Indiana Tribüne, Volume 30, Number 101, Indianapolis, Marion County, 19 December 1906 — Page 7
Jndiana Tribüne, 19 Dezember I9()(i.
1 HndeH 1 Z Roman von . D A. G. v o n S u t t n c r I l:i!!I!!I!!!!III'!i!I!j!!!I!I'!!,III,!!I!,II!I!!!I!IIIIIIZ (Fortsetzung.) Auch zu Begrüßungen wär, jetzt mcht die Gelegenheit. Er nickte nur hastig der Mutter zu. die eben einen Pack Bettzeug daherschleppte, während ihr die hellen Thränen über die Wangen liefen gewiß es war traurig, das liebgewordee Heim auf diese Weire zu verlieren dann eilte er zum Bruder hin, um die,em beim TransPort des Kastens behilflich zu sein. Jetzt krachte und prasselte es und wie aus einem Vulkan wirbelte ein Sprühregen von Funken zum Himmel empor: Tas Tach. sammt seinen verkohlten Balken. Sparren und Decken war eingestürzt. Endlich war der von den Flammen gerettete Theil der Habe außer Gefahr gebracht worden, und die Familie ruhte, inmitten der aufgestapelten Sachen. unter der Buche. Die Holzknechte, welche hilfreiche Hand geleistet hatten, saßen in einer Gruppe abseits, bei Wein und Brot. Geyer hielt das Gesicht in den Händen vergraben, während sich seine Frau unaufhörlich die nassen Äugen mit d:m Vortuch abwischte. Josef, der Bruder, stierte brütend vor sich hin. dann irrte sein Blick im Kreise umher und blieb plötzlich an der Kleidertruhe haften: Wer hat d' Kist'n aufg'macht?" Ich!" erwiderte Andreas aber ich habe sie auch wieder zugeschlössen." Dann hat 'n Andrer d'ran herumg'fuchtelt," rief Josef aufsiehend und sich der Truhe nähernd, während er einen mißtrauischen Blick gegen die Holzkncchte hinüberwarf. Andreas war unruhig geworden. Er folgte dem Aelteren. um zu sehen, wie sich die Sache verhalte. Für den Augenblick war nicht festzustellen, ob man dem Behälter Kleidungsstücke entnommen hatte aber eines war gewiß: Das Manuskript fehlte! In fieberhafte? Erregung leerte Andreas die Truhe bis auf ihren letzten Inhalt, untersuchte dann jedcs Kleidungsstück für sich, schüttelte und zerrte griff in die Taschen aber vergelens das Packet fehlte. Er suchte ' wie verzweifelt im Grase, rannte dann weite? gegen den Fluß zu hinaus, aber nichts nichts! Das war für ihn persönlich ein gräßlicher Schlag fast härter als das Unzlück, das die Seinen betroffen. Das Ergebniß jahrelanger, mühevoller Arbeit, durchwachter Nächte der Schah seines alten Freundes war gestohlen und gestohlen in Folge seiner Unvorsichtigkeit seiner Nachlässigkeit! Er rannte ganz außer sich zur Buche zurück, wo die Seinen saßen. Aus is mit All'm mir san Bettelleut!" vernahm er dieStimme des Vaters und dann begann die Mutter laut zu schluchzen, während Josef grimmige Verwünschungen ausstieß; dann nach kurzem Schweigen: Das Fcuer hat wer g'legt!" mit dumpfer Stimme. S'is nit anders mögli'; Wann i' nur den Teufelsbrat'n wüßt d'rwürg'n möcht i' '!" Andreas hörte dies Alles mehr wie im Traume. Plötzlich erwachte er: Der Kamptrottel hat's gethan!" rief er mit Bestimmtheit. Was d'r Kamptrottel?" frug der Bruder. Ja, er war hinter dem Baum ich weiß es gewiß; er ist der Dieb!" Was Dieb? Brandstifter" verbesserte der Bruder. Waßt aber g'wiß. daß d'r Kamptrottel da war?" Ganz gewiß. Hier, hinter der Buche hockte er, während ich mein Packet in die Truhe legte. Ja, ja, er ist's der Dieb!" und Andreas sprang wie besessen empor. Er rannte mehr als er ging in die Richtung nach Kampegg hinter ihm drein folgte Josef: So wart a wengerl. Anderl, daß i' nachi kimm!" Beide eilten nun den Fußweg entlang; der Eine immer von seinem Manuskript. der Andere von Brandlegung sprechend. Endlich hatten sie den Ort erreicht. Sie stolperten geradeweg auf das Haus des Ort-vorstandes los. Das war nun ein Staunen, als der aus dem Schlafe gerüttelte Bürgermeistcr hörte, daß das KampwirthsHaus sammt der Mühle abgebrannt und daß der Kamptrottel der Brandstifter sei. Andreas hatte gut den Bruder versichern, daß er von der Brandlegung nichts wisse. Diesem genügte der Umstand vollkomnen, daß der Blödsinnige in der Nähe umhergeschlichen sei und vielleicht hatte er in seinen Schlüssen nicht so unrecht. Es verging einige Zeit, bis der Bürgermeisier mit seinen AmtZvorbereitungen zu Ende war. dann hieß es erst noch den Gemeindediener wecken denn die Sache mußte streng nach den gesetzlichen Vorschriften vorgenommen werden darauf bestand das Dorfoberhaupt. Mit großen Stalllaternen versehen. den bewaffneten Diener der Gerechtig' keit an der Spitze, setzte sich daZ Häuflein gegen das Gemeindehaus in Be wezung. Nichts stand dem freien Eintritt entgeaen und so gelangte man ItxiXi ohne Schwierigkeiten in die Kammer, welche dem Blödsinnigen als m Wohnung angewiesen war.
Der Kampirottel lag wie ein Hund zusammengerollt auf seinem Strohsack und schnarchte. Josef gelang es endlich, den Schlafenden mittelst einiger Fußtritte zu wecken aber das war auch der einzige Erfolg, den man von der nächtlichen Untersuchung erreichte. Einige blöde, unfaßbare Laute dann ein kindisches Gelächter mehr war aus dem Verdächtigen nicht beraus7.ul)?inaen. Endlich riß Josef die Geduld. Ihm galt die Vermuthung des Bruders als Beweis: War der 5camptrottel zu jener ungewöhnlichen Stund: hinter der Buch: gewesen, so war auch er der Verbrecher! Natürlich, um sich für die Züchtigung zu rächen, die ihm Geier damals bei Gelegenheit des Säng:rfej' es hatte anedeihen lassen. Er allein lohnte daö Feuer gelegt haben. Und nun fiel der kräftig: Mann über den Mißgestalteten her, um ihm, wie er sagtet die Teufels seel' auS'n Leib zu würg'n. Der Bürgermeister, der Gemeindediene? und Andreas waren genöthigt, den Wüthenden mit Gewalt von' sei-, nem Vorhaben abzubringen ja, ö:r Vorstand drohte sogar mit Arrest, wenn Josef nicht Vernunft annehmen wollte. Andreas dachte immerfort an die ihm abhanden gekommenen Papiere und er beeilte sich nun, den kleinen Raum auf das sorgfältigste zu durchsuchen aber all seine Mühe war crfolglos. Wohl kehrte er Alles von oberst zu unterst selbst der Strohsack wurde bis auf's 6älmch?ii entleert doch verqebliche Mühe keine Spur vom Manuskript. Es blieb ihm endlich nichts anderes übrig, als unverrkcheer Dinge wieder mit dem Bruder abzuziehen.
8. K a p i t e l. er Kampwirth hatte die Wahrheit gesprochen: er war ein Bettler. Freilich hatte er sein Anwesen versichert gehabt. aber auf dieses Geld konnte er keinen Anspruch erheben, denn es gehörte I?nen, die ihm ihr Getreide zum Mahnen anvertraut. Gerade jetzt hatte es das Unzlück gewollt, daß die Körnerkammer mit fremdem Gut angehäuft war, so daß nach der ungefähren Berechnung des unglücklich: Mannes die Versicherungssumme kaum zum Ersatze reichen würde, den er seinen Klienten zu leisten verpflichtet war. Hart für einen alten Mann, der gehofft, dieser Tage das blühende Geschäst dem ältesten Sohne zu übergeben. um nach langer, gewissenhafter Arbeit die wohlverdiente Nuhe zu genießen! Und Andreas für ihn war der Schlag ein doppelter gewesen. Das war der erste Windstoß, von dem der Nettor damals gesprochen und wahrlich, ein Windstoß, der ihn für immer von dort wegzutragen drohte, wo er den Grund zu seinem Zukunftsbau gelegt hatte. Womit sollte er jetzt seine Studien fortsetzen? Tas kostete Geld und gab es nicht für ihn jetzt andere Pfiichten? War er nicht bemüßigt, den Eltern durch seiner Hände Arbeit die Existenz zu ermöglichen? Und wie konnte er überhaupt noch dem Rektor unter die Augen treten, nachdem er diesem einen unberechenbaren, nie zu ersetzenden Schaden verursacht hatte! Durfte er's wagen, sich noch einmal beim alten Freunde blicken zu lassen? Ja, er durfte es er mußte es sogar! entschied er endlich. Sein Rechtlichkeitsgefühl gebot es ihm, diesen Schritt vor allem Anderem zu machen. Es wäre feige und schändlich gewesen, sich nun aus dem Staub zu machen und die Freundschaft des alten Mannes auf diese Weise lohnen zu wollen. Er mußte den gerechten Zorn des Anderen geduldig über sich ergehen lassen ohne nur ein Wort zu seiner Vertheidigung erwidern zu können denn er hatte keinen in seinen Augen stichhaltigen Entschuld! gungsgrund; das Unglück wollte es einmal so. Der erste Impuls war der gewesen, em Rektor zu schreiben aber auch dieses Mittel verwarf er nach einiger Ueberlegung: In solchen Fällen handelt man wie ein Mann man geht und bekennt offen, was geschehen. Andreas hatte mit den Seinen provisorische Unterkunft beim Lehrer in Kampegg gefunden. Dem Brud:r bot sich j schon am nächsten Tage Gelegenheit, sich bei einem wohlbabend:n Bauern eines der Nachbardörfer als Knecht zu verdingen und auch der Jikngere ging mit dem Gedanken um, eine ähnlicbe Stelle zu suchen. Vorerst wollte er noch nach der Stadt; erst nachdem der schwere Gang gemacht war, konnte cr mit etwas ruhigerem Herzen an die Zukunft denken. Morgen. Sonntag, bot sich die beste Gelegenheit: Der Herr Pfarrer hatte die Absicht, in die Stadt zu fahren und forderte Andreas auf, ihn zu begleiten. Die Fahrt war auf den Nachmittag festgesetzt worden. . Andreas verließ nach eingenommenem Mittagessen das Schulhaus, um sich zum PfarrKof hsn über zu begeben als er plötzlich WaLengerassel vernahm, das näher kam. Eine tüchtige Staubwolke und derselben entstieg wie der Kriegsgott. Herr Hauptmann und Kommandant Fummerer in voller Uniform. Offenbar kam er direkt von einer militä rischen Parade: Soeben vom Unglück gehört- sagte er in abgebrochene: militärischer Weise. - Wo sind die Eltern?"
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Andreas beeilte sich, den Kriegsmann in's Haus zu führen, dann sprang er hinüber, um dem Pfarrer zu melden, daß er verhindert sei. an der Fahrt theil zu nehmen; er konnte ebensogut Herrn Fummerer nach der Stadt zurück begleiten. Äls cr hierauf wieder in die Stule trat, wo die Eltern mit dem Gaste saßen, vernahm er tUn die letzten energisch gesprochenen Worte des Besuchers: Es bleibt dabei. Herr Geier Unsinn' den jungen Menschen seiner militärischen wollte sagen seiner wissenschaftlichen Karriere entziehen zu wollen. Basta das ist meine Sache!" Die Mutter wischte wieder an ihren Augen und der Vater sah sehr gerührt d'rein. Was blieb dabei? Was war Herrn Fummerers Sache? Andreas sollte es sogleich erfahren: Bedank Di' beim Herrn Hauptmann!" sagte der Vater warm. Bedank Di' Anderl!" Nichts zu danken" erwiderte der Kommandant kurz MenschenSoldatenpflicht, weiter nichts." Und nun theilte er in abgebrochenen Sätzen seinem Pfleglinz mit, daß es zwischen ihm und seiner Schwester beschlössen? Sache sei, .Andreas wie zuvor bei sich ein Obdach zu gewähren und außerdem die Schulkosten zu tragen. Constantia will es so;" wehrte er. als Andreas erwidern wollte es ist kein Geschenk, das wir Dir machen. Später einmal, wenn Du in der Lage bist, kannst Du die Schuld abzahlen." Er sträubte sich gegen alle Danksagung und segnete den Zufall, oder vielmehr die Fahnenweihe, die ihn heute bestimmt hatte, sich in kriegerische Hülle zu werfen; diese Hülle verbot ihm,, an der allgemeinen Rührung theilzunehmen sie befähigte ihn sogar, grimmig drein zu schauen obgleich sich ihm die Thränen in die Augen zu drängen suchten, als er nun seinen jungen Freund" schluchzen sah. Keine Faxen, Andreas" brummte er. indem er die steifen Spitzen des Schnurrbarts zu förmlichen Nadeln auszog. Wann sehen wir Dich, 'mein junger Freund? Hoffentlich bald Andreas erwiderte, daß er beabsichtige. Herrn Fummerer in die Stadt zu begleitn, da er dem Rektor eine Mittheiluna zu machen habe. Dein Rektor? Gut, daß Du mich erinnerst ich wollte Dir sagen, daß der Rektor krank ist." Krank!" Ja. sogar sehr krank: Ter Schlag hat ihn getroffen ein Eehirnschlag. wie der Doktor sagt." Der dritte Schlag im Zeitraum von wenigen Tagen! Andreas blieb mehrere Minuten hindurch sprachlos dann erst fand er Worte, um Herrn Fummerer zur Abfahrt zu drängen. Er mußte seinen alten Freund sehen es war kein Augenblick zu versäumen! Wer pflegte ihn? Was sagte der Doktor? Hatte r Hoffnung? und so gingen die ängstlichen Fragen noch immer fort, als sie schon im Wagen saßen und auf der Straße dahinrollten. Herr Fummerer war nicht in der Lage, auf alle Fragen des Anderen Antwort zu geben. Er erzählte, daß frühmorgens die Haushälterin vorbei geeilt sei, als er eben im Begriff war. den Laden auszuschließen. Auf seine Frage, was sie so zeitlich auf der Straße mache, erwiderte sie, daß sie den Rektor besinnungslos in seinem Bett gefunden und daß sie den Doktor rufen gehe. Sobald Herr Fummerer einen freien Augenblick gefunden, war er zum Rektorhäuschen geeilt, um sich selbst über den Zustand des Kranken zu erkundigen, und dort hatte er den Doktor getroffen, der ihm mitgetheilt, daß es ein Gehirnschlag sei und daß er Schlimmes befürchte. .. Es schien Andreas, als wolle die Fahrt kein Ende nehmen; er hatte mögen zum Kranken hinüberfliegen, um ihn nur schnell zu sehen und zu wissen, daß er noch am Leben sei vielleicht war er in diesem Momente schon todt! Herr Fummerer brachte nun das Gespräch auf den Brand. Andreas erzählte in zerstreuter Weise und jetzt erst, als er erwähnte, wje sie die wenigen Sachen gerettet, kam thm wieder das verschwundene Manuskript in den Sinn.' Er sprach in sichtlicher Aufregung von dem schweren Verlust, der ihn betroffen, und wie das der Hauptgrund gewesen sei, warum er in die Stadt zum Rektor gewollt. Würde Herr Fummerer seinen Tag als Vorstand des Lesevereins gebabt haben, so hätte man sich etwa auf folgende Ausrufungen gefaßt machen können: Unersetzlicher Schaden!" oder: Nie gut zu machendes Unglück für die Literatur Deutschlands!" in seiner augenblicklichen militärischen Eigenschaft jedoch, nahm er die Nachricht ziemlich kalt auf bemerkte sogar, daß um einen Wisch" mehr oder weniger im Grunde genommen nicht schade sei, und erklärte, daß Andreas der Sache zu viel Bedeutung beilege. Er brauchte sich das Ganze nicht so zu Herzen zu nehmen übrigens warnte er seinen jungen Freund, dem Rektor, falls er ihn bei Sinnen fände, davon zu sprechen, da die Vermeidung jeder Aufregung Hauptbedingung einer Bcsserung, eventuell Herstellung sei. So langten sie schließlich im Stadtchen an. Andreas beeilte sich, Fräulein Constantia zu begrüßen und ihr von ganzem Herzen für Alleö zu dansen, was sie für ihn zu thunvorhatte.
dann machte er sich auf den Weg zum Kranken. Leise schlich er in's Gemach, wo der alte Freund lag. Die Haushälterin saß am Fenster und zählte mechanisch die Maschen ihres Strickstrumpfes, hie und da zum Patienten hinübcrblickend lind einen leisen Seufzer ausstoßend. Als Andreas näher kam. leuchtete ihr Gesicht merklich auf sie wußte, daß er gekommen sei, um sich mit ihr in der Pflege zu theilen. Wenigstens konnte sie jetzt ihren nothwendigsten häuslichen Pflichten nachkommen war sie doch überzeugt, den Kranken, während sie, in der Küche schaffte, sich? ren Händen zu überlassen. In flüsterndem Tone wiederholte sie dem Neuangekommenen Alles, was d:r Doktor gesprochen vergaß auch nickt, die Vorsichtsmaßregeln zu erwähnen, die der Arzt anempfohlen und dann bedeutete sie Andreas, daß sie ein wenig im Hause nachsehen gehe, für den Fall, daß er geneigt wäre, ihren Platz auf ein paar Minuten einzunehmen. Aus fce;i paar Minuten wurden ebensoviele Stunden, denn eine gewisscnhafte Hausfrau findet immer Geleginhcü in Hülle und Fülle, zu haiy tiren, zu fegen. vl ordnen und zu räumen. Da war die Suppe aufzustllen. denn es unterlag keinem Zweifel, daß der Rektor, falls er erwachte, ohne weiteres eine Kraftbrühe mit Ei sein Lieblingsgericht verlangen würde; dann sah es im Studirzimmer noch von gestern ganz wihste aus" wie sie sich hochdeutsch auszudrücken glaubte, überall Tabakasche d?r Raum selbst noch von Rauch geschwängert da hieß es nun lüften, fegen, abstauben kurz, sie wußte nicht, wo sie zuerst Hand anlegen sollte. Als sie sich daran machte, den Schreibtisch in Ordnung zu bringen, wo es nach ihren Begriffen sehr durcheinanderlich" aussah, bemerkte sie auf der Mappe einen angefangenen Brief: ..Lieber Bruder! Ich möchte Dich nun auch einmal meinerseits um einen großen Gefallen bitten, den Du mir zu erweisen gewiß in der Lage bist: Es handelt sich um die Zukunft einer Person, die mir seit mehreren Jahren treu zur Seite gestanden hat, und der ich so gut als es in meinen Kräften sieht, zu einer sicheren Existenz verhelfen wollte. Dir, in Wien dürfte es ein leichtes sein, in dieser meiner Intention zu wirken, und And" hier war das Schreiben abgebrachen. Sicher ist sicker! dachte klugerweise die Alte. Tas hatte der Rektor offenbar für sie geschrieben; für den Fall, daß ihm etwas Menschliches zus oßen sollte, möchte er wenigstens die Gewißheit haben, daß seine alte treue Dienerin eine sichere Versorgung finde. Sie überlegte nicht lange, faltete den Logen zusammen und steckte ihn in di: Tasche dann setzte sie unter reichlichen Thränen der Rührung ihre Arbeit fort. ' Andreas saß unterdessen bewezungslos am Bett des Kranken. Er ließ den starr vor ihm Liegenden nicht aus den Augen man hätte glauben können, es sei eine Leiche dort aufgebahrt. Wie das Gesicht eingefallen und blaß war! Die Lider schlössen sich wie wachsern über die Augen, die immer so klar und gut in die Welt geblickt, und um den Mund lag ein scharfer Zug. wie ihn Andreas nie im Leben beim Rektor gesehen hatte. .So würde er vielleicht die Lippen verzogen haben, wenn ihm der Schüler mitgetheilt hatte, daß der ihm anvertraute Schatz verloren gestohlen sei! Endlich kam die Haushälterin wieder zurück. Sie flüsterte dem jungen Manne zu, daß Herr Fummerer um ihn gesandt habe. Auf diese Nachricht hin verließ Andreas das Haus, nachdem er jedoch versprochen, bald wieder, zu kommen und die Nacht hindurch beim Kranken zu wachen. Die Geschwister warteten mit dem Abendessen auf ihren jungen Freund. Fräulein Constantia suchteden Niedergedrückten nach besten Kräften zu ermuthigen und theilweise erreichte sie es auch. Dir ist gewiß um die Eltern bange, Andreas" sagte sie gutwüthig. Gewiß. Beide sind alt und werden sich nur schwer ihr tägliches Brot verdienen können deshalb werde ich auch zu meinem großen Leidwesen Ihren gütigen Antrag nicht annehmen können. Ich muß jetzt daran denken, sogleich Geld in's, Haus zu schaffen und um dies zu erreichen, muß ich das Studiren wohl aufgeben" mit einem Seufzer. Ich werd's wie der Bruder machen und " Da habe ich einen besseren Ausweg gefunden, wie. ich glaube" sagte Fräulein Constantia heiter. W'ährend der Bruder auf der Hinfahrt zu Euch begriffen war, ist mir die Idee gekommen bann habe ich sie ihm mitgetheilt, und er ist ganz damit einverstanden. Höre also, was wir vorhaben." Sie theilte nun dem überrasckten Andreas mit. knb fii 5, abstehlt ge, mit dem Bruder aus ein paar Monate zu verreisen. Ihr sehnliche ster Wunsch war schon von der Wieg: auf" gewesen, einmal das Meer mit seinen Gondolieren" zu sehen und dieser Wunsch sollte jetzt endlich in Er füllung gehen. Seit zwanzig Jahren hatte sie mit der größten Ee.'orssenhaftigkeit täglich zwanzig Kreuzer in einc eigens dazu bestimmte Börse gelegt, die den Namen Reisekasse" füh-te. Gestern, am zwanzigsten Jahrestag, war die Neisekasse geöffnet worden es fanden sich darin vierzehnhundert
Gulden! Genug, um wie Kavaliere zu fahren! Sie wollten Trieft und Venedig sehen, vielleicht auch ein Stückchen von der Schweiz berühren kurz, die Gelegenheit ousnützen. Um aber dies thun zu können, mußten sie vor allem daran dcnken, ihren Laden sicheren Händen anzuvertrauen und diese Hände hatten sie nun gefunden: Wenn Andreas' Vater sich einverstanden erklärte, die Geschäfte während, ihrer Abwesenheit zu führen, so war !hncn sogar ein großer Dienst damit erwiesen. Natürlich würde man ihm einen kündigen Kommis unterste!len, der aber eben zu überwachen wäre. Die Mutter konnte mittlerweile das Haus in Ordnung halten mit einem Wort, sie betrachtete es als einen wirklichen Gefallen, den ihnen Herr Geier erweisen würde. Andreas' Augen leuchteten auf. Er wußte wohl, daß der Dienst den Geschwistern gegenüber kein so enormer war er kannte Fräulein Constantias Herz, das immer dort zu helsen trachtete, wo Hilfe am nothwendigsten war aber jedenfalls konnten sich die Eltern nützlich machen sie setzten sich keineswegs dem Verdachte aus. das Gnadenbrot zu genieß:n. Er schlug in die dargebotenen Hände der Geschwister ein er war sicher, im Namen der Eltern ja" sagen zu dürfen. Uebrigens wird es auch für alle Zukunft bei der Sache bleiben können" nahm nun Herr Fummerer das Wort (er hatte sich wieder in Civil geworfen). Ich bin so sehr mit anderen Pflichten überhäuft, daß ich dem Geschäfte nicht mehr allein genügen kann; besonders wenn es bei Constantias Heirath bleibt, die dann natürlich ihr eignes Haus führen wird. Aus diesem Grunde ist mir auswärtige Hilfe unerläßlich und ich kann keine besseren Helfer finden, als Deine Eltern. Wie Du siehst, braucht, Dir mithin um ihre Zukunft nicht bange zu sein, mein junger Freund. Und nun wollen wir Dir wieder die Freiheit geben, denn ich glaube zu bemerken, daß Du auf Deinem Sitz unruhig wirst; ohne Zweifel willst Du nach Deinem Kranken sehen. Geh' mein Junge es ist ein schöner Zug des Herzens, dessen Du Dich wahrlich nicht zu schämen brauchst." ' Gewiß" ergänzte Fräulein Constantia Dankbarkeit für erwiesene Freundschaft ist heutzutage eine seltene Eigenschaft eine Blüthe, die man nur mehr auf gewissen Bäumen tropischer Idealität" ein falscher Schluck. den Fräulein Constantia gethan, bewirkte einen Hustenanfall, welcher dem poetischen Schluß ihrer Rede ein Ende machte. Endlich, nachdem sie sich erholt: Geh'. Andreas, lasse Dich nicht aufhalten." Als der junge Mann in die Krankenstube eintrat, fand er die Alte über ihrer Strickerei eingenickt. Todtenstille herrschte im Raum. Andreas schritt zur Schirmlampe und pumpte das Oel herauf, das abgelaufen war. dann ließ er sich im Lehnstuhl am Lager des Patienten nieder. Nichts rührte und regte sich. Er konnte sich vollends seinen Gedanken hingeben. Die Eröffnung, die ihm Fräulein Constantia gemacht, hatte ihm das Herz um ein 'großes Gewicht erleichtert. Nur Eins fehlte jetzt, und er würde sich sogar glücklich gefühlt haben: wenn nur ein gütiges Geschick es wollte, daß der vor ihm liegende Kranke "wieder die Augen öffnete! Ach wäre er an Iahren und Erfahrung reicher hätte er's jetzt schon erreicht, die Geheimnisse der Heilkunst zu beherrschen wie würde e? nun all sein Wissen und Können darangesetzt haben, um dem kranken Freunde zu helfen! Es hatte gelingen müssen er hätte den, der ihm immer ein zweiter Vater gewesen, sicherlich dem Tod; abgerungen! Kann es einen schöneren Beruf ein größeres Glück geben, als. eine theure Person wieder zum Leben zu erwecken! Er starrte auf den leblosen Körper hin und plötzlich fuhr er erregt zusammen: war es Täuschung gewesen, oder hatte er recht gesehen? Seine Augen hatten sich an das Halbdunkel, das im Zimmer herrschte, schnell aewohnt er sah Alles fast so deutlich wie bei Tage und er glaubte nicht zu irren der Kranke hatte die Lider aufgeschlagen! Zitternd erhob er sich von seinem Sitz, um sich ein wenig vorzubeugen: Er lebt er hat die Augen osfen!" jubeltees in seinem Inneren. (Fortseung folgt.)
Gedsnkmsplitter. Manch??' schimpft über die schlechten Zeit, Verhältnisse und meint damit seine eigenen. Der schlimmste Feind künstlerischen Etrebcns ist d:r Allerweltsgeschmack. ßüte dich vor denen, die die Augen verdrehen, die verdreben sicher auch die Worte. Manch Ooffnung rächt sich an dir. indem sie sich erfüllt. AlleS. te&S in die Breite geht, muß sich verflachen. Tle LebenZmeise mancher ist nicht immer lebenSweise. Ob sich wohl schon Jemand b:km Fallen einer CternschnuppeVcrftLnd gewünscht hat? OlUck hält zwar die Menschen zusammen.' aber Unglück schmiedet sie cneinander. Im Schnellzug LeipzigWeimar erstach vor Naumburg der Tischler Prätsch aus Weimar die Tocyter des dortigen HofmaKrmeisters Binder. Er flüchtete aus dem Abtheil, wurde iedoch verhaftet. DaS Motiv der Tbat iü versSmäbte Liebe.
ffl"!"!"!"!"!"?-?: :-P44x-x-x-!-H-E I ijrni viM'Jtnö YnnD A.MTLJttt.f...... . , . . . i T t i i i 1 Gegen Magenkrampf nützt gewöhnlich eine Messerspitze doppeltkohlensaures Natron in einem Weinglas Wasser. Papier'auf Blech. Um Papier mit Gummi oder Stärke auf Blech aufzukleben, reibe man vorher das Blech mit starkem Essig ab. Thut man dies nicht, so wird kein Klebemittel haften. Waschen des Gesichts -kt Seife. Das Gesicht sollte nur zmsweis: mit Seife gewaschen da sie für die Gesichtshaut ein jcharfes Reizmittel ist. Wendet man ab und zu Seife an. dann ihut man am besten, gewöhnliche Kernseife zu nehmen. Scifcn-Ueberbleibsel. Seifenftückchen, auch wenn sie noch so klein sind, sammelt man. und wenn man davon eine kleine Anzahl beisammen hat, schabt man sie fein und kocht sie in etwas Sodawasser. Hat sich die Seife verkocht, daß sie weiß aussieht, so läßt man sie kalt werden und hat dann eine gute Seifensülze. Ein Lösfel davon in das Aufwaschwasser oder Waschwasser gethan, trägt sehr viel zur Reinigung des Geschirres und der Wäsche bei. Seifensülze hält sich monatelang. Schimmelbildung an den Wänden neuer Keller-und Souterrainräume verhindert man am besten, wenn man fleißig lüftet, dann aber auch ein Gefäß mit ungelöschtem Kalk aufstellt, das die Eigenschaft hat. die Feuchtigkeit zu absorbiren. und dadurch die Luft rein und trocken erhält. Bon Zeit zu Zeit muß der Kalk erneuert werden; man thut auch wohl, ihn so aufzustellen, daß kein Schaden dadurch geschehen kann, also etwa auf einem Brettchen in solcher Höhe, daß niemand daranstoßen kann. Weiße Fußböden erhält man dadurch, daß man einen Theil frisch gelöschten Kalk und drei Theile gewöhnlichen weißen Sand vermengt. In diese Mischung wird die Scheuerbürste getaucht und wie beim gewöhnlichen Scheuern verfahren. Diese Manipulation erspart völlig die Seife, entfernt allen Schmutz, tödtet alle Inselten und macht die Böden weißer. Der Boden sollte mit reinem Wasser nachgespült werden. Wo kein Kalk vorhanden ist, muß Seifenwasser. Soda und Seifenstein dazu genommen werden. Geschmorte Zwiebeln zum A b e n d t i s ch. Ein Pfund kleingeschnittener Zwiebeln läßt man mit ein ode? zwei Handvoll Morcheln oder Steinpilzen, welche gereinigt, weich gekocht und fein gehackt sind, mit dem erforderlichen Salz und etwas Pfeffer in Butter oder Palmin unter immerwährendem Rühren langsam schmoren, bis sie zart und leicht bräunlich sind. Am besten wird dies in einem eisenemaillirten Tiegel bei gelindem Feuer, da die Zwiebeln, ohne gar zu sein, leicht schwarz werden. Entweder häuft man die fertig gedünsteten Zwiebeln auf angewärmte Weißbrotschnittchen und servirt sie auf einer warmen Platte, oder reicht sie in einer Schüssel und kleine Brötchen dazu. Dies einfache Gericht dürfte manchen recht munden. Klopse mit Sardellen.. Ein Pfund gehacktes. Fleisch, halb-Rind-, halb Schweinefleisch, etwas ein--geweichte und gut ausgedrückte Semmel. zwei Eier, eine Prise Pfeffer, eine geriebene Zwiebel und einige fein gewiegte Sardellen werden gut vermengt,, dann zu Klößchen geformt und in leich--ter Bouillon oder Wasser höchstens eine Viertelstunde langsam gekocht. Nun. bereitet man hellgelbes Vuttermehl,, gießt von der Brühe, in welcher dieKlöße gekocht sind, soviel dazu. -wie-man Sauce nöthig hat. läßt alles gut. durchkochen, gibt sechs bis acht fein gewiegte Sardellen und noch ein Stückchen frische Butter hinzu, läßt die Sauce einmal aufkochen und legt nun 'die Klöße in die Sauce, kochen dürfen sie nicht mehr, sondern bis zum Anrichten nur an einer heißen Stelle lang-. sam ziehen. Zeit der Nahrungsaufnähme. Auch die Tageszeit, zu welcher wir unsere Nahrung genießen, ist für die Ernährung nicht bedeutungslos! Sitte und Gewohnheit haben drei ! Hauptmahlzeiten, das Frühstück. Mit- ' tagessen und das Abendbrot eingeführt. Bei angestrengter geistiger oder körperlicher Arbeit ist es rathsam. kurz nach dem Aufstehen ein kräftiges Frühstück und etwa eine bis zwei Stunden nach der Mittagszeit unserer Zeitrechnung ein reichliches Mittagessen einzunehmen. ' Dagegen soll 'das Abendbrot nur geringere Mengen Nahrung zuführen als Frühstück und Mittagessen und wenigstens 1 Swnden vor der Nachtruhe genossen werden, damit den Verdauungswerkzeugen ebenso wie den übrigen Organen des Korpers während des, Schlafes die Arbeitsleistung ermäßigt oder Rube gegönnt wird. Auch ist es rathsam. nach jeder Mahlzeit einige Zeit die Arbeit ruhen zu lassen, damit die zur Verwerthung der Nähr- , stoffe erforderliche Verdauungsthätigkeit nicht durch anderweitige geistige und körperliche Leistungen deeinträchtigt wird. . .
