Indiana Tribüne, Volume 30, Number 99, Indianapolis, Marion County, 17 December 1906 — Page 5
Jndlana Tribüne, 17 Dezember 1900
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Zwei um einen.
Erzählung von öelene Naff. Als die Kreszenz Braut wurde, erschien sie sich selbst und allen anderen um Hauptes Länge gewachsen. Es war ein Glücksfall, auf den sie kaum noch hatte rechnen können; denn sie stand schon am Ausgang der Dreißig und sah noch um ein Beträchtlichcs älter aus. Daß sie doch einen erwischt hat auf die Letzt!" wunderten sich die Leute und fügten mildernd hinzu: brav sei sie ja allerdings. Die Kreszenz war brav, und überdies hatte sie in den langen Jahren ihrer enstbotenzeit sich eine Ausstattung zusammengespart, die bei ihrer älteren Schwester im Heimathsorte in Aufbewahrung stand und der Eigenthümern ganzen Stolz bildete. Zumal eine nußbaumene Kommode mit unzähligen Schiebladen war ihr förmlich ans Herz gewachsen. Aber nun hatte sich zu der Ausstattung das Beste und Unumgänglichste auch hinzugefunden, nämlich ein Hochzciter. Der gleichfalls nicht mehr in erster . Jugend befindliche Gehilfe eines Schreiners im Hinterhause hatte die Kreszenz etliche Male angesprochen, wenn er sie im Hof und auf der Straße antraf allmählich war daraus ein Herzensbündniß geworden. Nicht ohne Kämpfe gelang es dem Mädchen, nachdem die Sache zum Verlöbniß gediehen, bei ihrer Herrschaft durchzusetzen, daß der Hart! sein Name war Leonhard als ihr rechtmäßiger Bräutigam im Hause verkehren durfte. An den Sonntagen, wo sie ihren Ausgang hatte, begleitete er sie in irgend einen Biergarten; mußte sie daheim bleiben, so safc er bei ihr und unterhielt sie oder ließ sich vielmehr von ihr unterhalten. Der Hart! war ein abgesagter Feind von unnützen Worten und noch mehr von angestrengter Thätigkeit; die Hausbewohner behaupteten sämmtlick: wenn er irgend etwas auszubessern komme, so werde man schläfrig vom Zusehen so langsam seien seine Bewegungen. Dem entsprach auch sein Gesichtsausdruck, der sich vorwiegend nur beim Essen belebte; denn der Hart! verfügte über stattlich ausgepolsterte Gliedmaßen und eine diesen angemessene Gefräßigkeit. Dennoch war die Kreszenz glücklich und verlangte sich auf dieser Erde keinen Besseren. Jatz werd noch a Jahrl gewart't, daß mir uns mehra Zl'sammaspar'n", vertraute sie ihrer Freundin, der Fanny, aber nacha werd g'heirath't. Ich gfreu mich jetzt schon, a so a lieber Mensch, wie er ls." Und die Fanny nickte zustimmend und sagte: Ja. ja, heirathen is halt doch dös Gescheitere. Ich wollt', ich war' auch erst so weit." Die Fanny war Köchin in dem , Hause, wo die Kreszenz als Stubenmädchen diente. Sie standen etwa im gleichen Alter, nur daß die Fanny um ein weniges 'anmuthiger anzuschauen war als die Kreszenz, deren Gestalt und Antlitz sich hauptsächlich aus Ecken zusammensetzte. Anfanglich hatten die beiden keinen Zug zu einander verspürt; allmählich aber stellte sich zwischen ihnen die Freundschaft ein, wie sie unter zwei Pferden entsteht, die täglich den gleichen Karren ziehen und an gleicher Krippe futtern. D Hcril, als Dritter im Bunde, half vollends, sie auf einen Ton zu stimmen: die Fanny erwies sich als verständnißvolle Vertraute und that'oem Verlobten ihrer Genossin alles .Gute an. Kaufte die Kreszenz ihm einen sonntäglichen Schlips von unmöglicher Farbe, so hob ihm die Fanny ein Stück vom saftigsten Braten auf; und der Hartl saß freundlich grinsend wie ein Götze auf seinem Küchenstuhl und nahm den Huldigungstribut von beiden Seiten mit erhabener Ruhe entgegen. Die Kreszenz vergalt der Fanny ihren Antheil, indem sie gelegentlich erlaubte, daß der Hartl jene an Sonntagen ausführte, wenn die Reihe des Zuhausebleibens an ihr selbst war. Weniger erbaut war sie von der Thatsache, daß des Hartl ihr zugedachte Schäkereien bisweilen an die falsche Adresse gelangten. I bitt' mir's aus", begehrte sie auf, als er einmal die Fanny in den entblößten Arm kniff, Du hast fein keine andere zu zwicken als wia mi' verstanden!" Er kam nicht aus der Fassung, slmdern erklärte mit gelassenem Lächeln: Siehest, die Fanny is halt a so a Mollete, weißt!" und die Fanny lachte dazu. Eines Tages trat die Kreszenz vor ihre Herrschaft und meldete verschämt, sie habe sich's überlegt, daß sie nun doch früher heirathen wolle. Mer Schwester schreibt, daß sie umzogt " und mir mei' Sach' nimmer aufheben kann ' nacha müßt' ich rein z'weg'n der Möbel a Zimmer! irgendwo miethen und sie unterstellen. Is g'scheiter.' ich mieth' mir glei' zwei und.zieha sammt 'n Hartl hinein." Dieser Ehegrund ward als vollgültig erachtet, und des Mädchens Kündigung' daraufhin angenommen. Am Nachmittag, da der Hartl zu einem Küchenbesuch sich 'einfand, hielt sie ihm die gleiche Ansprache und schloß mit den Worten: Bal's Dir also recht' is, thean ma's Aufgebot bestell'n. und in a sechs Wochen könna ma a heirath't sein," "
Der Hartl sagte nichts ; die Fanny aber verließ plötzlich ihren Platz am Spülstein, stellte sich gerade vor ihn hin und forderte: Du, jatz red' amal!" Geh zua, fang'n ma doch net zu'n streit'n an!" gab er zurück; da maß ihn die Fanny mit einem funkelnden Blick unD wendete sich zur Kreszenz: Daß Du's nur weißt: der Hartl hat sich die G'schicht' änderst überlegt. Er will nimmer Dich he!rathen, sondern mich." Einen Augenblick stcrn die Kreözenz wie verstelnerr; vann stürzte sie auf den Hartl ' zu, ihn bei beiden Schultern packend, als müsse sie die Wahrheit aus ihm herausschütteln. Is dös wahr? Js's? " Die Stimme erstickte ihr vor Schmerz und Grimm. So genöthigt, mußte der Hartl endlich Farbe bekennen. Schaug, i kann aa nix derfür, bal mir die Fanny besser g'fällt!" sagte er im Ton milder Entschuldigung. O Du!" Die Kreszenz schrie es förmlich heraus dann kehrte sie zu der Gegnerin zurück und überschüttete sie mit einer Fluth von Schmähworten. Die 6Iiöf3 ihr nichts schuldig, und während der Gegenstand des Zwistes sich ganz sachte und un'merklich aus der Küche hinausstahl, widerhallte der Raum von Vorwürsen, Schluchzen und Beschimpfungen.
Die Hausleute, durch den Larm herbeigelockt, konnten eben nur thätlichen Hader verhindern. Schließlich verfiel die Kreszenz in einen krampfartigen Weinzustand, so daß sie hinweggeführt werden mußte; die meisten bedauerten sie und tadelten die Falschheit der anderen, ihr den Verlobten abspenstig zu machen. Nur der Hausmeister. ein alter Weltweiser. that den Ausspruch: Mei', z'weg'n an ordentlichen Menschen wär' dös nie net hergangen. G'rad' bal einer a Gischpl oder a Lump is, nacha tean die Weiberleut' völlig wia narret damit!" In Bälde verließen beide Nebenbuhlerinnen das Haus die Fanny als das Eheweib des Hartl. Vergeblich hatte die Kreszenz alles aufgeboten, den Ungetreuen zu ' seiner Pflicht zurückzuführen; sogar der Hinweis auf die Ausstattung, die sie ihm zubrächte, prallte ab an derThatfache, daß die Fanny dafür ein größeres Sparkassenbuch besaß. Die Verlassene konnte es nicht ertragen, unter den Menschen weiter zu leben, die da Zeugen ihrer Niederlage gewesen waren; also hielt sie ihre Kündigung aufrecht und suchte einen anderen Dienst am entgegengesetzten Ende der Stadt. Sie traf es nicht übel, aber alle Freudigkeit war aus ihrem Wesen und Thun entwichen; denn fortwährend verglich sie das Leben, das sie führte, mit dem, was sie sich geträumt hatte. Das Leben zu zweien, an dem sie die betrügerische Freundin hatte theilnehmen lassen wollen. In einer großmüthigen AnWandlung hatte sie der Fanny verheißen, sie könne dermaleinst zu ihnen ziehen, wenn sie sich zur Ruhe setze. Nun hatte die andere ihr ihre Stelle entwendet und saß warm im eigenen Neste, während sie abseits stand, allein. Alles war ihr von den beiden Treulosen genommen worden bis auf die Möbel, in denen ihre liebsten Hoffnungen nebst so manchem Spargroschen steckten. Denn die Fanny war dreist genug gewesen, anzufragen, ob sie ihnen die Einrichtung, die schon beschafft sei, nicht käuflich überlassen wolle sie könne ja doch nichts damit anfangen. Anfänglich wehrte die Kreszenz sich entrüstet gegen solche Zumuthung dann gewann ihr praktischer Sinn die Oberhand, und sie gab die so werth gehaltenen Stücke, die sie ohnehin nirgend unterzubringen wußte, nach hartnäckigem Feilschen hin. Im Herzen freilich hing sie jedem einzelnen eine Verwünschung an, die der zwei Uebelthäter ganzen Lebenslauf und noch ihr Jenseits-Da-sein umfaßte. Ueberhaupt tröstete sie sich, so oft sie ihrer gedachte, mit der grimmigen Zuversicht: Wann's eine Gerechtigkeit gibt, muß's der Bagafch' noch amal elend schlecht geh'!" Allmählich schwanden die Jahre so eintönig, daß die Kreszenz ihr Schwinden kaum bemerkte. Nur ward sie gewahr, wie ihre Füße matter und ihre Arme schwächer wurden; das Alter machte sich fühlbar. Sie mußte sich sagen, daß sie nicht lange mehr würde dien:n können; und da sie seit ihrer Enttäuschung meist ein mürrisches und verschlossenes Wesen zur Schau getragen, so war auch niemand, der ihr freundlichen Sinnes ein Ruheplätzchen geboten hatte. Demgemäß überlegte sie nun, was sie als das bessere Theil . erwählen sollte: entweder aufs Land zu ihren Verwandten ziehen oder sich mit ihrem Ersparten als Pfrllndnerin in ein Alteleutestift einkaufn. In beiden Fällen war die Aussicht, die ihr bevorstand, die gleiche: das kleinliche Nörgeln ums tägliche Brot, der häusliehe Unfrieden, das von sich selbst und anderen nur als Last empfundene Dasein eines alten, einsamen Menschen. In diese Erwägungen vertieft schritt sie eines Abends durch die Straßen der .Vorstadt, wo ein frühlingshafkes Treiben " und - Drängen herrschte. Die 'Kreszenz mußte 'sich dicht an den Häusern halten, um rtä von den S Haaren, die nach
Feierabend irgendwo hinauZ ins Freie strebten, überrannt oder von einem Rudel jagender, schreiender Kinder unsanft angestoßen zu werden. Da kam im gleichen bedächtigen Schritt ein Paar ihr entgegen, ein bejahrter Mann mit einem ebensolchen Weibe, beide äußerst dürftig gekleidet. Die Frau trug einen Pack auf dem Arme und schien scheltend oder klagend auf den Mann einzureden, der gesenkten Hauptes neben ihr hertrottelte. Als sie dicht bei der Kreszenz vorbeistrichen, schlug dieser das Her ein wenig schneller, so mild? und ruhio e c'cü
seit langem geworden war. Sie hatte die beiden erkannt. Ihre erste Regung war tückische Schadenfreude. Es scheint, die thun sich auch hart g'schiecht ihnen recht." Dann überfiel sie eine große Neugierde, wie es ihnen denn ergangen sein möchte in all' der Zeit, da sie das Paar ganz aus dem Gesichte verloren hatte. Im Aussehen schienen sie gewaltig verändert, zumal der Hartl, der doch vordem ein so ansehnllcher Mensch gewesen war. Schier nicht zu kennen", sagte sich die Kreszenz. Von da an zog es sie gleichsam an den Haaren immer wieder in die Gegend. wo sie die zwei Alten angetroffen hatte; und nachdem es ihr gelungen war, die Wohnung der beiden auszukundschaften, machte sie sich eines Taaes entschlossen dorthin auf den Weg. Es däuchte ihr die mindeste Entschädigung für das emst Erlittene, sich mit eigenen Augen zu überzeugen, daß das an ihr verübte Unrecht den Thätern keine Frucht getragen hätte. Die Fanny vermeinte aus den Wolken zu fallen, als auf der Schwelle ihrer' elenden Behausung ganz unvermuthet die einstige 'Freundin und nachmalige Widersacherin stand. Nach der starren Verwunderung, wie jene überhaupt ihren Unterschlupf ausfindig gemacht habe, war ihr erstes Gefühl das der Scham, weil es so ärmlich und unordentlich bei ihr aussah. Denn die Fanny , hatte ehemals etwas auf sich gehalten und wußte auch, wie sehr sie selbst herabgekommen war; sie. die Rundliche, glich nunmehr einem zusammengeschrumpften, runzeligen Apfel. Illber der Kreszenz war es nicht anders ergangen; sie bestand jet.t fast gänzlich aus Knochen und Sehnen, und ihre lange Gestalt hielt sich vornübergebeugt. Einige Minuten hindurch betrachteten sie einander schweigend; mit bitterer Genugthuung stellten sie fest, daß die Jahre ihnen beiden gleich grausam mitgetspielt hatten. Dann sagte die Kreszenz nicht ohne Bosheit: Recht schön schaugt'S net aus bei Dir." mei', woher doch?" Ein tiefer Seufzer begleitete die Worte; inzwischen hielt die Besucherin Musterung ab über die ihr wohlbekannte Einrichtung, von der nur wenige schadhafte Stücke noch vorhanden waren. Wo is dös und wo is dös?" begehrte sie zu wissen. Ins Leihhaus ham mas tragen müss'n a paarmal hamma uns nimmer änderst zu helfen g'wüßt " gestand die Fanny. Unwillkürlich warf sie einen Blick nach der Thür einer schmalen Nebenkammer; die Kreszenz errieth ihr Denken. Wo is er?" fragte sie. Wo werd er sein? Drinna liegt er und schlaft wia'r a Ratz. Dös Kreuz, wo eins mit dem hat ich sag' Dir: fein Hast's verrathen. Du, weil D' eahn net kriegt hast!" Hältst eahn Du besser ranschirt!" versetzte die Kreszenz hart. Sie wa: innerlich überzeugt, daß sie es wohl erreicht haben würde, ihn und sich oben zu halten. Die Fanny fühlte sich gekränkt. So, als ob ich net g'rad' gnua über mir g'habt hätt'! 'Die meiste Zeit hat er koa Arbet net g'habt und nacha bin ich zu 'n Kochen ausgangen und hab' verdient für uns. ich alleinig. Aber so nach und nach sein meine besten Kunden verstorben und weggezogen nacha is die Fretterei erst anggangen. Denn er dös weißt a so, daß er nix thun mag und alleweil glaabt er, die gebratenen Tauben müssen eahm ins Maul fliegen und " Ja, a Haderlump is er schon " gab die Kreszenz grollend zu. Ich sollt' meinen, ich könnt' verzählen davon." Nun lenkte die andere wieder ein. No ja, er hat aa wieder seine guten Seiten. A so wär' er ganz recht, grad' daß er a wengl langsam is. Aber grob zum Beispiel is er net. Jetz' möcht' ich. er thät' aufwachen; denn 'wann er Dich sehet, hätt' er g'wiß a rechte 'Freuds" Meinst?" fragte die Kreszenz geschmeichelt. So lange war es ihr nicht geschehen, daß jemand sich freute, sie zu sehen. Thut er denn überHaupt's noch denken auf mich?" fügte sie zögernd hinzu. Dös glaubst! Wenn ma doch jung g'west is miteinander'! Oft und oft ham mir zwei davon gered't, mir möchten grad' amal wissen, wie's der Zenzl geht. Du hast's freilich schöner g'habt als wia mir." So,, ich hätt's schöner g'habt!" Das war der Kreszenz zu arg; sie fand sich bewogen, auch einmal frei vom een wea au reden. .Alleweil lbloß fremde Leut' au Pudel mach'n
und keine Sl' net hab'n, die sich annimmt um einen wia'r a Roß in einer Tour fortarbeten bis. aus. d' Nacht! Wia ma's von die ungetauften K.inderln sagt, daß sie im Jenfeits keine Freud' und kein Leid net haben, so hab' ich's g'habt, seit Du mir '3 Meinige genommen hast. Und dös heif.t Du schön!" Die Fannd senkte das Sauvt mit
den spärlichen grauen Haaren. .chau!" sagte sie schuldbewußt, Du hast doch zum wenigsten 's tägliche Brot gehabt. Ich net immer." ' Dann schwiegen sie beide, denn jede empfang im Innern etwas wie Neid gegen die andere und wußte doch nicht recht, ob sie hätte tauschen mögen. Indessen verstummte nebenan das zuvor manchmal hörbare Fauchen und Schnarchen wie von ernem schlafenden Dachshund, und ehe sie sich's versaben. war der Dritte im Bunde hereingetreten. Die Fanny hatte ganz richtig vermuthet, daß er sich freuen würde. Einen Augenblick stand er wie versteinert mit offenem Munde da. dann schlug er sich aufs Knie: 0 Herrschast no amal. die Zenzi!", humpelte auf sie zu und bot ihr die Hand. Sie saßen lange beisammen und geriethen zuletzt in gemüthliche UnterHaltung, einander an die mannigsaltigen Vorkommnisse früherer Tage erinnernd. Der Hartl ward fo guter Laune, daß er den beiden ihm zur Seite Sitzenden je einen vertraulichen Puff austheilte mit den Worten: Jetz' is 's recht, jetz' hab' ich s' wieder beinand, meine zwoa Deandln, ganz wie in die alten Zeiten Er wollte gar nichts davon hören, als die Kreszenz meinte, nun müsse sie gehen; wenigstens nahm er ihr das Versprechen ab, daß sie wiederkommen wolle, recht bald.' Wenn's Dir net zu schlecht is bei uns", fügte die Fanny etwas grämlich hinzu' Du, horch!" rief sie der Kreszenz noch nach, wenn. Du fein 'was hörst, daß jemand aif Schlafplatz sucht, vergiß net auf uns! Mir thäten 's Kammer! gern abgeben, wären froh drum." Dies Abschiedswort folgte der Kreszenz über die ausgetretene halsbrecherische Treppe hinab und blieb noch länger in ihrer Seele haften. Anfänglich däuchte ihr zwar, es sei die reinste 'Narrheit, in zwei solche unwirthliche Löcher noch einen Menschen hineinzunehmen. Bei'n Fenstei 'raushängen in an Vogelbauer anders foufrt' ich nei, wo der bleiben soll!" Dann fiel ihr wieder der Hartl ein: G'freut hat er sich' schon dös schon! Und kennbar is er aa noch so weit. Seine Schuld, wann's eahm net besser geht. Die Fanny soll eahn g'scheiter 'zogen hab'n. Aber die ' kann sich grad' so wenig helfen al wia er Wo sie ging und stand, überdachte sie den Fall, bis allmählich ein Plan in ihr gereift war. Mit gefaßter, würdevoller Miene trat sie eines Tages abermals bei der Fanny ein. Du, Fanny, Ihr sucht ja wen, der wo Euch 's Kammer! abnimmt könnt's mich net brauchen?" Alle heiligen Nothhelfer!" Mehr brachte die Fanny im ersten Augenblick nicht heraus; sie zitterte ordentlich, so hatte es sie überkommen. Dann traten ihr ein paar Thränen in die kleinen wässerigen Augen und sie sagte leise: Schön is dös von Dir, Zenzl, arg schön." Also zog die Kreszenz in das armselige Gelaß ein sammt ihrer beweglichen Habe, die nicht zahlreich war. Ob ich mei Derspartes un 's Jnvalidengeld jetz' da verzehr' oder wo anders. dös is g'hupft wie g'sprungen". dachte sie bei sich. Der Hartl hatte zu ihrem Empfang einen Kranz von Daxn nebst einem Zettel mit Willkommen" an die Thüre geheftet; das rechnete sie ihm hoch an. Man hat halt doch an Ansprach' und is unter gut Bekannte." Nicht als ob es unter, den guten Bekannten nicht häufigen Hader gegeben hätte! An' Samstagen zum Beispiel, wenn die Wochenrechnung zwischen den zwei Frauen erledigt wurde, kam es wegen des von der Kreszenz zu leistenden Haushaltbeiträges regelmäßig zum Streit. Dann keiften die beiden und sagten sich spitze Worte, und die Kreszenz ermangelte nie, der andern ihr ehemaliges Unrecht- vorzuhalten. Der Hartl, in seiner angeborenen Abneigung gegen Unannehmlichkeiten, verstand es immer, bei derartigen Erörterungen fernzubleiben dafür besaß er jedoch eine besondere Meisterschaft in Wiederherstellung des Hausfriedens. Er nutzte eine Gelegenheit, wo er mit der Kreszenz allein war, um ihr mit vielsagenden Ausdruck zuzuraunen: Ja, ja, Zengl, bal ma amal einand' so nah g'standen is wia mir zwei und drückte ihr dabei die Hand. Dann suchte er die Fanny auf. und sagte beschwichtigend: Schau. Fannerl, die Zenzl is a arme Haut sie kann's halt ntt verwinden, daß Du " und er klopfte sie auf die Schultern. Dies Versahren bewirkte, daß jede sich insgeheim als Siegerin in dem Kampfe um ihn empfand und stimmte sie infolgedessen großmüthig, so daß das Hausen zu dreien wieder eine Weile glatt wie auf RäKrn dahinlief. Der Hartl wußte, wo sein Weizen blühte. Uebrigenö gediehen sie sämmtlich besser, seit sie ihr bißchen Armuth zu-
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Weiblein taglöhnerten fleißig, und fo t r 'i a -cn.t. t ClUC CU UIDZU ausging, ÜllCÜ die andere daheim und sorgte, daß eS dem Hartl an nichts gebrach. Bisweilen gingen sie auch alle beide, vornehmlich, wenn sie . iraendwo bestellt waren, um Holz klein zu machen.denn mt eingestellten in der Nachbarschaft wendeten irnten diesen Verdienst aern zu. Dann führten sie den Hartl zum veisen' Mit, und er mußte ihnen Öolzblock und Säae traaen. worbei er gewaltig stöhnte und seufzte. Waren ne vor dem betreffenden Hause angelangt, so stellte er ihnen das Geräth zurecht, legte auch anfänglich hier und da mit Hand an, aber bald wurde ihm so schwach zumuthe oder es begann zu regnen, daß er jammerte: Au weh, mei' Rheumatiß!" Alsbald trollte er schleunig davon und lieft die zwei altersaekrümmten Frauengestalten allein auf der Gasse im Negen, emsig beschäftigt, die Scheite zu zerkleinern. Um Mittaa Pflegten sie sich eine Ruhepause' zu gönnen; und wahrend die Kreszenz verschnaufte, holte die,??annd aus der nächsten Wirthschaft ein Stück Brot und vielleicht sonst eine Kleinigkeit zum Essen. Bei der Rückkehr meldete sie gewöhnlich: Du, drinn bei'n Wirth is er g'hockt fo schlecht, hat er g'sagt, is eahm. hab' eahm a Zehnerl g'schenkt, daß er sich an Halbe raufen kann. . So. so!" sagte die Kreszenz und wischte sich die Stirn mit dem Qandrücken. Dös hätt's aa net nothwendig g'habt, weißt! Kommen thut er Nimm?" Ich glaub kaum. Du kennst 'n ja, wia er is." Da nickte die Kreszenz, denn sie kannte ihn. Halblaut murrte sie wohl auch etwas vor sich hin joon Schinderei, die man habe um so einen unnützen Menscken. Aber es dauerte nicht lang, so war sie auch in der Wirthschaft gewesen, um hernach der Fanny triumphirend anzukündigen: Jetz' hat er von mir aar a Zehnerl." Und die zwei Alten verstanden sich und zoaen einträchtig wiederum die scharfe Säge durch die kreischenden Hoizdloae, bis am Abend der ausgeruhte Hartl erschien, sie in ibre Armeleutwohnung heimzuholen U eber Friseurlehrlinge als Mörder wird aus Würdenthal in Oesterreichisch - Schlesien berichtet: Der beim Friseur Stelzl bedienstete Gehilfe Heinek wurde in seinem Bett mit mehreren Schnittwunden am Halse todt aufgefunden. Da man ein blutbeflecktes Messer vorfand und auf einem Zettel die Mittheilung stand, er habe aus Kummer und Aergerniß einen Selbstmord begangen, wurde angenommen, Heinek habe wirklich Hand an sich gelegt. Da aber der ärztliche Befund ergab, daß er sich unmöglich die tödtlichen Wunden selbst beigebracht haben könne, wurde die 'behördliche Anzeige erstattet, die zu einem überraschenden Nesultat führte. Vor allem ergab sich, daß die Schriftzüge auf 'dem Zettel nicht jene Heinek's waren. Da sich die bei Stelzl befindlichen Lehrlinge in Widersprüche verwickelten, lenkte sich der Verdacht auf die beiden. Burschen, die, einem strengen Verhör unterzogen, endlich eingestanden, jenen ermordet zu haben, weil er sie schlecht behartdelte. Den Zettel hätten sie geschrieben, um einen Selbstmord glaubhaft zu machen. Eine geheimnißvolle Vergiftungsgeschichte beschäftigt die Polizei in Pforzheim. Am 26. September wurden der 68 Jahre alte Tagelöhner Enghofer, sein 20 Jahre alter Sohn Friedrich und sein sieben Jahre alter Sohn Josef in ihrer Wohnung aufgefunden, anscheinend erkrankt infolge von Vergiftung. Die Söhne erholten sich wieder, der alte Enghofer mußte jedoch nach dem Krankenhaus gebracht werden. Nach seiner Entlassung aus diesem wurde eine Untersuchung gegen ihn eröffnet, diese aber wieder niedergeschlagen, da man in ihrem Verlaufe zu der Anschauung gelungte, es liege eine Vergiftung vor, die durch grobe Unreinlichkeiten in den Eßgeschirren hervorgerufen worden sei. Seit mehreren Tagen hatte man neuerdings den alten Enghofer und seinen Sohn Friedrich nicht mehr gesehen. Die Kriminalpolizei öffnete nun die Wohnung und fand beide auf dem Fußboden liegend vor. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß sie an Vergiftung gestorben seien. Das Weitere werden die gerichtlichen Ermittlungen trieben. EiIinteressanterVersu ch zur Einführung afrikanischer Fiscke auf dem französischen Markt ist von Professor Grusel (an der Universität Bordeouz) unternommen worden und hat, wie eö scheint, einen recht glücklichen Erfolg gehabt; denn u Solgedessen wurden in Afrika gefangene fische m Pariser Restaurants thatsächlich alö .frische" aufgetragen. Selbst Feinschmecker haben ohne Widerspruch frische" Seezungen gegessen, die von der Westküste AfttkaS gekommen waren. Die Fische werden zuerst schwach angekocht und dann in Gefrierkammern. untergebrackt. Sie sollen wirklich ganz frisch und mit unverLndertem Gefchmack sehr weit befördert werden können.
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