Indiana Tribüne, Volume 30, Number 101, Indianapolis, Marion County, 19 December 1906 — Page 6
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Europäische Nachrichten.
Provinz Scyresien. Vreslau.Jn seltener geistiger und körperlicher Frische beging kürzlich der Mittelschullehrer Peukert von der Luisen - Schule 'seinen 70. Geburtstag. Prof. Dr. Max Semrau von der hiesigen Universität hat einen Ruf als außerordentlicher Professor für mittelalterliche und neuere Kunstgeschichte an die Universität Greifswald erhalten und angenommen. Bärdorf. Der Häusler Emanuel Hohäuser von hier wurde auf dem Neu - Altmannsdorfer Wege todt aufgefunden. Er hatte noch eine Cigarre in den erstarrten Händen. Bismarckhütte. Sein 5i)jähriges Jubiläum als Hüttenmann feierte unlängst Generaldirektor Geh. Kommerzienrath Kollmann hierselbst. Herrn st ad t. Vor einiger Zeit ermordete hier der 25jährige Barbier Göbel seine 21jähr:ge Ehefrau, indem er ihr den Leiö aufschlitzte. Der Mörder ist verschwunden. H i r s ch b e r g. Oberküster Heinze an der hiesigen Gnadenkirche beging sein 50jährizes Dienstjubiläum. Kleinhennersdorf. Für langjährige treue Dienstzeit bei einer Herrschaft wurde der Dienstmagd Totsch ein goldenes Kreuz nebst Diplom verliehen. Die Totsch dient seit ihrer Schulzeit beim hiesigen Bauergutsbesitzer Taube. Nikolai. Zu Tode verunglückt ist der erst 20jährige Franzle von hier, welcher bei einer Radfahrt nach Wyrow mit einem zweiten Radfahrer so heftig zusammenstieß, daß er vom Rade fiel und auf der Stelle das Genick brach. Pilgrimshain. Seine Sorglosigkeit mit dem Tode gebüßt hat der Tagarbeiter Winkler von hier. Er zerquetschte sich vor einiger Zeit den rechten Daumen und ließ die Wunde unbeachtet. Unter furchtbaren Schmerzen starb der rüstige Mann an den Folgen von Blutvergiftung. R t i b o r. Bezirksfeldwebel Piechulek, der älteste Feldwebel der preußischen Armee, feierte vor Kurzem sein 50jähriges Dicnstjubiläum. Schweidnitz. Zum Tode vierurtheilte letztens das hiesige Schwurgericht den 21 Jahre alten Kutscher Paul Hentschel aus Laasan, Kreis Striegau. Er unterhielt mit der 19 Jahre alten Dienstmagd Maria Zimpel in Laasan ein Liebes Verhältni ß, aus dem im November v. Js. ein Knabe entsprossen war. Im Laufe dieses Jahres löste er dieses Verhältniß und schaffte sich ein anderes Mädchen als Braut an. Er wollte aber auch seiner Mimentationspflichten ledig werden, und so beschloß er, die Zimpel zu ermorden. Am Abend des 6. Juli lockte er sie zu einem Spaziergang hinter Laasan. Auf dem Wege erwürgte er das Mädchen und warf die Leiche in's Striegauer Wasser. Hentschel war der That geständig. Frovinz Fosen. Posen. An die hiesige Akademie wurde Universitätsprofessor Dr. Guftav Buchholz aus Leipzig mit einem Lehrcmftrag für mittlere und neuere Geschichte berufen. Der Gelehrte bringt der nationalen Frage ein besonders warmes Interesse entgegen und hat dies schon dadurch bethätigt, daß er eine Zeit lang die Nationale Korrespondenz" redigirt und nach der NieVerlegung der Redaktion dieses Organs die Ostdeutsche Korrespondenz" gegründet und herausgegeben hat. Krotoschin. In der Nacht wurde an der Klosterkirche der HandWerksbursche Hiza in fast leblosem Zustande aufgefunden und nach dem Polizeigewahrsam gebracht, wo er bald starb. Lissa. Aus Furcht vor zunehmender Geisteskrankheit erschoß sich der- pensionirte Wirthschaftsinspektor Berthold Schirmer. Der Verstorbene stand im Alter von 66 Jahren. Ostrowo. Kreissekretär. Kanzleirath Klein Hierselbst ist nach 46jä riger Amtsthätigkeit in den Ruhestand getreten; aus diesem Anlasse wurde hm der Rothe Adlerorden verliehen. Santomischel. In der Stadtverordnetenwahl wählte die 2. Abtheilung an Stelle des Kaufmanns Lehmann den Molkereibesitzer Fortuniak mit großer Majorität. In der 3. Abtheilung wurde Kaufmann Bialy wieder gewählt. Schwarzen u. Der bei dem Rittergutspächter Kostowski in Nidom in Diensten stehende Knecht Galant fiel so unglücklich von einem mit Stroh beladenen Wagen, daß er sich fchwere Verletzungen am Kopfe zuzog. S e e w a l d. Sein 50jähriges Drenstjubiläum beging kürzlich der Hegemeister Groeger. Aus diesem Anlaß wurde ihm der Kronenorden 4. Klasse mit der Zahl 50 verliehen. Tlukawy. Der Altsitzer Rauschen feierte mit seiner Gattin dieser Tage die goldene Hockzeit. Be! der kirchlichen Feier wurde dem Jubelpaare durch Pfarrer Gerstiaann in Gramsdorf die Ehejubiläumsmedaille überreicht. 'Arsvinz Sachsen. Magdeburg. A. Beckmann beging kürzlich sein silbernes Jubiläum als erster Kirchendiener und Todtengräber der Heil. Geistgemeinde. Ihm wurden auS diesem Anlaß viele Gluckwünsche, und- schöne Angebinde von . Vereinen. Freunden und Bekannten
daraebrackt.' Seitens der Kirchenge
meinde wurde ihm ein Geldgeschenk überreicht. Beendorf. DaS Fest der diamantenen Hochzeit feierte hier unter großer Antheilnahme seiner Angehörigen und der Gemeinde der Häusler Christian Heike mit seiner Gattin. Freiroda. Letztens erkletterten hier Kinder einen an der Kirche stehenden Denkstein. Dieser gerieth dabei plötzlich ins Schanken und erschlug den 6jährigen Sohn des Gutsbösitzers rauendorf. Das Kind war auf der Stelle todt. Ein anderer Knabe erlitt Verletzungen am Kopfe. H a l b e r st a d t. Anläßlich seines 80. Geburtstages überreichten die städtischen Behörden dem langjährigen Stadtverordnetenvorsteher Geheimen Sanitätsrath Dr. Finck den Ehrenbürgerbrief. Außerdem wird zu Ehren des greisen Komunalpolitikers eine Straße Finckstraße genannt. Kleinwerther. Letztens kam in der mit dem Erntesegen gefüllten Scheune des Gutsbesitzers Nebelung ein Schadenfeuer aus. durch das die Scheune in Asche gelegt wurde. Der Thätigkeit der Feuerwehren vonNordHausen, Hasserode und Großwerther gelang es. das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Man vermuthet Brandstiftung. Merseburg. In der hiesigen Papierfabrik Königsmühle gerieth der 17jährige Arbeiter Boost beimSchmieren der Maschine mit dem linken Arm in das Zahnrad. Der Arm wurde buchstäblich gerädert. Der Verunglückte wurde sofort in die Klinik nach Haufe geschafft, wo ihm der Arm abgenommen werden mußte. S o l l st e d t. Vor kurzem brach auf dem kiesigen Rittergute des FreiHerrn v. Angern-Stilck ein Schadenfeuer aus, durch das mehrere Stallgebäude sowie zwei gefüllte Scheunen eingeäschert wurden. Es wird Brandstiftung vermuthet. Tov lnz Kannover. Hannover. Wegen Muttermordes verurtheilte das hiesige Schwurgericht den 25jährigen Otto Bührmann zu 12 Jahren Zuchthaus. Bührmann hatte seine 55 Jahre alte Mutter ermordet, um sich in den Besitz von Geld Mitteln zu setzen. Vor Kurzem feierten die Arbeiter der nahen EisenbahnWerkstätte Leinhaufen in dem festlich geschmückten Saale zum Herzog Ferdinand" in Herrenhaufen das 25jährige Jubiläum des Stellmachers Friedrich Käting. GLttingen.' Der o. Professor der hiesigen Universität Dr. Max Borst hat einen Ruf in gleicher Eigenschaft nach Würzburg angenommen. H a g e n b. Bramstedt. Vor einiger. Zeit wurde die 14jährige Tochter des Landmannes Grotrian, dessen Besitzung hier einsam liegt, auf einer Weide unweit des Hauses mit einer großen Wunde über dem linken Auge todt aufgefunden. Sie war erst kurze Zeit aus dem Hause fortgewesen, als ihr mit Fuhrwerk von Bramstedt kommender Bruder sie liegen sah. Diesem ist ein Mann begegnet, der sich durch seinen scheuen Blick verdächtig machte. Auch ausfällige Fußspuren will man in der Nähe des ThatorteS entdeckt haben. Ha mein. Von den bei der Reparatur der Schlahde beschäftigten Leuten wollte der Maurer Sommermeyer aus Emmern den Schlosser Käfe von hier von der Arbeitsstelle nach dem Ufer am Rosenbusch rudern. Der Kahn kam hierbei aber in den Strudel und wurde auf die Schlahde getrieben. Beide Insassen versuchten, sich durch einen Sprung in das Wasser zu retten, ertranken aber. Lohnde. Mrzlich stürzte der Landwirth Windhorn von hier infolge der schlüpfrigen Wege so unglücklich vom Rade, daß er sich das rechte Bein brach. Zufällig Vorübergehende bemerkten ihn und schafften ibn in seine Wohnung, wo ihm Dr. Pohl auö Seelze die erste Hilfe gedeihen ließ. Münftedt. Der hiesige NachtWächter Friedrich Toenniö feierte mit seiner Frau das Fest der goldenen Hochzeit. Der Herzog von Cumberland hat daS Jubelpaar durch die Verleihung einer Prachtbibel und eines Geldgeschenkes ausgezeichnet. Sud walde. Vor einiger Zeit brach in dem Wohnhause des Bäckers Kornau hier Feuer aus, wodurch das Gebäude ganz eingeäschert wurde. Das Mobiliar konnte zum größten Theil gerettet werden. Versichert waren Gebäude und Mobiliar bei der Landschaftlichen Brandkasse in Hannover. Der Brand ist vermuthlich durch eine schadhaste Feuerungsanlage entstanden. Wilhelmshaven. Dieser Tage beging Werks. Grampp von der Schiffbau - Werkstatt das Jubiläum der 25jährigen Thätigkeit. Er diente früher in der Marine und ist einer der wenigen noch lebenden Augenzeugen der Katastrophe von Folkestone am 31. Mai 1878. Provinz Westfaren. Münster. Verliehen wurden dem Generaldirektor Friedrich Lürding zu Hohenlimburg, Kr. Jserlohn, der Rothe Adlerorden 3. Klasse, dem Amtmann a. D. Hubert Großstück zu Hiltrup, bisher In Warburg, dem Lehrer Friedrich Großenheider zu Minden der Kronenorden 4. Klasse, dem Wirth Friedrich - Schramm zu Hagen das Kreuz des Allgemeinen KbremeickenZ.
Die Unterseebote. Wenn verschiedentlich berichtet worden ist. daß in Frankreich der Bau von Unterseebooten infolge der jüngsten Unfälle auf dem Lutin und Farfadet eingeschränkt oder auch nur vorübergehend eingestellt werden würde, so beruht das auf einem Irrthum. Der Marineminister hat im Gegentheil erklärt, daß die erst am 1. Oktober dieses Jahres bestellten Tauchboote so schnell wie möglich hergestellt werden würden, da man gerade auf den Emeraudc-Typ dieser Boote die größten Hoffnungen setzte. Es handelt sich um 20 Boote dieser Art, die ja schon zu Beginn des Jahres von der Kammer bewilligt worden waren, und von denen nun zunächst drei in Angriff genommen sind. Mit 41 reinen Unterseebooten (sous marin), die abgeliefert sind, und mit 41 theils fertigen, theils in der Ausführung begriffenen Tauchbooten (submersible) rrird die französische Marine im Jahre 1908 über 82 Unterseeboote verfügen und damit weitaus an der Spitze aller Marinen stehen. . Der Zahl nach folgt hinsichtlich der Unterseebootsausrüstung der französischen Marine die englische. Es hat ja ziemlich lange gedauert, bis man sich in England zum Bau von Untersecbooten entschloß, aber als dann einmal der Entschluß gefaßt war, ist er auch mi! ller Energie durchgeführt worden. Es kntstanden zuerst fünf unbenanntc Boote und alsdann wurden die ABoote nach einem vergrößerten und verbesserten Typ der amerikanischen Hollandboote auf Stapel gelegt. Jhnen folgten die B- und C-Boote mit :?eiieren Verbesserungen, und so vermehrte sich der Bestand allmählich, bis beute die englische Flotte bereits über 20 fertige Unterseeboote verfügt. Aber 2 neue Boote, davon 8 vom diesjähri;'en Etat, sind noch im Bau, mit denen also die Flotte im Jahre 1908 einen Bestand von 52 Unterseebooten zählen wird. Auch in der italienischen Marine schreitet man auf dem Wege der in den letzten Jahren festgelegten Grundsätze der Herstellung von Unterseebooten fort. Das Ziel ist. im Rechnungsjahre 190309 12 solcher Boote zu besitzen. Vorläufig sind davon vorhanden das alte auf das Jahr 1896 zurückgehende Boot der Flotte, der Delfino, der vor vier Jahren ganz modernisirt wurde, ferner der Glauco und Sqalo. Schwe, sterbsote der letzteren, die eine Konstruktion des Ingenieurs Laurenti darstellen,. sind der jetzt nahezu vollendete Narvalo unh die noch in Bau befindlichen Boote Tricheco und Otaria. Diese fünf neuen Boote sollen nach ihrer Fertigstellung eine homogeneTauchbootflottille bilden. Weitere sieben Boote derselben Gattung sind nach dem Flottenbauplan von 1905 noch zu bauen. Was die Flotte der Vereinigten Staaten anlangt, so schien eS, als ob sie mit dem Entstehen der HollandBoote um die Mitte de? 90er Jahre in der Entwicklung der unterseeischen Fahrzeuge eine führende Rolle übernehmen werde. Diefe Annahme hat sich nicht bestätigt, denn seitdem ist nur der Plunger gebaut worden, und im Jahre 1901 wurden sieben Boote nach einem verbesserten Holland-Typ in Bau gegeben. Im Vorjahre nahm dann allerdings der damalige Marineminister Morton einen weiteren Anlauf und beauftragte die Forcerive: Company in Quincey mit der Herstellung von vier Booten nach neuen, auch heute noch nicht bekannt gewordenen Plänen, doch scheint die Fertigstellung dieser vier Boote immer wieder auf Schwierigkeiten zu stoßen, da bis heute noch keines derselben abgeliefert ist und nach den letzten Nachrichten nur die Viper sich allmählich der Vollendung nähert, während Oc!opus erst am 4. Oktober zu Wasser gelassen wurde. Cattlcfish und Tarantuba im Bau noch ziemlich weit zurück sein sollen. Die russische und japanische Marine hatten zwar tm letzten Kriege schon eine Anzahl von Unterseebooten zur Verfügung gehabt, doch ist nach offiziellen Angaben auf keiner Seite ein solches Boot zur Verwendung gelangt. In Wladiwostok, wo sich nach und nach ein Dutzend solcher Boote versammelt hatte, soll es dazu an Gelegenheit gefehlt haben, und die Japaner geben an, daß sie zur Tsushima-Schlacht mit der Ausrüstung ihrer Unterseeboote noch nicht fertig gewesen seien. Heute zählt die russische Flotte bereits 29 Unterseeboote, von denen 18 in Wladiwostok, die übrigen in Libau stehen, und die Japaner haben 10 Boote, theils ganz fertig, theils in naher Vollendung. Von den Hauptseemächten steht Deutschland hinsichtlich der Ausrüstung mit Unterseebooten an letzter Stelle. Erst im Oktober dieses Jahres ' bcn in der Kieler Föhrde die ersten Versuche mit einem auf der GermaniaWerst erbauten Booke begonnen. Was bis jetzt über diese Erprobungen bekannt geworden ist, läßt die Erwartung zu, daß sie zu befriedigenden Re sultaten führen werden. Außer den großen Marinen hat sich nach und nach auch eine Anzahl kleinerer Mächte mit dem Bau von Unterseebooten beschäftigt. So hat die holländische Marine daö Unterseeboot Luctor et Emergo nach sehr langen Versuchen im Oktober dieses Jahres endlick vom Erbauer abgenommen. Bei der schwedischen Flotte steht der ftapn in Dienst und hat auch an den diesjährigen Flottenmanövern mit gutem Erfolge theilgenommen. Die norwegis Regie
rung hat ln ven Marine-Etat für 190607 die erste Rate von 300.000 Kronen für den Bau eines ersten UnterseebooteS eingestellt. Das Boot soll insgesammt 700,000 bis 800,000 Kronen kosten und auf der eigenen Marinewerft gebaut werden. In Portugal endlich ist das Marineministerium gegenwärtig mit der Prüfung von Plänen eines Untcrsecbootes beschäftigt, dessen Erfinder der Marineleutnant Valante de Cruz ist. Nach seinen Angaben soll das Boot bei einer Wasserverdrängung von 140 Tonnen eine Geschwindigkeit von 10 bis 14 Knoten erreichen. Hin Justiz irr thu m. Einbabischer Landpfarrer, dem die humoristische Ader nicht fehlt, schreibt der Straßburger Post : In den letzten Jahren sind mehrere Justizirrthümer aufgedeckt-worden. welche die Öffentlichkeit stark- erregten, sodaß man wohl auch einmal von einem privaten Justiz irrthum berichten darf, welcher tragische folgen hatte, und zwar in Baden. Auf dem Lande sind bekanntlich öfter sehr beschränkte Wohnungsverhältnisse, weshalb nicht selten zwei Kjnder zusammen in ein Bett zusammengelegt werden müssen; ferner geht man auf dem Lande früh zu Bett, schon um Licht zu sparen. Natürlich können die Kinder dann nicht immer sofort schlafen; sie hänseln und necken sich gegenscitig, und es gibt mancherlei Störung des Hausfriedens. So war es auch
im Hause eines Landwirths, wo zwei halbwüchsige, übermüthige Kabn nebeneinander in einem Bett schlafcr. sollten. Der ernste Vater hat wied:rholt zur Ruhe gemahnt; ohne Erfolg; also schreitet er zur That und versohlt dem Vordersten gründlich den dazu gttigneten Körpertheil. Das stiftet für kurze Zeit Ruhe. Bald aber ist neuer Streit im Gang, und diesmal erschein! der Vater schon etwas schneller, um die Procedur am selben Uebelthäter in vermehrter und verbesserter Auflage zu wiederholen. Nachdem der Delinquent sich wieder einigermaßen erholt hatte, sagt er zu seinem Nebenmann: So. jetzt habe ich zweimal Hiebe bekommen. Jetzt lieg ich hintenhin." Sprach's und that's, und nach füns Minuten ging's von neuem los. Jetzt stürzt der Vater wuthentbrannt ins dunkle Zimmer und spricht: So. jetzt hat der Vorderste zweimal bekommen, jetzt muß der Hinterste auch einmal haben." Daß die diesmalige Erekution gründlich war. wird man mir glauben. Aber ein Justizirrthum war's doch. DerAbb6undseinVeichtk i n d. Vor dem Schwurgericht in Montpellier hat jetzt der Fall eines qe?issenlosen Beichtvaters feinen Ab. chluß gefunden. Der siebenundvier, igjährige Abb6 Cassan stand zu einem seiner Beichtkinder in Beziehungen, die 7.icht ohne Folgen blieben. Um der Entdeckung dieses Verhältnisses vorzubeugen, leistete der Beichtvater ohne Zuziehung ärztlichen Beistandes der jungen Mutter in ihrer schweren Stunde Hilfe. Mutter und Kind starben aber und der Abb6 wurde darauf ververhaftet. DaS Gericht verurtheilte ihn Zetzt zu drei Jahren Gefängniß. DaS gestohlene Haus. Daß Jemand die Materialien zu einem kom. pletten HauS zusammenstiehlt, dürste mindestens den Reiz der Neuheit haben. Dieser eigenartige Vaukünstler ist der Arbeiter Ernst Gangloff auS der Fontanestraße in der Berliner Vorstadt 5?ilxdorf. Kürzlich wurden von einem Neubau in der Warthestraße mehrere Thüren entwendet. Durch die NachForschungen der Kriminalpolizei wurde G. als Dieb ermittelt. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung wurden inßer den Thüren noch große Vorräthe :on Balken, Brettern, Mauersteinen .nd anderes gefunden. G. gestand, daß er alle diese Materialien gestohlen tabe, um sie zu dem Neubau seines Wohnhauses in Bernau, wo er ein Grundstück besitze, zu verwenden. Thatsächlich hatte er sich auch vor einiger eit ein Bauterrain erworben, doch schlten ihm zum Bau die nöthigen Geler. Auf seinem Grundstück waren anzig Obstbäume angepflanzt, die gleichfalls aus Diebpählen herrührten. Ein Selbstmorder als Millionär. Im Februar beging ! i London ein bekannter Börsenmann eutscher Abkunft, ein gewisser Ernst schwabacher, Selbstmord, da er sich in !nanziellen Schwierigkeiten befand, us denen ihm ein Ausweg nicht mögIch erschien. Er hatte sich in Speku!ztionen in südafrikanischen Minen.'crthen eingelassen, die unheilvoll für ?n ausfchlugen. Al3 vor Kurzem jecoch sein Aktienbesitz versteigert wurde, .rgab sich das staunenswertheResultat. 'aß für seine Grunderaktien der Vaal 'iver Diamond Company, die einen i!ennwerth von einem Pfund hatten. zu 6500 Pfund per Stück gezahlt , urven. Wenn Schwabacher heute '.-och leben würde, wäre er Herr eines crmögens von über fünf Millionen Dollars. Straßen Demonstration -er Karlsbader Bürgerschaft wegen ho'er Steuern. Eine außergewöhnliche, 7.ber ernst und würdig verlaufene Ma5.ifestation der gesammten Bürgerschaft 'egen den übermäßigen Steuerdruck -nd in Karlsbad statt. Etwa zehntausend Bürger und Bürgerinnen, reich z.nd arm, die Stadträthe an der Spitze. ?gen zur Bezirkshauptmannschat, um regen die Regierung zu demonstrieren. Eine Deputation unter Führung des Aboeordneten Pacher begab sich zum
Jezttkshauptmann und erhob unter dem Hinweise auf die große Erbitterung unter der Bevölkerung wegen der bückenden Handhabung der Hauszinsl Steuerungen Vorstellungen. Hierauf lewegte sich der Zug zum Marktplatze, l'o Reichsraths - Abgeordneter Pacher in einer längeren Ansprache gegen den ..österreichischen Steuerunsinn" prote'tirte. Durch eine kürzlich erlassene Verordnung des Finanzministe"mms soll nämlich die Hauszinsbesteuerug :n Karlsbad und den anderen böhmischen Kurorten neu geregelt werden. Nun war aber in der letzten Zeit die Steuerbehörde mit solch drakonischen Maßregeln vorgegangen, daß sich der Bürgerschaft eine große Erregung bemächtigte. Die Proteste der GemeindeVertretungen erwiesen sich als nutzlos ; deshalb griff die Bürgerschaft zu dem seltenen Mittel der Straßendemonstration. An dieser Protestkundgebung beiheiliqien sich auch viele Marienbader und Franzensbader Bürger. Kanzelkampf gegen Da menhüte. Eine Kapuzincrpredigt hat am letzten Bußtage der evangelische Prediger der Kirche zu Goldberg in Schlesien seinen ZuHörerinnen gehalten. Der Gottesmann donnerte gegen die breiten Krampen der Damenhüte, die es zum Beispiel dem Geistlichen ungemein erschweren, den Besitzerinnen der Hüte das Abendmahl zu reichen. Hoffentlich hat die Ermahnung von der Kanzel herab Erfolg. Der Mann im Talar würde-damit ein Ziel erreichen, das profane Leute wie Theaterdircktoren oft umsonst er-strebten.
Inländische Nachrichten. Fünfzigjähriges Ordensjubiläum. Der seit vielen Jahren an der St. Michaels Kirche' in Chicago thätige Redemptoristenpater Karl Hahn feierte Sonntag sein 50jähriges Ordensjubiläum. In dem prächtig geschmückten Gotteshause wurde Morgens 7 Uhr ein von der Rosen-kranz-Brüderschast bestelltes Hochamt abgehalten und um 10 Uhr fand dann ein feierliches Levitenamt statt, bei welchem Rev. Hahn, der sich körperlicher Gebrechen wegen leider vor einiger Zeit vom aktiven Seelsorgerdienst zurückziehen mußte, an den Stufen des Hochaltars sein Ordensgelübde erneuerte. Karl Hahn wurde 1839 im Fulda'schen geboren, kam 1848 nach Amerika, legte am 8. Dezember 1856 sein Orden-ge-lllbde ab und erhielt 1863 in Annapolis die Priesierweibe. Seit mehr denn einem Menschenalter gehört er d:r Chicagoer St. Michaels Gemeinde an, de ren Nektor er viele Jahre war. Er er freut sich der größten Beliebtheit, waZ man daraus ersehen tonnte, daß bei sei, nem Jubelfeste die sehr geräumige Kir che die Menge der Theilnehmer kaum zu fassen vermochte. Mit dem Schwager ver wechselt. Viktoria Emanuele Jaco etti, ein Schwager des Sängers Caruso, treibt zu Montdlair in New Jersey ein Geschäft mit antiken Möbeln ".nd erklärte, daß er e3 war und nicht Caruso, der vor Jahresfrist im Affen- ' ause des Central ParkS den Auftritt 'ntte, der auch feinem Schwager zuge f5)vben werde. Er habe sich nach Weih '.achtseinkäufen, die er am 18. Dezem f er 1905 in New York machte, in da3 Affenhaus begeben und hier eine Frau aus Versehen auf den Fuß getreten. Nachdem er sich bei der Dame ent schuldigt habe, sei er in das Vogelhaus gegangen und hier von einem Detektiv aus dem Park gewiesen worden. Um kein Aufsehen zu erregen, habe er den Park verlassen. Jacoletti sieht seinem Schwager sehr ähnlich. Ein Selbstmord in N e u - U l m in Minnesota erregt in genanntem Staate großes Aufsehen. Man fand einen der geachtetsten Bür ger, Nichter Benjamin F. Webber, iweiundsiebzigjährig, im Heuboden deZ Stalles bei seinem Hause erhangt. Er hatte einen Riemen von vier Fuß Länge mit einer Schnalle benutzt. Nachdem er diesen Riemen um den Dachsparren geschlungen, hatte er sich auf einen Kasten gestellt, die Schlinge um den HalS aelet und dann den Kasten mit dem Fuße weggestoßen. Seine Füße hiigen nur etwa drei Zoll über dem B?den. Der Tod war offenbar schon vor meh?'ren Stunden eingetreten, als ma den Unglücklichen fand. Das tragische Ende dieses Mannes nach einer ehren?ollen Laufbahn war die Folge gänzlichen Trübsinnes. Dieser entstand Heils aus Gram über die schwere Errankung seiner Gattin, die seit vier Senaten bettlägerig ist, sowie aus der krankhaften Furcht, daß er wegen der "Umlagen, die diese Krankheit derurfachte, in's Armenhaus kommen werde. .Schon mehrmals hatte er von Selbstmord gesprochen ; er brütete fortwähr?nd über die Auslagen nach, die durch Anstellung einer Wärterin für seine "xrau.und durch den .Haushalt überkiaupt verursacht wurden. Für solch: Sorgen lag nicht die mindeste Ursache ror. da der Richter über ein Vermögen ron 575,000 bis 100.000 verfügte. n einer seiner Taschen fand man einen Zettel, auf den er geschrieben hatte : .Kein Schlaf, keine Hoffnung. Alles ist 'Verzweiflung.- Vierundzwanzig Jahre ang versah er das Bezirksrichteramt vorzüglich. Außer der Wittwe, beweint ihn ein Sohn, gleich dem Vater ein vorzüglicher Jurist. Das Leicheniegängniß fand' unter allgemeiner Betheiligung der Bevölkerung statt. '
