Indiana Tribüne, Volume 30, Number 95, Indianapolis, Marion County, 12 December 1906 — Page 6
Jndiana Tribune, 12 Dezember RS.
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Europäische Nachrichten.
Frovinz sommern. Stettin. Sin 50jähriges Dienstjubilämn feierte dieser Tage der Steueraufseher Röhrdanz. Zu diesem ??este waren die Dienstvorgesetzten des , r r . 1 Jubilars sämmtlich erschienen, an der Spltze oer aupiamisletter. mord beging der 71 Jahre alte Jnvaide Grabe, indem er sich auf dem Hauptfriedhofe in einem Wasserbassin ertränkte. vV?- m VTV hlkr der 28,hi,c Pstaff'stt LkhÄa'ÄSiÄ; cy -r 1 (Y .-T Z. n JC vcs IU IXUlfilui vvv4iWii juün. . , TTtS? 9vr mifir s. .ss L nu Z f r JlÄ mentllchen nacher an der hiesig n Universstät Lic. theol. Wllbelm vtiedel i t aus seiner Stellung ausgeschieden. Lauenourg. Em Tchadenseuer zerstörte das Wohnhaus und NebenSa CSiffwr;fair2 . Oirs rr ' ' ö ouo
Meweqen. Letztens machte der - Gastwirth Friedrich Fröhling durch 5?rd Friter snn , fahriges BerufsErbänger l am Dgen auf dem Mlaum als Mlitarmusiker
Felde seinem Leben ein Ende. Er hin- " f .- terläßt Frau und drei unmündige Kin- Mitbesitzer Josef Rychlewskl v.n hier J KJ . Vha A y A 9 a 4 T TaSv V
der. Trübsinn 'wegen einer etwas vr1 .... i fehlten Spekulation scheint ihn in den Tod getrieben zu haben. - w . . S e l e s e n. Sein fahriges Drenstlubilaum beging kürzlich der Gutsverwalter A. Schulz hier. Er übernahm m Oktober 1866 0 Inspektorstelle ber dem kurzlich verstorbenen Kalnmerherrn von Bandemer-Se-lesen und rlt diese Stelle seitdem ununterbrochen bekletvet. S t 0 l p. Der SZiährige Stemliagw awra OTa,ictöun ik, schon 23 Jahre lang in dem Hause r r . ry . r -r . . . c, . I m 1 rrt . rr . m m . t .i t . I jicier yaunee co. u ioogni, oeschaftrgte sich in seiner Häuslichkeit und sprach die Vermuthung aus, daß chm zweifellos eme längere Krankheit fK sam M v fiihl 4K r Vvs rthl t vwiHuiuiw' sei sehr unruhig. Bald wraus siel er ohne die Schuld eines Dritten von der ausirepoe wip am tfuBe omzium ? und wurde dann . , . , (.. r . c.r.rt i ui l bcöwwj. rou et u jiuiSt uu utiuiuujä uuu vcijuiiyciicyuiitj i lÄ' . . . "ai"It! uu yici löüuaiicn vicniic -cm bihu oor cic Pseroe eines Gespannes, wurde niedergerissen und fiel so unglücklich daß Vorder- und vuMii um uc .iiciw orpee
yliiioeggingen eye oas MZpann zum V r i e g. Pastor Reich konnte kürzStehen .gebracht werden konnte Nach auf c?nc 25jährige Amtsthätigkeit kurzer Zeit starb der Kleine infolge der st fi?Z
erlittenen Verletzungen. Frovinz SchleswZg.Korlkein. kk l e s tn i . Pr 5RntirnMfffr An br hrnt n NZNN fflnr konnte kiirzllck auf ein, 'k Dienstzeit zurückblicken. Der jetzt 70jährige Jubilar erfreut sich voller RüMnUU Altan. ; h,r w?rrftmf ifmTT 7n tnr nU rmi ra, zinski hat sich aus Verzweiflung dar- , . . . I 'r" ' ov uuoer, oan iie in cyreaueyer Wei e von Asthma und Athemnoth gequält wurde, die Vulsader durckscknitten ni ist r blutet -r i ffl r ? I m. Kr,Zs, s.in.r fsreicken Familie feierten der srübere Sdarkassenndant Pnrmtr, nh Km das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Das " ...a... u Jubelpaar, 78 und 73 Jahre alt, erfreute sick allgemeiner ?keilnasm, an dun TVeftc , , , jj -7-"' j.-.-Herzhorn. Ihre goldene Hochzeit begingen kürzlich hier die Eheleute Claus Seemann. Beide Jubilare er. freuen sich noch großer Frische und Rü. stigkeit. K o l l u n d. Da seltene ?r,st vt Diamanthochzeit begingen kürzlich der Arbeiter Nicolai Petersen und Frau hierselbst; der Ehemann ist 90, die Ehefrau 89 Jahre alt. Die Jubilare konnten den 65. Hochzeitstag im Kreise von vier Kindern. 13 Kindes k!n und 15 Ururenkeln feiern. Ratzeburg. Das Ritterkreuz des mecklenburgischen Greisenordens hat der Grobherzog von MecklenburgStrelitz dem Bürgermeister Tronnier verlieben. Segeberq. Der frühere Arbeiter Kahl und Frau, die seit langen Jahren bei ihrem Sohn, dem Gärtner Kabl. am Kalkbera wobnen und vrker in Klein - Gladebrügge ansässig waren, feierten letztens ihre Diamanthochzeit. Der Vorstand der städtischen Svar- und Leibkasse bat dem nsl-
paare ein Ehrengeschenk von 30 Mark befindlichen Dampfdreschmaschine erüberreichen lassen, und der Magistrat faß und so schwer verletzt, daß er
hat ein Glückwunschschreiben überiS?' v r cn tm Wremersdorf. Beim Wegrü-
cken der Dampfdreschmafchine gerieth Magdeburg. Vor kurzem der Landmann Saggau zwischen die blickte die hiesige Maschinenfabrik und Maschine und die Wand. Ein Arm Eisengießerei von Joerning & Sauwurde ihm zweimal gebrochen und eine ter auf sein 50jähriges Bestehen zuRippe drang ihm in die Lunae. rück. Sie wurde von Joerning und Westensee. Kürzlich feierten der Sauter, zwei intelligenten Männern
Arbeiter Friedrich Ehlers und Frau ev.n . . il. y oas tfqi er gooenen ocyzeli; gielcozeitig beging Ehlers sein 50jähriges Arbeitsjubiläum auf dem nahen Gute Bosee. Provinz Schkesien.
schastllchen Museum als Letter vcrBreLlau. Dieser Tage blickte stand, ist vorbehaltlich der Zustim. die bekannte Firma M. Lemberg mung der Stadtverordnetenversamm Nachflg., hier, Freiburgerstraße 26, lung zum Direktor dieses Museum?
lnyograpyiicye Anstatt, Mq- uno Stemdruckerei. Pkkat- und Metten
fabrik, auf ihr Mjähriges Bestehen zurück. Der 18 Jahre alte Arbeiter August Herbig aus Mochbern wurde daselbst in einer Fabrik am Dampfkessel eingequetscht und erlitt komplizirte Beinbrüche. Seinen schweren Verletzungen ist er bald im hiesigen Allerheiligen - Hospital erlegen.
R o t h ei b a ch. Vergverwalter f v w v iw vvtMvwtvutiw stuf ber hiesigen konfDr;Vs:ri.n mirübulhtutiün htmaht 2n Jahre thatig war, ist in den wohlver- , , ' --1- z , ' drenten Ruhestand getreten. Steindorf. Dem Gastwirth Haase in Blschwitz vjcj von dem 19mhrigen Tiscklergesellen Dziuballe von cin mti Da dkftr als Db mi.Ittt wurde, er. KZnr,l .r ritfi sTitrrftl hnr Srrtf. UUUUlk k k IICU UU 7TU4U WHUIV, 3 o r 7. Bei den Arbeiten ain elektrischen Kran im Borsigwerk ist der Monteur Wisgol so schwer verunglückt, . . ?nFoTrrA,r .rTrn.nm fnÄfcimIr7.V. " " 'gen sofort verstarb. FrsvinA olen. Posen. Vor Kurzem feierte der Kapellmeister des hiesigen Infanterie m.r.fw:..a. n: . " mi A fUw.vM &ri..u.i Mw "ij tuue iiui unu tte sich hierbei einen doppelten RlphAnni(m , a rt. a. CVJ 1 41 Va " 3"- " oi)txlUa. Der Maurer Szmilewick ist nebst Frau und Tochter verhaftet worden, weil alle drei drinverdächtig sind, ein dreijähriges Pgekind. das einem Dienstmädchen 6xtt fo unmenschlich mißhandeltzu fahrn dn& der nh nslrfrrn ist , ?,rnZs? z- 'n rnimnhin u J v '" v,v i "a"'"" U'd sln jem Monatsersten von dem ??.stm?ii, bnz mtUnmih 1 r "9V"" " bolte. ersckien dieses Mal erst sdät und theilte der Mutter des Kindes mit, daß dieses die Treppe hinuntergefallen und infolgedessen gestorben sei. Das ' ' 1 Dienstmädchen schöpfte Verdacht und veqab sich unverhofft in die Wohnuna cjmis,mu m:. p.?rfl. v .-. -wv.v w.v- v... Menge blutrünstiger Flecken und Wunden auf. die mit Schmutz und mit Spiritus getränkten Läppchen be(fcf inxXTCN Konkolewo. 5ier verübte letzMcn die Frau des Bauunternehmers Enge Selbstmord. Sie hinterläßt drei unmündige Kinder, alle aus erster r? hnn ,;n8 ft1?mm TOas die Unglückliche zum Selbstmord getrjeben. hat, ist nicht bekannt. fehrf ffnhan ArfFmSn ra rwwvj w v V W W" amter der Stadt fein 25jährizes Dienstjubilanm. D i t t e r s b a ch. Erstochen wurde bei emer Rauferei von jungen Burschen Wüstegiersdorf der 20 Jahre alte Bergarbeiter Ludwig von hier. Groß - Wartend erg. Vor einiger Zeit feierte der älteste Beamte des Kreises, Amtsgerichtssekretär und .f..:ic nf.,.r, r.: rr:.:..3 "u,u. , u.nnniK)lnitm 7 Ktt Vriti Mm he Adlerorden mit der Zahl 50 ver liehen. uui jic n;: letztens der 15iahrlge Sohn des Obst Pächters Liebich von einem beladenen Wagen. Das Hinterrad ging ihm v.. nv,c. v.. rn.T.i,. " VCl uiy lul"?f?lu ro TO . . L i s s a. Rabbiner Dr. Back beging lern oayrlges oilorluouaum. I -tN'. (V...1V1 t'. , . . - t. , , e pyliopmicye aiiumi oer umersitat Leipzig, bei welcher der Jubilar im Jahre ISoG promovirte, sandte 'lm us diesem Anlaß ein Jubeldiplom. Radli n. Die 2. Schwadron des A- Ulanen - Regiments aus Thorn war kürzlich hier einquartiert. Die Schwadron kam aus dem Manöver au Schlesien. Polnische Arbeiter beSegneten zwei Soldaten vor der Probster und grüßten sie polnisch. worauf die Ulanen erwiderten, sie folle deutsch grüßen. Darüber wurde emer der Arbeiter so erbost, daß er mit ""ein Spaten auf die Soldaten losging. Bei dem sich entwickelnden Handgemenge zwischen den Soldaten und den Arbeitern entwand em Soldat m Arbeiter Zydorzyk den Spaten. Zorzyk wurde darauf mit seinem Spaten erschlagen. Die beiden Ula?en, welche 'in Nothwehr gehandelt hä mn yen ajunc uno cniu. Wturek. Letztens wurde der Wirth Pawlak von einer rm Betriebe valv oaraus veriraro. Provinz Sachsen. ö der praktischen Arbeit, October 1856 I . : riw.i ..-W Cl r.J. ...1.. gegrunvci uio yui uiuzi iyren Gründern andauernd erfreulich weiter entwickelt. Oberlehrer Professor Dr. Mertens, der schon lange Jahre nebenamtlich dem hiesigen naturwissenim vauvtamte aewadlt worden. I -
Zwischen Nocken- und Lützen.
Nietzsche-Grab und Gustav Adolf-Kapelle. 2 c i v 3 i g , 7. November. Am Dienstag, da sich zum 274. Male der Tag der blutigen Schlacht bei Lützen und des Todes Gustav Adolfs von Schweden lahrte, gmg m dem erinnerungsreichen Städtchen südwestlich von Leipzig die Gedenkfeier am Schwedensiein über den alljährlich gewohnten Rahmen wett hinaus, unmittelbar hinter dem Schwedcnstein, der bereits wenige Tage nach der Lützener Schlacht von Bauern an die Stelle geschafft worden ist, wo man Gustav Adolfs Leiche gefunden, und den ein in edlen 'Linien emporstrebendes gothisches Dach schlichtfeierlich überwölbt, wird hier bald als Stiftung und Geschenk eines alten schwedischen Ehepaares, des Konsuls Ekman und Frau m Stockholm. eine schone Gustav Adolf-Kapelle zur gemeinsamen Erinnerung des evangcllschen Deutschland und des Schwcdenvolkes an Gustav Adolfs Tod erstehen. einWahrzeichen zugleich deutschschwedischer Freundschaft und ein Muster moderner schwedischer Baukunst in Deutschland (der Entwurf stammt von dem Architekten Wahlman-Stockholm). Zu dieser Kapelle wurde gestern der Grundstein gelegt. Am Vormittag blieb Zeit genug, um mit dem vom Leipziger Vorortbahnhof Plagwitz-Lindenau ausgehenden Zuge noch ein paar Minuten über Lutzen hinaus nach dem armseligen kleinen Dorfe Rocken zu fahren. Fahrkarten werden gegenüber im Gasthos verkauft!" ein Schild mit dieser lakonischen Aufschrift vertritt den Bahnhof des Dörfchens, in welchem Friedrich Nietzsche geboren wurde und begraben liegt. Ein paar eng zusammcngcpferchte Dorfhäuser, über die sich nur der abgestumpfte Glockcnthurm der Kirche und das einstöckige Pfarrhaus ein geringes erheben, das ist Nietzsches Geburtsort. Ueber schmale Wege zwischen Mauern hindurch geht man an der Pfarre, dem Vaterhause des Zara-thustra-Phllosophcn, vorder zur Kirche hinan; da liegen noch recht wie auf den Kirchhöfen früherer Tage uneinaefriedigt die Graber um die Kirche herum. Wir suchen eine Weile vergebens nach Friedrich Nietzsches Grab. denn wo wir es schließlich finden unmittelbar am Fuße der Kirche, im Schatten der Kirchenmauer, hätten wir's nicht vermuthet. Er ruht neben Mutter. Schwester und dem Vater, der drinnen in der niedrigen Kirche von der kleinen Kanzel überm Altar herab gepredigt hat. Und wie wir in stum mer Ergriffenheit stehen, den Blick auf den schweren Granttstern und die Marmorplatte gehestet, die außer Geburts- und Todesdatum nur den Namen eingemeißelt trägt : Friedrich Nietzsche. cin Lorbeerkranz ist auf den Stem gelegt, noch blühen die gel ben Astern, und ein Vogel zwitschert frühlingsglücklich in den herrlichen Herbstmorgcn, da schlagt m schar fem Kommandoton ein Schwall von Worten an unser Uhr: vom Tode und der Sünde Sold, vom Gekreuzigten und vom Vertrauen auf Gott, durch das wir gewinnen erstens . . .. zweitens . .. drittens . . . Befremdet blicken m m w I wir um: suns schritte ruawans lieg! die Dorfschule; eingezwängt zwischen Dorfkirche und Schule ruht Friedrich Nietzsche, und schlummerstörend schallen jene Worte über sein Grab hin. Hätte man ihm doch draußen in der Unendlichkeit der Schlacht- und Ackerfelder sein Grabmal errichtet! Auch e r ist im Kampfe für Glaubensfreiheit gefallen, gleich Gustav Adolf, der freiIich nebenbei noch andere greifbarere Ziele verfolgt hat. Von Nietzsches Grab durch Lützen zum Schwedenstein ist's kaum ein Stündchen für den Fußgänger. Lützen sieht noch immer unter dem Banne der Gustav Adolf-Gestalt. aus der Nlscke des Rathhauses schaut der Kriegsheld m ganzer Figur auf den traulichen, baumumsäumten deutschen KleinstadtMarktplatz herab, auf dem man natürlich auch ein Denkmal des alten Karsers nicht vergebens sucht. Mit Schweden suhlt sich Lutzen eng verbrüdert, eine Lützener Ortskapelle hat gar daI Reckt für sich erwirkt, sich in den schwedischen Farben, Blau irnd Gelb, zu uniformiren. Jetzt, am Jahrestage der Lützener Schlacht, dominirte Blaugelb überall; König Oskar und das schwedische Kronprinzenpaar, schwedischeRegimuiter, Studentenschaften und Gymnasien, die Schweden in Hamburg. Berlin. Leipzig und Dresden, ganz Schweden sozusagen hatte Kränze mit blaugelben Riesenschleifen in das kleine Städtchen im Herzen Deutschlands geschickt; aus Bonn war von einem Ungenannten ein Kranz mit der Schleifenaufschrift: Vom deutschen Rhein zum Schwedenstein angekommen. Der schwedische Gesandte aus Berlin, schwedlsche Militärattaches vom 1. Svearegiment und ein ehrwürdiger, um die breite Brust eine breite, hinten von goldenem Stern gehaltene, gelbe Schärpe tragender evangelischer Bischof aus Wisby waren zu sehen, und die schwedische Nationalhymne klang über den Marktplatz, während aus den Fenstern die frischen hübschen Kleinstadtmädchen lächelnd auf diese Verbrüderung der Völker herabschauten und vor. dem prächtigen alten Gasthof zum Rothen Löwen" mit seinen breit und behäbig ausladenden , Erkern . eine .Postkutsche
mit dem Schwager" auf dem Bock das
köstliche, liebe Bild einer alten deut' schen Kleinstadt vervollständigte. Draußen, am Grundstein zur Kapelle, die an sich cin würdiger, stilreiner Bau werden, die schlichtschöne Wirkung r c . n -i , c ' ii oes scyweoensteins nm oem manblauen aothischen Eisendack vielleicht aber ziemlich erdrücken wird, draußen mischten sich die Farben der schwedischen Fahnen, Standarten, Schärpen und Schleifen in wunderbarer Harmonie mit dem Herbstgold letzter Ahorn-, blätter und dem kühlen Blau des hellen Himmels. Der Lützener Superintendent sprach kräftige Worte gegen Rom, der hochgewachsene blonde Pastor der schwedischen Gemeinde rn Berlin richtete an die vielen anwesenden Schweden sympathische Worte m der Sprache ihrer Heimath, der schwedische Gesandte redete in fast tadelfrerem Deutsch der Freundschaft zwischen Schweden und Deutschland das Wort, ein schwedischer Chor sang mit Stimmen von eigen schönem Klang, und nach den üblichen Hammerschlägen sprach der weißhaarige Bischof von Wisby in reinstem Deutsch ein langes Gebet, das aus dem Innern kommen mußte. 0 Der würdige Mann bebte, und die breite Brust ging auf und nieder. Und doch: bei dieser, wie Bismarck sagen wurde. ..qehelmrathlichen Zwiesprache mit dem lieben Gott" klang mir plötzlich der Redeschwall aus dem Schulhause wieder an die Ohren, der Friedrich Nietzsches ewigen Schlummer stört. Und während wir mit dem farbenbunten Festzuge, an der Spitze die blaugelben Uniformen der Lützener Stadtkapelle, auf der Landstraße, um die eine der furchtbarsten Schlachten der Weltgeschichte geschlagen wurde, im Takte der Musik zurückmarschiren, schweifen meine Gedanken hin 'nach des großen Einsamen Grabe, das in all seiner weltverlassenen dörflichen Enge hier doch die gewaltigsteSprache spricht. England nnd Frankreich in der Südsee. -London, im November. Als im Februar dieses Jahres Frankreich und England das Abkommen über die Neuen Hebriden unterzeichnet haben, das soeben veröffentlicht worden ist. erhob sich in Australien und Neuseeland ein Sturm der Entrüstung über diese neuerliche Schädigung der Kolonien. Das Mutterland hatte wieder einmal die Jnteressen der Kolonien geopfert, um sich mit einer europäischen Macht, die den Kolonien recht herzlich gleichgültig ist, gut zu stellen; europäisch - provinzielle" Rücksichten hätten statt imperialistischer Gesichtspunkte die englische Politik bestimmt. In dem englisch-französischen Abkommen vom 8. April 1904 war eine endgültige Entscheidung über die Neuen Hebriden noch nicht gefällt, sondern einem späteren Vertrage überlassen worden; indeß kamen die vertragschließenden Mächte von damals überein. den politischen status.quo" aufrcchtzuerhalten. Seit dem letzten Vertrage von 1887 stehen die Neuen Hebriden unter einem englisch-französischen Kondominat, und dieser Zustand ist durch das neue Abkommen befestigt worden. Australien und Neuseeland aber hatten gehofft, daß dennoch der Union Jack über der ganzen Inselgruppe gehißt werden würde. Besonders hatte sich' der verstorbene Premier von Neuseiland. König" Seddon. dafür ins Zeug gelegt; er wurde nicht müde, das englische Kolonialamt zu bestürmen, zu verhindern, daß Frankreich in der Südsee weiterhin festen Fuß faßte. Unter dem neuen Abkommen ist das allerdings zu erwarten. Während die englische Bevölkerung in einzelnen Siedelungen auf den Inseln zerstreut lebt, wohnen die Franzosen großentheils in den Städten, und haben somit die Aussicht, die munizipalen Verwaltungen, die in dem jetzigen Abkommen neu geregelt werden, unter ihre Kontrolle zu bekommen, und damit zugleich auch die Häfen. Außerdem ist die französische Regierung seit Jahren äußerst rege in der Unterstützung der vorhandenen Ansiedler und in der Heranziehung neuer Einwanderer. In Gestalt von beträchtlichen Staatsdarlehen werden ihnen direkte Prämien gewährt; die Kaufleute, die nach dem benachbarten Neu-Kaledonien exportiren, genießen auf dem dortigen Markt eine Vorzugsbehandlung, da hier wie in den übrigen französischen Kolonien den Franzosen der Zoll nachgelassen wird; und in den australischen Märkten haben dif englischen Siedler der Neuen Hebriden vor den Franzosen nichts voraus. Schon seit längerer Zeit wünschen Australier und Neuseeländer, einen britischen Zollverein über die ganze' Südsee zu errichten. Wenn der jüngste Handelsvertrag zwischen Australien und Neuseeland, der Differentialzölle zugunsten des britischen. Handels enthielt, von dem neuseeländischen Parlament abgelehnt wurde, so ist die Verwirklichung dieses Gedankens zunächst nur aufgeschoben. Man wird wieder darauf zuruakom men; und wenn Australien dann günstiaere Bedingungen stellt, so wird Neuseeland mit Freuden darauf eingehen. Indeß die Neuen Hebriden sind von der Erweiterung eines solchen Zollvereins ausgeschlossen, so lange das englisch-französische Kondominat besteht. Man glaubt weder in Australien
noch in Neuseeland daran, daß das Kondominat von Dauer sein werde, und als Argument weist man auf die Erfahrungen in den Samoa-Jnseln hin, wo das Kondominat Deutschlands, Englands und Amerikas zu vielfachen Zwistigkeiten und Reibungen führte, und schließlich mit , einer Theilung der Inselgruppen endete. Für die Neuen Hebriden sieht man ein ähnliches Ergebniß voraus. Und angesichts der wirthschaftlichen Fortschritte, die die Franzosen dort machen, ist zu erwarten, daß bei einer endgültigen Entscheidung über die Inselgruppe die Franzosen die südlichen Inseln, die naye an Neu-Kaledonien 'liegen und wo sich der beste Hafen befindet, erhalten werden. Jetzt hätte man die Ansprüche der Franzosen mit der Abtretung einer anderen Kolonie, vielleicht von Mauritius, noch befriedigen können; in einigen Jahren wäre es zu spät dazu. Namentlich mit Rücksicht auf die Vollendung des Panama-Kanals wird den Kolonien diese Verstärkung einer nicht-britischen Macht 'in der Südsee unbehaglich. Die neuen Dampferlinien werden die Neuen Hebriden, die schon an den Routen von Sydney und Vancouvcr und nach San Francisco liegen, berühren; und die wirthschaftlichen und strategischen Folgen des Kanalbaues werden ein weiteres Moment zur Aufhebung der relativen Jsolirung sein, in der sich Australien heute noch befindet. Inländische Nachrichten. Mark Twains Nachwuchs. In der North American Review". in der Auszüge aus Mark TwainsSeibstbiographie veröffentlicht werden, gibt
der große Humorist eme kostliche Biographie wieder, die seine kleine Tochter Susi von ihm verfaßte. Diese Blätter beginnen mit dem Jahre 1885, zu einer Zeit, da Mark Twain im fünfzigsten Jahre stand und sein Tochterchen im vierzehnten. Sie schrieb diese Biographie zur Nachtzeit, heimlich, in ihrem Schlafzimmer und hielt ste sorgsam verborgen, bis sie eines Tages dem Bater doch ?n die Hände fiel und gelesen ward. Die Geschichte fängt an: Wir sind eine sehr glückliche Familie. Wir bestehen aus Papa, Mama, Jean, Clara und mir. Es ist Papa, über den ich schreibe, und ich habe keine Sorge, daß ich nichts über ihn zu sagen haben werde, denn er ist ein sehr merkwurdiger Charakter." An anderer Stelle schreibt die kleine Bwgraphm: Papa hat eme sehr gute Figur kurz: er ist ein sehr gut aussehender Mann. Sein Aeußeres ist überhaupt vollkommen, ausgenommen, daß seine Zähne nicht besonders sind. Sein Teint ist sehr rein, und er traqt keinen Bart. Er ist ein guter Mensch, und ist sehr drollig. Er hat gute Laune, aber. das haben wir alle in der Familie. . Er ist der liebenswcrtheste Mann, den ich je gesehen, oder zu sehen hoffe und dabei, ach, so zerstreut! Er erzahlt sehr schöne Geschichten. Clara und ich pflegten auf beiden Seiten seines Sessels zu sitzen und zuzuhören, während er uns Eechichten erzählte über die Jilder an den Wänden." .Papa fügt die Kleine hinzu, gebraucht sehr starke Ausdrücke; aber ich habe so eine ;dee. als ob sie noch lange mcht so stark sind, wie damals, als er Mama erst Heirattete . . ." DieMannheimerJubiläumsfcicrlickkeiien 190 7. Die Stadt Mannheim wird das 300jährige Jubiläum ihres Bestehens durch eine Reihe glanzvoller Vcranstaltungcn feiern. Im Bttttelpunkt steht die vom 1. Mai bis 20. Oktober 1907 dauernde Internationale Kunst- und große Gartcnbau-Ausstcllung, die, nach den bisherigen Vorbereitungen zu schließen, das bedeutendste Ercigniß der nächstjährigen Reise und Ausstellungssaison bilden wird. Das Theater veranstaltet sorgfältig vorbereitete Jubiläums-Fcstspiclc mit hervorragendcn Gästen, und in der Hauptfcst woche, die vom 30. Mai bis 4. Juni stattfindet, ist ein großes Musikfest mit vier Konzerten geplant, deren ebenso eigenartig wie großartig angelegtes Programm zweifellos weithin Jnteresso. erregen wird. Unter den Veranstaltungen der Haupt-Festwoche (30. Mai bis 4 Juni) heben wir außer den mehr internen Festlichkeiten folgende hervor: Enthüllung der vom Großherzog von Baden geschenkten Standbilder des Großherzogs Karl Friedrich von Baden und deö Kurfürsien Karl Ludwig von der Pfalz, n Rokokofest mit Abendsest in der Ausstellung, einen großen Kinderfestzug mit Märchengruppen, ein großes Spielfest der gesammtm Schuljugend, die Einweihung der zweiten Neckarbrücke und des Industriehafenö. der mit Recht als die bedeutendste Leistung des heutigen Mannheims gilt. Die Stadt deabsichtigt hierzu die Behörden und Korporationen der Rheinfiädte von der Schweiz bis Holstein-Belgien einzuladen und allen ihren Gästen am Hauptfesttage. Montag, 3. Juni, ein großes Festmahl im Nibelungensaal zu geben. Die Skelette dreier Soldaten, welche sich in der Armee Napoleons befanden, als dieser im Jahre 1800 die Alpen überschritt, wurden kürzlich in einer Höhle nah: der Straße aufgefunden, die Julius läsar, Im" St. Bernhard hatte auen liicn. ... - -;
