Indiana Tribüne, Volume 30, Number 105, Indianapolis, Marion County, 24 December 1906 — Page 6
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Jndiana Tribüne, 2. Dezember, 1906 6
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Tcr deutsche und der englische Bots schaster iu Washington. L o n d o n. im Dezember. Bei verschiedenen Gelegenheiten ist
der deutsche Botschafter in Washing ton von den Landsleuten in ver math abfällig kritisirt worden, so zulctzt m der bekannten Rede des Abg. Wassermann über die deutsche auswärtigc Politik. In englischen Blättern wird das außerordentliche Geschick o: Frhrn. v. Sternberg anerkannt, womit er sich eine einflußreiche Stellung m den Bereinigten Staaten geschaffen habe. Nun gibt der Rucktritt des gegen wärtigen englischen Botschafters, Sir Mortimer Durand. einem englischen Schriftsteller, Mr. Sydney Brooks, Gelegenheit, in der Wesrminstqr Gazette das Leben und die Verhältnisse von Washington zu schildern. Einiges aus dieser Schilderung wird auch für deutsche Leser von Interesse sein, weil sie eben zeigt, daß die Diplomaten sich in Washington vor ganz andere Aufgaden gestellt sehen, als in den europäischen Hauptstädten. In vieler Beziehung, schreibt Mr. Brooks, ist das Amt des britischen Vertreters in Washington das schwierigste in dem ganzen diplomatischen Dienst. Ich kenne keinen Posten, der so ununterbrochene Anforderung an das gleichmäßige Urtheil und an den Takt seiner Inhaber stellte. Ich sage: seiner Inhaber, denn die Gemahlin des briti schen Botschafters hat in Washington an dem Erfola oder Mißerfolg ihres Gatten einen höheren Antheil als in irqend einer anderen Hauptstadt. Das Prestige der britischen Botschaft wird oft mehr von ihrer gesellschaftlichen Anpassungsfähigkeit abhängen, als von den Leistungen ihres Gatten auf dlplomalischem Gebiete. Die Atmosphäre. die die Botschaften in Washington umgibt, ist derart, wie sie Diplomaten in der Regel nicht gewöhnt sind. In einer verhaltnlßmaßlg kleinen Stadt wie Washington, wo die Entfernungen gering sind und der Verkehr häufig ist, wo die gesellschaftlichen Interessen nahezu identisch sind, und wo der Theil der Gesellschaft, der wirklich mitzählt, relativ kleiner ist als in jeder anderen Hauptstadt, die ich kenne, haben ein Botschafter und seine Gemahlin ganz eigenartige Chancen, aber auch ganz eigenartige scywlerigiellen. Schwierigkeiten, die zum Theil daher kommen, daß Washington wie eine große Flüstergrotte ist, und daß die Amerikaner, wie ein Präsident es ausdruckte, instinktiv an dem Prinzip einer Regierunq im Glashause glauben. Sie wollen wissen, was passirt. Sie mochten die öffentlichen Geschäfte sich vollziehen sehen im vollen Schein des elekkrischen Lichtes, und mit einem Reporter hinter der Thüre. Ein Botschafter in Washington hat sich der Thatsache anzupassen, daß er seine Berufspflichten, gesellschaftliche wie politische, in dem bedeutenden Lichte der Oeffentlichkeit erfüllen muß, wie es in Europa undenkbar wäre. Er kann nie ganz sicher sein, daß ein zufälliges Wort oder eine zufällige Handlung nicht in einem unbequemen Augenblick das Eigenthum der Nation wurde . . . Es bedarf eines außerordentlich sicheren Instinktes, um einen britischen Botschafter durch den Treibsand der amerikanischen Politik hindurchzuleiten. Weder die amerikanische Presse noch das amerikanische Volk ist besonders geneigt, die gewöhnlichen Konventionen der Diplomatie zu rcspektiren. Die amerikanischen Politiker thun es womöglich noch weniger. Sie erörtern Fragen und Persönlichkeiten mit einer Offenheit und Freiheit, die einem Mann, der sein Training in europäischer Ueberlieferung erhalten hat, und an die Bedingungen amerikanischen Lebens nicht gewöhnt ist, weit bedeutungsvoller erscheinen als sie wirklich sind. . . . Der Botschafter muß beständig die Ergebnisse der Geschichte, die Singularität der amerikanischen Verhältnisse und die Nonchalance in Rede und Lebensart, die aus jenen Verhältnissen entstanden ist, in Betracht ziehen. Er muß stets berücksichtigen, daß Amerika die Ausnahme ist, und daß, wenn man amerikanische Worte oder Handlungen an europäischen Maßen nehmen wollte, man Kränkungen empfinden würde, wo. keine beabsichtigt waren. Ich will damit nicht andeuten, daß seine Haktung irgend etwas von Schwäche oder allzu großer Nachgiebigkeit einschließen sollte. Im Gegentheil,-; besser er den amerikanischen Charakter versteht, desto deutlicher wird er erkennen, daß wenn er die Rechte seines Landes mit Energie und Höflichkeit vertritt, er am sichersten die Achtung und den guten Willen der Amerikaner gewinnen wird. Aber er muß soviel Unterscheidungsvermögen besitzen, um Unregelmäßigkeit in Formen und Manieren zu übersehen und zu ignoriren. Ein galliger Botschafter, der stets ängstlich auf seine Würde bedacht ist. würde noch verhängnißvoller sein als einer echt Rückgrat. Es genügt nicht, auf möglichst gutem Fuße mit dem Staatssekretär oder mit dem Präsidenten zu stehen. Ihre Autorität ist groß, oft aber nicht so wirksam wie die eines einzelnen Senators, oder des Sprechers desRepräfentantenHauses, oder ?ines anscheinend obskuren Abgeordneien. Die Kunst, die richtigen Leute zu kennen, ist in Washington von noch größerer politischer als gesellschaftlicher Wichtigkeit; und ein britischer Botschafter, der seiner Auf-
gave wirrncy gewachsen 111, iviro Mieder und wieder finden, daß er seine besten Erfolge ohne jede Mitwirkung der Regierung erreichen kann. Ter unveränderlich offizielle" Typus des Diplomaten ist gerade der Typus, der in Washington nicht zu braueben ist . . . Niemand, der Washinaton vor zehn Jahren kannte, und der es jetzt kennt, kann daran zweifeln, daß der Einfluß und das Prestige der britischen Botschaft nicht mehr das sind, was sie waren,. und daß ihre akc gesellschaftliche. und politische Vormacht ihr entrissen ist. Und es ist kein Trost für uns zu finden, daß ihr Platz von der deutschen Votschaft eingenommen wird, daß die Beziehungen zwischen dem Präsidenten und dem deutschen Botschafter von der intimsten Art sind, und daß Mr. Roosevclt mit dem Deutschen Kaiser in einer lebhafteren und vertraulicheren Korrespondenz sieht, als mit irgend einem anderen Herrscher oder Staatsmann in Europa. Das sind Thatsachen, die in Algeciras nicht ohne Einfluß waren, und die noch sp'äter in anderen und fernerliegenden Gebieten der Politik Früchte tragen mögm (Münchener Allg. Ztg.) . m Uncle Eam.
Professor Burgess von der Columbia Universität in New Aork, der bckanntlich gegenwärtig alö Inhaber der Roosevelt-Professur an der Universität Berlin liest, sprach am 3. Dezember in der Kölner Vereinigung für rechtsund staatswissenschaftliche Fortbildung über Uncle Sam und das Wesen amerikanischer Freiheit". Vor einem stattlichen Auditorium, das den Jsabellensaal des GllrzenichS bis auf den letzten Platz füllte und dem auch Prinz WilHelm, der von Bonn herübergekommen war, angehörte, ward Professor Burgess. so schreibt die Kölnische Zeitung", in meisterhafterWcise.der eigentlichen Aufgabe seinesAmtes gerecht, auf dem Boden wissenschaftlicher Forschung eine Brücke zu schlagen zwischen deutschem und amerikanischem Wesen, als sachkundiger Vermittler Verständniß für amerikanische Eigenart bei uns zu wecken und damit eine größere Gemeinsamkcit des geistigen Lebens beider Völker herzustellen.. Burgess suchte nicht auf den lamzen Pfaden geschichtlich-theoretischer Untersuchungen seinem Ziele näher zu kommen, er stellte mit glücklichem Griff die typiche Gestalt des Amerikaners, wie sie das Volksurtheil im Onkel Sam" geschaffen hat, vor dem geistigen Auge seiner Zuhörer hin und prüfte dessen Wesensart auf Herz und Nieren. Zuerst das äußere Bild: ein hagerer, etwas eckiger Geselle, der wenig ißt, auch für Bier und Wein wenig Neigung zeigt, desto stärker aber dem kalten Wasser zugethan ist. Man sieht ihm an, er leidet an schlechter Verdauung. Er steckt in etwas altmodischer Kleidung: die Hose ist zu kurz, der Zylinder abgeschabt, der Frack ledcrfarben und mit dicken Messingknöpfen verziert. Wichtiger ist uns sein Charakter: die starken Kinnbacken, die kleinen, aber klugen und hellen Augen, die zusammengekniffcnen Lippen verrathen einen unruhigen, oft schlaflosen, scharfen und beinahe schlauen Geist. Lassen wir uns von diesem Bilde leiten, so finden wir folgende Züge als typisch für die amerikanische Wesensart: Onkel Sam wird beherrscht von einem durchdringenden, kaltblütigen Verstand. Die Stürme der Leidenschaft toben nicht in seinem Blut; zwar hat er Gefühl, doch hat der Bestand es scharf am Zügel, und nie schlägt es über die Stränge. Der praktische Erfolg regiert sein Sinnen und Trachten, und dieses Wort darf nicht rein materialistisch genommen werden; es treibt ihn ebenso zum Bau von Kirchen, Schulen und Museen, wie von Fabriken und Eisenbahnen. Ein zweiter Zug ist die starke Objektivität seines Denkens, die Fähigkeit, das Wesen der Dinge zunächst einmalvhne Rücksicht auf die eigenen Interessen zu begreifen. Das heißt allerdinaS nickt, dak Onkel Sam un- ! eigennützig sei, aber seine großen Erfolge im privaten Geschäfts- wie im öffentlichen Kulturleben wären nicht möglich, wenn ihm der Blick für das, was eine Sache an sich fordert und bedeutet, verschlossen wäre. Im politischen Felde hat er bei der Behandlung Kubas diesen Sinn für uneigennützige Gerechtigkeit bewiesen. Gleich an dritter Stelle nannte Burgess unter Onkel Sams Charakterzügen seinen Humor. Er wird zumeist von dem Ausländer mißverstanden und darum unterschatzt. Er ist ganz etwas anderes als die Neigung, Witze zu machen, er ist eine glückliche, dem Amerikaner geschenkte Perspektive in der Betrachtung der Dinge, die ihn davor schützt, Kleinigkeiten allzu ernst zu nehmen, die sein Selbstbewußtsein vor gefährlichen Uebertreibungen bewahrt, indem sie diese Uebertreibungen lächerlich macht. Das Gegenbild dieses Humors und dem Charakter Onkel Sams nicht minder wesentlich ist weiter seine strenge Sittlichkeit, die geradezu seine Ratioi.altugend ausmacht. Auch sie beruht mehr auf dem Verstand als auf dem Gefühl: alle echten Amerikaner snd Anhänger des Sokrates, Tugend und Wissen sind ihnen gleichbedeutend. Sein ganzes Staatswesen ruht auf dieser Eigenschaft: es ist eine Republik, deren Verfassung in einer langen Reie rechtlicher Sicherheiten des Einzelnen gegenüber den öffentlichen Gewalten besteht. Daß solche Berfassung .nicht
zur Miarchle fNhrl. isl eben nur moa-
lich durch die Herrschast der öffentlichen Sitte, der wahren Herrscherin des amerikanischen Volkes. Sie allein macht die glanzvolle und vielbeneidete amerikanische Freiheit möglich. Diese Sit!e wirkt sich aus in den unzähligen Vereinen, von der Kirche an. in der Onkel Sam weniger eine religiöse Anstalt als vielmehr die wichtigste gesellschaftliche Verbindung unter den Menschen steht, bis zu den unbedeutendsten Berufsund Erholungsvereinen. Diese Vereine stellen das gegenseitige Vertrauen im Volke her. das es erst zu einem gesund organisirten, harmonisch ineinandergefügten Ganzen macht; ein Volk, dessen Glieder von Mißtrauen gegeneinander erfüllt sind, kann kein großes Volk sein! Als letzte der typischen Eigenschaften des Amerikaners nannte Vurgeß den Unternehmungsgeist, der dem Fremden gewöhnlich zuerst auffällt. Es ist dem Volke nicht entgangen. daß so gut wie in der staatlichen Despotie auch in dem unbeschränkten Walten des privaten Unternehmungsgeistes Gefahren liegen. Es sucht ihitfn zu begegnen durch eine starke Kontrolle. die in die Hände der Gerichte gelegt ist, die geradezu verfassungsmäßige Organe sind, dazu berufen, die Rechte des Einzelnen zu schützen gegenüber jedem Mächtigeren, der sie einschränken will. Irgendwelche Art von Sozialismus hat allerdings in der amerikanischen Frei heit keinen Platz! Der Redner schloß seine Darlegungen mit dem Hinweis auf zwei Gefahren, die dieses Charakterbild Onkel Sams zu verwischen und zu entstellen drohen.' Unter den reich gewordenen Amerikanern kommt eine kleine, aber wachsende Gesellschaftsschicht auf. die den Inhalt ihres Daseins darin sucht, zu genießen und neue Genüsse zu erfinden. Der echte Amerikaner verachtet sie. hoffentlich werden sie der Nation keinen dauernden Schaden zufügen kön. nen. Die zweite Gefahr ist ernster, sie liegt in der Einwanderung von Volkselementen. die mit der teutonischen Rasse in innerstem Gegensatz 'stehen: sie lernen die Sprache des Landes nicht, kommen als Banden unter eigenen Führern, sondern sich ab im öffentlichen Leben und sind vielfach Anarchisten. Die Versuche Onkel Sams, sich ihrer zu erwehren, sind bekannt: er wird an ihnen noch viel zu verdauen haben. Sie haben schon bewirkt, daß die osfentlichen Gewalten im Lande auf Kosten der Freiheit erheblich vermehrt werden mußten. Der Hinweis auf Abraham Lincoln als das echteste Urbild Onkel Sams schloß die Darlegungen. die durch eingestreute Mahnungen. das Wesen des Amerikaners an den Quellen, d. h. in den kleinen Städten und auf dem Lande, nicht aber während emer Ellreise durch die großen Metropolen zu studiren, einen recht aktuellen Charakter erhielten. Mögen die Worte des Redners auf fruchtbaren Boden fallen! wm Andrö Giron als Bräut i a a m. Wie aus Paris gemeldet wird, hat sich die Schwägerin des bekannten sranzostscyen Wramanrers Hennequin mit dem Sprachlehrer Andro Grron verlobt, der velanntlich m der vielbesprochenen Affaire der einstigen Kronprinzessin Luise von Sachsen die auvtrolle aesprelt hat. u)as iunge Paar wird in Kurzem seine Bermählung feiern und die Futterwochen m Südfrankreicb verbrinam. Der Name Girons dürfte noch in aller Erinnerung sein. Er war es. der vor etwa vier Jahren die exzentrische, zu Ausschreitungen veranlagte Pinnzessm verführte, indem er seine Stellung als Lehrer der jugendlichen Kinder des damaligen Kronprnizen von Sachsen mißbrauchte. Ein recht hohes Abstandsgeld veranlaßte ihn, die Beziehungen zur Krönvrmssin zu losen. Die Trennung schien ihm nicht schwer gefallen zu sin. denn bald horte man, daß er in seiner Vaterstadt Brüssel ein Verhältniß mit einer recht bekannten Brüsseler Lebedame, die im Nebenberuf Schau spielerin war, angeknüpft hatte. Die Tragödie der Liebe. In der vornehmen Gesellschaft von Warschau spielte sich em tragischer Vorfall ab. Auf einer Spazierfahrt in einem Landauer durch die Hinterstadt Warschaus erschoß der 24jährize Leutnant Jatzun von der Leibgarde des Keksholmschen Infanterie - Regiments seine Geliebte, die 19jährige Wiera Onatzewitsch, Tochter des Obersten und Bataillons kommandanten desselben Regiments, und dann sich selbst. Die Ursache zu dieser That war die Unmöglichkeit, einander zu heirathen. '8000 Studirende in Ber. l i n. Die Berliner Universität wird in diesem Winterhalbjahr gegen 8000 Studenten aufweisen. Bei den ordentlichen Immatrikulationen, die jetzt abgeschlossen sind, wurden 3600 Studirende neu aufgenommen; einige Hundert kommen noch nachträglich hinzu. Die Zahl der Immatrikulationen hat sich auf der Höhe des Vorjahres gehalten. Da aber der Abgang geringer war, so wird die Besuchsziffer des letz ten Winterhalbjahres (7623) übertraf, fen und das chte Tausend erreicht werden. Ungleiches Paar. Es ist ekn grundverschiedenes Paar, Der Ferdinand und sein Lieschen: Ter Ferdinand hat sechseinhalb Fuß, Und Lieöchen ,wei niedliche FUßchen!
Zeitgemäße Warnangen werden im Cri de Paris" laut: Franzosen, trinkt nur abgekochtes Wasser! Ter Rath ist gut, aber der folgende ist besser: Ehe ihr in ei nen Eisenbahnzug si?iat, verschafft euch Gewißheit, daß kein rnssifcher Großfürst drinnen sitzt! Ferner: Ehe ihr in einem Gasthofc absteigt, vergewissert euch, daß kein russischer Großfürst dort Quartier genouimen hat! Nichts ist heutzutage gefäbrlicher als ein Hotel, in dem ein Tät glied der Zaremamilie Quartier ge nommen hat. Sitzt man im Lesezimmcr oder im Speiscsaal 5! lad deradatsch, die Scheiben fliegen in Tplitter und die Tecke stürzt ein!" Zur Nechtfertiaung dieser Ermah nung, zur Vorsicht erinnert das gcist' reiche Vlatt daran, daß in der lehren Zeit zwischen Bordeaur und Cette Je rade der Zug entgleiste und zwei Pas. sagieren das Leben kostete, in dem ein russischer Großfürst nach Viarrib fuhr; daß beinahe gleichzeitig im 5implontunnel eine Bombe platzte, nachdem ein Großfürst mit dem ten Zuge hindurchgefahren war. Man konnte hinzufügen, das; auch das letzte böswillig herbeigeführte Eisenbahn Unglück an der französisch-bcsgischen Grenze zeitlich mit der Durchreise ei nes Großfürsten merkwürdig zusam menfiel. Ter Fall der Russin Ta tiana, die in Zürich den harmlosen Pariser Rentier Müller niederschoß, weil er einem hochgestellten Russen gleichen sollte, ist zu bekannt. Dsr Cri de Paris" behauptet denn auch, daß die Gasthöfe an der Place Ven dome sich leeren, sobald Besuch aus Nußland ankommt. Tie russischen Großfürsten, ehemals die verhätschcl ten Lieblingsgäste der französischen Hauptstadt, wirken jetzt als Schreck geipenstcr: wo sie sich zeigen, macht man in weitem Umkreise Platz! Tie Miether von zwei Häusern in Paris, wo augenblicklich explosible" Groß fürsten abgestiegen sind, sollen gegen ihre Hauseigenthümer auf Schaden ersatz geklagt haben. Der Cri de Paris" gibt, jedenfalls um den Herren Attentätern ihr Handwerk zu er leichtern, die genauen Adressm dieser Häuser an.
ttirchenstatistik. An der Hand des neuesten Hof und Staatshandbuchs für die römische Kirche (La Gcrurchia cattolica., la famiglia c la capella pontificia") stellt die Wochenschrft ..Die Wart bürg" einige Betrachtungen über den gegenwärtigen Besitzstand der römi schen toche an. Es gibt 1514 katho lischc Bischöfe, wovon-1017 wirklich residiren, während die übrigen 497 lediglich Titularbischöfe sind, öie nach eingegangenen Sitzen im Heidenland benannt werden, die Bischöfe in Par tibus infidelium. Unter jenen 1514 Großwürdenträgcrn der Krche befin den sich 291 Mönche aus 53 Orden. Im Gegensatze zu Leo XIII., der vorwiegend dieTiPlomatcn, Nuntien, Unterhändler u. s. w. zu den höchsten Würden der Hicrarche emporhob, begünstigt Papst Vius X. dieMönche. 90 dieser Monchbischöfe sind Franzo sen, die, zumeist als Missionäre in allen Weltteilen thätig sind, 21 Teutsche. 79 Italiener. Daß im ganzen die Italicner, die seit 383 Iahren ausschließlich den päpstlichen Stuhl besetzen, in der katholischen Hierarchie vorwiegen, ist bekannt: zwei Fünftel aller Kardinäle und mehr als ein Fünftel aller Bischöfe (321 von 1514) gehören zur Zeit der italienischen Nation an. Nach den einzelnen Orden vertheilt, fallen auf die Franziskaner 37, auf die Dominikaner und Lazaristen je 19, die Jesuitcn 14, die Augustiner und Oblaten der Unbefleckten Cmpfängniß Mariä je 11, auf die Weißen Väter und Väter vom heiligen Geist je 9, auf unbeschubte Karmeliter. Mari sten, Benediktiner und verschiedene andere Kongregationen je 7 Bischofssitze. Der sozialistische Beigeordnete. In der hessischen Zweiten Kammer hat die nationalliberale Partei die angekündigte Interpellation" wegen der Bestätigung des Sozialdemokra ten Eißnert zum Beigeordneten in Offenbach nunmehr eingebracht. Tie Anfrage schließt: So sehr die Auffassung der Regierung, daß bei der Bestätigung nicht die politische Parteiangehorigkeit von Einfluß sein kann, anzuerkennen ist, so erregt doch die Anwendung dieses Grundsatzes die größten Vedmken bei einer Par tci, die sich selbst außerhalb der ge. Ebenen Staats- und Gesellschaftsordnung stellt. Wir können uns mit dr getroffenen Entscheidung, welche in den weitesten Kreisen der Beool leruna lebhaftes Bedauern erregt hat. nicht cinverstandm erklären und strl len die Frage an die großherzoglichc Reaierung: Welche Gründe haben Veranlassung gegeben, in dieser Frag? eine prinzipielle Aenderung in der seitherigen Stellungnahme eintreten zu lassen?" Der Oberbürgermeister Geheimer Regicrungsrath Dr.Haken Stettin, der am 1. April nächsten Jahres aus seinem Amte scheidet, ist von den Stadtverordneten einstimmig zum Ehrenbürger der Stadt ernannt worden. . ...
Moorrnrs ans alter Ml.
Neumodische Kragen sozialer und so;lalpg, litisÄer Art vor 000 Jahren. Aus aufgefundenen ezyptischen Papyrusurkunden ist ersichtlich, daß namentlich in ganz neumodischen Fragm sozialer und sozialpolitischer Art die gleichen Probleme vor 2000 Jahren die Gemüther bewegten wie heutzutage. Zum Beispiel der Leutemangel auf dcm Lande. In einer griechischen Urkunde des Berliner Museums aus der lyzantinischen Zeit klagt ein CutZverwalter über Mangel an Leuten. Warum laufen die ländlichen Arbeiter davon? Wie heutzutage, wegen schlechter Bezahlung Der Verwalter schreibt selbst, daß er den Kelterern. die mit den Füßen die Trauben traten, nur drei statt vier Tage Lohn gezahlt habe. In einem anderen Papyrus wird die aktuelle Frage betreffs der Befreiung von öffentlichen Aemtern mit dem 70. Lebensjahre praktisch behandelt. Ein Petent legte, um sein 70. Jahr zu'beweisen und dadurch von öffentlichen Aemtern befreit zu werden, zwar nicht seinen Geburtsschein, aber eine Abschrift der Urkunde vor. mit der er in die Epheben (bei den Griechen die zur Mannbarkeit herangereifte männliche Jugend) eingereiht war. also eine Art Einjährig-Frciwilligen-Zeugniß. In demselben Papyrus findet sich auch ein Antrag auf ärztliche Untersuchung. eingereicht von einem Verletzten. Wie hier der Geschäftsgang einem modernen gleicht, geht daraus hervor, daß der Stadt- oder Kreisarzt in seinem Bericht stets erklärt, daß er die Untersuchung auf Aufforderung des Strategen infolge Gesuchs des Verletzten vorgenommen habe. Die Verwaltungsakten der Stadt Hermapolis Magna berichten von einem Angebot zur Uebernahme von öffentlichen Arbeiten be! einem Wasserwerk und Stadteinkünften durch Vermiethung von Marktstellen und Meßbuden. In anderen Papyri fand man eine Häuserliste, die eine Benennung von Stadttheilen nach Buchstaben in Antinoe zeigt, wie sie die badische Stadt Mannheim angenommen hat. Au3 denselben Papyri ist auch zu entnehmen, daß der Begriff einer Junggesellenwohnung im sechsten Regierungsjahr Trajans (102 n. Chr.) bereits als solcher existirte. Tie theure Kuh. In einem ist Italien allen anderen Ländern überlegen: in der Zahl der kostenlosen Staatstelegramme. Deutschland hat bei 35.000.000 Depeschen jährlich nur 1.200.000 amtliche. England bei 88.000.000 446.000 amtliche Freitelegramme. Italien aler gegenüber 10.444.000 Privatdepeschen 2.437.419 staatliche, die nicht bezahlt werden. Kürzlich suchte der Ministerpräsident Giolitti diesem Uebermaß zu steuern, indem er Einschränkung anbefahl. Nichtsdestoweniger erließ kurz darnach de? Unterpräfekt von Corleone in Sizilien eine amtliche Cirkulardepesch: an alle Präfekturen und Polizeiämtcr cs Reichs 300 Adressen! worin er die Beschlagnahme einer Kuh anordnete, die ihrem Herrn entlaufen war. Die 300 Telegramme wurden abgesandt. ohne daß es einem Telegraphisten eingefallen wäre, darüber nachzudenken, wie die Kuh über die Meerenge von Messina hätte auf das Festland kommen können. Die Geschichte wäre wohl, wie so viele andere, ruhig hingegangen, wenn nicht ein sozialistisches Blatt Lärm geschlagen hätte. Folglich mußte etwas geschehen. Der Unterpräfekt wird zur Rede gestellt, er gibt seine Unthat zu. erklärt es aber für ein Versehen. Aber das half ihm, nichts. Giolitti mußte ein Beispiel statuiren. und der Unterpräfekt hat nun 507.60 Lire (etwa Z102) aus eigener Tasche zu bezahlen. Matrosen rette ein Klnd. Zu einem aufregenden Zwischenfall kam es jüngst an Bord des italienischen Dampfers Jtalia" auf einer überaus stürmischen Fahrt nach New Fork. Nachdem der Orkan sich gelegt hatte, wagt? sich eine Italienerin mit ihrem Kinde auf dem Arm auf die zum Deck führende Treppe, um nach den Tagen unfreiwilliger Gefangenschaft tief unten im Schiff etwas frische Luft zu schöpfen. Bei einer heftigen Schwankung des Schiffes entglitt das Kind ihren Armen und rutschte auf dem nassen Deck mehr als 100 Fuß. Mehrere Matrosen stürzten dem Wurm nach, vermochten das Kind jedoch längere Zeit hindurch infolge des starken Rollens, des Schiffes nicht zu fassen. Schließlich bildeten die Leute einen Kreis, und auf diese Weise gelang es ihnen, das Kind zu ergreifen. das. wie eine ärztliche Untersuchung ergab, einen Ellenbogenbruch davongetragen hatte. Die Mutter wollte in heißem Dankqefühl den Matrosen eine mit Geld gefüllte Börse, vielleicht ihre ganze Habe, geben, indeß wiesen die wackeren Burschen jede Belohnung ab. indem sie schlicht erklärten, daß sie nur ihre Pflicht gethan hatten. , In Algerien wächst eine Zwergpalme, von der man ein Wanzenhaar gewinnt. Die Pflanze wurde lange Zeit für werthlos' gehalten, bis man die Entdeckung machte, daß sie eine äußerst nützliche und langgesuchte Fiber enthält, die an Stelle des PferdeHaares verwendet werden kann und außerdem viel billiger als dieses ist.
