Indiana Tribüne, Volume 30, Number 97, Indianapolis, Marion County, 14 December 1906 — Page 6
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Europäische Nachrichten. Sachsen. Dresden. Dem Sekretär Basta bei der hiesigen Amtshauptmann, schaft ist bei seinem Uebertritte in den Ruhestand das Verdienstkreuz verliehen worden. Christian Frie drich Lutherer. privatisirender Fler fchermeister. An der Mauer 3, beging letztens sein 50i'ähriges Meisterjubilä. um. Aus diesem Anlaß wurde der Jubilar von einer aus dem Obermeiste? - Fasold. sowie den Meistern Matthes. Schulze und Witschel beste, henden Abordnung ter hiesigen Fle:. scher-Jnnung aufs herzlichste beglück wünscht. Chemnitz. Der 21jährige Ge. schirrführer Ernst Winterlich auZ Großvoigtsberg verunglückte bier au! ungewöhnliche Art. Er fuhr mit sei nem mit Grünwaaren beladene? Fuhrwerk von der Ladestelle der In.
dustriebahn im Stavttyeil ANenvori nach der Thalstraße. Eines seiner beiden Pferde kam plötzlich zu Fav und riß dabei den Geschirrführer, bei die Zügel nicht aus den Handen lletz. vom Vock berab. Winterlich wurde sc unglücklich auf das Pflaster geschleu. oerl. 'van er den Halswirbel brach und 'alsbald starb. Döbeln. Der Besitzer v Sckiiffsbrückc Alfred Nönler versuchte die hochangeschwollene Mulde zweimal zu durchschwimmen. erste mcai aelana. bim Zweiten Versuch' wurde er von der Fluth mit fortgetrieben und ertrank. Mittweida. Letztens begingen die Webermeister Bischoff und Eichler das semiaiabme und der Webermei ster Gruhl das fünfzigjährige Bürgerlubuaum. Oelsnlk. Vor kurzem wurde im DeutsÄlandschacht der Wjährige 5immermann Vechmann vom Abschlußgesell in den Schacht' hinabgerissen und von Seltlorven loorgedrückt. LeivZia. Auf der Aeußeren Halle'schen Straße in Möckern wurde das Jahre alte Töchterchn Ilse des Gei'ckäftsfübrers Valentin Wenig von hier von einem Straßenbhnwagen erfaßt und getodtet. Das Kmd war bei Verwandten in' Mockern in Pflege und war über die Straße geeilt, als der Wagen es erfaßte. V l a u e n. Kurz vor der stanoesamtlichen Trauuna erschoß sich in seiner Wohnung der im Vogtlande bekannte 30 Jahre alte praktische Arzl Dr. Georg Horn. Melancholie wird tfls das Motiv der That verrnuthet. RelSenback. Bürgermeister a. D. Ernst Hugo Klinkhardt ist im Alter von nahezu 65 Jahren an Herzschwache gestorben. Der Heimgegangene war 30 Jahre lang Leiter unserer städtischen Verwaltung Er war auch Ehrenbürger unserer Stadt. Zrttau. Das diamantene Ehejubilaum beging kürzlich der pensionirte Telegraphenbote Jentsch und seine E-yesrau geb. Holosch. Kessen'Aarrnskadt. Darmstadt. Die hiesige Sandenbzrger'sche Maschinenfabrik Georg Gobel feierte das Jubiläum ihres 50 jährigen Bestehens und zu gleicher Zeit das 25jahrlge Jubilaum zweier ihrer Beamten. Vor kurzem begingen der in weiten Kreisen bekannte Biblio thekdiener an der Technischen Hoch schule Josef Goldbach und dessen Ehe frau das Fest der silbernen Hochzeit. B e n s h e i m. Kürzlich starb hier Oberamtsrichier Tasch6, der als erster Obcramtsrichter. seitdem im Mai 1902 das hiesige Amtsgericht er öffnet wurde, seines Amtes dahier waltete. Er stand erst inmitten der fijnfziger Jahre. Gießen. Hier starb. 65 Jahre alt, der Landgerichtsrath i. P. Dr. Wilh. Möbius, weiten Kreisen als Verfasser von Gedichten wetterauer Mundart unter dem Namen Friedrich v. Trais bekannt. Dr. Möbius galt auch als eme Autorität in numlsmat: schen Fragen, speziell auf den Gebiet hessischer Münzen, von welchen er eine werthvolle Sammlung hinterlassen hat. Mainz. Der Professor am hie sigen Priesterseminar, Dr. Philipp Kneib, ist zum o. Professor der Apo logetik und vergleichenden ReligionsWissenschaft an der theologischen Fa kultat der Universität WUrzvura ernannt worden. W o r m s. Großfeuer richtete in den Hobel- und Sagewerken bedeuten den Schaden an. Die Dampfsirene der Dörr und Reinhardt'schen Fabrik signalisirte zuerst den Ausbruch. Das Feuer entstand wahrscheinlich durch Kaminfunken. Lager, Maschinenhaus und Bureauräume wurden vernichtet. Das Wohnhaus konnte durch die Heyl'sche Feuerwehr mittelst der Dampspumpe gerettet werden. Der Schaden an Material beträgt cirka 250.000 Mark, an Gebäuden cirka 50.000 Mark. Wayern. München. Kürzlich ist der Begründer und langjährige Verleger ,d3 Münchener Fremdenblattes", Adolf Krätzer, im Alter von 62 Jahren gestorben. Alt he im. Großfeuer brach !n dem Backofen von Oberhofer aus, griff sofort auf dessen Stadel über, sprang im Nu auf die Stadel des Qm und von da auf ein Wohnhau?
über. Im ganzen sielen dem Brand sechs Firste zum Opfer. D a ch ä u. In der Vößenroth'schen Farbenfabrik hie? wollte der Ausgeher Karl Nothamer beim Reinigen eines stillstehenden Motors die schwe-
re Kolbenstange herausnehmen, die etwas strena aina. plötzlich aber naa gab und dem Rothamer mit aller Wucht gegen die Brust fuhr, so daß er lautlos zusammenbrach und sofort todt war. Eine Herzzerreißung führt: den Tod herbei. Erlangen. Der o. Professor der alten Geschichte an der hiesigen Universiiät Dr. W. Judeich hat einen Ruf an die Universität in Jena erhalten. G m u n d. Letztens explodrrte ir der Fabrik von Walter und Schmitt der Schmelzkessel. Eine große Anzahl Arbeiter wurde schwer verletzt. Dem Arbeiter Wiedmaier wurde ein Fuß abgeschlagen und ein Auge ausgeglissen. Das Fabrikgebäude ist zu einem großen Theil zerstört worden. Ueber die Ursachen der Explosion derlautet nichts Beztimmtes. Kriegshaber. In die Werkstatte des Schreinermeisters Mack hin schlich sich ein Handwerksbursche. Namens Maile, ein, um zu nächtigen. W i d d e n. Vor einiger Zeit wurde der 45 , Jahre alte Bäcker und Taglöhner Karl Müller von hier in einer Feldscheune erhängt aufgefunden. Nach einer hinterlassenen Notiz haben Mangel' an Familienanschluß und Arbeitslosigkeit den Unglücklichen in den Tod getrieben. Zimmern. Letztens brannte hier aus unbekannter Ursache das Wohnhaus des Pulverarbeiters Anton Nottler bis auf den Grund nieder. Waden. Karlsruhe. Ter Direktor und Oberregisseur Oswald Hancke, der im vorigen Jahre nach 25jähriger Thätigkeit von der hiesigen Hofbühne schied und kürzlich vom Großherzoo zum Ehrenmitglied des Hoftheaters ernannt wurde, ist im Alter von 66 Jahren gestorben. Breitenbronn. Hier brannte kürzlich die angefüllte große Scheune nebst einem Anbau, dem Landwirth Jakob Groß gehörig, nieder. Es soll Brandstiftung vorliegen und vermuthet man als Thäter einen entlassenen Knecht. F r e i b u r g. Dieser Tage beging Musikdirektor Friedemann (Kapelle des Jnf.-Regts. 113) sein 25jähriges Dienstjubiläum. Gernsbach. In dem Hause des Um sich zu orienttren, harte e? jedenfalls Streichhölzer angezündet, wodurch Hobelspähne, ohne daß er es merkte, in Brand geriethen. Durch den entstandenen Rauch ist er erstickt und wurde später todt aufgefunden. ' Nürnberg. In seiner Wohnung hat sich der 27jährrge böhmische Arbeiter Holik aus Kummer über seine Familienverhältnisse erschossen. Penzberg. Letztens stürzte der erst seit kurzer Zeit verheiratete 28jährige Bergmann Joseph Stadler im hiesigen Bergwerk den Bremschacht hinab und war sofort todt. Der Verunglückte machte im Jahre 1899 den Chinafeldzug mit. Württemberg. Stuttgart. Dieser Tage feierte der Würit. Kunstverein das 25jährige Dienstjubiläum seines Conserdarorö Prof. Stier. Unter seiner Geschäftsführung und vorzugsweise durch seine rastlose Thätigkeit hat sich der Kunstverein erst zu seiner jetzigen Blüthe und Bedeutung für da hiesige Kunstleben entwickelt.' Enzweihingen. Schneidermeiste? Friedrich Häußler und dessen Ehefrau Katharina, geb. Möller, feierten in voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Der König übersandte dem Jubelpaare eine Prachtvolle Bibel. Bäckermeisters Rothengatter brach unlängst. Feuer aus. Der Dachstuhl wurde ein Raub der Flammen und das Haus litt auch durch die' Löschungsarbeiten. Entstanden ist daS Feuer durch ein Mädchen einer Miethsfamille des Hauses, das sich mit einem Lichte auf dem Boden zu schaffen machte. H e i n st e t t e n. Das Anwesen des Zimmermanns R. Alber brannte bis auf den Grund nieder. Der größte Theil der nicht versicherten Fahrnisse und Futtervorräthe fiel dem Feuer zum Opfer. Der Schaden beträgt über 1600 Mark. K e t s ch. Hier fiel kürzlich der Fuhrmann Georg Limbeck von seinem Wagen und blieb todt auf dem Platze liegen. Mannheim. Platzmeister Heinr. Baacke beging vor kurzem mit seiner Ehefrau' Barbara, geborene Engraf, das Fest seiner silbernen Hochzeit. Baacke war seit 23 Jahren ununter brachen auf dem Lagerplatz der Holz Handlung von Louis Pfeil als Platz meiste? thätig. Im Hausgang der hiesigen Möbel- und Teppichfabrtk Ciolin u. Hahn stürzte letztens eine Rolle Linoleum um und erschlug den 8jährigen Sohn . des Schutzmanns Almmermann. Otterödorf. Das 2y2 Jahre alte Söhnchen des Kreuzwirths Reis fiel in einen Kübel mit heitzem Was ser und verbrühte sich derart, daß nach wenigen Augenblicken der Tod eintrat.
Drei Begegnungen. Novellette von 33. Rittmeger. Dr. Erich Lindner ist noch Junggeselle trotz seiner fünfunddreißig Jahre und seiner glänzenden Praxis und trotz seiner Neigung zum Familienleben.
Er 'bedauert es lebhaft, daß er keine Frau hat, aber er weiß nicht, wie er zu einer kommen soll. Er weiß es wahrhaftig nicht, und das macht ihn bisweilen förmlich unwirsck. Nicht, daß es ihm an Gelegenheit zu Damenbekanntschaften" gefehlt hätte, wie es in Heirathsgesuchen so schön ausgedrückt zu werden pflegt. Im Gegen-' theis, man riß sich um ihn in seinem Kreise. Er hätte jeden Abend in einer ( anderen töchtergesegneten Familie den ' Liebenswürdigen spielen, hätte im Winter tanzen und schlittschuhlaufen, ! im Sommer Tennis spielen und radeln Wnnen an freundlichen Aufforderungen 'dazu fehlte es wahrlich nicht. Aber Dr. Erich Lindner hatte zu sol-. chen Amüsements keine Zeit und keine Lust. Unter all' den jungen Dämchen bätte er wohl auch kaum sein Ideal gefunden: das schlichte, ernsthafte Wesen, das bereit gewesen wäre, auf diese Vergnügungen klaglos zu verzichten, um an seiner Seite ein Leben voll Aufopferung für die leidende Menschheit zu führen. Denn daß seine Frau thatkräftigsten Antheil nehmen mußte an dem, was die Hauptsache in seinem Dasein war, an seinem schweren und doch so herrlichen Beruf, das stand bei ihm fest. Und daß sich das nicht vertragen würde mit lebhafter Gesellig;i k.ri . . . . i ich, inii oen erirreuungen, wie ne gerade dem Theile der jungen Damenwelt, mit dem ihn seine soziale Stellung in Verbindung bringt. Bedürfniß ist. das scheint ihn gleichfalls sicher. Das ist seine Ansicht, und so würde er wohl niemals zu einer Frau kommen, sondern sich mit der alten Dörte be gnügen müssen, die schon seiner verstorbenen Mutter gedient hatte, die seinen Haushalt imstande hielt und Süppchen für feine ärmsten Patienten kochte, aber schreiend dämlich sich zeigte. wenn s galt, bei irgend einer kleinen Operation Handreichung zu thun. Für ..ihren" Doktor sorgt sie allerdings musterhaft in leiblicher Bcziehuna. trotzdem sehnt sich Dr. Erich Lindner aber doch oft nach einer jungen Gefährtin, einer verständnißvollen Gehilftn, einer Seele, mit der er alles theilen könnte. Auch eben jetzt, als er durch den weiten Park schreitet, rasch, wie einer, der nicht viel Zeit hat, überdenkt er die wichtige Frage mit leisem Seufzen. Kinder laufen ihm vor die Füße und stören seine Betrachtungen. In seiner Nähe ertönt lautes Weinen zwei elegant gekleidete Jungen bearbeiten ein ärmlich aussehendes kleines Mädchen, das aus Versehen in den zum Spiel gezogenen Kreis getreten ist. mit den Fäusten und schimpfen dabei aus Leibeskräften. Ehe Dr. Lindner die Sachlage recht erfaßt hat, eilt ein junges Mädchen in schlichtem Anzug herbei, giebt jedem der Buben einen kräftigen Stoß und beugt sich dann liebevoll zu der kleinen Proletarierin nieder, ihr tröstend zusprechend. Die Helferin ist offenbar Kinderfräulein, denn zwei weißgekleidete, entzückende Püppchen mit wallenden blonden Haaren laufen ihr nach und das größere ruft: Fräulein, lassen Sie doch das schmutzige Ding laufen und erzählen Sie uns die Geschichte weiter. Es ist ja nur ein Bettelmädchen." 'Pfui, Elfe, schäme Dich! Wie kannst Du so häßlich reden? Als ob das Kleid den Menschen machte! Wer weiß, ob das arme Ding nicht ein viel besseres Kind ist als Du!" Dr. Lindner hört die empörten Worte des jungen Mädchens und lächelt zufrieden vor sich hin. ' Das geschieht alles mit so toiel natürlicher Anmuth, so voll Güte, daß das hübsche Bild den Arzt noch lange begleitet. Und als er das kleine Erlebniß fast vergessen hat, da sorgt ein Zufall, daß es ihm wieder in Erinnerung kommt. An einem Sonntagmorgen, als die Glocken zum Frühzottesdienst läuten, hat Dr. Lindner schon vor seiner Sprechstunde einen dringenden Besuch zu machen, in einem Hause gerade gegenüber der Lutherkirchc. Als er aus seinem Eoup6 springt, fällt sein Blick auf eine alte Frau in seltsamer, einer längst vergangenen Mode angehöriger Kleidung.. Sie humpelt an einem Stock, in der anderen Hand. hält sie das Gesangbuch und eine Tasche es wird ihr sichtlich schwer, sich , bei dem heftigen Wind fortzubewegen. Am Portal der Kirche steht fie hilflos, ängstlich die paar Stufen messend. Das Gesangbuch entfällt ihrer Hand, als sie ihren langen Rock aufnehmen will. Ein paar Gassenbuben stehen grinsend dabei und weiden sich an der Verlegenheit der komischen alten Frau. Aber schon ist Hilfe nahe. Ein weibliches Wesen mit einem Körbchen am Arm tritt zu der Alten, hebt hr das Buch auf, führt sik sorgsam die paar Stufen hinan und öffnet die Kirchenthür, sie so lange haltend, bis d unbehilfliche Person em getreten ist. Dann geht sie ihres Weges weiter, dem Arzt, der imm noch neben feinem Wagen steht, einen Angerrblick ihr Antlitz voll zuwendend. Der zuckt erstaunt zusammen es ist das junge Mädchen, das sich vor Wochen im Part deö mißhandelten Kindes angenommen hatte. Dr. Erich Lindner geht in der näch-
sten Zeit auffallend cft durch den Park, wenn feine Zeit es irgend gestattet, und ebenso oft macht er sich in der Nähe der Lutherkirche zu schaffen. Doch hat er kein Glück. Nicht einmal wieder trifft er seine junge Bekannte, an die er fortwährend denken muß. Es. macht ihn ganz ärgerlich, daß er die Erinnerung nicht los werden kann und den Wunsch nach einem Wiedersehen. Jedesmal, wenn er vergeblich den Park durchquert und alle Kinderfräuleins aufmerksam gemustert . hat, fühlt er eine neue Enttäuschung. Zuletzt zwingt er fich gewaltsam, den Park zu meiden und gar nicht mehr an das Mädchen zu denken. Es ist ja auch, zu lächerlich! Gewiß hätte ihn eine dritte Begegnung aus allen seinen Himmeln gerissen. Vielleicht hätte er die hübsche Kleine an der Seite eines verliebten Jünglings getroffen. Hundertmal hatte er schon solche Fräuleins beobachtet, wie sie mit glühenden Wangen der Unterhaltung eines Soldaten lauschend, kaum Acht hatten auf khre Pflegebefohlenen. Dr. Lindner hat keine allzu hohe Meinung von der weiblichen Tugend. Zuviel Oberflächlichkeit und Leichtsinn sind ibm schon in seinem Leben, in semer Praxis entgegengetreten. Da ist er zum Zweifler geworden, und es reizt ihn, daß ihm die zierliche Gestalt des ihm doch aanz fremden Mädchens immer vor Augen schwebt. Die Mittagsfprechstunde ist auch heute, wie freilich in der Regel, stark besucht. Im Wartezimmer sind alle Stühle besetzt von harrenden Pattenten. Streng der Reihe nach tritt einer nach dem andern in das Sprechzimmer ein. Eine ärmlich aussehende Frau mit einem .leise wimmernden Kind auf dem. Arm blickt oft nach der an der Wand hängenden Uhr und seufzt, wenn wieder fünf Minuten herum sind. Ich muß um drei wieder am Waschen sein, sonst gibt's Krach mit der gnädigen Frau. Sie hat mir nur ungern eine Stunde Urlaub gegeben ach 3oit, und es dauert so lange!" So klagt sie einem neben ihr sitzenden Ar-
beiter, der den Arm in der Binde trägt. Wieder öffnet sich die Thür. Wer ist an der Reihe bitte schnell." Das dunkle Auge des Arztes überfliegt die Wartenden. Ein junges Mädchen tritt vor und spricht schüchtern: Ach bitte, Herr Doktor, wenn Sie statt meine? die Frau dort erst nehmen wollten ich kann warten, ich habe Zeit." Doktor Lindner steht einen Augenblick ganz fassungslos: das ist sie ja, sie, die er so lange vergeblich gesucht hat! Aber jetzt heißt's, sich zusammennehmen. Schön, wie Sie wollen." jßr winkt der Frau mit dem Kinde, und dann schließt sich die Thür. Die Konsultation dauert nicht lange. Diesmal begleitet der Arzt die Frau mit dem Kinde in's Wartezimmer und spricht freundlich zu dem jungen Mädchen: Da Sie keine Eile haben, bitte ich Sie. sich bis zuletzt zu gedulden. Es handelt sich höchstens noch um eine Viertelstunde." Gern. Herr Doktor." Suse Hartmann versteht zwar den Wunsch des Arztes nicht, aber das kommt ja nicht in Betracht. Wenn sie nur überhaupt ihren Zweck erreicht! Endlich ist der letzte Patient entlassen, und Dr. Lindner fordert das junge Mädchen zum Eintreten auf. Womit kann ich Ihnen dienen Sie sehen gar nicht aus, als ob Sie ärztlichen Rath brauchten?" ' Um mich handelt es sich nicht, Herr Doktor, sondern um ein armes gelähmtes Mädchen in unserem Hinterhause. Das bedauernswerthe Geschöpf leidet so furchtbar, und die Mutter ist todt, der Vater ein Trinker. Er ist nicht zu bewegen, einen Arzt zu holen. Ich bin in Stellung im Vorderhaus beim Regierungsrath Schnell, und ich kann's nicht mehr mit ansehen, wie sich die Anna quält. Möglicher weise könnten ihr doch die Schmerzen etwas gelindert werden. Wenn Sie die große Güte hätten, Herr Doktor, 'mal nach der Anna zu sehen " Selbstoer ständlich, liebes Fräulein. Ich muß doch meinem Ruf Ehre ma chen als Kleineleutedoktor". Aber nun möchte ich erst wissen, wie es zugeht, daß Sie so viel Zeit haben, da Sie doch in Stellung sind. Sie äußerten vorhin. Sie hätten keine Eile." O, sonst wohl, aber heute nicht. Heute ist mein Ausgehtag. Ich hätte bis zum Abend gewartet, wenn's nöthig gewesen wäre. Freilich, für die Anna freut's mich, daß es nicht so lange dauert. Sie ist immer glücklich, wenn ich ein paar Stunden bei ihr sitze an meinen freien Nachmittagen." Das ist aber sehr lieb von Ihnen. Ihre Erholungszeit einer Kranken zu opfern." O, von Opfer ist da keine Rede. Es ist ja gerade Erholung, etwas zu thun, was man mag, nicht, was man muß. Bei der Anna bin ich Mensch, nicht Fräulein". Obgleich, ich will ja nicht klagen. Es geht mir ganz gut bei meiner. Herrschaft. Wie's einem eben gehen kann, ohne Familienanschluß". Aber das hab' ich ja gewußt, als ich die Stelle annahm, daß ich mcht zur Familie gerechnet werden würde." Es klingt so resignirt, wie sie das sagt, daß dem Arzt ganz sonderbar um's Herz wird. FJie konnten Sie aber eine solche Stelle annehmen, Kind, wie konnten Ihre Eltern das zugeben?" ' Ich habe keine Eltern mehr. Und i mer Äormuno memle, ein armes
Mädchen dürfe nicht wählerisch sein. Es sei Zeit, daß ich ihm von der Sasche käme es ist ein entfernter Verwandte?, ich hab' nach Vaters Tode in seinem Hause gelebt und mich zur Stütze ausgebildet. Große Ansprüche kann ich nicht machen ohne höhere Bildung"." Was verstehen Sie unter höherer Bildung?" Run, fremde Sprachen fertig sprechen, Musik treiben, malen, oder wenn man das Lehrerinnen - Examen gemacht hat. Mein Vater hätte wohl dafür gesorgt, er ließ mich die Töchterschule besuchen es wsr sein höchster Wunsch, seine Kinder etwas Tüchtiges lernen zu lassen. Als ich vierzehn Jahre alt war, starb er. Da wsr's aus mit dem Lernen und mit den Plänen. Meine Brüder kamen in die Lehre, ich nun, ich wurde eben Fräulein". Nun will ich aber Ihre Zeit nicht länger in Anspruch nehmen, Herr Doktor. Vielen Dank, daß Sie meim Bitte erfüllen wollen." Das ist selbstverständlich. Die Adresse?" Steinstraße 28, Hinterhaus, drei Treppen. Maurer Hammer." Schön. Ich werde morgen gleich oder, noch besser, Fräulein Fräulein ja, Ihren Namen wüßt'. ich doch noch auch gern " Suse Hartmann." Also, Fräulein Hartmann, am besten ist's, ich komme gleich mit. Wir nehmen den Weg durch den Park und an der Lutherkirche vorüber " Aber das ist doch ein großer Umweg " Schadet nichts. Im Gegentheil. Es handelt sich ja nicht um einen akuten Fall, und es ist heute so herrliches Wetter. Sie haben ja Zeit, und ich nun. ich nehme mir welche. Sie sollen nicht Ihren ganzen freien Nachmittag am Krankenbett sitzen. Das kann ich als Arzt nicht zugeben. Und Sie dürfen unbesorgt mit mir gehen, Kind, wir sind ja schon alte Bekannte." Und dann schreitet Suse Hartmann an des Arztes Seite durch den Part im eifrigen Gespräch, und nachdem sie lange die verschlungenen Wege durchkreuzt haben, führt Dr. Lindner seine Begleiterin am Kinderspielplatz vorüber und da erzählt er ihr die erste Geschichte und an der Lutherkirche die
zweite, und Suse Hort mit gesenktem Köpfchen und erglühenden Wangen zu, und als die zwei Menschen am Hause Steinstraße 28 angekommen sind, da hat das Fräulein ohne Familienanschluß" eine Heimath gefunden, und Dr. Erich Lindner segnet die dritte Begegnung. Nun ist die schwierige Frage, wie er zu einer Frau kommen soll,, endgültig gelöst. Die Doktorrechnung. Ein reicher Bankier erkrankte plötzlich und schwer, als er seine Mutter auf dem Lande besuchte, und hatte mehrere Monate im alten Vaterlande zuzubringen, ehe ihn der Landdoktor aus seiner übrigens sehr aufmerksamen Behandlung entließ. . Der ...onvalescent wanderte im Obstgarten umher, als schließlich die Rechnung kam. Der ,Bankier sah sie an, faltete sie wieder zusammen, ging nach dem Holzstalle, kam mit der Axt zurück und begann den Pfahl vor dem Hause umzuhauen, an den Besucher ihren Gaul anzubinden pflegen. Aber mein Sohn. Was stellst Du an?" fragte die Mu'tter, besorgt darüber, daß er neuerdings in ein Delirium gerathen sei. Den alten Pfosten 'brauchen wir nicht mehr Mutter. Wenn der Doktor wieder vorspricht, kann er in einem Touring Automobil kommen." Fein gegrven. Als Lord Dufferin noch Vizekönig von Indien war, hatte er sich eines jungen Earls anzunehmen, den er eines Tag nicht auf einen Jagdausfluz begleiten konnte, aber mit seinem eingeborenen Jäg ausschickte, der die Dschungeln gut genug kannte, um den jungen britischen Edeling nicht in zu große Gefahr gerathen zu lassen. Wie hat unser junger Freund geschössen?" fragte Dusferin den Hindu, als er wieder zurück war. Großartig, Excellenz. Aber eine gütige Vorsehung hat 'ch der armen Thiere erbarmt und sie geschützt." Lord Dufferin, der einer der vedeutendsten englischen Staatsmänner der Neuzeit ist und unter Anderen auch von Bismarck sehr hoch geschätzt wurde, pflegte diese Geschichte mit der Bemerkung zu erzählen, er habe nie eine diplomatischere Antwort erhalten. Ein Optim'ist. Sie: Jes sas, unser Zimmerherr ist uns durchgebrannt, und nichts hat er hinterlassen als einen Hemdkragen!" Er: Nun etwas Schamgefühl hat er halt doch noch g'habt!" Erkenntlich. Angeklagter (zu seinem Vertheidiger): Herr Doktor, i dank Jhna schön für mei Frei sprechung zahlen kann i Jhna nett erlaubens, daß i Jhna an Schinten von der gestohlenen Sau schick!" Erbstück. Herr: Aber hören Sie. Frau, das ist ja entsetzlich, wie unorthographisch Ihr Junge schreibt!" Frau: Dafür kann er nichts, der arme Kerl das hat er von seinem Großvater selig!"
