Indiana Tribüne, Volume 30, Number 104, Indianapolis, Marion County, 22 December 1906 — Page 5
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ulchrc SKiize von Hans von Kahlcnberg ie hieg Mariechen von Venniäe und mochte so recht nach dem Herzen aller Erzieherinnen und Schul - Vorstehermnen sein. Blond natürlich! Wie konnte Mariechen nicht blond sein? Mit zwei festgeflochtenen, scheinend glatten Zöpfen, reingewaschen, ordentlich wie eine Reklame für eine englische Seifenfabrik, bescheiden, höflich, fleißig und gehörsam. Der erste Anblick fchon wirkte verklärend auf die Mienen der Eestrengsten. Mariechen war das geborene Musterexeinplar.' das man über jünqere. unartige Gefährtinnen zur Aufsicht setzt, mittelst dessen man Streitende, sich Knuffende trennt, das Kind, das Federkastenlieferanten bei der Widmung: Dem artigen Kind, im Auge haben; bei der Zeugnißaustheilung ist ihr das Prädikat: musterhaft im Betragen sicher. Gebieterische und harte -Stimmen nehmen einen beinah schmeichelnden Klang an. wenn in der Klasse ihre Reihe kommt: Nun. Mariechen?" Es liegt darin zärtliche Hoffnung und Löckung: Jetzt zeige Du mal, wie es sein muß! Undenkbar, daß man sie anders als Mariechen nannte! Marie wäre eine Beleidigung, eine Rob heit. Sofort würden Thränen in Mariechens hellblauen Augen aufsteigen ob solcher Grausamkeit, sie würde schlucken, den Athem durch die Nase ziehen schluchzen... Mariechen war vollkommen. Die Klasse hatte sie sofort einrangirt. Tugendspiegel!" sagte Herta Gardelegen wrz. Musterknabe!" 'erwiderte Mila Haucke ebenso. Jrmgard Frantzien begnügte sich mit einem vielsagenden, in die Luft geworfenen: P! Stilz fanZ) Mariechen fast," eine Qualle!" Allen zusammen war sie zugleich unausstehlich und furchterwerkend. Sie störte" in der Klasse. Mariechens Klasse war 1 B. die Generation von dreizehn bis fünfzehn. Herta Gardelegen zum Beispiel war schon fünfzehn, groß, stark und in einem ehrfurchtaebietenden Grad faul. Stilz, die Kleinste und Eewitzigste. war eben dreizehn. Alle hielten fest und tryu zusammen, bildeten, was man im Stift eine Clique nannte. Unsere Bande" bezeichneten sie selbst sich wohlwollend. Der Zusammenhang der Bande beruhte auf einer ganz bestimmten, nicht in Regeln zu fassenden Gleichheit der Weltanschauung; in Kürze ausgedrückt, galt es, sich das langweilige und beschwerliche Schulleben möglichst zu erleichtern, die Kleinen. Schuster. Schleicher und Spione abzuhalten und nach obenhin geschlossen Front zu machen. Als allgemeines Gesetz innerhalb des Rings konnte gelten: Was verboten ist. macht Spaß; deshalb verbieten es u::s unsere geschworenen Feinde. Tugendhaft sein, ist unter allen Umständen langweilig, sogar verwerfllch. Der echte Bursch" und .ganze Kerl" die Bande gebrauchte mit Vorliebe Kernausdrücke achtete sich selbst zu hoch, um zu Kreuze zu kriechen." sich zwiebeln" und schuhriegeln" zu lassen. Es bestand rechtmäßiger und offener Krieg zwischen ihm und den Autoritäten. Jene hatien ja alle Machtmittel in Händen, mochten sie sehen, wie sie die Bande kleinkriegten. Jeder Kämpfer stnd bis an die Zähne gerüstet. In diese Bande, abgehärtet und ineinandergeschmiedct durch jahrelangen Kleinkampf, unter dem Befehl von Herta Gardelegen und Stilz. alias Elfriede von Hesse, fiel Mariechen. Die Hausstiftsdame Gräfin Kautenhagen stellte die Neue selbst vor. Mit dem freundlich süßlichen Ton, den auch Unholden gegenüber anzuwenden althergebrachte, pädagogische Sitte ist, sagte sie: Hier ist Eure liebe, neue Gefährtin! Ich hoffe, daß Ihr Euch angelegen lassen sein' werdet, Ihr den Ausenthalt unter Euch traulich und heimathlich zu machen, den schönen Geist des Hauses in Eurer engeren Gemeinschaft zum Ausdruck zu bringen! Von Mariechen glaube ich " hier erhöhte sich die Stimme zu einer gewissen , Scharfe, daß sie Euch allen eine liebe Mitschülerin, ein Beispiel und Vorbild sein wird. Tritt mit Vertrauen in das neue Leben, mein Kind, und wende Dich in allem an mich!" Die Vorstellung konnte kaum verfehlter sein. Herta Gardelegen schlief Stilz hatte ihr den Beinamen .Diogenes" gegeben, sah unter schweren Lidern gleichgiltiz auf die neue, kleine, gedrungene und ehrenwerth: Gestall. Sie war ein großes, schönes Mädchen mit langen, noch in stetem Wachsthum begriffenen Gliedern, sehr reich in ihrem Civilverhältniß, Vollwaise. Jntima von Stilz und geachtet wegen absoluter Furchtlosigkeit und Wurschtigkeit Mila Haucke lächelte zweideutig, die Bande kennend. Jrmgard Frantzien fand Mariechen spießbürgerlich angezogen, etepetete und langstielig. Stilz machte der allgemeinen Schätzung über den Werth der Einführung mit der nawrgeschichtlichen Kühnheit: Kautabak ist eine Wruke Luft. Dle Stlstsoame besaß eine An
Sch
gewohnhelt, die K:esern im Ruhe
stand -
hin und her zu bewegen. Wir brau chen hier keine Vorbilder!" Nee. wahrhaftig nicht!" echote die Bande. Wo kommst Tu denn her?" erkundlgte sich Stilz. Von AZagdeburg," antwortete Mariechen. Magdeburg sagte n.cht viel. Was ist Dein Vater?" Oberstleutnant." Was ist Deine Mutter für eine ge. borene?" Hirte." Ivon "Hirte?" fragte Stilz scharf. Die Bande legte Werth auf Abstammung. Maricchen erröthete und sagte: Hirte." Stilz war so gnädig, ohne Bemerkunz über den Zwischcnfall hinwegzugehen. Wie weit bist Tu in der Schule?" inqukirte tu Maricchen fcax im Großen Plötz bei Lektion zweiundsechzig, den Plate hatt: sie einmal durch. Böhm'sche Rechenhefte Heft V, und in deutscher Literatur. wie sie mit einem gewissen, mit Stolz vermischten Eifer berichtete, hatte sie Gudrun und Maria Stuart gelesen. Tu bist natürlich ein furchtbarer Musterknabe," sagte Stilz ironisch. Na. hier wirst Du Dir einiges abgewohnen müssen. Das sage ich Dir ein für allemal, gepetzt, gemuckt und sich geziert wird nicht! Du'darfst auch nicht mit den Kleinen umgehen, weil die mit unserer Klasse blank stehen. Und der Selekta und la sagst Du .nicht etwa zuerst guten Morgen oder holst ihnen Stühle! Die nehmen sich nur was raus, müssen geduckt werden. Hauteford ist unsere Klassendame, und mit ihr müssen wir auskommen, sie ist ziemlich anständig. Im übrigen bekümmere Dich um Deine Sachen und laß Dir nicht einfallen. Dich zu erstaunen oder nach Hause zu schreiben, das würden wir Dir schön anstreichen!" Damit stieg Stilz von ihrem Sih, um sich wieder in Shelleys Feenkön:gin" zu vertiefen, die sie sich in Reklameausgabe. Gott weiß woher! gekauft hatte. Wahrscheinlich wußte niemand, was der eigentliche Inhalt war. Feenkönigin klang harmlos. Stilz hatte eine Witterung für revolutionäre Verse, verbrach selbst derartige Gedichte, die von der-Klasse bewundert wurden. So schrieb sich das Stift derzeit in's Album: Gebet. .LaZ; mich nicht wie die welken Blätter Im ycrbstwind spurenlos verwehn! Nein! lieber laß in Sturm und Wetter Aus freier See mich untergchn! Laß mich nicht gleich dem Vieh in trüber Stumpfheit befchließen meinen KreiS! Nein! eine rasche ttugel lieber In's Herz, so lang es frühlingöheib! Viel lieber in der Gottheit Feuer Nach kühnem Flug ein seliger Tod, Als Jahr für Jahr die blöde Leier Von AlltZgsluft und Alltagsnoth! Eine der Stiftsdamen, zeigte sich etwas erstaunt über derartige Lyrik. Das ist von Robert Schmidt," erklärte Sti!z kategorisch. Schmidt war ein unkontrollirbar weiter Begriff. Das Auge der Klasse lag streng aus Mariechen. Vorläufig hatte sie das schlechteste Fach und den weithin sichtbarsten Platz bei Tisch, den sogenannten Präsentirteller erhalten. , Das war das Loos aller Neuen und nicht einmal ausnahmsweise ungnädig. Mariechen hatte Heimweh und bemühte sich als rechtschaffenes Kind, es durch besondere Bravheit zu bekämpfen. Bei der Stubendame des Morgens strotzte sie von Sauberkeit. Stilz und Herta tranken Met," aus den Zuckerstücken der andern bereitet, und legten sich extra Butterbrote zurück. Bis in die Küche hinein wurde ihre angemaßte Vorherrschaft anerkannt, Auflehnung dagegen kam nicht vor. Mariechen antwortete in der Stunde wie aus der Pistole geschossen, saß schon vorher gespannt und aufgeregt wartend. Sie paßte wie ein SchießHund auf. verkündete ihre Weisheit in einem treffsicheren und nasalen Trompetenton. der zugleich Selbstbewußtsein und Subordination ausdrückte. Fortwährend flog ihr Zeigefinger in die Höhe, im geheimen freute sie sich, daß sie so gut beschlagen war, nur Stilz unterlegen. Man wußte nicht, wann Stilz lernte. Sie konnte alles. Mariechens ehrgeizige Seele rüstete sich zum Bravheitswettkampf mit Stilz. Die Bande hielt sich noch immer neutral. Auf den Spazlergängen ging Mariechen mit Lucie Richter und Adele Allmus. die, weil sie Bürgerliche und Halbezternen waren, aus dem innersten Zirkel ausgeschlossen, blieben. Sie beklagten sich manchmal halblaut über Stilz und Herta. Was die alles thaten! Doch lag neidvolle Bewunderung unter ihrer Mißbilligung. Stilz' bezeichnete die beiden als Schakale." Du bist auch so ein Anhängsel! sagte Jrmgard verächtlich zu Mariechen. .Geh doch -mit Deinen .Freundinnen!' m Nach und nach fand Mariechen manchmal Maikäfer in ihrem Schreibpult, ihre saubergespitzten Bleistifte waren abgebrochen und beschmutzt. Ein Bücklingskopf wanderte im Papier von Hand zu Hand bis in ihre sittsame Rechte. alL Produkt Australiens wurde ihr . Bandwurm!" vorgesagt,, aus ihrem Handarbeitkasten sprangen kleine Frösche, oder etwas, stach sie von rück-
wärts in's Bein, wodurch sie sich Ord-
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Sie bezrifs nicht, wann die andern lernten. Einen, ihrer. anZcfanzenen Briefe nach Haus vollendete Stilz in Krakelschrift, sinnige Zeichnungen, worin ein Huhn mit einem Lamm sich abwech selte, umrahmten das Elaborat. Den folgend: Sonntagnachmittag fand Mariechen die Klassenthür einfach von innen zugeschlossen. Zufällig kam eine Selektanerin vorbei, die nun energisch die Oeffnung erzwäng. . Stilz läse ein Drama vor, das nichts für Spitz- und Kinderohren sei. erklärte die Bande kühl. Seitdem hielt" .Mariechen mi! der Selekta. , Nun wurde es noch schlimmer. Sie versuchte, sich an die Klein:n anzuschließen, worauf it): Stilz bedeutete, daß dieser Umgang kommentwidrig sei, die Kleinen verdürben die Kaste. Mariechen weint: heiße Thränen. Selbst ihre Leistungen wurden angezweifelt: Wenn man Kantes Liebling ist, kann man wohl fehlerlose Extempora schreiben!" sagte Mila. ihre Hefte zusammenschiebend'. Mariechen hatte immer die besten Extempora. natürlich nach Stilz. Ihre runden Wänglein fielen ein; ein einziger ungesunder Ehrgeiz. Stilz zu übertrumpfen, gab ihr noch Haltung und Widerstandskraft. Dann kam die Katastrophe. Um ihre notorische Unfähigkeit zu stützen, hatte Herta Gardelegcn. die Kunst von den Lippen abzulesen, bis zur höchsten Vollkommenheit gesteigert. Es war englische Konversationsstunde, und Herta sollte aus dem Stegreif übersetzen. Gewöhnlich schrieb ihr Stilz den ganzen Abschnitt auf ein PaPier, und auf telegraphischem Wege gelangte der Zettel in Hertas Hand. Von erfahreneren. Leuten wurde Herta deshalb außer der Reihe gefragt. Herta saß auf dem Wort: satisfaction." Genugthuung!" zischte Stilz mit Frechheit über drei Köpfe.' . Es war so laut gewesen, daß nur ein Tauber nichts hören konnte. Herta wiederholte natürlich: Genugthuung." Mariechen senkte verwirrt und hocherröthet den Kopf. Jemand hat vorgesagt!" rief Gräfin 5kautenhagen empört. Ihr Auge blitzte gerade auf Mariechen. Mariechen stammelte: Elfriede Hesse ist es gewesen." Dies war der eigentliche dramatische Moment in Mariechens Schuldascin. Jrmgard schob sofort und mit Bedcutung dfe Nase in die Luft, Mila rückte von Mariechen ab. Stilz geruhte nicht einmal, sie anzusehen, und Herta lächelte in einer schläfrigen und grausamen Weise. Maricchen begriff: sie hatte gepetzt. Die Gesetze gegen das Vorsagen waren drakonisch. Stilz bekam einen Tadel und mußte außerhalb der Reihen auf einem gesonderten Stuhl sitzen. Natürlich ertrug sie die Ceremonie mit dem ihr eigenen Stoizismus. Es war Ehrensache, unter den strengsten Prüfungen. selbst am Marterpfahl, mit keiner Wimper zu zucken. Sofort nach der Stunde umringte die Bande Stilz. selbst Lucie und Adele thaten mit, Miß ließ ihre Blicke ' anerkennend über der Gruppe verweilen, während Mariechen Gräfin Kautenhagens Striäkorb tragen mußte. Die Paragrapben gegen das Vorsagen wurden nochbedeutendverschärft: Die. nächste, die ich dabei betreffe, wird bei der Aebiissin gemeldet und bekommt Sonntagsarrest!" schloß die Dame drohend. Aehnliche Furchtbarkeiten hatte Mariechen überhaupt noch nicht nennen gehört. ' Seitdem war sie unmöglich in der Klasse. Selbst Lucie und Adele standen ihr nicht mehr bei. Man mußte sich vor Mariechen in acht-nehmen! Mariechen petzte. Es ist hier nicht geheuer!" sagte irgend jemand sofort, wenn sie irgendwo saß, und riß das Fenster auf. Die Bande erfand eigene Warnungspfifse. stieß sich untereinander an, machte bedeutsame Kopfbewegungen. Selbst die Kleinen erlaubten sich höhnische und mißtrauische Bemerkungen. Mariechen mußte, um nicht ganz allein zu wandern, auf dn Spaziergang mit der Lehrerin selbst gehen. Was hast Tu denn gethan?" fragte Fräulein von Hautefort. Sie stotterte: Ich weiß es nicht" oder nichts." Stilz plante Großes. Mariechen schlief trotz Thränen und dem Bewußtsein ihrer Anrüchigkeit, als sie hart an der Schulter gepackt und im Bett gerüttelt wurde.. Zwei Gestalten, in weiße Laken über und über verhüllt, flüsterten ihr zu: Schweig! oder wir stecken Dir einen Knebel in den Mund? Komm mit!Das Kind folgte halbtodt, mehr getragen als selbst ausschreited. Es ging über, nächtliche Treppen und dunkle Korridore; der Begriff, daß etwas Verbotenes geschah, war halb erloschen in Mariechen, sie dachte selbst nicht daran,. daß sie schreien oder daß ihr Rettung kommen könnte. Das .Klassenzimmer war in einer eigenthümlichen Weise hergerichtet, die Tische übereinandergeschoben. so daß an der einen Wand ein sehr hoher Bau aufragte, alle Fenster waren verhängt. Drei Gestalten in Bettlaken thronten auf dem gleichfalls verhangenen Richterstuhl. die noch übrigen Tische, drapirt wie die anderen, bildeten eine Umzäunung, in die- nur ein winziges P strichen Einlaß gewährte. In diesen Vorhof wurde .Mariechen von ihren Begleiterinnen geführt. . ..Marie. Almandine. Olga. Josevbe
von Bennicke finz eine hohle Stimmt an; Du stehst hier vor dem Tribunal der heiligen Feme Deiner Klasse Ib. angeschuldigt, dem Feind, namentlich Gräfin Kautenhagen und Miß Linnett, Geheimnisse deiner Klasse verrathen zu haben bctrcsfs einer allge. meinen, in allen Schulen hcchangesehenen und rerbrei!elen Uebung des Vorsazens. Ich frage Euch alle, hier gegenwärtiz Richter, Schöffen und Beisitzende der heiligen Feme, ob eine rittcrliche und ehrenhafte Schule ohne besagten Brauch bestehen könnte?" Nein!" antworteten fünf andere dumpfe Stimmen. Du. Maria. Almandine. Olga, Josephe, hast Dich in Verblendung gegen diesen altehrwürdigen und hcrgebrachten Brauch erhoben. Nicht nur, daß Tu ihn selbst nicht übst, was wir als einfache Gnlctschigkeit oder Schusterei be;ei,lmen können. Du bast Seine Mitschülerin und Kameradin Elfriede von Hesse verrathen, sie und eine andere Gefährtin. Herta Melitta von Gardelegen, in schwere Noth und Anfechtung des FeindeS gebracht. Ich fraae Euch alle., was ist ihre Strafe dafür?" Verachtung!" sagten die zwei Schöffen, die Mitglieder des heimlichen Gerichts cchoten: Verachtung!" Merke Dir also." sagte Stilz. in einen gewöhnlicheren Ton verfallend, wenn Du nun auch das beste Zeugniß kriezst, von Kaute, Bensch u. s. w. verzogen und belobt wirst, für uns bist Du todt!. Du ezistirst einfach nicht. Tu bist geächtet. Jeder, der Dir Achtung erweist, soll ebenfalls geächtet sein, Teine Freunde sind "unsere Feinde. Wer Dir in irgend einer Noth beisteht, ist ein Verräther an der heiligen Feme. Verschwinde' Werde zu Luft und verflüchtige Dich! Geh zu Bett! Verräthst Tu irgend ein Sterbenswort von dem- hier Vorgefallenen, treffen wir Dich mit Strick und Beil. Im Himmel oder auf der Erde, in Wasser und Hölle." Stilz machte kabbalistische Zeichen durch. die Luft Du könntest durchgeprügelt werden, oder wir fchneiden Dir die Zöpfe ab und rastren Dir die Augenbrauen! Tritt ab! Hinweg! Boten der heiligen Feme, thut Eure Pflicht." Mariechen hatte während dieses eindrucksvollen Vorgangs eine erbärmliche Rolle gespielt. Sie zitterte vor Kälte, empfand ihr Nachthemd als indezent. Jedesmal, wenn sie schluckte, sprechen wollt?, setzte Stilz neu ein. Ihre Zähne schlugen aufeinander. Sie hatte den ganzen nächsten Tag Fieber und einen starken Schnupfen. Wo hast Du Dich nur so erkältet?" fragte Fräulein von Hautefort unzufrieden. Tu mußt auch vorsichtiger sein!" Stilz' Auge lag auf Mariechen, sie 'schwieg Mariechen fühlte sich vollkommen elend. sie wurde zusehends blasser und schmaler. Selbst ihre Leistungen ließen'nach. Die Vorzesehten rügten in einer mild tadelnden Weise. Aber Mariechen!" Mariechens Äugen sanken.dann über ihre Schreiberei, die sie mit. Thränen benetzte. ,.It's rny turn with petz-bag to6a)," sagte Mila in dem abscheulichen Gauneren'glisch der Bande. Die Klasse wurde abwechselnd kommandirt, jetzt mit Mariechen zu gehen. Stilz stellte dabei wohlwollende Betrachtungen über schwer zu beseitigende Wanzen. Läuse und andere Klebethiere an oder verbreitete sich über die Rolle von Judas und Eanelon in der Weltgeschichte; Judas und Ganelon bedeutet ' Mariechen. Ein anderer Hauptwitz bestand darin. Mariechcn Serdis zu nennen. Weil der Pseudo-Smerdis keine Ohren hatte, hieß Maricchen Smerdis. Gräfin 5autenhagen nahm sich ihren Schützling zuerst einmal vor. Wie kommt es." fragte sie. daß Du Dick mit den anderen nicht stehst?" Sie mögen mich nicht," stotterte Mariechen. Es sind unartige und eigenwillige Mädchen." sagte die Gräfin. Stilz zumal und Herta sind aller Zucht entwachsen. Man müßte viel strenger gegen sie. auftreten. Ich bin überzeugt, alle Schuld liegt auf Seiten Deiner Klass-nkameradinnen. Sie sind nur neidisch auf Deine Artigkeit und Beliebtheit." Ach nein," sagte Maricchen; diese schmeichelhafte Auffassung ihres Falles that ihr trotzdem nicht wohl, sie litt heimlich unter der Bevorzugung der Gräfin. ' Diese lud sie ein, in ihrem Zimmer auf seidenen Diwans zu sitzen, schenkte ihr kandirte Früchte, diemild abführende Eigenschaften besaßen, dazu sollten Mariechen und Lucie von zu Hause erzählen, oder die Gräfin gab Anna Roß und Jessikas First Prayer" zum Tasten. Es waren friedliche Nachmittage, die die so Geehrtör dennoch elendeten. Fräulein von Hautefort schien im Gegentheil nach und nach eine Abneiaung gegen Mariechen zu fassen. Sie rehandelt: die Schülerin kurz angebunden, worauf Mariechen sofort losheulte. Du bist weichlich und schlapp!" tadelte die Dame. Man muß versuchen, sich eine Position zu machen. Du bist doch kein'kleines Mutterkind mehr, sondern beinah eine Große.' Gib den andern zurück, was sie Dir bieten! Du mußt sie zwingen, Dich zu achten!" :.Zu Hause war ich immer beliebt," schluchzte Mariechen. . ..... 'Die schlanke, aristokratische Stiftsdame duckte die Achseln. Du munt
5Ltd) eben gewöhnen, für Dtch selbst einzustehen.- Hier gilt jeder, was er ist." Eine weichere Negung ließ sie hinzufügen: Nun. ich bin überzeugt, Redlichkeit und Pflichttreue erwerben sich überall auf die 'Dauer Achtung. Hast Du es an ersterer in Deinem Verhalten auch nie fehlen lassen?" O!" rief Mariechen verzweifelt, das ist StilzenS Haß!" . ' Stilz hat mir nichts gesagt," sagte die Freiin sofort abgekühlt. Deine Gefährtinnen zweifeln augenscheinlich an der Lauterkeit Deines Charakters. Ob mit Necht oder Unrecht, bleibt Dir selbst zu prüfen." Mariechen prüfte sich sehr ernstlich. Sie betete sogar: Lieber Gott! Ist es unrecht zu petzen? Habe ich denn wirklich eine solche Gemeinheit und Häßlichkeit begangen?" Sie erinnerte sich, daß Joseph seine Brüder angab; augenscheinlich wurde dies nicht ganz hübsch von ihm befunden. Auf der anderen Seite hatte sie doch die Wahrheit gesagt. Die Gräfin hatte sie gefragt und angesehen. Sie konnte doch nicht lügen. Aber die Antwort verweigern, entschied Stilzens unerbittlicher Ehrenkoder. ' Dann wäre ich bestraft worden für Trotz und Gehorsamsverweigerung? Stilz Mariechens imaginärer Stilz. zuckte die Achseln. Mariechen wußte genau, was er sagen wollte: das mußtest Du tragen. Manchmal wünschte jetzt Mariechen glühend, sie hätte sich heldmmäßig tenommen, alle würden sie dann angestaunt und liebgehabt haben. Sie sah sich Arm in Arm mit Herta und Stilz das zweite Triumvirat" bilden; Stilz erging sich mit Vorlibe in historischen Vergleichen. Eine Zeit besonderer Be-
7rückung von oben hieß die der Christenversolgung, Stilz vor der Konferenz war Luther auf dem Reichstag zu Worms, sie bezeichnete die Aebtissin als Dionys oder Nero. In Mariechens unschuldige Seele war ein zweifelhafter Ehrgeiz eingedrungen. Sie präparirte absichtlich nachlässig und zog sich allerlei Rügen zu. In den Stunden spielte sie und war zerstreut. Das anfänglich noch zärtlich vorwurfsvolle: Mariechen, gereade sitzen!" verwandelte sich bald in ein kurzes: Marie! Paß auf!" Immer drehte Stilz sich um und sah Mariechen an. Diese Blicke trösteten Mariechen. machten sie ganz dreist. Gräfin Kautenhagen sagte: Dein Geist hat sich verändert. Mariechen. Du bist nicht mehr das gute, artige Kind, das hierher kam. Deine liebe Mama wird sehr betrübt sein." Irgendwie war ihre liebe Mama in ziemlich weite Ferne gerückt für Mariechen. Sie fand, daß das Leben zu Hause eigentlich fad gewesen war, man spielte mit Puppen und anderen artigen Kindern. Mariechen empfand den Wunsch, Cigaretten zu rauchen und Pumpernickel zu essen. Herta und Stilz waren die Hüterinnen dieser Mysterien. Mariechen hörte Stilz alle Augenblicke saa:n: Das ist eine Gemeinheit!" oder: Das ist forsch!" Sie adoptirte diese Tenkungsweise sehr bald. Ach!" sagte sie mal zu Adele, Ihr seid doch nur Halbblut!" Adele sah sie entgeistert und beleidigt an. Mariechen fing entschieden an, unabhängig zu werden. " Stilz' Strafzeit wegen des VorsagenZ war abgelaufen. Mit einer längeren Standrede ließ Gräfin Kautenhagen sie wieder in die menschliche Gesellschaft aufnehmen. Mariechcn saß blaß und schuldbewußt während dieser Ansprache. Jeder Tag von Stilzens Absonderung hatte ihr einen Stich durch's Herz gegeben. Wieder übersetzte die Klasse bzz Reihe nach Herta kam an ihr Wort Satisfacticn." ' Hertas Gedächtniß war nur kurz, sie hatte die Vokabel längst vergessen. Genugthuung!" schrie Maricchen fast laut über die ganze Klasse. Ein Moment bleiernen, stumpfen Schweigens trat ein. Selbst Herta vergaß, das Vorgesagte nachzusprechen. Mariechen " sagte die Gräfin voller Staunen. Selbst in diesem Moment konnte sie das chen" nicht sofort aufgekcn. Marie Vennicke!" Mariechen stand aufrecht mit hochrothem Kopf und pochendem Herzen. Sie wußte, daß sie alle Strafen der Welt verdient hatte und erhalten mußte, den Tadel, die Meldung, den Sonntagsarrest . . . Bravo!" sagte Stilz ganz laut. Ein unerhörtes Glücksgefühl in aller Schmach erfüll!? Mariech:?. Si: hätte weinen, die anderen umarmen mögen. Nun hatten sie ihr dock wohl vcraeten. man würde sie Iko haben und achten! Du hast Dich sehr anständig benommen!" sagt: Stilz. Ich txlVdxt Dich für ehrenwerth." Herta Gardelegen schüttelte , ihr die Hand, Jrmgard war auf den Tisch ge. klettert und schrie: Drei Hurras für Marie' Bennicke. den Petzsack.Selbst Adele und Lucie schrien mit. Mariechen mit ihrem Tadel in Unart. der bevorstehenden Meldung an die Aebtissin ' kostete zum erstenmal ein ganz reines Vergnügen. 5iorrekt hatte sie, sicb gewiß nicht benommen, aber schneidig! In rührender Begrisfsverwcchsli'.ng, während die bangen Thraner ür, ihre kindlich runden Backen ko?:ri:n. die Augen prahlten, fragte si: Ä'm ich nun auch ew Cnttlemaa
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