärte, daß er Andreas Geier heiße, und auf der Universitat zu erfragen sei. Hieraus nahm er das keuchende Thier in die Arme und bahnte sich einen Weg durch die Menge. Er wollte sich wieder in Trab setzen, als er sich am Arme gezupft fühlte; es war der Alte, welcher früher zu seinen Gunsten eingetreten und der ihm jetzt zunickte: Einen guten Wunsch mit auf den Weg," sagte er freundlich. Möge Ihr weiches Herz nie mißbraucht werden." Dann machte er kehrt und Andreas eilte davon. Sein Erstes war. im nächsten GastHofe vorzusprechen, und seinem Findling ein Mahl zu erstehen; es kostete fünf Kreuzer den letzten Rest der viereinhalb Gulden, der sich noch in der Börse vorfand. . Als Andreas an die bekannte Reoaktionsthür trat, vermißte er die Tafel. die fönst immer an der Außenfeite geprangt hatte. Vermuthlich eine neue Vorsichtsmaßregel des mit Recht behutsam gewordenen Herrn Peter Sandviper. Er klopfte und rief wie die vorigen Male feierlich: Im Namen Brahmas Vischnus und Sivas!" nachdem er einige Zeit gewartet und sich nichts geregt hatte, wiederholte er sein sesam" aber die Thür that sich nicht auf. Sonderbar sollte Herrn Sandviper etwa ein Unfall Passirt sein ein Attentat von seiten eines blutdürstigen Rittmeisters? Er pochte stärker doch wieder vergebens. Das begann unheimlich, fast beängstigend zu werden! .Was war zu thun? Geduldig warten? Vielleicht war der Redakteur wieder über die Straß gesprungen. um sich ein Krügel Bier zu Gemüthe zu führen. Andreas schrilt somit wartend auf und ab und vertrieb sich die Minuten damit, seinen Findling zu betrachten: Es war ein kleines wolliges Geschöpf, mit unförmlich großem Kopf und ungeschlachten dicken Beinen; der Leib von einer Magerkeit. daß man die Rippen mit Leichtigkeit zählen konnte. Soweit' siöh Andreas auf die Hunderassen verstand, gehörte sein Schützling zur Familie der Pudel. Enolich ging öem Harrenoen doch Ole Geduld aus ja mehr noch ein ängstliches Gefühl begann nach und nach sich feiner zu bemächtigen: Morgen war der Erste eines Monats und es hieß vorauszahlen; wenn Her: Sandviper am Ende entschlossen schritt er einer anderen Thür zu, Lb:r welcher die Aufschrift Hausmeister" zu lesen war. Hier wurde ihm auf sein Pochen sogleich geöffnet: Was lvünsch'ns?" Ich suche den Redakteur des .Freibeute?.' " ' Ter .Freibeuter' Ja wiss'ns, bester Herr, der is eing'gang'n." Eingegangen? Nicht möglich!" Ja. g'wiß; scho' vorgestern hab'ns g'sperrt." Andreas hatte die Wahl, sein Manuskript oder den Pudel vor Schreck zu Boden fallen zu lassen: er zoa das Erstere vor. Bitte, geben Sie sich keine Mühe," sagte er bitter, als der gefällige Hausmeister sich bemühte, die umhergestreuten Blätter aufzulesen, das Zeugs hat keinen Werth." Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn, auf welcher trotz der Kälte Schweiße perlen hervortraten, dann frug er mit zitternder Stimme: Und können Sie jmii nicht sagen, wo der Redakteur zu 'treffen wäre?" Der Hausmeister verneinte köpfschüttelnd. Gute Nacht." sagte Andreas, und wankte davon. Also das war das schnelle Ende seiner literarischen Karriere! Dafür hatte er sich vier Wochen hindurch abgeplagt, um zu erfahren, daß er umsonst gear beitet, und noch dazu in txntm Moment, wo es .hieß: Geld oder der-

hungern. Ohne es zu wissen, hatte er den Heimwez eingeschlagen. Er stand wieder am Glacis. fast an derselben Stelle, wo er seinen Findling aufgelesen hatte. Du hast mir kein Glück gebracht." sagte er wehmüthig zum Hunde, dem der kalte Wind durch's Fell pfiff, und welcher sich in den Armen des jungen Mannes klein zu machen suchte, aber de-wegen will ich Dich nicht zu Grunde gehen lassen; Du sollst mein Schicksal theilen, und .Pech' heißen!" Er mußte über diese pessimistische Jd.'e lächeln. Willst Du schon jetzt verzagen. Andreas? Muth. vielleicht bring' d:r n'äch"e Tag Besseres!" er durchschritt eilig den offenen Platz, wo ihm der Wind die großen Sürieeflocken in's Gesicht jagte, und während ihm die verschiedensten Ideen den Kovf durchkreuzen, fiel ihm unwillkürlich das Manuskript des Rektors ein: Der hat ein Menschenleben hindurch gearbeitet und ebenfalls für nichts -r- und Tu Du willst wegen vier verlorener Wochen verzaqen? Pfui schäme Dich, Andreas!" Er war in seiner Kammer angelangt. Der Hund wurde in einer Ecke, auf einem Bündel gebrauchter Wäsche untergebracht, dann suchte Andreas die Reste seines Wurst- und Käsevorraths hcrror. Nachdem das Abendmahl ehrlick, mit dem lleincn Thier getheilt worden, hieß es sich an den Tisch setzen und überlegen. Was gab's übrigens viel zu überlegen? Das dünne Päckchen, mit der Aufschrift Unvorhergesehenes" mußte für'S Erste herhalten. Wenn Herr Patz sich einverstanden erklärte, das Zimmer vorläufig nur auf einen halben Monat zu vermiethen. so konnte die Sache noch vierzehn Tage hindurch fortgehen. Wohnung zweieinhalb Gulden Kost, ebenfalls für zwei Wochen: viereinhalb Gulden macht sieben Gulden; blieben noch von den zehn drei übrig, für Beleuchtung, Frühstück, Abendbrot uiy Wäsche. In diesen letzteren Ausgaben mußte freilich eine Einschränkung getroffen werden, z. B. für Abends genügte ein Stück Brot ohne Zugabe, (das Glas Bier war selbstverständlich von allem Anfang ausgeschlossen). Wäsche die konnte er selbst übernehmen; wenn ihm Herr Patz ein Plätteisen lieh, war dies ganz einfach. Blieb mithin Frühstück und Beleuchtung von den drei Gulden zu bestreiten. Wohl hätte er hie und da auch für Heizung sorgen sollen, dcnn der Winter drohte bitterkalt zu werden, doch es hieß der Kälte widerstehen so gut es gehen wollte, ja wenn die tiefe Temperatur im Kämmerchen gar zu fühlbar werden sollte, so konnte er sich ja füglich in's Bett legen und dort studiren oder lesen. Er machte sich täglich nach den Borlesungen auf den Weg. um wegen Annoncen anzufragen, in welchen man jungen Leuten Stellen als Lehrer oder Erzieher anbot, aber immer vergebens: Man erklärte ihn für zu jung, oder man verlangte Referenzen, Empfehlungen, oder die Plätze waren schon vergeben. Einmal hatte es das Unglück .gewollt, daß er in Folge seiner Höflichleit um die Stelle kam: er war glücklich an die Adresse der Person gelangt, welche einen Lehrer suchte, und als er nun in's Vorzimmer Einlaß erhielt, ersuchte man ihn, sich ein paar Minuten zu gedulden, da der Herr Doktor mit einem Klienten beschäftig! sei. Mittlerweile erschien eine zweite Person, welcher man ebenfalls zu warten bedeutete. Endlich entfernte sich der Klient, und an Andreas wäre nun die Reibe gewesen, einzutreten, aber der zweite Wartende näherte sich ihm, und ersuchte, in höflichen Worten, ihm den Vortritt zu gestatten, da er sehr pressirt sei. Andreas, der nach dem gepflegden Aeußern des Fremden auf einen wichtigen Klienten schloß, erklärte sich mit Vergnüaen bereit, zu warten. Nachdem diese .pressante" Angeicgenhett erleötgt war, wuroe Anoreas vorgcrufen, und nun erfuhr er. daß der elegante Fremde, der es so eilig gehabt, aus demselben Grunde gekommen war, wie er, und daß der Doktor ihm die Stelle zugesagt habe. Es thut mir leid," lautele die Versicherung, Sie sehen vertrauenerweckender aus, als der Andere, und ich hätte es vorgezogen, Ihnen meinen Knaben zu übergeben." Der Trost war nur gelinde; Andreas verließ entmuthigt das Haus. Er hatte auf diese Weise fast zwei Wochen hindurch nach derlei Plätzen dreingejagt. U7,d immer ohne Resultat. Jetzt stand der Tag vor der Thür, wo er sich als insolvent 'erklären, und sein? Kammer räumen mußte. Trotz diesen zunehmenden Sorgen hatte er sich immer muthig enthalten, seinen Angehörigen, oder Herrn Fummerer etwas von seiner traurigen Lage" mitzutheilen. Es kam sogar wie eine Art Trotz über ihn, der ihn bestimmte, unter keiner Bedingung etwas über diese bittere Periode verlauten zu las fen; lieber Hungers sterben! Er beschuldigte sich, nachlässig und leichtsinnia gewesen zu sein: warum hatte er sich nicht bei Zeiten die Sache angelegen sein lassen, warum erst jetzt, wo ihm das Messer an der Kehle saß? Wollen wollen wollen hatte der Rektor gesagt; ja man mußte aber im rechten Momente wollen nicht erst, wenn es zu spät war. Der Gedanke an den Rektor brachte Andreas dessen Bruder in Erinnerung: Thor, warum hast Du Dich nicht gleich an diesen gewandt? Niemand mußte mehr in der Lage sein. Dir Unterrichtsstunden zu verschaffen!" , ebenso schnell wie die Idee gekommen, machte sich, auch

Andreas auf den Weg zum Schottenkloster. Der Pförtner saß. in Gesellschaft mehrerer Klosterdiencr, in seinem wohlgewärmten Zimmerchen, bei appetitlich duftendem Mittagsmahl, als Andreas über die Schwelle trat. Gern würde der junge Mann einen der freigebliebenen Stühle eingenommen haben; er hatte heute nur spärlich gefrühstückt, und es stand ihm ein karges Mahl in Aussicht, denn das halbmonatliche Abonnement hatte das Mißfallen seines Wirthes erregt. Niemand bielt es der Mühe werth. sich vom Tische zu erheben. Alle schmatzten, plauderten, schlürften ihren Wein, ohne den Eindringling weiter zu beachten. Bitte ist Pater Maurus anwesend?" frug endlich Andreas. Der Pförtner, der eben einen Entenschenkc! in der Arbeit hatte, begnügte sich da mit, nach dem Frager hinüberzuschielen, ohne sich in seiner Beschäftigung stören zu lassen. Erst nachdem der Knochen rein genagt war, erwiderte er: Pater Maurus ist nicht anwesend." Wann kann ich ihn treffen?" Sie können ihn alle Tage auf seiner Vfarre treffen." Also ist er gar nicht in Wien?" rief der Enttäuschte. Der Mann schien es für Lberflüssigen Zeitverlust zu halten, den jungen Mann auf seine müssige Frage einer Erwiderung theilhaftig werden zu lasscn. Wozu auch? Nachdem er erklärt, daß dc? Gesuchte auf einer Pfarre saß, so war es natürlich, daß er nicht gleichzeitig in der Stadt war. mithin konnte die Unterredung als beendet betrachtet werden, umsomehr, als ein zweiter Entenschenkel auf dem Teller bereit lag, um einer gründlichen Untersuchung unterzogen zu werden. Es soll nicht sein." sagte sich Andreas mißmuthig, nachdem er das Kloster verlassen hatte. Willenlos schritt er weiter, diesmal gegen die innere Stadt zu. Was sollte er nun noch versuchen? An wen sich wenden? Vielleicht doch nach Hause schreiben? Nein nein!" rief der Trotz in ihm. Wirst Du's denn nie erreichen. Dich selbstständig durchzuschlagen? Wie kommen Andere dazu, Dich zu füttern?" Fast wäre er zwischen die Pferde eines daherrasenden Fiakers gerathen dann wieder stieß er unsanft an einen Vorübergehenden, der ihn grob fragte, ob er keine Augen im Kopfe habe, und endlich hörte er eine näselnde Stimme hinter sich: Nichts Alt's zu verkostn?" er wandte sich um und sah einen Hausirenden Trödler, der den Rücken mit allerlei Zeugs beladen hatte: Kainen alt'n Winterrock? Bainkleider? Stüfel?" Er hatte wohl einen alten Oberrock, aber es war auch der Einzige, den er besaß, und er trug ihn am Leib! Wenn Sie mit mir kommen wollen, so findet sich vielleicht etwas," sagte Andreas nach kurzer Ueberlegung. Is wait?" frug der polnische Jude. In der Alservorstadt." Ueh dos is ä waites Stuck! Na. macht nix. vielleicht mach'n mer ä G'schäft." Während des Marsches suchte der Händler ein Gespräch anzuknüpfen, aber Andreas gab nur einsilbige AntWorten; er war zu sehr mit seinen traurigen Gedanken beschäftigt. Nachdem die Beiden das 'dritte Stockwerk erklommen, und in die Kammer getreten, zog Andreas den Oberrock entschlossen' vom Leib und frug den Mann, was er zu geben gewillt sei. Mos werd ich yeb'n können? Sie wiss'n um wieviel Sie'n verkostn können." Nein, ich weiß nicht recht." erwiderte der Andere; dann zögernd: Ist der Preis von fünfzehn Gulden zu hoch gestellt?" Der Händler warf' das Kleidungsstück mit einer entrüsteten Bewegung auf's Bett und schritt dann würdevoll, wie in seiner Ehre gekränkt, ohne ein Wort zu sagen, zur Thür. So warten Sie doch!" rief Andreas besorgt. Ich habe Ihnen ja gleich gesagt, daß ich nicht recht wisse, wieviel man geben könne." Woll'n Sie's wiss'n?" fragte der Mann feierlich. Natürlich will ich's wissen." Kann ich Ihnen geb'n drei Guld'nzettel for den Fetz'n, nicht ä Liard mehr. Hab'n Se noch mehr Sach'n?" Bücher, wenn Sie wollen." Andreas beabsichtigte, sich auch der Romane zu entschlagen, welche ihm Frau Constantia gegeben, und die für ihn keinen augenblicklichen Werth mehr hatten. .Sonst nichts?" (Fortsetzung folgt.)

Mit Wasser vom Jord a n sind die Repräsentanten der regierenden Herrscherhäuser Europas, einerlei ob Katholiken oder Protestanten, getauft worden. Die Weltproduktion an Petroleum hat im Jahre 1904 betragen insgesammt '41,859.000.000 Quarts, davon in Amerika 22.122.000.000. in Rußland 16.420.000.000. in Oesterreich 911.250.000. in Java und Sumatra 929.250.000. in Rumänien 607.500.000. in Britisch Indien 474.750.000. in Japan 220.500.000, in Kanada 90.000.000 und in Deutschland 83.250.000 Quarts Amerika und Rußland decken also thatsächlich neun Zehntel des Petroleumbedarfs der Welt. .

er Arsens und Brillanttndteb . payl im Welfcnscyloh. Aus Hannover wird noch zu dem Einbruch im Schlosse Herrcnyauscn gemeldet: Die ai..nuum Orden tagen in einem Sa)cank, in dem sich auch Uniformstückö der Könige Crnst Äugust imb Georg V. befanden. Die Ürinünalpolizei stellte fest, daß zwei Cinbrcchcr in Betracht kommen. Der Schrank, der die Orden enthielt, ist mit 30,000 Mark gegen Feuer vcrsichert, der Werth seines Inhaltes wird auf das Zehnfache geschätzt. Die Zahl der gestohlenen größeren Orden beträgt 51, außer diesen fehlen noch etwa zehn Orden cn miniature. Die Die Einbrecher nahmen ferner zwei mit Brillanten besetzte Degengriffe, die sie von den Ehrcnsäbcln des Kö nigs abdrehten. Unter den gestohle nen Orden sind -zahlreiche, die mit Brillanten besetzt sind und einen ho hcn Werth repräsenLiren, nanrentlich englische und russische. Besonders bcmerkenswerth bcmerkenswerth sind das Großkreuz des königlichen Guclfen Ordens, der t'urhesfische goldene Löwenordcn, der Hessen darmstädti fche Ludwig? . Orden, der niederlän dische Löwcnorden, der Schwarze Slblerorden. der Rothe ?ldlerordcn, der österreichische St. Stefanordcn, der russische St. 5lnneN', toi. Georg und St. Stanislausorden, der englische Hosenbandorden, zwei goldene Me daillons mit Gemmen, der Orden des lieiligcn Patrizius mit dem Andreas kreuz, ein Großkreuz mit brillanten solvie mehrere andere hervorragende, mit Brillanten besetzte Auszeichnun' gen. Die Räuber müssen den Werth der einzelnen Orden, besonders der Brillanten, sehr gut gekannt, auch müssen sie vorher sich über die Haus verbältnisse orientirt l?aben. Da? Weifen Museum, in dem sich die Schätze befanden, wurde am 18. Juni 1861 vom Konig Georg V. begrün det. Es enthält eine reiche kulturbi siorische Sammlung von Alterthü mcrn des welfischen Fürstenhauses und der welfischen Lande. Diese Sammlungen sind Privateigentbum der vormals hannoverischen KönigsFamilie und unterstehen der in Hannover befindlichen Vermögensvcrwal tiliig des Herzogs von Cumbcrland. In dem lleincn Gebäude, in dem das Msewn untergebracht ist, schlief Nachts ein Beamte?. Das Zimmer, in dem der Dicbstahl ausgeführt wurde, liegt dicht neben dem Schlaszimmer des 82 Jahre alten Mannes. Dieser hat von den Einbrechern nichts gehört und sah erst am frühen Morgen, als er sein Zimmer verließ, die aufgebrochenen Schranke. Be mcrkcnswcrth ist, daß vor mehreren Jahren in einem Nachbargebäude, wo die sogenannten goldenen Staatskarossen" aus vormals hannoverschcr Zeit aufgestellt sind, dicGold theile von den Wagen gestohlen wur den. Das seiner Ordcnssammlung be raubte Familienmuseum ist eines der wcrthvolliten Museen Deutschlands, besitzt es doch allein durch einige Reliquien einen Werth von mehreren Millionen Mark. Erst kürzlich. .wurde für das dort aufbewahrte Schweife tuch der heiligen Elisabeth ein Betrag von 600,000 Mark geboten. Sehr werthvoll sind die Stickereien und Tcppiche, ferner der Lcngericher Goldfund, ein neues Testament mit eigenhändigen NandbemerkungenLuthers und Melanchthons, ferner die Uniforme der welfischen Fürsten und Heerführer, seltene Urkunden und Handschriften. ,

Drollige Ukdrblnmcn. Als der Giftmörder Pel in Paris vor Gericht stand, rief der öffentliche Ankläger, fortgerissen von seiner Erregung. mit hallender Stimme aus Und nach diesen unglücklichen Frauen,, diesen armen, wehrlosen Opfern, streckteder verruchte Mörder die gierige Handdes Raubvogels aus!" Aehnlich, jedenfalls nicht minder? wirkungsvoll, rief Ponson du Terraill mit Bezug auf einen Verbrecher, dessen: Schandthaten er aufzählte: Die Hand dieses Mörders schon verräth, was in ihm steckt sie ist kalt und feucht wi: die einer Schlange." Ein französischer Romanschriftsteller versteigt sich , sogar zu folgender Beschreibung der Heldenthat eines Kriegers: Dieser bewundernswürdige Held schwang mit der rechten Hand sein guts Schwert, mit der linken bediente er sich einer Pistole, und die andere bedrohte seine Feinde mit einem gezückten Dolche." Tie Austern und die Römer. Tie Auster war schon bei den Völkern des Alterthums als wohlschmeckendes Nahrungsmittel bekannt, und namentlich verstanden es bereits die Römer mcisterlich, die Austern, die nur im frifchen Zustande genießbar sind, lange Zeit frisch zu erhalten. So sandte der bekannte Gourmand Apicius große Mengen von Austern von Rom nach Persien an den Kaiser Trajan. die alle den, langen Transport ausgezeichnet überstanden.' Die ersten Austernweiher legte der römische Prokonsul CergiuL Arata im Golf von BajäHn. Plinrns berichtet von der Mästung der Austern !n den Lucrinischen Weihern, während Horäz und Auson die Austern preisen, die in der Bucht von Cumä und an Galliens südwestlicher Küste gefangen wurden. Auch als Arzneimittel wurden Fleisch und Schale der Austern ban den Nemern bockaescöäkt. - '