Indiana Tribüne, Volume 30, Number 103, Indianapolis, Marion County, 21 December 1906 — Page 6
Jndiana Tribüne, 21. Dezember 1900.
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H. Sponst!
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Europäische Nachrichten.
Wägern. München. In seiner Wohnung an der Mariannenstraße brachte ick' der 26 Jahre alte Messungsassistent Heinrich Schmidt Schnittwunden an den Handgelenken bei und nahm hierauf auch noch Gift zu sich; er wurde dann von der Freiwilligen SanitätZ kolonne in das Krankenhaus r. d. I.' verbracht, wo er alsbald verstarb. Schmidt dürfte die That in einem Anfall von Geistesstörung begangen haben. All ach. Letztens wurde durch ei nen Streckengeher außerhalb des Einfahrtsvorsignals in die hiesige Station die Leiche des Bernh. Lehndorfer, Gütle? Hierselbst, aufgefunden. Bamberg. Infolge einer schweren Operation verstarb hier Freiherr Edmund v. Würtzburg, Mitglied der Gesellschaft Jesu. Er war am 29. November 1840 geboren als Sohn des großherzoglich oldenburgischen Kammerherrn und Oberhofmeisters weiland der Königin - Wittwe Amalie von Griechenland und der Freifrau Anna v. Würzburg, geb. Lady Lyons. Erlangen. Der a. o. Professor für Physik an der Universität Erlangen, Dr. Arthur Wehnelt, hat einen Ruf als Ordinarius an die Berliner Universität erhalten. Geisenfeld. Als das Flaschenbierfuhrwerk des Bierbrauerereibesitzers Gandorfer von Puch nach Hause fuhr, löste sich am Langenbrucker Berg plötzlich ein Vorderrad des Wagens los. Der Knechte und der mit ihm fahrende zehnjährige Maurerssohn Georg Jndersi wurden auf die Straße geschleudert, der Knabe brach hierbei das Genick, der Knecht einen Fuß. Hof. Der hier wohnhafte sächsische Schaffner Christian Ruckdeschel, der einen Zug begleitete, wurde in der Station Schönberg überfahren und nach Abfahrt, des Zuges vollständig zermalmt aufgefunden. -Lechhausen. Als der Bauunternehmer Bernhard Arnold von hier auf einem seiner Neubauten den ledigen Maurer Kugelmann wegen UngeHörigkeit zur Rede stellte, zog dieser daö Messer und stieß es Arnold in Brust und Unterleib. Die Verletzungen führten in kurzer Zeit den Tod des Arnold herbei. Der Mörder ist verhaftet worden. Rotthalmünster. Der wegen Sittlichkeitsverbrechen an Kindern verfolgie, seit längerer Zeit abhangige Pferdewärter Michael Gramüller wurde bei Vornbach als Leiche auö dem Jnn gezogen. Selbstmord liegt vor. Pfatter. Dieser Tage feierte der Geistliche Rath Anton Bram sein 50jähriges Jubiläum als hiesiger Pfarrer und sein 65jahriges Priesterjubilaum. Gleichzeitig beging der Jubilar sein 90. Geburtstag in körperlicher und geistiger Frische. T h ü n g e n. Dieser Tage verschied hier nach kurzer Krankheit im 89. Lebensjahre Freifrau Louise v. Thun gen, geborene Gräfin Roihenhan. Zwei Söhne, der Reichsrath der Krone Bayern, Freiherr Hans Karl v. Thüngen und der Oberstleutnant a. D. Rudolf Freiherr v. Thüngen, sowie zwei Töchter, die Stiftsdame Marie Frenn von Thüngen und Natali Freifrau v. Droth. trauern an der Bahre der Verblichenen. Württemberg. Stuttgart. Vor Kurzem beging die hiesige Sängergesellschaft Lyra im Festsaal der Liederhalle die Feier ihres 50jährigen Bestehens durch ein Festkonzert. Der Sohn Wolf des Malers Prof. Graf Leopold Kalckreuch bierselbst hat sich erschossen. Er war Einjähriger bei der Artillerie. Man vermuthet, daß ein Nervenleiden den jungen Mann zu dem entsetzlichen Entschluß gebracht hat. Auendorf. Aus Furcht vor dem Militär hat hier der 23 Jahre alte Gipser Neuffer Selbstmord verübt. Er war im vergangenen Jahre auf Grund einer Reklamation seiner alleinstehenden, unterstützungsbedürftigen Mutter der Ersatzreserve überwiesen worden; es wurde ihm dabei zur Pflicht gemacht, feine Mutter zu unierstlltzen. Dieser Pflicht ist er jedoch nicht nachgekommen. Die Militärbehörde, die hiervon Kenntniß erhalten hatte, ordnete infolgedessen seine Einstellung in daö Heer an; er sollte sich Anfang Oktober stellen. Der Einstellung hat er sich jetzt aber dadurch entzogen, daß er sich erhängte. N a g o l d. Der unsinnigen Spielerei mit Schießwaffen fiel auf dem Dürrenhardter Hof ein blühendes Menschenleben zum Opfer. Der 15jährige Dienstknecht Rich. Grau wurde auö Fahrlässigkeit von dem 17jährigen Dienstknecht Buob durch einen Revolverfchuß getödtet. Der Thäter wurde verhaftet. Oberdorf. Letztens wurde das HauS des Zach. Pappenheimer hier durch Feuer zerstört. Die Ursache deS Brandes ist nicht aufgeklärt. RommelShausen. Vor kurzem entstand in der Fabrik landwirthschaftlicher Maschinen von Mechaniker Wahler . Feuer, daS rasch um sich griff und daS ganze Gebäude zerstört. DaS nebenansiehende Wöhnge-
bäude konnte rettet' werden. ES
wird Brandstiftung vermuthet. Schorndorf. In der Nähe von hier hat sich der Bierbrauereibesitzer Link vom Engelberg bei Mnterbach wegen Kränklichkeit und Lebensüberdruß erschossen. 'S ü s s e n. Vom Schnellzug überfahren und getödtet wurde am hiesigen Bahnhof der Lehrer Rinck von hier. Rinck begleitete Bekannte zur Bahn. Da er zu nahe am Geleise stand, fing sich sein Mantel infolge des Zugwinde des heranbraufenden ZugeS in den Rädern der Lokomotive und rieß ihn unter die Räder desselben. Undingen. Von hier entfernte sich vor einiger- Zeit der 81 Jahre alte Privatier Johannes Guibrod. Bei einer Streife durch das Feld wurde er an einem Gebüfch als Leiche gefunden. Waden. x Karlsruhe. Dieser Tage feierte die hiesige Großbrauerei S. Moninger das Jubiläum ihres 50jährigenBestehens. Gleichzeitig waren 25 Jahre verflossen, seit die Direktoren Karl und Stephan Moninger ihre Thätigkeit tern Unternehmen gnvid,met haben. Die Brauereigesellschaft veranstaltete aus diesem Anlaß in der Festhalle dahier einen Festakt mit darauffolgendem Festessen. Brombach. Adlerwirth Kaufmann von hier wollte letztens die Dachrinne vom Fenster aus von Unrath reinigen. Dabei bekam er das Uebergewicht und stürzte rücklings in den Hof hinunter, wo er mit zertrümmertem Schädel todt liegen bl'.eb. F r e i b u r g. Niedergebrannt ist hier das weltbekannte Vergnügungslokal Luisenhöhe. Heidelberg. Der außerordentliche Professor an der hiesigen Unwersität, Dr. K. Kindermann, ist zum etatsmäßigen Professor für Nationalökonomie und Statistik an der Württembergrschen Landwirth schaftlichen Hochschule zu Hohenheim ernannt worden. Prwatdozent Dr. Bernhard Harms in Tübingen, der zuerst für diese Stellung in Aussicht genommen war, geht nach Jena, um dorr ein neu errichtetes Extraordinarrat für Staatswissenschaften zu übernehmen. Jöhlingen. Hier bannten die Anwesen des Lorenz Silvery und der ledigen Mina Fried nieder. Kon dringe n. Kürzlich machte hier Polizeidiemr Frey seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Derselbe konnte in diesem Frühjahr auf eine 25jährige tadellose Dienstzeit zurückblicken. Der vor kurzem erfolgte Tod seiner Ehefrau dürfte den nun allein im Leben dastehenden Mann, einen Veteran aus dem Feldzug 1870 71, zu dem Schritt veranlaßt . haben. Mannheim. Im Alter von 53 Jahren starb der Herausgeber der Süddeutschen Tabakzeitung" Jsidor Katz. Katz war früher politischer Journalist. Er war in Berlin unter Eugen Richter thätig, kam später nach hier, wo er in die Neue Bad. Landesztg." eintrat. Vor 16 Jahren grünSüddeutschen Tabakzeitung", Jstdor tung". Pforzheim. Vor kurzem hat sich der Gipsermeister Wilhelm Harrer. der sich wegen gefährlicher MißHandlung seiner Frau vor dem Schöffengerichte hätte verantworten sollen, in der Wirthschaft zum Storchen" den Hals abgeschnitten. u n t e r a l p f e n. Vor einiger Zeit brannte daö Anwesen des Landwirths 1. Thoma dahier bis auf den Grund nieder. Der größte Theil der Fahrnisse nebst Ernte- und Futtervorräthen fiel dem Feuer zum Opfer. Wegen Wassermangels mußte sich die Löschmannschaft auf Niederreißen des Brandobjekts beschränken. Der durch Versicherung gedeckte Schaden beträgt etwa 28.000 Mark. Es wird Brandstiftung vermuthet. Wein heim. 'Letztens erhängte sich hier die Wittwe Elifabetha Gebhard. Die 79jährige Frau ist aus Lebensüberdruß in den Tod gegangen. Ayeinpfarz. Speyer. Im Betriebe der Vereinigten Ziegelwerke erlitt der 15 Jahre alte Arbeiter ' Nikolaus März von Mechtersheim einen schweren Unfall. Dem Junaen wurden von der Maschine 4 Finger der rechten Hand abgequetscht. Dietrichingen. Vor Kurzem wurde in der Trualb die Leiche der Ehefrau des Ackerers Ludwig Wolff von hier gelandet. Ehefrau Wolff stand etwa im 40. Lebensjahre. Vor längerer Zeit hat die Lebensmüde ihre Wohnung verlassen und war seither verschwunden. Es wurde wiederholt bei ihr wahrgenommen, daß sie geistig nicht normal war. F r a n k e n h o l z. Auf hiesiger Grube verunglückte auf der 5. Sohle, 2. Floh, der 26 Jahre alte ledige Hauer Johann Sorg HI. aus H'öchen. Sorg war mit Schrämen beschäftigt, als sich plötzlich' ein Felsblock löste und Sorg unter sich begrub. Er war sofort todt. . Landau. Der Prinzregent begnadigte den zum Tode verurtheilten
Raubmorder Brücke! zu lebenölanglichem Zuchthaus. Brücke! hatte einen Lustmord an der Ehefrau eines hiesi- ' gen DienftknechteS begana.- ( "
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Wci!mnch5onninschc. Von Culilie Wi.-.trich, Clcveland, Ohio. le kHtcrvanmc flammen aus "Vv rt insi' ttttS fsiMn.t i tu t. V) 0"! liilUVIl 1IUUMtV! l !Ma. ? i riilaocns ein cccr cui Nach Hause ohne -äumcn. B!att brennt in einem Zimmer Licht, Tort fehlt die Wcihnachtsfrcudc! Seit Stunden karrt am Krankenbett Tcr Tod auf sich'rc Beute. Tcr Todcscngcl schwebt l,cran Regt lese seine Cchwingcn Teil ltttcn Wünschen Sterbender Tarf er Gewährung bringen. Tic Kinder möcht der 5!ranke sch'n, Tie ferne von ihm wohnen. Tcr (5ngcl nickt. (5in Tankcsblick Sollt' i.hn dafür belohnen. Jn's Haus der Tochter treten sie Tort spricht man just vom Erben '.Tcr Alte überlebet sich. Zcit wär's für ihn zu sterben." .verzeih euch Gott!" Tcr Kranke seufzt. Starr blicken AU' voll Grauen. Ein kalter Hauch die Thür springt auf, Toch nichts ist zu erschauen. ..Mir war, als hört' ich VatcrS Stimm', Taö hat was zu bedeuten!" Erschauernd hören sie vom Tom Tcr Wcihnachtsglockcn Läuten. Und weiter führt der Engcl ihn Hin zu des Sohnes Hause. Im Kreis der Seinen jener sitzt, spricht trüb nach längerer Pause: ecin Brief vom Heim; voll Bangigkeit S!uß ich dcS VatcrS denken; Gesundheit möge ihm der Herr iZlnd langes Leben schenken." c Kinder jubeln plötzlich auf: .Wie schön die Glocken lauten! .xür alle Menschen soll das heut' !ur Fried' und Freud' bedeuten. ..Großvater hört gewiß auch zu." Fromm falten sie die Hände. Bcschccr' ihm lieber heil'gcr Christ Tcr Freuden ohne Ende." Tie Brust des Kranken weitet sich Feucht glänzt sein brcchcnd Auge. ..Gelobt sei Gott! Ich segne euch Mit meinem letzten Hauche!" Plauderei. Daß das liebe Weihnachtsfest mit seinen Freuden und Leiden heran. naht, haben die verehrten Leserinnen gewiß schon zur Genüge vernommen, so daß sie es gewiß auch ohne nach dem Kalender gesehen zu haben, glauben. Jüngere Leute, besonders Kinder, werden vielleicht bei der Envähnung der Leiden mit dem Kopf schütteln; für sie herrschen die Freuden vor. Besonders trifft dies in Amcn'a zu, wo die Jugend durch Erfüllung aller Wünsche so sehr verwöhnt und selten dazu angehalten wird, nach ihrer Kraft durch Anfertigung hübscher Ar. bcitcn zur Festfreude beizutragen. Leider! Wohl sind wir Alle avon überzeugt, daß man die meisten der Handarbeiten billiger kaufen, als selbst herstellen kann; aber mit dieser kaufmännischen Berechnung nimmt man der Feier alle Weihe und Wür de und immer tiefer sinkt die hohcBe deutung des Festes zu rrnem Ueber raschungs'Geschcnktag zusammen, der ja ebenso gut auf jeden anderen Tag, als auf den fallen könnte, den die Geschichte als den Tag der Geburt Christi festgestellt hat. Nun sind ja gewisse Vorbereitun gen unbedingt geboten. Sie sollen uns über die Alltäglichkeit hinaushe ben, uns die Bedeutung des Festes recht zum Bewußtsein bringen. Es sollen Feierklcider angelegt werden; das Haus schön geschmückt sein, die Hausfrau muß das Beste bieten, was Küche und Keller vermögen; die ge bende Liebe will erfreuen, überra fchcn. Um aber recht zu empfinden, wie diese Gebote der Festfreuden nach menschlicher Weise, man könnte fast sagen in unmenschlicher Weise ausge wachsen sind, braucht man nur einige Tage im wilden Gcschäftstrubcl in oen Hauptstraßen und Niesenlädcn unserer Großstädte zuzubringen. Mit Schreien, Drängen undStoßen schiebt sich eine schaulustige Menge durch die Straßen und Geschäfte; vor denFcu stern der Juwelenläden ruhen die be gchrlichen Blicke der Vallköniginnen auf den ausgestellten Brillanten mit dem heißen Wunsche, daß zu dem Ho hcnfcst der Liebe doch wohl einige die ser Stcinchcn für sie abfallen könnten. Man gönnt ja den Kindern jede reine Freude von ganzem Herzen; wie ergötzen wir uns an ihrem Er. staunen über alle die Herrlichkeiten, welche in den Läden in Verschwender! scher Fülle aufgebaut sind. Aber lei der werden in unserer begehrlichen Zeit die Kinder selten zur Bcschci denheit angehalten. Die weitaufge rissenen Llugen umfassen alle die werthvollen Spielzeuge, die nur für reiche Leute zu erschwingen sind und sehr ernüchtert stehen dann viele der anspruchsvoll gemachten Kinder un ter dem Tannenbaum vor den nach ihrer Meinung bescheidenen Gaben, die ihre Eltern ihnen bieten können. Neu ist ja die Klage über den Um fang, den das. Schenken und alle die
aufregenden Aeufzerlichkciten zuWeib nachten angenommen haben, nicht. Schon vor Hunderten von Jahren wurden staatliche und kirchliche Ler böte dagegen erlassen, die aber da mals ebenso wie h'ut nur von Wem gen befolgt wurden. Was jedoch die Kinder und ilne Erziehung betrifft, so kann wohl benicrtt werden.' daß noch sein Zeitabschnitt in der Geschichte so trübe ölllssichtcu auf eine gesunde Ennvicklung der Jugend bot, wie der gegenwärtige. Was bedeuten denn wir alten Hinsterbenden gegen die Jugend? Ju dieser liegt doch die- Zukunft! Wie die Jungen denken und bandeln, danach formt sich doch das Wetgetricbe. Zwar wissen wir, daß ein gewaltiger Herrscher die Zügel der Negierung in der Hand behält, und schließlich doch Alles nach seinem Willen lenkt, aber er hat doch auch den Eltern viclMach: in die Hände gegeben, damit auch sie helfen sollen, daß die Kinder einem guten Ziel zustreben und nicht des Allmächtigen Willen cntgcgcnarbci ten, denn das rächt sich schwer an ihnen selbst und an dem Volk, dem sie angehören, so lehrt uns die Welt gcschichte. Eine verzogene, begehrli ehe, verwahrlosteJugend muß schlechte Seiten, Aufruhr und Unglück aller Art heraufbeschwören, es ist dies gar nicht anders möglich. Es giebt Mjltter, die von ihren vier sechs ' zehnjährigen Kindern behaupten, nichts mehr mit ihnen anfangen zu können, es wäre ganz unmöglich, ihnen Gehorsam beizubringen. In Wirklichkeit gehören Scenen, bei denen die Eltern von ihren kleinen Kindern wie Diener behandelt werden, denen man nicht zu gehorchen braucht, zu den peinlichsten, die einem feinfühlenden Gast passie ren können. Tie Eltern stellen sich damit das Armuthszeugniß aus, daß sie nicht früh genug mit derErziehung begonnen, oder die Grundlagen der Erziehungsmethode noch gar nicht be griffen haben. Schreiben kennt kein Buch, das diesen Gegenstand in so drastischer und humoristischer Weise behandelt wie Midshipman Easy" von Eapt. Marryat. Bcngel wie dieser Master Jack Easy giebt es allenthalben in großer Menge; Affenmütter wie Mrs. Easy, und von falscher Men schcnwürde bis zur Schwäche durch drungene Väter wie Mr. Easy auch. Es ist nur schade, daß nicht alle diese verzogenen Kinder von Männern wie Dr. Middlcton und Mr. Vonnycastlc in's richtige Geleise gebracht werden können. Man kann mit gittem Ge wissen Midshipman Easy", beson ders die ersten Kapitel, all den Eltern empfehlen, die aus Irrthum oder Gleichgültigkeit versäumt haben, den Kindern Gehorsam und alle die Ei gcnschaften beizubringen, die zu ih rem eigenen Besten und zum glück't chen Gedeihen der Zukunft eines Voi kes unbedingt nothwendig sind. Solche Betrachtung paßt doch aber nicht für das Fest der Freude, dem die Kinder zujubeln," so denkt gewiß manche Leserin. Bitte um ei nen Augenblick Geduld, Verehrte. In obenerwähnten Kapiteln fällt nämlich der Ruthe und der Ha sclnußgerte eine große Bedeutung zu und merkwürdig genug feh len diese wirkungsvollen Jnstru mente bei keinem Bild eines echten deutschen Weihnachtsmannes, die uns jetzt zu Dutzenden in verschiedenster Auffassung vor Augen treten. Die Zerrbilder, welche amerikanische Zeitungen undGeschäftslcutc von die sem guten Kindcrfreund entwerfen, wollen wir hier nur erwähnen, um ihnen unsere volle Verachtung auszudrücken. Tcr amerikanische Weihnachtsmann ist ein wüster, roher, häßlicher Spaßmacher, eine Aft Clown, der mit unserm gutmüthigen, belo benden. aber auch strafenden Alten vielleicht nur die Achnlichkcit hat.' daß sie beide rothe Röcke haben. Unser Ruprecht , ist umwobcn vom Märchen zauber des Waldes mit seinen schönen Rehen, seiner demantncn SchneePracht und den duftenden Tannen; in seinem Waldschloß sind die Werkstat ten, in denen für artige Kinder alle die schönen Sachen angefertigt wer den, welche das Entzücken der Kittder bilden, die noch nicht blasiert, eine gesunde Jugendzeit verleben; aber in seinem Walde wachsen auch die Birkenrciser und Haselnußgertcu. die recht wehe thun können. Und wehe dem. Kind, das diese Erfahrung nie gemacht hat. Es ist cntw?der trank oder verzogen. Wem die Bilder von Richter und Pletsch, diesen großen Meistern, in Erinnerung sind, der weiß, wie ost sie die Ruthe hinter dem Spiegel oder dem Schrank abbildeten: fast kein Abbild eines Knecht Ruprechts oder St. Nicolaus erschien in früheren Jahren ohne dies Zeichen seiner er zieherifchcn Würde. Thatsache ist jedenfalls, daß die Ruthe in den Häir
fern, in denen jie em gewisses Hausrecht besitzt, am wenigsten in Anwen dung gebracht zu werden braucht, in solchen Häusern regiert ein Blick, ein Wort der Eltern die Kinder: das heißt, wenn zuerst das Virkcnreis seine Schuldigkeit gethan hat. Möge das Fest der Liebe im echten Sinne des Wortes in allen unsern deutschen Familien auf das Schönste und Freudigste gefeiert werden; da zu gehört ja auch ein Gedenken an Diejenigen, für die sonst kein Gaben tisch bereitet wird. Aber sagen wir
unZ auch täglich, stündlich, daß alle die unnöthigen Aufregungen die in uns eine nervöse Hast hervorrufen, zur richtigen Feier ganz unncthig sind. Ebenfalls gilt es. die übergro ßcn Ansprüche der Kinder an die Opferfrcudigkcit der Eltern auf ein gesundes Miuj zurückzuführen. Und allen den gut erzogenen Kin d.-n möge es gesagt sein, das; sie ih ren Eltern nicht nur für die vielen Liebesgaben zu danken haben, die ge wisz wieder ihre Plätze unter den Weihnachtsbaum einnehmen werden, sondern auch für die vom Wcihnachts mann gebrachte Ruthe, die in der Hand ihrer Eltern so gute Dienste gethan hat., daß sie nun versteckt in irgend einem Winkel des Hauses ru hen kann. Kleine Kinder werden das noch nicht einsehen, aber die größeren werden es schon begreifen, warum aus dem, mit schönen Zachen gefüll ten Sack des Weihnachtsmannes avi) die Virkcnzweigc hcrvorstcckcn müs sen. Clara Michaelis.
Der Zlikolo wur d. Licbwerthe, kleine Freunde! Der Ctlfs1s. S t 7. it mm t . ! . S i Ji IIUIU IVUl UU i CU ii UUU Uil illiC für sich keine allzu große Neuigkeit, denn er hat gewiß auch Euch seinen: Besuch abgestattet. Aber laßt Euch erzählen, was er mir gebracht hat. Da ich ein kleines, sehr lebhaftes Tirndlein bin, wclchcs manchmal nicht gleich hört, wenn Muttchen ruft, j so durste uatürlich die Ruthe nicht i feblen. Steh Kätte midi soaar aewunj i o j dert, wenn es anders gewesen wäre, ; denn ich kenne schon gut das Spruch-) lein: Wer seine Kinder lieb hat. der züchtigt ne". Well ich aber doch manchmal auch brav bin, so war sic so schön geschmückt, daß sie beinahe einem Christbäumchen gleich fah.V Ich hatte mir Stickwolle gewünscht, davon war die grüne so reizend rnn die braunen Zweige der Ruthe dra picrt, daß es wie Moos aussah. Von der rothen Wolle war ander be ' kannten Stelle eine hübsche schleife gebunden. Tie graue war unten, die Erde symbolisircnd, herumgelegt (bald hätte ich vergessen. Euch zu sa. gen, daß das Ruthenbäumchen fest zwischen den Querschnitten in mei nem Sesselchcn steckte), während die gelbe, blaue usw. in Form von Fähn chen von den Zweigen herunter hing. Dazwischen gab's Zuckcrsterne. Choko ladcnzigarren, vergoldete Haselnüsse und in hübschen Mullsäckchen mein Leibgericht, das sind Rosinen. Was aber nicht Platz hatte oder zu schwer war, bunte Bleistifte, ein kleiner Be sen nebst SckTaufel, ein Packet Hafer cakes, Chokolade, Aepfel, Nüsse, Fei gen, Datteln und dergleichen, lag kranzförmig unten um das Bäum chen herum. Das Schönste aber, und worauf ich am meisten stolz bin, war eine Papierrolle, mit einem bunten Seidcnbändchen umwickelt, auf wel chem nachstehendes Gedichtchen, eigen händig vom lieben Nikolo geschrieben, stand: Ct. Nikolaus 190. Liebes Dorten, merke Dir: Diese große Ruthe bicr Soll Dich lehren, folgsam sein , Deinem lieben MütterlcinI Ucbcr's Jahr da steig' ich wieder Auf die Erd' vom Himmel nieder. Wenn Du artig dann gewesen. Fleißig auch mit Nadel. Stift und Besen. jlricgst Tu eine gute, Tüsze Zuckerruthe. Und die Birkcnruthe muft hinaus! Gelt, da freust Tu Dich. Du IlcincMauZ? Der Nikolo. Ihr könnt Euch denken, daß ich nun ganz besonders brav sein will, um mir die Zuckerruthe zu verdienen. Sobald ich sie bekommen habe,schreibc ich Euch wieder. Indessen seid freundlichst gegrüßt von Eurer Freundin D o r a. AufCkrisikkndleins Spuren. Nun seht ihr es selber, ihr Schwesterlein Lieb' Christkind muß schon drinnen sein ! Ich merke es gleich: Tas zieht durch durch die Luft, Und da liegt ja auch wirklich wahrhaftig ja Schon ein Tannenzwciglein und Schaumgold da! Still, still! Nun ist es ganz gewiß: Es kam durch Frost und Finsterniß; Mit leisem Finger pochte es an. Da hat Mütterlcin ihm aufgethan. Nun horcht nur! Da innen das Flü gelwehn. Das Gleiten und Schreiten und Hu fchcn und Gehn ! Ganz sicher nun schüttet's in unser Haus Sein goldenes HmrmÄsschürzlein aus ! Rasch, rasch in unser Stübchen licht! Wir üben noch einmal das Weih uachtsgedicht Nnd fdlten die Händchen und beten fromm. Daß Christkind in unsere Herzlein komm. Daß es mit uns spiele, kerg' und lach'. Und uns zu guten Kindern mach'. Kommt. Schwesterlein, kommt mit leisem Schritt'. Und daZ Stückchen Schaumgold neh. ' , ir.cn wir mit.
