Indiana Tribüne, Volume 30, Number 96, Indianapolis, Marion County, 13 December 1906 — Page 6

Jttdiana Tribune, 18. Dezember 1900

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t des MeHagens. ? flicht gleicht den beruiKndcn und hkiltnde Einfluß von ?r. August König's Hamburger Brustthee bei allen Hüften und (Erkältungen, von einem einsamen Niesen bis zur Grippe. Eine Tasse desselben, recht heiß getrunket, ist ln Tau senden von Familien bekannt als ein Balsam des Vehagen und ln Qeimoit im Hauthalt. Jfmr In Original Packitmm, Vrml 25c. . G. Sponsel 1030 Süd East Strafte. Weihnachts - Baöwaarcn. Psefferuüsse nud Springerle, I 16cdasPfd oder ZPffürKVc ZimmetSterne und Mattaroni. Karst stand 5und ?oluvtta Vrocery ff. Neuer elethon 9361. Ä Karstadt Bros. Wnmpf-Färberei und Reinigungsanftult. Haupt. Oflic'.t: t435 Illinois Str. vrn ch ei : 4 Virginia Lve. 205 Jndiana vr. 2.8 R. JllwoiS. 5cffcc Vbon. D. P. STIRK & CO machen eine Spezialität von künstlichen Gliedern und BSndern. Abdomen stützen unk Krücken. Bruchbänder gemacht un angepaßt in schwierigen Fälle. 208 ord ft Ctr. AndianapoliZ. Man nehme O Michigan Straßenbahn zur Nord Saft und Ohio Str. Alter Phone Main 2435. Neuer Phone 670. Aerzte. Dr. j. A. Sutcliffe. Wund -Arzt, Geschlechts-, Urin und Rectuw Lrankheiten, Office : 1 5 5 Oft Mattet St. Tel 941 Olfia.etuudta: l lil 10 Uhr Ita.; t lil i Uhr Xu Dr. Paul F. Martin, praktischer Arzt und Ehirurg. Sprechstunden: 11.00-1s.s0 .so- 4.00 uattck Sonntag; uf Verabredung. WLloughby Gebäude, tat ord erldla tr,I Tel., Mal 4414.J ohuung: U05 Nord Ne Jersey Str. le'.ephon: Mal' 9; rto tat. Dr. Carl Q. Winter Deutscher Arzt. . s4hanbett tSe a!xte nd chronische rankheU. Sveziell Rhennlatisnus, Rectrs. und ffrauen'ttrankheiteu. Office: 14 weft Ijto Straft Office-Stund : 10 11 Vm. S 4R Sonntags : 9.30-10.30 Lm. Tel. neu tt 6Lohg : 1S50 Nadiso Vvesw eleKho: kllt.2025. Neu, 9282.

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Europaische Nachrichten.

Provinz 5&amiorcr. Hannover. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich in der Podbielskistraße. Der Bauarbeiter W. Pohlmann, der mit seinem Rade von der Arbeitsstätte gefahren kam, war, in dem Bestreben, der Straßenbahn auszuweichen, gegen ein Fuhrwerk gefahren, gestürzt und von diesem überfahren worden. Pohlmann erlitt Verletzungen am Kopfe und ver Brust und wurde mit dem Unfallwagen in das städtische Krankenhaus geschafft. Sein 25jä'hriges Dienstjubiläum beging unlängst Schutzmann Getzschmann vom 3. Revier des hiesigen Polizeipräsidiums. Bennigsen. Schrecklich verbrannt ist der 18iährige Sohn Albert des Arbeiters Karl Stöber aus Birsingen. Derselbe ist in hiesiger Zuckerfabrik beschäftigt. Durch Ueberschäumen einer Saturationspfanne wurde dem bedauernswerthen Menschen der ganze Oberkörper, das Geficht, der Hals, oie Brust und die Arme arg verbrüht. Geestemünde. Vor Kurzem ist der an der Westseite des Handelshafens stehende große massive I-Schup-pen total niedergebrannt. In dem Schuppen lagerten etwa 6000 Ballen Baumwolle, die der englische Dampfer Turkestan" von Savannah angebracht hatte. Mit dem Spritzendampfer Sirius" und Strompolizei ist diel Feuerwehr gegen 6 Uhr Morgens Herr des Feuers geworden. Der Schaden beträgt etwa 500.000 Mark. Gifhorn. Als Leiche wurde kürzlich hier aus der Aller der 35jährige Briefträger Ernst Thies gezogen. Er ist offenbar von der geländerlosen öffentlichen Schleufenbrücke abgestürzt. Hann - Münd t n. Der langjährige Direktor der hiesigen Forstakademie, Oberforstmeister Wilhelm Weise, ist vor Kurzem in den Ruhestand getreten. Aus diesem' Anlaß wurde ihm ' der Kronenorden zweiter Klasse verliehzn. Kirchweyhe. Hier ist der Hilfsrangirer Alberk Bruning aus Gessel bei Syke wahrend des Rangirdienstes auf dem Bahnhofe zwischen die Wagen gerathen und jammervoll zu Tode gekommen. Der erst 28 Jahre alte Verunglückte hinterläßt eine Wittwe und drei kleine Kinder. Die Familie ist in letzter Zeit schwer vom Unglück heimgesucht. Erst kürzlich starb ebenfalls ein Sohn der Familie, der vor Jahresfrist sich als Eisenbahn-1 Rottenarberter eme schwere Verletzung durch einen Schraubenschlüssel zuzog, deren Folgen er nach einer Operation erlag. Eine 13 ahre alte Tochter derselben Familie starb vor längerer Zeit. Osnabrük. Sein fünfzig jähriges Dienstjubiläum feierte vor kurzem Landgerichtsdirektor, Geheimer Justizrath Larenz. Er trat im September 1857 als Auskultator in den preußischen Justizdienst und kam im October 1879 als Landgerichtsrath nach hier. Schellerten. Letztens beging der HalbspAiner Heinrich Hennies mit seiner Ehefrau im Kreise seiner Familie das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlaß wurde ihm die Ehejubiläumsmedaillc verliehen. Wilhelms haven. MarineWerkmeister Heinrich Onken feierte letztens sein 25jähriges Dienstjubiläum bei voller Rüstigkeit. Provinz estiatcrx. Münster; Dieser Tage feierte die Gold- und Silberschmiede I. E. Osthues ihr 150. Geschäftsjubiläum. Altenbeken. Hier hat sich der Arbeiter Heinrich Weiß die Pulsadern zerschnitten und ist infolge starken Blutverlustes zusammengesunken. Zerrüttete Fcnnilienverhältnisse sollen dre Ursache sein. Bochum. Im hiesigen Rangirbahnhofe wurde der Rangirer Berg huser von einer Lokomotive erfaßt und überfahren. Das rechte Bein ist ihm vollständig und das linke Bein bis zum Knie abgeschnitten worden. Der Schwerverletzte wurde in das Augusta Krankenhaus getragen. Erle. In der Nähe von hier verunglückte die Wittwe des Oekonomen Gerh. Böckenhoff, indem sie aus. dem Wagen sprang, als das Pferd scheute, und einen Schädelbruch erlitt. Hammerthal. Hier zerstörte eine gewaltige Feuersbrunst ein Wohnhaus, die Werkstätten und das große Holzlager der Firma Blankennagel vollständig. Der Schaden beträgt etwa 10.000 Mark und ist nur theilweise durch Versicherung gedeckt. Recklinghausen. Hier erkrankte die aus vier Personen bestehende Arbeiterfamilie Voratzki nach dem Genuß giftiger Pilze. Ein dreijähriger Knabe ist dem Gifte erlegen. Rothe mühle. Beim Haferladen stürzte der Landwirth Albert Engel aus Heidt, gebürtig aus Bebbingen, kopfüber von seinem Wagen zur Erde und zog sich eine schwere Verletzung dc Rückgrats zu, an deren Folgen er gestorben ist. Sodingen. Letztens entstand hier vor der Wirthschaft Schulte-Md-delmann eine Schlägerei, in deren Ver lauf der Bergmann Josef Schäfer plötzlich zusammenbrach und sofort starb. Der Grund des Todes konnte

nicht festgestellt werden. Vier an der Schlägerei betheiligte Personen wurden verhaftet. W e r d o h l. Hier stürzte di; Ehefrau des Seilkünstlers Theodor Heinen aus Schwelm .auf dem hiesigen Schützenplatze gelegentlich einer Vorstellung bei Vollführung einer Drehung von dem in einer Höhe von sechs bis sieben Meter gespannten Seil infolge Ausgleitcns eines Fußes. Der sofort hinzugerufene Arzt stellte Schä delbruch fest. 'FI boiliprovinz. Köln. 'Geh. Rath Pelman ist vor kurzem, nachdem er 31 Jahre als Beigeordneter, davon 22 Jahre als erster Beigeordneter und Stellvertreter des jeweiligen Oberbürgermeisters, im Dienste der Stadt thätig gewesen ist, aus dem Amte geschieden. Aus dsem Anlaß fand im Muschelsaale des Rathhauses eine Abschiedsfeier statt. Aachen. Die etatmäßige Professur für Mechanik an der hiesigen Technischen Hochschule wurde dem Privatdozenten an der Technischen Hochschule in Berlin Prof. Dr. Jng. Hans Reißner übertragen. Barmen. In einer Stadtverordnetenversammlung wurde Bürgermeister Boigt aus Rixdorf einstimmig zum Oberbürgermeister unserer Stadt gewählt. B y f a n g. Hier ist infolge des Scheuwerdens der Pferde die Ehefrau Lendenich auS.dem Wagen gestürzt und hat das Genick gebrochen. Verschiedene andere Personen wurden verletzt. Essen. Letztens brachte der auf der Herkulesstraße wohnende Schneider Ehrhart Löwenthal seiner Frau während eines ehelichen Zwistes mehrere Messerstiche in die linke Brust bei, an deren Folgen die Frau nach kurzer Zeit verstarb. Der Thäter ist sofort verhaftet worden. K r o n e n b e r g. In der Fabrik von Prinz & Kremer wurde der Arbeiter G. Sommer dadurch schwer verletzt., daß ihm beim Schleifen ein sogenanntes Ritzeisen gegen den Unterkiefer flog und diesen sowie das Kinn durchschlug. Von dem hinzugerufenen Arzte wurden ihm mehrere Knochen herausgenommen, dann ein Nothverband angelegt und der junge Mann auf seinen Wunsch zum Krankenbaus nach Elberfeld gebracht, wo die weitere schwere Opration erfolgte. M t x d t x i ch. Hier schlug letztens ein zwölfjähriger Schüler in der Schule den Hauptlehrer Lukas mit einer in einem Strumpf eingewickelten Bleikugel gegen den Kopf und verletzte ihn schwer. Der Lehrer ist nach kurzer Zeit gestorben. Solingen. Vor kurzem konnte der bei der Firma Gebr. Grah. Dorperstraße, beschäftigte Arbeiter Rudolf Hausgen auf eine 25jährige Thätigkeit in diesem Betrieb zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden, ihm von der Handelskammer die Ehrenurkunde, von den Firmeninhabern eine goldene Uhr mit goldener Kette und von den Arbeitern ein schönes Sofa alZ Ehrengabe übergeben. Provinz KcsscN'ZIassau. Kassel. Der Musikdirigent Carl Schlunke bei dem hiesigen Kurhessifchen Artillerie - Regiment No. 11 beging dieser Tage sein 40jähriges Dienstjubiläum. 29 Jahre gehört der Jubilar dem hiesigen ArtillerieRegiment an. Frankfurt. Im Alter von 77 Jahren ist hier Ernst Mevi gestorben. Der Rückgang seiner körperlichen Kräfte hatte ihn seit längerer Zeit an's Bett gefesselt; geistig aber war er noch frisch und ertrug starkrnuthig sein Altersleiden. Ernst Mevi gehörte zu den treuesten Anhängern oer Frankfurter demokratischen Partei. In seiner Jugend schloß er sich mit einigen anderen Frankfurtern den anauer Turnern an, welche sich am badischen Ausstand betheiligten. In den Jahren 1874 bis 76 w er Stadtverordneter. M o s h e'i mCHtfn Blutvergiftung, verursacht durch einen Insektenstich, starb hier die im besten Alter stehende Ehefrau des' Landwirths Karl Pitz. Salzschlirf. Hier verunglückte der 28 Jahre alte, erst kurz verheirathete Mühlenbesitzer Wilhelm Post dadurch, daß in einer Grube eine Lehmwand einstürzte und den Post so quetschte,-daß er auf dem HeimtransPort starb. Wiesbaden. . Geh. Regierungsrath Rabe, der langjährige Landrath von Limburg, wurde hier vom Schlage getroffn und starb bald darauf. Miteldentsche iazUtx. A p o l d a. Das seltene Fest der diamantenen Hochzeit beging der frühere Färber Karl Kahleys mit seiner Ehefrau. Die Jubelgatten, die im 87. bezw. 85. Lebensjahre stehen, erfreuen sich noch verhältnißmäßiger Rüstigkeit. G o t h a. A eine 25jährige ununterbrochene Thätigkeit als Aufwärterin bei Fräulein Tollkühn, Reichsstraße 17. konnte letztens Frau Wittwe Merten hier zurückblicken. Von ihrer Dienstherrin wurde der Jubilarin als Anerkennung ein Geschenk von 60 Mark überreicht. Ferner konnte sein 25jähriges Jubiläum als Hausmann im Dienste des Kammerherrn v. Häseler der Maurer August Frommann beaehen. Der Jubilar wurde reich beschenkt.

Religiöser Liberalismus in den Ver. Staaten.

DasFreidenkerthum des 18. JahrHunderts hatte sich in Amerika am besten in Benjamin Franklin, Thomas Paine (das Vernunftalter" 1794 95) und Thomas Jefferson. dem dritten Präsidenten des Landes, gespiegelt. Sie waren Deisten, wenngleich von verschiedener Färbung: neben dem duldsamen Franklin war es dem jüngeren Paine mit seinen Angriffen auf die Bibel bitterernst, und der jüngste dieses Trios, der feinsinnige Jefferson. befreite sein Gewissen, indem er im Jahre 1803 eine Evangelienharmonie zusammenstellte, die alles Wunderbare ausließ, für den Gebrauch der Indianer, die das Uebernatllrliche nicht verstehen würden", wie Jefferson mit leiser Ironie auf das Titelblatt schrieb. Dieses Buch, unter dem Namen der Jeffersonbibel bekannt, besitzt die Smithsonian Institution in der Handschrift. und der Bundeskongreß ließ auf Antrag des Abgeordneten Lacey von Iowa im Jahre 1902 zehntausend Exemplare als Kongreßdokument drucken trotz des Einspruchs presbyterianischer Geistlicher; die Auflage war schon im Jahre 1904 vergriffen, und der Senat wollte eine zweite bewilligen, der Antrag blieb aber 1905 im Repräsentantenhaus hängen. Die Wirkung dieser Deisten alle drei standen in der vordersten Reihe unter den Patrioten der Revolution scheint sehr bedeutend gewesen zu sein, und die amerikanische Religionsgeschichte verzeichnet eben damals den eigentlichen Tiefstand des religiösen Gefühls, zu dessen Ueberwindung eine große Erweckungsbewegung nöthig wurde. Schon hatte aber die zweite liberale Bewegung, der Unitarismus, eingesetzt, der um 1815 schon fest begründet war. Obgleich nicht in Amerika entstanden, hat er doch hier seine edelste Blüthe getrieben und nicht nur Theologen großen Stils in W. E. Channing und Theodor Parker hervorgebracht, sondern auch durch seine Anlehnung an die deutsche Philosophie die erste dauernde geistige Verbindung mit Deutschland geknüpft und dann das goldne Zeitalter der amerikanischen Literatur eingeleitet. Obwohl die Unitarier auf das geistige Leben Amerikas von dem größten Einfluß waren, haben sie außerhalb ihres eigenen Kreises nicht befreiend auf das religiöse Bewußtsein des Volkes gewirkt, und selbst heute, wo der Liberalismus viel stärker ist, zählt ihre Kirche nur 63.000 Bekenner. wovon die Hälfte in Massachusetts lebt. Lange Zeit aber waren der Unitarismus und der ihm verwandte Universalismus die einzigen Träger des liberalen Gedankens in Amerika. Eine dritte Bewegung knüpft an den Namen Robert Jngcrsolls an (1833 1899). Jngorsoll war ein redegewandter Rechtsanwalt, der Sohn eines Geistlichen, und war im Jahre 1876 durch eine außerordentlich zündende politische Rede mit einem Schlage im ganzen Land berühmt geworden, und dieser Ruhm kam seinen Büchern Die Götter" (1878), Gespenster" und Die Fehler Mosis" (1879) zu Gute, die mit Witz und Behagen, gelegentlich auch mit Zynismus den Bibelglauben und die Offenbarungsreligioncn verspotteten. Es waren oberflächliche Schriften, aber populär geschrieben, und sie machten solches Aufsehen, besonders da Jngersoll ihren Inhalt in Vortragsreisen selber kolportirte, daß Jngersoll thatsächlich in den 18L0er Jahren der meist besprochene Mann Amerikas war, und sicher ist er mehr als irgend sonst jemand für die religiöse Gleichgiltigkcit verantwortlich, über die du' amerikanische Geistlichkeit heute klzgt. Befruchtend war Jngersolls Thätigkeit nicht, nur zersetzend, denn aus das geschichtliche Verständniß, das der wahre Liberalismus sucht, kam es ihm gar nicht an. Eine vierte Bwegung und eine, die alle Kirchen durchzieht, ist weder historisch noch philosophisch, sondern sucht einfach das religiöse Leben der fortgeschrittenen Kultur anzupassen. Ich habe den Eindruck, als vollziehe sich dieser Prozeß in Amerika leichter und mit weniger Reibung innerhalb der Kirchen selber, als in Deutschland, und sicherlich ist er ebenso weit im Volk verbreitet. Der Präsident Harper von der Universität von Chicago zeichnete im Jahre 1901 di.' Richtung dieser Bewegung, als er sagte, eine Religion des Individuums auf breiterer Grundlage als die irgendeiner Kirche sei n'öthigz das neue Leben der Welt verlange eine einfache, vernunftgemäße, anspruchslose und duldsame Religion, die durch Idealismus gekennzeichnet sei und über das Vermögen der Wissenschaften und Künste hinaus Trost gewahren könne. Von allen Seiten kann .man hören und lesen, der beschränkt kirchliche Geist sei im Schwinden und der Geist des allumfassenden Gemeinsamkeitsgefühls ergreife auch die christlich Denkenden. Die Frau eines Predigers führte im Dezember 1904 im Metropolitan Magazine aus, die heutige Kirche habe keine raison d'fche" mehr, werde aber als geselliger und philanthropischer Mittelpunkt eines Gemeindelebcns ohne jeden dogmatischen Gehalt in dk' Zukunft übergehen. Den geselligen Charakter der amerikanischen Kirchen betont jeder Beobachter seit langem: dagegen ist ihre soziale Bethätigung etwas wesentlich Neues, aus der sozia listischen Bewegung, nicht wie ander? wo aus der .innern Mission Hervor

gegangenes. Diese eben gekennzeichnete liberalisirende Bewegung ist natürlich in der Laienwelt stärker als in der Geistlichkeit, wo man auf dogmatische Begriffe doch etwas gibt. Aber auch die Geistlichkeit entgeht ihr nicht, wie sich dies am besten in der presbyteriscken Kircke aezeiat bat. Das gültige Dogma dieser Kirche, die Westminsterkonfession vom Jahre 1648, ist in ihrem starken Calvinismus unserer heutigen Denkweise so entgegengesetzt, daß eine Abänderung dringend verlangt wurde; namentlich hat Reverend Carter in der Nähe von New Jork. der Vater der Revision", unermüdlich und unter der Gefahr, vor ein Ketzergericht gestellt zu werden, dafür gekämpft und wiederholt erklärt, einen Gott wie in der WestminsterKonfession gebe es nicht. Die HauptVersammlung der Kirche setzte, im Jahre 1900 in St. Louis einen Ausschuß ein. dessen Bericht im Jahre 1922 von der Kirche gutgeheißen wurde. Danach wurde ein kürzeres Glaubensbekenntniß ausgearbeitet, das 1903 angenommen wurde, und das dies ist freilich jesuitisch die alte Westmin-ster-Konfession nicht ersetzen, sondern nur in kurzer Fassung das Wesentliche dieses Bekenntnisses wiedergeben sollte, aber eben so, daß die anstößigen, kra?; calvinistischen Stellen der alten Konfession in der Abkürzung einfach fehlen. Das Union Theological Seminary in New Aork unter dem Assyriologen Dr. Francis Brown, der 1877 79 in Berlin studirt hat. die bedeutendste Theologenschule der presbyterischen Kirche, ließ daraufhin im Iahre 1904 die Westminster-Konfession einfach fallen. Die fünfte und jüngste Bewegung, die in ihren Folgen vielleicht noch mehr für Amerika bedeuten wird, als die unitarische, ist die historisch-kritische, die sich unmittelbar anlehnt an die historischen und philologischen Forschungen der kritischen Schulen Deutschlands. Diese Richtung erschien anfänglich natürlich so unamerikanisch, daß sie mit großer Gehässigkeit verfolgt' wurde. Einer der ersten, der das Opfer dieser Gehässigkeit wurde, war Rev. Ch. A. Briggs. Professor an dem oben genannten Union Theological Seminary. der von 1L63 bis. 1869 in Berlin studirt hatte und auf Grund seiner alttestamentlichen Kritik im Jahre 1892 der Häresie beschuldigt und jetzt freigesprochen, aber dann von der Hauptversammlung der presbyterischen Kirche seines geistlichen Charakters entkleidet wurde und 1898 zur bischöflichen Kirche übertrat. Als Dr. Briggs dann im Jahre 1899 einen neuen Band biblischer Studien veröffentlichte, wies die Chicago Tribune darauf hin, wie schnell sich doch die Zeiten geändert hätten, da das neue Werk kaum mehr eine Gegenkritik hervorrief. Auch unter den Methodisten hat sich die Bibelkritik, higher criticism", wie man hier sagt, eingenistet, besonders in dem Garrett Biblical Institute, ihrer wichtigsten Theologenschule an der Northwestern Universität .in Svanston bei Chicago. Ein Rev. Easter erklärte 1902. die Bibelkritik an jener Anstalt zerstöre den Glauben der Studenten. Prof. M. S. Terry ist es, der mit seinen alttestamentlichen Kommentaren dafür haftet. Eine andere methodistische Universität, die Boston University. hat unter ihren Lehrern den geschätzten. Professor H. G.

Mitchell. der 1879 in Leipzig den Doktortitel erhielt und sich der kritischen Schule Wellhausens anschloß. Als im November 1904 seiner Bllcher wegen ein junger Methodistengeistlicher gegen ihn öffentlich auftrat, war es der Kongregationalist", ein durchaus strenggläubiges kirchliches Blatt, das den Ankläger schroff abfertigte. Der Rath der Methodistenbischöfe setzte es indeß durch, daß Prof. Mitchell sein theologisches Lehramt entzogen wurde, worauf ihn die Universität, die ihn nicht entbehren wollte, zum Professor der semitischen Sprachen ernannte. Nunmehr wird Prof. Mitchell dennoch sich wegen der Anklage der Häresie vor einem Kirchengericht zu vertheidigen ha ben. Auch unter den Baptisten a'ährt es. Ein Philadelphiaer Baptistenpfarrer Shaw erklärte vor Kurzem, die Studenten der Universität von Chicago, deren Leitung in den Händen der Baptisten ruht, seien die irreligiösesten, die ihm noch je vorgekommen, und die Chicago Chronicle schob die , Schuld daran den hervorragendsten Lehrern der Anstalt zu. Viel besprochen wurde das Buch des Professors der ReligionsPhilosophie dieser Universität. G. B. Foster: Die Endgiltigkeit der christlicken Religion", das von der Universitätspresse, also mit der Genehmigung der Universitätsleitung Anfangs 1903 herausgegeben wurde, und das die Autoritätsreligionen und den Wunderglauben angreift. Der Baptistenprediger Johnston von der vornehmen Baptistenkirche der Fifth Avenue in New York, erklärte in einer Predigt vor einigen Monaten, die getreue Nachfolge Christi müsse zu einer völligen Auflösung des Staates und der Kultur füh ren. Erscheinungen dieses Freisinns begegnet man auch in der Episkopalkirehe: erst vor einer Woche erklärte der Bischof der Diözese von Michigan. Williams, vor dem christlichen Jünglingsverein in Detroit, die Bibel sei nicht Gottes Wort, wolle es auch gar nicht sein, und sie werde mit Unrecht als ein ehrwürdiges Museum angesehen, in dem man nichts anrühren dürfe. Wende

sich der Student wegen der unmöglichen Astronomie. Geologie und Ethnologie der Genesis an seinen Lehrer, so erhalte er die Antwort, er solle sich die Dinge eben zurechtrücken, bis sie mit seinem Gewissen übereinstimmen. Großes Aufseyen machte im April d. I. der Prozeß des Episkopalgeistlichen Crapsey von Rochester vor einem Kirchengericht, der in Predigten wie in seinem Buch Religion und Politik" die Dreieinigkeit, die unbefleckte Empfängniß und die Auferstehung Jesu geleugnet hat; Crapsey wurde verurtheilt, hat aber eine höhere Entscheidung cmgerufen. und in der Zwischenzeit hat sich ein .lderer Episkopalgeistlicher, Rev. Cox von Cincinnati, zu denselben Lehren bekannt.

Ausländische Nachrichten. S y m rne t r z e und Gleichgewicht. Unter diesem Titel ist im Landesaewerbemuseum in Stuttaart eine Kunstausstellung eröffnet worden, die zur Beleuchtung .einer oft behandelten, ästhetischen Frage beiträgt und deren Entstehung und Anordnung dem neuen Vorstand des Landesgewerbemuseums Prof. Dr. Pazaurek zu verdanken ist. Es handelt sich bei dieser eigenartigen Ausstellung, zu der Prof. Pazaurek eine Reihe von Abhandlungen verfaßt hat, um die Verwendung von Symmetrie und Gleichgewicht, sowie ihres Gegentheils im Reiche der Natur und der Kunst, ihre Berechtigung einerseits und ihre mißbräuchliche Verwendung und Uebertreibung anderseits. Einen ähnlichen Grundgedanken verfolgte bis jetzt nur einmal eine Ausstellung: es war die Farbenschau, die im Jahre 1902 das Kaiser Wil-Helm-Museum in Krefeld veranstaltete; die Stuttgarter Ausstellung ist aber viel großartiger angelegt, und da ihr eine große Anzahl staatlicher und privater Kunstmuseen in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz kostbar: Beigaben zur Verfügung gestellt haben, so liegt in dieser vielseitigen Vorführung von fremden Museumsschätzen ein besonder! Reiz dieser Ausstellung. A r d e l i a n o ! In der Münchener Jugend" wird die Verleihung eines Ordens an den Wiener Friseur Ardeliano in nachstehender Ode gefeiert: Heil Dir, großer Mann, der am Hochzeitstage Unsrer Kronprinzcß ihr das Haar gcordnet. Der nun ward geschmückt mit ' dem Kronenorden! Ardeliano ! Der Du Wangen schabst und die Locken ' wickelst Und nicht mani- nur. nein auch pedicürest. Noch zu Großem hat Dich bestimmt die Norne, Ardeliano ! Einst wird nah'n der Tag, da die Hüh- ! ncraugcn Allerhöchstenorts Du in Ehrfurcht j schneidest. Dann hangt Dir zum Lohn der M6rite am Halse, Ardeliano! Der preußische Büß- und Vettag in Mainz. Aus Mainz wird vom 21. November geschrieben: Vergangenes Jahr wurde von bußferiiger Seite der fromme Wunsch laut: Hessen möge gemeinsam mit Preußen den Büß- und Vettag halten. Man hoffte dadurch der Flucht der Bevölkerung aus preußischen Landestheilcn nach den roth-weißen Grcnzpfählen an diesem Tage einen Riegel vorzuschic-. ben. Der Erfolg dieser Agitation blieb nicht aus. Der Besuch von Mainz und Umgebung war heute stärker denn je. Der Himmel trug das Scinige dazu bei, den Wirthen und sonstigen Unternehmern die Kasse zu füllen. Denn nachdem die Fremden angekommen waren, ging ein Regen nieder, der ein Verweilen auf der Straße nicht gerade zu einer Annehmlichkeit machte. Unter dem Schutze der Regenschirme wurden die Plakatsäulen studirt, die gar viele Unterhaltungen empfahlen. Da ward angekündet: Albert Schumann-Frank-furt mit einem vollständigen Groß-stadt-Programm", der Wiesbadener Hofschauspieler A. Stcffler mit Märchcn, Ammerseer und Schliersecr" versprachen Volksstücke; in großen und kleinen Restaurationen gab es Tischmusik und Konzerte des Harzer Da-men-Orchesters", der Weaner süßen Madeln", des Addio-Napoli-En-scmbles" u. s. w. Das Stadttheatcr brachte einen bunten Nachmittag", der mit der Aufführung einer von dem Mitglied der hiesigen Bühne, Herrn F. Fischer-Schlotthauer, verfaßten cinaktigen Gesangsburleske Der Hauptmann von Köpenick" seinen Abschluß fand. Man sah auf der rechten Bühncnseite das Zuchthaus, links das Rathhaus. Voigt vertauscht hinter einem Baum seine Sträflingsklcider mit der Hauptmannsrniform. Es folgen die bekannten Vorgänge und schließlich wird der falsche Hauptmann im Orchesterraum verhaftet. Das Publikum, welches das Theater bis auf den letzten Platz hie und da saßen drei Personen auf zwei Stühlen besetzt hatte, nahm die Novität mit großer Heiterkeit auf. In reicher Ausstattung und bei sehr guter Einstudirung fand am Abend Tausend und eine Nacht" unter Herrn Großkopfs musikalischer Lei tung mit Frl. Careni (Leila) und Herrn Warbeck (Suleiman) einen starken Erfolg bei sehr gut besuchtem Hause.

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