Indiana Tribüne, Volume 30, Number 102, Indianapolis, Marion County, 20 December 1906 — Page 5
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tzinabgebeugt, gcdankenzchwer Sitz ich den lieben laiigen Tag Und sinn' und sorg? hin und her, 2icifj nicht, lvas eZ noch geben mag. G3 wogt di? unocstüine Brust, Es gährt i:r ctepf, es brcuut die Stirn; La drinnen pocht's: Tu mußt! Tu mußt! TaZ arme, abgeplagte irn! Vei vieler Müh' ein karger Lohn Und Noth und Sorge obendrein: Las trag ich aus dem Kamps davon, Ta heißt's: ein starker Kämpser sein! Nnmerllich geht die Thüre auf, Es raschelt leise 'was heran, Ein Stimmchen tönt zu mir herauf, Ein zartes 5ändchen faßt mich an. Mein Kind! Mein Kind! Mit einem Mal Wird mir so ohl. so Wnfccrbarl Mein Kind! Mein süßer Sonnenstrahl, Mit deinen Augen sternenklar. Mit deinem kleinen, rothen Mund, Ter immer lädt zum Küssen ein! Mein Herzblatt, frisch und kerngesund, Tu sollst mein guter Engel sein! Wenn mir der Kopf voll Sorgen brummt Und wenn ich grüble Tag für Tag: Vor dir, mein Engelchen, verstummt Mein Klagelied 'mit einem Schlag! 1 Der Diotlje. Eine Lrinncrung us mrincr Matrofenznt. von M. fötaler. Gin wundervoller Conntagmorgen war es. Die Sonne strahlte aus dem wolkenlosen Blau des südlichen Himrnels auf das lreißIescheuerte Deck unseres Schiffes herab und ließ di: blankgeputzten kupfernen Beschläge an der Reling, dem Fallreep und auf den zahlreichen Vollern wie gleißendes Gold funkeln und blitzen, so daß man geblendet das Auge wegwenden mußte. Eine leichte, von Land her wehende Brise trug ganze Wolken von dem süßen Tust der blühenden Orangenbäume zu uns herüber. An Land herrschte tiefe, sonntägliche Stille. Keinen Laut hörte man, nicht einmal das Bellen eines Hundes störte die Ruhe. Unser Schiff, der alte Magellan," lag friedlich in der Bucht von Paranagua dicht unter Land vor-Anke? und schaukelte leicht in der tiefblauen Fluth. Das einzig vernehmbare lautere Geräusch an Bord war das eintönige Knarren der Masten und Stangcn, verursacht durch das sanfte Wiegen unseres Schif-fe-, und das Ccschrei der Möven. bald in weiter Ferne, bald in allernächster Nähe,' bildete den einzigen Mißton in der Sonntazsfeier der Natur. Wir hatten soeben unser Frühstück verzehrt, das üblich gräßlich zähe Beefsteak, wie es nur ein brasilianischer oder argentinischer Ochse liefern kann, mit Kaffee. Hartbrot und gebratenen Bananen zum Nachtisch. Gemüthlich unser Pfeifchen schmauchend, standen wir an der Reling und freuten uns des friedlichen Bildes vor uns. Unser Kapitän, ein zäher Holländ:r mit einem Ziegenbart, klclpperdürr vom eifrigen und andauernden Genevertrinken, ging mit dem ersten Steuermann auf dem erhöhten Achterdeck spazieren und erzählte in breitem Groninger Platt von der Zeit, als er noch Äuffschippec" war und unmenschlich viel Geld derdiente. Plötzlich schlugen gellende Töne vom Lande her an unsere Ohren, Töne, wie sie nur ein in seinem Gefühl tiefgekränktes Schwein hervorzubringen vermag. Dazwischen hörte man Hunde bellen, Menschen schimpfen, kurz es war ein Höllenlärm, der zu der bislang herrschenden Sabbathstille einen fühlbaren Gegensatz bildete. Nach einer . Weile ging das in den Fisteltönen höchster Angst erschallende Gequieke in ein ergebungsvolles Grunzen über, und wir sahen, wie drüben an Land ein Kanoe klargemacht und ein Sack mit etwas Zappelndem, Lebendigem darin hineingeworfen wurde. Dann stieg der Eigenthümer des Bootes, ein unserm Kapitän befreundeter deutsch-brasilia-nischer Farmer, hinein und paddelte auf unser Schiff zu. Aha," sagte unser Segelmacher, nachdem er die Pfeife aus dem Munde genommen und bedächtig über die Reling gespuckt hatte, be Kirl will uns' Swin' intuschen." Der Segelmacher sollte Recht behalten. Kaum war unser Landsmann an Bord gekommen, als der Schweinehandel losging. Erst wurden unsere Ferkel in Freiheit dressirt vorgeführt, betastet, von allen Seiten betrachtet und bekrittelt. Mijnheer Jan van Blexem, unser Kapitän, lobte die Vorzüge seine: Schweine mit leredten Worten, um ihren Marktpreis möglichst hoch zu schrauben, und ließ durchblicken, daß sie Nachkommen einer preisgekrönten Norkshire-Sau. also von höchstem Adel seien. Schließlich, als der Käufer noch immer eine kalt ablehnende Miene zeigte, fing er sogar an, von ihrer Bildung zu reden. Ick kann ju verteiln, disse Swin sind klöker als Mensken. Se könt ganz genau Arftjcs von Bohntjes unnerscheden, un freien dohn se just so veel und binoh so manerlich as min Stürlüt." Keptem!" rief der Steuermann dazwischen, wo könnt Se mi mit Swin' .veraliken! Wat. Fentje, mit disse Swin.schrie der Kapitän, de mi so ant Hart wussen sind, mehr as min egen KinnerZ, daröber könnt Se sick högen (freuen), dat is ne Chr för Se.So ging es noch eine Zeitlang weiitx, der Farmer, der mit unseren
deutschen Schweinen seine eigene brasiliamsche- Schweinezucht 'veredeln wollte, die Fallreepstrevpe hinunterlief und mit zwei zappelnden und jämmerlich quiekenden eingeborenen Ferkeln unter den Armen wieder an Deck erschien. Ein drittes, noch kleineres TKier mit knallrothen Borsten krabbelte
vergnügt hinter ihm die Treppe tjeiaui und sprang oben von der Reling fröhlich quiekend an Deck, als wollte es sagen: Guten Tag auch, da bin ich! So, Kapitän, diese drei Ferkel gegen Ihre leiden." Doch unser Kapitän, schien unersättlich. Nc, ne. Menske. doj geit nicht an, mien Swin gegen bisse Kakelacken, de wieder nix as Hut un Knoken sünd. Ne, Landsmann, dat könt Se nich verlangen. Te lütt is jo gor keen Swin, dat is j? en Rott, un noch dorto en mit rode Hoor; de bringt mi jo Unglück int Schip. Ne. wat sall ick mien Fru seggen. wenn ick ehr de Swin' nich wedder mit no Hus bringt!" Kurz und gut. aus dem Handel schien nichts werden zu wollen, bis der Farmer, welcher es nun einmal auf unsere Ferlel abgesehen batte und der die Leidenschaft unseres Alten für geistige Flüssigleiten kannte, noch einmal an Land padcelte und mit einem Faß Caschias aus dem Saft des Zuckerrohres gebrauter Schnaps zurückkehrte. Dieser Versuchung konnte unser Kapitän unmöglich widerstehen, und der Handel wurde abgeschlossen. So kam des Rothe" bei uns an Bord. Mit seinem ersten Auftreten, dem Treppensteigen und darauffolgendem todesverachtenden Sprung an Deck hatte sich das kleinste Ferkel gleich unsere Herzen erobert, und es dauerte nicht lange, da war es unser aller Liebling. Im Laufe der Reise richteten wir es zu allen möglichen Kunststücken ab; es lernte auf den Hinterbeinen tanzen wie ein gelehriger Pudel, durch die Arme springen und apportiren. Beim Segelsetzen. wenn wir mit dem Fall" längs Deck liefen, rannte der Rothe mit dem Ende des Falles im Maul krampfhaft grunzend vor uns her und gab mit den großen wackelnden Ohren und dem hochragenden Ringelschwänzchen ein so possirliches Bild ab. daß wir vor Lachen kaum vorwärts konnten. Hätte das Ferkel in einem Eirkus das Licht der Welt erblickt, würde es als Artist eine glänzende Zukunft vor sich gehabt haben. Doch ihm war ein anderes Loos beschieden. Der Magellan" war von Brasilien mit einer Ladung Mate (brasilianischer Thee) nach der Westlüste Südamerikas gegangen und, nachdem in Valparaiso die Ladung gelöscht war. weiter die Küste hinaufgeklippert, um in Pisagua eine Ladung Salpeter für Philadelphia an Bord zu nehmen. Im Laufe der Zeit waren die beiden Brüder des Rothen. welche im Stall bei Erbsen und Bohnen ein beschauliches Dasein geführt hatten, den Weg alles Schweinefleisches gegangen, das heißt, sie waren in Gestalt von Braten. Würsten und Sauergekochtem von der Kombüse in die Kajüte gewandert. Wir vorne im Mannschaftslogis hatten auch nicht einen Bissen davon bekommen. Dus ärgerte uns um so mehr, als unsere Kost nach dem Verlassen Pisaguas von Tag zu Tag schmaler wurde, während die Achtcrgäste (Kapitän und Steuermann) immer noch in dem Sauerfleisch der beiden todten Schweine schwelgten. Unser gekränkter Magen knurrte nach Rache, und es sollte auch nicht lange dauern, bis sich eine. Gele,;enheit zu blutiger Vergeltung bot. Seit dem Verlassen Pisaguas hatte der Rothe auf Anordnung des. Kapitäns dauerndes Quartier in dem' durch den gewaltsamen Tod seiner Vettern verwaisten Schweinshock" nehmen müssen. der am Großdeck bei der Großluke festgelascht war. De Roje löpt to vee! an Deck riirn; dobi kann he nich fett warn." Und der Rothe mußte hinter Schloß und Riegel, wo er bei Erbsen und Bohnen zusehends zunahm, zur großen Freude des Kapitäns, der ihm täglich einen Besuch abstattete, um festzustellen, ob er nicht bald reif für's Messer sei. Mittlerweile waren wir in die Reaion der Südweststürme bei Kap Horn gekommen, und der Rothe mußte auf Befehl des Kapitäns Aufenthalt unten im Kabelgatt nehmen, wen er im Schweinshock am Deck wegen der überkommenden Seen nicht sicher genug stand. Als wir eines Tages beim Mittags essen saßen, kam der Koch in unser Lo gis und erzählte, daß er vom Kapitän den Auftrag habe, den Rothen, sobald das Wetter etwas besser sei. m's Jenseits zu befördern. Dabei blinzelte er mir zu. Aha, dachte ich bei mir, der Doktor" hat etwas auf dem Herzen. Nach dem Essen ging tch zu thin in dl Kombüse, und dort entstand ein Plan. der sowohl unsere Rachegelüste gegen den Kapitän ob der alleingegessenen beiden Schweine, als auch die Förderung unseres Magens vollauf befried: aen sollte. , Gegen Abend, etwas nach sechs Uhr, als es anfing zu dunkeln und die Ach terg'aste beim Schaffen". (Essen) waren, gingen wir an die Ausführung unserer schwarzen That. Unter dem Schutze , der Dunkelheit schlichen wir nach vorn, öffneten wir me Luke zum Kabelgatt und stiegen lautlos in die Tiefe. Voran der Koch mit emer La terne. hinter ihm mit aufgekrempelten Aermeln Albert, der dlcke Bierbrauer,
Jndiana Tribüne,
f:i: Kerl vom Umfang eine? avgevroa;enen Riesen, bewaffne vAt einem langen spitzen Messer und .dem Labskausstampfer" (Labskaus ist ein seem'ännisches Cencht), der ihm in Ermangelung einer besseren Wasfea!s Keule dienen sollte. Den Nachtrab bildete ich mit einem Beil und einem Zcugsack. Ganz unten angekommen, empfing uns der Rotye mit zutraulichem Grunzen. Ahnte er, was ihm bevorstand? Dachte er wohl daran, daß sein letztes Stündchen nahe war, daß wir, seine besten Freunde, gekommen wären, um ihm im Schutze dunkler Nacht wie Meuchelmörder den Garaus zu machen? Wer kennt die unergründliche:: Tiefen eines Schweinehirns! Jedenfalls konnte kein Gladiator muthiger sterben als der Rothe. Ein wuchtiger Schlag mit dem Labskaus stumpfer" streckte ihn zu Boden. Ein dumpfes Röcheln und. als sich der Koch mit gezücktcm Messe? über ihn beugte, ein letzter vorwurfsvoller Blick: Auch Tu. mein Sohn Brutus? und alles war vorüber. Ter Rothe hatte aufgehört zu athmen. Ter schwerste Theil des Werkes war gethan. Ter noch warme Körper wurde raich m den Zeugsack gesteckt, die Kohlen etwas durcheinander gewühlt, um die Llutspuren zu verwischen, und dann ging es theils ziehend. theis hinten nachschiebend nach ofcta in das Mannschaftslogis. Hier wurden schnell die an Deck führenden Fenster verhängt, denn die Achtergäste hatten inzwischen ihr Abendbrot eingenommen und standen an Teck. Die Ueberreste 3 Rothen" wurden auf die Back gelegt, Ströme kochenden Wassers darüber gegossen. und nun ging es mit Scheidemessern, Löffeln und sonstigen gefährlichen Instrumenten an's Schrappen. Die ganze wachfreie Mannschaft betheiligte sich an dem ReiNigunzswerk mit einem Eifer, der einer besseren Sache würdig geWesen wäre. Wenn ich mir heute das Bild ausmale: unser von Wasserdampf erfülltes, enges Logis, die abenteuerlichen Gestalten der Janties. die sich um den in der Mitte ausgestreckten Körper drängten ein ahnungsloser Zuschauer hätte sich sicher in eine Mörderhohle verletzt geglaubt. Nach einer halben Stunde war alles gethan. Ter Rothe war entborstet, ausgeweidet und m Stucke geschnitten, die theils schon in . der Kombüse schmorten, theils in Seekisten. Klcidersäcken und Kojen gründlich verstaut waren. Dann wurde das Logis gründlich gereinigt und oelüftet. Als der Kapitän am folgenden Morgen dem Rothen im Kabelgatt den üblichen Morgcnbesuch abstatten wollte, war die Statte leer. Komm. Roje, wo steckst Du denn, mien Llllten? Ick hew Di ok wat mitbröcht! Na, so komm doch, mien Zuckersnut!" . ' Aber kein Rother ließ sich blicken, selbst nicht, als beide Steuerleute, unterstützt von dem Kapitän, dem Kajütsjungen und d:m scheinheiligen Smutje (Koch), das ganze Schiff mit Laternen absuchten. Kein Winkel blieb undurchstöbert, ja selbst oben in den Masten wurde gesucht, so hoch ging die -Meinung von den' Fähigkeiten, des Rothen. Nur das Mannschaftslogis und die Kochtöpfe in der Kombüse, wo die sterblichen Neste des schmerzlich Vermißten lustig brodelten, blieben von dem Argwohn der Suchenden verschont. Schließlich kam der Kapitän nach AbHaltung eines Kriegsrathes mit seinen Getreuen, "wobei selbstverständlich der Koch das große Wort führte, zu dem Schluß, wir hätten den Rothen während des Sturmes lebend über Bord geworfen, um uns für die allzu knappen Rationen zu rächen, und wir hüteten uns wohl, ihn aufzuklären. Wie man den Zaren betrügt. Nach dem Besuch des Äaren Nikolaus in Frankreich vor einigen Jahren war die Pariser Presse der Meinung daß sie verpflichtet wäre, dem Kaiser ein Geschenk anzubieten. Man ließ Tetaille ein Aquarell malen und scyickt, das Bild, aus' vräcktiaste einaerabmt nach Petersburg wo es dem Aaren übergeben werden sollte. Drei Monate vergingen, ohne daß das Komite der Parlier Presse irgend eine Antwort er hielt: Kein Brief kam aus Peters bürg, kein Zeichen des Dankes. Das Komite fina an sich zu wun dern. War das Geschenk auch richtig an seinen Bestimmungsort gelangt' In Petersburg lebende Franzosen wur den beauftragt. Nachforschungen dar nach anzustellen, und so erfuhr man schließlich, daß der Zar das Aquarell in der That erhalten batte. es batte ibm sogar so gut gefallen, daß er ihm den schon ten Plak m seinem ArbeitsZim mer anwies. Aber warum hatte er dann mcht aeantwortet? Die Verwun derung der Pariser Zeitungsmänner wurde immer aröker. Man lieft weiter forschen und brachte am Ende in Erfahrung, daß das Bild dem Zaren von seiner Umgebung verkaust w.or den war. und zwar für eine reckt statt liche Summe; und da der Zar dafür hatte bezahlen müssen. Katte er auch geglaubt, niemand einen Dank schuldig zu sein. ' Sechs Zehen an jedem F u ß e. Bei einer in Borna. Sachsen. vorgenommenen Krüppelzahlung wurden insgesammt 34 Krüppelkinder ermittelt. Darunter befand sich ein Kind, das an jedem Fusse sechs Zehen besitzt. ' . .: ' ...
20. Dezember woo
Auch eine Liebesgeschichte. i Humoreske von Adolf Thiele. Hier ist eine Stube mit Kammer zu vermiethen?" fraate der Redakteur 'carker, als er der zungen Dame ent-; g5gentrat. Die Vermieterin, ein Fräulein in den mittleren Zwanzlgern, führte ihn freundlich in' das Zimmer, das einen schlicht behaglichen lnorua macyte. Die Ordnung und Sauberkeit, die hübsche Lage, der Preis alles erschien dem Miether annehmbar; dabei ruhte sein dunkles Auge mit Wohlgefallen auf den freundlichen Zügen des blauäugigen, rothwangigen, blonden Mädchens, das in entgegenkommender Weife auf seine verschiedenen Wünsche einging. Sie theilte ihm dann noch mit, ihr Vater. ein Beamter in einem kleinen Orte, sei gestorben, und sie sei mit einer Freundin nach der größeren Stadt gezogen. Zuerst wollten wir zusammenziehen," sagte sie, wir haben e3 uns aber doch anders überlegt." Das war sehr gescheit," stimmte der Herr zu, denn nichts stört die Freundschaft mehr als zu enges Beisammenwohnen; deshalb zanken sich auch die meisten Eheleute." Märker zog noch am selben Tage ein. Sein Lebenslauf zeigte nun das Einerlei des arbeitsamen Mannes: frühzeitig in der Redaktion, nachmittags ein reichliches Mahl in einem Hotel, ein Spaziergang ' durch die Straßen, an schönen Tagen 'ein Ausflug, Schriftstellerek und Stu dien zu Hause, hie und da Tbeater. Konzert, eine Versammlung ode: noch ein wenig Lektüre im behaglich stillen Heim kurz, das arbeitreiche, aber friedliche und sorglose Leben eines vernünftigen Junggesellen. Und doch war nicht alles, wie es sein sollte! Das wäre ja recht gut urti) schön, wenn nur die verteufelte Verliebtheit nicht wäre! Ich sehe die blonde Klara gar zu gern, plaudere gern mit ihr, und das ist doch recht störend!" Und so war es in der That auch. Wenn er den elastischen Schritt des hübschen Madchens im Vorzimmer hörte, so fühlte er sich erregt, und trat sie dann ein, um ihm das Abendbrot zu bringen, so plauderte er mi! ihr'. Das freundliche Mädchen hörte ihm dabei gern zu, wenn er sich in deiu amüsanten Redewendungen des erfahrenenGesellschafterS erging, und in seinem Geplauder über Liebesgeschichten 'und alle möglichen, anderen Erlebnisse gern den alten Mann" spielte, ber alles hinter sich hat". Da er nun noch immer ein leidlich hübscher Kerl war und eine kräftige schlanke Figur besaß, so machte es dem Mädchen immerhin einige Mühe, ihre nachsende Zuneigung zu verbergen. Aber Märker war etwas nachdenklich geworden. Spiele nicht mit dem Feuer!" sagte er sich.' Könnte Dich Deine Verliebtheit nicht eines Tage $ü einem dummen Streiche verleiten?" In der nächsten Zeit gab er sich daher dem bewährten Gegengift gegen die Liebe hin: er las wieder den Apofiel, der Ehefeindlichkeit, den großen Schopenhauer., und dessen Genossen Tolstoi und verwandelte dabei ' eine Anzahl guter Zigarren in Asche letzteres, um den Teufel mit Beelzebub", das heißt eine Leidenschaft mit der anderen zu vertreiben. Das Mittel schlug auch diesmal an. Als es jedoch den Reiz der Neuheit verloren hatte und er immer wieder den Anstürmen der sanften blauen Augen und der glänzenden blonden Haare sowie dem freundlichen, dienst willigen Wesen seiner Wirthin ausgesetzt war, kamen die eingesogenen Grundsätze jener ehefeindlichen Heiligen" wieder ins Wanken. Zu seinem Glücke" trat jetzt ein anderes Moment hinzu. Die Wohnung, die das sonderbare Liebespaar innehatte, wär ziemlich geräumig, und so batte sich die holde Wirthin schon längst mit dem Gedanken getragen, noch ein anderes Vorderzimmer zu vermuthen, und zwar ebenfalls an einen Herrn. Eigentlich paßte das nicht so recht in seinen Plan; er sagte sich, daß beide Männer in ein Eifersuchtsverhältiß gerathen konnten, und daß er bann vielleicht das Malheur haben könnte, den Sieg davonzutragen". Eines Tages theilte ihm nun seine Wirthin mit, es hätten sich zwei Herren gefunden. Beide wären Kaufleute, der eine ein flotier junger Mann, der andere mehr still, anscheinend solid und in mittleren Jahren. Märker bewillkommnete den stillen, soliden Mann sehr , freundlich und verkehrte öfters mit ihm. Da . in dem Vorzimmer zwischen den Wohnräumen beider Männer ein Klavier stand und Berger gerne spielen hörte. nahm Marker sem langst uegengelassenes Klavierspiel wieder auf und that, auch synst durch Bllcherlerhen und andere Aufmerksamkeiten alles, um seinem Retter" wie er ihn im stillen nannte daS Leben möglichst anaenehm zu machen. Eines Abends ließ Märker durchblicken, daß er. zwar ihre Wirthin recht nett findet aber leider anders bunden sei.
Als aus Bergers ruhigen Augen ein Freudenblitz leuchtete, erquickte dies den falschen Freund, der sich in diesem Moment mit niemand 'Geringerem als mit Judas Jschariot verglich, derart, daß er an diesem Abend ganz gegen seine Gewohnheit eines über den Durst trank, eine Belustigung, an der sich der hoffnungsfreudige Berger lebhaft betheiligte. Auch weiterhin heizte er ihm. gehörig ein", sodaß Berger wärmer und wärmer wurde. Der belesene Mann stöberte dabei alle Bücher - und Zeitunaen nack Schilderungen ebelicken
Glücks durch, die er Berger zu lesen gab, und wurde nicht müde in Verwünschungen des öden" Junggesellentbums. Bei alledem fühlteich Märker, wie stets bisher, stark versucht, das Mädchen in seine kräftigen Arme zu schließen und sie tüchtig abzuküssen, aber sein Ziel stand ihm stets vor Augen. Mit oebeimemVeranüaen bemerkte er nun, daß der Gegenstand seiner Verltedhelt kühler gegen ihn wurde und längere Gespräche mit seinem Rivalen führte, und als nun endlich der Tag erschienen war, wo Berger seinen Antrag machte und ihm später glückstrahlend mittheilte, daß er erhört worden sei da schlich sich Märker abends aus dem Hause, gab einen Betrag in die Armenkasse und leistete sich eine Flasche Champagner. Im stillen Winkel einer Weinstube trank er diese ganz solo und las dabei des frankfurter Weisen berühmtes Kapital über die Metaphysik der Liebe." Berger wollte anstandshalber aus der Wohnung seiner Braut ausziehen, Märker aber, der Angst hatte. Berger könnte zu guter Letzt noch abspringen", redete ihm dies aus. So blieb denn der Bräutigam, der seinen Nebenbuhler auch nicht gern mit seiner Braut allein ließ, auch bis zur Hochzeit wohnen. Das schöne Fest wurde still und schlicht gefeiert, und Märker, der die holde, heute besonders reinzende Braut in einem Toast als die Perle in der Krone der Frauen pries, war der vergnügteste Hochzeitsgast. Berger hatte auf Märkers Anregung eine andre Wohnung gemiethet, und sein Freund befand sich nunwieder auf der Wohnungssuche. Das war die letzte hübsche Wirihm meines Lebens!" sagte er sich, indem er der Kämpfe gedachte, die hin-, ter ihm lagen, und als ihm in einer Wohnung, wo Zimmer zu vermiethen waren, ein reizendes Mädchen öffnete, murmelte er etwas Unverständliches und sprang mit Vehemenz die Treppe hinab. Bei einer älteren Dame, die wohl nie schön .gewesen war, fand er dann den ersehnten Ruhehasen. Berger, der stark unter den Pantoffel gerieth und pekuniär aus der Bataille nicht mehr herauskam", traf er nur selten und zufällig. War Frau Berger gerade zugegen, .so umschmeichelte sie ihren Mann.um Märker zu ärgern; deraber kannle diesen Kniff und reagierte nicht darauf. Einer der schönsten Hügel am oberen Mississippi, der mit Zerstörung bedroht war, wird infolge der Bemühungen der Bevölkerung von Red Wing. 'Minn., verschont bleiben. Es ist dies der La Grange Bluff, der allgemein unter dem Namen Barn Bluff bekannt ist. Trotzdem er Eigenthum mehrerer Parteien ist und trotzdem viel Kalk von ihm gewonnen wurde, ist doch seine pitoreskeSchönheit erhalten geblieben,und in den -letzten Jahren sind beSünden früherer- Jahre durch Anpflanzung von Gras und Bäumen verwischt worden. Vor kurzem hat nun eine Eisenbahngesellschaft einen fünsjährigen Pachtvertrag abgeschlossen, um dort Felfenmaterial zum Eisenbahnbau zu gewinnen. Es wurden auch Vorberitungen in großem Stile getroffen. Schließlich wurde von den Bewohnern von Red Wing an den Präsidenten Earling telegraphirt, er möge die Arbeiten unterbrechen lassen bis sie ihm persönlich ihre Sache vortragen könnten. Er . antwortete, daß er angeordnet habe, daß alle Arbeiten zur Eröffnung des Steinbruches am La Grange Bluff eing? stellt werden sollen. Der La Grange Bluff war vor einigen Jahren für einen Staatspark in Vorschlag gekracht worden, und es ist Aussicht vorhanden, daß. er für einen Stadtpark verwendet werden wird. In Domodossola in Italien sind erfolgreiche Experimente mit einem neuen telegraphischen Apparat, der öon Giacomo Segre erfun den ist, gemacht worden. Es war mit diesem möglich, von einem, in Bewegung befindlichen Zuge Telegramme an den König von Italien und andere Empfänger zu senden. Durch das neue System sind Züge während der Fahrt in . Verbindung mit den Stationen. mit anderen Zügen auf der Strecke und mit der Centralstation. so daß dadurch Unfälle auch besser verhütt wenden können. Ein Schlaumeier, vcathin: Aber, lieber Herr Doktor, an Ihrem-Rocke fehlen nicht, weniger als zwei Knöpfe, Sie müssen unbedingt heirathen., Doktor: Gern! Wissen Sie mir vielleicht ine Frau mit köpfen?" .
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