Indiana Tribüne, Volume 30, Number 95, Indianapolis, Marion County, 12 December 1906 — Page 5

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Tiroler auf Leistn. Humoreske von Karl Wolf. In den ungarischen und kroatischen Tiefländern begegnet man im Frühjähre' nicht selten den Passeirerleut.n. Sie ziehen dorthin, um große Hcden von Kleinvieh aufzukaufen, die sie dann auf den ausgebreiteten, grasreichen Alpenweidn der südtirolischen Berge auftreiben. Die Ziegen, Schafe und Böcke gedeihen da ausgezeichnet, werden im Spatherbste zu hohen Preisen verkauft und oft 'in ganzen Bahnzügen nach Paris zu Markt gebracht. Der Wiener Nachtschnellzug hat in Marburg immer längeren Aufenthalt, denn es werden durchlaufende Wagen an und abgekoppelt, je nach den Richtungen, wohin sie laufen. Der Zug war, wie gewöhnlich, überfüllt, besonders in der dritten Klasse wollten die Leute nicht aufhöxtn zu schimpfen und zu klagen. D Sixt und der Hartl hatten es sich so bequem als möglich gemacht. Die Joppen hatten sie ausgezogen, die schweren Schuh und die dicken Strümpfe abgestreift, alle diese Sachen zu einem Bündel zusammen geschnürt und oberhalb der Sitze in die Stellage gelegt. Komisch genug schauten sie aus, die zwei Kerle in Hemdärmeln und kurzen Lederhosen mit nackten Waden und Füßen. Wenn man nicht genau hinguckte, sah es so aus, als hätten sie weiße Strümpfe an, denn nur Knie und Knöchel waren von der Sonne dunkelbraun gefärbt. Schon durch das ganze Pusterthc:! hatten sich die beiden Burschen vttgeblich fomüht, einen frischen Trunk zu erhalten. In der Station Lienz stürzten sie allerdings wie die übrigen Reisenden in die Restauration. Da besetzten sie zwri Sessel und vor jedem stand, der Kürze der Zeit halber vorgerichtet, eine Portion Rostbraten mit Kartoffeln. Mit wässerigem Munde schauten sie das saftige Fleisch an, getrauten sich aber nicht, davon zu essen, bis endlich der Zahlkellner drängte: Ein Rostbraten eine Krone vierzig, Kartoffel vierzig, ein Bier,

em Brot zwei Knonen zwanzig! Zwei Kronen zwanzig! Zwei Kronen zwanzig, bitte, ich kann nicht Ui jedem Gast eine halbe Stunde siehen bleiben!" Ja, Sie, wann S' mitfahren wölln, machen S' gschleuni," mengte sich nun der Tischnachbar ein, son stein versäumen S' den Zug!" Da beeilten sich die Zwei und jeder legte drei Kronen hin. ' Dank schön! Dank schon! schnarrte der Kellner und verschwand mit dem Gelde, und ehe, sie sich recht besinnen konnten, wurden sie hinausgezerrt und in den Wagen geschoben. Der ' Zug machte einen Ruck, benr Hartl knickten die Kmee ein und im nächsten Augenblicke saß er auf drei dick mit Butter Gestrichenen Broten, welche eine Bäuerin auf dem Schooß liegen hatte, um sie als Nachtmahl einzunehmen. Auf das Gekreisch des Weibleins sprang Hartl allerdings schnell auf. Eines der Brote war aber angepickt an der ledernen Hoje und ein unter der Bank mitgefchmuggelter Jagdhund schnappte es fort. Jetzt, in der Station Marburg, dachten sie sich, wollten sie vorsichtiger sein. Hartl warfest entschlossen, der Kellner, wenn er nur den leisesten Versuch machen sollte, das herauszugebende Geld einzustreichen, einfach in den Wagen zu tragen, da hatte er dann Zeit, herauszugeben, bis zur nächsten Station. Erstaunt schauten die Leute den zwei sonderbaren Gestalten nach, welche den Bahnsteig auf- und nieder stackelten und den Eingang zur Restauration suchten. Drei Viertelstunden Aufenthalt, hatte der Condukteur verkündet, in dieser Zeit können zwei ausgehungerte Passeirer schon was leisten. Lachend wehrte ihnen ein Kellner den Zutritt zur ersten und zweiten Klasse, machte aber eine tiefe höfliche Verbeugung, die Thür zur allgemeinen Restauration öffnend. Der bestellte Liter Tiroler, das war wie ein Tropfen aus einen heißen Stein. A solchenes Fidschi bring lei an jedweden," meinte Sixt nun in behäßlichster Stimmung. .Du muaßt wissen, mir zwoa haben a Truck'nleber. r Und i leid an an Schnurfmag'n," setzte Hartl bei. Mit den Zöttl da bleib in der Kuchl, de Schrift derlesen mir döcht nit. Bring zwoama! Kälbernes, taugli für an' Kapuzinerpater nach der vierzigtägigen Fastenzeit." Indessen hatte Sizt das Äschtuch von einem der runden kleinen Tische mit der Bemerkung entfernt; es ekle ihm, wenn er auf einem Leintuche essen müsse. Das ' bestellte Fleisch dampfte bald vor ihnen. Ein kleines gläsernes Scyüsselchen mit Kartoffelsalat, wie es in den Restaurationen üblich ist, verschlang Hartl auf zwei Griffe mit dem Suppenlöffel und reichte es dem Kellner hin. 21 bissele saurer sagst, soll'n sie d'n anmachen, 'n Erdäpfelfalat, als dös Muster, a bissele saurer." In emer Ecke der Restauration hatien sich gar lustige Gesellen zusammengefunden. Drei von ihnen waren zu Hochtouren ausgerüstet und die übrigen sechs oder acht hatten ihnen

jedenfalls vor der Abfahrt das Geleite gegeben. In Erwartung- fröhlicher, heiterer. Tage im Weingarten Südtirols hatten sie demTiroler schon mehr als gerade zu? Bettschwere für eine nächtliche Bahnfahrt nöthig wäre, zugesprochen, und alle waren in übermütbiaster Laune. Wie gerufen kamen ihnen der Sixt und der Hartl in die Quere, und so sonderbar auch ihr Aussehen in Lederhose und Hemd war, oder vielleicht gerade deswegen, forderten sie die betden auf, in ihrer Tafelrunde Platz zu nehmen. Die zwei Freunde, auch schon in heiterer Weinstimmung, ließen sich nicht lange einladen. Bald stieg eine lustige Geschichte nach der anderen, und besonders Hartl 'mit seinem trockenen Humr gefiel den Stadtlingern" ausgezeichnet. Der Rametzer Burgunder, dieser tückische Geselle aus den Geländen von Obermais, hatte die Herrschaft ergriffen, und eben sollte eine allgemeine Verbrüderung stattfinden, als der Portier mit seiner Glocke in der Glasthür auftauchte und vor Staunen den Mund nicht mehr zubrachte. Herrgott. sakra," stieß er endlich aus, Hergott sakra, da sitzen die zwei halbeten Tiroler a no, und derZug is grod fort!" Erschrocken sprang die Gesellschaft von den Sitzen auf, Hartl aber faßte mit raschem, sicheren Griffe den Zahlkellner um die Mitte, warf ihn wie einen Mehlsack über die Schulter und rannte davon. - In seinem -Halbrausch war ihm sein Vorsatz aufgedämmert, wie er es machen würde, wenn, wie-m der Station Lienz, der Kellner mit der Herausgabe zögern sollte. Wie der Wind floh er mit dem zappelnden und schreienden Kellner den Bahnsteig entlang, als wollte er den Zug einholen. Hinterdrein Bahnbedienstete, Kellner, Gendarmen und Beamte. Die Leute außerhalb der Restauration wußten sich die Sache schon gar nicht zu deuten. Doch bald klärt: sich die Geschichte auf, Hartl bekam vom Rothkapvelten", wie er sich ausdrückte, eine Verwarnung 'und die lüstige Gesellschaft beschwichtigte den schimpfenden Kellner mit einem ausgiebigen Schreckensund Schmerzensgeld, trotz Haril's

Protest, der dem ängstlich zurückweiSenden Kellner an das rechte Ohr tupfte und meinte: Rir hat's ihm iha. gar nix. er hat ja no 's Stangl (Bleistift) hinter'm Ohrwaschl." Was war nun zu machen? In Hemd und m Lederhosen bis an's Knie standen Sixt und Hartl da, wie jie selbst einsahen, eine etwas dürftige Reisetoilette. Ja daheim! Da liefen sie tagelang so herum. Dock' einer der Herren hatte einen guten Einfall. Er sprang auf einen Stuhl und sazte:,. Meine.v Herren I.- Die zwei Tiroler wollen 'ihre Reise durchaus mcyt mehr fortsetzen und haben nur einen Wunsch, heim wollen sie. Der Herr Stationschef wird die Güte haben. die ausgerissenen Kl.'ider zurück nach Tirol zu dirigiren. und wir, meine Herren, werden uns eine Stufe in's Himmelreich bauen, ein Werk der Barmherzigkeit üben und die Nackten bekleiden. Schauen Sie sich die zwei armen 'Opfer an, Sie sehen sofort, was ihnen mangelt, und dann werden wir alle sicher aus unseren, von Herrschaften abgelegten Kleidern das fehlende zusammenbringen. Bis zur Abfahrt des nächsten Tiroler Zuges fehlen noch fünfzig Minuten, also an's Werk, Bruder der Barmherzig keit!" Lauter Beifall lohnte den Redner, lachend wurde Rath gehalten, und bald verschwanden ewige Herren. Und richtig, es verflossen nicht drei-ßig-Minuten, so waren die Nackten schon bekleidet. Hartl schaute aera dezu stattlich aus. Ein Cylinderhut schmückte seinen eckigen Schädel, dann trug er eine helle geblümte Weste und einen Frack. An Strümpfe hatte sein Gönner allerdings nicht gedacht, ba für hatte er aber blaue, gestickte Hausschuhe mitgebracht, welche von einem verstorbenen Großvater stammten. Stolz beguckte Hartl sich in dem qto ßen Spiegel und meinte schmunzelnd: Wenn sie mit lei nit für an Richter halten, die Leut'.Sixt trug dafür durchwegs heitere Gewandung. Ein viel zu kleines Girardihütchen mit rothem Bande und eme Tennisjacke, deren Aermel etwas über die Ellbogen reichten. Die Hemdärmel hatte er vorgezogen und die bauschten nun um den Unterarm, wie es die Damen in den Sechzigerjahren trugen. Die blaue Weste war länger als die Jacke. Dann trug er alte Lackschuhe .und schwarze Socken, eine Spanne hoch, wie die Knaben. Lachend umstanden die Leute die zwei Tiroler, und mancher Flasche wurde noch der Hals gebrochen, als endlich der Zug einfuhr, welcher Sizt und Hartl wieder in die Heimath bringen sollte. Man verabschiedete sich so rasch wie möglich, denn bei einer Nachtfahrt schwindet jedes In teresse für den Nebenmenschen im Bestreben, einen guten Platz zu bekom nun. Fast unbeachtet schlichen die zwei Passeirer ven 3113 entlang, ais feist vlöklick den üartl am Z?rackflüael zurückhielt. Da schau amal eini," flün i . r i "v n . . t . sierie er, aus oie tfcnjier oes sazlaswaaensxdeutend. .da schau amal eim! Dös war' a feins Platz! für zwa guate Freund. Der Schlafwagencondukteur hätte 'wahrscheinlich den

kurzen Aufenthalt benutzt, ein- Tasse warmen Kaffees zu erlangen, denn

durch das Hochpusterthal weh! ein scharfer Morgenwind. Ganz unDe achtet bestieaen die zwei den Wagen. rückten an der erstbesten Thür, welche auf die Seite rollte, und verfchwanden im nächsten Augenblicke im Coupee. Die Vorhänge waren zugezogen, die Thüren klappten, ein Signal, ein Pfiff und langsam rollte der Zug in die Nacht hinaus. .Teufel no a mal eini." meinte der Hartl und streckte sich .behaglich aus. .Teufel no a mal eini. so a Bett, nit der Kaiser hat so oans!" Der Sizt aber schob sein Giraidihütchen aus's Ohr und flüsterte angstlich: Schön sein thät's . freili, schon sein, herentgeg'n, aber was dös kosten werd, so nobug fahren. Laß Di nit auslachen," brummte Hartl ärgerlich und stellte den Cylinder neben stch auf den Booen. Ha ben wir nit unsere Joppen, die Strümpf, die Schuach und die Hüat in der andern Bahn? Nachher steZt in meiner Joppen mindestens für drei Krunen Speck drin, Salz. Psesser und Brot gar it gerechnet. Und sein miar schuld, daß sie uns hua n lass'n? Ha? Und müass'n uns die Bahneler nit so a wieder huam lie fern? Jetztern bin l diar zu Rath, gib an Fried', leg' Di nieder und mach' mi nii reden. An söttan Haufeu Wein inhoben und de Rüttlerei allcweil Menscht wo nehmest denn da a Sagmehl her für'n Bod'n." Jeffes, Maria und Jofefele, hab' 's Maul zua!" sagte Sixt erschrocken aus die Ausführungen seines Freundes und streckte sich behutsam auf die andere Bank. , In der Station Franzensfeste machte sich 'eine gewisse Aufregung bemerkbar. Neben dem dienstthuenden Beamten stand auch der Chef mit der rothen Dienstmutze, dann eine Menge wartende Leute, die dort umzusteigen hatten. Einen ganz besonders feierlichen Anstrich gaben der Versammlung zwei Gendarmen mit ufgepflanztem Bajonett. Es war die Drahtnachricht eingelaufen, daß im Schlafwagen während der Fahrt infolge ihres geradezu un heimlichen Schnarchens zwei abfonderliche Fahrgäste aufgefunden woc den seien, die man zur Welterbesorderung ganz besonders der Obhut der Bahnbehörden anvertrauen möchte. Endlich fuhr der Zug ein. Ein Vergnügungszug im vollsten Sinne des Wortes mußte er sein, denn man sah nur lachende Gesichter. Der Schlafwagencondukteur nß die Thu seines Wagens auf und wie em vor nehmer Reisender kam erst de? Hartl zum Vorschein, mit wehenden Frack schößeln, seinen. Cylinder schwingend, dann folgte Sizt, das Girardihütchen auf's Ohr geruckt. Dienstfertig schlug er mit der flachen Hand auf Hartl's nackte Waden, es hatte sich dort eine Fliege festgesaugt. Zunächst bemerkte man auf allen Gesichtern grenzenloses Staunen; als aber Hartl eine tiefe Verbeugung machte, mit einem höflichen: Recht auaten Abend allerseits!" den Cylinder aufsetzte und mit einem kräftigen Schlag seiner großen Hand auf den Deckel dessen Haltbarkeit sicherte, da hörte man nur kichern von allen Seiten. Der Schlafwagencondukteur erzählte, wie er durch ein fürchterliches Schnarchen' auf die sonst nicht belegte Abtheilung während der Fahrt aufmerksam wurde uno,-nachdem er geöffnet hatte, die zwei Kerle in ihrer sonderbaren Adjustirung . vorfand, ohne eine Ahnung zu haben, wie sie überhaupt, in den Wagen gekommen waren. Dem Siationschef wurde es unmöglich, inmitten ;b herandrängenden Menge die zwei Burschen zu vernehmen, und so wurden sie einstweilen von den Gendarmen abgeführt. Hartl schritt mit großer Wurde dahin, bei jedem Schritte klatschten die Frackschoße an die lederne Hose, und mit dem rothen Taschentuche wehrte er den Fliegen auf seinen nackten Wa den. Sixt jodelte trotz der Verwarnung seines Führers und kniff im Vorbeigehen ein junge Touristin in die Wangen. Nachdem der Thatbestand festgestellt war, wurden Sirt und .Hartl unter besondere Obsorge des Zugführers gestellt und zwangsweise nach Meran verladen. Bei ihrer Ankunft dort war es fchon dunkel. Es gelang, ohne sonderllches Aussehen die beiden durch Seitengassen in die Stadt zu brin gen. Sixt und Hartl nahmen dann im Hotel zum schwarzen Doppeladler" auf acht Tage Pension, um sich von ihrem Reiseabenteuer auszuruhen. Unterdessen kamen ihre Kleider auch zurück, und zur Zeit krabbeln die beiden schon wieder frisch und munter im Gelände herum, den Gemsen nachzustellen. Wenn sie sich dann des Abends. die Füße gegen das Feuer in der Mitte der Blockhütte gerichtet, auf die gehackten Fichten- und Tannenzweige lagern, um einen festen Schlaf zu tbun. da rückt Hartl immer lange hm und her. , Ja mei," seufzt er dann : t . 1 . ni'c ;ri r ma mei, jcuujicnc ii jrcui u a Lager; herentgegen in der Bahn; Teufl. Teufl.. sell .18 Ja Bett, gewesen, a fein's, a kluag'Ll"

Zlerven. Ven Helene Lang-Anton. Ich' habe eine kleine, allerliebste

Frau. Wer es nicht glaubt, thut gut daran, sie anzusehen, er wird Mir dann sofort beistimmen. Sie verbindet Klugheit mit, Anmuth, Frohsinn mit Gemüth, uiÖ ich wäre der glücklichste Mensch von der Welt, wenn ste kerne Nerven hat:?. Aber diese Nerven die oft so ganz unvermittelt kommen und unsere gemüthliche Häuslichkeit empfindlich stören, sind es, die mich daran hindern. Sie treten unerwartet auf uno nehmen oft bedrohliche Dimensionen an. Wenn meine Frau Nerven" hat, ist mit mir nichts anzufangen. Sie, sonst so gutmüthig und leicht zu leiten wie ein Kind, -wird eigensinnig, launisch, jedem begüthigenden Zuspruch unzugänglich. Es sind merkwürdige Nerven. Sie 1 konzentrieren sich stets aus einen Vegenstand, von dessen Besitz ihr Lebensheil abzuhängen scheint. Hat sie ihn glücklich erreicht, sind auch die Nerven weg. Dann ist sie wieder vergnügt, und von der gesürchteten Krankheit ist nicht eine Spur zurückgeblieben. Bor einigen Tagen fing sie be! unserm Abendspaziergange plötzlich an, sich über den Aberglauben der Menschen lustig, zu machen. Ich stimmte ihr lebhaft bei, mit dem Bemerken, daß nur thörichte oder ungebildete Menschen daran festhalten. Sie sah mich mit einem strahlenden Lächeln an und sagte gznz unbefangen: Ja, denke Dir. Schatz, es gibt Frauen, die keine Perlen tragen, weil Perlen Thränen bedeuten sollen; ist das nich? lächerlich, Männe?" Ich wurde in meiner Zustimmung schon etwas reservierter, ich traute ihrer Harmlosigkeit nicht ganz, hatte sie doch auf diese Weise mich schon öfters in Fallen gelockt, aus welchen ich mich manchmal mit recht hohem Losegeld befreien mußte. Sie beachtete meine Zurückhaltung gar nicht, meinte nur noch einbringn eher: Ich begreife das nicht, es gib: doch nichts Schöneres wie Perlen, natürlich müssen es echte sein." Ich wurde ängstlich. Echte Perlen kosten ein Vermögen. Aber meine Frau schien von meinem .Seelenzu stände gar nichts zu ahnen und plauderte weiter. 'Sie erzählte mir von einer alten Großtante, die ein Kollier von drei Perlenschnüren besessen hatte, und wii dieses fchon in ihrer Kindheit ihren Neid, ihre Bewunderung und ihren Wunsch. Perlen zu besitzen, erregt hätte. . .Jetzt erschrak ich wirklich. Einem so Offenen Angriff gegenüber konnte ich nicht mehr den Harmlosen spielen. Ich mußte begreifen, so sehr ich mich auch dagegen sträubte. Mir schwindelte, gleich drei Perlenreihen! Welche Mühe würde es mich kosten, ihr diese auszureden, denn ich war fest entschlossen, auch nicht 'ein zu bewilligen. ' Ich fand meine Frau auch ohne je. den Schmuck reizend, süß, entzückend. Aber alle meine. Schmeicheleien und Verpcherungen ließen sie kalt. Sie wurde schweigsam, abweisend in den nächsten Tagen, und ich sah schon am Horizonte unseres Ehehimmels die mit Recht gesürchteten Nerven wieder aufsteigen. Heute morgen beim Kaffee war die Stimmung schon sehr schwül, und als ich .mittags nach Hause kam, Lssnete mir Auguste mit einem so verdrossenen Gesicht die. Thür, daß ich unwillkürlich fragte: Was ist denn los?" Das Mädchen zuckte mit den Achseln und meinte in geringschätzigem Tone: N Ach, es ist nicht auszuhalten, die gnädige Frau hat wieder die mollschen Nerven." Ich hätte, Auguste eigentlich ihrer Art und Weise wegen zurechtweisen müssen, aber ich konnte es ihr nachfühlen, und so ließ ich es hingehen. Ich begnügte mich damit, ihr einen strafenden Blick zuzuwerfen und ohne Antwort an ihr vorbei ins Zimmer zu treten. Auguste hatte wirklich nicht viel gesagt, die Nerven waren da, und zwar in höchster Potenz. Mein Gruß wurde kaum erwidert, mein Kuß hoheitsvoll abgelehnt. Das Mittagessen verlief höchst ungemüthlich trotz heißen Bemühens von meiner Seite. Schließlich gab ich es auf, angesichts des stummen eisernen Gastes, in den sich meineFrau verwandelt hatte, mit mir selbst Konversation zu machen. Einige. Tage hielt ich mit bewunderungswürdigem Muth die Nerven meiner Frau aus; aber als Auguste mir eines Morgens auf das bestimmteste erklärte, daß sie ziehen müsse, wenn das so weiter Finge, und ich das : tüchtige, pflichtgetreue Mädchen nicht verlieren wollte, mußte ich in den sauren Apsel beißen. Ich theilte meiner Frau vorsichtig mit, daß ich die Perlen sie hatte mir mittlerweile auch verratben, bei welchem Juwelier sie diese gesehen anschauen wolle und wenn der Preis nicht gar zu unerschwinglich wäre . Weiter, kam ich nicht. Sie stürzte mir .mit einem Freudenschrei an den Hals, und die Nerven waren verschwunden." ' Sie bat .schmeichelnd,

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zärtlich, mitkommen zu dürfen. Was hätte ich ihr wohl abschlagen können, wenn sie mich so verliebt ansah, und seufzend fügte ich - mich in mein unverm eidliches Schicksal. Als ich mit meiner Frau m den Juwelierladen trat, um mir die Perlen,' die thatsächlich bei ihr Thränen bedeutet hatten, anzusehen, zeigte uns das ' Fräulein verschiedene Kolliers, einzelne in schwindelnd hoher Preisläge. Ich fragte nach dem Inhaber des Geschäftes, da man doch ein solches Werthstück nur unter vollster Garantie erstehen könne. Das kleine Fräulein hinter dent Ladentisch verzog den Mund zu einem spöttischen Lächeln und bedauerte, ihn nicht rufen zu können, da er ein Festessen im Nervenklub", dem er auch angehöre, mitmache. Wir sahen' die Verkäuferin erstaunt an, ich eigentlich mehr erschreckt. Denn der Gedanke, daß da nervenkranke Menschen einen Klub gegründet hatten und große Festessen arrangierten, hatte für mich etwas Unheimliches. Aber bald löste sich die Sache in harmloser, befriedigender Weise auf. Von mir befragt, erklärte das junge Mädchen uns den Nervenklub, t der wirklich seine Berechtigung hatte.'' Er bestand größtentheils aus Juwelieren, aber auch fast alle Inhaber von den großen Modemagazinen und den eleganten Putzgeschästen waren Mitglieder dieses eigenartigen Klubs. Sie feierten die Nerven der Frauen, die ihnen zugute kamen und ihre Haupteinnahmen bildeten. Das kleine Fräulein hatte das alles bescheiden vorgebracht, aber es wirkte doch so überwältigend komisch, daß man nicht imstande war, ernst zu bleiben. 3ch kämpfte mit aller Macht gegen das Lachen, aus Furcht, mir die kaum errungene Gunst meiner Frau wieder zu verscherzen. Aber sie selbst mußte wohl das unglaublich Lächerliche des Gesagten emPfunden haben, denn sie berührte leise meinen Arm und flüsterte mir zu: Die Perlen gefallen mir nicht, und.' sie sind auch viel zu theuer. Ich möchte keine." Ich jubelte innerlich auf. beeilte mich, ihr den Arm zu reichen, dem verdutzt dreinschauenden Mädchen zu versichern, daß ich wiederkommen würde, wenn der Herr da wäre, und mit ihr schleunigst den Laden zu verlassen. Beim Hinausgehen nahm ich mir vor, mich dem jungen Mädchen gegenüber, das mich durch feine Schwatzhaftigkeit vor materiellen Schaden bewahrt - hatte, erkenntlich zu zeigen. Von dieser Zeit an besserten sich die Nerven meiner Frau sichtlich. Sie traten nur selten auf und selbst dann nicht m so hohem Grade, daß die Gemüthlichkeit im Hause darunter litt. Sie wurden mehr als. Adschreckungsmittel gebraucht, und es kam vor, daß meine Frau mir,wenn ich ihr emen Wunsch versagte, sich selbst persiflierend, scherzhaft drohte: Du, ich fühle, daß ich meine Nerven bekomme. Aber auch das unterläßt sie jetzt, seit ich ihr auf das bestimmteste erklärte: Dann schreibe ich einen ReklameArtikel für den Nervenklub." . ar Seltene Bravour tn ver Ueberwindung , von Schmerzen hat ein Mann Namens Patrick Friel in Lutte, Mont.. bei dem Dlebstahl eines Ofens an , den Tag gelegt. Das Feuer im Ofen brannte, und Friel trug ihn trotzdem von der Wohnung des Eigenthümers nach seine? eigenen Wohnung. Hinter ihm wanderte seine Frau mit den Ofenrohren. Ein Detektiv kam rechtzeitig dazu und nahm Friel fest. Der Eigenthümer des Ofens mußte sich diesen mit einem Wagen wieder nach seiner Wohnung zurückschaffen lassen.-'

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Ein im Inte reffe der Si cherheit des reisenden'Publikums wichtiger Beschluß' ist von der Pennsylva- ' nia - Bahn gefaxt worden; er betrifft, die allmähliche .Ausrangirung sammt--licher aus Holz gefertigter Bahnwaa,en. und ihre Ersetzung durch stählerne, die soweit es der heutige Stand der Technik gestattet, so sicher wie möglich gegen Feuersgefah: und Collision ge- ' . baut werden sollen. Bereits sind mehrere der nftm-amerikanischen Wagenbauer zur Einreichung von Angeboteil für den Bau von hundert feuersicheren Personen-Waggons aufgefordert wor--den, die, wenn irgend möglich, bis zur: Fertigstellung des Pennsylvania-Tun--nels für den Betrieb fertig fein sollen,, da die Bahngesellschaft entschlossen ist,. den Tunnelbetrieb mit absolut feuersicheren Cars, neuester Construktion zw -eröffnen. Auch auf alle andere Carö soll die Stahlconstruktion ausgedehnt werden. In den Werkstätten der Bahn in Altoona wird demnächst ein stähler-, ner Gepäckwagen fertiggestellt sein Ebenso sind bereits Pläne für einen, stählernen Speisewaggon entworfen., worden, wie auch an einem stählernen Postwagen gebaut wird, der etwa zehn, Fuß länger sein soll, als die fetzt im Gebrauch befindlichen Postwagen von 60 Fuß Länge. Die Pullman Company baut, zur Zeit im Auftrage der Pennsywa'nia - Bahn än stählernen . Schlafwagen, von denen bis zur ErÖffnung des Pennsylvania - Tunnel! 500 fertig gestellt sein müssen. ffiU zerne Waggons werden unter keinen Umstanden mehr gebaut loerden, und , in absehbarer Zeit wird jede Car auf den Linien der Pennsylvania Sahn don Stahlconstruktion sein. .

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