Indiana Tribüne, Volume 30, Number 100, Indianapolis, Marion County, 18 December 1906 — Page 4

Jnvläna Tribüne,

18 Dezember icio

Jndiana Txibünc. Cttanlaeatten ton bet utdg S. Indianapolis, Ind. Harry O. Thudinm Präsident

cZeschäftSIocal: No. 31 Süd Delaware Straße. TELEPHONE 269 'ertd t the Pot Office ot Indianapolis aa second dasa matter. Aus der Bundeshauptstadt. Die drei Wo,te Soon tobe", welche der Präsident den Ernennungen des Herrn Eortelyou zum EchatzamtZsekre tat und deS Herrn Earsield zum Se kreür deZ Innern, hinzufügte, als er diese dem Smat zustellte, gaben dieser erhabenen ttürperschast Anlaß zu aller lei mebr oder weniger guten Witzen. Die Geschichte begann in der Sitzung deS Finanzkomltes. Dieser etwas unbestimmte Ausdruck ward zum Gegenstand mehr oder weni ger frivoler Kommentare. Ein Sena tor bemerkte, es seien keine Vakanzen in den Aemtern deS EchatzamtSSekretärS und deS Sekretär des Innern vorhan den. und er sehe nicht ein, wie unter solchen Umstünden Ernennungen vor genommen werden könnten. Wolle der Präsident sich dielleicht ein ' Re. serve'ttabinett zulegen? Ein anderes Mitglied deS ttomiteö erwiderte ganz ernfthast. eS sehe darnach auS, als ob der Präsident sich eine .Option- auf alles verwendbare KabinettSmaterial verschaffen wolle, um eS au3 dem Markt zu nehmen", und die übrigen Mitglieder kicherten sanft hinter vorge haltenen Händen. DaS Frage und Bntwortspiel ging in dieser Weise eine ganze Weile hin und her, bis schließ lich Senator Aldrich vom ttomite beauf tragt wurde, beim Präsidenten persön lich anzufragen, waS mit der Phrase .Saon to be" gemeint sei, und ob eS möglich sei, dafür eine etwas desink tivere Zeitbemeffung zu fubftituiren. Die beiden in Frage stehenden Kabi nettS'Ernennungen wurden daraufhin bei Seite gelegt, bis man vom Prä sidenten des Weiteren gehört. Auch in der späteren Sitzung deS Senats gaben des Präsidenten gtsifl gelte Worte- noch zu allerlei Gaudium Anlaß, bis man dann zu zwei anderen Ernennungen überging, nämlich zu der des EivildienftCommissärS Cooley zum HülfS Generalanwalt und der deS .TabaSco Sauce Fabrikanten- Mc Jlhenny von New Orleans zum Civil dlenft'ttommissär als Nachfolger Coo ley'S. Ein Senator aus dem fernen Westen gab zum Besten, daß er letzthin im Weißen Haufe gewesen sei, um sich bezüglich McJlhenny'S zu erkundigen. .Ist McJlhenny von der Harvard Universität promovirt?' fragte der Senator. Nein,- lautete die Ant. wort, aber er ist ein Rauhreiter.- . Ist er von irgend einer anderen Universität promovirt?. .Oh nein, aber er ist ein famoser Kerl.- kam die Erwiderung. .Und er fabrizirt TabaSco Sauce?" fragte der Senator schließlich.' .Ja, das ist richtig.- .Ich sollte nicht un höflich sein,- setzte der Senator, wel cher das Histörchen erzählte, hinzu, .und unterließ deshalb zu fragen, ob dies die einzigen Qualifikationen feien, deren ein Civildlenft . ttommiffär be dürfe.- Diese Anekdote führte zu einer allgemeinen Diskussion, die schon nicht mehr als Debatte charakterlsirt werden konnte, aber vielen Senatoren Gele genheit gewährte, ihre Ansichten über der Präsidenten Geneigtheit, wichtige Aemter an Persönlichkeiten, die ihm aus einem oder dem anderen Grunde indi viduell sympathisch seien, zu vergeben, zu äußern. Man wieS darauf hin, daß eS bei den Ernennungen von Schulfreunden, Rauhreitern und anderen persönlichen Favoriten wimmele. Und wie gefähr lich eine derartige Tendenz des Exeku tloOberhaupteS, sich mit intimen per fönlichen Freunden in verantwortlichen Stelluvgen zu umgeben, thatsächlich sei, erhelle aus den neuesten .Storer Enthüllungen-. Der Präsident fei JndiSkretionm der schlimmsten Art ge rade von dieser Seite am meisten aus gesetzt. Der kürzlich hie? anwesende Reprä smtant Canada'S bei der Jnternatio nalen Commission für Wasserwege LouiS Costa aus Ottawa, sprach über die .japanische Frage- sich dahin aus, daß sie in feiner Heimath in gleicher Weise wie in den Ver. Staaten v,r Handen sei. An der esnadisch.paci fischen Küste drohe eine japanische In daston. Die Untemehmer'' zwei' !n

Bau begriffener Bahnlinien seien sür das Volk aber wegen Herabdrückung der Löhne gegen die Einwanderung von Japanern. Auch diese Frage lasse die Gleichheit der kanadischen und ameri konischen Interessen erkennen, welche zur Beiseitesetzung kleiner Differenzen führen sollte. Die unliebsame Kontroverse zwischen unserem Präsidenten und unserem ge wesenen Botschafter in Wien bildete diese Woche in Washingtoner Kreisen das vorwiegende Tagesgespräch. An fangS fehlte eS den Storer'S nicht an Vertheidigern und über Roosevell's Stellung zu der Affaire wurde der schärfste Tadel geübt, jetzt aber ist die Stimmung gänzlich umgeschlagen. Man giebt jetzt zu, daß Roosevelt nichts Wei tereS vorzuwerfen fei, als daß er Un würdigen sein Vertrauen geschenkt habe, sowie, daß, als er sich getäuscht sah, sein gerechter Aerger mit seiner diplo matischen Klughcit durchging. Dem Präsidenten kam die Erkennt niß über den Irrthum, den er zum Theile auS Unüberlegtheit, zum großen Theile aber im Vertrauen auf Leute, die dieses Vertrauens nicht werth wa ren, begangen, zu spät, und als er sei nen Fehler erkannte, da verfuhr er abermals nicht diplomatisch, sondern ebenso ungestüm uns unüberlegt, indem er .seinen-theurenIBellamy-, als dieser mit seinerZrünkevollen Frau ihm lästig wurde, einfach als Botschafter in Wien abberief. Diese Handlungsweise deS Präsidenten kann ihm nur hoch ange rechnet werden; denn, so rücksichtslos er auch sonst ist, so bald er einen Fehler einsteht, ist oer Präsident auch bereit, denselben gut zu machen. Den Vorzug durchschauender Menschenkenntniß kann man ÄooseveltZnlcht nachrühmen. ES ließen sich alSBelege für diesen beding llchen Mangel unzählige Beispiele an führen voa der Zeit, da er Assembllz. Mitglied in Albany war, bis zum heu tigen Tage. Der Irrthum, welchen er hinsichtlich feines Freundes Bellimy und dessen EhegesponS Maria gemacht, hat jedoch Anspruch auf mildernde Umstünde, denn nicht nur waren seine Beziehungen zu Etorer sehr tntim und freundschast lich, sondern auch die beiden Frauen standen auf dem vertraulichsten Fuße und eS ist. daher kein Wunder, wenn der Brieftvechsel zwischen dem Prüsi

denken und dem Botschafter in Wien den familiären, vertraulichen Ton an schlügt, der sich auS den persönlichen Beziehungen zwischen den beiden und den beiderseitigen Familien gegeben hatte. Erst als Roosevelt die Ent deckung machenZmußte, daß seine Briefe im Vatikan verlesen wurden, ging ihm ein Licht über iselne Vertrauensseligkeit auf, undldieseitenS Storer'S damit be gangene Indiskretion Hütte oen Prüst denten noch .'zu schrofferem Austreten berechtigt. Die Konferenz, lwelche in DeS Moi neS zusammentraf, um die direkte Wahl der Senatoren zu erwägen, hat beschloß sen, die Legislaturen der 37 Staaten, die in diesem Winter Sitzungen halten, zu ersuchen, beim Kongresse die Zusam menberufung einer Konvention zur Amendirung der Konstitution zu bean tragen. Zählt man Oklahoma als Staat, so würde der Beschluß von 31 Legislaturen den Kongreß nöthigen, eine solche' Konvention zusammen zu. berufen. Bekanntlich hat wohl das Haus sich für die direkte Volköwshl der Senatoren gewinnen lassen, nicht aber der Senat, und so muß eben der zweite von der Konstitution vorgesehene Weg, die Verfassung zu amendiren, ringsschlagen werden. Man betritt diesen Weg nicht gern, da die Konvention sich veranlaßt sehen könnte, auch" andere VerfassungSünde rungen, etwa die Ausmerzung des 15. AmendementS, aufzunehmen. Darum trügt man sich immer noch mit der Hoffnung, daß der Senat, wenn die Staatslegislaturen eine direkte Wahl fordern, sich dazu verstehen roerde, die VerfassungSünderung direkt durch den Kongreß vorzunehmen. Andererseits bezweifelt man aber. auch, daß sich eine Mehrheit von zwei Dritteln derStaatSlegislatsren für die direkte Wahl aus sprechen wird, weil sie damit ein Recht darzageien. DaS Verlangen im Volk ist aber viel zu stark, als daß die LegiS laturen sich noch lange gegen die ver nünfttge Bewegung stammen könnten. In elf Staaten des Südens sind in die fem Jahre bereits Senatoren in den Primärwahlen ernannt worden. Und das Beispiel dürfte Nachahmung sinden. yottlieb Seukhardt, tit gnssthliche Scke-, Scke Noble nud Market Str.

Der russische Adel. Ein Rückblick auf die Geschichte bei russischen Adels zeigt, daß er im Laufe der Zeit eine sehr verschiedene Rolle gespielt hat. Stand er, waS Aufklärung anbetrifft, zur Zeit Katharinas II. weit hinter der politisehen Erkenntniß der Herrscherin zu rück, deren, reformatonsche Jntentionen auf seinen hartnäckigen Widerstand stießen, so befand er sich unter Alexander I. an der Spitze der Intelligenz und trachtete sogar beim Rc-. gierungsantritt Nikolais I. danach, freiheitliche Bestrebungen zu verwirklichen. Als Alexander II. an die AusHebung der Leibeigenschaft schritt, fand er seine ungetheilte Zustimmung des Adels, der zum großen Theil jeder idealen Regung unfähig, in materiellen Standesinteressen aufgegangen war. Aber immerhin war die Zahl aufgeklärter Edelleute, die für die Befreiung der Bauern wirkten, relativ eine bedeutende. Die Zeit der Reaktion unter Alexander III., der vergebliche Anstrengungen machte, dem Adel durch weitgehende Bevorzugung und vielfache materielle Begünstigungen zu neuer Blüthe zu verhelfen, bedeutet einen unaufhaltsamen Rückschritt des rusfischen Adels, dessen geistig kulturelles und politisches Niveau sich immer ti:fer senkt. Als die gegenwärtige freiheitliche Bewegung einsetzte, schien wenigstens in einen Theil des Adels ein neuer Zug zu kommen. Alexander II. hatte denen, die mit der Befreiung der Bauern zögerten, das Wort zugerufen: .Es ist besser, die Befreiung geht von oben aus, als daß sie von unten kommt!- Man schien zu begreifen, daß dieses Wort für die Gegenwart an praktischer Bedeutung nichts eingebüßt habe, und war vielfach bereit, theilweise Opfer zu bringen, um nicht alles opfern zu müssen. Das gilt namentlich von den aufgeklärten Großgrundbesitzern. Je wahrscheinlicher ein Sieg der freiheitlichen Bewegung wurde, desto mehr Bertreter des Adels schlössen sich den konstitutionellen Bestrebungen an. Fern hnlten sich aber jene Ädelskreise, die sich auch weiterhin von dem alten Regime auf bequeme Art versorgen lassen wollten, mochten sie sich nun in 5ofsiellungen befinden oder als privilegirte Staatsbeamte vortheilhafte Lebensstellungen einnehmen, und die Zahl der letzteren ist Legion. Aber auch sie geriethen in's Schwanken, als ihre- Positionen von der freiheitlichen Bewegung immer mehr gefährdet wurden. Ein Theil nur, der nichts zu verlieren hatte und nur gewinnen konnte, wollte den Kampf um die Vortheile des alten Regimes nicht aufgeben, ohne den Versuch gemacht zu haben, die freiheitliche Bewegung in eine anarchistische zu verwandeln.Und dieser Versuch gelang, zum Theil wenigstens, weil die freiheitlichen Kämpfer infolge der übermenschlichen Anstrengungen ermattet waren. Nun faßte auch der Adel wieder Muth. Verschiedene Adelskorporationen beeilten sich, diejenigen Standesgenossen aus ihrer Mitte zu stoßen, die nichf aus materiellen Beweggründen zu ihren politischen Ansichten gekommen waren und diesen unerschütterlich treu bleiben wollten. Bei dem Bau veS gro ßen Vorortsammn - Kanals der das ganze rheinische Köln umfassen soll, sollen erhebliche Diebstähle an BauMaterial zum Nachtheil der Stadt Köln ausgeführt worden sein. FuhrUnternehmer, die den CementtransPort vom Bahnhof nach den Baustellen übernommen hatten, verkauften das Material waggonweise an Private. Einige städtische Bauaufseher, die den Spitzbuben für die beseitigten Mengen Baumaterials Ablieferscheine ausgestellt hatten, sind schon aus den städtischen Diensten entlassen worden. Eine Anzahl Fuhrunternehmer, BauUnternehmer sowie BaumaterialienHändler in Köln und Umgegend sind in die üble Angelegenheit verwickelt, deren sich die Staatsanwaltschaft bereits angenommen hat. Ein alteö historisches Wohnhaus auf der Bloomsbury Farm bei Havre de Grace, Hartford County, Md., ist dieser Tage eingeäschert worden. Funken aus Lokomotiven der Baltimore & Ohio-Bahn sollen das Feuer- verursacht haben, welches einen Schaden von $12,000 anrichtete. Es war im Jahre 1812 das einzige Haus in und bei Havre de Grace, welches dem Bombardement der britischen Flotte entging. DM Eigenthum gehörte einem Herrn A. Nelson LewiS. Eine Anzahl von Bürgern aus Sidnaw und Kenton im Staate Michigcn betreibt die Orga nisation eines Wolfsjagdclubs, dessen Zweck ist, die Wölfe, welche durch

ihre große Zahl eine Plage für die dortige Gegend geworden sind, auszurotten. Es werden zur Verfolgung der Bestien Wolfshunde 'angekauft und auch erfahrene Jäger aufgenom wen werden. Das County : von Houghton und der Staat zahlen zu sammen als Prämie für jeden Wolf $45, und das Township Kenton überdies $3; dies zeigt, wie ernst die Wolfsfrage dort geworden - ist. Die Ansiedler waaen nicht. Nachts auszugehen,, und der Viehbestand der Farmer schwebt in beständige? Se, fahr. , . . ,. -

Das Stutfätum in Prag.

Der reichsdeutsche Besucher von Prag, der für den Kampf der beiden böhmischen Nationalitäten um ihre Hauptstadt Auge und Interesse hat, kehrt heute meist mit bitterem nationalem Pessimismus heim. Kein Zweifel, das Tschechenthum wächst ;n Prag stürmisch an, in absoluten wie in relativen Ziffern. Stadt und Vororte zählten 1880 noch 216.577 Tschechen, 1900 schon 364,762. Doch diese Thatsache dürfte Niemanden Wunder nehmen. Denn jeder Blick auf die böhmische Sprachenkarte zeigt, daß Prag inmitten reintschechische: Bezirke liegt, daß es das natürliche Centrum von Tschechisch Böhmen ist, und als Landeshauptstadt übt es auf die Sprachgenossen der regierenden tschechischen Mehrheit des Landes noch eine besondere Anziehungskrast aus. Daraus erhellt schon, daß der numerische Zuwachs des Tschechenthums in Prag ganz naturgemäß weit größer sein muß als der des Deutschthums, daß vaü Dcutschthum relativ zurückbleiben muß. Freilich wäre ein absoluter Rückgang des deutschen Vclksthums in der böhmisehen Hauptstadt damit in keiner Weise gerechtfertigt und erklärt, und doch wird gerade dieser von den Zahlen der amtlichen Volkszählung von 1900 behauptet und von reichsdeutschen Besuchern Prags in der Regel auf Grund subjektiver Eindrücke bestätigt, geglaubt und auch verbreitet. Diese pessimistische Auffassung, die sich obendrein meist noch in verhängnißvoller Weise auf das reichsdeutsche Urtheil über die Zukunft der D:utschen Böhmens überhaupt überträgt, wird nun von Leuten, welche die VerHältnisse genau studirt haben, als grundfalsch bezeichnet. So hat z. V. Prof. Rauchberg unwlderlegt und unwiderleglich nachgewiesen, daß die amtlichen Volkszählungen von 1900 für die Prager ationalitätenverhält-, nisse unrichtig und unbrauchbar sind,' daß lebhafter Druck und befremdliche Nachgiebigkeit" hier die Wahrheit vollständig entstellt haben. Aus gleichfalls amtlichen Zahlen der Volksschulstatisiik von 1900 stellt er fest, daß die deutsche Civilbevölkerung der Stadt in jenem Jahre mindestens 32,000 Köpfe b:trug. daß mit den Vororten und dem Militär das Prager Dcutschthum aber rund 50,500 Seelen- zählte. Das bedeutet gegen die amtlichen 41.833 Deutschen von 1880 einen recht erheblichen Zuwachs. Der Zuwachs wird um so größer, wenn man bedenkt, daß im Laufe der in Betracht kommenden 20 Jahre mehr als die Halste des Prager Judenthums, das früher fast völlig als deutsch" zählte, sich dem Tschechenthum angeschlossen hat (14.576 'von 27,057). Es ist charakteristisch, daß von den Prager Vorortsbezirken in denen auch nach der amtlichen Volkszählungsstatistik das Deutschthum sich meist erheblich vermehrt, mindestens sich hält der einzige, der einen nennenswerthen Rückgang der deütsckisprechenden Bevölkerung aufweist, Zizkow, zugleich derjenige ist. in dem sich 1900 schon 89 Prozent der Juden zur tschechischen Sprache bekannten, während der Durchschnitt Groß - Prags 1900 immerhin doch erst 55; Prozent tschechisch redende Juden aufweist. Daß das Prager Dcutschthum sich also in 20 Jahren um mindestens 15 Prozent vermehrte, obwohl nachweislich Tausende von Juden von ihm abschwenkten, sollte auch den ärgsten Schwarzseher übe:zeugen, daß dieser Außenposten deZ deutschen Volkes noch lange nicht verloren ist. Ueber die originelle Ueberführung eines Diebes wird aus Asch in Bayern gemeldet: Dem Kaufmann Ernst Schuster in Adorf wurde wiederholt aus dem verschlossenen Schreibtisch Geld gestohlen, ohne daß der Dieb ermittelt werden konnte. Schuster brachte den Pultdeckel mit einem nicht weit davon aufgestellten Photographenapparat in elektrische Verbindung. Kürzlich nach der Mittagspause'bemerkte Schuster, daß der Apparat in Funktion gewesen war. Er ging an die Entwicklung der photographischen Platte und es kam das Bild seines 16jährigen Lehrlings Max Gläsel zum Vorscheine, wie er eben den Pultdeckel hob. Der Bursche wurde verhaftet. Einen neuen kleinen Planeten mit ungewöhnlicher Bewegung hat' der Astronom N. Liapin auf der kaiserlichen Hauptsternwarte in Pulkowa bei Petc'sburg auf photographischem Wege entdeckt. Die betreffende Aufnahme war m 26. Oktober d. I. gemacht wo:n. Nachkläglich hat man ihn noch auf .einer 13 'Tage früher erhaltenen Platte in Heidelberg gefunden; man hatte ihn, da er sehr nahe -an derenRande stand, zuerst übersehen. Seine auffällig: Bewegung ist nach der Meinung Professor Berberichs nur dadurch zu erklären, daß der Planet sich nahe dem sonnennächsten Punkte der Bahn befindet, und. daß diese sehr stark von der Kreisform abweicht und auch erheblich gegen die Erdbahnebene geneigt ist. Liapin schätzt den neuen Wandelstern, der übrigens der erste in Rußland entdeckte Plamtold ist, zu 11. bis 12. Große.

AuS der Jugend dkr Kaiserin Cugenie. Die englische Schriftstellerin Jane Sroddart erzählt einige hübsche und noch unbekannte Anekdoten von der früheren Kaiserin Eugenie. Die Tochter der schönen. Gräfin von Montijo hat ihre Jugend in der Gesellschaft berühmter Männer verlebt. Ihre ersten Freunde waren 'Henry Vayle. bekannt unter dem Namen Stendhal, der als Dragoner unter Napoleon gedient hatte, und Prosper Merime. Stendhal hielt die kleine Eugenie auf den Knieen und erzählte ihr in flammenden Worten von den Schlachten, die er mitgemacht hatte. Me:im6e war die Erziehung der Kleinen zugefallen, und er machte oftmals mit ihr große Spaziergänge, die gewöhnlich im Laden eines Zuckerbäckers endeten. Obgleich nicht am Hofe erzogen, hatte' die kleine Eugenie von frühester Jugend an ein lebhaftes Interesse für Politik. Eines Tages befand sie sich in Gesellschaft ihrer Freunde und des spanischen Generals Narvaez und nahm theil an einem politischen Gespräch. Narvaez wollte dem Kinde die Rede verbieten, denn er war es nicht gewohnt, solch' keine Leute an seinen Discussionen Antheil nehmen zu lassen. Darum sagte er halb ernst, halb scherzhaft: Frauen haben sich nicht in die Politik zu mengen. Wenn es an's kalte Messer kommt, dann nehmen sie Reißaus!" Meinen Sie," rief die Klcine, ergriff ein Messer, das auf dem Tifche lag, und stieß es sich ohne Ueberlegung in den Arm. . Hübsch ist auch die Erzählung von der sonderbaren Art. wie Napoleon um die Gunst der Comtess: von Montijo warb. Eines Morgens erging sich die junge Dame in Gesellschaft des, Kaisers und einiger Freunde in einem Park. Die junge Eugenie blieb plötzlich stehen und äußerte eine entzückte Freude über ein mit Thautropfen besetztes Kleebla5t, das in der Morgensonne im Lichte der schönsten Brillanten erstrahlte. Sie zeigte das Kleeblatt dem Kaiser. , Dieser nahm sogleich einen dsr anwesenden Offiziere beiseite und gab ihm einen Auftrag? Tags darauf veranstaltete Napoleon eine Lotterie, bei der die Comtesse von Montijo ein goldenes Kleeblatt, besetzt mit drei kostbaren Brilkanten vom reinsten Wasser, gewann. Der sarkastische Tolstoi. ' Den Gutsherrn von Jasnaja Poljana, der nach einer eben Überstandenen Krankheit eine Schwäche in den Beinen zurückbehalten hatte und deshalb ein wenig schiefbeinig durch fein Besitzthum schritt, besuchte einst eine vornehme französische Dame, die recht stark schielte. Graf Leg verhielt sich der zudringlichen Besucherin gegenüber ziemlich ablehnend. Um ihn durch seine Antheilnahme an seinem körperlichen Zustand etwas milder zu stimmen, fragte ihn die Dame: Wie geh! es denn mit Ihren Bemen. Herr Graf?" Worauf Tolstoi lakonisch erwiderte: Wie Sie sehen, Madame l" Eile mit Weile.

Zur Zeit, als es nur Wagen und Pferde als Beförderungsmittel von Ort zu Ort gab, benutzte man in Deutschland vielfach die Gelegenheit, wenn Bekaunte eine Fahrt unternahmen, ihnen Briefe oder Packete an Angehörige mitzugeben, die dann unterwcgs oder am Reiseziel ausgehändigt wurden. Es war im Jahre 1838, als in einem ostpreußischen Provinzialstädtchen eh? Lehrer, dem es darum zu thun war, seinem Sohne möglichst schnell eine Nachricht zukommen zu lassen, an seine Schüler die Frage richtete: Weiß jemand von Euch eine ..Gelegenheit" nach Königsberg?" Flugs meldete sich des Pastors siebenjähriges Söhnchen: Ja, wenn mein Vater mich auf die Universität brinoen wird." Eine dr 0 l l i g e E p t j o e wird aus Mailand berichtet. Vor Kurzem besuchte das italienische KL nigspaar die im Bau befindliche große Station für drahtlose Telegraphie bei Coltano, Provinz Massa Carrara, mittels welcher Marconi anfänglich nichts Geringeres beabsichtigte, als um die halbe Erdkugel herum bis nach Argentinien drahtlos zu telegraphiren. Die Gelegenheit wollte ein Photograph aus Pisa, Herr Vrondi, benutzen, um das Königspaar meuchlings zu Photographiren. Zu dem Zwecke hatte er alle Vorbereitungen getroffen und sich am Ausgange der Station mit seinem Apparat kunstgerecht aufgestellt. Aber leider nahmen der König und die Königin bei ihrer Rückfahrt einen um ein Geringes anderen Weg, zur schmerzlichsten Enttäuschung des Photographen. Das Heiterste aber bei der Sache war, daß die Königin, die sich über diesen Unfall köstlich unterhielt, die Gelegenheit wahrnahm, den Photographen zu photographiren. Auch der König, der die Enttäuschung Brondi's ebenfalls, bemerkt hatte, sagte, darüber belustigt, zur Königin: Photographire den Photographen!"- Worauf die Königin erwiderte: Es ist schon geschehen. Beim Erzählen seines Abenteuers lacht Her? Brondi noch und kann nicht genug versichern, daß es ihm daZ ersie Mal in seinem, Leben passirt ist. anstatt zu Photographiren, . photogra phirt zu werden.

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